Baustoffhersteller: Xella

Baustoffhersteller bieten interessante Arbeitsmöglichkeiten für Architekten und Bauingenieure, wie Christoph Döpke, Personalchef der Xella Deutschland GmbH, erklärt.

Die Xella International GmbH ist einer der weltweit führenden Baustoffhersteller und mit rund 7 300 Mitarbeitern, 90 Werksstandorten in 30 Ländern und einem Jahresumsatz von 1,3 Mrd. Euro (2012) beileibe kein kleines Unternehmen, doch weitaus bekannter als der Unternehmensname ist eines seiner Produkte. So bekannt nämlich, dass es in das von Dr. Florian Langenscheidt herausgegebene Buch „Die „Marken des Jahrhunderts“ aufgenommen wurde. Darin finden sich Markenartikel, die für ihre ganze Gattung stehen: Tempo, das Taschentuch etwa, oder Steiff, das Stofftier. Wer Wandbausteine aus Porenbeton meint, der spricht eigentlich immer von Ytong. Xella entstand 2002 als Umfirmierung aus der Haniel Bau-Industrie. In den drei Geschäftseinheiten Xella Baustoffe GmbH, Fermacell GmbH und Fels-Werke GmbH produziert und vertreibt das Unternehmen Baustoffe, Gipsfaser- und zementgebundene Trockenbau-Platten sowie Kalk und Kalkstein. Der Unternehmenssitz befindet sich in Duisburg im Axel-Eriksson-Haus, benannt nach dem schwedischen Architekten und Forscher, der den Porenbeton 1923 erfunden hatte.

Xella International GmbH

Mit mehr als 6.000 Mit­arbei­tern, 97 Werks­­stand­ort­en in 20 Ländern ist die Xella Inter­national GmbH einer der welt­weit füh­ren­den Bau­stoff­­hersteller und Welt­markt­­führer im Bereich der wei­ßen Bau­stoffe – Wand­bau­stoffe, Kalk­sand­stein und Po­ren­be­ton. Letzteren kennt unter dem Na­men Ytong jedes Kind. Xella ent­­stand 2002 als Um­fir­mie­rung aus der Haniel Bau-Industrie. Das Unter­neh­men glie­dert sich in die drei Ge­schäfts­ein­heiten Xella Baustoffe GmbH, Fermacell GmbH und Fels-Werke GmbH.

Neben Ytong Poren­beton umfasst das Produkt­angebot den Silka Kalk­sand­stein und die mineralische, nicht brenn­bare Dämmplatte Multipor.

www.xella.de

Neben Ytong Porenbeton hat die Xella Deutschland GmbH zwei weitere Produkte im Angebot. Der Silka Kalksandstein gilt als idealer Baustoff, wenn viel Wohnfläche auf wenig Raum entstehen muss, also schlanke Wände benötigt und hohe Anforderungen an den Schallschutz gestellt werden. Multipor, eine mineralische, nicht brennbare Dämmplatte, ist noch ein Nischenprodukt; aufgrund der Einzigartigkeit wird Multipor jedoch ein starkes Wachstum im Markt der Dämmstoffe vorausgesagt. Mittelfristig ist die Erschließung neuer Zielgruppen, etwa die der Maler und Stuckateure, geplant. Zur vierten Unternehmenssäule der Xella-Gruppe soll Ecoloop heranreifen. Das neue Verfahren zur Herstellung von Synthesegas aus Biomasse und Sekundärrohstoffen richtet sich an energieintensive Industrien. Ziel von Ecoloop ist, den Einsatz fossiler Brennstoffe und damit den CO2-Ausstoß zu verringern. 20 Mio. Euro wurden investiert, um ein Pilotprojekt aufzulegen. Auch mit diesem Schritt in eine neue Richtung zeigen die privaten Investoren Goldman Sachs und PAI Partners, die das Unternehmen 2008 übernommen haben, dass weitere Expansion auf ihrer Agenda steht.

„Alle reden von der Energiewende – wir können sie mit unseren Produkten unterstützen“, sagt Christoph Döpke. Der 35-Jährige hat nach einer kaufmännischen Ausbildung das BWL-Studium abgeschlossen. Er arbeitete bei einer Unternehmensberatung und kam im Januar 2008 als Personalreferent zu Xella. Seit gut zwei Jahren ist er Personalchef der Xella Deutschland GmbH.

