Bauunternehmen Wolff & Müller

Traumjob Bauleiter – Dietrich Feldmann, Leiter Personalwesen beim Bauunternehmen Wolff & Müller, beschreibt, auf was es bei der Bewerbung bei einem Bauunternehmen ankommt.

Wer die Stuttgarter Zentrale von Wolff & Müller besucht und im Eingangsbereich Platz nimmt, der gewinnt einen guten Überblick über die Firmengeschichte. Auf dem Flat-Screen läuft ein Imagefilm, der die Meilensteine des Familienunternehmens präsentiert. Schnell erkennt der Zuschauer, dass eine ganze Menge passiert ist im Laufe der ersten 75 Jahre. 1936 von Baumeister Gottlob Müller und Dipl.-Ing. Karl Wolff gegründet, spezialisiert sich das junge Baugeschäft bald auf Infrastrukturgebäude und Industrieobjekte. Noch vor Ausbruch des Zweiten Weltkriegs zählen bereits Bosch und Daimler-Benz zu den Auftraggebern. Partnerschaften, die auch in Zeiten des Wiederaufbaus nicht abbrachen und bis heute anhalten, etwa mit dem Bau des 2006 eröffneten Mercedes-Benz-Museums.
Die Gründung der Niederlassung in Künzelsau markiert Ende der 1940er Jahre den Startschuss für das deutschlandweite Niederlassungsnetz. Heute gehört die Wolff & Müller Unternehmensgruppe zu den führenden deutschen Bauunternehmen und beschäftigt 1 600 Mitarbeiter an 20 Standorten im ganzen Bundesgebiet. Seit 2008 sind die drei Hautsegmente Regionalbau, Spezialbau sowie Tief- und Straßenbau.
Zu den Referenzobjekten zählen die Jagsttalbrücke bei Crailsheim, das Kraftwerk Staudinger bei Großkrotzenburg, das Velodrom in Berlin, die Musikhochschule Stuttgart, das Besucherzentrum Arche Nebra, das Klinikum der Goethe-Universität in Frankfurt/Main, der Ausbau des Neckarhafens in Stuttgart, die Cologne Oval Offices, der Engelbergtunnel bei Leonberg oder das Dokumentationszentrum „Topographie des Terrors“ in Berlin. Dass die Auswahl so breit gefächert ist, passt zum Unternehmen, denn stets wurden neue Wege eingeschlagen und neue Bereiche integriert. Seit den 1950er Jahren sorgen etwa eigene Kieswerke für Unabhängigkeit in der Rohstoffbeschaffung, in den 1970ern entsteht eine Sparte zur Altbausanierung und mit Projekten in Saudi-Arabien oder Nigeria beginnt das internationale Engagement. In den 1990ern leistet das Unternehmen Pionierarbeit im Bereich der später PPP genannten Investorenmodelle und 2010 wirtschaftet Wolff & Müller als erstes deutsches Unternehmen vollständig C02-neutral.

Dietrich Feldmann, Leiter Personalwesen Wolff & Müller. Foto: Wolff und Müller

Dietrich Feldmann, Leiter Personalwesen Wolff & Müller. Fotos: Wolff und Müller

„Ein besonderes Highlight ist aber, dass Wolff & Müller es geschafft hat, ein Familienunternehmen zu bleiben – und das in einer Hand“, sagt Dietrich Feldmann, Leiter der Serviceeinheit Personalwesen der Unternehmensgruppe. Der Jurist und Betriebswirt verantwortet mit seiner Abteilung die Entgeltabrechnung, das Personalmanagement und die Personalentwicklung, wobei der dritte Bereich der innovativste ist. Das liegt unter anderem daran, dass angesichts des immer enger werdenden Arbeitsmarkts für Facharbeiter und Ingenieure sowie sinkender Absolventenzahlen erhebliche Anstrengungen im Personalmarketing unternommen werden. Durch Kontaktpflege zu Hochschulen und einzelnen Lehrstühlen oder auch die Teilnahme an Hochschulmessen versucht das Unternehmen frühzeitig, Studenten von den Vorzügen eines familiengeführten, großen mittelständischen Unternehmens zu überzeugen und für den Berufseinstieg zu begeistern. Als einziges Bauunternehmen engagiert sich Wolff & Müller darüber hinaus seit gut anderthalb Jahren im Festo-Bildungsfonds, der ambitionierten Studenten neben einer fairen Studienfinanzierung auch begleitende Qualifizierungsmaßnahmen in den Bereichen Methoden- und Sozialkompetenz anbietet. Permanent werden Stellen für Praktikanten, Diplomanden, Bachelor- und Masterarbeiten angeboten und auch Werksstudenten sind gern gesehen.

