So werden Sie Ihr eigener Chef

„Selbständig? Direkt nach dem Studium? Unmöglich!“ So lautet eine weitverbreitete Meinung. Zugegeben: Keinerlei Praxiserfahrungen vorweisen zu können, sind alles andere als gute Startbedingungen für den Aufbau einer Existenz. Aber vielleicht haben Sie schon während des Studiums eine Nische entdeckt, die Sie als Freiberufler durch besondere Kenntnisse und Fähigkeiten ausfüllen könnten? Oder Sie verlieren in naher Zukunft Ihren Arbeitsplatz, tun sich mit Kollegen zusammen und finden in der Selbständigkeit eine gute Alternative. Was vielen auch nicht bewusst ist: Freie Mitarbeiter in Architektur- und Ingenieurbüros sind ebenfalls selbständige Unternehmer. Es lohnt sich also, das Thema im Laufe des Berufslebens stets im Hinterkopf zu behalten.

_MG_6273_Existenzgru¦êndungEinen ganzen Rattenschwanz an Regeln, Gesetzen, Rechten und Pflichten ziehen die Begriffe „Existenzgründung“ und „Selbständigkeit“ nach sich. Das Thema füllt Bücherregale und Tausende von Internetseiten. Wer sich eine Existenz aufbauen möchte, dem sei vorab gesagt: Lassen Sie sich von der Vielzahl an Begriffen, die einem manchmal wie Fachchinesisch vorkommen mögen, nicht ins Bockshorn jagen. Sie brauchen Geduld und vor allem den Willen, sich nicht nur mit Ihrem vertrauten Fachgebiet zu beschäftigen. Als Unternehmer müssen Sie in juristischen, steuerlichen und kaufmännischen Dingen einen gewissen Durchblick haben, daran führt kein Weg vorbei. Auch hier gilt: Wissen ist Macht, selbst wenn Sie den Rat von Steuerberatern oder Juristen einholen. Es nützt Ihnen wenig, wenn man Ihnen zu einer „Haftungsbegrenzung“ rät, Ihnen aber gar nicht klar ist, wozu das eigentlich gut sein soll. Dieser Beitrag enthält keinen vollständigen Leitfaden für eine Existenzgründung und stellt keinen Ersatz für eine eingehende individuelle Beratung oder den Besuch eines Existenzgründungsseminares dar. Zu vielfältig sind die Gründungsideen, außerdem gelten in den verschiedenen Bundesländern unterschiedliche Regelungen. Sie finden hier jedoch wichtige Hinweise für eine Kleingründung und die Erklärung einiger Begriffe, die gründungswilligen Architekten und Bauingenieuren unter Garantie begegnen werden.

Sind Sie ein Unternehmertyp?

„Mein Chef, das bin ich.“ Schön, wenn man das von sich behaupten kann. Niemand kann einen vor die Tür setzen, keiner beschwert sich über zu lange Kaffeepausen. Wenn das Wetter schön ist, nimmt man sich frei und arbeitet einfach am Abend weiter. Mütter und Väter sind, was die Kinderbetreuung angeht, wesentlich flexibler als Angestellte. Die Selbständigkeit also ein Traumjob? „Ja, aber …“, sagen die Freiberufler, denn die Reihe an Nachteilen, die sie in Kauf nehmen müssen, ist lang: Arbeitszeiten von über sechzig Stunden in der Woche, Streitereien mit Kunden oder Versicherungen und am Ende des Monats immer die bange Frage, wie viel Geld eigentlich noch auf dem Konto ist. Überall sind die Mittel knapp, das wirkt sich auch auf die Zahlungsmoral aus, die im Planungssektor streckenweise stark zu wünschen übrig lässt. Unternehmer müssen sich zudem dessen bewusst sein, dass sie die volle Verantwortung für ihre Projekte tragen. „Menschen, die arbeiten, machen Fehler. Menschen, die nicht arbeiten, machen keine Fehler“, so lautet ein Spruch. Falls Sie diese Ausführungen nur ein müdes Lächeln kosten, dann sind Sie in jedem Fall ein geborener Unternehmertyp.

