Alles abgesichert?

Während des Studiums sind üblicherweise noch die meisten Versicherungsfragen geklärt, das ändert sich nach dem Abschluss allerdings schlagartig. Was ist nötig und was nicht? Ein Überblick.

Krankenversicherung

In Deutschland gilt Krankenversicherungspflicht, das heißt, wer nicht ohnehin als abhängig Beschäftigter, Familienangehöriger oder Student versichert, sondern selbständig tätig ist, muss sich selbst ausreichend krankenversichern. Das ist gesetzlich vorgeschrieben. Die studentische Krankenversicherung endet mit dem Ende des Semesters, in dem man exmatrikuliert wurde. Dann meldet sich normalerweise die Krankenversicherung und bietet eine „freiwillige Versicherung“ an. Der Beitrag errechnet sich grundsätzlich aus den aktuellen Einnahmen. Hat der Betroffene keine oder nur geringe Einnahmen, wird der Beitrag nach der sogenannten Mindestbemessungsgrenze berechnet, die jedes Jahr vom Gesetzgeber festgesetzt wird und 2013 (einheitlich für alle gesetzlichen Krankenkassen) bei 898,33 Euro monatlich liegt. Der Beitrag liegt dann bei 133,85 Euro im Monat, plus Pflegeversicherung: Das sind normalerweise 20,66 Euro, für Versicherte mit Kind 18,42 Euro.

Gesetzlich oder privat?

Die Wahl zwischen gesetzlicher und privater Krankenversicherung haben nur Beamte, Selbständige – Freiberufler oder Gewerbetreibende – und Angestellte, deren Einkommen über der „Versicherungspflichtgrenze“ von 52.200 Euro im Jahr liegt. Für die anderen, die „Pflichtversicherten“, ist grundsätzlich die gesetzliche Krankenkasse zuständig. Wer sich allerdings einmal gegen die gesetzliche Krankenversicherung entschieden hat, kann nur unter bestimmten Voraussetzungen wieder hinein.

Für junge Leute mag die private Krankenversicherung zunächst vor allem wegen zusätzlicher Leistungen günstiger erscheinen. Aber Vorsicht: Die Beiträge steigen im Laufe des (Versicherungs-)Lebens an, unabhängig vom Einkommen, das man erzielt – oder eben auch nicht. Außerdem decken nicht alle privaten Versicherungen auch wirklich mehr Leistungen ab als die gesetzliche. So warnte das Magazin „Stern“ im Oktober 2012: „Die Tarife weisen vielfach gefährliche Lücken auf.“ Und: „Die meisten Tarife bieten sogar schlechtere Leistungen als die gesetzliche Krankenversicherung, besonders auffällig im Bereich der Heil- und Hilfsmittel.“ Das kann im Ernstfall richtig teuer werden.

Unabhängige Fachleute wie die der Stiftung Warentest stellen einhellig fest, dass sich die private Krankenversicherung vor allem für Beamte lohnt, denen der Arbeitgeber Beihilfe zahlt, und für junge, gesunde Versicherte, die keine Familienmitglieder mit absichern müssen – und das auch in Zukunft nicht vorhaben. Die Entscheidung sollte also gut durchdacht sein, immerhin kann sie durchaus für das ganze Leben sein, denn nur wer als Angestellter (wieder) unter der Versicherungspflichtgrenze liegt, darf in die gesetzliche Krankenversicherung zurückkehren. Wer als Selbständiger einfach nur (zu) wenig verdient, darf das nicht.

Vor- und Nachteile der privaten Krankenversicherung

Bei der privaten Versicherung hat der Versicherte ein Leben lang Anspruch auf die individuell vertraglich vereinbarten Leistungen. Dafür ändert sich der Beitrag: Stiftung Warentest nennt die Faustregel: „Nach 30 Jahren hat sich der Beitrag mindestens verdreifacht.“ Deshalb sollten privat versicherte Nicht-Beamte jeden Monat rund 200 Euro zurücklegen, um sicherzustellen, dass sie auch im Alter ihre private Krankenversicherung bezahlen können.

