Versicherungen für Selbständige

Versicherungen sind in alle Munde. Ein Überblick aller Versicherungen, die für gründungswillige Architekten und Bauingenieure wichtig sind.

Berufshaftpflichtversicherung

Wer als Freiberufler Planungsleistungen anbietet, kommt um den Abschluss einer Berufshaftpflichtversicherung nicht herum. Jeder Architekt, jeder Bauingenieur übernimmt die volle Haftung für seine Planung. Dabei passieren Fehler schneller als gedacht. Das Risiko ist enorm hoch, daher haben sich viele Versicherungsgesellschaften aus dem Haftpflichtversicherungsgeschäft zurückgezogen. Die Prämien sind zum Teil recht hoch. Es gibt einige Möglichkeiten, sie auf ein erträgliches Maß zu senken, zum Beispiel mit einer erhöhten Selbstbeteiligung für den Schadensfall, ähnlich wie bei einer Autoversicherung. Eventuell kommt auch eine objektbezogene, zeitlich begrenzte Versicherung in Frage. Ein Kontaktgespräch mit einem Versicherungsvertreter ist in jedem Fall ratsam.

Arbeitslosenversicherung für Selbständige

Eine gute Sache, von der jedoch leider nur Existenzgründer profitieren, die vorher in einem Angestelltenverhältnis standen und Anspruch auf Arbeitslosengeld haben oder einmal hatten. Sie können sich seit dem 1. Februar 2006 bei der Bundesagentur für Arbeit freiwillig gegen Arbeitslosigkeit versichern. Sie müssen jedoch mindestens zwölf Monate lang einer sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung nachgegangen sein, die nicht länger als 24 Monate zurückliegt. Falls Sie zu einem früheren Zeitpunkt Beiträge in die Arbeitslosenversicherung eingezahlt haben, zum Beispiel während der Lehre, fragen Sie bei der Bundesagentur für Arbeit nach, ob Sie eventuell trotzdem in den Genuss der Arbeitslosenversicherung für Selbständige kommen. Es gibt hierzu einige Sonderregelungen. Der Beitragssatz ist zum Jahr 2011 stark angehoben worden, in Ostdeutschland müssen geringere Beträge als in den alten Bundesländern gezahlt werden. Nach einem Jahr freiwilliger Beitragszahlung erwerben freiwillig versicherte Selbständige einen Anspruch auf sechs Monate Arbeitslosengeld, nach zwei Jahren auf zwölf Monate. Als arbeitslos im Sinne des Gesetzes gilt man, wenn sich die Auftragslage so verschlechtert, dass die selbständige Tätigkeit in einem Umfang von weniger als 15 Stunden wöchentlich ausgeübt werden kann. Die Höhe des Arbeitslosengeldes wird in der Regel fiktiv bemessen. Dabei werden die Antragsteller nach ihrer beruflichen Qualifikation in mehrere Stufen eingeteilt. Akademiker bekommen den Höchstsatz. Dieser beträgt monatlich 1.365 Euro (arbeitslos mit Kind, Steuerklasse III).

Unfallversicherung

Bei der Frage nach einer Unfallversicherung kommen die Berufsgenossenschaften ins Spiel. Sie sind Träger der gesetzlichen Unfallversicherung. Darüber sind alle Arbeitnehmer gegen Unfälle am Arbeitsplatz versichert. Berufsgenossenschaften gibt es für verschiedene Bereiche, wie Landwirtschaft, Bau oder Verwaltung. Für die Freien Berufe ist die Verwaltungsberufsgenossenschaft (VBG) in Hamburg zuständig. Jeder Arbeitgeber ist verpflichtet, seine Mitarbeiter und Angestellten hier anzumelden und alljährlich Beiträge für sie abzuführen. Das gilt auch für Aushilfskräfte. Selbständigen ohne eigene Mitarbeiter ist es freigestellt, ob sie Mitglied werden wollen oder nicht. Sie können sich freiwillig versichern und genießen damit den gleichen Versicherungsschutz wie Arbeitnehmer. Da die Beiträge verhältnismäßig gering sind, ist der Beitritt durchaus eine Überlegung wert. Die VBG kann Ihnen detaillierte Informationen über die Mitgliedschaft und die Beitragshöhe geben. Sie ist im Internet unter www.vbg.de erreichbar.