Geschäftsidee

Risikobereitschaft und das fleißige Gemüt eines Arbeitspferdes reichen jedoch nicht aus, um sich eine dauerhafte Existenz aufzubauen.Sie brauchen Aufträge, die Ihnen so viel Gewinn bringen, dass Sie zumindest im Laufe der Zeit davon leben können. Sehr gut wäre es, wenn Sie etwas anzubieten hätten, das Architektur- oder Ingenieurbüros, Baufirmen oder Städte und Gemeinden händeringend suchen, dafür aber niemanden finden beziehungsweise nicht bereit sind, jemanden einzustellen. Noch besser wäre es, wenn Sie mit einem Auftrag in die Selbständigkeit starten. Viele Freiberufler haben sich nie Gedanken über eine Geschäftsidee gemacht, sondern sind eher wie die „Jungfrau zum Kind“ an ein Projekt gekommen, sei es über einen Bekannten, einen befreundeten Architekten oder über das Ingenieurbüro, in dem sie als studentische Hilfskraft gearbeitet haben.

Mit Businessplan zur Geschäftsidee

Der Begriff „Businessplan“ hört sich schlimmer an, als er ist. Sie brauchen ihn, wenn Sie Fördergelder, Existenzgründungs- zuschüsse oder ein Darlehen beantragen. Es kann jedoch sehr hilfreich sein, auch ohne verpflichtenden Hintergrund einen Businessplan aufzustellen, allein um die eigenen Gedanken zu ordnen. Das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie hat dazu ein übersichtliches und leicht zu bedienendes Softwarepaket für Gründer und junge Unternehmer entwickelt. Das Programm „zwingt“ einen regelrecht dazu, sich mit wichtigen Fragestellungen auseinanderzusetzen. Bei der Eingabe des Businessplanes müssen die Benutzer Fragen zu Zielen und Risiken des Vorhabens beantworten. Den kostenlosen Download gibt es unter www.softwarepaket.de 

Ein kluger Kopf fängt klein an

Vor unserem geistigen Auge erscheinen die Geschäftsführerin oder der Firmeninhaber meist als schillernde Figuren im schicken Ledersessel am Mahagoni-Schreibtisch mit eigenem Sekretariat. Lassen Sie sich im Falle einer Existenzgründung nicht von solchen Bildern leiten. Im Architektur- und Ingenieurbereich ist es gang und gäbe, ganz klein mit einer sparsamen Grundausstattung als Alleinunternehmer anzufangen. „Mein Notebook, mein Schreibtisch, mein Telefon und ich“ ist mit Sicherheit ein vielversprechenderes Gründungskonzept als hohe Investitionen in Designermöbel oder Hochglanzwerbekataloge. Sparsamkeit ist äußerst klug, allerdings sollten Sie an den richtigen Stellen sparen. Sorgen Sie dafür, dass Sie stets erreichbar sind. Ein Internetanschluss, E-Mail, ein Faxgerät und ein Mobiltelefon sollten dem Rotstift besser nicht zum Opfer fallen. _MG_6113_Existenzgru¦êndung_rechtWichtig sind zudem Visitenkarten und eine Homepage, die so gestaltet ist, dass sie einen guten Eindruck hinterlässt. Aber auch hier gilt: Gut und preisgünstig muss sie sein. Eine kostspielige Website führt selten zu einem Auftrag. Viele Existenzgründer arbeiten zunächst einmal von zu Hause aus und mieten sich, wenn es die finanzielle Situation zulässt, später erst ein externes Büro. Grundsätzlich gibt es keine Probleme, von zu Hause aus zu arbeiten. Wer zur Miete wohnt, darf jedoch ohne Zustimmung des Vermieters keine baulichen Veränderungen vornehmen und muss die Wohnung weiterhin überwiegend als Wohnraum nutzen. Es empfiehlt sich, eine berufliche Nutzung mit dem Vermieter zu besprechen und am besten im Mietvertrag zu fixieren.

Steht Ihre Familie hinter Ihnen?

Als Freiberufler führen Sie nicht gerade ein leichtes Leben, genauso wenig wie Ihre Familie und Ihre Freunde. Die werden zeitweise auf Sie verzichten müssen, auch am Wochenende oder abends im Biergarten. Die ständige finanzielle Berg- und Talfahrt kann einen Ehepartner zur Verzweiflung bringen und das Lamentieren über die „schlecht laufenden Geschäfte“ mögen Ihre Lieben irgendwann auch nicht mehr hören. Sprechen Sie also mit den Personen, die Ihnen nahestehen, über Ihr Vorhaben und welche Unannehmlichkeiten dies mit sich bringen wird. Ihre Angehörigen werden Ihnen eher den Rücken stärken, wenn Sie nicht alles allein mit sich ausmachen.

