Arbeiten in China

Die chinesische Wirtschaft boomt wie kaum eine andere: Trotz der weltweiten Wirtschafts- und Finanzkrise erwartet der Internationale Währungsfonds für 2013 ein Wachstum des chinesischen Bruttoinlandsprodukts um 8,2 %. Die Arbeitslosenquote liegt seit 2010 bei konstant 4,1 %. Das ist auch eine Chance für deutsche Architekten und Bauingenieure, denn die wachsende Verstädterung bringt eine anhaltend hohe Nachfrage nach Wohnraum mit sich. Wer in China arbeiten möchte, muss sich jedoch gegen zunehmend gut ausgebildete Chinesen durchsetzen und herausragende Qualifikationen mitbringen.

Auch die psychologischen Hürden liegen hoch. Die chinesische Amtssprache Mandarin (in Hongkong auch Kantonesisch) zu erlernen erfordert ein hohes Maß an Disziplin und stellt für sprachlich unbegabte Menschen eine fast unüberwindliche Hürde dar. Ohne Sprachkenntnisse wird man in China schnell an den einfachsten Alltagsverrichtungen scheitern – und man sollte sich nicht darauf verlassen, dass das Gegenüber Englisch versteht, auch nicht in den großen Metropolen Peking und Shanghai. Nicht zuletzt erleichtert die Beherrschung der Landessprache auch das in China besonders wichtige Netzwerken.

Nützliche Links: leben und arbeiten in China

  • Chinesische Botschaft in Berlin, www.china-botschaft.de
  • Deutsche Außenhandelskammer in China, http://china.ahk.de
  • Eine interessante Übersicht über die Situation der chinesischen Bauwirtschaft gibt es bei Germany Trade & Invest in der Reihe „Branche kompakt“ unter www.gtai.de.

Darüber hinaus sollte man die Bereitschaft mitbringen, sich unvoreingenommen auf die nationalen Gepflogenheiten einzulassen. Die chinesische Mentalität weist gegenüber der europäischen deutliche Unterschiede auf – und die können unter Umständen eine große Belastung sein. So ist das direkte Ansprechen von Problemen in China ein absolutes Tabu. Niemals darf der Gesprächspartner das Gefühl bekommen, bloßgestellt zu werden, sein Gesicht zu verlieren. Ein interkulturelles Training im Vorfeld kann hier unschätzbare Dienste leisten.

Eine Niederlassung als selbständiger Architekt oder Bauingenieur kommt in China anfangs kaum in Frage, da die bürokratischen Hürden für die Gründung ausländischer Unternehmen sehr hoch sind (so wird beispielsweise ein Startkapital von 100 000 Euro gefordert). Stattdessen sollte man sich lieber auf deutsche Unternehmen konzentrieren, die bereits in China aktiv sind. Besondere Kenntnisse in den Bereichen Nachhaltigkeit, effiziente Projektplanung und Gebäudemanagement werden stark nachgefragt und erhöhen die Chancen auf einen attraktiven Job.

Jobsuche

Erste Anlaufstelle für die Jobsuche in China ist die Zentrale Auslands- und Fachvermittlung der Bundesagentur für Arbeit www.ba-auslandsvermittlung.de.
Dort finden sich umfangreiche Informationen über den Zugang zum chinesischen Arbeitsmarkt und die administrativen Voraussetzungen für die Aufnahme eines Beschäftigungsverhältnisses. Ein guter Einstieg mit vielen Artikeln rund um das Leben und Arbeiten in China findet sich auf www.chinaseite.de.

Jobbörsen

www.cjol.com/
(in chinesischer Sprache)

www.chinajob.com
(in englischer Sprache)

www.cpjobs.com/hk/
(für Akademiker)

www.jiujik.com
(in englischer Sprache)

www.jobs.chinaweb.de

www.sinojobs.de

www.zhaopin.com
(in chinesischer Sprache)

Auch wenn persönliche Kontakte in China sehr wichtig sind, ist die Jobsuche vor Ort nicht unbedingt erfolgversprechender als von Deutschland aus, zumal für die Erteilung eines Arbeitsvisums Z ein gültiger Arbeitsvertrag vorliegen muss. Das Angebot von Jobbörsen im Internet ist groß, vom Stellenmarkt der Deutschen Außenhandelskammer in China (http://china.ahk.de unter Job Market), wo auch Stellengesuche mit Lebenslauf hinterlegt werden können, über Personalvermittlungsdienstleister wie www.eurochinajob.com, die ebenfalls mit vielen nützlichen Artikeln zum Leben und Arbeiten in China punkten, bis zu den zahllosen allgemeinen Jobportalen, die immer wieder interessante Jobangebote in China bereithalten. Regelmäßig einen Blick werfen sollte man auf die englischsprachige Webseite www.world-architects.com, wo Stellen für Architekten in der ganzen Welt ausgeschrieben werden.