Arbeit in Vertrieb und Produktmanagement

Architekten und Bauingenieure finden Arbeit im Vertrieb und im Produktmanagement. Neue Mitarbeiter werden durch Stellenanzeigen auf der Unternehmens-Website oder bei Stepstone gesucht. Im Bedarfsfall werden weitere Onlineplattformen und Fachmagazine genutzt. „Wahrscheinlich werden wir aber den Onlineanteil etwas herunterfahren und wieder mehr in den Printbereich gehen“, erläutert Döpke. Printanzeigen hätten noch immer eine sehr gute Resonanz. Die Reaktionen auf eine Anzeige in der Wochenendausgabe der FAZ etwa seien gegenüber Web-Anzeigen gewaltig.

Christoph Döpke, Personalchef der Xella Deutschland GmbH. Foto: Evelyn Czarzbon

Christoph Döpke, Personalchef
der Xella Deutschland GmbH. Foto: Evelyn Czarzbon

Der Personalchef schätzt die Onlinebewerbung, idealerweise als PDF. Er bittet Bewerber jedoch, sich auf das Wesentliche zu beschränken. Nicht die Masse an Anlagen, die auch ausgedruckt und gelesen werden müssten, hebe die Qualität einer Bewerbung, sondern der Inhalt. „Bewerbungsschreiben, die mir gefallen, enthalten Informationen zur Person des Bewerbers, zeigen, dass eine Auseinandersetzung mit dem Unternehmen und der Stelle stattgefunden hat, und enden mit einer Einschätzung, warum der Bewerber glaubt, der Richtige für diese Stelle zu sein“, nennt Döpke den Idealfall. Leider erreichen ihn immer wieder schlampig dahingepfuschte Bewerbungen. Dass in Anschreiben vergessen wird, den Namen des Ansprechpartners auszutauschen und er als „Sehr geehrte Frau Müller“ angeredet wird, empfindet er als No-go. „Wenn sich der Bewerber bei der Gestaltung keine Mühe gibt, warum muss ich mir dann die Mühe machen, die Bewerbung zu lesen?“, appelliert er zur Sorgfalt. Auch durch Rechtschreibung und Kommasetzung drücke ein Bewerber aus, ob er es ernst meine. Und wer sich bei Xella Deutschland bewerbe, weil er gerne international arbeiten möchte, der könne sich mit dem Unternehmen nicht richtig auseinandergesetzt haben.

Teamgeist und Einzelkämpfermentalität

Wie viele Kandidaten zum Vorstellungsgespräch eingeladen werden, hängt ganz von der Qualität ab; einen Richtwert gibt es dabei nicht. „Die Gespräche verlaufen in einem sympathischen Rahmen, das zeigen uns auch die Rückmeldungen“, so Döpke. Er nimmt meist stellvertretend für die Personalabteilung teil, neben dem Bewerber ist noch die jeweilige Führungskraft anwesend, bei einer Position im Vertrieb ist dies der Vertriebsleiter. Zunächst stellt sich die Unternehmensseite vor, damit der Bewerber weiß, mit wem er es zu tun hat und etwas Nervosität verliert. Der Bewerber führt dann ausführlich durch seinen Lebenslauf, bevor im zweiten Teil des Gesprächs die zu besetzende Stelle im Mittelpunkt steht. „Der Bewerber soll mit einem umfassenden Eindruck von dem Unternehmen und der Position aus dem Gespräch herausgehen“, erläutert Döpke, denn nicht nur das Unternehmen, sondern auch der Bewerber müsse sich entscheiden. Der Personaler spricht auch persönliche Dinge an, etwa den Beruf der Eltern, um zu schauen, ob es da eine Prägung gibt. Ihn interessiert auch, ob jemand eine Team- oder eine Einzelkämpfersportart ausübt, denn „unsere Außendienstmitarbeiter müssen sowohl Teamfähigkeit als auch Einzelkämpfermentalität mitbringen“.Döpke ist kein Freund strukturierter Interviews, denn jeder bessere Bewerbungsratgeber gebe inzwischen Tipps, wie man auf welche Frage antworten solle. „Wir wollen vor allen Dingen mit den Bewerbern ins Gespräch kommen und sehen, wie sie ticken“, so der Personalchef. Wer auf Fragen nur mit „Ja“, „Nein“ und „Weiß nicht“ antworte, der werde im Außendienst große Schwierigkeiten haben, auf Menschen zuzugehen und einfach einen Smalltalk zu führen.