Vor- und Nachteile der gesetzlichen Krankenversicherung

In der gesetzlichen Krankenversicherung richten sich die Beiträge nach dem Einkommen. Wer also wenig verdient, zahlt auch wenig. Außerdem werden Familienangehörige, also Kinder und Ehepartner ohne eigenes Einkommen, kostenlos mitversichert. Dafür können die Leistungen der gesetzlichen Versicherung jederzeit durch politische Entscheidungen geändert werden. In den letzten Jahren wurden beispielsweise die Zuschüsse für Zahnersatz gekürzt und die Erstattung für Brillen gestrichen.

Andere Versicherungen

Es gibt jede Menge Versicherungen, die man abschließen kann, aber nicht muss. Ausnahme hiervon ist neben der gesetzlich vorgeschriebenen Krankenversicherung die Kfz-Haftpflichtversicherung, die für Besitzer von Autos, Motorrädern oder anderen Kraftfahrzeugen Pflicht ist. Alles andere ist Entscheidungssache. Eine Versicherung halten Fachleute allerdings für unentbehrlich.

Ein Muss: die private Haftpflichtversicherung

Die private Haftpflichtversicherung zahlt, wenn der Versicherte einen anderen schädigt. Fachleute halten sie für absolut notwendig, weil beispielsweise die Kosten eines Personenschadens den Verursacher finanziell ruinieren können: Schmerzensgeld, Behandlungs- und Pflegekosten sowie der behindertengerechte Umbau einer Wohnung können sich auf Millionen summieren. „Deshalb benötigt jeder unbedingt eine private Haftpflichtversicherung – mit einer Versicherungssumme von mindestens drei Millionen Euro pauschal für Personen- und Sachschäden“, so Stiftung Warentest.

Berufshaftpflicht für Architekten und Bauingenieure

Eine Berufshaftpflichtversicherung für Architekten und Bauingenieure abzuschließen, ist keine Pflicht – aber sehr zu empfehlen: „Man spielt mit seiner eigenen Insolvenz, wenn man keine Versicherung hat“, warnt Markus Prause, Rechtsreferent der Architektenkammer Niedersachsen. Die Berufshaftpflicht versichert das Berufsbild des Architekten (oder des Bauingenieurs), und das ist ein Privileg: „Die Architekten können versichern, dass sie Mist bauen“, so Prause. Planungsfehler wie übersehene Grenzabstände, eine im Detail nicht richtig geplante Abdichtung oder nicht richtig berücksichtigte Grundwasserverhältnisse – das sind Fehler, die Architekten unterlaufen können und aus denen ein Schaden entsteht. Eine Schadenssumme von 10.000 Euro ist nicht ungewöhnlich, es können aber auch leicht deutlich mehr werden. Wer keine Berufshaftpflichtversicherung hat, muss dann selber zahlen, denn die Privathaftpflichtversicherung ist nicht zuständig. Allerdings können nur selbständige Architekten oder Bauingenieure eine Berufshaftpflichtversicherung abschließen, Angestellte sind über den Arbeitgeber versichert.

Versicherungsschutz ab dem ersten Auftrag

Wer sich selbständig machen will, sollte sich schon im Vorfeld nach der passenden Berufshaftpflichtversicherung umschauen, damit sie beim ersten Auftrag sofort abgeschlossen werden kann. Nicht jedes Versicherungsunternehmen bietet eine Berufshaftpflichtversicherung für Architekten und Bauingenieure an. Von den verschiedenen Anbietern sollte man sich vergleichbare Angebote einholen und danach entscheiden. Vorher überlegen: Welche Deckungssummen möchte ich haben? Welche Selbstbeteiligung? Die meisten Anbieter bieten ähnliche Grundbedingungen, dann entscheidet der Preis. Aber einige Details sind außerdem zu beachten.

Verhandeln
Foto: fotomek_fotolia.com

Vergleichen lohnt sich.
Foto: fotomek_fotolia.com

Viele Versicherer bieten Rabatte für Existenzgründer – wenn sie das nicht von vornherein selbst erwähnen, sollte man danach fragen. Rabatte gibt es vielfach auch für längere Laufzeiten. „Man denkt häufig, die Versicherungen bieten ein Paket an, und das kann man dann nehmen oder nicht“, weiß Prause und betont: „Aber man kann mit Versicherungen auch handeln und reden.“ Wer beispielsweise fast nur Sachverständigentätigkeit mache, sollte darüber mit dem Versicherungsunternehmen reden, denn das sei oft günstiger. Grundsätzlich gilt: Fragen kostet nichts! Nicht fragen hingegen möglicherweise schon.