Die Samstagszeitung ist passé

Stellenausschreibungen finden sich in den wichtigen Online-Stellenbörsen und natürlich dem recht großen Jobportal auf der Firmenwebsite, von wo aus die Bewerbung mit ein paar Klicks erledigt ist. „Inzwischen ziehen wir die Online-Bewerbung der klassischen Bewerbungsmappe vor“, berichtet Feldmann. „Wir können sie effizient bearbeiten und umgehend an die richtige Stelle im Haus weiterleiten“, ergänzt er und nennt noch einen weiteren Vorteil für das Unternehmen: „Die Bewerber kaufen sich nicht mehr die Samstagszeitung, sie sind in Jobportalen registriert und wenn interessante Jobangebote auftauchen, dann werden sie automatisch benachrichtigt.“ Dauerte es in der Vergangenheit oft gut eine Woche, bis erste Bewerbungen eingingen, so kommen heute am Tag nach Einstellen der Ausschreibung bereits bis zu 20 Bewerbungen.
Zunächst richten Feldmann und seine Mitarbeiter ihr Augenmerk darauf, ob der Bewerber einen Bezug zur ausgeschriebenen Stelle hergestellt hat: „Die Auseinandersetzung mit der Stelle und die Identifikation mit den Ausschreibungsmerkmalen ist uns ganz wichtig und auch, dass deutlich gemacht wird: Ja, genau diese Stelle will ich haben.“ Ein weiteres, entscheidendes Kriterium ist natürlich die Vollständigkeit der Unterlagen. Bei Bewerbern mit Berufserfahrung wird darauf geachtet, wie viele Stellenwechsel es schon gab, bei Absolventen fällt der Blick auf das Abschlusszeugnis und die im Studium gesammelten Noten. Der Personalchef nennt einen weiteren Aspekt, der mit darüber entscheidet, ob ein Bewerber zum Vorstellungsgespräch eingeladen wird oder nicht: „Was wir sehr schätzen, ist, wenn Studenten neben dem Studium aktiv sind, sich insbesondere mit Dingen beschäftigen, die im weitesten Sinne einen gemeinnützigen Aspekt haben, oder eine Sportart ausüben, in der Teamgeist gefordert ist.“ Soziales Engagement gilt bei Wolff & Müller als positiver Indikator für Teamfähigkeit, Einzelkämpfer werden nicht gesucht.
Geht eine interessant erscheinende Bewerbung ein, dann wird oft gleich telefonischer Kontakt aufgenommen. „So können wir uns ein Bild davon machen, wie dieser Mensch kommuniziert, wie er argumentiert und ob er sympathisch erscheint. Letztlich können wir den Eindruck, den wir durch die Unterlagen gewonnen haben, verfestigen, erweitern oder auch verwerfen“, so Feldmann. Auch der Kandidat könne sich besser auf das persönliche Gespräch einstellen, wenn er die Stimme seines Gegenübers bereits am Telefon gehört habe. Dabei kann es auch passieren, dass er nach dem Telefonat die vielleicht mehrere hundert Kilometer weite Anreise zum Vorstellungsgespräch nicht mehr antritt, denn „die beste Qualifikation nützt nichts, wenn die Chemie nicht stimmt“.

Selbstbewusst, kommunikativ, offen

„Selbstbewusst, kommunikativ, offen“ – so wünscht sich der Personalchef die Kandidaten beim Vorstellungsgespräch. Es sei ratsam, sich im Vorfeld nochmals mit dem Unternehmen und der Stelle zu beschäftigen und vielleicht ein paar Fragen zu entwickeln: „Das zeugt von Interesse, gibt dem Bewerber Sicherheit und ermöglicht einen schnellen Einstieg in das Gespräch.“ Das ist sehr kompakt gestaltet, es werden viele Themen angesprochen. Bereits beim ersten von meist zwei Gesprächen ist der jeweilige Fachvorgesetzte anwesend. Der Bewerber sollte also darauf vorbereitet sein, dass Fachfragen gestellt und konkrete Arbeitssituationen durchgespielt werden. Wer dabei Sachverhalte plausibel darstellt und ohne Umschweife auf den Punkt kommt, der hat eine wichtige Hürde genommen. Bevor junge Bauingenieure als Bauleiter oder im technischen Innendienst eingesetzt werden, durchlaufen sie ein ausgefeiltes Traineeprogramm. Über einen Zeitraum von bis zu zwölf Monaten werden die Nachwuchskräfte für ihre künftigen Aufgaben geschult.Die Trainees durchlaufen dabei die Bereiche Kalkulation, Technisches Büro, Arbeitsvorbereitung, teilweise Spezialtiefbau, Logistik, einen Austausch TSB-HIB und einen zweimonatigen Baustelleneinsatz. „Es geht nicht darum, unseren Bauingenieuren das Bauen beizubringen, sondern darum, ihnen die internen Arbeitsabläufe, Schnittstellen und auch Besonderheiten zu vermitteln“, erläutert Feldmann. Am Ende jeder Station findet ein Abschlussgespräch statt, das auch protokolliert wird. Sollte dabei deutlich werden, dass Änderungs- oder Korrekturbedarf besteht, kann direkt eingegriffen werden.  Auf dem Programm steht außerdem eine umfangreiche Weiterbildung in Themen wie Power Project Teamplan, iTWO, Umwelt- und Arbeitssicherheit, Rüstung, Schalung, Sichtbeton, Geräteverwaltung und Bautechnik. Nach diesem Jahr ist der neue Mitarbeiter fit und wird als Jungbauleiter, also 2. Bauleiter, eingesetzt, bevor er schließlich Projekte als 1. Bauleiter eigenverantwortlich bearbeiten wird. „Durch das Traineeprogramm und den darin enthaltenen Baustelleneinsatz werden die neuen Mitarbeiter in aller Ruhe, aber sehr gezielt auf die spätere Tätigkeit vorbereitet“, sagt Feldmann.

