schlaich bergermann michael werwigk auf
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Ingenieurbüro: schlaich bergermann und partner

Sind Sie der richtige Kandidat für ein Ingenieurbüro? Michael Werwigk schlaich bergermann und partner (SBP) verrät, welche Kriterien Bewerber erfüllen müssen.

Das Zeltdach des Münchner Olympiastadions gilt als die Keimzelle von schlaich bergermann und partner (SBP). Zwar wurde das Stuttgarter Ingenieurbüro erst 1980, einige Jahre nach Fertigstellung des Münchner Olympia-
stadions, gegründet, doch es war das erste große Projekt, das Jörg Schlaich und Rudolf Bergermann als Angestellte des Büros Leonhardt, Andrä und Partner gemeinsam betreuten. Heute ist SBP untrennbar mit dem Stadionbau verbunden. Zu den weltweit fast 30 geplanten und realisierten Arenen gehören das Stuttgarter Stadion, das als eines der ersten mit einem Ringseildach überspannt wurde, oder die vier größten Stadien der WM 2010 in Südafrika – Durban, Kapstadt, Johannesburg und Port Elisabeth. Die Ingenieure arbeiten meist mit renommierten Architekturbüros zusammen, beim Stadionbau etwa mit gmp. Derzeitiges Gemeinschaftsprojekt beider Büros ist die Errichtung der Spielstätten für die EM 2012 in Polen und der Ukraine. Auch bei den Stadien für die WM 2014 in Brasilien ist SBP wieder tragwerksplanerisch mit von der Partie.

Schlaich Bergermann und Partner – SBP
schlaich bergermann und partner (SBP) sind unabhängige beratende Ingenieure im Bauwesen. Das 1980 von Jörg Schlaich und Rudolf Ber­ger­mann in Stutt­gart gegründete Büro ent­wirft und kon­struiert Dach­tragwerke, Brücken und Türme, die meist Leich­tigkeit ausstrahlen. Auch die ar­chi­tek­to­nische Leistung des In­genieurteams ist anerkannt. Be­kann­te Pro­jekte sind die Hoogly-Brücke in Indien, das Cape-­Town-­Stadion in Süd­afrika und der Kil­les­berg­turm in Stutt­gart. Darüber hinaus entwickelt und projektiert SBP so­lar­thermische An­lagen zur Strom­pro­duktion. In Stuttgart und den Au­ßen­bü­ros in Berlin und New York werden 110 Mitarbeiter beschäftigt.

www.sbp.de

Doch auch in anderen Fachbereichen spielt das Büro in der ersten Liga. Das Portfolio umfasst Messehallen, Aussichtstürme, Verwaltungs- und Produktionsgebäude, Bibliotheken oder Verkehrsbauwerke auf vier Kontinenten. SBP führte die Tragwerksplanung des Berliner Hauptbahnhofs durch oder zeichnet beim Flughafenneubau Berlin Brandenburg International für Entwurf, Ausführungsplanung und ingenieurtechnische Kontrolle des Terminals verantwortlich. Ein weiterer Eckpfeiler ist der Brückenbau. Als Schlüsselprojekt gilt die 1992 fertiggestellte Hoogly-Bridge in Kalkutta, seinerzeit die größte Schrägseilbrücke der Welt. Weitere Brückenprojekte sind die Ting-Kau-Brücke in Hongkong oder die derzeit entstehende Brücke zur berühmten Klosterinsel Mont Saint Michel in der Normandie. Für seine Konstruktionen wurde das Büro vielfach ausgezeichnet – zuletzt mit dem Deutschen Stahlbau-Preis für das Cape-Town-Stadion und dem Deutschen Brückenbau-Preis für die Fußgängerbrücke in Sassnitz.
Das Unternehmen gliedert sich in die Bereiche Bauen und Sonne (solare Energieerzeugung) und beschäftigt heute mehr als 110 Mitarbeiter an den Standorten Stuttgart, Berlin, New York und Sao Paulo. Geleitet wird es seit 2002 von Knut Göppert, Andreas Keil, Sven Plieninger und Jörg Schlaichs Sohn Mike. Darüber hinaus besteht eine vierköpfige erweiterte Geschäftsführung. Ihr gehört Michael Werwigk an, der zusätzlich zu seiner Ingenieurtätigkeit das Personalwesen im Stuttgarter Büro verantwortet.

