Arbeiten in Belgien

In Belgien hat die Wirtschafts- und Finanzkrise ihre Spuren hinterlassen, wenngleich der Arbeitsmarkt davon weitaus geringer in Mitleidenschaft gezogen wurde als in anderen Ländern: Die Arbeitslosenquote lag im Juni 2011 bei 7,4 Prozent. Da sich die Regionen strukturell sehr stark voneinander unterscheiden, lohnt sich ein Blick auf die regionalen Statistiken: Die Arbeitslosenquote im französischsprachigen Süden des Landes (Wallonien) lag im Juni 2011 mit 13 Prozent fast doppelt so hoch wie im flämischen Norden (6,2 Prozent) und im deutschsprachigen Teil (7,5 Prozent).
Nach einem deutlichen Einbruch im Jahr 2009 befindet sich die Bauwirtschaft wieder in einem leichten Aufschwung. Vielerorts mangelt es an qualifizierten Fachkräften und zahlreiche Stellen können nicht besetzt werden. Insofern ist Belgien für arbeitsuchende Architekten und Bauingenieure ein lohnendes Ziel. Allerdings gibt es dort nur wenige große Architekturbüros, etwa 85 Prozent werden als Ein-Mann-Betrieb geführt. Für umfangreichere Projekte ist der Zusammenschluss in einer Partnerschaftsgesellschaft üblich.

Die Nettolöhne liegen im Schnitt zwischen 20 und 30 Prozent niedriger als in Deutschland und die Belastung durch Steuern und Sozialabgaben ist eine der höchsten in Europa. Dafür wird Frauen die Berufstätigkeit durch ein breit gefächertes Angebot an staatlich subventionierten Kinderkrippen, Horten, Kindergärten und Tagespflegeangeboten leicht gemacht.
Das Zusammenleben zwischen den unterschiedlichen Sprachgemeinschaften in Belgien gestaltet sich nicht ganz so reibungslos, wie es nach außen den Anschein hat. Aufgrund der Geschichte des Landes gibt es latente Spannungen, die bis zu Separatismusbestrebungen gehen. In Flandern wird man mit Ausländern lieber auf Englisch als auf Französisch kommunizieren, in Wallonien lässt sich mit Niederländischkenntnissen nicht unbedingt punkten. Hierfür sollte man eine gewisse Sensibilität mitbringen.

Jobbörsen

www.belgievacature.be
(in flämischer und französischer Sprache)

www.careerjet.be (in flämischer Sprache)

www.jobijoba.be (in französischer Sprache)

www.jobscareer.be (in flämischer,
französischer und englischer Sprache)

Viele Unternehmen und Institutionen veröffentlichen zudem Stellenanzeigen auf ihren Websites.

Jobsuche

Vier regionale Arbeitsagenturen erleichtern in Belgien die Suche nach einem geeigneten Job: Der VDAB (Vlaamse Dienst voor Arbeidsbemiddeling en Beroepsopleiding, www.vdab.be) bietet seine Dienste in Flandern an, auf der Stellenbörse Actiris (www.actiris.be) finden sich Angebote für die Region Brüssel, Le Forem (Administration Centrale Communauté et Région wallonnes, www.leforem.be) ist für Wallonien zuständig und das Arbeitsamt der Deutschsprachigen Gemeinschaft (www.adg.be) für Arbeitsuchende im deutschsprachigen Teil.
Der Zeitarbeitsmarkt spielt in Belgien eine wesentlich größere Rolle als bei uns und wird als offizieller Sektor mit branchenspezifischen Tarifverträgen anerkannt. Zeitarbeiter werden mit festangestellten Arbeitnehmern gleichgestellt, ein Einstieg auf dem belgischen Arbeitsmarkt ist daher auch über die so genannten „Uitzendbureaus“ bzw. „Entreprises de travail intérimaire“ möglich, die im Internet zahlreich vertreten sind.

Tageszeitungen spielen eine wichtige Rolle bei der Jobsuche: Laut einer Untersuchung werden etwa 65 Prozent der offenen Stellen über Zeitungsanzeigen ausgeschrieben. Einige Zeitungen verfügen über eigene Jobbörsen im Internet oder arbeiten mit großen Online-Anbietern zusammen.

Printmedien

• Le Soir, www.references.be
(spezielles Online-Angebot, sonst Beilage
in der Samstagsausgabe)

• De Standaard, www.jobat.be
(spezielles Online-Angebot, sonst Beilage
in der Samstagsausgabe)

• Grenz-Echo, www.grenzecho.net/dlsjobs/
(spezielles Online-Angebot, sonst Beilage
in der Samstagsausgabe)

In der Dienstagsausgabe von „Le Soir“, in den Sommermonaten auch von „De Standaard“, gibt es eine Sonderbeilage mit Stellenangeboten speziell für Hochschulabsolventen.

