Betonwüsten aus Wüstensand

Betonwüsten aus Wüstensand

von Ute Schroeter

Foto: Pexels/pixabay.com

Die Erkenntnis, dass es zwar jede Menge Sand auf der Welt gibt, dieser aber nicht als Baumaterial geeignet ist, wurde bereits in vielen Fernsehdokumentationen deutlich. Demnach sind 95 % unserer Sandvorkommen weltweit nicht für den industriellen Einsatz geeignet. Bisher galt auch die Herstellung von Beton aus Wüstensand als nicht realisierbar. Zwei Deutsche haben nun eine Idee, wie sich das ändern lässt.

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Eric geht den Dingen auf den Grund. Vor laufender Kamera macht er für seine jungen Zuschauer in der ZDF-Fernsehsendung pur+ allerlei Experimente. Einmal geht er der Frage nach, warum man Beton nicht aus Wüstensand herstellen kann. Unterstützt von einem Experten stellt er verschiedene Betonmischungen mit unterschiedlichen Zuschlagstoffen her, genauer gesagt Glasscherben, Wüstensand und Bausand. Beim Druckfestigkeitsversuch zeigt sich sehr eindrucksvoll, wie der Wüstensand-Beton als erster „schlapp“ macht. Der Experte in der Sendung erklärt den Grund: „Die Sandkörner sind zu rund und zu glatt, um sich mit dem Zement zu verbinden. Die Stabilität kommt erst zustande, wenn dem Beton scharfkantiges Material zugesetzt wird.“ Darum liegt der Glasscherben-Beton beim pur+-Experiment hinsichtlich seiner Druckfestigkeit im Mittelfeld, der „eckige“ Bausand schneidet am besten ab. Die Erkenntnis, dass es zwar jede Menge Sand auf der Welt gibt, dieser aber nicht als Baumaterial geeignet ist, wurde bereits in vielen Fernsehdokumentationen deutlich. Demnach sind 95 % unserer Sandvorkommen weltweit nicht für den industriellen Einsatz geeignet.

Griffiger Wüstensand

Die deutschen Unternehmer Helmut Rosenlöcher und Leopold Halser haben nun eine Idee, wie man Beton auch mit Wüstensand Griffigkeit verleihen kann. In der Zeitung „Die Welt“ gibt der Chemiker Rosenlöcher an, er sei vor zwei Jahren auf den Gedanken gekommen, Feinsand aus der Wüste oder anderen Quellen noch feiner aufzumahlen, um ein Steinmehl herzustellen, das sich zusammen mit mineralischen Bindemitteln zu Pellets pressen lässt. Spezielle Hochgeschwindigkeitsmischer mit 1.500 Umdrehungen könnten die Pellets unter Zusatz von Zement und Wasser zu Beton verarbeiten. Rosenlöcher und Halser haben die Münchner Firma Mulitcon gegründet, die sich auf die Entwicklung neuer Betontechnologien spezialisiert hat. Durch die intensive Beanspruchung im Mischer würden sich Bindemittel, Additive und Zuschlagstoffen besser miteinander verbinden, erklären die Unternehmer. Das daraus resultierende Baumaterial sei sogar druckfester als herkömmlicher Beton.

Arbeit an verschiedenen Lösungen

Experimente mit Feinsand im Beton gibt es schon länger. Dr. Gerhard Dust, Geschäftsführer von Polycare Research Technology, verwendet in seinem Produkt Polyesterharz statt Zement, um die Wüstensandkörnchen zu binden. Aus diesem Polymerbeton stellt seine Firma eine Art Legostein her, mit dem sich recht schnell und einfach Häuser bauen lassen. Diese Unterkünfte mögen zwar klein und wenig komfortabel erscheinen, doch sie bieten Menschen ein stabiles Zuhause, die in Zelten oder sonstigen Notunterkünften leben müssen.
Polymerbeton hat gegenüber normalem Beton eine höhere Tragkraft und ist zugfester. Es ist ein in der Baubranche gängiges Baumaterial, allerdings bisher noch ohne Wüstensand.

 

Der Linie treu geblieben

Der Linie treu geblieben

von Ute Schroeter

Mit Hingabe konstruierte Walter Muck als kleiner Junge Windmühlen aus Lego. Schon damals wusste er: „Bauen, das ist was für mich.“ Heute führt er ein erfolgreiches Ingenieurbüro in Ingolstadt und zählt zu den wenigen Tragwerksplanern in Deutschland, die das Building Information Modeling (BIM) in seiner eigentlichen Funktion anwenden. Wir sprachen mit ihm über intelligente Linien sowie über die Freuden und Tücken des Planer-Alltags.


Bauingenieur aus Leidenschaft: Walter Muck vor einem seiner Projekte – dem Verwaltungsgebäude des E.on-Kraftwerkes Zolling.

Foto: Muckingenieure

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Herr Muck, als die Welt 1989 noch im Internet-Dornröschenschlaf lag, schrieben Sie an einem C64 das Konzept für Ihr Büro 2000. Wovon träumten Sie damals?

Walter Muck: Nach meinem Bauingenieurstudium an der FH München arbeitete ich zwei Jahre lang bei Professor Nemetschek und entdeckte dort meine Neigung zur Software. Planen hieß in den 80er Jahren Zeichnen am Zeichenbrett und Schreiben mit der Schreibmaschine. Meine Vision damals, die ich Büro 2000 nannte, war es, Informationen, die wir für das Planen brauchen, schnell abrufbar zu machen und Planungsschritte miteinander zu verknüpfen. Ich wollte mich in der Zukunft auf das eigentliche Planen und auf die Wünsche meiner Kunden konzentrieren, statt mich mit der Datenverwaltung herumzuplagen. Das sollte Sache der Software sein. In den Achtzigern kam gerade der Commodore C64 auf den Markt, den mir ein Kollege auslieh und an dem ich meine handschriftlichen Notizen zum Konzept niederschrieb. Der Papierstapel war 15 Zentimeter hoch.

Was wurde aus Ihrer Vision?

Walter Muck: Erst einmal nichts. Nach meiner Zeit bei Nemetschek fing ich in einem Ingenieurbüro an und trug als Filialleiter sehr schnell Verantwortung. Schließlich wurde mir eine Partnerschaft angeboten, was mich sehr beflügelt hat und für die ich auch das Konzept Büro 2000 schrieb. Doch irgendwie ging es damit nicht richtig weiter, und nachdem ich privat auch in einer schwierigen Phase steckte, wollte ich neu anfangen und machte mich mit einem Kollegen selbständig. Als ich aber ein Netzwerk einrichten wollte – aus heutiger Sicht eine Banalität –, kam es zur Trennung. Mein Kollege und ich waren einfach nicht auf einer Linie, was Softwarelösungen betraf. 1996 habe ich dann „Muckingenieure“ gegründet.

Wir schreiben das Jahr 2017, ist Büro 2000 überholt?

Walter Muck: Nein, noch lange nicht, wobei ich mittlerweile nicht mehr von Büro 2000, sondern von „Walter-Muck-Denke“ – kurz WMD – spreche. Ich glaube, der Weg, den wir gehen, wird nie zu Ende sein. Wir haben, was die Zeichnungen betrifft, einen Stand erreicht, der momentan kaum zu übertreffen ist. Jetzt arbeiten wir auch an der Statik aus einem Guss.
Wie erklären Sie einem Laien die Besonderheit des Building Information Modeling (BIM)?

Walter Muck: Wenn ich Vorträge halte über das Thema Tragwerksplanung 4.0, versuche ich die Unterschiede zwischen einem 2-D, 3-D- und einem BIM-Plan zu vermitteln. Ich zeige zuerst einen Film, in dem jemand einen Tuschestrich auf ein Blatt Papier zieht. Dann frage ich die Zuhörer, welche Intelligenz dieser Strich hat. Aufmerksame Beobachter, meist älteren Semesters, sagen dann: „Das war ein Tuschestrich mit der Strichstärke 0.7“, weil sie den blauen Ring am Stift erkennen. Und das ist es dann auch schon: Ein Tuschestrich hat die Intelligenz von „Ich bin ein Strich von 0.7 und gehe von A nach B“. Beim 3-D-Plan sind wir schon einen Schritt weiter. Hier sagt die Linie: „Ich bin ein Körper, so breit, so dick, so hoch.“ BIM kann noch viel mehr. Hier sagen mir die Linien: „Ich bin ein Körper, ich bin aus diesem Beton, ich habe jenen Stahlgehalt, ich bin so breit, so hoch, so tief und da oben ist eine Aussparung.“

Was nutzen mir solche Informationen?

