Wie Sie den Papierkrieg gewinnen

Gut informiert, mit einer Geschäftsidee oder besser noch mit einem konkreten Auftrag im Gepäck, sind Sie bestens gewappnet für die Selbständigkeit. Als Nächstes müssen Sie einige Formalitäten erledigen. Der Gang durch verschiedene Behörden und die Auseinandersetzung mit Versicherungen mögen langweilig und zeitraubend sein, sind aber absolut notwendig.

Anmeldung beim Finanzamt

Mit diesen Steuern haben Freiberufler zu tun:

  • Einkommensteuer: Während Angestellte Lohnsteuer zahlen müssen, führen Selbständige Einkommensteuer ab. Alle Einnahmen, zum Beispiel Honorare, müssen im Rahmen der Einkommensteuererklärung versteuert werden. Betriebsausgaben, wie Papier, Bleistifte etc., können von der Steuer abgesetzt werden. Anhand Ihrer Angaben im „Fragebogen zur steuerlichen Erfassung“ schätzt das Finanzamt die Steuerschuld für die kommenden Jahre und verlangt meist Vorauszahlungen.
  • Kirchensteuer: Wenn Sie Mitglied der evangelischen oder katholischen Kirche sind, müssen Sie mit Ihrer Einkommensteuer auch Kirchensteuer abführen.
  • Umsatzsteuer: Jeder Unternehmer muss Umsatzsteuer zahlen. Es gibt jedoch Ausnahmen. Befreit sind alle Kleinunternehmer, deren Umsatz im Gründungsjahr nicht höher als 17.500 Euro war oder voraussichtlich sein wird und im laufenden Jahr 50.000 Euro voraussichtlich nicht überschreiten wird.
  • Lohnsteuer: Fällt nur an, wenn Sie Angestellte haben. Arbeitgeber und Arbeitnehmer teilen sich die Lohnsteuer und zahlen jeweils die Hälfte.

Die erste offizielle Stelle, der Sie die Aufnahme einer selbständigen Tätigkeit melden müssen, ist das Finanzamt. Dazu müssen Sie den „Fragebogen zur steuerlichen Erfassung“ ausfüllen. Der Fragebogen ist direkt beim örtlichen Finanzamt, meist aber auch als Download im Internet erhältlich. Hier sind zum Beispiel Angaben über Ihre geschätzten Einkünfte, die Art Ihrer Tätigkeit oder den Sitz Ihres Büros zu machen. Anschließend prüft das Finanzamt, ob Sie zur Gruppe der Freien Berufe oder der Gewerbetreibenden gehören. Das hängt davon ab, welche Leistungen Sie anbieten. Sofern es sich um Planungsleistungen handelt, die ja zu den klassischen Aufgabengebieten von Architekten und Bauingenieuren gehören, wird man Sie aller Voraussicht nach als Freiberufler eingruppieren. In diesem Fall brauchen Sie kein Gewerbe anzumelden. Das Finanzamt wird Ihnen eine Steuernummer mitteilen. Darüber sind alle im Betrieb anfallenden steuerrechtlichen Vorgänge abzuwickeln.

Die für die Steuer relevanten Unterlagen wie Quittungen und Honorarabrechnungen sollten Sie im eigenen Interesse sorgfältig aufbewahren und sich von Anfang an eine ordnungsgemäße Buchführung angewöhnen. Dafür gibt es zahlreiche, einfach bedienbare Softwareprogramme. Das Finanzamt führt in regelmäßigen Abständen Steuerprüfungen durch. Steuerprüfer kommen zu Ihnen nach Hause oder ins Büro und verlangen Einsichtnahme in Ihre Unterlagen, dazu sind sie berechtigt. Es ist nicht nur peinlich, sondern kann sogar mit einem Bußgeld belegt werden, wenn Ihre Buchführung nicht nachvollziehbar ist.

Namensrecht: Nicht alles ist erlaubt

Was haben Familienplanung und Existenzgründung gemeinsam? Ganz einfach: Das „Kind“ braucht einen Namen. Nicht nur das Finanzamt möchte wissen, mit wem es künftig zu tun hat, sondern auch Ihre Kunden oder Konkurrenten. Grundsätzlich dürfen Sie den Namen Ihres Unternehmens nicht frei wählen, sondern sind an bestimmte gesetzliche Vorschriften gebunden. Hintergrund ist folgender: Bei jedem Unternehmen muss eindeutig feststellbar sein, wer der oder die Inhaber sind. Bei Kaufleuten und Gewerbetreibenden ist das kein Problem. Sie sind im Handelsregister eingetragen und dürfen auch unter einem Phantasienamen auftreten.

_MG_6271_FormsachenDa die meisten Architekten und Bauingenieure keinen Handelsregistereintrag haben, weil sie Freiberufler sind, muss aus dem Namen ihres Unternehmens sofort erkennbar sein, wem die Firma gehört. Bei Freiberuflern reicht der Familienname aus, zum Beispiel „Architekturbüro Schäfer“. Zusätzlich zum Eigennamen dürfen Branchenbezeichnungen, Buchstabenkombinationen und Phantasiebegriffe verwendet werden. Falls Sie Ihrem Unternehmen zu Ihrem Familiennamen einen Phantasienamen geben wollen, prüfen Sie, ob die entsprechenden Bezeichnungen nicht bereits als Firma oder Marke eingetragen sind. Wenn Sie sich mit mehreren zusammentun und eine Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR) gründen wollen, müssen mindestens zwei Gesellschafter im Namen der Gesellschaft geführt werden.

Steuerberatung

Versicherungen für Selbständige

Von Berufshaftpflicht bis Arbeitslosen-versicherung – alle wichtigen Versicherungen für Selbständige im Überblick

…Beitrag lesen

Der Gang zum Steuerberater ist immer mit Kosten verbunden. Bei bestimmten Fragestellungen empfiehlt es sich, einen fachlichen Rat einzuholen. An dieser Stelle aber nochmals der Tipp an alle Alleinunternehmer und Kleingründer: Versuchen Sie sich nicht alles aus der Hand nehmen zu lassen. Wenn es die Zeit zulässt, erledigen Sie Ihre Buchführung und möglichst auch Ihre Steuererklärung selbst. Mit etwas Geduld lernen Sie das sehr schnell. Für spezielle Fragen ist im Übrigen das Finanzamt eine gute Informationsquelle. Hier werden Sie zwar nicht beraten, aber Sie bekommen Auskunft. Dazu sind die Finanzbeamten verpflichtet. Je weniger Sie von anderen abhängig sind, desto besser. Damit sparen Sie bares Geld. Später, wenn „der Laden läuft“, ist es sinnvoll, den „Papierkram“ an ein Steuerberatungsbüro zu delegieren. Denn dann haben Sie anderes zu tun.

Eröffnung eines Geschäftskontos

Die Eröffnung eines Geschäftskontos ist sehr zu empfehlen, wird von Kleinunternehmern jedoch nicht ausdrücklich verlangt. Vorteilhaft ist, dass Überziehungszinsen gegenüber dem Finanzamt geltend gemacht werden können. Außerdem verliert man bei der Trennung von privatem und dienstlichem Geldverkehr nicht den Überblick. ■

Print Friendly, PDF & Email

TALIS Berufsstart 2017/2018 als E-Book lesen!

Einfach E-Mail-Adresse eingeben, bestätigen und mehr wissen als andere.




Sie haben den Newsletter bestellt. Bitte überprüfen Sie Ihr Mail-Postfach für den Bestätigungslink.