Architekturbüro: HPP Architekten

Wie müssen sie sein – die Traumkanidaten für einen Posten im Architekturbüro? Der geschäftsführende Gesellschafter Gerhard G. Feldmeyer von HPP Architekten erzählt, was er von Bewerbern erwartet.

Das „Dreischeibenhaus“ in Düsseldorf, der Vodafone Campus, Stadien wie „AufSchalke“ oder die „BayArena“, das Europacenter in Berlin, die Santander Consumer Bank in Mönchengladbach, die Rheinhallen in Köln, bedeutende Sanierungen wie die der Bühnen Köln, des Leipziger Hauptbahnhofes und des „Langen Eugen“ in Bonn oder die Revitalisierung des Grand Hotel Heiligendamm – das sind nur einige der in Deutschland angesiedelten Projekte von HPP Architekten. Auch international ist das 1933 von Helmut Hentrich in Düsseldorf gegründete Architekturbüro breit aufgestellt. Zu den bislang bekanntesten Projekten zählt die Planung des Expo Village in Shanghai. Das 2010 fertig gestellte Quartier verfügt auf einem 44 Hektar großen Areal über eine Bruttogeschossfläche von 550 000 m².

HPP Architekten

1933 gründete Helmut Hentrich das Architekturbüro in Düsseldorf, ab 1935 bildete er eine Arbeits­gemeinschaft mit Hans Heuser. Nach dessen Tod wurde Hubert Petschnigg 1953 in das Büro aufgenommen. 1969 erfolgte die Aufnahme sechs weiterer Partner und Umbenennung in HPP Hentrich-Petschnigg & Partner. HPP entwickelte sich zu einer der größten Architektur­partner­schaften Deutschlands und gründete Gesellschafen für Bau- und Projekt­manage­ment, Auslands­aktivitäten oder Kranken­hausbau.
Heute, in vierter Generation, ist HPP weltweit in allen Bereichen der Architektur tätig und beschäftigt 260 Mitarbeiter an sieben Standorten in Deutschland sowie Büros in Shanghai, Sofia und Washington. Aktuelle Groß­projekte sind der Bau des Vodafone Campus in Düsseldorf sowie die Sanierung und Erweiterung der Bühnen Köln.

www.hpp.com

Der Firmensitz und mit 150 Mitarbeitern größte Standort befindet sich im Düsseldorfer Medienhafen, 170 weitere Mitarbeiter sind darüber hinaus an weiteren Bürostandorten in Berlin, Frankfurt, Hamburg, Köln, Leipzig, Shanghai, Sofia, Stuttgart und Washington beschäftigt. Eine Spezialisierung auf bestimmte Typologien gibt es in den Niederlassungen nicht – mit Ausnahme des Stuttgarter Büros. Dort hat sich aus der Historie heraus eine Spezialisierung für den Bereich Krankenhausplanung sowie Lehre und Forschung entwickelt.

Die einzelnen Büros genießen innerhalb eines bestimmten Rahmens und definierter Ziele größtmögliche Freiheit, das Geschäft und den Markt vor Ort zu bearbeiten und zu entwickeln. „Gerade im Ausland, insbesondere in China, wäre eine restriktive Handhabung wenig erfolgversprechend. Wir setzen Vertrauen in unser qualifiziertes Personal, im Tagesgeschäft die richtigen Entscheidungen im Sinne unseres Unternehmens und unserer Bürophilosophie zu treffen. Bei essentiellen Themen oder Fragestellungen wie der Wettbewerbsauswahl ist eine Rückkopplung mit dem Hauptbüro unerlässlich“, erläutert Gerhard G. Feldmeyer. Nach Stationen in London, Tokio und Hamburg kam der Architekt 1989 zu HPP, zunächst als Büroleiter für die Standorte Hamburg und Berlin. Seit zehn Jahren ist er zusammen mit seinem Partner Joachim H. Faust als geschäftsführender Gesellschafter für die Unternehmensführung verantwortlich und trifft in dieser Funktion auch personelle Entscheidungen.

Mehr als zwei Drittel der 320 Beschäftigten sind Architekten und Ingenieure. Um Großprojekte wie den Vodafone Campus in Düsseldorf, die Hochschule Ruhr West in Mülheim an der Ruhr oder die Sanierung der Bühnen Köln effizient bearbeiten zu können, bedarf es mittlerweile auch in den Bereichen IT, Finanzen und Recht, Marketing und Personal einer gewissen Personalstärke. „Viele unserer Planungsaufträge erhalten wir heute als Generalplaner, wo wir in der Gesamtverantwortung für alle Planungsleistungen stehen. Der Koordinationsaufwand solcher Projekte wäre ohne entsprechende Infrastruktur und interne Services nicht professionell zu bewältigen“, sagt Feldmeyer.