Wolff & Müller

Die Wolff&Müller-Gruppe mit Hauptsitz in Stuttgart gehört zu den führenden Bauunternehmen Deutschlands in privater Hand. Seit 2005 wird sie in dritter Generation von Dr. Albert Dürr geleitet. Er wird durch Udo Berner als Kaufmännischem Geschäftsführer Bau und Dr. Matthias Jacob als Technischem Geschäftsführer Bau unterstützt. An den derzeit 20 Standorten werden 1.600 Mitarbeiter beschäftigt. Hauptgeschäftsfelder sind Hochbau, Ingenieurbau, Tief- und Straßenbau, Spezialtiefbau und Bauen im Bestand. Das Portfolio wird durch den Bau- und Rohstoffbereich sowie diverse Beteiligungen und Dienstleistungsunternehmen rund um das Thema Bauen abgerundet.

www.wolff-mueller.de

Vielfältige Entwicklungsmöglichkeiten

Das Unternehmen mit mittelständischer Struktur bietet seinen Mitarbeitern vielfältige Entwicklungsmöglichkeiten. Um sie gezielt zu fördern, wurde das Programm der firmeneigenen Wolff&Müller-Akademie in den vergangenen Jahren deutlich ausgebaut. Inzwischen werden rund 100 Schulungsmodule zu klassischen Themen wie Technik, Baurecht oder bauspezifischer Software angeboten, ein weiterer Schwerpunkt liegt in der Persönlichkeitsentwicklung. Geschult werden unter anderem die Fähigkeit des Zusammenarbeitens, das Leiten eines Projektteams, Rhetorik, Gesprächs- und Verhandlungsführung, Konfliktmanagement bei Bauprojekten oder auch Kundenorientierung auf der Baustelle. Zwei Drittel der Akademie-Referenten sind Mitarbeiter von Wolff & Müller. Weiterbildung ist im Unternehmen daher gleichzeitig auch Wissens- und Erfahrungstransfer. Außerdem wird ein Nachwuchsprogramm angeboten, um ambitionierten Hochschulabsolventen nach den ersten erfolgreichen Berufsjahren den nächsten Karriereschritt in eine Management- oder Führungsaufgabe zu erleichtern. Dass viel Geld in das Personal sowie die Bewahrung und Weitergabe von Wissen investiert wird, verwundert nicht, denn laut Firmenphilosophie haben langfristige, nachhaltige Strategien absoluten Vorrang vor kurzfristigen Gewinnerwartungen.
Zukünftigen Herausforderungen will das Bauunternehmen mit einem gut ausgebildeten und spezialisierten Team begegnen, das ihm möglichst lange erhalten bleibt. Um zu veranschaulichen, dass eine hohe Verweildauer von Mitarbeitern nicht untypisch ist, muss Dietrich Feldmann nur seine eigene Position beschreiben: „Mein Vorgänger ist 38 Jahre im Unternehmen gewesen und dann in Rente gegangen. Ich bin erst der zweite Personalleiter bei Wolff & Müller.“ ■

Print Friendly

TALIS Berufsstart 2017/2018 als E-Book lesen!

Einfach E-Mail-Adresse eingeben, bestätigen und mehr wissen als andere.




Sie haben den Newsletter bestellt. Bitte überprüfen Sie Ihr Mail-Postfach für den Bestätigungslink.