Freie Mitarbeiter

Ein Sonderthema, das für viele Absolventen eine Rolle spielen kann, ist die „freie Mitarbeit“. Freie Mitarbeiter haben im Regelfall keinen direkten Kontakt zum Bauherrn, sondern arbeiten für verschiedene Büros – das aber gerade nicht als Angestellter. Sie können allerdings in die Versicherung des Büros mit einbezogen werden. Sonderklauseln, dass freie Mitarbeiter unter die Versicherung des Büros „unterschlüpfen“ können, existieren bei fast jeder Versicherung. Der freie Mitarbeiter sollte diese Frage aber ausdrücklich mit dem Büro klären, denn automatisch geschieht das nicht und das Büro kann auch ablehnen, den freien Mitarbeiter mit zu versichern. Der sollte dann eine eigene Berufshaftpflichtversicherung haben, weil er als Subunternehmer selbständig ist.

Die Prämien sind normalerweise an den Umsatz gekoppelt, für einen Einzelarchitekten geht es bei 1.200 bis 1.500 Euro im Jahr los. Die Summen kann man bei Bedarf aufstocken, aber auch eine Korrektur nach unten ist meist problemlos möglich. Einige Versicherer bieten sogar Kleinversicherungskonzepte an, beispielsweise, wenn jemand in Elternzeit geht und nur wenig nebenbei verdient. Das haben aber nicht alle Versicherer im Programm – hier lohnt es sich womöglich, das Thema in die Versicherungswahl miteinzubeziehen und es im Vorfeld konkret abzufragen.

Welche Tätigkeiten?

Worauf noch zu achten ist: Welche Arbeitsfelder werden individuell bearbeitet – und sind die auch im Versicherungsschutz enthalten? Von der Berufshaftpflicht explizit ausgeschlossen ist baugewerbliche Betätigung, also wenn der Architekt auch gleichzeitig Bauträger ist, der die Planung und bauliche Ausführung in einer Hand hat. Gedacht ist die Berufshaftpflichtversicherung für selbständige, freischaffende Architekten, die Architektenleistungen wie Planung, Ausschreibung und Bauleitung anbieten. Aber nicht nur diese klassischen Aufgabenbereiche werden abgedeckt, sondern auch „Randbereiche“ wie Sachverständigentätigkeit oder Energieberatung. Versichert ist das Berufsbild des Architekten, und das wandelt sich. Deshalb lohnt es sich, wenn man etwas macht, was nicht „klassisch“ ist, in die Vertragsbedingungen zu schauen, ob es womöglich schon aufgenommen ist, oder beim Versicherer konkret zu fragen, ob man für dieses Feld auch Deckungsschutz bekommt – und sich das notfalls auch schriftlich geben zu lassen. Energieberatung, Sachverständigentätigkeit oder Gesundheitsschutzkoordination sind inzwischen oft bereits aufgenommen. Abfragen sollte man gegebenenfalls die Deckung von Auslandstätigkeiten, Projektentwicklung und -steuerung oder auch die Tätigkeit als Baumediator. „Wenn man ohnehin eine Versicherung hat“, rät Rechtsreferent Prause, „würde ich immer empfehlen, solche etwas am Rande liegenden Berufsfelder auf jeden Fall zu klären.“

