Arbeiten in Brasilien

Nicht nur wegen seiner Traumstrände und des allzeit schönen Wetters ist Brasilien für Architekten und Bauingenieure von großem Interesse. Die konjunkturelle Entwicklung der vergangenen Jahre hat die Heimat von Architektenikone Oscar Niemeyer auf Platz sechs der weltgrößten Wirtschaftsmächte hinauf­katapultiert. Die Finanzkrise zeigte kaum Auswirkungen auf den brasilianischen Binnenmarkt und der anhaltende Boom schlägt sich auch im Bausektor nieder.

Durch die explosionsartige Bevölkerungsentwicklung in den vergangenen 30 Jahren (die Einwohnerzahl hat sich in dieser Zeit auf 195 Millionen fast verdreifacht) war der brasilianische Arbeitsmarkt lange Zeit übersättigt. Mittlerweile liegt die Arbeitslosenquote bei historisch niedrigen 5,3 Prozent (Stand: August 2012). Dennoch sind die bürokratischen Hürden für arbeitsuchende Ausländer hoch, viele ausländische Diplome werden nicht anerkannt und nur wenige Unternehmen sind bereit, die umständliche Prozedur für die Erteilung einer Arbeitserlaubnis auf sich zu nehmen, ohne die kein Arbeitsvisum ausgestellt wird.

Typisch brasilianisch: langes Warten im Berufsverkehr. Foto: Ute Schroeter

Typisch brasilianisch: langes Warten im Berufsverkehr. Foto: Ute Schroeter

Auf den zweiten Blick stehen die Chancen für junge Architekten und Bauingenieure aus Deutschland allerdings gar nicht so schlecht, da qualifizierte Arbeitskräfte dringend benötigt werden. Die Ausbildung an deutschen Universitäten genießt ein hohes Ansehen, vor allem Spezialwissen in den Bereichen Nachhaltigkeit sowie neuartige Konstruktions- und Baustoff-Technologien wird stark nachgefragt.

Als größte Hürde dürfte sich die portugiesische Sprache erweisen, ohne die in Brasilien nichts geht. Spanisch wird zwar verstanden und kann am Anfang den Einstieg erleichtern, mit Englisch kommt man dagegen kaum weiter. Das Arbeitsklima ist in der Regel deutlich lockerer als in den meisten europäischen Ländern. Es ist üblich, Vorgesetzte mit dem Vornamen anzureden oder mit Kollegen über private Dinge zu sprechen. Trotz aller Lockerheit wird Leistung großgeschrieben: Die gesetzliche Arbeitszeit beträgt bis zu 44 Stunden wöchentlich – Pausen nicht mitgerechnet. Gegenwärtig ist Brasilien vor allem für Selbständige attraktiv, weil es kaum bürokratische oder finanzielle Hürden für die Eröffnung eines eigenen Büros gibt. Bauanträge können allerdings nur durch einen brasilianischen Kontaktarchitekten eingereicht werden.

Jobbörsen

Eine kleine Jobbörse findet sich auch auf den Seiten der deutsch-brasilianischen Industrie- und  Handelskammer unter www.ahkbrasil.com/bolsa_empregos/

Jobsuche

Eine zentrale Arbeitsvermittlungsagentur wie in Deutschland gibt es in Brasilien nicht, jeder Bundesstaat hat eigene Strukturen. Auch das Stellenvermittlungsportal des brasilianischen Arbeitsministeriums http://maisemprego.mte.gov.br ist nur nach vorheriger Registrierung zugänglich, für die eine Sozialversicherungsnummer erforderlich ist. Es gibt allerdings eine Reihe von Jobbörsen im Internet, bei denen man sich auf die Suche nach geeigneten Stellen bzw. nach Adressen für Blindbewerbungen machen kann. Hilfreich ist dabei auch das Online-Dienstleistungsverzeichnis www.brazilbiz.com.br.