Bei der Suche nach neuen Mitarbeitern nutzt HPP je nach Anforderungsprofil und Ort alle Kanäle – Tageszeitungen und Fachzeitschriften, Stellenbörsen der relevanten Online-Portale und auch die eigene Website, die wiederum mit den Portalen verlinkt ist. Auf eine Stellenanzeige gehen durchschnittlich 60 Bewerbungen ein, wobei sich das Verhältnis zwischen männlichen und weiblichen Bewerbern die Waage hält. Täglich erhält das Unternehmen allerdings auch Initiativbewerbungen aus aller Welt.

Die Bewerbungsmappe: Einzigartig und individuell

Joachim Faust (l.) und Gerhard G. Feldmeyer, geschäftsführende Gesellschafter von HPP Architekten. Foto: HPP

Joachim Faust (l.) und Gerhard G. Feldmeyer, geschäftsführende Gesellschafter von HPP Architekten. Foto: HPP

„Ich schaue mir immer noch am liebsten eine klassische Bewerbungsmappe an. Aus ihr spricht für mich am stärksten die persönliche Handschrift, da dem Bewerber damit weitaus größere Spielräume zur Darstellung seiner Architekturauffassung sowie seines gestalterischen Talents geboten werden. Anmutung, Inhalt, Format, Haptik, all das sind Aspekte, die online nur sehr viel schwerer zu transportieren sind“, beschreibt Feldmeyer seine Präferenz. Er schätzt formal klare, gutpointierte Anschreiben, die auf die üblichen Floskeln verzichten und überzeugend die Motivation vermitteln. Bei manchen Bewerbungen beschleiche ihn das Gefühl, dass an einigen Hochschulen bestimmte Bausteine für Bewerbungsschreiben vermittelt werden, da viele Briefe im gleichen Wortlaut beginnen und enden. „Es gibt nichts Schlimmeres als Allgemeinplätze. Ich möchte in einer Bewerbung etwas Einzigartiges, Individuelles finden. Dieses sollte jedoch über die oberflächliche, formale Faszination hinausgehen und mit einem nachhaltigen Qualitätsverständnis gekoppelt sein“, rät der geschäftsführende Gesellschafter. Entwürfe bezeichnet er als entscheidenden Teil der Bewerbungsmappe: „Die Inhalte, aber auch die Art und Weise, wie Grundrisse, Schnitte und Visualisierungen präsentiert werden, stellen entweder eine Konsistenz und damit ein überzeugendes Bild vom Entwurf her oder fallen auseinander. Anspruch und Wirklichkeit sollten in der Entwurfspräsentation möglichst dicht zusammen liegen.“

Aufgrund der längeren Studienzeit und der damit einhergehenden umfassenderen Ausbildung wird bei HPP der Master- bzw. Diplomabschluss vorausgesetzt. Auslandsaufenthalte sind gern gesehen: „Da wir international tätig sind, ist eine gewisse Auslandserfahrung positiv. Interkulturelle Erfahrungen und Denkweisen fördern die Entwicklung, sowohl persönlich als auch in der beruflichen Zusammenarbeit. Bei zu vielen Auslandsaufenthalten kann jedoch auch ein Mangel an Ernsthaftigkeit beziehungsweise Zielstrebigkeit unterstellt werden“, so Feldmeyer. Was die Sprachkenntnisse angeht, ist Englisch Pflicht, jede weitere Fremdsprache wünschenswert, aber keinesfalls Bedingung. Da sich das Unternehmen derzeit verstärkt in China, Russland und der Türkei engagiert, liegt der Fokus augenblicklich auch auf diesen Sprachen. Um in die engere Auswahl zu gelangen, sollte ein Kandidat durch seine Bewerbung ein erkennbares Talent für den Architektenberuf, Teamfähigkeit, Zielstrebigkeit, analytisches Denken und selbstverständlich umfassende CAD-Kenntnisse vermitteln.

