Öffentlicher Dienst: Karlsruhe

Anne Sick, Leiterin des Amtes für Hochbau und Gebäudewirtschaft der Stadt Karlsruhe, erklärt, auf was Architekten und Bauingenieure bei der Bewerbung im öffentlichen Dienst achten sollten.

2015, wenn die Stadt Karlsruhe ihren 300. Geburtstag feiert und der städtische Zoo 150 Jahre alt wird, soll der Umbau des Tullabades abgeschlossen sein. Bis zur Schließung im Jahre 2008 zogen Schwimmer ihre Bahnen und auch nach der Wiedereröffnung werden sich dort die Badegäste tummeln – dann allerdings tierische. Seit dem vergangenen Jahr wird das direkt an den Zoo grenzende Schwimmbad zum Exotenhaus umgebaut. Den Bereich um das ehemalige kleine Schwimmbecken werden Krokodile, Piranhas sowie verschiedene Schildkrötenarten bevölkern. In die frühere große Schwimmhalle sollen Affen, Faultiere, Fledermäuse und zahlreiche Vogelarten einziehen. Abgerundet wird das Projekt mit einem Volumen von mehr als 18 Mio. Euro durch die „Zoo-Schule“, eine Amphibienstation sowie ein neues gastronomisches Angebot.

Anne Sick, Leiterin des Amtes für Hochbau und Gebäudewirtschaft der Stadt Karlsruhe. Foto: privat

Anne Sick, Leiterin des Amtes für Hochbau und Gebäudewirtschaft der Stadt Karlsruhe. Foto: privat

Ein weiteres Großprojekt, das 2015 in Baden-Württembergs drittgrößter Stadt den Betrieb aufnehmen soll, ist der Neubau der Feuerwehr-Leitstelle. Feuerwehr, Rettungsdienst und Katastrophenschutz werden dann unter einem Dach versammelt sein. Die Notrufe der gesamten Region werden in dem Neubau ankommen, um die 730 000 Bürger der Stadt und des Landkreises im Notfall noch schneller versorgen zu können. 22 Mio. Euro wird die Baumaßnahme kosten, die für das Amt für Hochbau und Gebäudewirtschaft eine große Herausforderung darstellt. „Es gibt bislang nur wenige Leitstellen und keine, die vergleichbar mit unserer ist. Da außerdem sehr viel Technik integriert ist, unterscheidet sich der Neubau deutlich von sonstigen Projekten wie Schulen oder Kindergärten“, berichtet Amtsleiterin Anne Sick. Nach dem Architekturstudium arbeitete sie als Projektarchitektin und Projektleiterin in einem hannoverschen Planungsbüro und bei der Niedersächsischen Landesentwicklungsanstalt. Die zweifache Mutter wollte sich weiter qualifizieren, absolvierte einen zweijährigen Verwaltungsausbildungsgang und legte das zweite Staatsexamen ab. Sie übernahm die stellvertretende Leitung des Kirchenbauamtes der evangelischen Landeskirche in Baden und zwei Jahre später dessen Leitung. Seit Ende 2008 leitet sie das Amt für Hochbau und Gebäudewirtschaft der Stadt Karlsruhe.

140 Mitarbeiter, davon 125 Vollzeitkräfte, sind zuständig für 690 kommunale und 100 angemietete Gebäude, daneben gibt es weitere angemietete Immobilien. Der Zuständigkeitsbereich umfasst Errichtung, Bauunterhaltung, Reinigung, Versorgung, Bewirtschaftung und das Flächenmanagement. Wenn Dienststellen Platz benötigen, suchen die Mitarbeiter des Amtes Alternativen bezüglich Anmietung, Umorganisation oder Neuerrichtung von Flächen. „Wir sind für den gesamten Lebenszyklus von Gebäuden zuständig“, erläutert die Leiterin. Der Etat des Amtes für Hochbau und Gebäudewirtschaft liegt bei über 80 Mio. Euro jährlich.

Chancen für Architekten im Praktikum

25 Architekten sind hier tätig. Sie sind zuständig für Leitung und Steuerung aller Maßnahmen, eine Eigenplanung findet seit einigen Jahren nicht mehr statt. Die Fluktuation ist gering, ein Ausscheiden erfolgt in der Regel aus Altersgründen. 2012 aber wurden gleich drei Architekten eingestellt. „Wir können natürlich keine zusätzlichen Stellen schaffen, aber wenn wir beispielsweise für eine andere städtische Gesellschaft eine Maßnahme übernehmen, können wir aufgrund des Aufgabenzuwachses befristet jemanden einstellen“, erklärt Anne Sick. Gerne beschäftigt sie in derartigen Fällen Architekten im Praktikum, sie würden frischen Wind und viele gute Ideen mitbringen.

