Das Städelmuseum im Wachstum

Der Frankfurter Bürger und Handelsmann Johann Friedrich Städel war ein leidenschaftlicher Kunstsammler. Im Jahr 1770 fing er an, sein enormes Vermögen in Gemälden und Zeichnungen aus ganz Europa anzulegen. Bis zu seinem Tod belief sich sein privater Kunstschatz auf rund 500 Gemälde sowie 200 Zeichnungen und Kupferstiche. Im Testament verfügte der 1816 verstorbene Städel, dass mit seinem Erbe sowohl eine öffentliche Kunstsammlung zu errichten sei als auch eine Kunstschule, an der ohne Unterschied von Geschlecht und Religion unentgeltlich unterrichtet werden sollte. Es war die erste bürgerliche Gründung dieser Art. Die gesamten Kunstwerke Städels gingen somit auf eine Kunststiftung über, verblieben aber zunächst im Wohnhaus am Roßmarkt.

Der erste Standort des Städels am Roßmarkt in Frankfurt aus einem Panorama von Karl Peter Burnitz, um 1860.

Der erste Standort des Städels am Roßmarkt in Frankfurt aus einem Panorama von Karl Peter Burnitz, um 1860.

Dem passionierten Sammler war aber schon zu Lebzeiten klar, dass sein Wohnhaus nicht über die Kapazitäten verfügt, langfristig sowohl die Schule als auch die Sammlung zu beherbergen. Er forderte, ein größeres Gebäude im Rahmen seiner Stiftung zu finden.
Die Lösungsansätze boten nur kurzfristige Alternativen zu dem immer stärker wachsenden Bestand an Kunstwerken und der zunehmenden Popularität der Städelschen Kunstschule. 1873 fand man endlich den idealen Standort für einen Neubau. Direkt am Mainufer war ein riesiges unbebautes Grundstück frei, auf dem man nun in getrennten Gebäuden Schule und Museum unterbringen könnte. An die Dresdner Gemäldegalerie von Gottfried Semper angelehnt, konstruierte der Architekt Oskar Sommer einen venezianisch orientierten Neorenaissancebau mit einem Kreuzgrundriss. Sein Bau bildet bis heute das Kernstück des Städel Museums.

Der 1899 gegründete Städelsche Museumsverein trug zusätzlich zu einer wesentlichen Zunahme des Kunstbestandes bei. Die erste Erweiterung des Gebäudes am Schaumainkai wurde so unumgänglich. Die Entwürfe der Architekten Hermann von Hoven und Franz Herberer sahen einen pa­rallel zum Altbau platzierten Trakt mit klassizierenden und altägyptischen Formen vor. 1915 wurde mit dem Bau begonnen, doch er konnte durch die Unterbrechungen während des Ersten Weltkrieges erst 1920 fertig gestellt werden. Er bildet nun den Gartenflügel des Museums.1987 gewann der Architekt Gustav Peichl den Wettbewerb für einen neuerlichen Erweiterungsbau. Er entwarf einen längsrechteckigen Bau, der sich direkt an der Westseite des Städel-Gartenflügels anschließt. Er sollte zusätzlichen Raum für Sonderausstellungen und die Bestände des 20. Jahrhunderts bieten. Die Fassade besteht aus glattem, weißem Marmor und durchgehend gequaderten Flächen, die nur durch verschiedene Fensterreihen durchbrochen werden.

Das Städel Museum während der Bauphase. Foto: Norbert Miguletz/ Städel Museum

Das Städel Museum während der Bauphase.
Foto: Norbert Miguletz/ Städel Museum

Zwischen 1997 und 1999 erfolgte eine umfassende Umbau- und Renovierungsphase, die dem Städel ein neues Gesicht verleihen sollte. Hier wurden ein Restaurant, ein eigener Shop sowie eine Kunstbuchhandlung angegliedert.2007 gewann das Frankfurter Architektenteam schneider+schumacher die jüngste Ausschreibung für einen Anbau am Städel Museum. Es ist die fünfte und auch umfangreichste Erweiterung in der Geschichte. Mit rund dreitausend zusätzlichen Quadratmetern verdoppelt sich die Präsentationsfläche für das gesamte Museum und bietet nun genügend Entfaltungsmöglichkeiten für die kommenden Jahrzehnte. Der offene Grundriss des Erweiterungsgebäudes – einer großen Halle, deren Kuppeldach auf lediglich 12 Pfeilern ruht – ermöglicht eine überaus flexible Präsentation der Sammlung, der fast keine architektonischen Grenzen gesetzt sind. Im unterirdischen Erweiterungsbau findet nun seit der Wiedereröffnung 2012 der Sammlungsbereich der Gegenwartskunst seine neue Heimat. ■