Praktika

Ein Praktikumsvisum (Vitem I) zu erhalten ist unproblematisch. Die Modalitäten für die Beantragung finden sich auf der Webseite der brasilianischen Botschaft in Berlin (http://berlim.itamaraty.gov.br/de/praktikum_zur_beruflichen_weiterbildung.xml). Praktika in Brasilien vermittelt unter anderem die Europäisch-Lateinamerikanische Gesellschaft (www.elg-online.de). Da die Praktikumssuche in Brasilien auf eigene Faust nicht ganz einfach ist, tummeln sich im Internet zahlreiche Vermittlungsagenturen unterschiedlicher Seriosität. Hier sollte man sich gründlich informieren, bevor man sich auf ein Angebot einlässt.

Bewerbung

Am vielversprechendsten ist eine Bewerbung bei einem deutschen Unternehmen mit Niederlassung in Brasilien. Allerdings darf nur maximal ein Drittel der Stellen mit ausländischen Arbeitskräften besetzt werden. Wer sich auf eine Stelle in den Ballungsgebieten Rio de Janeiro und vor allem São Paulo bewirbt, muss sich auf Fahrtzeiten zum Arbeitsplatz von bis zu zwei Stunden einstellen. Grundsätzlich wird von den Arbeitnehmern ein hohes Maß an Flexibilität erwartet, häufige Wechsel von Arbeitsplatz und Wohnsitz sind üblich. Arbeitsverträge sind in Brasilien eher die Ausnahme, Anstellungsverhältnis, Gehalt, Krankheits- und Urlaubstage werden stattdessen in einem speziellen Ausweis, der „Carteira de Trabalho e Previdência Social“ festgehalten und vom Arbeitgeber regelmäßig aktualisiert.

Die Brasilianer essen viel Fleisch. Foto: Ute Schroeter

Die Brasilianer essen viel Fleisch. Foto: Ute Schroeter

Für die Bewerbung gelten die gleichen Maßstäbe an Sorgfalt und Formulierung wie in Deutschland (antichronologischer Lebenslauf, kurzes Anschreiben). Allerdings sollte sie, sofern im Stellenangebot nicht ausdrücklich etwas anderes steht, stets auf Portugiesisch abgefasst sein. Zeugnisse und Referenzen werden nur auf ausdrückliche Nachfrage in beglaubigter Übersetzung eingereicht. Ein Foto wird üblicherweise nicht verlangt, persönliche Angaben wie Nationalität und Familienstand sind dagegen Pflicht. Das Bewerbungsgespräch verläuft meist in sehr lockerer Atmosphäre, dennoch wird konservative Kleidung erwartet. Ein bescheidenes Auftreten wird geschätzt, über Gehaltsfragen spricht man erst zu einem späteren Zeitpunkt. Die Gehälter für qualifizierte Fachkräfte bewegen sich auf deutschem Niveau.

Einreiseformalitäten

Wie bereits erwähnt, muss für jede berufliche Tätigkeit in Brasilien ein Visum beantragt werden, das ohne gültigen Arbeits- oder Praktikumsvertrag nicht ausgestellt wird. Das Arbeitsvisum ist also immer an das konkrete Arbeitsverhältnis gebunden. Ausführliche Informationen zu den erforderlichen Unterlagen gibt es auf der Seite des brasilianischen Generalkonsulats in Frankfurt am Main unter http://frankfurt.itamaraty.gov.br.

Deutsche müssen in Brasilien nur geringe Sozialabgaben zahlen, doch die Leistungen sind auch dementsprechend niedrig. Es empfiehlt sich daher, eine zusätzliche private Krankenversicherung abzuschließen. Eine der ersten Pflichten eines ausländischen Arbeitnehmers ist die Anmeldung beim Finanzamt. Die Einkommensteuer liegt mit rund 28 Prozent (im ungünstigsten Fall) deutlich niedriger als in Deutschland. Die Unternehmen übernehmen den größeren Anteil der Sozialabgaben sowie andere zusätzliche Leistungen wie Überbrückungsgeld im Falle eines Arbeitsplatzverlustes.

