Intelligent Planen ohne Heizöl

heizung planen kosten oel architekt Unverändert dominieren Wärme und Kraftstoffe die Energiekosten eines typischen deutschen Haushalts. „Ein kurzer Blick auf die Energierechnung zeigt schnell, dass die anhaltende Diskussion um die Strompreise am Kern des Problems vorbeigeht“, stellt Philipp Vohrer, Geschäftsführer der Agentur für Erneuerbare Energien, fest. „Kostentreiber Nummer eins sind fossile Brennstoffe, die im Fall der Heizung gut und günstig durch erneuerbare Wärme ersetzt werden können“, so Vohrer. Trotz zuletzt leicht gesunkener Preise für Öl und Gas geben die Deutschen für Heizen, Warmwasser und Autofahren seit vielen Jahren deutlich mehr Geld aus als für Strom. Während Strom in einem typischen Privathaushalt nur knapp 25 Prozent der Energierechnung ausmacht, schlagen Heizöl mit 35 Prozent und Benzin mit gut 40 Prozent zu Buche. Wer mit Öl heizt, muss heute mehr als doppelt so viel für eine warme Wohnung bezahlen als noch im Jahr 2000. Auch Erdgas ist über 70 Prozent teurer als noch vor 13 Jahren. Diesen Aspekt sollten Architekten bei der Planung oder Modernisierung von Wohngebäuden beachten. „Durch den Umstieg von einer alten Öl- oder Gasheizung auf ein erneuerbares Heizsystem könnten die meisten Haushalte Heizkosten einsparen“, betont Vohrer.

Fördertöpfe gut gefüllt

Das Handlungspo­ten­zial im Wär­mebe­reich ist nach wie vor riesig. Gut 80 Pro­zent der Hei­zungs­an­la­gen in deu­tsch­en Haus­hal­ten lau­fen noch mit fos­silen Brenn­stof­fen. Zudem sind mehr als drei Vier­tel der Hei­zun­gen nicht mehr auf dem Stand der Tech­nik. Um das Ziel ei­nes CO2-­neu­tral­en Ge­bäude­bestands bis 2050 zu er­reichen, för­dert das Bun­des­um­welt­mi­niste­rium den Wech­sel zu ei­ner effi­zienten, sau­beren Hei­zung mit dem Markt­anreiz­pro­gramm (MAP): Für den Hei­zungs­wech­sel gibt es gün­stige Dar­lehen und at­trak­tive Zu­schüsse, die sich auf mehrere Tau­send Euro sum­mieren kön­nen. Für eine Pel­lethei­zung mit Unter­stützung durch eine Solar­anlage gibt es bei­spiels­weise fast 5.000 Euro Zuschuss vom Bundes­amt für Wirt­schaft und Aus­fuhr­kontrolle (BAFA). Wer nicht ge­nügend Geld auf der hohen Kante hat, kann die rest­liche In­vestitions­summe über einen zins­günstigen Kredit der KfW-­Förderbank finanzieren. Das hilft Heizungs­wechslern, über die Schwelle der In­ves­titions­kosten hin­weg zu kommen.

Die beste Maßnahme gegen steigende Heizkosten sei der Ausstieg aus den fossilen Brennstoffen: Setzt sich deren durchschnittliche Kostensteigerung fort wie in den Jahren 2002 bis 2012, so rechnet sich in den meisten Fällen der Umstieg von einer alten Öl- oder Gasheizung auf erneuerbare Wärme. Dies zeigt eine aktuelle Berechnung der Agentur für Erneuerbare Energien am Beispiel eines typischen Einfamilienhauses: Auf 20 Jahre gerechnet kommt der Weiterbetrieb einer alten Ölheizung in diesem Fallbeispiel mehr als doppelt so teuer wie eine neue Pelletheizung oder eine Wärmepumpe. Auch der Umstieg von einer alten Gasheizung auf erneuerbare Heizungstechnologien spart am Ende Geld.
Gegenüber einer neuen Öl- oder Gasheizung mit Brennwerttechnologie sind Wärmepumpen, Pelletheizungen und Solarwärmeanlagen zwar in der Anschaffung teurer und werden deshalb mit öffentlichen Fördermitteln bezuschusst. Über die gesamte Lebensdauer gerechnet sind die umweltfreundlichen Heizungen aber letztlich im Vorteil, denn sie haben erfahrungsgemäß niedrigere verbrauchsgebundene Kosten. So kosteten Holzpellets im Oktober dieses Jahres 5,8 Cent pro Kilowattstunde (Ct/kWh). Wärmepumpenstrom ist laut Vergleichsportalen ab etwa 18,3 Ct/kWh zu haben.
Eine Heizungsanlage, die mittels Wärmepumpe aus einer Kilowattstunde Strom etwa 3,5 Kilowattstunden Wärme macht, stellt ihre Heizenergie also für umgerechnet 5,2 Ct/kWh bereit. Öl und Gas waren im Oktober mit 8,1 bzw. 6,9 Cent je Kilowattstunde deutlich teurer.■

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