Walter Muck: Um eine Stahlmassenschätzung aufzustellen, habe ich früher ellenlange Excel-Tabellen geschrieben. Die Maße haben wir mit dem Maßstab aus dem Plan gezogen. Wie man sich denken kann, hat das lange gedauert und war sehr fehlerträchtig. Heute reicht ein Klick am 3-D-Modell und das Programm rechnet die Massen aus. Manche Kunden haben uns schon gefragt, ob wir ihnen die Massen für das Rohbau-Leistungsverzeichnis zur Verfügung stellen können. Mit einer passenden Schnittstelle zum entsprechenden Ausschreibungsprogramm ist das für uns nun problemlos machbar, gehört für uns als Tragwerksplaner jedoch nicht zu unserem originären Leistungsspektrum. BIM hilft uns aber auch, Problempunkte zu klären. Wir hatten mal den Fall, dass ein technischer Gebäudeausrüster eine Aussparung direkt unter unserer Stütze vorgesehen hatte. Da er selbst nicht in 3-D geplant hatte, konnten wir ihm das Problem an unserem Modell zeigen, so dass er es gut nachvollziehen konnte. Wir sind dann dazu übergegangen, in unseren Plänen „No-go-Areas“ farbig zu markieren. So wissen alle Beteiligten, wo keinesfalls Aussparungen eingeplant werden dürfen. Über Farben vergeben wir jedem Bauteil einen gewissen Status, beispielsweise „freigegeben“ oder „in der Prüfung“. Das hat große Vorteile, wenn jemand aus dem Team krank ist und sich ein anderer einen Überblick über den Stand der Arbeiten verschaffen muss.

Macht BIM schönere Architektur?

Walter Muck: BIM ist ja nur ein Hilfsmittel, aber ein Tragwerk lässt sich tatsächlich besser visualisieren. Wie wirkt es denn, wenn der Unterzug da rausschaut, oder ist das wirklich so schön, wenn da keine Stütze ist? Darüber kann man sich mit dem Architekten viel besser und schneller abstimmen. Früher wurden Pläne mit der Post geschickt, heute per E-Mail oder man trifft sich zu einer Teamsitzung im Internet und schaut von verschiedenen Standorten aus gemeinsam auf das Modell. So lässt sich auch über Änderungen aus ästhetischen Gründen besser diskutieren.

Für Infrastrukturprojekte soll 2020 die Anwendung von BIM zur Pflicht werden. Ist das aus Ihrer Sicht zu schaffen?

Walter Muck: Der Weg ist richtig, aber das bis 2020 umzusetzen, ist schon sehr sportlich. In Deutschland ist BIM, anders als in Großbritannien oder in den Benelux-Ländern, kaum verbreitet. Viele deutsche Büros arbeiten mittlerweile in 3-D und sagen, es sei BIM. Es gibt aber noch große Unterschiede zwischen der Darstellung eines Tunnels in 3-D und der Modellierung mit BIM. Ich sehe für kleinere Büros gute Chancen, mit BIM ihre Wettbewerbsfähigkeit zu verbessern, denn zum einen spart man viel Zeit und zum anderen ist es ja ein gutes Hilfsmittel, um sich mit mehreren Büros zusammenzutun und gemeinsam an Projekten zu arbeiten.

Sie sagen selbst, dass Sie sich mit dem Ziel, Bauingenieur zu werden, einen Lebenstraum erfüllt haben. Was lieben Sie so an diesem Beruf?

Walter Muck: Ich mag die Vielfalt und die täglichen, neuen Herausforderungen. Kein Tag ist wie der andere. Natürlich gibt es auch bei uns


Das Dach der BMW-Welt in München: Die Werkstattplanung der Stahlkonstruktion stammt aus Muck’s Feder.

Foto: designerpoint/pixabay


Gruppenbild mit Chef: Walter Muck (Mitte) und sein Team.

Foto: Muckingenieure

Wiederholungen – Keller müssen geschalt, Wände müssen bewehrt werden. Und doch ist jedes Haus individuell und muss immer wieder neu erfunden werden. Wenn ich mit meiner Frau durch Eichstätt oder Ingolstadt fahre, wo wir viel mitgebaut haben, erinnere ich mich gern an die Besonderheiten eines jeden Bauwerkes. Das macht einen schon stolz, etwas entstehen zu sehen, was man selbst geplant hat.

Und was geht Ihnen auf die Nerven?

Walter Muck: Planungsänderungen.

Wirklich? Trotz BIM?

Walter Muck: Ja, selbst mit BIM bedeuten Änderungen Aufwand. Wir haben einmal mit einem Architekten zusammengearbeitet, der hat im hohen Alter angefangen, statt mit der Hand mit CAD zu zeichnen. Da er nicht mehr mit der Rasierklinge hantieren musste, meinte er nun, munter bis kurz vor der Betonage ändern zu können. Oder ich denke mit Schrecken an einen Bauträger zurück, der die Wohnungen nach dem Gusto der Käufer verkauft hat und noch während der Bauphase ständig die Wände, vor allem auch tragende Wände, verschob. Wenn Wände einfach mir nichts dir nichts versetzt werden, kann das riesige Konsequenzen für unser Tragwerk haben. Das willkürliche Ändern, das nervt schon. Manchmal fühle ich mich wie ein Schwamm: Auf der einen Seite der Bauherr und sein Architekt, wo noch kurz vor Ausführung geändert wird, auf der anderen Seite die Baufirma, die anfangen will. Und wir, die als Erste die Pläne liefern müssen, sitzen dazwischen. Der eine drückt von links, der andere von rechts und bei uns spritzt Blut … (lacht). Diesen Zustand kenne ich aber schon seit Beginn meines Berufslebens. Ich glaube, das ist das Los der Tragwerksplaner. Mit der modernen Technik wird der Termindruck, fürchte ich, sogar noch zunehmen, weil jeder meint, da geht doch schnell noch was. Ich habe oft große Mühe, das meinen Mitarbeitern zu vermitteln.

Welche Erinnerungen haben Sie an die Anfänge Ihres Berufslebens?

Walter Muck: Mir wurde schnell Verantwortung übertragen, darauf war ich stolz. Ich hatte ja nur zwei Jahre Erfahrung als Programmierer und durfte im Anschluss gleich ein Büro führen und Baustellen übernehmen. Allerdings wurde ich auch von Alpträumen heimgesucht …

Oh je, warum?

Walter Muck: Ich war einfach noch unsicher, weil mir die praktische Erfahrung fehlte. Ich habe einmal in meinem Heimatort eine Stahlhalle gebaut und war zu Besuch bei meiner Schwester. Als ich aus dem Auto ausstieg, vernahm ich plötzlich einen riesigen, dumpfen Schlag, und da dachte ich: Jetzt ist deine Halle eingefallen. Ich bin sofort zur Baustelle gefahren, da stand natürlich noch alles so da, wie es war. Oder als ich zum ersten Mal eine Decke nach der FEM-Methode berechnet habe, träumte ich, dass diese Decke wie nasse Waschlappen herunterhing. So wie eben ein FEM-Programm die Durchbiegung der Decke überhöht darstellen kann. Auch da war ich dann am nächsten Tag gleich auf der Baustelle und habe nachgeschaut, ob alles noch hält. Heute lächelt man darüber. Wo ich früher eine Garage noch ganz genau gezeichnet und berechnet habe und trotzdem nachts nicht schlafen konnte, sage ich heute einfach: Decke 20 Zentimeter dick, 5 Durchmesser 14 im Unterzug.

Welchen Tipp geben Sie jungen Tragwerksplanern für den Berufseinstieg?

Walter Muck: Die jungen Ingenieure wachsen ja bereits mit PC-Programmen und Internet auf und sind bei der Anwendung der Programme im Allgemeinen sehr stark. Nur beim Beurteilen der Ergebnisse haben sie am Anfang ihre Probleme. Die Herausforderung besteht darin, das Bauchgefühl zu trainieren und sich zu fragen: Kann das Ergebnis des Computers stimmen? Habe ich die richtigen Eingaben gemacht? Man muss lernen, die Technik sinnvoll einzusetzen und dabei den Kopf einzuschalten. Aber keine Sorge: Das ist alles nur eine Frage der Erfahrung.

Sicher planen: Was Berufseinsteiger wissen müssen

Sicher planen: Was Berufseinsteiger wissen müssen

von Rechtsanwalt Sascha Ludwig, AIA AG – Versicherungsspezialist für Architekten und Ingenieure

Als Hochschulabsolvent und Berufsanfänger macht man sich in der Regel noch keine großen Gedanken darüber, was im Beruf schieflaufen kann. Im Berufsleben angekommen, verlässt man sich dann oft einfach auf die Berufshaftpflichtversicherung. Es gibt jedoch zahlreiche Konstellationen, in denen der Architekt bzw. Ingenieur für eigene Fehler haftet, aber auch für die Fehler anderer mithaftet. Einige davon werden im Folgenden beispielhaft besprochen.

In der Baubranche kann viel schiefgehen. Architekten und Ingenieure müssen dafür gerade stehen.

