Hans-Ziegler-Staab-Architekten-Aufmacher
Hans-Ziegler-Staab-Architekten-Aufmacher

Architekturbüro: Staab Architekten

„Kreuzberg war nie nur der Stadtteil der Steinewerfer, vielmehr eine kreative Werkstatt“, antwortet Hanns Ziegler auf die Frage, warum Staab Architekten zu Beginn der 1990er Jahre nicht wie viele andere Berliner Büros in die angesagten Bezirke Prenzlauer Berg oder Mitte gegangen sind. Bürogründer und Namensgeber Volker Staab lebte in Kreuzberg und es sei durchaus auch als Statement gegen den Mainstream zu verstehen, dass er sich 1991 einen Gewerbehof in der Schlesischen Straße als Standort aussuchte.

Staab Architekten GmbH

Staab Architekten wurden 1991 in Berlin ge­grün­det und be­schäf­tigen heute rund 80 Mit­ar­beiter. Ge­neriert werden die Auf­träge in Deu­tschland und dem euro­päischen Aus­land vor­wiegend über Wett­bewerbe der öffent­lichen Hand. Aktuelle Pro­jekte sind die Sa­nierung und Er­wei­terung des Jüdischen Museums in Frank­furt oder der Bau eines Labor- und Ver­waltungs­gebäudes am Geomar-­Helmholtz-­Zentrum für Ozean­forschung in Kiel. Das Büro wurde bereits viel­fach aus­gezeichnet, unter anderem mit dem Deutschen Architektur­preis, dem Deutschen Fassaden­preis, dem Preis des Deutschen Stahl­baues oder dem Großen BDA-Preis.

www.staab-architekten.com

Als jobbender Student war Ziegler von Beginn an dabei, „Dabei habe ich mein Herz verloren – an das Büro und an die Leidenschaft, mit der hier gearbeitet wird.“ 1995 machte er sein Diplom und ist seitdem kontinuierlich für Staab Architekten tätig. 2008, als das Büro deutlich gewachsen war, nahmen Staab und sein Partner Alfred Nieuvenhuizen die beiden Mitarbeiter Per Pedersen und Hanns Ziegler in die nunmehr vierköpfige Geschäftsführung auf. Darüber hinaus wurde ein Team assoziierter Mitarbeiter etabliert, die besondere Aufgabenbereiche außerhalb der Geschäftsleitung verantworten.

Die Leidenschaft für die Arbeit ist deutlich zu spüren, wenn Ziegler über die bisherigen Projekte von Staab Architekten spricht. Er nennt das Neue Museum in Nürnberg, das Startprojekt des Büros. Hier war es den jungen Planern gelungen, eine überzeugende Antwort auf eine problematische städtebauliche Situation zu finden. „Detailvollkommenheit“ lautet das Stichwort zum Museum Georg Schäfer, das als Solitär in die Schweinfurter Altstadt integriert wurde.

„Politiker verschiedener Parteien als Nutzer sind natürlich eine besondere Herausforderung“, sagt Ziegler augenzwinkernd über die Umgestaltung des Münchner Maximilianeums, Sitz des Bayerischen Landtags. Am Ende waren aber sowohl die Parlamentarier als auch die Architekten sehr zufrieden mit der Raumwirkung des Plenarsaals, in dem trotz bestehender Enge eine gestaltvolle Weite geschaffen werden konnte.

Hohes Risiko eingegangen

Als ein ganz besonderes und äußerst spannendes Projekt bezeichnet Ziegler das Albertinum in Dresden. Laut Ausschreibung war gefordert, Archivräume und Werkstätten im Bereich des Innenhofes unterzubringen, die Traufe durfte dabei nicht überschritten werden. Die anderen Wettbewerbsteilnehmer hielten sich an diese Vorgaben und mussten den Innenhof dadurch fast vollständig bebauen. Bei Staab Architekten wuchs jedoch die Überzeugung, dass der Innenhof ein wichtiger Raum für das Bestandsgebäude sei, der nicht zugebaut werden sollte. So entstand die Idee, eine Dachebene in den Bereich zwischen First und Traufe zu spannen, wodurch – quasi als Nebeneffekt – ein überdachter Veranstaltungsort geschaffen wird. „Damit sind wir ein hohes Risiko eingegangen, denn wir hätten aufgrund der Ausschreibungsbedingungen bereits in der Vorprüfung ausscheiden können“, erläutert Ziegler. Das Berliner Büro aber erhielt einen Sonderpreis für seinen Entwurf, der letztlich zur Ausführung empfohlen wurde. „Dank dieser Prioritätensetzung hat Dresden einen einzigartigen Veranstaltungsraum gewonnen“, sagt der Architekt.

