Einsteigerbranchen

Von der Planung bis zur Bauleitung, vom Bauunternehmen bis zum Architekturbüro – nach dem Studium stehen gleich mehrere Wege zur Auswahl, um in den Beruf zu starten. Im Folgenden ein Überblick über die wichtigsten Einstiegsmöglichkeiten für junge Architekten und Bauingenieure.

Fachplanung im Architektur- oder Ingenieurbüro

Auswahl an Aufgabenfeldern von Planungsbüros

Wohnungsbau/Hochbau
Das wirtschaftlich wichtigste Betätigungsfeld für Architekten ist immer noch der Wohnungsbau, gefolgt vom öffentlichen sowie gewerblichen Hochbau. Hierbei geht es nicht nur um Planung und Entwurf von neuen Gebäuden, sondern verstärkt auch um das Bauen im Bestand. Umbauten und Erweiterungen sowie Instandsetzung und Modernisierung sind mehr denn je gefragt. Im Zuge des demografischen Wandels wird die Planung von alters- und behindertengerechten Wohnungen zunehmend ein Thema für Architekten. Stadt- und Regionalplanung In der Stadt- und Regionalplanung werden zum Beispiel Vorschläge für Neubaugebiete, für die Erneuerung schon bebauter Gebiete und für die Ergänzung der Infrastruktur in Ortschaften, Städten und Regionen erarbeitet. Es müssen Pläne für die Art der Bebauung, die Führung der Verkehrswege, die Lage der Versorgungseinrichtungen und Grünflächen sowie die Finanzierung aufgestellt, Planungs- und Beteiligungsverfahren organisiert und die Folgen alternativer Entwicklungsmöglichkeiten abgeschätzt werden. Stadt- und Regionalplaner müssen dabei den Umweltschutz und die ökologischen Anforderungen berücksichtigen.

Grundbau
Vor der Planung, spätestens aber vor dem Bau eines Bauwerkes sind die Tragfähigkeit des Baugrundes anhand von Bodenproben und das Setzungsverhalten unter Belastung zu prüfen. Bauingenieure, die sich auf Grundbau und Bodenmechanik spezialisiert haben, kommen hier zum Einsatz. Sie berechnen auch die Standsicherheit von Böschungen. Grundbau- und Bodenmechaniker sind an vielen Tiefbaumaßnahmen, wie Stollen-, Tunnel-, Deponie- und Rohrleitungsbau sowie Altlastenbeseitigung oder -sicherung beteiligt.

Konstruktiver Ingenieurbau
Tragwerksplaner sind für die Sicherheit der Baukonstruktion verantwortlich. Daher sind genaues Arbeiten sowie gute EDV- und Mathematikkenntnisse erforderlich. Beim Hoch- und Wohnungsbau arbeiten Architekten und Tragwerksplaner eng zusammen, wobei der Tragwerksplaner eine Beratungsfunktion übernimmt. Beim Brücken- und Industriebau, bei Türmen und Antennen, Windkraftanlagen, Schornsteinen und ähnlichen Hochbauten kommt dem Tragwerksplaner und Konstrukteur die führende Rolle zu, der Architekt ist dagegen der Berater.Umweltschutz Der Umweltschutz ist im Verkehrswesen, Abwasserwesen und in der Abfalltechnik wichtig, da die Öffentlichkeit auf sauberes Wasser, saubere Luft, Lärmverminderung und störungsfreie Abfallentsorgung angewiesen ist. Einzelne Planungsbüros haben sich darauf spezialisiert und führen Umweltverträglichkeitsprüfungen durch. Es ist aber vorteilhaft, wenn man bei Auftragsmangel in diesem Gebiet auch in anderen Ingenieurbereichen eingesetzt werden kann.

