Die Unternehmerin Dagmar Fritz-Kramer

An Auszeichnungen mangelt es Dagmar Fritz-Kramer nicht. Um nur zwei Beispiele zu nennen: Sie ist Unternehmerin des Jahres 2008 und das von ihr geleitete Unternehmen, die Baufritz GmbH & Co. KG mit Sitz in Erkheim im Allgäu, ist im selben Jahr als familienfreundlichstes Unternehmen im Mittelstand ausgezeichnet worden. TALIS sprach mit der engagierten Unternehmerin über Berufsfindung, Führungsstil, Wohnträume und mehr.

Im Profil: Baufritz GmbH und Co.KG

Vor über 100 Jahren nahm die Ge­schichte der Baufritz GmbH & Co.KG als Schrei­nerei ihren An­fang. Heute stellt das Un­ter­neh­men Holz­häuser in System­bauweise her, etwa 200 Ein-, Zwei- und Mehr­fa­milien­häuser werden pro Jahr am Stand­ort Erk­heim im Allgäu ge­fertigt und nach Öster­reich, in die Schweiz, Benelux, England, Italien und Russland verkauft. Baufritz plant und baut auch ganze Sie­dlungen, Kin­der­gärten, Schu­len, Hotel­anlagen, Ferien­dörfer und Ge­werbe­bauten. Seit 2005 führt Dagmar Fritz-Kramer die Geschäfte des Unter­nehmens mit 240 Mit­arbeitern. Ökologie und Nach­haltig­keit sind fest im Baukonzept von Baufritz verankert. Die Fir­ma besitzt mehrere Pa­ten­te, die den Ver­zicht auf Holz­schutz­mittel im Holzbau ermöglichen.

www.baufritz.com

Sie sind ausgebildete Schaufenster-Dekorateurin, haben Innenarchitektur und Wirtschaftingenieurwesen studiert – hätten Sie diesen Bildungsweg auch ohne den Familienbetrieb im Rücken verfolgt?

Dagmar Fritz-Kramer: Es ist doch relativ schwierig, gleich nach dem Schulabschluss, mit 17 oder 18 Jahren, den Weg fürs Leben zu finden. Ich habe für diese Entscheidung Zeit bekommen, konnte ein bisschen was ausprobieren. Dabei konnte ich meine kreative Ader in dem Lehrberuf Dekorateurin ausleben. Als Dekorateurin war ich jedoch eher die ausführende Hand einer fremden Strategie. Ich wollte lieber selbst etwas bewegen. Das war der Auslöser, mich weiterzubilden. So kam ich zum Innenarchitektur- und später zum Wirtschaftsingenieur-Studium. Wahrscheinlich hätte ich mich ohne die Firma anders entwickelt …

Fiel Ihnen die Entscheidung, den Betrieb weiterzuführen, leicht oder hatten Sie auch Zweifel?

Dagmar Fritz-Kramer: Mein Einstieg ins Unternehmen war keine ausgemachte Sache. Ich muss meinen Eltern zugute halten, dass es auch keinen Zwang gab. Bereits in der dritten Klasse schrieb ich „Innenarchitektin“ ins Jahrbuch. Meine Diplomarbeit im Fach Innenarchitektur habe ich dann in der Firma geschrieben. In dieser Zeit hat mir mein Vater ein paar interessante Projekte vorgelegt. Das war 1996. Damals haben wir gerade den großen Holzkopf gebaut und auch ein neues Musterhaus in München geplant. Da hat mich mein Vater so beiläufig nach meiner Meinung gefragt. Das hat dann Spaß gemacht, weil ich gesehen habe, dass ich mich mit meinem Wissen ein Stück weit in den Betrieb einbringen kann. Damals habe ich „Blut geleckt“ und mir war klar, wie meine berufliche Zukunft aussieht.

Wie gestaltete sich der Einstieg in die Firma?

Dagmar Fritz-Kramer: 1999 habe ich einen kleinen Anteil an der Firma bekommen – als stille Gesellschafterin. Später übernahm ich den Bereich Architektur und Planung. Dann kam noch die betriebswirtschaftliche Seite dazu. Seit 2004 leite ich die Firma im Zweier-Team zusammen mit Helmut Holl. Er leitet den technischen Bereich, ich den kaufmännischen – also Personal, Vertrieb, Marketing und Finanzen. Natürlich kämpft man als Frau in der Baubranche gegen gängige Vorurteile, wie das vom technischen Verständnis: „Kann die denn den Plan lesen? – Ist die nicht zu sozial usw.?“ Da mich aber meine Mitarbeiter und Partnerbetriebe über Jahre kennen lernen durften (unser Übergabeprozess dauerte 5 Jahre) konnte ich vieles hoffentlich ausräumen. Da müssten Sie meine Mitarbeiter fragen.

Sie haben den Betrieb von Ihrem Vater übernommen. Gab es Generationenkonflikte und wenn ja, wie sind Sie damit umgegangen?