Interview: Architekt Michael Schumacher

2007 lud das Städel Museum in Frankfurt acht international erfolgreiche Architekturbüros ein, in einem Wettbewerb ihre Ideen für einen Erweiterungsbau für die Gegenwartskunst einzubringen. Trotz der großen Konkurrenz aus Tokio, New York und Amsterdam entschied sich die internationale Jury für das Frankfurter Architekten-Duo Schneider+Schumacher. Ihr leuchtendes Konzept überzeugte nicht nur die Jury, sondern entfachte auch das Engagement vieler. Die Hälfte der Kosten für den 52 Millionen teuren Erweiterungsbau wurde durch die Unterstützung von Unternehmen, Stiftungen und zahlreichen Bürgern aus privaten Mitteln finanziert. Mit TALIS sprach der Stararchitekt Michael Schumacher über seinen Entwurf des Städel-Museums und über die Herausforderungen moderner Architektur.

Architektur will sich präsentieren, aufmerksam machen. Daher entscheiden sich die meisten Architekten für einen oberirdischen Bau. Sie sind aber unter die Erde gegangen. Wieso?

Foto: Norbert Miguletz/Städel Museum

Foto: Norbert Miguletz/Städel Museum

Michael Schumacher: Das Städel Museum hat eine herausragende Lage in der Stadt am Mainufer direkt gegenüber der Skyline. Zudem ist es ein auffälliger Bau. Das Museum hatte architektonisch alles – außer genügend Fläche für die Kunst der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Alle vorhandenen Bauteile hatten zusammen eine Ausstellungsfläche von 4000 m², die sich auf den ersten Bau von 1878, den Erweiterungsbau von 1921 und die neue Kunsthalle von 1990 verteilen. Wir haben die Fläche fast verdoppelt. Das nahezu unsichtbar, aber dennoch sehr präsent, indem wir das Volumen unter den Garten zwischen Museum und Städelschule platziert haben. Das ist auch das Besondere dieser Erweiterung, dass sie einerseits sehr „neutrale“ Räume für die Kunst bietet, eigentlich überhaupt keinen Platz auf dem Grundstück verbraucht und trotzdem durch die Architektur sehr präsent ist.

Die Jury nannte Ihren Entwurf des Städel Museum Erweiterungsbaus ein „leuchtendes Juwel am Tag, einen Lichterteppich in der Nacht“. Welchen Einfluss spielte das Thema Licht und Schatten bei Ihrem Entwurf der Museumserweiterung?

Michael Schumacher: Ziel war es, ähnlich wie in den Oberlichtsälen des Altbaus, eine von Tageslicht geprägte Atmosphäre entstehen zu lassen. Hierzu wurden 195 kreisrunde Oberlichter in einem Raster von 3,7 m x 3,7 m symmetrisch über die gesamte Deckenfläche angeordnet. Die Oberlichter haben in den Randbereichen einen Durchmesser von 1,5 m und nehmen zum Zentrum der Aufwölbung hin im Radius bis zu einem Durchmesser von 2,5 m zu. Die Vor- und Nachteile des Tageslichtes spielten eine zentrale Rolle bei der Lichtplanung. Zum einen wird möglichst viel Tageslicht als Referenzlichtquelle für eine möglichst natürliche Farbwiedergabe bei den Kunstwerken gewünscht, zum anderen enthält natürliches Licht Strahlungsanteile, die unter konservatorischen Gesichtspunkten nicht nur unerwünscht, sondern sogar schädlich sind. Außerdem müssen tages- und jahreszeitliche Schwankungen des Tageslichtes für einen geregelten Museumsbetrieb über Kunstlicht ausgeglichen werden.

