Kleidung: Perfekt in Szene gesetzt

Der erste Eindruck zählt mehr als wir glauben. Schon der amerikanische Forscher Albert Mehrabian kam 1971 nach mehreren Experimenten zu dem Schluss, dass wir eine Person nur zu sieben Prozent nach dem beurteilen, was sie sagt. Sympathien werden vielmehr dadurch geweckt, wie etwas gesagt wird. Die Körpersprache, der Tonfall, die Stimme und nicht zuletzt das äußere Erscheinungsbild spielen dabei eine entscheidende Rolle. Wir haben Stil- und Imageberaterin Eva Ruppert gefragt, auf was es für einen gelungenen Auftritt beim Vorstellungsgespräch ankommt.

Beim ersten Vorstellungsgespräch stellt sich zwangsläufig die Frage: Was ziehe ich an? Wer sich um eine Arbeitsstelle bemüht, sollte sich bei der Antwort Zeit lassen. „Korrekte Kleidung ist immer ein Zeichen der Wertschätzung, deshalb ist eine gepflegte Garderobe ein absolutes Muss, wenn man sich einem potenziellen Arbeitgeber präsentiert“, betont Eva Ruppert. Sie rät beim ersten Vorstellungsgespräch zu einer Neuanschaffung, so kann man sicher sein, dass Farbe und Form tadellos in Ordnung sind. Wer sich keine neue Garderobe leisten kann, sollte auf Feinheiten wie aufgetrennte Nähte achten und sich unbedingt von hinten im Spiegel betrachten, bevor es zum Vorstellungsgespräch geht. Wichtig ist außerdem eine gute Passform, in der man sich bequem bewegen kann, denn zu kurze oder zu lange Ärmel wirken unbeholfen, Gleiches gilt für eine schlecht sitzende Schulterpartie. Es lohnt sich, etwas Zeit und Geduld zu investieren, um etwas Passendes für sich zu finden. Eine gepflegte Frisur sowie saubere Hände und geputzte Schuhe sollten eine Selbstverständlichkeit sein.

Kleidungsstil: Dunkler Anzug oder lockere Jeans?

Foto: ExQuisine

Foto: ExQuisine

Arbeitgeber stellen gerne Leute ein, die zu ihnen passen. Aus diesem Grund sollten sich beide Berufsgruppen am Stil des Unternehmens orientieren und die Kleidung danach auswählen. „Ein Eindruck vom Stil der Firma lässt sich relativ unkompliziert im Internet recherchieren“, erklärt die Imageberaterin. Auf der Homepage finden sich meist Fotos der Geschäftsführer. Allein die Art und Weise, wie die Homepage gestaltet ist, lässt Rückschlüsse zu, ob die Firma zum Beispiel eine eher klassisch-konservative oder kreative Linie fährt. Da kann man sich ruhig auf sein Gefühl verlassen. Allerdings sollte man sich unbedingt treu bleiben. Sich absolut anzupassen wäre im Vorstellungsgespräch kein gutes Signal. Da im Architekturbereich allgemein Kreativität gefragt ist, könnte man schnell auf die Idee kommen, dies durch die Kleidung im Vorstellungsgespräch zum Ausdruck zu bringen. Eva Ruppert dazu: „Es bietet sich durchaus an, bei der Wahl der Kleidung kreativ zu sein. Nur bitte nicht in Form von Gag-Motiven à la Micky Maus auf der Krawatte.“ In der Regel braucht unser Gegenüber nur sieben Sekunden, um sich einen Eindruck von uns zu machen. Was in dieser kurzen Zeit auf jeden Fall wahrgenommen wird, ist die Micky Maus. Wenn man Pech hat, verbindet der Arbeitgeber damit aber nicht die von uns gewünschte Kreativität, sondern Albernheit und Unzuverlässigkeit. Dieses Image lässt sich nur schwer revidieren.
Stattdessen könnten Architekten gerne mutiger in Sachen Form und Farbe sein, meint die Expertin. Erfahrungsgemäß ist die Berufsgruppe meist komplett schwarz gekleidet. Es fällt angenehm auf, wenn zum Beispiel das Hemd in einer Modefarbe getragen wird. Generell sollte die Basisgarderobe, also das Jackett und die Hose, in gedeckten, dunkleren Farben wie Dunkelblau, Anthrazit, Dunkelbraun oder Olivgrün getragen werden. Für das Kombiteil wie Hemd oder Bluse kann ruhig eine hellere Farbe gewählt werden.