Amt für Hochbau und Gebäu­de­wir­t­­schaft der Stadt Karlsruhe

Rund 140 Mitarbeiter sorgen in der nordbadischen Stadt mit knapp 300 000 Einwohnern für interne Dienstleistungen wie die Bereitstellung und Unter­hal­tung von Flächen, Räumen und Gebäuden. Zu den mehr als 690 eigenen und ca. 100 angemieteten Objekten gehören Schulen, Kindergärten, Sport­stät­ten, Mehrzweckhallen und Verwaltungsgebäude. Die Tätigkeiten umfassen Umbau, Sanierung, Erweiterung sowie Neubau. Der Etat liegt jährlich bei über 80 Mio. Euro.

Zwei aktuelle Großprojekte sind der Umbau des ehemaligen Schwimmbades Tullabad zum Exotenhaus des Zoo Karlsruhe mit einem Volumen von mehr als 18 Mio. Euro sowie der Neubau der Feuerwehr-Leitstelle mit einem Bauvolumen von 22 Mio. Euro. Beide Projekte sollen 2015, zum 300. Stadtgeburtstag, abgeschlossen sein.

www.karlsruhe.de

Architekten, Bautechniker oder Ingenieure werden über die örtliche Presse, die Bauwelt, den Staatsanzeiger, die gängigen Internetportale oder auch überregionale Tageszeitungen wie die FAZ gesucht, je nachdem, wie hochkarätig die ausgeschriebene Stelle ist. Fachingenieure sind derzeit nicht leicht zu finden; anders sieht es bei den Architekten aus. Hier gehen auf eine Annonce zwischen 50 und 100 Bewerbungen ein – auch für Teilzeitstellen.

Bei den Architekten bevorzugt Anne Sick die klassische Bewerbungsmappe. Sie gebe einen Eindruck von der Handschrift des Bewerbers und transportiere mehr als reine Sachinformation. Die Art der Gestaltung lasse erkennen, wie viel Mühe sich jemand mit seiner Bewerbung gegeben habe. Dies sei zwar nur ein Puzzlestück, aber derartige Dinge gingen durchaus in die Gesamtbewertung ein.

Die Amtsleiterin empfiehlt, die Stellenanzeigen genau zu lesen und sich nicht nach dem Gießkannenprinzip zu bewerben: „Wenn wir einen Mitarbeiter oder eine Mitarbeiterin für die Bauunterhaltung suchen, dann muss er bzw. sie eine Affinität zum Handwerklichen und Praktischen haben; wer lieber im stillen Kämmerlein Entwürfe zeichnet als draußen zu sein, sollte sich auf eine solche Stelle nicht bewerben.“ Von einem Anschreiben erwartet sie, dass es „plausibel und knapp formuliert“ ist. Leider stießen viele damit bereits an ihre Grenzen, oft seien Teile des Lebenslaufes in das Anschreiben integriert oder die Bewerber kämen vom Hundertsten ins Tausendste. Wer über langjährige Berufserfahrung verfüge, müsse natürlich nicht jedes kleine Praktikum dokumentieren. Anders sehe das bei Berufsanfängern aus, denn es sei interessant zu sehen, ob ein Bewerber sein Grundprogramm absolviert oder sich in Fortbildungen oder Praktika Nischen gewidmet oder bereits ein wenig spezialisiert hat.

Gute Mitarbeiter sind unser Kapital

Die Personalauswahl liegt der Amtsleiterin besonders am Herzen: „Unser Kapital sind unsere Gebäude und unsere Mitarbeiter. Das einzige Schräubchen, mit dem wir Qualität beeinflussen können, sind gute Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen.“ Sie möchte nur die Besten einstellen und nennt das Abschlusszeugnis als wichtigen Gradmesser: „Wenn von 50 Bewerbern 20 einen überdurchschnittlichen Abschluss haben und wir nur fünf einladen wollen, dann sehen wir uns die weniger Guten in der Regel gar nicht mehr an.“ Bei den Zensuren gelte es allerdings zu differenzieren, denn die Beurteilungen der Hochschulen seien unterschiedlich. Sie achtet genau darauf, woher die Absolventen kommen, denn eine Zwei an Hochschule A könne gleichbedeutend mit einer Eins an Hochschule B sein.