Das Städel Museum im Wachstum

mehr zur Geschichte des Städel Museums erfahren Sie hier…

In den neu entstandenen Gartenhallen findet nun die Kunst nach 1945 ein neues Zuhause. Inwiefern kann Architektur neben strikten Anforderungen an Funktionalität und Energieeffizienz heute noch Kunst sein?

Michael Schumacher: Wir sehen uns in der Tradition der Moderne, entwickeln unsere architektonische Haltung aus unserer Zeit heraus. Der Punkt liegt nicht darin, ob ein Gebäude spektakulär oder unspektakulär ist, sondern wie es auf das Umfeld reagiert. Es geht darum, die richtige Balance zu finden – sich sowohl in einen Ort einzufügen als auch einen selbstbewussten Beitrag zu leisten. Das Gebäude muss aus unserer Zeit stammen, unseren Ausdruck haben. Insofern geht uns „Retro-Architektur“ auf die Nerven, die alte Stile zitiert und sich auf Qualitäten von irgendwann besinnt. Wir haben ja auch eigene! Wir suchen nach der selbstbewussten Einbindung in einen Ort, nicht Effekte um der Effekte willen.

Welche besonderen architektonischen Herausforderungen gingen mit dem Erweiterungsbau einher?

Die Treppen bedurften ganz besonderer Planung. Foto: Norbert Miguletz/Städel Museum

Die Treppen bedurften ganz besonderer Planung.
Foto: Norbert Miguletz/Städel Museum

Michael Schumacher: Es ist nicht so einfach, einen großen Raum im Erdboden zu verankern und dicht zu bekommen, wenn der Main keine 100 Meter entfernt ist und kein schweres Gebäude die notwendige Auflast herstellt. Und es ist auch nicht einfach, einem alten Ensemble aus unterschiedlichen Jahrhunderten einen Keller unterzuschieben, ohne dass etwas beschädigt wird. Die technisch und gestalterisch höchsten Herausforderungen stellten aber die Treppe und die Deckenkonstruktion über den Gartenhallen dar. Komplexe Formteile mussten hergestellt werden, um größtmögliche Helligkeit mit kleinstmöglichen Öffnungen zu erreichen und um eine faktisch sehr schwere Deckenkonstruktion (weil ein Garten darauf lastet) optisch sehr leicht und angenehm erscheinen zu lassen.

Sie selber lehren auch als Professor für Entwerfen und Konstruieren an der Fakultät für Architektur und Landschaft der Leibniz-Universität Hannover. Welchen Herausforderungen müssen sich die Architekten von morgen stellen?

Michael Schumacher: Für mich ist ein Architekt nach wie vor derjenige, der von der Konzeption einer Planung für einen Stadtteil oder ein Bauwerk bis zur Realisierung versucht, eine Idee zu formulieren und dafür zu sorgen, dass sie realisiert wird. Die Kommunikationsfähigkeit des Architekten hat aufgrund der zunehmenden Zahl an Spezialisten eine größere Bedeutung bekommen. Aber im Ganzen geht es darum, worum es immer in der Architektur gegangen ist Bauten zu schaffen, die dauerhaft und schön sind.

Das Städel Museum während der Bauphase. Foto: Norbert Miguletz/ Städel Museum

Das Städel Museum während der Bauphase.
Foto: Norbert Miguletz/ Städel Museum

Welche Erkenntnisse kann die Uni nicht vermitteln?

Michael Schumacher: Praxiserfahrung kann die Universität nicht vermitteln, und ich finde auch ganz entschieden, dass sie das nicht versuchen soll. Die Uni, insbesondere die Universität, im Unterschied zu anderen Hochschulformen, da bin ich wirklich altmodisch, sollte die Studenten mit Methoden und Haltungen in der Architektur vertraut machen. Zu enge Ausrichtungen auf das, was der sogenannte Markt gerade fordert, halte ich für einen falschen Weg.

Welchen guten Rat würden Sie Berufsanfängern mit auf den Weg geben?