Foto: lutz6078/pixabay.com

Planungsfehler 

Besteht der Auftrag des Architekten bzw. Ingenieurs in der Erstellung einer Planung, so ist dieser verantwortlich für die Richtigkeit der Pläne. Sind die Pläne dagegen unvollständig oder falsch, sei es durch eine bloße Unachtsamkeit oder Außerachtlassen der Vorgaben des Bauherrn, können aus dieser falschen Planung bei der Realisierung des Bauvorhabens Schäden auftreten. Denkbar sind beispielsweise Fälle, in denen Dachfenster aufgrund einer falschen Maßangabe nicht den Anforderungen an einen Fluchtweg genügen oder in denen z.B. Fensterrahmen in einem Farbton geplant werden, der zwar baurechtlich nicht zu beanstanden ist, jedoch dem Farbwunsch des Bauherrn nicht entspricht. In solchen Fällen haftet der Planersteller für den Schaden und muss dem Bauherrn diesen ersetzen. Im Fall der falschen Farbwahl kann der Schaden deutlich höher sein als auf den ersten Blick gedacht. Nimmt man als Beispiel ein Mehrfamilienhaus, in dem sämtliche Fenster ausgetauscht werden müssen, kann schnell ein sechsstelliger Betrag als Schaden herauskommen.

Eine Haftung kann auch für einen fehlerhaften Plan bestehen, den zwar ein anderer erstellt hat, der Architekt bzw. Ingenieur diesen allerdings zur weiteren Grundlage der eigenen Planung macht. In dem Fall ist der Architekt verpflichtet, den Ursprungsplan zumindest grob zu prüfen, und darf jedenfalls offensichtliche Fehler nicht einfach so in die eigene Planung übernehmen.

TIPP: Auch fremde Pläne sollten also immer sorgfältig überprüft werden.

Bauleitungsfehler 

Ist der Architekt mit der Objektüberwachung beauftragt, haftet er bei Bauausführungsfehlern als Bauleiter in der Regel gesamtschuldnerisch mit den ausführenden Unternehmern. Dichtet der Dachdecker das Dach nicht nach den anerkannten Regeln der Technik ab und kommt es dadurch zu einem Feuchteschaden, ist natürlich zunächst einmal der Dachdecker für den Schaden verantwortlich, schließlich hat dieser seine Arbeit nicht ordnungsgemäß ausgeführt. Der bauleitende Architekt hat jedoch die Aufgabe, die Arbeiten der jeweiligen Unternehmer zu überwachen, und gegenüber dem Bauherrn die Verantwortung für das mängelfreie Entstehen des Bauvorhabens. Dies stellt im konkreten Fall den Dachdecker zwar nicht von der Pflicht frei, ordnungsgemäß zu arbeiten, jedoch wird davon ausgegangen, dass der Architekt den Fehler hätte bemerken müssen und mit entsprechendem Hinweis den später entstehenden Feuchteschaden hätte verhindern können. Daher trifft den Architekten eine Mitschuld und löst eine sogenannte gesamtschuldnerische Haftung aus.

TIPP: Es sollte darüber nachgedacht werden, ob Aufträge, die nur die Bauleitung umfassen, angenommen werden. Vergütet wird in dem Fall vom Bauherrn nur die Leistungsphase 8, die Objektüberwachung. Die Haftung erstreckt sich unter Umständen aber auf alle Leistungsphasen.

Gesamtschuldnerische Haftung

Gesamtschuldnerische Haftung bedeutet, dass für einen Schaden mehrere Personen gemeinsam haften. Im obigen Beispiel mit dem Feuchteschaden haften der Unternehmer und der Architekt. Die rechtliche Besonderheit ist, dass der Gläubiger, also derjenige, der Schadensersatz verlangt, sich aussuchen kann, von welchem Gesamtschuldner er den Schadensersatz haben möchte. Der Bauherr kann den Feuchteschaden also entweder nur gegenüber dem Dachdecker, nur gegenüber dem Architekten oder gegenüber beiden geltend machen.

Wählt er nur einen der beiden Gesamtschuldner, kann er von diesem unabhängig davon, wer von beiden eine größere Schuld an dem Schaden trägt, die gesamte Schadensumme verlangen. Zwar hat der in Anspruch genommene Gesamtschuldner die Möglichkeit, seinerseits vom anderen Gesamtschuldner Schadensersatz zu verlangen, ist dieser aber zum Beispiel insolvent, bleibt er allein auf dem Schaden sitzen.

Da hinter einem Architekten oder Ingenieur in der Regel eine Versicherung steht, wird dieser als Gesamtschuldner in eigentlich allen Fällen, in denen der Bauherr die Möglichkeit hat, neben dem ausführenden Unternehmer in Anspruch genommen.

Haftung für Andere

Beauftragt der Architekt oder Ingenieur für einen Teil seiner Leistungen einen Subunternehmer, so ist zunächst zu prüfen, ob dies die Vertragsbeziehung zwischen Bauherr und Architekt überhaupt erlaubt. Ist diese Konstellation nicht vertraglich ausgeschlossen, muss sich der Architekt im Klaren darüber sein, dass er auch für Fehler des Subunternehmers haftet. In einem Fall aus der Praxis hat der Architekt die Rechnungsprüfung an einen Subunternehmer ausgelagert. Dieser hat in betrügerischer Absicht zu hohe Rechnungen freigegeben. Da es sich um ein großes Projekt handelte, war der Schaden entsprechend hoch, es stehen ca. 800.000 EUR im Raum. Der Subunternehmer hat mittlerweile Insolvenz angemeldet. Es bleibt nur der Architekt übrig, weil der Bauherr den Subunternehmer mangels Vertrag gar nicht direkt in Anspruch nehmen könnte und der Architekt mangels Liquidität den Schaden nicht vom Subunternehmer ersetzt bekommen wird.

Haftungssummen

Solche Schäden können für den Architekten existenzbedrohend sein. Denn zu beachten ist stets: Eine Versicherung deckt nur bestimmte Haftungssummen ab. Oft sind nur die geforderten Mindestsummen versichert. Diese sind von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich und hängen darüber hinaus von der gewählten Gesellschaftsform (z.B. Einzelarchitekt oder Partnerschaftsgesellschaft) ab. Bei Einzelarchitekten liegen die Deckungssummen z.B. in Nordrhein-Westfalen für Sachschäden bei 250.000 EUR pro Jahr, für Personenschäden bei 1,5 Mio. EUR pro Jahr. In Bayern dagegen betragen die Deckungssummen für Sachschäden lediglich 200.000 EUR pro Jahr.

In obigem Beispiel hat der Architekt mit Mindesthaftungssumme ein Problem: Selbst wenn die Versicherung eintritt, wird diese, sofern der Architekt aus Nordrhein-Westfalen stammt, lediglich 250.000 EUR bezahlen. Die restlichen 550.000 EUR muss der Architekt aus eigener Tasche zahlen.

Sofern Zweifel an der Forderung des Bauherrn bestehen, genießt der Architekt jedoch in jedem Fall Abwehrschutz durch den Versicherer. Das bedeutet, die Anwalts- und Prozesskosten werden vom Versicherer getragen, so dass der Architekt sich nicht selbst um seine Verteidigung kümmern muss.

Es ist also wichtig, sich mit dem Risiko der übernommenen Projekte auseinanderzusetzen. Hierbei unterstützt der entsprechende Versicherungspartner. Für Berufsanfänger reichen die Mindestdeckungssummen in den allermeisten Fällen aus. Einige Versicherungspartner, wie z.B. die AIA AG, bieten Berufsanfängern hohe Rabatte für den Einstieg an.

RA Sascha Ludwig

Foto: AIA AG

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LIEBER DEN EXPERTEN FRAGEN

Auch wenn der Architekt gegenüber dem Bauherrn auch rechtlich beraten darf, sollte im Zweifelsfall lieber einmal mehr als einmal weniger auf die Beratung eines Rechtsanwaltes hingewirkt werden. Ein rechtliches Grundwissen ist jedoch stets von Vorteil. Hierfür werden Seminare und Fortbildungsveranstaltungen angeboten, die auf die Bedürfnisse von Architekten bzw. Ingenieuren zugeschnitten sind.

Als Selbständiger oder Freiberufler kommt man um Verträge nicht herum. Zu Beginn eines jeden Auftrages mit dem Bauherrn wird ein Architekten- oder Ingenieurvertrag geschlossen. Dabei kann und sollte – sofern auf anwaltliche Beratung verzichtet wird – auf Musterverträge aus geeigneten Quellen zurückgegriffen werden, die an den aktuellen Stand der Rechtsprechung angepasst sind. Wird ein Vertrag vom Bauherrn vorgelegt, kann dieser auf versicherungsrechtliche und haftungsrechtliche Probleme überprüft werden. Solch eine Prüfung ist wichtig, damit keine Vereinbarungen getroffen werden, die den Versicherungsschutz gefährden.

Services wie Musterverträge, Vertragsprüfungen oder Seminarveranstaltungen werden von verschiedenen Experten, wie z.B. der AIA AG (www.aia.de), zur Verfügung gestellt. Gerade in der Anfangszeit sind diese für Ihre berufliche Zukunft essentiell.

