Öffentlicher Dienst: Stadt Halle

Wie müssen sie sein – die Traumkanidaten für eine Stelle im Öffentlichen Dienst? Uwe Stäglin,Beigeordneter für Planen und Bauen der Stadt Halle an der Saale und Jane Unger, Fachbereichsleiterin Organisation und Personalservice erzählen, was sie von Bewerbern erwarten.

1990, im Jahr der Wiedervereinigung, war Halle an der Saale mit 310 000 Einwohnern die bei Weitem größte Stadt Sachsen-Anhalts. In den folgenden 20 Jahren aber erfolgte aufgrund hoher Arbeitslosigkeit, starken Geburtsrückgangs, Suburbanisierung und mangelnder Infrastruktur eine massive Abwanderung. Bis Ende 2010 hatte die Stadt mehr als ein Viertel ihrer Bevölkerung verloren, mit 232 000 Einwohnern lag Halle nur noch knapp vor der Landeshauptstadt Magdeburg.
Zwei 2006 und 2007 veröffentlichte Prognosen der Bertelsmann-Stiftung und des Statistischen Landesamts besagen, dass sich dieser Trend weiter fortsetzen wird und die Einwohnerzahl bis 2020 auf 200 000 bis 215 000 abnehmen wird. „Entgegen den Prognosen stellen wir aber fest, dass das Absinken der Einwohnerzahl ein wenig abgeflaut ist. Im Stadtteil Silberhöhe, in dem es die größten Bevölkerungsverluste gegeben hatte, hat sich die Situation stabilisiert, die Wohnzufriedenheit steigt“, erläutert Uwe Stäglin. Nach einem Studium der Stadt- und Regionalplanung war der gebürtige Berliner bei Stern, Gesellschaft der behutsamen Stadterneuerung, in Halle tätig, von 2002 bis Sommer 2011 war er stellvertretender Bürgermeister in Berlin-Steglitz-Zehlendorf und Leiter der Abteilung Bauen, Stadtplanung, Naturschutz. Im August 2011 ging Stäglin dann ein zweites Mal nach Halle, wo er nun Beigeordneter für Planen und Bauen ist.
Die große Herausforderung besteht fraglos darin, die Abwanderung zu stoppen. Daher hat der Rat der Stadt vor fünf Jahren das Integrierte Stadtentwicklungskonzept (ISEK) beschlossen. Ziel des Konzepts ist ein Umbau ganzer Stadtbereiche und eine Anpassung an veränderte Wohn- und Lebensbedürfnisse. So stehen etwa weitere Rückbaumaßnahmen in den Plattenbausiedlungen am Stadtrand an, um leerstehende Wohnungen vom Markt zu nehmen. Entstehende Flächen sollen zur Begrünung oder auch für bedarfsgerechten neuen Wohnraum genutzt werden. „Stadtplanung kann Rahmenbedingungen setzen, die Stadt so attraktiv zu gestalten, dass die Bewohner gehalten werden“, sagt Stäglin und nennt als Beispiel den Konversionsstandort Heide Süd. Für das ehemalige Kasernengelände wird derzeit ein Konzept für eine Einfamilienhausnutzung entwickelt, um Wohnen im Grünen auch innerhalb des Stadtgebiets anbieten zu können.

Fit für die Zukunft

Der Baudezernent nennt eine ganze Reihe von Maßnahmen, die geplant oder bereits angeschoben sind, um die Stadt an der Saale fit für die Zukunft zu machen. Darunter der Bau der Umgehungsstraße Ost mit einem Volumen von fast 27 Millionen Euro oder das Stadtbahn-Programm, ein dreistufiges Verkehrsprojekt zum Umbau des Öffentlichen Nahverkehrs mit einem Volumen von 300 Millionen Euro. Mit dem Zentrum- und Einzelhandelskonzept sollen sowohl im Zentrum als auch in den Randbezirken zeitgemäße Handelskonzepte entstehen. Im halleschen Osten wird die Straßeninfrastruktur ertüchtigt, um die Attraktivität als Gewerbestandort zu steigern. Dies ist ein ganz wesentlicher Punkt, denn „wir müssen zwar die Wohnsituation verbessern, die Menschen aber halten wir dann, wenn es in Halle Arbeit für sie gibt“, weiß Stäglin.