Kongresse sind Kontaktbörsen

„Weil unsere Anforderungsprofile sehr unterschiedlich sind, gibt es keinen generellen Weg, wie wir uns an Bewerber richten“, sagt Werwigk. Je nachdem, ob die Stelle eines Stahlbaukonstrukteurs, eines Bauingenieurs oder eines Forschungs- und Entwicklungsingenieurs zu besetzen ist, werden neben der Veröffentlichung auf der Firmen-Website Anzeigen in Tageszeitungen, der Fachpresse oder Jobbörsen wie Stepstone geschaltet.

Moses Mabhida Stdion, Durban.  Foto: Knut Göppert - SBP

Moses Mabhida Stdion, Durban.
Foto: Knut Göppert – SBP

Zunehmend wird das Unternehmen bei der Mitarbeitersuche jedoch auch selbst aktiv: „Als bekanntes Büro spüren wir zwar noch keinen Rückgang bei den Bewerbungen, aber um die guten Leute muss man sich kümmern. Man darf nicht darauf hoffen, dass sie von selbst kommen.“ Natürlich spreche Geschäftsführer Mike Schlaich im Rahmen seiner Professur an der TU Berlin Studenten oder Doktoranden an, deren Arbeit ihm gefällt, und auch ehemalige Mitarbeiter, die eine universitäre Laufbahn eingeschlagen haben, würden gute Nachwuchskräfte empfehlen. Als Kontaktbörsen hätten sich zudem die vielen internationalen Kongresse herausgestellt, an denen SBP-Mitarbeiter teilnehmen oder selbst Vorträge halten. Ein guter Weg, sich dem Unternehmen zu präsentieren, sei schließlich auch ein Praktikum im Rahmen des Studiums. „Hier kann ich die Entwicklung genau verfolgen“, erläutert Werwigk. Überzeugende Praktikanten bittet er, sich mit Abschluss des Studiums wieder bei ihm zu melden.
Der Großteil der Bewerbungen geht inzwischen per E-Mail ein, die Bewerbungsmappe ist auf dem Rückzug. Werwigk hat diesbezüglich keine Präferenzen, denkt aber, dass eine Mappe dem Bewerber mehr Möglichkeiten bietet, auf sich aufmerksam zu machen und sich von anderen Bewerbern abzuheben. „Sicherlich erinnert man sich auch eher an den tollen Einband einer Mappe als an die E-Mail vom 12. März.“ Eine schöne Verpackung schade nicht, wirklich wichtig sei allerdings der Inhalt der Bewerbung und die beginnt nach Ansicht des Personalverantwortlichen mit dem Anschreiben. „Wenn ich das Gefühl habe, dass es gleichlautend an 20 andere Personalchefs gegangen ist und nur Firmennamen und Ansprechpartner ausgewechselt wurden, wird es zur Seite gelegt“, beschreibt Werwigk. Er möchte im ersten Absatz eine persönliche Begründung dafür finden, warum sich der Kandidat gerade bei SBP bewirbt und warum er sich als Verstärkung für das Unternehmen einschätzt. Es muss frühzeitig eine hohe Identifikation mit den Projekten und Zielen von SBP erkennbar sein.

Ehrlichkeit siegt

Michael Werwigk Mitglied der erweiterten Geschäftsführung bei schlaich bergermann und partner Foto: Michael Zimmermann - SBP

Michael Werwigk
Mitglied der erweiterten Geschäftsführung bei schlaich bergermann und partner
Foto: Michael Zimmermann – SBP

Darüber hinaus müsse die Bewerbung vollständig sein, Zeugnisse und Entwürfe beinhalten. Im Lebenslauf zu tricksen oder Lücken zu kaschieren, lohne sich nicht. Zum einen falle das auf, zum anderen gebe es meist Gründe für die Lücken und manchmal sei ein vermeintlicher Makel sogar eine Qualifikation. „Wenn jemand ein Jahr auf Reisen in Australien verbracht hat, dann weiß ich, dass er sich im Ausland bewegen kann und fließend Englisch spricht“, sagt Werwigk und benennt ein weiteres Beispiel: „Wer keine Unterstützung erhält und während des Studiums arbeiten muss, der braucht natürlich länger bis zum Abschluss, beweist aber gleichzeitig, dass er belastbar ist.“ Richtig bei SBP sei, wer neben einer guten Ausbildung Spaß an der Entwicklung von Tragwerken,
ihrem Erscheinungsbild und ihren Details habe. Wenn ein Bewerber durch seine Unterlagen den Eindruck vermittelt, über den Tellerrand hinauszublicken, während des Studiums vielleicht schon an Entwurfs-Wettbewerben teilgenommen hat, längere Auslandsaufenthalte aufweisen kann oder auch neben Englisch eine zweite Fremdsprache spricht, kommt er schnell in die engere Wahl. Weitere Pluspunkte seien eine zusätzlich zum Studium abgeschlossene (Handwerks-)Ausbildung oder auch ein ehrenamtliches Engagement. Letzteres sei ein Indiz für soziale Kompetenz des Bewerbers.
schlaich bergermann ingenieurbuero bewerbung