Michael Schumacher: Suchen Sie sich eine Arbeit, die Sie wertschätzen. Nehmen Sie keinen „Job“ an. Suchen Sie sich engagierte Architekturbüros oder Firmen, die etwas wollen und können. Dann haben Sie Freude an dem schönsten Beruf, den es gibt.■

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Nachverdichtung der besonderen Art

In den Ballungszentren herrscht Wohnungsnotstand. Während Deutschlands Bevölkerung weiter schrumpft, nimmt der Grad der Verstädterung immer weiter zu. Durch das organische Wachsen dieser Zentren über die Jahrhunderte hinweg sind eigentlich überall kleine Baulücken vorhanden. Die Frage ist nur: Kann man dort auch Wohnraum schaffen?

Frankfurt am Main ist mit knapp 700.000 Einwohnern die größte Stadt Hessens und die fünftgrößte der Bundesrepublik. Sie ist ebenso eines der wichtigsten Finanzzentren weltweit und beheimatet wie kaum eine andere Stadt eine Vielzahl an internationalen, führenden Unternehmen aus den unterschiedlichsten Branchen. Damit hat Frankfurt die höchste Arbeitsplatzdichte in Deutschland – doch leider nicht genügend Wohnraum. Weit über 300.000 Menschen pendeln täglich aus dem Umland oder den benachbarten Städten in die Metropole. Um dem infrastrukturellen und klimatischen Dauerstress langfristig begegnen zu können, muss dringend Wohnraum geschaffen werden. Nur wo?

Das Raum- und Energiewunder:

Das Raum- und Energiewunder:

Nachverdichtung heißt hier der Lösungsansatz. Überall in der Stadt gibt es eine Vielzahl an Baulücken, die mit herkömmlichen Bauprojekten für Mehrfamilienhäuser nicht geschlossen werden können. Eine Herausforderung, der sich immer mehr Architekten und Bauherren stellen.

Minihaus 2

Minimum Impact House.
Fotos: Drexler Guinand Jauslin

Einer von ihnen ist Hans Drexler. Auf einer Grundstücksfläche von nur 29 m2 baute er sein Minimum Impact House direkt an die Brandwand eines bereits bestehenden, älteren Gebäudes. Aufgrund der geringen Grundfläche entwickelt der Prototyp des Minihauses seine Qualitäten durch die vertikale Entfaltung neuer Räume. Was im Geschosswohnungsbau in der Ebene angeordnet ist, ist im Minihaus in die Höhe entwickelt. So gelang es den Drexler Guinand Jauslin Architekten, eine Nutzungsfläche von 145 m2 plus 10 m2 Dachterrasse zu erschaffen. Das Haus ist ein schmaler, viergeschossiger Holztafelbau mit massivem Sockelgeschoss und kleiner Dachterrasse mit eigenem Garten. Durch großzügige Fensterfronten und teils verglaste Decken- und Wanddurchbrüche auf allen Geschossen entsteht trotz geringer Maße ein Gefühl für Weite. Hier wird der Stadtraum mitbewohnt. Der mehrstöckige Bau eines Großstadthauses mit Holz stellt hier ein besonderes Novum dar. Holz ist aus ökologischer Sicht ein idealer Baustoff: nachwachsend, dämmend, wärmespeichernd und recyclebar. Zudem verkürzt der Aufbau als Holzkonstruktion die Bauzeit enorm. Das verringert die Lärmbelästigung für die Anwohner – ein wichtiger Aspekt beim Thema Nachverdichtung. Ein weiteres Anliegen des Architektenteams um Drexler aus Frankfurt am Main war es aber, ebenso ein energiesparendes Wohnen zu ermöglichen. Das Minimum Impact House entspricht dem Standard eines Passivhauses. Alle Glasflächen des Hauses sind optimal auf die Wärme- und Lichteinstrahlung ausgerichtet. Zwei Sonnenkollektoren beheizen das Wasser und die Wärmerückgewinnung der Lüftungsanlage gewährleistet ein angenehmes Raumklima.

Das Schmalste: Auf dem Restgrundstück stehen nun...