Nützliche Links: leben und arbeiten in Brasilien

Portal der brasilianischen Botschaft in Berlin, http://berlim.itamaraty.gov.br/de/

Interessenvertretungen von Architekten und Bauingenieuren in Brasilien

Eine Architektenkammer nach deutschem Vorbild gibt es in Brasilien nicht. Das mag daran liegen, dass der Architekt im Planungsprozess eine vorwiegend künstlerisch-kreative Rolle spielt und die gesamte Planung, Ausführung und Überwachung in den Händen des Bauingenieurs liegt. Im Gegenzug gibt es gleich mehrere Interessenvereinigungen brasilianischer Architekten und Bauingenieure. Die 1973 gegründete Associação Brasileira dos Escritórios de Arquitetura (www.asbea.org.br) vertritt die Interessen von über 300 registrierten Architektenbüros und setzt sich gemeinsam mit dem Sindicato Nacional das Empresas de Arquitetura e Engenharia Consultiva (www.sinaenco.com.br) für die Belange von Architekten und Bauingenieuren in allen gesellschaftlich relevanten Bereichen ein. Älteste und mit fast 100 000 Mitgliedern größte Interessenvertretung der Architekten ist das 1921 gegründete Istituto do Arquitetos do Brasil (www.iab.org.br). Berufsständische Aufgaben übernimmt die Federação Nacional dos Arquitetos e Urbanistas (www.fna.org.br). Da Bauanträge nur durch Architekten eingereicht werden können, die in Brasilien studiert haben und über eine Berufslizenz (Crea) verfügen, ist die Mitgliedschaft in keiner dieser Institutionen zwingend. ■

Landschaftsarchitektur auf Chinesisch

Andreas Luka war schon viele Jahre als Landschaftsplaner in Deutschland erfolgreich, als er sich 2005 entschloss, nach China zu gehen, um dort die Beteiligung an Projekten vor Ort zu koordinieren, insbesondere für die Olympischen Spiele in Peking. Mittlerweile hat der 49-Jährige dort eine neue Heimat gefunden und arbeitet als selbständiger Projektmanager und Consultant im Bereich Landschaftsplanung.

Herr Luka, Sie leben jetzt seit fast acht Jahren in China. War das Ihr Plan?

Andreas Luka: Also, ich konnte mir immer gut vorstellen, im Ausland zu leben und zu arbeiten. Rainer Schmidt Landschaftsarchitekten, das Büro, in dem ich damals arbeitete, plante die Eröffnung von Außenbüros, einfach um Projekte vor Ort besser abwickeln zu können. Eines sollte in China sein. Der Großvater meiner damaligen Frau war Anfang der Siebziger Konsul in Peking. Von daher war China in unserer Familie immer präsent.

Wie kam der geschäftliche Kontakt nach China zustande?

Andreas Luka: Wir hatten uns als Büro an einem Wettbewerb sowohl zu den Gesamtplanungen für die Olympischen Spiele als auch für den Olympischen Park beteiligt. Da ging es darum, Finanzmittel einzutreiben, Urheberrechte zu verteidigen – also um alles das, was auf dem chinesischen Markt wichtig ist. Über dieses Projekt wurde ich von Kollegen angefragt – das geht in China alles über persönliche Verbindungen –, ob ich nicht die Terrassenanlagen für das Wasserkonzept betreuen und diesen Teil der Planungen federführend leiten könnte. Daraus haben sich dann noch andere Teilbereiche wie Spielplätze und Eingangsbereiche im Olympiapark ergeben.

Auch wenn China aus familiären Gründen für Sie nahelag, war es doch ein großer Schritt, in ein so fremdes Land, eine so fremde Kultur einzutauchen. Wie haben Sie sich darauf vorbereitet?