Foto: Baufritz GmbH

So wird gebaut bei Baufritz. Foto: Baufritz GmbH

Dagmar Fritz-Kramer: Im Gegensatz zu vielen Kolleginnen und Kollegen in jungen Geschäftsleitungsfunktionen hatte ich das Glück, dass sich mein Vater bewusst eine Step-by-Step-Abnabelung vom Betrieb verordnet hat. Bereich für Bereich wurde geplanterweise in fünf Jahren an mich übergeben. Heute lebt er vom Betrieb räumlich getrennt, was ihm auch den Ausstieg erleichtert hat. Selbstverständlich gab es auch Reibereien und Diskussionen, aber auch immer das offene Gespräch.

Was haben Sie sich von Ihrem Vater abgeguckt und in welchen Bereichen sind Sie eigene Wege gegangen?

Dagmar Fritz-Kramer: Zum Beispiel eine mitarbeiterfreundliche und menschennahe Unternehmensführung gehört zu unserer Philosophie. Diese und andere Überzeugungen teile ich mit meinem Vater. Natürlich gab und gibt es Situationen, in denen wir auch als unterschiedliche Generationen denken. Allerdings sind wir einer Meinung, wenn es um den Grundsatz unseres Familienunternehmens geht – gut für Mensch und zur Natur.

Fragen Sie Ihren Vater manchmal um Rat?

Dagmar Fritz-Kramer, Geschäftsführerin der Baufritz GmbH Foto: Baufritz

Dagmar Fritz-Kramer, Geschäftsführerin der Baufritz GmbH Foto: Baufritz

Dagmar Fritz-Kramer: Natürlich habe ich meinen Vater auch um Rat gefragt. Es gibt einfach Entscheidungen, bei denen die Erfahrung anderer von unschätzbarem Wert ist. Mittlerweile hat er sich jedoch komplett aus der Firma zurückgezogen.

Wie möchten andere Menschen wohnen? – mit dieser Frage müssen Sie sich immer wieder aufs Neue beschäftigen. Was ist den Menschen beim Thema Wohnen nach Ihren Erfahrungen wichtig?

Dagmar Fritz-Kramer: Die Ansprüche an das neue Haus sind so unterschiedlich wie die Kunden selbst. Die Wohnwünsche reichen von der gediegenen Landhausvilla über das „Multitalent“ Familiennest bis hin zum puristischen Kubus im Bauhausstil. Gehen wir vom „typischen“ Baufritz-Kunden aus, sucht dieser ein Haus, welches nach baubiologischen Kriterien realisiert wird und ein gesundes Umfeld für sich und seine Familie bietet. Es sollte energiesparend und umweltfreundlich sein. Gleichzeitig möchte er dabei nicht auf höchsten Komfort und technisches Know-how verzichten. Das alles verpackt in modernem Design und individueller Architektur macht den Haustraum perfekt.

Und wie ist es bei Ihnen? Haben Sie noch unerfüllte Wohnträume?

Dagmar Fritz-Kramer: Ich träume von einem Zuhause, das zu einem Drittel auf dem Wasser schwimmt. Da trete ich im Sommer auf meine Terrasse und lasse die Beine im See baumeln. Technisch ist das keine Utopie, Holz schwimmt. Nur gibt es bei mir hier im Allgäu keinen See, „auf“ dem man bauen dürfte.

Warum ist Ihnen das Thema Bauen und Gesundheit so wichtig? Gab es da ein Schlüsselerlebnis?

Dagmar Fritz-Kramer: Auslöser für diese Umstellung war eine schwere Erkrankung meiner Mutter. Wir zogen damals in eines der ersten Ökohäuser mit Komposttoilette und eigenem Klärteich. Zwar wurden wir anfangs dafür belächelt, doch gibt uns der Erfolg
heute Recht. Mein Vater, Hubert Fritz, richtete das Unternehmen Ende der 70er Jahre konsequent ökologisch aus. Diese Zeit hat mich sehr geprägt und ich bin froh und dankbar, dass er schon damals erkannt hat, was sich gerade in den letzten Jahren in der Bevölkerung so weit verbreitet hat und stetig größeren Zuspruch findet. Unser Heim soll gesund und umweltverträglich sein. Es soll uns vor schädlichen äußeren Einflüssen schützen und keine Schadstoffe abgeben.

Wie würden Sie Ihren Führungsstil beschreiben und wie unterscheidet er sich von dem Ihres Vaters?

Foto: Baufritz GmbH

Foto: Baufritz GmbH

Dagmar Fritz-Kramer: Aus meiner Sicht bin ich sehr teamfähig, kreativ und offen. Aber da müssen Sie meine Mitarbeiter fragen. Wenn man den Führungsstil mal über die Generationen hinweg betrachtet, geht es immer mehr in Richtung demokratische Führung. Also mein Großvater war ein super Patriarch. Das war mein Vater schon nicht mehr. Da kamen Denker-Runden auf, da war die Rede von Teamgesprächen, Entscheidungen wurden im Team entwickelt etc. Mittlerweile sieht man der Firma auch an, dass wir ein Führungsteam sind. Wir sind mit der Geschäftsleitung und 15 Abteilungsleitern ein sehr großes Führungsteam. Wir begegnen uns auf Augenhöhe.