Unfallschutz

Unfallschutz ist kein Bestandteil der Berufshaftpflicht. Aber ein Teil des deutschen Sozialversicherungssystems ist die gesetzliche Unfallversicherung – getragen durch die verschiedenen Berufsgenossenschaften. Angestellte sind über ihren Betrieb in der Berufsgenossenschaft (pflicht)versichert. Selbständige Architekten und Bauingenieure können sich aber freiwillig über die Berufsgenossenschaft versichern: Für sie ist in der Regel die Verwaltungs-Berufsgenossenschaft in Hamburg zuständig (www.vbg.de). Eröffnen sie ein Büro, sind sie sogar verpflichtet, das bei der zuständigen Berufsgenossenschaft zu melden. Freiwillig Versicherte können die Versicherungssumme innerhalb festgesetzter Grenzen frei wählen. Je höher die Versicherungssumme, desto höher sind auch die Leistungen im Falle eines Arbeitsunfalls – und auch die Beiträge, die zu zahlen sind. Wer sich freiwillig versichert, ist dann bei allen betrieblichen Tätigkeiten gegen die Folgen von Arbeitsunfällen, Wegeunfällen (auf dem Weg von und zur Arbeit) und Berufskrankheiten im Rahmen der gewählten Versicherungssumme abgesichert. Behandlungskosten nach einem Unfall werden von der Krankenversicherung bezahlt, aber nicht alle teuren Rehabilitationsmaßnahmen übernehmen die Krankenkassen, im Gegensatz zu den Berufsgenossenschaften, die normalerweise alle medizinisch nötigen Behandlungen und Rehabilitationsmaßnahmen übernehmen. Im schlimmsten Fall zahlen die Berufsgenossenschaften auch Invaliditäts- bzw. Hinterbliebenenrente. Die Informationsseite www.versicherungszentrum.de sieht in den Berufsgenossenschaften „selbst für freiwillig versicherte Selbständige eine günstige Alternative zu vielen privaten Unfallversicherungen“. Sie decken allerdings ausschließlich Unfälle und Erkrankungen ab, die direkt mit der Arbeit zusammenhängen – Freizeitunfälle natürlich nicht.

Berufsunfähigkeitsversicherung

Wer aufgrund einer beruflich bedingten Krankheit oder eines Unfalls berufsunfähig wird und in der Berufsgenossenschaft (freiwillig) versichert ist, bekommt eine Invaliditätsrente. Die Erwerbsminderungsrente aus der gesetzlichen Rentenversicherung kommt nur in ganz seltenen Fällen zum Tragen und reicht meistens kaum aus, den Lebensstandard zu halten – Berufsunfähigkeit ist über die gesetzliche Rentenversicherung seit 2001 gar nicht mehr abgedeckt. Private Versicherungsunternehmen bieten Berufsunfähigkeitsversicherungen an, die unabhängig vom Grund der Berufsunfähigkeit, also beispielsweise auch nach Freizeitunfällen, zahlen.

Schutzschild vom Boss

Mit einer von der Zurich vorgestellten Versicherung können Arbeitgeber ihre Arbeitnehmer gegen Berufsunfähigkeit versichern. …mehr

Sie sind für Angestellte wie für Selbständige interessant. Eine Berufsunfähigkeitsversicherung greift, wenn man nicht mehr im erlernten oder vorwiegend ausgeübten Beruf arbeiten kann, und das unabhängig davon, ob in einem anderen Beruf gearbeitet wird – außer im Vertrag gibt es eine Klausel über die „abstrakte Verweisung“, denn das würde bedeuten, dass die Versicherung die Leistungen verweigern kann, wenn in einem anderen Beruf gearbeitet werden kann. Nur noch wenige Versicherungen haben diese – für den Versicherungsnehmer ungünstige – Klausel, die Vertragsbedingungen sollten also genau gelesen werden. Die Höhe der Leistungen kann individuell festgelegt werden, hat aber Auswirkungen auf die Beitragshöhe, die auch risiko- und altersabhängig ist. Weil die Beitragshöhe sich auch nach dem Eintrittsalter richtet, ist es besonders für junge Menschen sinnvoll, eine Berufsunfähigkeitsversicherung abzuschließen. Sie sollte so abgeschlossen werden, dass im Schadensfall die Rente bis zum Eintritt in das Rentenalter gezahlt wird. Auch hier ist es sinnvoll, vergleichbare Angebote verschiedener Versicherungsunternehmen einzuholen und zu vergleichen. ■

Beitrag als Druck-pdf

 

S92_95 Alles abgesichert_Page_1

Print Friendly

TALIS Berufsstart 2017/2018 als E-Book lesen!

Einfach E-Mail-Adresse eingeben, bestätigen und mehr wissen als andere.




Sie haben den Newsletter bestellt. Bitte überprüfen Sie Ihr Mail-Postfach für den Bestätigungslink.