Fazit

Nach alledem können aus unserer Erfahrung viele Fehler schon durch sorgfältige Vorbereitung und Sensibilisierung im Vorfeld verhindert werden. Der Versicherungspartner unterstützt den Kunden dabei von Beginn an. Einem erfolgreichen und schadenfreien Berufsstart steht damit nichts im Wege.

Website selber machen mit WordPress

Website selber machen mit WordPress

von Günther A. Biebl

Jedes Geschäft, jedes Büro braucht seine eigene Website. Als Berufseinsteiger können Sie punkten, wenn Sie das Büro bei der Pflege bzw. Einrichtung der Seite unterstützen können. Unser Autor beschreibt das System WordPress, mit dem sich relativ kostengünstig der Webauftritt professionell realisieren lässt.

Präsenz im Netz mit einer eigenen Homepage ist vor allem für Existenzgründer wichtig.

Foto: kreatikar/pixabay.com

Damit die Suchmaschine von einem Notiz nimmt, muss der eigene Firmenname irgendwo im Web auftauchen. Ohne eigene Webpräsenz werden bei der Suche sonst entweder ein Namensvetter oder veraltete Einträge aus Verzeichnissen und Veröffentlichungen an die Oberfläche gespült. Verlässt man sich nur auf soziale Netzwerke, unterwirft man sich vollständig deren Vorgaben und Regeln.

Mit einer eigenen Website kann man im Rahmen der Gesetze seine Geschäftstätigkeit nach Lust und Laune präsentieren. Durch die Veröffentlichung von beliebig vielen Seiten und Bildern sind Sie in der Lage, die eigene Botschaft ins rechte Licht zu rücken. Letztlich geht es darum, beim potenziellen Auftraggeber oder Geschäftspartner einen professionellen Eindruck zu vermitteln.

Da sich im Geschäftsleben immer etwas ändert, ist es hilfreich, ein System zu benutzen, das Sie selbst aktuell halten können. So können Sie einfach Ihre Webseite selbst um neue Projekte, Referenzen, Themen und Netzwerkpartner erweitern. Weiterer Vorteil: Google erkennt, dass die Seite laufend gepflegt wird und honoriert das mit besserem Ranking.

WordPress – was ist das?

Bei WordPress handelt es sich um ein Content Management System (CMS). Inhalte – Texte, Bilder, Videos – werden hier unabhängig vom Look der Seite gepflegt und aktualisiert. Als Open Source System hat es eine große Nutzer- und Entwicklerbasis, die zu allen relevanten Themen Funktionen und Features beisteuern. Da der Programmcode offen zugänglich ist, können jederzeit eigene Erweiterungen ergänzt oder von unabhängigen Dritten beauftragt werden. Trotz dieser großen Community ist das System sehr stabil und zuverlässig. Sollten dennoch Fehler bekannt werden, spielt das System die wichtigsten Updates selbst ein.

Was braucht man für WordPress?

Mit WordPress benötigen Sie einen Hosting-Provider, bei dem Sie die Software installieren können. Sie läuft vollständig im Web, und Sie benötigen nach der Installation nur noch einen Browser zur Bedienung. Es genügen meist schon die kleinen Pakete für um die 5 Euro/Monat. Ein paar Mailadressen und 1-3 Webadressen (Domains) sind dabei häufig schon enthalten. Sie sind nicht für immer an den Anbieter gebunden: Finden Sie einen besseren, können Sie eine Kopie der Webseite machen und anderswo installieren.

WordPress selbst ist relativ genügsam: Es benötigt etwas Speicherplatz und eine Datenbank. Vor der Installation sollte Ihre Domain schon freigeschaltet sein. Das geht bei .de-Domains recht flott, kann sonst aber schon mal ein paar Tage dauern. Ist die Domain dann aktiv – meist erkennt man das daran, dass auf der Domain jetzt eine Baustellenseite des gewählten Providers angezeigt wird –, kann die Installation beginnen. Die Software zum Download und alle Infos dazu gibt es hier:
https://de.Wordpress.org/ (Wichtig: Nicht bei https://de.wordpress.com/ – das ist ein Webservice mit dem gleichen Namen, davon spreche ich im Folgenden nicht). Aber meistens muss man den dort beschriebenen Weg gar nicht gehen, sondern der Provider bietet eine Funktion zur geführten Installation an. Meist findet man das nach Vertragsabschluss im Loginbereich unter „Software-Installation“ oder „Web-Apps“ oder Ähnlichem. Hier einfach WordPress anklicken, die Domain auswählen und die Maschine arbeiten lassen. Danach kann man sich in der Verwaltung (= Backend) seines WordPress anmelden, indem man seine Adresse um „/wp-admin“ verlängert im Adressfeld des Browsers einträgt. (Wichtig: nicht in der Google-Suche, die Suchmaschinen wissen zu dem Zeitpunkt noch nichts von der Existenz der Seite.)

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Wie wird WordPress konfiguriert?

Grundsätzlich gibt es vom einfachen Blog zum voll ausgewachsenen Shop alle Möglichkeiten, WordPress auszubauen. Im Folgenden gehe ich auf grundsätzliche Überlegungen für kleine Büros und Gewerbe ein.

Wie soll das Kind nun heißen?

Unter dem Menüpunkt Einstellungen / Allgemein im Backend wird der Name der Seite – also des Geschäfts – eingestellt. Es gibt eine Unterzeile für einen Slogan oder Ähnliches. Was davon wie angezeigt wird, entscheidet später die Designvorlage (= Theme).

wordpress_Einstellungen_Titel

Blog oder kein Blog?

Da WordPress seine Wurzeln in der Bloggerszene hat, haben wir jetzt bereits ein Blog voreingestellt. Das Blog wird den Titel und den Texteinstieg des neuesten Artikels oben anzeigen und die älteren Artikel-Anfänge werden jeweils darunter chronologisch sortiert. Auch die Kommentarfunktion ist bereits eingeschaltet und ein Testkommentar hinterlegt. Dieses Verhalten können wir ändern. Arbeiten wir ohne Blog, dann wird einfach eine neue Startseite (z. B. Home) erstellt. Wie das geht, erkläre ich im nächsten Abschnitt. Diese Seite wird dann im Backend unter dem Menüpunkt Einstellungen / Lesen als „Homepage“ eingestellt, wie im Bild gezeigt.

wordpress_Einstellungen_Lesen

Damit die Seite auch in dieser Auswahl erscheint, muss sie vorher bereits veröffentlicht worden sein. Ein „Speichern“ alleine genügt nicht. Ist das erfolgt, haben wir zunächst kein Blog mehr und die Startseite zeigt die Seite „Home“.

Soll es doch ein Blog geben, das über einen eigenen Menüpunkt angezeigt wird, geht das wie folgt: Man legt eine weitere Seite an – im Beispiel eine Seite mit dem Titel „Blog“ – und veröffentlicht diese ohne weiteren Inhalt. Jetzt kann man im Menü „Einstellungen“ / „Lesen“ unter Beitragsname die Seite auswählen und WordPress wird seine Artikel künftig dort anzeigen. Wir können dann diese Seite später im Menüeditor an den richtigen Platz setzen (siehe weiter unten). Um die Einstellungen zu speichern, scrollen Sie auf der Seite nach unten und klicken Sie „Änderungen speichern“.

Quasselstrippe

Im Menüpunkt Einstellungen / Diskussion legen wir fest, ob kommentiert werden darf und, wenn ja, zu welchen Regeln. Diese Einstellungen gelten in erster Linie für das Blog. Gibt es keines, ist es nicht relevant. Zum Deaktivieren der Kommentarfunktion bei neuen Artikeln die ersten drei Haken rausnehmen.

wordpress_Einstellugnen_Diskussion1

Sind Kommentare gewünscht, die Haken drin lassen und die für die Detailkonfiguration weiter nach unten scrollen. Wichtig ist noch dieser Absatz: Bei dieser Konfiguration ist sichergestellt, dass wir informiert werden, wenn ein Kommentar geschrieben wurde, und dass der Kommentar vorher gelesen werden kann, bevor wir ihn freischalten.

Theme

Das Theme, auch Template genannt, definiert das Aussehen Ihrer Webseite. Wenn Sie frisch installieren, werden 2-3 Standard-Designs von WordPress mitgeliefert. Diesen Look können Sie anpassen (Customizer, nächster Abschnitt) oder komplett austauschen. Die erste Ansicht, die Sie sehen, ist der Vorrat an bereits in Ihrem WordPress installierten Themes. Wenn Sie ein Vorschaubild mit der Maus berühren, erscheint ein Knopf „Aktivieren“, mit dem Sie auf dieses Theme umschalten können. Das Aussehen der Webseite ändert sich sofort.

worpress_Themes

Wollen Sie zusätzliche Themes installieren, klicken Sie auf den Knopf „Hinzufügen“ auf dieser Seite oben. Hier finden Sie zusätzliche kostenlose Designs und eine Suchfunktion. Bei der Auswahl ist es vor allem wichtig, dass Sie sich Folgendes klarmachen:

  • Struktur der Seite (Abstände, Navigation, Spalten, Bildergrößen)
  • Funktionen, die benötigt werden: Feld für Logo, Slider (= Bilder mit oder ohne Beschriftung, die durchwechseln), Shop
  • Titelseite als Blog oder als normale Seite (manche Themes sehen nur dann so schick aus wie in der Vorschau, wenn auch gebloggt wird = Blogger-Theme im Gegensatz zu einem Business-Theme)

Kostenlose Themes gibt es häufig ohne weitere Veränderungsmöglichkeit der Schriftarten oder Hintergrundfarben. Auch ist meist ganz unten auf der Seite ein Verweis auf den Hersteller vorhanden, der nicht (so leicht) entfernt werden kann.