Worin sehen Sie die Stärken eines Familienbetriebes, worin die Schwächen?

Dagmar Fritz-Kramer: Klare Stärken sind die Mitarbeiternähe und -bindung, die direkten Entscheidungswege und die offene, authentische Kommunikation im Betrieb. Weniger ausgeprägt sind vielleicht durchstrukturierte Prozesse oder Dokumentationen der Handlungsstränge. Kurz gesagt – aus meiner Sicht: weniger Bürokratie. Dies ist mal ein Vorteil, mal ein Nachteil.

Worin liegen Ihre Stärken, was liegt Ihnen eher weniger?

Dagmar Fritz-Kramer: Den meisten Spaß machen mir strategische Überlegungen, vor allem im Marketing- und Verkaufsbereich. Aber auch das Entwickeln schöner Architektur macht viel Freude. Ganz gut gelingt es mir, Gedanken zu verknüpfen, kreativ Projekte zu stricken, die Mitarbeiter dafür zu begeistern und etwas Neues entstehen zu lassen. Dafür liegen mir administrative Dinge relativ schlecht. Geduld ist sicher auch nicht meine Stärke. Auch das Studieren langweiliger Vertragstexte empfinde ich als einen echten Spaßkiller …

Worauf sind Sie besonders stolz?

Dagmar Fritz-Kramer: Auf meine doch recht stabile Work-Life-Balance. Und eine kreative Mitarbeitermannschaft. Es macht uns echte Freude, das Erlebnis Bauen mit den Bau­herren zu gestalten.

Sie haben zwei Kinder und sind gleichzeitig in einer Führungsposition – wie schaffen Sie es, beiden Rollen gerecht zu werden, und wie viel Zeit bleibt Ihnen für sich selbst?

Foto: Baufritz GmbH

Foto: Baufritz GmbH

Dagmar Fritz-Kramer: Genau, ich habe zwei Kinder, Ferdinand (6) und Bernadette (knapp 3). Das verlangt großes Organisationstalent. Mein Mann und ich stimmen die Arbeitszeiten ab. Montag und Dienstag arbeite ich; Mittwoch, Donnerstag und Freitag mein Mann Klaus von zuhause aus. So ist immer jemand bei unseren Kindern. Eine große Stütze ist auch unsere hauseigene Kindertagesstätte, die Bernadette zwei Mal die Woche besucht. Ferdinand geht mittlerweile in einen regulären Kindergarten. Meine freie Zeit versuche ich aktiv zu nutzen. Ich singe im Kirchenchor oder arbeite gern im Garten. Gartenarbeit ist für mich pure Entspannung. Dabei kann ich abschalten und bekomme den Kopf frei. Außerdem gehe ich mit meiner Familie so oft wie möglich raus in die Natur.

Ein Drittel Ihrer Mitarbeiter ist weiblich. Was haben Sie unternommen, um diese hohe Quote zu erreichen?

Dagmar Fritz-Kramer: Eigentlich war unser Frauenanteil schon immer außergewöhnlich hoch. Das liegt sicher auch am Produkt. Das Einfamilienhaus ist schon ein Frauenthema. Hier sind die Gestalter, aber auch die Entscheider oft die Frauen.

Wie begegnen Sie als Unternehmerin Mitarbeitern mit Kindern? Nehmen Sie mehr Rücksicht oder gibt es umgekehrt auch bestimmte Erwartungen, die Sie an Mitarbeiter mit Kindern stellen?

Dagmar Fritz-Kramer: Kinder sind unsere Zukunft! Deshalb darf bei uns jeder – ob Frau oder Mann – einen Heimarbeitsplatz beantragen, vorausgesetzt die Tätigkeit lässt das zu. Ich lasse jeden in die Erziehungszeit gehen. Diese acht Wochen sind für die Familie Gold wert. Zudem dürfen alle Mitarbeiter ihre Kinder kostenlos in unsere hauseigene Kita bringen, auch unangemeldet, wenn es mal einen Notfall gibt. Außerdem gibt es da noch flexible Arbeitszeitmodelle. Die Summe aller Maßnahmen, die wir eingeleitet haben, führt zu wirklich spürbar höherer Motivation.

Welchen guten Rat möchten Sie einem jungen Bauingenieur/Architekten mit auf den Weg geben, der auf der Schwelle zum Beruf steht?

Dagmar Fritz-Kramer: Nur Mut! ■

Print Friendly

TALIS Berufsstart 2017/2018 als E-Book lesen!

Einfach E-Mail-Adresse eingeben, bestätigen und mehr wissen als andere.




Sie haben den Newsletter bestellt. Bitte überprüfen Sie Ihr Mail-Postfach für den Bestätigungslink.