Landschaftsarchitekt Andreas Luka lebt und arbeitet in Peking. Foto: Nicole Puscz

Landschaftsarchitekt Andreas Luka lebt und arbeitet in Peking. Foto: Nicole Puscz

Andreas Luka: (lacht) Gar nicht. Es ging so schnell, ich hatte gar keine Zeit, mich vorzubereiten. Glücklicherweise kannte ich aus dem Studium zwei Kollegen aus China, von denen eine bei uns im Büro ein Praktikum gemacht und mir zumindest ein paar Grundkenntnisse in Chinesisch beigebracht hatte. Ich würde das aber niemandem empfehlen, so unvorbereitet nach China zu gehen.

Was war Ihr erster Eindruck, als Sie in China ankamen?

Andreas Luka: Riesig, alles riesig, große Straßen, lange Strecken – und auch die Unterschiedlichkeiten im Land. Ich war gerade mal eine Woche in Peking und dann ging es gleich nach Shenyang im Nordosten weiter. Es war Anfang Mai, aber dort lag noch Schnee, während in Peking schon richtig Frühling war. Und von dort aus ging es dann ganz in den Süden, nach Guangzhou, wo schon fast hochsommerliche Temperaturen herrschten – das sind ja schon die Subtropen. Diese gewaltigen Unterschiede waren schon beeindruckend. Und sind es immer noch, auch wenn ich schon lange dort lebe. Also, für mich ist China kein Land, sondern ein ganzer Kontinent.

Gab es Dinge, mit denen Sie nicht gerechnet hätten, dass sie für Sie zum Problem werden könnten?

Andreas Luka: Ich hatte zumindest im Ansatz eine Organisation wie in Deutschland erwartet. Dass es nicht ganz so strukturiert ablaufen würde, war mir schon klar, aber dieser Widerspruch zwischen ständig warten und ständig in Eile sein, also ganz schnell irgendwohin düsen zu müssen, um dann dort erst einmal zu warten, weil irgendetwas nicht oder nur unzureichend organisiert worden ist, zehrt schon an den Nerven. In China gibt es immer sehr viele Beteiligte, die schwierig unter einen Hut zu kriegen sind. Im Nachhinein ist das für mich normal geworden, aber am Anfang hat mich das schon gewaltig mitgenommen.

Wie lange haben Sie gebraucht, bis Sie sich an die neue Situation gewöhnt hatten?

Foto: Tsinghua University Urban Planing and Design Institute

Foto: Tsinghua University Urban Planing and Design Institute

Andreas Luka: Gelegentlich kommt es noch heute vor, dass ich mich darüber aufrege. Ich denke, man braucht so sechs bis sieben Monate, um sich an den Lebensstil zu gewöhnen. Dazu kommt, dass sich die Menschen in den einzelnen Landesteilen sehr stark unterscheiden. Und je mehr man versteht, auch sprachlich, desto mehr neue Überraschungen ergeben sich. Also, wenn Sie mich fragen, wie China funktioniert, kann ich nur antworten: Ich hab’ zwar eine Ahnung, aber wissen tu ich es nicht.

Hat die Zeit in China Sie verändert?

Andreas Luka: Ja, extrem. Ich denke, sowohl in persönlicher Hinsicht als auch, was meinen Stil als Planer angeht. Mein Wissen um chinesische Gartenkultur und Landschaftsplanung ist viel intensiver geworden. Das kann man nicht aus Büchern lernen, weil chinesische Gärten sich natürlich sehr stark auf chinesische Landschaften beziehen und man die Anschauung vor Ort haben muss. Ein Garten ist hier immer auch eine spirituelle Verbindung zu einer existierenden Landschaft. Und wenn man diese Landschaften nicht kennt, erschließen sich viele Gärten gar nicht. Ostasiatische Gartenkultur – chinesische Gärten, japanische Gärten, koreanische Gärten – sollte eigentlich genauso in den Reiseplan von Landschaftsarchitekturstudenten gehören wie Gärten in Europa, weil das einfach eine unwahrscheinlich reiche Kultur ist. Und das Wissen um diese Kultur hat meine Planungen deutlich verändert. Sie sind auch wesentlich farbiger geworden.