Das Schmalste: Auf dem Restgrundstück stehen nun…

Nutzbare Baulücken existieren aber nicht nur an Brandwänden. Auch freiliegende Grundstücke mit sonderbaren Maßen können mit Kreativität sinnvoll bebaut werden. Das konnte sich aber bei einem Restgrundstück von 9 x 67 m keiner vorstellen. Erschwerend kam hinzu, dass aufgrund der Abstandsflächen und Stellplatznachweise die nutzbare Fläche auf 3,20 m x 45 m schrumpfte. Und so blieb es ungenutzt, bis Josef Kruljac, Geschäftsführer des Eismann & Partner Planungs- und Bauleitungsbüros, den Hinweis eines Bekannten bekam. Entstanden sind hier die neuen Büroräume für Eismann & Partner sowie zwei Wohnungen im Obergeschoss. Der im Untergeschoss fast vollständig verglaste Kernbau kaschiert die schlauchigen Ausmaße. Der Aufbau des Obergeschosses auf Säulen über das Untergeschoss hi­naus lässt den Eindruck von Leichtigkeit entstehen und gibt den unteren Räumen mehr Licht und Weite.

…Wohnungen und Büroräume.
Fotos: Eismann & Partner

Ein weiteres architektonisches Highlight begrüßt seit 2009 Spaziergänger und Touristen am Mainkai mit seinen buntbeleuchteten Glasfronten. Bei einer Grundstücksgröße von gerade mal 4 x 11 m entstand hier ein Multifunktionshaus, das sowohl Wohnungen, ein Restaurant, einen Club als auch ein Büro beherbergt. Der Bauherr Steen Rothenberger erfüllte sich damit einen lange gehegten Traum: „Das Leben in der Vertikalen fasziniert mich.“ Durch die durchgängige Glasfront wird nicht nur das städtische Leben nach innen geholt, ebenso stülpt sich das private Leben nach außen, macht es zur Kunst, die jeden Passanten wie in einem Museum zum Verweilen und Bestaunen einlädt.

Ein wirklich klassischer Fall eines „Tortengrundstückes“ stellt das nächste Wohnobjekt da. Ursprünglich sollten hier Garagen entstehen, doch bei Grundstücksmaßen von max. 5,50 m x 12,60 m war dafür einfach nicht genügend Platz. Also schlug der damit beauftragte Architekt Kyriazis Papayannis der Bauherrin ein Wohnhaus vor. Angesichts der Wohnraumknappheit war diese sofort begeistert. Entstanden ist hier ein großzügiger Wohnbereich mit Terrasse und genügend Platz für Kind und Kegel. Im offen gehaltenen Erdgeschoss kann geparkt werden. Trotz dieser sehr knappen Grundstücksfläche konnte so ein Wohnraum von 169 m2 realisiert werden. Intuitiv scheint es also genügend freie Flächen zu geben und ebenso gibt es eine Reihe an kreativen und klugen Architekten, die mit ihren kompetenten Teams diese Brachflächen in Wohnraum verwandeln können. Und tatsächlich: Hans Drexler hat sich mit seinem Team auf die Spur nach ungenutzten Bauflächen in Frankfurt am Main begeben und dabei Erstaunliches ermittelt: Würde man auf alle diese Flächen Minihäuser, Dachaufstockungen oder Hofhäuser zubauen, könnte man laut dieser Studie 1/3 des für die nächsten 10 Jahre prognostizierten Bedarfs an Wohnraum decken. Die Frage ist, warum die vorgestellten Häuser bisher noch die Ausnahme bilden.

Was für Autos zu klein war...

Was für Autos zu klein war…

Zum einen ist der Bau eines Minihauses wesentlich teurer, dafür sind aber die Grundstücke kostengünstiger. Hier ist ein strategisches Umdenken erforderlich. Ebenso scheint der Erwerb solcher Restflächen schwieriger als bei „normalen“ Grundstücken. Die Eigentümer würden sich scheuen, die Grundstücke zu verkaufen oder eigene Initiativen zu entwickeln. Hier muss die Stadt zusätzliche Anreize schaffen.

...bietet nun genügend Wohnraum für eine ganze Familie. Fotos © Atelier Steiner, Darmstadt

…bietet nun genügend Wohnraum für eine ganze Familie. Fotos © Atelier Steiner, Darmstadt

Ebenso gilt es seitens der Bauherren und Architekten, Strategien zu entwickeln, die den Lärm und die Verschmutzungen durch eine Baustelle gerade in dicht besiedelten Gebieten auf ein Minimum reduzieren. Der modulare Aufbau mit vorgefertigten Holzkonstruktionen wie beim Minimum Impact House scheint da ein richtiger Ansatz zu sein. ■

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