Skizze des Neubaus der Hauptfeuerwache und Leitstelle. Abb.: Harder Stumpfl Architekten

Skizze des Neubaus der Hauptfeuerwache und Leitstelle. Abb.: Harder Stumpfl Architekten

Den Bachelor-Abschluss empfindet sie als nicht ausreichend: „Wer im Bereich Entwurf etwas vorweisen will, der benötigt eine gewisse Reife. In der kurzen Zeit dieses verschulten Studiums kann diese Reife gar nicht erreicht werden.“ Allerdings habe sich bislang noch kein Bachelor beworben, sie kann sich nur an Absolventen mit Diplom- oder Masterabschluss erinnern.

Im Normalfall werden fünf bis acht Kandidaten zum Vorstellungsgespräch eingeladen. Bei Berufsanfängern findet ein fachliches Interview statt. Der Bewerber erhält Gelegenheit, anhand einer eigenen Arbeit sich und seine Einstellung zu präsentieren. Manchmal wird die Aufgabenstellung bereits eine Woche vorher ausgegeben, damit eine Vorbereitung möglich ist. „Uns interessiert, was die Leute wissen, nicht, was sie nicht wissen“, erläutert Sick. Vor allen Dingen wolle man niemanden in Verlegenheit bringen oder auflaufen lassen. „Es geht darum, eine angenehme Atmosphäre zu schaffen, in der sich die Bewerber frei fühlen und keine Blockade entsteht, so dass keine Kommunikation mehr möglich ist.“ Das ist sehr wichtig, denn bei einem Vorstellungsgespräch im öffentlichen Dienst können dem Bewerber durchaus acht bis zehn Personen gegenüber sitzen – Abteilungsleiter, Vertreter des Personalbereichs und des Personalrats, Schwerbehinderten- oder Gleichstellungsbeauftragte. Die verschiedenen Bereiche des Gesprächs werden bepunktet und so schließlich ein Ranking festgestellt. Das Verfahren wird dokumentiert, da die Möglichkeit einer Konkurrentenklage besteht. Sick selbst ist in dieser Runde in der Regel nicht dabei, mit den letzten zwei oder drei Bewerbern führt sie ein Abschlussgespräch.

Authentisch und ehrlich auftreten

Sie rät den Kandidaten dazu, in der Vorstellungsrunde so aufzutreten, wie sie wirklich sind. Wer sage, dass er auf eine bestimmte Frage momentan keine Antwort habe, wirke viel ehrlicher als jemand, der sich als Alleskönner darstelle. Sick interessiert sich durchaus für Freizeitaktivitäten des Bewerbers. „Es geht nicht darum, dass jemand, der ehrenamtlich tätig ist, bessere Chancen hat, aber derartige Dinge zeigen, wie kommunikativ oder interessiert jemand ist und runden das Bild ab.“ Auch hier ist, Ehrlichkeit gefragt. Wer flunkert, muss damit rechnen, erwischt zu werden: „Wer erzählt, dass er gern liest, der sollte zumindest den Titel des Buches nennen können, das er zuletzt gelesen hat“, berichtet Sick.

Auf eine Frage sollte jeder Bewerber vorbereitet sein, nämlich, warum er sich gerade auf die Stelle beim Amt für Hochbau und Gebäudewirtschaft und damit im öffentlichen Dienst bewirbt. „Ich erwarte, dass Bewerber zu dieser gesellschaftlichen Komponente eine Haltung haben.“ Zudem glaubten einige Leute noch immer, dass es im Amt gemächlicher zuginge als anderswo oder dass die Arbeit im öffentlichen Dienst niederschwelliger sei. „Dem ist nicht so“, widerspricht die Amtsleiterin vehement. Die Mitarbeiter würden gefordert und gefördert. „In vielen Architekturbüros machen AIP-ler immer die gleichen Tätigkeiten, bei uns durchlaufen sie die gesamte Bandbreite. Wenn möglich, geben wir ihnen sogar ein kleines, eigenverantwortliches Projekt.“ Ein weiterer Vorteil sei, „dass wir keine ausbeuterischen Arbeitsverhältnisse haben“, so Sick.

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Das Tullabad wird zum Exotenhaus des Karlsruher Zoos umgebaut.

Die AIP-Stellen werden in der Regel nicht verlängert. „Es ist nicht gut, wenn die jungen Architekten zu früh auf bestimmte Arbeitsweisen hin sozialisiert werden und beginnen, Dinge zu wiederholen, statt sie zu hinterfragen“, sagt die Amtsleiterin. Nach zwei Jahren sollten sie weiterziehen, um Persönlichkeit, Standing und auch Durchsetzungsvermögen auszubauen. Sick berichtet von einer sehr guten, jungen Architektin, die sie regelrecht zum Gehen aufgefordert habe. Sie hofft aber darauf, dass diese Architektin in ein paar Jahren wiederkommt und dann eine Abteilung im Amt für Hochbau und Gebäudewirtschaft übernimmt. ■

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