Sozialversicherungen

Grundsätzlich sind selbständige Freiberufler nicht sozialversicherungspflichtig, das heißt, sie müssen sich nicht in der gesetzlichen Renten-, Kranken-, Pflege- oder Unfallversicherung versichern. Für die so genannten verkammerten Freiberufler, zu denen auch Architekten und Bauingenieure gehören, gibt es Ausnahmen, was die Rentenversicherungspflicht angeht. In manchen Bundesländern, zum Beispiel in Baden-Württemberg, ist die Mitgliedschaft in der Kammer an eine Pflichtmitgliedschaft in den berufsständischen Versorgungswerken gekoppelt. Dies gilt als Ersatz für die gesetzliche Rentenversicherung. Auskünfte erteilt die zuständige Kammer des jeweiligen Bundeslandes. Bei der Krankenversicherung haben Sie die Möglichkeit, in eine private Kasse zu wechseln oder sich freiwillig in der gesetzlichen Krankenkasse weiter versichern zu lassen. Für die gesetzliche Weiterversicherung gibt es jedoch bestimmte Voraussetzungen, zum Beispiel, dass Sie innerhalb der letzten fünf Jahre mindestens 24 Monate lang gesetzlich versichert waren. Bei Absolventen ist das überwiegend der Fall. Ob privat oder gesetzlich die bessere Variante ist, lässt sich nicht pauschal sagen. Wenn Sie beispielsweise eine Familie haben, entpuppt sich die gesetzliche Versicherung bei genauerem Hinsehen oftmals als günstiger. Für alleinstehende Existenzgründer sind die Beiträge in der privaten Versicherung meist wesentlich niedriger als in den gesetzlichen Versicherungen. Bedenken Sie jedoch, dass das nicht so bleibt und die Kosten mit dem Alter steigen. Zusätzliche Leistungen, wie eine bessere Unterbringung im Krankenhaus, bedeuten höhere Beiträge.

Existenzgründer haben drei Monate Zeit, ehe sie sich für eine Versicherungsvariante entscheiden müssen. Wer eine freiwillige gesetzliche Weiterversicherung plant, muss dies der Krankenkasse spätestens drei Monate nach Beginn der selbständigen Tätigkeit mitteilen. Nach dieser Frist bleibt nur noch der Wechsel in die private Krankenversicherung.

Berufsunfähigkeitsversicherung

Gerade für junge Arbeitnehmer sowie für Existenzgründer, die noch ihr ganzes Berufsleben vor sich haben, ist der Abschluss einer Berufsunfähigkeitsversicherung durchaus sinnvoll. Sie tritt ein, wenn Sie Ihren Beruf als Architekt oder Bauingenieur nicht mehr ausüben können. Im Gegensatz zur Unfallversicherung besteht auch bei Krankheiten wie Rückenleiden oder psychischen Erkrankungen Versicherungsschutz. Meist ist die Berufsunfähigkeitsversicherung an eine Lebens-, Renten- oder Risikolebensversicherung gekoppelt.

Tagegeld-/Krankentagegeldversicherung

Überprüfen Sie außerdem, ob eine Krankentagegeldversicherung für Sie sinnvoll ist. Dabei handelt es sich um eine Verdienstausfallversicherung. Sie schützt vor Einkommensverlusten bei krankheits- oder unfallbedingter Arbeitsunfähigkeit. Sowohl die gesetzlichen als auch die privaten Krankenkassen bieten Verträge über Krankengeld beziehungsweise Krankentagegeld an. Wann und in welcher Höhe die Mittel fließen, hängt vom Vertrag ab. Je früher die Zahlung einsetzt, desto höher sind die Beiträge. Der Unterschied zur Berufsunfähigkeitsversicherung besteht darin, dass Leistungen nur für einen bestimmten Zeitraum gezahlt werden, meist anderthalb bis zwei Jahre.

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