Dresscode auf Baustellen

Viele Bauingenieure fangen als Bauleiter an. Als Führungskraft bewegen sie sich im späteren Berufsleben überwiegend auf Baustellen. Welche Kleidung ist hier angemessen? Eva Ruppert: „In einer praxisorientierten Branche gilt das Motto: Weniger ist mehr. Wer sich mit Hochglanzschuhen und Armani bei einer Baufirma vorstellt, signalisiert, dass er seine zukünftige Aufgabe offenbar nicht verstanden hat.“ Das heißt wiederum nicht, sich nachlässig zu kleiden. Eine Führungskraft sollte sich – auch auf einer Baustelle – von den Mitarbeitern insofern unterscheiden, dass die Kleidung nicht nur praxistauglich, sondern ebenfalls repräsentativ ist. Empfehlenswert sind pragmatische und pflegeleichte Sachen, die man nicht dauernd zur Reinigung bringen muss. Im Vorstellungsgespräch ist man beispielsweise mit einem Jackett gut beraten. Dieses Kleidungsstück steht wie kein zweites für Sachlichkeit und Professionalität. Dazu würden eine gute dunkle Jeans – ohne Löcher – sowie ein Hemd, auch ohne Krawatte, oder ein Polopullover passen.

Verhaltensregeln im Vorstellungsgespräch

Bewerber sind natürlich aufgeregt, wenn sie den Raum betreten. Trotzdem – es ist wichtig, schon beim Eintreten auf seine Körperhaltung zu achten. „Ein aufrechter Gang mit locker herunterhängenden Armen zeugt von Selbstbewusstsein“, so der Tipp unserer Expertin. Nicht zu vergessen ist natürlich die Begrüßung. Im deutschen Geschäftsleben ist folgendes Ritual allgemein üblich: Der Eintretende grüßt die anwesenden Personen immer zuerst und zwar mit dem in Deutschland gängigen Tagesgruß wie „Guten Tag“. Danach folgen die Anrede, gegebenenfalls der Titel und der Name der Person, die das Gespräch leitet. Der Name des Ansprechpartners muss unbedingt vorher recherchiert werden. Schließlich stellt sich der Bewerber selbst vor und zwar mit Vor- und Zunamen. Sagen Sie auf keinen Fall: „Ich bin die Frau oder der Herr Müller.“ Besonders wichtig ist: Lächeln. Das ist nicht nur sympathisch, sondern auch professionell. Ein Willkommensgruß in Form eines Händedrucks geht immer vom Ranghöheren aus. Daher sollten Bewerber ihrem Gesprächspartner nie mit ausgestreckter Hand entgegengehen und den Händedruck nur dann erwidern, wenn er als Geschenk angeboten wird.
Nach dem Begrüßungsritual bleibt der Bewerber so lange stehen, bis ihm ein Platz angeboten wird. Im weiteren Verlauf des Gesprächs sollte man immer wieder die Körperhaltung kontrollieren, deutlich sprechen und ein angemessenes Sprechtempo anschlagen. Diese ungemein wichtigen Feinheiten lernt man nicht von heute auf morgen. Daher rät Eva Ruppert dazu, solche Dinge vorher zu üben, sonst kann es passieren, dass die Selbst-Präsentation steif wirkt.

Wie sich Frauen professionell kleiden

„Frauen sollten durch ihre Kleidung in erster Linie ihre Professionalität unterstreichen, nicht ihre Weiblichkeit“, betont Eva Ruppert. Das sei gerade in der männerdominierten Baubranche wichtig. Frauen, die mit tiefem Ausschnitt, Minirock oder bauchfrei zur Arbeit gehen, dürfen sich nicht wundern, wenn sie nicht ernst genommen werden. Auch schulterfreie Tops im Sommer können der Karriere schaden, denn unbedeckte Achselhöhlen gehören in den Privatbereich, nicht ins Geschäftsleben. Das heißt nicht, dass sich Architektinnen und Bauingenieurinnen kleiden und geben müssen wie ihre männlichen Kollegen. Es sollte aber alles in einem professionellen Rahmen bleiben.  ■

Buchtipp: Das perfekte Business-Outfit, Eva Ruppert
Eva Ruppert_Buchcover_Ihr starker Auftritt

Print Friendly

TALIS Berufsstart 2017/2018 als E-Book lesen!

Einfach E-Mail-Adresse eingeben, bestätigen und mehr wissen als andere.




Sie haben den Newsletter bestellt. Bitte überprüfen Sie Ihr Mail-Postfach für den Bestätigungslink.