NewKammer: Gut vernetzt

Der berufliche Einstieg ist für junge Architekten stets mit einer gewissen Unsicherheit verbunden. Zwar hat man im Studium das erforderliche Rüstzeug erworben, um ein erfolgreicher Architekt zu werden, doch in der Praxis herrscht immer wieder großer Informationsbedarf zu Fragen des beruflichen Alltags. Erste Anlaufstelle sind dann meist erfahrene Kollegen aus dem eigenen Bekanntenkreis. Wer als Berufsanfänger Orientierung sucht und noch über kein weitreichendes Netzwerk verfügt, kann sich aber auch an die Architektenkammer wenden. In Hannover gibt es für den Nachwuchs sogar eine eigene Interessenvertretung: die NewKammer.
Am Anfang stand – wie bei allen guten Ideen – ein Fragezeichen: „Was macht die Kammer eigentlich und was haben wir davon?“ Eine Gruppe junger Architekten fühlte sich und ihre Interessen von der eigenen Berufsvertretung nicht ausreichend berücksichtigt. Die Kammer reagierte schnell – mit einem Gesprächsangebot. Denn beim Geschäftsführer der Architektenkammer Niedersachsen, Dr. Mathias Meyer, rannten die fünf jungen Architekten offene Türen ein. Er lud sie ein, die bestehenden Infrastrukturen zu nutzen, um das Angebot der Kammer für sich und ihre nach Orientierung suchenden Kollegen attraktiver zu machen. Die Idee zur NewKammer war geboren!

„Zunächst einmal wollten wir – die jungen Nachwuchsarchitekten in und um Hannover – uns enger vernetzen“, erinnert sich Boris Steinweg, einer der beiden Sprecher der NewKammer. „Dann wollten wir uns langfristig stärker in die Kammerpolitik einmischen. Oder sagen wir mal so: erst einmal verstehen, was in den einzelnen Gremien der Kammer überhaupt gemacht wird.“ Für ein erstes Treffen Ende 2010 stellte die Kammer ihre Räumlichkeiten bereit und bot auch sonst ihre volle Unterstützung an. Die Resonanz war überwältigend: 45 Jungarchitekten aller Fachrichtungen tauschten sich zu alltäglichen Problemen der Büroorganisation, rechtlichen Anforderungen und Akquisemöglichkeiten aus, aber auch zu praktischen Fragen wie Konstruktionsproblemen oder dem richtigen Umgang mit dem Bauherrn.
Mittlerweile hat das junge Netzwerk innerhalb der Architektenkammer seine Kommunikation weiter professionalisiert: „Es gibt unterschiedliche Gruppen, die sich um spezifische Bereiche kümmern, auch um die interne und externe Kommunikation. Wir kommunizieren über Facebook und E-Mail, und es gibt mittlerweile auch einen Datenserver, auf dem wir wichtige Unterlagen, die wir erarbeitet haben, zum Download bereitstellen“, erklärt Steinweg. Auch die regelmäßigen Netzwerktreffen stoßen auf große Akzeptanz: „Das hat im kleinen Rahmen sehr gut Fuß gefasst. Leute, die sich bisher noch nicht kannten, kommunizieren und stellen Fragen: ,Du, wie sieht das eigentlich aus mit der Abstandregelung bei einer geschlossenen Bauweise? Lass uns mal treffen oder wir telefonieren mal, wie dies oder jenes geht‘. Die Kommunikation funktioniert also auf ganz unterschiedlichen Ebenen.“

Karin Binnewies ist seit Mai 2011 direkte Ansprechpartnerin des NewKammer-Netzwerks bei der Architektenkammer Niedersachsen. Sie unterstreicht die großen Fortschritte, die das Projekt in der kurzen Zeit seines Bestehens gemacht hat: „Am Anfang hatte das Ganze ja noch keine feste Struktur, es kamen immer neue Leute dazu, die erst eingebunden werden mussten, dafür blieben andere weg. Natürlich wurde schon gleich zu Beginn diskutiert, mit welchen Zielen wir hier sind, mit welchen Bedürfnissen und welchen Ideen. Aber so etwas läuft dann ja nicht einfach von selbst. Wir haben jetzt eine Struktur gefunden und einen guten Kern engagierter Leute. Die NewKammer weiß auf jeden Fall, wohin sie will.“

Mittelfristig will die NewKammer nicht nur Anlaufstelle für Newcomer sein, sondern diesen in den Gremien der Berufsvertretung eine Stimme geben. Für die Architektenkammer ist dies eine Win-win-Situation, denn für viele junge Architekten stellt sich die Frage nach einer Kammermitgliedschaft nach dem Studium nicht sofort: „Man weiß ja, man muss erst mal ein bisschen arbeiten, ein paar Projekte machen, die Leistungsphasen durchlaufen. Die meisten werden erst Mitglied, wenn sie sich selbständig machen wollen und die Bauvorlageberechtigung brauchen“, erklärt Karin Binnewies. „Oder um Mitglied in der Architektenversorgung zu werden“, ergänzt Boris Steinweg. Beide wünschen sich, dass sich junge Architekten stärker in die Kammer einbringen und in der Gremienarbeit aktiv werden. „Es müssen ja immer Leute nachwachsen und die Kammer lebt nur durch ihre Mitglieder“, resümiert Binnewies.
Rückblickend hat die NewKammer ein Ziel bereits erreicht: „Die innere Vernetzung, also dass es da eine ganz gute Struktur gibt, dass man sich trifft, dass man sich über Berufspolitik oder technische Fragen ganz schnell und unproblematisch austauschen kann oder auf unserer Liste gucken, wer sich zu dem Thema auskennt“, fasst Steinweg zusammen. Und hofft, dass das Beispiel auch über die niedersächsischen Grenzen hinaus Schule macht: „Es gibt ja den Fall, dass man als Architekt die Stadt oder das Bundesland wechseln muss und dann vor Ort noch nicht so vernetzt ist. Da ist es dann eine gute Möglichkeit, zu sagen: ‚Es gibt da diese lockere, offene Gruppe, da kann ich jederzeit dazukommen und finde einen Gesprächspartner, dem ich meine Fragen stellen kann‘. Das ist doch eine schöne Sache.“  ■

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