Ting-Kau-Brücke, Hongkong.
Foto: Alan Cook

Im Vorstellungsgespräch werden fachliche Aspekte abgefragt, der Kandidat sollte aber auch auf Fragen zum Unternehmen vorbereitet sein, etwa welche SBP-Bauwerke er kennt oder bei welchem Projekt er gern mitgearbeitet hätte. Oft präsentiert der Bewerber einen eigenen Brücken-Entwurf, Pläne oder eine Abschlussarbeit, wozu Werwigk Fragen stellt: „Dabei erkenne ich, ob jemand in der Lage ist, Dinge schnell und präzise zu erklären oder eher dazu neigt, sich zu verzetteln.“ Einige Antworten ließen zudem Rückschlüsse da-
rauf zu, ob der Bewerber ein Teamspieler ist oder wie er sich gegenüber Kollegen und Auftraggebern verhält. Gerade wenn ein Mitarbeiter gesucht wird, der viele Außenkontakte hat, sei es wichtig, dass er ein wacher, aufmerksamer Typ sei, der Sympathie, Interesse und Sachverstand ausstrahlt. Werwigk erinnert sich an einen Kandidaten, der in seiner Bewerbung sehr offensiv für sich geworben hatte, im Vorstellungsgespräch aber zusammengesackt in der Ecke saß und den Mund kaum aufbekam. Dieser Bewerber habe nicht den Eindruck erweckt, sein Anschreiben selbst verfasst zu haben. Generell gelte: „Wer nicht vernünftig ‚Guten Tag‘ sagen kann, der ist hier falsch, da hilft auch die beste Qualifikation nicht.“ Den ersten Teil des Bewerbungsgesprächs führt Werwigk in der Regel allein, beim zweiten Teil oder einem zweiten Gespräch kommt Geschäftsführer Andreas Keil hinzu. Die Entscheidung, ob es zu einer Einstellung kommt, treffen beide gemeinsam.

Verantwortung übernehmen

Die Probezeit dauert sechs Monate. Nach drei Monaten findet ein Zwischengespräch statt, in dem besprochen wird, wie die bisherige Einarbeitung verlaufen ist, welche positiven wie auch negativen Erfahrungen gemacht wurden und ob es Dinge gibt, die verbesserungswürdig sind.
Zur Politik des Büros gehört, dass neuen Mitarbeitern relativ schnell Verantwortung übertragen wird. „Zunächst stehen zwei, drei Projekte unter der Obhut eines Projektleiters an. Wenn sie gut gelaufen sind, erreicht der Mitarbeiter die nächste Stufe und macht sein erstes eigenverantwortliches Projekt“, beschreibt Werwigk. Dieses frühe Loslassen wirkt sich seiner Einschätzung nach sehr positiv auf die Motivation der Angestellten aus. Wer die Herausforderung annimmt, dem stünden bei SBP viele Türen offen, sagt Werwigk und berichtet von einer jungen Konstrukteurin, die seit vier Jahren im Unternehmen tätig ist. In dieser Zeit hat sie bereits Projekte in Südafrika und China begleitet und ist momentan an das New Yorker Büro ausgeliehen. „Mit gerade 30 in all diesen Ländern gearbeitet zu haben, das kann sich durchaus sehen lassen“, verdeutlicht er. Etwa gleichaltrig sei ein junger Ingenieur, der selbständig die Montage der Dächer beim Stadionneubau betreut und auch weltweit im Einsatz ist.
Werwigk selbst hat nach einer Zimmererausbildung in Stuttgart und Calgary (Kanada) Bauingenieurwesen studiert, arbeitete anschließend ein halbes Jahr in Island und ging dann zu SBP, wo er seit nunmehr 19 Jahren tätig ist. Dort stieg er zum Projektleiter und Großprojektleiter auf und verantwortete nach einigen Jahren zusätzlich die Einstellung und Betreuung der Praktikanten. Mit Aufnahme in die erweiterte Geschäftsführung wurde ihm schließlich die Verantwortung für den kompletten Personalbereich am Standort Stuttgart übertragen. Somit ist auch Werwigks Vita ein gutes Beispiel dafür, welche Karrierechancen SBP seinen Mitarbeitern bietet. ■

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