Albertinum Dresden Staab Architekten

Albertinum in Dresden.
Foto: Staab Architekten

Er verschweigt bei seinen Schilderungen nicht, dass Staab Architekten auch Durststrecken überstehen mussten. Gründe dafür seien gewesen, dass Projekte nicht wie gewünscht angelaufen sind und auch die Zahlungsdisziplin mancher Bauherrn zu wünschen übrig ließ. Während einer dieser Phasen musste das Büro, dem eine Hire-And-Fire-Mentalität fremd ist, leider ein paar Mitarbeiter entlassen, was allerdings sozialverträglich vonstatten ging.

Die schwierigen Zeiten scheinen jedoch überstanden. Bis Ende 2012 lag die Mitarbeiterzahl kontinuierlich bei rund 50, dann ging die Kurve steil nach oben. 80 Mitarbeiter und damit mehr als je zuvor, sind nun bei Staab Architekten angestellt. Sie beschäftigen sich derzeit mit der Sanierung und Erweiterung des Jüdischen Museums in Frankfurt, dem Geomar-Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung in Kiel oder dem Johann-Heinrich-Von-Thünen-Institut in Bremerhaven, wo neue Verwaltungs- und Laborgebäude entstehen. Und Hanns Ziegler ist auch guter Dinge, dass das Büro in Berlin bald seinen ersten größeren Wohnungsbau in Angriff nehmen kann.

Neue Mitarbeiter werden aufgrund der großen Reichweite gern über das Internet gesucht. Ziegler nennt Competition online und die eigene Website, inzwischen die Hauptplattform für Ausschreibungen. Ist eine örtliche Bauleitung zu besetzen, dann wird auch in der regionalen Presse annonciert.

Wegen der einfachen Handhabe schätzt Ziegler die klassische Bewerbungsmappe. Viel Wert legt er auf ein gutes Anschreiben. Es solle nicht den Eindruck erwecken, gleichlautend an zehn weitere Büros gegangen zu sein, sondern vielmehr aufzeigen, warum der Bewerber gerade für Staab Architekten arbeiten will. „Es ist ein sehr guter Ansatz, wenn wir erkennen, dass jemand Dinge wertschätzt und mit eigenen Worten ausdrückt“, sagt Ziegler, denn wer einfach nur die Stellenbeschreibung wiedergebe und seinen Namen daruntersetze, der erwecke nicht den Eindruck, gut formulieren und analysieren zu können. Die Bewerbungsmappe sollte zudem einen Lebenslauf enthalten und Unterlagen zu Projekten, die in anderen Büros bearbeitet wurden, die Diplomarbeit oder das Lieblingsprojekt aus dem Studium. Dies seien wichtige Indikatoren, um sich ein Bild von der Persönlichkeit des Bewerbers zu machen.

Inhalte zählen, nicht die Verpackung

„Einen Master sollte ein Bewerber schon mitbringen, weil wir dies als eine vollwertige Ausbildung sehen“, sagt Ziegler. Wo der Bewerber studiert hat, sei allerdings kein entscheidendes Kriterium: „Unserer Meinung nach findet man überall Talente und deswegen sollte man nicht auf die Verpackung schauen, sondern sich mit den Inhalten beschäftigen.“

30 bis 50 Architekten bewerben sich meist auf eine ausgeschriebene Stelle, drei von ihnen bleiben nach der Vorauswahl übrig und werden zum Gespräch eingeladen, an dem meist ein Geschäftsführer oder assoziierter Partner und ein Projektleiter teilnimmt. „Es ist eine große Stresssituation für den Bewerber, deshalb versuchen wir, die Stimmung zu entkrampfen. Wir heißen ihn willkommen, bieten Getränke an und beginnen mit einem unverfänglichen Gespräch“, sagt Ziegler. Danach erhält der Bewerber Gelegenheit, sich und seine Vita zu präsentieren. Im Anschluss stellt die Arbeitgeberseite das Projektteam vor, erörtert die Rahmenbedingungen des Projekts, für das Verstärkung gesucht wird. Weitere Themen des rund 45-minütigen Kennenlernens sind das Gehalt, die zum Einsatz kommenden Computerprogramme oder die Bürophilosophie.