Verkehrswege/Verkehrsanlagen
Hierzu zählen Anlagen und Bauwerke des Straßen-, Schienen-, Flug- und Wasserverkehrs sowie Anlagen zum Transport von Gütern in Rohrleitungen, zum Beispiel Gas, Mineralöl oder Fernwärme. Hierbei ist eine Zusammenarbeit unter anderem mit Fachleuten des Städtebaus, der Raumordnung, Landschaftspflege und des Naturschutzes erforderlich. Wasserwirtschaft, Wasserbau Dazu gehören Planung und Bau von Wasserversorgungsanlagen, Brunnen, Wasserwerken, Behältern, Rohrnetzen, Kanalisationen, Kläranlagen, Abfallanlagen, Wasserkraftanlagen, Schifffahrtskanälen, Schleusen, Häfen, Hochwasserschutzanlagen sowie Talsperren. Wichtig hierbei sind gute Grundlagen in Wasserbiologie, Wasserchemie und mathematischer Statistik. Bauingenieure arbeiten in diesem Bereich häufig mit Geologen, Wasserbiologen, Wasserchemikern, Umweltschutzingenieuren, Verfahrenstechnikern, Juristen für Wasserrecht, Landwirten und auch Meteorologen zusammen.

Laut einer Statistik der Bundesagentur für Arbeit kommt die Hälfte aller Jobofferten für Architekten von Architekturbüros. Ähnlich verhält es sich bei arbeitsuchenden Bauingenieuren. 30 Prozent aller Stellenangebote, die sich an Bauingenieure richten, gehen auf das Konto von Ingenieurbüros. Während Architekturbüros überwiegend im Entwurf von Hochbauten tätig sind, wickeln Ingenieurbüros meist Leistungen im Kon-struieren von Ingenieurbauten im Hoch- und Tiefbau, im Wasserbau, in der Wasserwirtschaft und im Verkehrswesen ab. Neben Gutachter- und Beratungstätigkeiten bietet ein Großteil der Büros Planungsleistungen an, das heißt, deren Auftraggeber sind private oder öffentliche Bauherrn, die den Entwurf, die Ausführungsplanung, Ausschreibung und manchmal auch die Bau-überwachung eines Bauwerkes oder von Anlagen sonstiger Art nicht selbst in die Hand nehmen, sondern die Leistungen fremdvergeben.

Wer in einem Planungsbüro arbeitet, wird mit Sicherheit den Begriffen „Leistungsphasen 1 bis 9“ und „Honorarzonen“ begegnen. Letzteres ist eine Art Aufgabenkatalog für die Abwicklung eines Bauprojektes – von den Vorplanungen bis zur Dokumentation des fertigen Objektes. Welche Leistungen im Einzelnen zu erledigen sind, kann in der HOAI (Honorarordnung für Architekten und Ingenieure) nachgelesen werden. Hiernach richtet sich auch die Höhe des Honorars. Architektur- und Ingenieurbüros stehen zurzeit finanziell stark unter Druck. Gründe hierfür sind, dass im Allgemeinen nur noch das Mindesthonorar gezahlt wird, zumindest von öffentlichen Auftraggebern. Die HOAI wurde 2009 überarbeitet; immerhin wurden die Tafelwerte um zehn Prozent angehoben.

Planungsingenieure brauchen vor allem Organisationstalent und die Fähigkeit, mit einer Fülle an Informationen umzugehen, ohne dabei den Überblick zu verlieren. Eine gute Planung setzt voraus, dass man sich über jedes Detail bis zur letzten Türklinke Gedanken macht, verschiedene Produkte und Preise vergleicht und dabei eine technisch saubere sowie für den Bauherrn wirtschaftliche und dauerhafte Lösung findet. Auch die späteren Unterhaltungskosten eines Bauwerkes müssen bedacht werden. „Die Menge an Papieren, Vorschriften, Gesetzen und Normen war erst mal ein richtiger Schock“, berichtet eine junge Bauingenieurin, die ihre erste Stelle in einem Planungsbüro antrat. Auch die anerkannten Regeln der Technik werden in der Praxis ständig angewendet und müssen bekannt sein. Wichtig ist außerdem ein gutes Ausdrucksvermögen. Präzise Formulierungen sind bei Ausschreibungstexten wichtig, um Missverständnisse und Streitigkeiten zu vermeiden. Bei allem Formalismus sind Planungsingenieure trotzdem keine reinen „Schreibtischtäter“. Der Kontakt zur Praxis, Gespräche mit Bauproduktherstellern und Bauunternehmen sowie Vor-Ort-Termine und Baustellenbegehungen gehören ebenfalls zum täglichen Geschäft.