Praktika

In Belgien sind Praktika außerhalb der Berufs- bzw. Hochschulausbildung eher unüblich. Trotzdem ist es mit entsprechender Eigeninitiative möglich, eine geeignete
Stelle zu ergattern. Wertvolle Hilfe leistet dabei das Portal www.mijnstage.be (flämisch) bzw. www.monstage.be (französisch) mit Praktikumsangeboten aus ganz Belgien und einer Menge interessanter Tipps für Praktikumssuchende.

Bewerbung

Angesichts der Dreisprachigkeit des Landes sollte man sich vor jeder Bewerbung genau erkundigen, welche der drei Landessprachen in dem anvisierten Unternehmen gesprochen wird. Häufig wird weder eine Bewerbungsmappe noch ein Foto verlangt, sondern eine Bewerbung per E-Mail. Allerdings sollte man sich dabei nicht zu einem flapsigen Ton hinreißen lassen. Es gelten die gleichen Regeln wie bei einer schriftlichen Bewerbung, das heißt ein Anschreiben von maximal einer DIN-A4-Seite Länge und ein antichronologischer, tabellarischer Lebenslauf. Mehrsprachigkeit ist in Belgien weit verbreitet, daher sind Sprachkenntnisse unbedingt zu erwähnen. Zeugnisse und Referenzen sind zunächst nicht erforderlich und zählen weniger als berufliche Erfahrung (auch Praktika, Ferienjobs usw.), allerdings dürfen gute Prüfungsergebnisse ruhig Erwähnung finden. Zum Bewerbungsgespräch sollte man dann alle Unterlagen mitführen.

In Wallonien sind Initiativbewerbungen durchaus vielversprechend. Hier helfen die belgischen „Gelben Seiten“ (www.goldenpages.be) bei der Suche nach entsprechenden Kontakten. Firmenadressen gibt es auch über die Deutsch-Belgisch-Luxemburgische Handelskammer. Viele wallonische Unternehmen legen im Übrigen großen Wert auf eine ordentliche Handschrift und graphologische Tests sind im Auswahlverfahren keine Seltenheit.

In Flandern dagegen spielen persönliche Kontakte und Empfehlungen eine große Rolle, sodass Initiativbewerbungen hier kaum fruchten. Stellengesuche sind in Belgien allgemein unüblich, das Geld für eine entsprechende Anzeige kann man sich also sparen.

Auf der Seite www.grenzpendler.nrw.de findet sich unter der Rubrik „Arbeiten in Belgien“ eine Broschüre zum Download mit vielen weiteren nützlichen Tipps und Hinweisen zum Bewerben und Vorstellen in Belgien.

Einreiseformalitäten

Bundesbürger unterliegen als Angehörige eines EU-Staates keinerlei Beschränkungen auf dem belgischen Arbeitsmarkt, eine Arbeitserlaubnis wird automatisch erteilt. Will man in Belgien auch wohnen, ist innerhalb von zehn Werktagen nach der Einreise eine Anmeldung bei der zuständigen Gemeindeverwaltung erforderlich, die in drei Schritten (mit jeweils separaten Behördengängen) erfolgt: Anwesenheitserklärung – Bescheinigung des Registrierungsantrags – Registrierungsbescheinigung. Für die Registrierung muss ein Nachweis über die Berufstätigkeit vorgelegt werden.
Arbeitnehmern in Belgien ist der Abschluss einer Krankenzusatzversicherung zu empfehlen, da alle ärztlichen Behandlungen von den Patienten vorgestreckt werden müssen und nur zu 75 Prozent erstattet werden.

Die belgische Architektenkammer

Nützliche Links

• Portal der belgischen Botschaft in Berlin,
www.diplomatie.be/berlin/

• Belgische Architektenkammer,
www.ordredesarchitectes.be bzw.
www.architect.be

• Königliche Föderation der Architektenver-
einigungen von Belgien, www.fab-arch.be

Der „Conseil National de l‘Ordre des Architectes (CNOA)“ (www.ordredesarchitectes.be) bzw. „Nationale Raad van de Orde van Architecten (NROA)“ (www.architect.be) fungiert ähnlich wie der BDA als Interessenverband der belgischen Architekten. Ausländische Architekten sind denselben Gesetzen und Regeln wie ihre belgischen Kollegen unterworfen, die Mitgliedschaft in der Kammer ist daher für eine Berufsausübung verpflichtend.
Nach dem Gesetz muss bei allen Bau-, Renovierungs- und Rekonstruktionsprojekten, die die Erteilung einer Baugenehmigung erfordern, ein Architekt zur Erarbeitung der Baupläne und zur Überwachung der Arbeiten herangezogen werden. Bauingenieure sind dazu nur berechtigt, wenn sie über eine entsprechende Qualifikation im Bereich Architektur/Hochbau verfügen.
Neben der belgischen Architektenkammer sind in der Königlichen Föderation der Architektenvereinigungen von Belgien (FAB) (www.fab-arch.be) die Architektenverbände von Flandern, Wallonien und des Großraums Brüssel zusammengeschlossen. ■

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