Kostenpflichtige Themes

Diese Themes werden nicht im WordPress selber angezeigt. Dafür können Sie im Web nach geeigneten Themes suchen. Vor dem Kauf gibt es meist eine Preview-Möglichkeit. Sie könnten also sehen, wie das Theme aussieht, wenn es optimal eingestellt ist. Für den Preis gibt es häufig auch zeitlich begrenzten Support und Aktualisierungen.

Eine Google-Suche, z.B. nach „wordpress theme architecture“, fördert einige Listen mit Themes zutage. Ist auf diese Weise ein Theme gefunden, wird es vom Hersteller als .zip-Datei ausgeliefert. Diese .zip wird dann über den Knopf „Theme hochladen“ auf der Seite „Themes hinzufügen“ in das WordPress integriert. Das Hochladen dauert einen Moment – je nach Größe der Datei. Nach der Installation kann es wieder über den Knopf „Aktivieren“ als aktuelle Vorlage eingestellt werden. Hinweis: Sind die Themes besonders „fancy“, so ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass die Bedienung auch kompliziert werden kann. Sind Sie eher der Lego-Typ „Block für Block“, dann ist vielleicht ein „Pagebuilder-Theme“ etwas für Sie. Ganze Arbeit leistet z.B. „Divi-Builder“ von elegantthemes.com.

wordpress_themes hinzufuegen

Customizer – Theme-Einstellungen mit Preview-Funktion

Wenn Sie Änderungen am Layout vornehmen möchten, nutzen Sie den Customizer, den Sie über das Menü Design erreichen. Sobald aktiviert, schaltet sich Ihre Ansicht um und Sie sehen die Frontseite Ihrer Webseite im aktuellen Look. Links stehen jetzt die Einstelloptionen des Themes und ein paar WordPress-Standards wie der Menüeditor, den wir uns noch separat anschauen. Sind Sie zufrieden mit den Einstellungen, dann klicken Sie oben auf „Veröffentlichen“ und das neu konfigurierte Design ist für die Besucher sichtbar. Haben Sie sich „verkonfiguriert“? Kein Problem: Über das „X“ oben links werden die noch nicht gespeicherten Änderungen verworfen. Um eine häufige Frage vorwegzunehmen: Gibt es hier keine „Einstellungen“ zu „Fonts / Schriften“, können Sie die Schriften nicht weiter anpassen. Wenn das aber der einzige Makel des Themes ist: WordPress-Experten können das für Sie per Code oder Erweiterung meist recht einfach anpassen.

Wo kann ich das noch mal …?

Fehlen Ihnen nach der Arbeit im Customizer noch Einstellmöglichkeiten, die aber in der Preview des Herstellers vorhanden waren? Überprüfen Sie doch mal Folgendes:

  • Hat das Theme weitere Menüpunkte im Backend eingefügt? Der Name des Themes oder der Herstellername als Menüpunkt wären ein Anhaltspunkt
  • Fehlen Plugins? Wenn Sie in den Menüpunkt „Plugins“ schauen, kann es sein, dass es oben einen Hinweis auf vom Theme empfohlene Plugins gibt. Diese bitte installieren. Danach könnten weitere Menüpunkte zur Konfiguration erscheinen.
  • Seiten-Design-Vorlage: Wenn Sie unter „Seiten“ eine einzelne Seite aufrufen: Gibt es rechts neben dem Texteingabefeld im Feld „Seiten-Attribute“ noch eine neue Liste mit Seitenvorlagen? Vielleicht eine für die besondere Startseite?
  • Ergänzen Sie die Seiten und Beiträge doch mal um „Beitragsbilder“. Die Funktion finden Sie rechts unterhalb des Texteingabefeldes.
  • Manche Hersteller liefern auch Demo-Inhalte mit. Wenn Sie diese importieren, müssen Sie nicht bei null anfangen.

  • Ein paar Seiten und Blogbeiträge anzulegen, ist generell eine gute Idee. Wie das geht, beschreibe ich im nächsten Abschnitt.
  • Notfalls hilft das Studium der Anleitung oder der Support. Gibt es evtl. sogar Videos, die Ihre Frage beantworten?

Hilft alles nichts, ist das Theme vielleicht ungeeignet und Sie probieren ein anderes aus. Eine kleine, feine Auswahl finden Sie auch hier: https://themememe.com/themes/category/business. Oder hier: https://www.elmastudio.de.

Inhalte erstellen: Seiten und Beiträge

WordPress unterscheidet zwei Arten von Inhalten. Im Businessbereich ist meist die „Seite“ der Standard. Hier können Sie über Ihr Geschäft sprechen, Ihre Referenzen teilen und ein Kontaktformular anbieten. Auch das Impressum und die Datenschutzerklärung sind im Normalfall „Seiten“.

Im Gegensatz dazu sind „Beiträge“ typischerweise Informationen mit einem Nachrichtengehalt oder aktuellen Bezug: Sie berichten von der Messe, erzählen Branchennews und begleiten Entwicklungen. Also alles, was in einem Blog oder Newsbereich vorstellbar ist. Als Besonderheit haben die Beiträge zusätzlich eine Übersichtsseite, die die letzten Blogbeiträge chronologisch auflistet und mit Titel und Texteinstieg zum Lesen des Blogbeitrags einlädt. Die Übersichtsseite ist entweder auf der Startseite oder über die Seite „Blog“ im Menü erreichbar – je nach Konfiguration. Blogseiten erkennen Sie auch daran, dass unter der Überschrift häufig noch der Autor, das Datum und ggf. noch Kategorien und Schlagworte stehen.

Seite erstellen

Über den Menüpunkt „Seiten“ bekommen Sie eine Übersicht über alle bereits bestehenden Seiten. Standardmäßig ist hier die „Beispiel-Seite“ enthalten.

wordpress_Seiten_erstellen

Berühren Sie einen Listeneintrag mit der Maus, so erscheinen die Optionen zum Bearbeiten, Anschauen oder Löschen. Der Zusatz „Entwurf“ heißt hier, dass diese Seite zwar gespeichert, aber noch nicht veröffentlicht ist. Oben auf der Seite finden wir auch einen Knopf zum Erstellen neuer Seiten. „Erstellen“ oder „Bearbeiten“ bringt uns in den Seiten-Editor.

Hier wird zunächst der Titel der Seite – also die Text-Überschrift – eingegeben. Danach wechselt man in das große Feld, um den Text einzugeben. Die Menüpunkte erklären sich, wenn Sie mit der Maus darüberfahren, weitgehend von selbst – einfach ausprobieren. Vielleicht aber so viel:

  • Der Knopf „Medien hinzufügen“ fügt an die Stelle, an der die Schreibmarke (Cursor) im Text steht, eine Datei ein. Nativ kann WordPress mit Bildern in den Formaten .gif, .jpg und .png umgehen, darüber hinaus mit m3-Audio oder mp4-Video. Denken Sie hier daran, dass große Bilddateien auch lange Ladezeiten für die User nach sich ziehen.
  • Die Reiter „Visuell / Text“ schalten zwischen der optischen Darstellung des Textes und der zugehörigen HTML-Programmierung hin und her.
  • Mit der Taste „Enter“ fügen Sie einen Absatz in den Text ein.
  • Wollen Sie eine Zwischenüberschrift korrekt formatieren, setzen Sie sie auf einen separaten Absatz und markieren Sie sie mit dem Cursor. Wenn Sie jetzt im ersten Feld „Absatz“ anklicken, erhalten sie eine Auswahl von Überschriftarten, die hierarchisch aufgebaut sind.
  • Am Ende der Leiste finden Sie den Knopf „Werkzeugleiste umschalten“. Nach Betätigen werden weitere Schaltflächen darunter freigeschaltet.
  • Dort in der zweiten Zeile finden Sie „Als Text einfügen“: Wenn Sie Texte aus einer Textverarbeitung kopieren, kommen meist zusätzliche Formatierungsinformationen mit, mit denen aber der Browser nichts anfangen kann. Nach Aktivierung der Taste wird nur noch der Text übernommen.

Speichern, Vorschau, Veröffentlichen

Rechts neben dem Text finden Sie einen Kasten „Veröffentlichen“. Ist die Seite neu angelegt worden, gibt es drei Knöpfe: „Speichern“, „Vorschau“ und „Veröffentlichen“. Oben steht außerdem der „Status: Entwurf“. Solange Sie nicht auf „Veröffentlichen“ klicken, ist die Seite von außen noch nicht sichtbar. Trotzdem können Sie den Entwurf über diese Buttons speichern oder eine Vorschau betrachten.