Bauleitung: Hier sind starke Nerven gefragt

Ein ebenfalls bedeutender Arbeitgeber für Bauingenieure und zunehmend auch für Architekten ist das Baugewerbe, also die Bauunternehmen, die auf der Suche nach bautechnischen Führungskräften sind. Einsteiger fangen in der Regel als Bauleiter an und tragen meist zunächst für kleinere Bauprojekte die Verantwortung. Der Sprung ins kalte Wasser, direkt in die Praxis, ist in jedem Fall sinnvoll, denn hier bekommt man zu spüren, was es heißt, einen Plan auf einem Stück Papier eins zu eins in die Tat umzusetzen. Die meisten Hochschulabgänger werden feststellen, dass Theorie und Praxis oft weit auseinanderklaffen. Das „Ich-hab-eigentlich-gar-keine-Ahnung-Gefühl“ stellt sich in kaum einem anderen Sektor so deutlich wie in der Bauleitung ein. Keine Sorge, das Studium war nicht umsonst. Man muss jedoch umso mehr die Bereitschaft mitbringen, sich ohne besondere Aufforderung fehlende Kenntnisse anzueignen und sich von erfahrenen Bauleitern einarbeiten zu lassen. In großen Bauunternehmen, wie Hochtief oder Strabag, durchlaufen Berufsanfänger Traineeprogramme. In dieser Zeit erhält man eventuell noch nicht das volle Gehalt, kann aber sicher sein, für kommende Aufgaben bestens vorbereitet zu werden. Die zukünftigen Aufgaben bestehen im Wesentlichen darin, die Pläne des Architekten oder sonstiger Fachplaner fachgerecht umzusetzen, die günstigsten Baumethoden auszuwählen, die Materialien zu bestellen, den Arbeitskräfteeinsatz zu organisieren, die Aufmaße zu nehmen und Rechnungen an den Bauherrn aufzustellen. Bauleiter sind außerdem verantwortlich für ihre Mitarbeiter und die Einhaltung der Arbeitsschutzmaßnahmen. Sie müssen darüber hinaus Nachtragsangebote ausarbeiten und Mehrkosten gegenüber dem Bauherrn geltend machen.

einstieg architektur bauingenieurwesen1Bauleiter werden aber nicht nur von ausführenden Fachfirmen, sondern auch vom Bauherrn selbst eingesetzt, zumindest bei größeren Projekten. Beim Wohnungsbau setzt der Auftraggeber meistens den planenden Architekten für Bauleitungsaufgaben ein. Dieser koordiniert im Auftrag des Bauherrn die Arbeiten der beteiligten Firmen, überwacht den Zeit- und Kostenplan sowie die Qualität der Bauarbeiten, nimmt die Leistungen ab und prüft die Firmenabschlags- und Schlussrechnungen. Bauleiter brauchen starke Nerven. Baustellen muss man sich wie vorübergehende Produktionsstätten vorstellen, die unter ungünstigen klimatischen Bedingungen mit ständig wechselnder Belegschaft funktionieren müssen. Kaum ein Bauprojekt geht reibungslos über die Bühne. Die Wahrscheinlichkeit, dass etwas schief läuft oder Unvorhergesehenes passiert, ist höher als in anderen Bereichen. Daher müssen Bauleiter entscheidungsfreudig sein. Wenn zum Beispiel beim Baugrubenaushub vorher nicht bekannte Bodenschichten angetroffen werden und die Bauleitung nicht in der Lage ist, entsprechend zu reagieren, kommt es zum Baustellenstillstand. Das wiederum verursacht hohe Kosten, die meist nicht vom Bauherrn übernommen werden. Bauleiter sind im Allgemeinen Generalisten, die bei Bedarf Spezialisten hinzuziehen. Sie können idealerweise gut organisieren und haben Durchsetzungsvermögen. Ganz wichtig sind Führungsqualitäten und Verantwortungsbewusstsein für Leib und Leben der Mitarbeiter. Wie sich der Arbeitsalltag eines Bauleiters gestaltet erfahren Sie hier.