Holen Sie sich Rat

Wenn Sie sich selbständig machen wollen, lassen Sie sich eingehend beraten. Sie müssen nicht gleich zum Rechtsanwalt oder Notar gehen. Es gibt wesentlich kostengünstigere und vor allem auf Ihr Fachgebiet abgestimmte Beratungsangebote. Im Folgenden eine Auswahl:

Architekten- und Ingenieurkammern

Ihre ersten Ansprechpartner sollten die Architekten- beziehungsweise Ingenieurkammern sein. Die für Sie zuständige Kammer sitzt in dem jeweiligen Bundesland, in dem Sie wohnen oder in dem Sie zukünftig arbeiten wollen. Einige Kammern stellen Ihnen einen persönlichen Berater zur Verfügung, dem Sie Ihr Gründungsvorhaben direkt schildern können. Meist wird dafür eine geringe Gebühr erhoben. In der Regel werden hier auch Existenzgründungsseminare für Architekten und Bauingenieure angeboten. Im Anhang des Buches finden Sie die Adressen der einzelnen Kammern.

Berufsverbände

Nach dem Motto „Gemeinsam sind wir stark“ haben sich selbständige Architekten und Bauingenieure in mehreren Berufsverbänden zusammengeschlossen. Dazu zählen unter anderem:

  • Verband selbständiger Ingenieure und Architekten (VSIA), www.vsia.de
  • Bundesverband Freiberuflicher Ingenieure e.V. (BFI), www.ubi-d.de

Bundesagentur für Arbeit

Auch die Bundesagentur für Arbeit berät Sie bei Gründungsfragen, unabhängig davon, ob Sie nun frisch von der Uni kommen oder schon lange im Berufsleben stehen. Es gibt eigens eingerichtete Existenzgründungszentren, die ein spezielles Beratungsangebot für Akademiker bereithalten. Wenden Sie sich an Ihre zuständige Agentur an Ihrem Wohnort.

Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie

Sehr gute und einfach erklärte Informationen rund um die Selbständigkeit hält das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie auf seiner Homepage www.existenzgruender.de bereit.

Institut für Freie Berufe (IFB)

Das IFB mit Sitz in Nürnberg bietet in regelmäßigen Abständen Existenzgründungsseminare an. Auf der Homepage www.ifb-gruendung.de finden sich viele Anregungen und Hinweise rund um die Rechte und Pflichten eines Freiberuflers.

Mitgliedschaft in der Kammer: Kür oder Pflicht?

Niemand wird gezwungen, Mitglied in einer Architekten- oder Ingenieurkammer zu sein. Nichtmitgliedern bleiben allerdings einige Rechte verwehrt, ohne die sie ihren Beruf gar nicht oder nur eingeschränkt ausüben können. Das gilt im besonderen Maße für Selbständige. Die wesentlichen Vorteile einer Mitgliedschaft sind:

Das Recht, eine bestimmte Berufsbezeichnung führen zu können

Für Architekten gilt: Nur wer Mitglied in der für ihn zuständigen Architekten­kammer an seinem Arbeits- beziehungsweise Wohnort und damit in die Archi­tektenliste eingetragen ist, darf die Berufsbezeichnung „Architekt/-in“, „Garten- und Landschaftsarchitekt/-in“, „Innenarchitekt/-in“ oder „Stadtpla­ner/-in“ führen. Direkt nach dem Studium dürfen Sie sich noch nicht so nennen. Die Voraussetzung für eine Mitgliedschaft in der Kammer ist nämlich eine mindestens zweijährige Praxis­tätigkeit unter der Aufsicht eines Architekten. Einige Bundesländer, zum Beispiel Bayern, fordern sogar noch längere Praxiszeiten. Vielerorts müssen zudem regelmäßig fachbezogene Fort- und Weiterbildungsveranstaltungen besucht werden, um dieses Recht zu erwerben und später während der Berufstätigkeit zu behalten. Bei Bauingenieuren ist die Berufsbezeichnung „Beratende/-r Ingenieur/-in“ an die Mitgliedschaft sowie einen Eintrag in die „Entwurfsverfasserliste“ der zuständigen Ingenieurkammer gebunden. Auch hier werden nur diejenigen Kammermitglied, die mehrere Jahre lang praktisch tätig waren. In Niedersachsen werden beispielsweise fünf Jahre Berufserfahrung als Ingenieur gefordert. „Bauingenieur/-in“ dürfen Sie sich vorher auch schon nennen.