Diese Plattenbausiedlung musste der Saaleklinik weichen (Bild s.o.) Fotos: Thomas Ziegler

Diese Plattenbausiedlung musste der Saaleklinik weichen (Bild s.o.) Fotos: Thomas Ziegler

In seinem ersten Jahr als Beigeordneter für Planen und Bauen hatte er aufgrund eines beanstandeten Haushalts wenig Handlungsspielraum. In Zeiten einer vorläufigen Haushaltswirtschaft dürfen nur vom Gesetzgeber vorgeschriebene Maßnahmen wie etwa die Verkehrssicherungspflicht oder die Aufrechterhaltung des Dienstbetriebes durchgeführt werden. Freiwillige Leistungen wie die Überarbeitung von Grünflächen liegen dann auf Eis und weiterführende Projekte können nur dann genehmigt werden, wenn die Förderquote bei 100 Prozent liegt oder der Eigenanteil der Kommune durch einen Dritten übernommen wird. Der Dezernatsleiter hofft nun darauf, dass es zu keiner weiteren Nullrunde kommt und die Erneuerung der Universitätsstadt unter dem neuen Leitthema „Halle – Stadt der Bildung und Wissenschaft“ zügig weitergeführt werden kann. Wer heute mit dem Zug nach Halle komme, der könne sich am Marktplatz oder am Riebeckplatz davon überzeugen, dass bereits vieles erreicht sei. Wer aber mit dem Auto ankomme, der erkenne an hohem Leerstand und maroder Bausubstanz, dass noch vieles zu tun sei. „Über Mangel an Arbeit werden wir uns in den nächsten Jahren sicherlich nicht beklagen können“, sagt Stäglin.
Welchen Stellenwert der Bausektor in der Stadt hat, verdeutlichen die Beschäftigungszahlen. Die Stadt Halle beschäftigt 2 628 Verwaltungsmitarbeiter, 488 von ihnen, also fast 20 Prozent, sind im Dezernat für Planen und Bauen tätig. Den Anteil von Architekten, Bauingenieuren und artverwandten Berufen beziffert Jane Unger auf 138. Die Fachbereichsleiterin Organisation und Personalservice ist seit zwölf Jahren in der Stadtverwaltung tätig, zunächst als Amtsleiterin im Büro der Oberbürgermeisterin, seit sieben Jahren trägt sie die Personalverantwortung.