Kalkulation – nur was für „alte Hasen“

„Kalkulator/-in gesucht“ heißt es oft in Stellenanzeigen. Kalkulatoren nehmen eine existenziell wichtige Rolle in Bauunternehmen ein. Um an Aufträge zu kommen, nehmen die Firmen in der Regel an Ausschreibungen teil, wobei sie in Konkurrenz mit anderen Anbietern ein Angebot für die Ausführung einer Bauleistung abgeben. Meist erhält der preisgünstigste Bieter den Zuschlag. Kalkulatoren haben die Aufgabe, im Vorfeld die Angebots-preise zu ermitteln. Dabei müssen sie güns-tigere Preise als die Konkurrenz anbieten, um den Auftrag zu bekommen, gleichzeitig darf die Leistung nicht unter Wert verkauft werden. Ein Fehler an dieser Stelle kann fatale Folgen haben, eine Firma sogar ruinieren. Daher wird diese Position selten von Berufseinsteigern besetzt, denn eine gute Preiskalkulation setzt eine längere Berufserfahrung voraus. In der Regel schnuppern Anfänger zunächst als Bauleiter einige Jahre Praxisluft. Erst danach verfügen sie über genug Erfahrung, um den Preis für eine Leistung richtig einschätzen zu können.

Einstieg architektur bauining_Wer sucht_grafik1_Page_1Öffentlicher Dienst

Auf der Suche nach einem Arbeitsplatz werden Architekten und Bauingenieure auch im öffentlichen Dienst fündig, meist als Angestellte oder nach einer Zusatzprüfung als Beamte beim Bund, Land, bei der Kommune oder dem Landkreis. Auch Forschung und Lehre zählen zum öffentlichen Dienst. In allen Institutionen des öffentlichen Dienstes muss man sich im besonderen Maße mit den einschlägigen Gesetzen und Verordnungen oder Verwaltungsrecht sowie den wichtigsten Gerichtsurteilen, Erlassen, Vorschriften und Normen auskennen und diese auch anwenden können. Wegen der Kontakte zur Öffentlichkeit, Politik, Verwaltung und Justiz sind rhetorische Fähigkeiten und gutes schriftliches Ausdrucksvermögen wichtig. Verwaltungen stehen gegenüber der Öffentlichkeit unter ständigem Rechtfertigungsdruck, schließlich werden hier Entscheidungen über den Umgang mit Steuergeldern gefällt. Deshalb müssen Berichte und Schriftsätze für die Öffentlichkeit verständlich gestaltet und formuliert werden. Die meisten Bauverwaltungen nehmen kleinere Bauvorhaben selbst in die Hand, nur größere Projekte werden in der Regel an externe Büros fremdvergeben. Im öffentlichen Dienst werden Architekten und Bauingenieure daher auch häufig für Entwurf, Ausschreibung und Bauleitung herangezogen.

Vertrieb

Bauprodukthersteller wie beispielweise die Fenster-, Türen- oder Dachziegelindustrie suchen immer wieder technisch versiertes Personal für den Vertrieb. Dafür gibt es spezielle Studiengänge wie Vertriebsingenieurwesen, aber auch Absolventen der ingenieurwissenschaftlichen Fächer – insbesondere Berufseinsteiger – können hier Fuß fassen. Vertriebsingenieure benötigen technisches Verständnis und vor allem Geschick im Umgang mit Kunden. Sie müssen in der Lage sein, verständlich zu erklären, wie etwas funktioniert und welche Vorteile das jeweilige Produkt dem Kunden bringt. Zu den Aufgaben von Vertriebsingenieuren gehören die Betreuung und Unterstützung von Altkunden, die bereits das Produkt gekauft haben, sowie die Akquisition von neuen Aufträgen. Dazu müssen sie auf andere Unternehmen zugehen und ihr Produkt vorstellen.  ■

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