Seit 1967 werden Ytong-Steine in gelber Folie verkauft. Foto: Xella

Seit 1967 werden Ytong-Steine in gelber Folie verkauft. Foto: Xella

Ehrlichkeit steht für Döpke an erster Stelle. Leider trifft das nicht auf alle Bewerber zu, so dass er es bei Onlinebewerbungen mittels moderner Grafikprogramme schon mit gefälschten Zeugnissen zu tun hatte. Wer zum Bewerbungsgespräch eine Mappe mit seinen Unterlagen mitbringe, der symbolisiere Vertrauenswürdigkeit. Auch im fachlichen Bereich sollte man nicht flunkern. „Wer sich als Statik-Spezialist brüstet, in diesem Fach aber nur eine Vier erreicht hat, der muss damit rechnen, dass wir das sehen“, sagt Döpke. Dabei seien Noten jedoch nicht das alleinige Kriterium der Personalauswahl. Architekten und Bauingenieure sollten im Gespräch natürlich auch erklären können, wie sich Silka und Ytong verwenden lassen und wo ihre Vorteile liegen.

Dem Personalchef missfällt, wenn sich Kandidaten abfällig über ehemalige Arbeitgeber oder Vorgesetzte äußern. Das lasse nicht auf Loyalität schließen. Loyalität aber halte er für äußerst wichtig. Wenn ihn die fachlichen Fähigkeiten eines Bewerbers überzeugt hätten, frage er sich häufig zum Ende eines Gesprächs: „Würde ich am Abend einer Vertriebstagung mit ihm ein Bier trinken gehen oder nicht?“ In einer zweiten Gesprächsrunde, in der neben der Führungskraft häufig ein weiterer Mitarbeiter aus dem zu verstärkenden Team anwesend ist, soll abschließend geklärt werden, ob der Bewerber vom Typ her passt. Die am Auswahlverfahren beteiligten Xella-Mitarbeiter scheinen einen guten Riecher zu haben, denn Kündigungen innerhalb der sechsmonatigen Probezeit sind die Ausnahme.

Alle Türen stehen offen
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Bei den Fördeterrassen Kiel –Holtenau wurde der Silka Kalksandstein verbaut. Foto: Xella

Hochschulabsolventen im Außendienst beginnen bei Xella als Junior-Gebietsleiter. Die Bezeichnung soll zum Ausdruck bringen, dass sie die Funktion des Gebietsleiters erreichen sollen, aber noch an ihre künftige Aufgabenstellung herangeführt werden. „Wir haben uns im Gegensatz zu anderen Unternehmen bewusst gegen das Wort Trainee entschieden, denn das impliziert, dass es sich um einen besseren Auszubildenden handelt und nicht um den, der bereits eine gute (Hochschul-)Ausbildung mitbringt“, erläutert Döpke. Bei Xella durchläuft ein Junior-Gebietsleiter einige Stationen, um das Unternehmen kennenzulernen, etwa das Produktmanagement in Duisburg, wo tiefergehende Produktkenntnisse erlangt werden. Um verschiedene Verkaufsstile zu erkennen, fährt der neue Mitarbeiter bei verschiedenen Kollegen mit und er wird auch in der telefonischen Hotline eingesetzt. „Hier bekommt man ein gutes Bild von den Fragen und Problemen der Kunden“, sagt Döpke. Generell wird ein neuer Mitarbeiter aber relativ schnell in die Verantwortung genommen, „denn er ist natürlich hier, damit das Unternehmen Geld verdient“, sagt der Personalchef. Allein gelassen werde allerdings niemand, „alle Türen stehen offen und die Kollegen helfen gern“.

Im Unternehmen herrsche keine hire-and-fire-Mentalität. Im Gegenteil, die durchschnittliche Betriebszugehörigkeit liege bei 16 Jahren. Döpke erinnert sich, dass er während seiner Studienzeit in der Wirtschaftspresse immer wieder gelesen hat, dass jemand, der Karriere machen wolle, ein Unternehmen nach zwei bis drei Jahren verlassen müsse. Bei Xella sei das definitiv nicht so, es böten sich diverse Karriere-Möglichkeiten. Wer den Übergang zum Gebietsleiter erreicht habe, könne durch entsprechende Qualifikationen zum technischen Fachberater oder Vertriebsleiter aufsteigen oder in das Produktmanagement wechseln. Wer eine Tätigkeit auf internationaler Ebene anstrebe, könne ins Produktmanagement der Muttergesellschaft Xella Baustoffe gehen, und schließlich bestünden auch Einsatzmöglichkeiten in der Xella Technologie- und Forschungsgesellschaft. Dass dies mehr als nur theoretische Aufstiegschancen sind, zeigt die Tatsache, dass alle drei aktuellen Geschäftsführer aus den eigenen Reihen hervorgegangen sind. ■

 

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