Wie sind Sie zur Landschaftsarchitektur gekommen?

Andreas Luka: Als Quereinsteiger. Ich habe eigentlich Gartenbau studiert und bin über einen sehr langen Prozess, über den Landschaftsbau und die Arbeit in der Planungsbehörde, zur Landschaftsarchitektur gekommen. Ein bisschen flapsig gesagt: Erst habe ich Pflanzen produziert, dann habe ich welche auf die Baustelle gebracht, dann habe ich welche auf der Baustelle eingebaut und zum Schluss habe ich festgelegt, wo welche hinkommen. So hat sich das peu à peu entwickelt. Es war ein sehr mühsamer Weg, und wenn ich heute die Wahl hätte, würde ich direkt Landschaftsarchitektur studieren.

Sie waren unter anderem mit der landschaftsarchitektonischen Umsetzung des Wasseraufbereitungssystems im Olympic Forest Park betreut, mit 680 Hektar einer der größten städtischen Parkanlagen der Welt. Wie gestaltete sich die Zusammenarbeit mit den einzelnen Anbietern und Auftraggebern?

Ein Garten in China ist immer auch eine spirituelle Verbindung zu einer existierenden Landschaft. Foto: GTL Gnüchtel Triebswetter

Ein Garten in China ist immer auch eine spirituelle Verbindung zu einer existierenden Landschaft.
Foto: GTL Gnüchtel Triebswetter

Andreas Luka: Es war ein sehr internationales Team, auch eine kleine Gruppe Deutscher, darunter zwei Architektinnen. Professor Hu Jie, der das Designinstitut der Tsinghua-Universität leitet hatte, Erfahrung mit internationaler Zusammenarbeit. Die Gesprächsrunden waren riesig, da saßen sehr viele Leute am Tisch und es wurde sehr lange diskutiert. Manches musste interpretiert werden. Selbst wenn es korrekt gedolmetscht wurde, verstand man es nicht, weil einem einfach das Hintergrundwissen fehlte, wer welche Beziehungen hat und durch eine bloße Andeutung quasi einen Befehl erteilt, nur weil er so wichtig ist. Um das zu verstehen, braucht man wirklich gute chinesische Partner, sonst ist man völlig verloren – nur mit Dolmetschern kriegt man das nicht hin.

Wie schafft man es bei einer so undefinierten Verhandlungs­position, eigene Vorstellungen durchzusetzen?

Andreas Luka: Es ist enorm anstrengend. Aber im Prinzip gibt es nur zwei Möglichkeiten: Entweder man lässt sich auf die chinesischen Arbeitsbedingungen ein, versucht sie zu verstehen und klinkt sich in die jeweiligen Arbeitsprozesse ein oder man beharrt darauf, dass man als Firma für eine bestimmte Vorgehensweise bekannt ist und dies die Grundlage für die weitere Zusammenarbeit darstellt. Wenn man mit einem starken chinesischen Partner wie dem Designinstitut der Tsinghua-Universität zusammenarbeitet, kann man sich natürlich nicht hinstellen und verlangen: „So wird das gemacht.“ Aber es gibt schon Dinge im Technischen und im Entwerferischen, wo wir ganz klar gesagt haben: „So möchten wir das haben. Und jetzt setzen wir uns zusammen und erklären euch das so lange, bis ihr wirklich verstanden habt, was wir wollen und warum wir das wollen und warum das besser ist als das, was ihr vorschlagt.“ Aber es ist natürlich ein sehr langwieriger Prozess und der strapaziert arg die Geduld. Das war sicherlich mit das Anstrengendste für mich, Geduld zu bewahren.