Ist die Seite dann veröffentlicht, ändern sich die Buttons. Jetzt haben Sie nur noch die Knöpfe „Vorschau der Änderungen“ und „Aktualisieren“. Über Letzteren werden die Änderungen für die Besucher der Seite sichtbar gemacht und gleichzeitig die Seite gespeichert.

wordpress_Seite_bearbeiten

Zusatzfunktionen für den Beitragseditor

Der Menüpunkt „Beiträge“ ist ganz ähnlich aufgebaut. Im Editor gibt es aber rechts unten, neben dem Texteingabefeld, zusätzliche Möglichkeiten der Sortierung: Schlagwörter und Kategorien. Damit können Sie ihre Blogbeiträge genauer sortieren und der Leser findet einfacher seine relevanten Artikel. Hier wird jetzt der „Weiterlesen-Tag“ aus der Menüleiste über dem Textfeld relevant. Sie finden ihn in der ersten Zeile fast ganz rechts – genau vor der Umschalttaste für die zweite Menüleiste. Mit diesem Knopf legen Sie fest, welcher Teil des Textes in der Blog-Übersichtsseite und welcher Teil erst, nachdem der User auf „Weiterlesen“ geklickt hat, angezeigt wird. Den Effekt sehen Sie natürlich nur auf der Blog-Übersichtsseite. Also auf der Startseite oder auf der Seite „Blog“ – je nach Konfiguration. Wenn Sie schon im Artikel sind, hat es ja auch keinen Sinn. Am einfachsten machen Sie einen Absatz, setzten den Cursor dort hin und klicken den Knopf an. Fertig.

Umschaltung zur Webseite (= Frontend)

Wenn Ihre Seite langsam wächst, können Sie das Ergebnis aus Sicht des späteren Benutzers einmal ausprobieren, indem Sie auf das Frontend umschalten. Dazu haben Sie oben links ein Symbol in Form eines Hauses. Ein Klick befördert Sie auf die Startseite Ihrer Webseite. Dabei müssen Sie sich den oberen schwarzen Balken wegdenken – der ist nur für Sie sichtbar. Ein Klick an dieselbe Stelle – jetzt ist hier ein kleiner Tacho – bringt Sie wieder zurück in das Backend (= die Verwaltungsebene). Das Aufklappende können Sie dabei getrost ignorieren.

Günther A. Biebl

Foto: Sandra Birkner Photography

Über den Autor

Günther A. Biebl ist mit über 15 Jahren Branchenerfahrung ein echter Spezialist für die Übersetzungarbeit zwischen intelligenten Webtools und ihrer einfachen Anwendung. Er macht seine Kunden fit für die selbständige Erstellung, Verwaltung und Optimierung individueller WordPress-Webseiten.

Mehr zu Beratung und Seminarangeboten: https://collaborato.de.

Menü anlegen

Wenn Sie jetzt festgestellt haben, dass das Menü noch nicht dem entspricht, das sie haben wollen, gehen Sie wie folgt vor:

• Stellen Sie sicher, dass die Seiten, die das Menü bilden sollen, veröffentlicht sind. Sonst gehen Sie zum Editor der Seite und klicken Sie auf „Veröffentlichen“. Klicken Sie dazu auf den Menüpunkt „Seiten“: Steht hier noch an den relevanten Dokumenten „Entwurf“? Falls ja, veröffentlichen Sie wie oben beschrieben.

• Navigieren Sie zum Menü „Design“ / „Menüs“. Dort erstellen Sie ein neues Menü, falls noch nicht vorhanden: das Feld bei „Name des Menüs“ ausfüllen und „Menü erstellen“ klicken.

• Jetzt machen Sie Häkchen auf der linken Seite und wählen Sie diejenigen Seiten aus, die im Menü erscheinen sollen. Fehlt eine Seite, gibt es den Punkt „Alle anzeigen“ oder „Suchen“ direkt darüber. Danach bitte unter der Auswahlbox „Zum Menü hinzufügen“ klicken.

• Jetzt sortieren Sie auf der rechten Seite die neu erschienenen Menüpunkte. Wenn Sie einen Menüpunkt nach rechts ziehen, wird er eingerückt und ist fortan ein Untermenüpunkt. Weitere Optionen sowie Löschen des Menüpunktes erreichen Sie über den Dreieck-Pfeil auf der rechten Seite des jeweiligen Menüpunktes. Jetzt zwischenspeichern über den „Menü speichern“-Knopf.

• Zum Schluss muss das Theme noch erfahren, was es mit dem Menü anfangen soll. Dazu blendet das jeweilige Theme auf dieser Seite unterhalb des eben erstellten Menüs in den „Menü-Einstellungen“ die „Position im Theme“ ein. Wählen Sie hier den Punkt, der nach Hauptmenü klingt. Bitte nur je ein Menü mit einer Menüposition belegen. Wenn Sie das Theme später noch mal wechseln, kann es gut sein, dass Sie diesen letzten Punkt wiederholen müssen. Jetzt sollten Sie wieder speichern – fertig.

Widgets

Hier handelt es sich um kleine Module, für die das Template verschiedene Darstellungsbereiche vorgesehen hat. Klassisch sind hier die rechte Seitenleiste (= Sidebar) oder der Fußbereich (= Footer). Es gibt eine Reihe von fest vorgegebenen Widgets und andere können als Plugin nachgerüstet werden. Die Klassiker sind die Suchfunktion, ein Bereich über die letzten Artikel, letzte Kommentare, zusätzliches Menü als Verlinkung, ein Bild oder einen HTML-Code für eine Newsletter-Anmeldung von einem separaten Dienstleister.

Den Bereich erreichen Sie über den Menüpunkt „Design“ / „Widgets“. Links sehen Sie die vorhandenen, möglichen Widgets und rechts die vom Template vorgegebenen Widget-Bereiche. Sollte sich in der Seitenleiste noch das Widget „Meta“ befinden, können Sie dieses jetzt löschen. Das dient dem WordPress-Neuling zur Orientierung und hat keine Bedeutung für die späteren Besucher. An die Löschfunktion kommen Sie, wenn Sie bei dem Widget den Dreieckspfeil auf der rechten Seite anklicken. Dort finden Sie auch zusätzliche Einstellmöglichkeiten.

Plugins

Plugins sind Funktionserweiterungen. Also etwas, das Ihnen noch am WordPress und dem aktuellen Theme fehlt, kann hier nachgerüstet werden. Es gibt hier tausende von Erweiterungen, alle von verschiedenen Autoren geschrieben. Je mehr Plugins, desto langsamer wird allerdings die Seite und desto mehr Updates müssen gemacht werden. Mehr zum Update im letzten Abschnitt.

Plugins werden wieder in zwei Stufen im System integriert. Über „Plugins“ / „Installierte Plugins“ finden Sie die bereits vorhandenen Erweiterungen. Daran, ob ein blauer Balken vorangestellt ist oder nicht, erkennen Sie, ob das Plugin aktiviert ist oder nur installiert, aber nicht aktiv. Nur die Funktionen von aktivierten Plugins können Sie nutzen.

Über den Button oben kommen Sie auf die Seite „Plugins hinzufügen“. Jetzt können Sie nach neuen Plugins suchen, diese installieren und aktivieren. Achten Sie dabei auf die Bewertungen unter der Beschreibung. Ein 2 Jahre altes Plugin sollten Sie nicht mehr verwenden und ein Plugin, das schlecht bewertet ist, auch nicht.

wordpress_Plugins

Folgende Plugins sind vielleicht interessant für Sie:

  • BackWPup von Inpsyde GmbH: Sicherheitskopie Ihrer Seite anlegen
  • Shariff Wrapper: Social Media Sharing-Buttons mit Datenschutz
  • Yoast SEO: Unterstützt Sie bei der SEO-Optimierung Ihrer Seite

 

Updates

Die WordPress Community ist sehr aktiv. Der Vorteil ist, dass auf Veränderung oder erkannte Sicherheitslücken schnell reagiert wird. Das führt auch schon zum Nachteil: Es gibt reichlich Updates von WordPress selbst, den installierten Themes und Plugins. Selbst nicht aktive Plugins und Themes werden aktualisiert. Es macht also Sinn, diese zu löschen, sollten sie wirklich nicht mehr benötigt werden.

Die Updates erreichen Sie über „Dashboard“ / „Aktualisierungen“. Hier finden Sie schon eine Zahl in einem roten Kreis, sollte hier etwas zu tun sein.