Bauvorlageberechtigung

Mit der Mitgliedschaft in der Kammer erhalten Sie die Bauvorlageberechtigung. Damit dürfen Sie beispielsweise Bauanträge unterschreiben und bei der zuständigen Behörde einreichen. Das ist wichtig, wenn Sie Planungsleistungen anbieten. _MG_6190_Existenzgru¦êndungEs nützt dem Bauherrn wenig, wenn Sie einen hervorragenden Entwurf ausgearbeitet haben, die Behörde ihn aber nicht anerkennt, weil Ihnen die Unterschriftsberechtigung fehlt. Viele werden sich jetzt fragen, ob die Selbständigkeit ohne Bauvorlageberechtigung und ohne Mitgliedschaft in der Kammer überhaupt möglich ist. Nun – Ihnen muss klar sein, dass Sie sich noch nicht „Architekt/-in“ oder „Beratende/-r Ingenieur/-in“ nennen dürfen, im Wettbewerb um bezahlte Aufträge beantwortet sich diese Frage also fast wie von selbst. Der sicherste Weg, um diese Berufsbezeichnung führen zu können, ist und bleibt ein mehrjähriges Angestelltenverhältnis, denn damit steht außer Frage, dass Sie Ihre Berufspraxis unter fachlicher Anleitung eines Architekten bzw. Bauingenieurs erworben haben – so fordern es die Kammern. Es gibt durchaus Freiberufler, die auch mit einer selbständigen Tätigkeit im Anschluss an ihr Studium die Bau-Vorlageberechtigung erworben haben, zum Beispiel als freie Mitarbeiter. Aber Vorsicht! Die Spielregeln lauten gleich: Im Rahmen einer freiberuflichen Tätigkeit müssen Sie ebenfalls unter fachlicher Anleitung einer befähigten – also bauvorlageberechtigten Person tätig gewesen sein. Wenn Sie das gegenüber den Kammern nicht nachweisen können, wird Ihnen die Mitgliedschaft verweigert. Auch muss sich die Person, unter deren Anleitung Sie arbeiten wollen, ihrer Verantwortung bewusst sein. Entwurfsverfasser müssen haftpflichtversichert sein, Bauvorlagen dürfen nur von demjenigen unterschrieben werden, der diese entweder selbst oder unter verantwortlicher Leitung verfasst hat, also so intensiv geprüft hat, dass Fehler offensichtlich wurden und korrigiert werden konnten. Es ist wichtig, dass sich Absolventen über die Voraussetzungen, die zur Eintragung in die Architekten- und Ingenieurkammern erforderlich sind, ausführlich informieren: In jedem Bundesland gibt es landesspezifische Unterschiede. Die Homepages der jeweiligen Landeskammern halten hierzu alle Informationen bereit.

Sonstige Vorteile

Selbst wenn Sie als Berufsanfänger noch nicht die geforderte Praxiserfahrung mitbringen und damit noch nicht Mitglied werden können, bieten Ihnen die meisten Kammern die Möglichkeit, zu günstigen Konditionen an Fortbildungsveranstaltungen teilzunehmen. In einigen Bundesländern, zum Beispiel in Niedersachsen, können junge Architekten bereits freiwilliges Mitglied beim Versorgungswerk der Kammer werden, auch wenn sie noch nicht in der Architektenliste eingetragen sind. Die Versorgungswerke der Kammern sind ein Ersatz für die gesetzliche Rentenversicherung.

Der Freie Beruf – was ist das?

Wussten Sie eigentlich, dass Sie einen „Freien Beruf“ gewählt haben? Architekten und Bauingenieure sitzen im gleichen Boot wie Ärzte, Rechtsanwälte, Notare, Journalisten, Dolmetscher oder Übersetzer. Sie gehören zu den so genannten Katalogberufen nach § 18 Abs. 1 Einkommensteuergesetz.

Angestellte interessiert diese Tatsache weniger. Aber Selbständigen bringt die Zugehörigkeit zu dieser Gruppe erhebliche steuerliche Vorteile. Das Finanzamt behandelt einen freiberuflich Tätigen anders als einen Gewerbetreibenden, wie zum Beispiel einen Versicherungskaufmann oder eine Friseurmeisterin. Diese müssen nämlich Gewerbesteuer zahlen, ein Freiberufler muss das nicht. Doch Vorsicht: Es kommt auf die Art der Leistungen an, die Sie anbieten. Bei Planungsleistungen ist die Sachlage eindeutig. Ein Bauingenieur jedoch, der beispielsweise ausschließlich Bauleitungsaufgaben übernimmt, könnte eventuell als Gewerbetreibender eingestuft werden.