Steigender Bedarf an Mitarbeitern

Acht externe Ausschreibungen hat es in den vergangenen zwei Jahren gegeben. Dieser Trend wird nach Einschätzung der Fachbereichsleiterin anhalten, zudem sieht sie bedingt durch einen anstehenden Generationswechsel steigenden Bedarf an neuen Mitarbeitern – trotz der schwierigen Haushaltslage. „Hinzu kommen befristete Einstellungen, zum Beispiel als Elternzeitvertretung“, so Unger.
Die Stadt Halle wendet sich über ihr Web-Portal sowie über alle gängigen Medien an Bewerber. Auf eine Stellenausschreibung gehen durchschnittlich 50 Bewerbungen ein. „Diese Zahl hat sich in den letzten Jahren nicht verändert, aber die Bewerbungen, die nach einer ersten Sichtung wirklich die Anforderungen erfüllen, sind leicht rückläufig“, sagt die Personalleiterin. Gern gesehen sind gute Onlinebewerbungen, die die wesentlichen Angaben enhalten. Wenn zusätzlich Arbeitsproben eingereicht würden, sei die CD gut geeignet. Selbstverständlich werde bei der Auswahl aber auch die klassische Bewerbungsmappe gleichwertig einbezogen. „Letztendlich ist nicht die Art der Bewerbung entscheidend, sondern wie sie aufgebaut und strukturiert ist“, erläutert Unger. Ihr gefallen Bewerbungen, denen sie ansieht, dass sich der Bewerber Mühe damit gegeben hat. Weniger gut kommen solche an, die den Eindruck einer Massensendung erwecken.
„Ein gutes Bewerbungsschreiben oder Motivationsschreiben, wie es heute auch heißt, ist gut gegliedert, stellt wesentliche Entwicklungen des Bewerbers dar und geht konkret auf die Arbeitsinhalte sowie Anforderungen der Ausschreibung ein. Es wird klar, wer der Bewerber ist, quasi ist es wie eine Visitenkarte“, beschreibt Unger. Der Bewerber solle aufzeigen, was ihn interessant macht und warum er den Job antreten will. „Es muss einfach Spaß machen, das Schreiben zu lesen, und neugierig machen auf den Rest der Bewerbungsmappe.“ Verzichtbar seien lange chronologische Aufzählungen oder Floskeln, die man in jedem Bewerbungsratgeber lesen kann. Wer diese Regeln beherzigt, steigert seine Chancen, in die engere Auswahl zu gelangen.
Die Anzahl der Bewerber, die eingeladen werden, schwankt zwischen fünf und 15. Teilnehmer des Vorstellungsgesprächs sind neben dem Bewerber der Personalrat, die Gleichstellungsbeauftragte, bei Schwerbehinderten ein Vertreter der Schwerbehindertenvertretung, das Personalamt, die Führungskräfte des Bereiches, in dem die Stelle vakant ist und die über die Auswahl entscheiden.
Vorstellungsgespräche werden in Form eines strukturierten Interviews geführt. Die konkreten Fragen orientieren sich an den Aufgaben beziehungsweise daran, ob es eine Führungsposition oder eine Spezialistenstelle ist, die besetzt werden soll. Bei gehobenen Positionen kann es auch Aufgaben geben, die mit oder auch ohne Vorbereitungszeit gelöst werden. Bei derartigen Ausschreibungen gibt es nach dem ersten Termin eine zweite Vorstellungsrunde mit den Favoriten. Hier werden vertiefende Fragen und Aufgaben gestellt, die sich immer auf die angestrebte Position beziehen.

Vorsprung durch Interesse

Dezernat Planen und Bauen der Stadt Halle

Halle an der Saale ist mit 232 000 Einwohnern die größte Stadt Sachsen-Anhalts. Als Reaktion auf einen massiven Bevölkerungsverlust innerhalb der vergangenen 20 Jahre befindet sich die Stadt im Prozess der Umgestaltung. Abgeschlossen sind Großprojekte wie der Umbau des Markt- oder des Riebeckplatzes, zu den laufenden und kommenden Projekten zählen der Rückbau von Plattenbausiedlungen, die Ertüchtigung der Verkehrswege und Schaffung neuer Gewerbeflächen. Zuständig für Stadtentwicklung und -planung, Vermessung, Geodaten, Tiefbau, Straßenverkehr und Grünflächen ist das Dezernat Planen und Bauen (Dezernat II)

www.halle.de

Bewerber sollten generell darauf eingestellt sein, dass konkrete Projekte besprochen werden. Gerade im Planungsbereich kommt es vor, dass Pläne vorgelegt und diskutiert oder mögliche Entwicklungen für die Stadt Halle thematisiert werden. Dabei könne sich ein Kandidat leicht einen Vorsprung verschaffen, denn „einen guten Eindruck machen Bewerber, die sich über das Internet oder andere zugängliche Quellen mit der Stadt beziehungsweise aktuellen Projekten befasst haben“, rät die Personalleiterin zu einer gründlichen Vorbereitung. In der Vorstellungsrunde hat der Bewerber nicht nur Gelegenheit, seine fachliche Kompetenz darzustellen, sondern kann sich auch als Teamspieler präsentieren. Gradmesser für die Teamfähigkeit ist der Eindruck, den der Kandidat in der Diskussion erweckt, und die Art seines Auftretens. „Dabei ist es gar nicht so wichtig, ob jemand aufgeregt ist, sondern ob der Bewerber authentisch wirkt, selbst klare Vorstellungen hat, sich beschreiben kann und vor Antworten nachdenkt, gut zuhört“, fasst Unger zusammen.  Wer sich im Bewerbungsverfahren durchsetzt und Mitarbeiter der Stadt Halle wird, den erwartet die im Öffentlichen Dienst übliche Probezeit von sechs Monaten. Angestrebt werden langfristige Beschäftigungsverhältnisse mit Aufstiegsmöglichkeiten zum Team-, Ressort- oder Amtsleiter. ■

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