Es gibt vier Gruppen von Aktualisierungen: WordPress selbst, Plugins, Themes und Übersetzungen. Das Vorgehen ist recht trivial: Haken setzen und z.B. „Plugins aktualisieren“ drücken. Meine Empfehlung: Die Aktualisierungen regelmäßig machen, spätestens alle 2-3 Monate. Im Idealfall haben Sie vorher ein Backup gemacht – oder wissen zumindest, dass Ihr Webhoster das für Sie gemacht hat. Danach können Sie die Updates durchführen. Sind es sehr viele, hat es sich bewährt, nicht alles auf einmal, sondern besser in Etappen upzudaten. Der Vorteil ist: Im Fehlerfall wissen Sie noch, welche Module der Auslöser für den Fehler waren.

Trotz der letzten Worte erweist sich WordPress in der Praxis als sehr ausgereift und recht stabil. Das erlaubt ein „Learning by doing“ – einfach mal ausprobieren. Sollten Sie mal nicht weiterkommen, gibt es viele Experten und Seminare, die Ihnen gerne weiterhelfen. Wenn Sie in der Lage sind, eine ansprechende Seite selbst zu verwalten, gibt Ihnen das eine große Flexibilität für Ihren Webauftritt und spart gerade in der Anfangszeit auch Kosten. Wenn Sie mal nicht wollen, dass die ganze Welt zusehen kann, wie Sie experimentieren, dann verwenden Sie z.B. das Plugin Maintenance Mode von Lukas Juhas – das sperrt unliebsame Besucher einfach aus – und zeigt Ihnen stattdessen eine Hinweisseite, die Sie selbst konfigurieren können.

Und was unternimmst du so?

Und was unternimmst du so?

von Ute Schroeter

Wer ist eigentlich Unternehmer? Gibt es den typischen Existenzgründer? Was bedeutet „scheinselbständig“? Dieser Beitrag soll Fragen aufwerfen, auf die freie Mitarbeiter und andere Existenzgründer im Baubereich eine Antwort haben sollten.

Von wegen Beine hochlegen. Selbständigkeit will gut geplant sein.

Foto: Daniel Kummer

Es will einfach nicht klappen mit einer Anstellung, vielleicht weil Sie eine Teilzeitstelle suchen und keine finden. Oder Sie an eine bestimmte Region gebunden sind, weil Sie Familie haben oder einen Angehörigen pflegen müssen. Vielleicht sind Sie aber auch einfach eine freiheitsliebende Persönlichkeit, die Arbeitszeit und Arbeitsort gerne selbst bestimmt. Möglicherweise können Sie etwas, was andere nicht können, oder das Büro, in dem Sie während des Studiums gejobbt haben, schlägt Ihnen eine freie Mitarbeit vor. Erkennen Sie sich in einem der Punkte wieder? Dann lesen Sie weiter.

Freie Mitarbeiter sind Subunternehmer

Planungsbüros beschäftigen oft „freie Mitarbeiter“. In diesem Zusammenhang taucht häufig die Frage auf, ob diese tatsächlich selbständig oder doch als Arbeitnehmer tätig sind. Die Beurteilung hat schon so manchem Gericht Kopfzerbrechen bereitet. Die Entscheidung, ob selbständig oder nicht, hat vor allem sozialversicherungsrechtliche Konsequenzen. Per Definition sind diejenigen selbständig, die zum Beispiel ein eigenes unternehmerisches Risiko tragen, für mehrere Kunden arbeiten und nicht weisungsgebunden bezüglich Art, Dauer, Zeitpunkt, Ort und Durchführung der Arbeitstätigkeit sind. Das ist oft der Fall, wenn zwischen dem Büro und dem freien Mitarbeiter ein Werkvertrag geschlossen wird. Wie und wann das Werk vollbracht wird, bleibt dem Mitarbeiter überlassen. Dabei hat der jedoch alle Rechte und Pflichten eines Unternehmers – nicht alle „Freien“ sind sich dessen bewusst. Für die Richtigkeit ihrer Arbeit sind sie selbst verantwortlich und können sogar dafür haftbar gemacht werden.

Manchmal wird aber auch ein Dienstvertrag geschlossen. Dann schulden freie Mitarbeiter dem Büro ihre Arbeitskraft, die pauschal oder auf Stundenbasis honoriert wird. Wenn sie dazu nur für ein einziges Büro tätig sind und die Arbeitszeit vorgeschrieben ist, beispielsweise jeden Tag von 8 Uhr bis 12 Uhr, geht der Status der Selbständigkeit verloren. Man spricht in diesem Zusammenhang auch von „Scheinselbständigkeit“. Dann stehen freien Mitarbeitern die gleichen Rechte wie einem Angestellten zu, das heißt, im Zweifelsfall haften sie nicht für die Qualität ihrer Arbeit, haben Anspruch auf Lohnfortzahlung im Krankheitsfall und es müssen Lohnsteuern und Sozialversicherungen für sie abgeführt werden. Für das Büro ist es natürlich lukrativer, mit einem Selbständigen zusammenzuarbeiten, denn dann fallen sämtliche sozialen Leistungen sowie der Kündigungsschutz weg. Wenn Sie als freier Mitarbeiter anfangen, sollten Sie diese Fragen offen ansprechen und mit Ihrem Chef eine für beide Seiten saubere Lösung finden.

Markus Sterl-Stürzer

Wirtschaftsberater

Interview

WER IST EIN UNTERNEHMER-TYP?

Wie würden Sie den idealen Gründer beschreiben?
Markus Sterl-Stürzer: Einen qualifizierten Gründer erkenne ich am Grad seiner Selbstreflexion, ob er diese oder ähnliche Fragen stellt: Wo liegen meine Stärken? Was motiviert mich zur Selbständigkeit? Auch: Wo liegen meine Schwächen? Wer darauf Antworten hat, die zur Gründungsidee passen, bringt ideale Voraussetzungen für eine Gründung mit.

Welche Eigenschaften machen einen guten Unternehmer aus?
Markus Sterl-Stürzer: In Beratungsgesprächen nutze ich gerne das Bild der „eierlegenden Wollmilchsau“, das heißt, ein Unternehmer muss sich mit vielen verschiedenen Bereichen beschäftigen. Neben der fachlichen Ebene brauchen Selbständige ein solides Grundwissen in steuerlichen und rechtlichen Fragen und sollten fit sein in der Kundenakquise. Da Selbständige in der Regel kein leichtes Leben führen, sollten sie natürlich Ehrgeiz mitbringen und Spaß an der Arbeit haben.

Welche typischen Anfängerfehler machen Existenzgründer?
Markus Sterl-Stürzer: Die Verzettelungsgefahr ist sehr groß. Natürlich freut man sich über seinen ersten Auftrag, viele vergessen darüber aber, für die Zukunft neue Aufträge zu akquirieren. Wichtig ist auch, erst einmal alle formalen Schritte bei der Gründung abzuarbeiten – von der Anmeldung beim Finanzamt über die Finanzierung bis zur Meldung bei der Kammer. Nur so lassen sich böse Überraschungen vermeiden – gerade in finanzieller Hinsicht.

Welche Beratungsstellen empfehlen Sie?
Markus Sterl-Stürzer: Die Architekten- und Ingenieurkammern bieten Beratungsgespräche und Seminare für Existenzgründer an. Ansonsten kann ich die Gründungsberatung bei Wirtschaftsberatern empfehlen, die sich auf Bau und Architektur spezialisiert haben. Solche Beratungsgespräche werden vom Staat bis zu 70 Prozent bezuschusst.

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NOVA IT Building: Baukostenmanagement als Online-Service. www.novabuilding.de

Unternehmer müssen’s wissen wollen

Eine lange Kette an Regeln, Gesetzen, Rechten und Pflichten ziehen die Begriffe „Existenzgründung“ und „Selbständigkeit“ nach sich. Das Thema füllt Bücherregale und Tausende von Internetseiten. Wer sich eine dauerhafte und erfolgreiche Existenz aufbauen möchte, muss es mit einer Vielzahl an Begriffen aufnehmen und sich in juristischen, steuerlichen und kaufmännischen Dingen einen gewissen Durchblick erarbeiten, selbst wenn Sie „nur“ als freier Mitarbeiter an Wettbewerben mitarbeiten oder Zeichenarbeiten anbieten. Das klingt zunächst ziemlich abschreckend, vor allem wenn man fachlich noch ganz am Anfang steht. Lassen Sie sich nicht entmutigen. Allein die Tatsache, dass Sie bis zu dieser Stelle gelesen haben, katapultiert Sie auf den richtigen Weg. Denn eine solide Gründung fußt nicht etwa auf den passenden Antworten, sondern viel einfacher: auf den richtigen Fragen. Was will ich eigentlich? Was kann ich? Was kann ich nicht? Dieses Kapitel enthält keinen vollständigen Leitfaden für eine Existenzgründung und stellt keinen Ersatz für eine eingehende individuelle Beratung oder den Besuch eines Existenzgründungsseminares dar. Zu vielfältig sind die Gründungsideen, außerdem gelten in den verschiedenen Bundesländern unterschiedliche Regelungen. Doch es wird Ihnen helfen, die wirklich wichtigen Fragen zu stellen und damit das Fundament für eine Kleingründung zu legen.

Sind Sie ein Unternehmertyp?