Stichwort: Der Freie Beruf

Eine eindeutige Definition für den Freien Beruf gibt es nicht. Der Gesetzgeber hat es im Partnerschaftsgesellschaftsgesetz von 1995 folgendermaßen formuliert: „Die Freien Berufe haben im Allgemeinen auf der Grundlage besonderer beruflicher Qualifikation oder schöpferischer Begabung die persönliche, eigenverantwortliche und fachlich unabhängige Erbringung von Dienstleistungen höherer Art im Interesse der Auftraggeber und der Allgemeinheit zum Inhalt.“

Freie Mitarbeiter: Selbständig oder nicht?

„Freiberufler“ sind nicht zu verwechseln mit „Freien Mitarbeitern“, auf die im Architekturbereich sehr oft zurückgegriffen wird. Bei den Letztgenannten stellt sich häufig die Frage, ob sie überhaupt selbständig sind. Die Beurteilung hat schon so manchem Gericht Kopfzerbrechen bereitet. Die Entscheidung, ob selbständig oder nicht, hat vor allem sozialversicherungsrechtliche Konsequenzen. Per Definition sind diejenigen selbständig, die zum Beispiel ein eigenes _MG_5961_Existenzgru¦êndungunternehmerisches Risiko tragen, für mehrere Kunden arbeiten und nicht weisungsgebunden bezüglich Art, Dauer, Zeitpunkt, Ort und Durchführung der Arbeitstätigkeit sind. Das ist oft der Fall, wenn zwischen dem Büro und dem freien Mitarbeiter ein Werkvertrag geschlossen wird. Wie und wann das Werk vollbracht wird, bleibt dem Mitarbeiter überlassen. Dabei hat der jedoch alle Rechte und Pflichten eines Unternehmers – nicht alle „Freien“ sind sich dessen bewusst. Für die Richtigkeit ihrer Arbeit sind sie selbst verantwortlich und können sogar dafür haftbar gemacht werden.

Oft wird aber auch ein Dienstvertrag geschlossen. Dann schulden freie Mitarbeiter dem Büro ihre Arbeitskraft, die pauschal oder auf Stundenbasis honoriert wird. Wenn sie dazu nur für ein einziges Büro tätig sind und die Arbeitszeit vorgeschrieben ist, beispielsweise jeden Tag von 8 Uhr bis 12 Uhr, geht der Status der Selbständigkeit verloren. Man spricht in diesem Zusammenhang auch von „Scheinselbständigkeit“. Dann stehen freien Mitarbeitern die gleichen Rechte wie einem Angestellten zu, das heißt, im Zweifelsfall haften sie nicht für die Qualität ihrer Arbeit, haben Anspruch auf Lohnfortzahlung im Krankheitsfall und es müssen Lohnsteuern und Sozialversicherungen für sie abgeführt werden. Für das Büro ist es natürlich lukrativer, mit einem Selbständigen zusammenzuarbeiten, denn dann fallen sämtliche sozialen Leistungen sowie der Kündigungsschutz weg. Wenn Sie als freier Mitarbeiter anfangen, sollten Sie diese Fragen offen ansprechen und mit Ihrem Chef eine für beide Seiten saubere Lösung finden.

Verbindliche Auskunft über den sozialversicherungsrechtlichen Status erteilt die Deutsche Rentenversicherung (drv): 10704 Berlin, Telefon: 030 865-1, Telefax: 030 865-27240, E-Mail: drv@drv-bund.de, Internet: www.deutsche-rentenversicherung-bund.de.

Einstieg in ein bestehendes Büro

Existenzgründung heißt nicht unbedingt, dass man ganz von vorne anfangen muss. Architekten und Bauingenieure haben auch die Möglichkeit, in ein bestehendes Büro als Mitinhaber einzusteigen oder die Nachfolge des Inhabers anzutreten. Das geht auch ohne verwandtschaftliche Beziehungen. Laut einer Studie des In­stituts für Mittelstandsforschung in Bonn wurden im Jahr 2005 von insgesamt 71.000 kleinen und mittelständischen Unternehmen, bei denen ein altersbedingter Führungswechsel anstand, 5.900 Betriebe stillgelegt, weil sich kein geeigneter Nachfolger fand. Der Einstieg in ein bestehendes Büro hat einige Vorteile: Neben einer vorhandenen Infrastruktur kann ein Nachfolger meist auch die Mitarbeiter und den Kundenstamm übernehmen. Das heißt jedoch nicht, dass der neue Betriebsinhaber die Hände in den Schoß legen kann. Die Entscheidung, ob die Kunden dem Büro treu bleiben oder aufgrund des Führungswechsels doch lieber das Weite suchen, ist stark vom Engagement des oder der „Neuen“ abhängig. Bei der Übernahme eines Büros sollte ein Steuerberater oder ein Rechtsanwalt hinzugezogen werden. ■

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