Flexibel Bauen für die Jugend

Der demografische Wandel ist in aller Munde, natürlich auch im Bauwesen. Es wird darüber gesprochen und gestritten, wie eine alternde Gesellschaft barrierefrei wohnen soll, wie wandlungsfähig Immobilien zukünftig sein müssen oder inwieweit sich die zu erwartende Immobilität auf Städtebau und Verkehr auswirken wird. Doch was ist eigentlich mit der Jugend? Wie soll – und vor allen Dingen – wie will sie in zehn oder 20 Jahren leben?
Prof. Klaus Hurrelmann, einer der Autoren der renommierten Shell-Studien zur Einstellung und Lebenssituation der jungen Generation, forscht über „Lebensvorstellungen Jugendlicher 2025: Häuschen mit Garten oder Townhouses“. Dabei lässt der Dozent der Hertie School of Governance Ergebnisse der letzten Studie „Jugend 2010“ zu Lebensplanungen junger Leute zwischen 12 und 25 einfließen.
Die Studie kommt zu dem Schluss, dass es „die“ Jugend nicht gibt, vielmehr nehmen die Unterschiede in Bildungsverhalten und Lebensstil zu. Jugendliche mit bescheidenen Bildungsabschlüssen und Berufsperspektiven neigen dazu, den Stil ihrer Eltern zu reproduzieren, und bevorzugen das „Häuschen mit Garten“. Ihre kleinbürgerlichen Wohn-Vorstellungen sind laut der Studie fast „spießig“ zu nennen. Jugendliche mit guten Bildungsabschlüssen und Berufsperspektiven hingegen haben avantgardistische Wohnvorstellungen, hier liegt das „Trend Townhouse“ hoch im Kurs.
Zwar sind die Vorstellungen der Gruppen recht unterschiedlich, dennoch gibt es Gemeinsamkeiten. Alle Jugendlichen haben klare Vorstellungen von der sozialen Einbettung ihrer Wohnung und wollen ein kleines und überschaubares Netzwerk von Nachbarschaft, das ihnen einen hohen Freiheitsgrad an Individualität sichert. Sie erwarten ein gutes Serviceangebot im öffentlichen Raum mit haushaltsnahen Dienstleistungen sowie Sport- und Fitnessangeboten. Ausgeprägt ist auch der Wunsch nach modernster Technologie und Umweltfreundlichkeit. Generell wird die Wohnung als der private Raum betrachtet, den man voll und ganz für sich nutzen und allein nach individuellen Vorstellungen gestalten möchte. Trotz der heute geforderten beruflichen Mobilität wollen sowohl junge Männer als auch Frauen später möglichst Wohnungseigentum erwerben.

Wie will die Jugend wohnen - im luxuriösen Stadthaus...Foto: David Spoo

Wie will die Jugend wohnen – im luxuriösen Stadthaus…
Foto: David Spoo

...oder in spießiger Idylle?

…oder in spießiger Idylle?

Statt Standard- und Einheitswohnungen zu bauen, müsse auf die Vielfalt von Lebensstilen und die sich daraus ergebenden Wohnvorstellungen der Menschen eingegangen werden, bewertete Prof. Hurrelmann die Ergebnisse der Studie für den Wohnungsbau in Deutschland. Mit flexiblen Grundrissen innerhalb der Wohnungen könne auf die sich schnell ändernden Lebensweisen und Gestaltungsvorstellungen eingegangen werden. Darüber hinaus sollten kreative Angebote für die Bildung von Wohneigentum unterbreitet werden, um die Wünsche nach Individualität und Gestaltungsfreiheit zu befriedigen. Nötig sei, die Themen Wohneigentum und Alterssicherung stärker als bisher miteinander zu verbinden. Überaus wichtig ist nach Einschätzung des Experten, junge Leute frühzeitig an allen großen Trendplanungen und Detailplanungen im Wohnbau beteiligen, um nicht am Bedarf vorbeizugehen. ■

„Flexibel Bauen für die Jugend“ als pdf

Berufsleben Zukünftiges Bauen für die JugendS63_Page_1

 

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