Kein festes Gesprächsschema

Innerhalb einer Bewerbungsrunde werden in der Regel fünf Bewerber eingeladen. An dem Gespräch nehmen generell zwei Architekten der Partnerebene teil. Der Gesprächsverlauf ist nicht festgelegt: „Wir sind an der Individualität und Persönlichkeit unserer Mitarbeiter interessiert, daher gibt es kein festes Gesprächsschema. Beide Seiten sollten die Möglichkeit haben, situativ zu reagieren, was das Gespräch meistens belebt. Ein größerer Spielraum ergibt außerdem die Möglichkeit, ein umfassenderes Bild vom Bewerber zu erhalten. Dabei interessieren uns neben der fachlichen auch die soziale Kompetenz sowie Aktivitäten jenseits der berufsspezifischen Themen“, erläutert Feldmeyer. Was ihm überhaupt nicht gefällt, ist, wenn Bewerber zur Besserwisserei neigen. Sollten konkrete Projekte besprochen werden, so handelt es sich um eigene Projekte des Bewerbers beziehungsweise seine Masterarbeit, aber auch um Arbeiten aus vorgelagerten Tätigkeiten. Innerhalb des gesetzlichen Rahmens sollte ein Bewerber auch auf Fragen zu persönlichen Themen oder Hobbys wie Musik, Kultur oder Sport vorbereitet sein.

Der Vodafone Campus in Düsseldorf. Foto: HPP

Der Vodafone Campus in Düsseldorf. Foto: HPP

Natürlich gebe es Gradmesser, ob ein Bewerber teamfähig sei, berichtet Feldmeyer: „Wer im Studium niemals eine Gruppenarbeit absolviert hat, ist möglicherweise kein Teamplayer. Letztlich bewerten wir solche Aspekte jedoch nicht über. Ein Bewerbungsgespräch ist immer eine Momentaufnahme. Das Bild, das man erhält, bleibt immer unvollständig und wird sich erst in der Zusammenarbeit zur Gänze erschließen. In meiner langjährigen Tätigkeit wurden meine Erwartungen ehrlicherweise sowohl enttäuscht als auch übertroffen. Alles in allem bin ich mit unseren Personalentscheidungen sehr zufrieden.“ Eine zweite Vorstellungsrunde ist bei HPP eher die Ausnahme, denn bei jungen Architekten fällt die Entscheidung zu 80 Prozent nach dem ersten Gespräch.

Überdurchschnittliches Engagement

Von allen Mitarbeitern wird grundsätzlich überdurchschnittliches Engagement erwartet. Machen neue Mitarbeiter „Dienst nach Vorschrift“, erzeugt dies innerhalb der Probezeit kein positives Bild. „Neugier, proaktives Agieren, die Fähigkeit, zuzuhören, aber auch das Entwickeln und Artikulieren eigener Beiträge und Flexibilität im Denken sind Eigenschaften, die uns überzeugen“, fasst der Architekt zusammen. Neue Mitarbeiter erhalten sofort Aufgabe und Funktion im Projekt, Berufsanfänger werden im Projekt qualifiziert. Weiterbildung genießt einen hohen Stellenwert, in regelmäßigen Abständen werden Schulungen angeboten, sowohl intern als auch extern.

„Beim Führungspersonal sind wir an einer längerfristigen Zusammenarbeit interessiert“, sagt Feldmeyer, Absolventen rät er dazu, nach drei bis vier Jahren in ein anderes Büro zu wechseln. Sich am Anfang einer Karriere mit unterschiedlichen Unternehmensstrukturen und Arbeitsmethoden auseinanderzusetzen, schärfe das eigene Bild und damit auch das Profil.

Die Sanierung und Erweiterung der Bühnen Köln. Foto: HPP

Die Sanierung und Erweiterung der Bühnen Köln. Foto: HPP

Zudem sei ein gewisses Maß an Fluktuation durchaus förderlich für die Weiterentwicklung des Unternehmens. Wer überdurchschnittliche Fähigkeiten aufweise und dem Unternehmen auf lange Sicht treu bleibe, den erwarteten „alle erdenklichen Aufstiegschancen – bis hin zum Gesellschafter. In einem Büro, das seit 80 Jahren existiert und das in der vierten Generation geführt wird, besteht letztendlich jede Entwicklungsmöglichkeit“, schließt Feldmeyer. ■

Print Friendly, PDF & Email

TALIS Berufsstart 2017/2018 als E-Book lesen!

Einfach E-Mail-Adresse eingeben, bestätigen und mehr wissen als andere.




Sie haben den Newsletter bestellt. Bitte überprüfen Sie Ihr Mail-Postfach für den Bestätigungslink.