Nationalstadion Peking. Foto: Ute Schroeter

Nationalstadion Peking. Foto: Ute Schroeter

Als Pendant für Bauingenieure ist www.theengineeringjob.com/ zu empfehlen. Dort lässt sich auch ganz gezielt nach Jobmöglichkeiten in China suchen. Eine chinesische Bewerbung besteht in der Regel aus einem einseitigen Anschreiben, einem zweiseitigen Lebenslauf (tabellarisch und antichronologisch) sowie einem Bewerbungsfoto. Kopien der Diplome oder Arbeitszeugnisse werden nur beigefügt, wenn dies vom Arbeitgeber ausdrücklich verlangt wird. Referenzschreiben sind dagegen üblich, z. B. von früheren Arbeitgebern, Professoren oder Ausbildern. Ob die Bewerbung in Chinesisch oder Englisch verfasst wird, hängt von dem Unternehmen ab, bei dem man sich bewirbt. Adressen für Initiativbewerbungen erhält man über die Deutsche Außenhandelskammer in China http://china.ahk.de.

Chinesische Unternehmen vertrauen oft auf den Ruf einer bestimmten Hochschule bzw. international anerkannte Rankings. Deutsche Hochschulen und der Aufbau der einzelnen Studiengänge sind ihnen allerdings nur selten bekannt, daher obliegt es dem Bewerber, seine Hochschule und die dort erworbenen Kompetenzen bestmöglich zu präsentieren und die Personalverantwortlichen dafür zu begeistern.

Printmedien

In China gibt es zahlreiche Tages- und Wochenzeitungen mit einer Extrabeilage für aktuelle Jobangebote. Zu den wichtigsten zählen:

Hinweis: Die Stellenanzeigen sind über die Internetangebote der genannten Zeitungen meist nicht zugänglich.

Beim Bewerbungsgespräch, das nicht selten telefonisch oder per Videokonferenz geführt wird, werden Höflichkeit und Zurückhaltung großgeschrieben. Hier sollte man sich vorher unbedingt mit den chinesischen Umgangsformen vertraut machen. So ist es üblich, dem Unternehmen nach dem Bewerbungsgespräch ein Dankesschreiben zukommen zu lassen, um noch einmal sein Interesse an der freien Stelle zu bekunden.

Es kann sein, dass man am Ende des Vorstellungsgesprächs bereits ein konkretes Angebot unterbreitet bekommt. Daher sollte man sich vorher genau überlegen, zu welchen Konditionen man arbeiten möchte, damit man sich davon nicht überrumpeln und auf Bedingungen einlässt, die man eigentlich nicht möchte. Generell sollte man sich darauf einstellen, dass bei chinesischen Firmen deutlich weniger gezahlt wird als bei ausländischen Firmen, die in China arbeiten.

Einreiseformalitäten

Um die Formalitäten für die Erteilung eines Arbeitsvisums Z kümmert sich üblicherweise der neue Arbeitgeber. Ohne gültigen Arbeitsvertrag wird kein entsprechendes Visum ausgestellt. Außerdem ist eine Reihe gesundheitlicher Untersuchungen Pflicht, die teils in Deutschland, teils in China durchgeführt werden müssen – darunter auch ein HIV-Test. Genaue Auskünfte erteilt die chinesische Botschaft in Berlin (www.china-botschaft.de).

Wer in China arbeiten möchte, muss sich mit der Mentalität der Menschen auseinandersetzen. Foto: Ute Schroeter

Wer in China arbeiten möchte, muss sich mit der Mentalität der Menschen auseinandersetzen.
Foto: Ute Schroeter

Der Arbeitgeber ist verpflichtet, die von ihm beschäftigten ausländischen Arbeitnehmer innerhalb von 30 Tagen nach Erhalt der Arbeitserlaubnis bei der örtlichen Sozialversicherungsbehörde anzumelden. Die Höhe der Sozialversicherungsbeiträge liegt in den einzelnen Städten und Regionen Chinas unterschiedlich hoch, in Peking beispielswiese bei 10,2 Prozent des monatlichen Bruttoeinkommens. Unter Umständen können die in China geleisteten Arbeitnehmerbeiträge zur Renten- und Krankenversicherung nach dem Ende des Beschäftigungsverhältnisses erstattet werden, wenn der Arbeitnehmer bis dahin keine Leistungen in Anspruch genommen hat.

Die Architectural Society of China (ASC) und die China Civil Engineering Society (CCES)

Die Architectural Society of China (ASC, www.chinaasc.org) wurde 1951 als „China Construction Engineering Society“ gegründet und widmet sich der wissenschaftlichen Forschung sowie dem internationalen Austausch von Know-how im Bereich der Architektur. Sie hat beratende Funktion bei nationalen städtebaulichen Projekten und versteht sich als Sprachrohr ihrer Mitglieder, zu denen auch Unternehmen und Institutionen gehören. Ihr Gegenstück für das Bauingenieurwesen ist die China Civil Engineering Society (CCES, www.cces.net.cn). Die Mitgliedschaft in diesen Organisationen ist mit einem bestimmten sozialen Status verbunden und wird meist auf Vorschlag durch ein anderes Mitglied gewährt. Eine direkte Entsprechung zu den deutschen Kammern bzw. Ingenieursvereinen gibt es in China nicht. ■

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