„Mein Chef, das bin ich.“ Schön, wenn man das von sich behaupten kann. Niemand kann einen vor die Tür setzen, keiner beschwert sich über zu lange Kaffeepausen. Wenn das Wetter schön ist, nimmt man sich frei und arbeitet einfach am Abend weiter. Mütter und Väter sind, was die Kinderbetreuung angeht, wesentlich flexibler als Angestellte. Die Selbständigkeit also ein Traumjob? Durchaus, wenn, ja wenn sich nicht die ganzen Nachteile unter die Vorteile mischen würden: Ein hohes Arbeitspensum in auftragsstarken Zeiten, in denen man nicht weiß, wo einem der Kopf steht, wechselt sich mit sorgenvollem Blick aufs Geschäftskonto in ruhigen Phasen ab, der einen vor lauter Sorge um die nächste Stromrechnung auch nicht ruhig schlafen lässt. Streitereien mit Auftraggebern, meistens übers Honorar, und die dürftige Zahlungsmoral im Planungssektor reiben die Nerven blank. Unternehmer müssen sich zudem bewusst sein, dass sie die volle Verantwortung für ihre Projekte tragen. „Menschen, die arbeiten, machen Fehler. Menschen, die nicht arbeiten, machen keine Fehler“, heißt es gemeinhin. Daher sei an dieser Stelle bereits betont: Jeder selbständige Planer braucht eine Berufshaftpflichtversicherung.

Steht Ihre Familie hinter Ihnen?

Als Freiberufler führen Sie nicht gerade ein leichtes Leben, genauso wenig wie Ihre Familie und Ihre Freunde. Die werden zeitweise auf Sie verzichten müssen. Die finanzielle Berg- und Talfahrt kann einen Ehepartner zur Verzweiflung bringen und das Lamentieren über die „schlecht laufenden Geschäfte“ mögen Ihre Lieben irgendwann auch nicht mehr hören. Sprechen Sie also mit den Personen, die Ihnen nahestehen, über Ihr Vorhaben und welche Unannehmlichkeiten dies mit sich bringen wird. Ihre Angehörigen werden Ihnen eher den Rücken stärken, wenn Sie nicht alles allein mit sich ausmachen.

Geschäftsideen: Zeichnen, Planen, Ausschreiben

Viele Freiberufler haben sich nie Gedanken über eine Geschäftsidee gemacht, sondern sind eher zufällig in die Selbständigkeit geraten, sei es über einen Bekannten, einen befreundeten Architekten oder über das Ingenieurbüro, in dem sie als studentische Hilfskraft gearbeitet haben. Als Berufseinsteiger ist es ohnehin unwahrscheinlich, dass Sie gleich mit einem ganzen Projekt beauftragt werden, denn Ihnen fehlt ja noch die Bauvorlageberechtigung, das heißt, Sie können Baupläne noch nicht freizeichnen. Natürlich steht es Ihnen frei, auch ohne Bauvorlageberechtigung planerische Dienstleistungen anzubieten, zum Beispiel Zeichnungen erstellen, an Ausschreibungen mitarbeiten, zu bestimmten Detailplanungen recherchieren oder Abrechnungen für Ihre Auftraggeber prüfen.

Sanft in die Selbständigkeit

Tagsüber angestellt, abends und am Wochenende selbständig über Projekten brüten. Anstrengend, aber eine recht sichere und sanfte Methode, in die Selbständigkeit zu gleiten. Zumindest haben die nebenberuflich Selbständigen keine finanziellen Sorgen, da das monatliche Gehalt unabhängig von der Auftragslage fließt. Rein rechtlich ist die Existenzgründung nebenbei möglich, allerdings muss der Arbeitgeber seine Zustimmung dazu geben, diese kann er andererseits auch verweigern.

Einstieg in ein bestehendes Büro

Existenzgründung heißt nicht unbedingt, ganz von vorne anfangen zu müssen. Architekten und Bauingenieure haben auch die Möglichkeit, in ein bestehendes Büro als Mitinhaber einzusteigen oder die Nachfolge des Inhabers anzutreten. Das geht auch ohne verwandtschaftliche Beziehungen. Der Einstieg in ein bestehendes Büro hat einige Vorteile: Neben einer vorhandenen Infrastruktur kann ein Nachfolger meist auch die Mitarbeiter und den Kundenstamm übernehmen. Das heißt jedoch nicht, dass der neue Betriebsinhaber die Hände in den Schoß legen kann. Die Entscheidung, ob die Kunden dem Büro treu bleiben oder aufgrund des Führungswechsels doch lieber das Weite suchen, ist stark vom Engagement des oder der „Neuen“ abhängig. In vielen Fällen fängt der Nachfolger als Angestellter an, um in das Büro hineinzuwachsen. Sehr empfehlenswert in diesem Zusammenhang ist die nexxtchange Unternehmensbörse (www.nexxt-change.org). Hier finden Interessenten unter der Rubrik „Freie Dienstleistungen“ Inserate von Planungsbüros, die einen Nachfolger oder Käufer suchen.

Dr. Cornelia Stapff

Fachanwältin für Arbeitsrecht

Interview

FREI ODER ANGESTELLT?

Ist ein freier Mitarbeiter eigentlich Angestellter oder Unternehmer?
Dr. Cornelia Stapff: Freie Mitarbeiter sind Subunternehmer, sie arbeiten auf eigene Rechnung und eigenes Risiko und müssen sich selbst versichern.

Ist das jedem so klar?
Dr. Cornelia Stapff: Nein, gerade in Architekturbüros ist vielen die Abgrenzung nicht bewusst. Viele Inhaber sind der Ansicht, dass die Tatsache, dass der freie Mitarbeiter für mehrere Architekten tätig ist, ausreicht, damit die freie Mitarbeit anerkannt wird. Das ist aber nicht richtig.

Woran erkennt man eine Scheinselbständigkeit?
Dr. Cornelia Stapff: Selbständig ist nur, wer seine Tätigkeit frei gestalten und seine Arbeitszeit selbst bestimmen kann. Sobald freie Mitarbeiter weisungsabhängig sind, sie Urlaub beantragen und zu einer bestimmten Tageszeit anwesend sein müssen, besteht ein arbeitnehmerähnliches Verhältnis zwischen Büro und Mitarbeiter. Auch ein fester Arbeitsplatz, eine Büronummer und E-Mail-Adresse mit Domain des Auftraggebers lassen auf eine Scheinselbständigkeit schließen. Ein weiteres Indiz für eine Scheinselbständigkeit ist die Tätigkeit nur für einen Auftraggeber.

Woran erkennt man eine Scheinselbständigkeit?
Dr. Cornelia Stapff: Selbständig ist nur, wer seine Tätigkeit frei gestalten und seine Arbeitszeit selbst bestimmen kann. Sobald freie Mitarbeiter weisungsabhängig sind, sie Urlaub beantragen und zu einer bestimmten Tageszeit anwesend sein müssen, besteht ein arbeitnehmerähnliches Verhältnis zwischen Büro und Mitarbeiter. Auch ein fester Arbeitsplatz, eine Büronummer und E-Mail-Adresse mit Domain des Auftraggebers lassen auf eine Scheinselbständigkeit schließen. Ein weiteres Indiz für eine Scheinselbständigkeit ist die Tätigkeit nur für einen Auftraggeber.

Welche Konsequenzen hat es, wenn sich eine freie Mitarbeit als Scheinselbständigkeit entpuppt?
Dr. Cornelia Stapff: Die Frage, ob eine Scheinselbständigkeit vorliegt oder nicht, wird von der Deutschen Rentenversicherung geprüft. Nach meinen Erfahrungen tendiert die Behörde mehr und mehr dazu, freie Mitarbeiter als Arbeitnehmer einzustufen. Unangenehm wird es vor allem für den Auftraggeber. Dieser muss nicht nur sämtliche Sozialversicherungsbeiträge zurückzahlen, sondern auch strafrechtliche Konsequenzen fürchten. Ärgerlich ist das aber auch für den freien Mitarbeiter, der möglicherweise Umsatzsteuern zurückzahlen oder anstelle einer Einkommensteuererklärung nun eine Lohnsteuererklärung abgeben muss.

Wie können freie Mitarbeiter ihren Status als Selbständige sicherstellen?
Dr. Cornelia Stapff: Wichtig ist, nach außen konsequent als Unternehmer aufzutreten. Dazu gehören eigene Visitenkarten, eventuell eine Homepage, eigenes Arbeitsmaterial, wie Software und Laptop, und ein eigener Arbeitsplatz. Das kann der Schreibtisch zu Hause sein, aber auch ein gemieteter Arbeitsplatz. Das muss allerdings in Form eines Mietvertrages dokumentiert werden. Wichtig ist auch, mehrere Auftraggeber zu haben. Hunderprozentige Rechtssicherheit bietet allerdings nur ein Statusfeststellungsverfahren bei der Clearingstelle der deutschen Rentenversicherung, das spätestens drei Monate nach Beginn der Tätigkeit zu stellen ist.

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