Bestandteil dieser Philosophie ist etwa, dass Angestellte und Geschäftsführung gemeinsam im Großraumbüro sitzen. „Wir sind eine Art Familie, arbeiten auf einer sehr persönlichen Ebene und wollen die Belegschaft nicht auf Distanz zu uns halten“, erläutert Ziegler und nennt weitere Gepflogenheiten: „Wir leben eine nicht hierarchisch geprägte Wettbewerbskultur. Dafür brauchen wir Mitarbeiter, die für eigene Ideen werben und im Gespräch starke Bilder entwickeln könnten.“ Wer ein Konzept vor Augen habe, der müsse es anderen auch präsentieren können. Gleichzeitig sei aber die Fähigkeit gefragt, flexibel zu denken und sich nicht an eigene Vorstellungen zu klammern: „In einem Team kann es immer Mehrheitsentscheidungen in andere Richtungen geben. Das erfordert gelegentlich auch Nehmerqualitäten.“

Johann Heinrich Thuenen Institut Bremerhaven Staab Architekten

Neubau von Verwaltungs- und Laborgebäuden für das Johann-Heinrich-Von-Thünen-Institut in Bremerhaven
Foto: Staab Architekten

Ein derartiges Bürokonzept setze Kommunikationsfreudigkeit und Teamfähigkeit der Mitarbeiter voraus. Die Kommunikationsfähigkeit sei relativ leicht zu ergründen: Wer beim Vorstellungsgespräch den Mund kaum aufbekomme, der werde im Berufsalltag in Stresssituationen sicher ganz ähnlich reagieren. In Bezug auf die Teamfähigkeit sei es schwieriger: „Es zeigt sich häufig erst während der Probezeit, ob wir mit unserer Einschätzung richtig lagen“, sagt Ziegler und warnt vor Überinterpretation: „Ob jemand Tennis oder Volleyball spielt, sagt wenig über seine Teamfähigkeit aus.“
Die Kritikfähigkeit eines Bewerbers wird oft anhand seiner persönlichen Arbeiten überprüft. „Sie sind sehr emotional verankert. Wenn wir an gewissen Stellen gezielt nachfragen, dann zeigt sich, ob sich jemand schnell angegriffen fühlt oder ob er Kritik als etwas Selbstverständliches annimmt“, so Ziegler.

Engagement, Ideenreichtum und Kollegialität

Wenn ein neuer Mitarbeiter eingestellt wird, dann durchläuft er üblicherweise nicht die verschiedenen Unternehmens-Abteilungen, sondern wird gleich in das zu verstärkende Projektteam integriert. Wer durch persönliches Engagement, Ideenreichtum und Kollegialität auf sich aufmerksam macht, der kann im Unternehmen relativ schnell bis in die Projektleitungs-Ebene aufsteigen. Ziegler selbst ist natürlich ein gutes Beispiel für Entwicklungsmöglichkeiten im Unternehmen.

Auf die Frage nach den mittelfristigen Unternehmenszielen antwortet er: „Die Qualität unserer Arbeit aufrechterhalten und noch stabilere Rahmenbedingungen für unsere Mitarbeiter schaffen.“ Wachstum um jeden Preis oder auch die Eröffnung von Auslandsstandorten passten nicht zur heutigen Firmenstrategie. „Das würde die interne Kommunikation sehr erschweren. Außerdem arbeiten wir sehr kontextuell. Ich bin nicht sicher, ob wir in Saudi-Arabien, Dubai oder China ohne eine kulturelle Verankerung so inspiriert zu Werke gehen könnten.“

Hans Ziegler Staab Architekten

Hanns Ziegler, Mitglied der Geschäftsführung bei Staab Architekten.
Foto: David Spoo

Die Arbeit des Berliner Büros wird im In- und Ausland aufmerksam verfolgt. Das verdeutlicht das „Baunetz“-Architekten-Ranking, das im Zwei-Monats-Turnus veröffentlicht wird. In der Rangliste, die nach der Häufigkeit der Berichterstattung in wichtigen sechs nationalen und sechs internationalen Fachzeitschriften erstellt wird, belegt das Büro seit mehr als drei Jahren durchgehend einen der ersten beiden Plätze, aktuell wieder Rang 1 vor gmp, dem immerhin größten deutschen Architekturbüro. ■

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