Umwelttechnologie aus Deutschland ist auch in China gefragt. Gleichzeitig ist das Land für einen rücksichtslosen Raubbau an der Natur berüchtigt. Wie passt das zusammen?

Andreas Luka: Es ist beides: Für den Olympischen Park wurde ein riesiger See ausgehoben und ein ganzer Berg aufgeschüttet, das ist natürlich nicht die Strategie des minimalen Eingriffes. Aber es galt, diese Prozesse so umweltverträglich wie möglich durchzuführen und auch viel Baumbestand zu erhalten. Was nicht funktioniert hat, war der Erhalt dörflicher Strukturen, da gab es vorher ein großes Umsiedlungsprogramm. Die Chinesen sind sich der Problematik aber sehr wohl bewusst, und ich glaube, es ist auch sehr schwierig, in einem Land, das Wachstum braucht, um sozial und ökonomisch stabil zu bleiben, eine Balance zwischen wirtschaftlicher Dynamik und Umweltproblematik zu finden. Aber das war in Deutschland vor 40 Jahren auch nicht anders, als die ökologische Bewegung angefangen hat. Die Chinesen haben allerdings den Vorteil, von unseren Erfahrungen zu profitieren, sie sind an diesem Wissenstransfer sehr interessiert. Hier kann man mit Umwelttechnologie als deutsche Firma wirklich punkten. Beim Thema Nachhaltigkeit sind die Deutschen ja schon sehr gut aufgestellt, aber es fehlt am Marketing. Bei uns gibt es kein LEED-Programm (Anm. der Red.: Leadership in Energy and Environmental Design), weil bei uns die Mindestanforderungen an Gebäude schon per Gesetz viel höher sind als die Umweltprogramme in anderen Ländern. Wenn wir in Deutschland unsere Gebäude alle nach dem amerikanischen System nach LEED zertifizieren würden, bekämen alle Gold- und Platinstufe. Aber in China ist das ein großes Thema. Da gibt es relativ viele Initiativen und darüber kann man auch akquirieren. Auf der anderen Seite sind natürlich auch viele deutsche Büros für ihre gestalterische Sprache bekannt, und das wird auch gefordert. Es gibt große Entwickler, die modern und international planen wollen, der Bedarf ist also da. Und durch die Kulturrevolution und ihre Nachwirkung fehlt in China auch eine ganze Generation an Landschaftsarchitekten.

Wie modern können Ihre Entwürfe denn tatsächlich sein? Mit welchen Erwartungen sehen Sie sich konfrontiert?

Wer in China arbeiten möchte, muss sich mit der Mentalität der Menschen auseinandersetzen. Foto: Ute Schroeter

Wer in China arbeiten möchte, muss sich mit der Mentalität der Menschen auseinandersetzen. Foto: Ute Schroeter

Andreas Luka: Das Herausfiltern von Erwartungen ist eine der schwierigsten Herausforderungen, weil es kein Briefing gibt. Alles ist immer sehr, sehr vage. Der erste Arbeitsschritt besteht immer darin, herauszufinden, was der Kunde wirklich will und braucht. Ebenso wichtig ist es, zu verstehen, wer was zu sagen hat. Einige Auftraggeber wollen es eher traditionell, andere wieder wollen es ultramodern. Und dann wieder gibt es welche, die wollen eine Mischung aus traditionellem Stil mit modernster Technik. Und es gibt diesen Fusion-Stil, den einige sehen wollen. Das Puristische, sagen wir das Schweizern in der Landschaftsarchitektur, ist nur begrenzt möglich.

Letztendlich hatte ich auf die formale Gestaltung des Olympischen Parks kaum Einfluss. Wo ich dagegen sehr viel Einfluss hatte, war die funktionale Gestaltung, zum Beispiel der Eingangsbereiche, damit der Zugang ohne Warteschlangen und sich kreuzende Wege funktioniert. Meine Stärke ist eher das Analytische und das Funktionale, das Umsetzen von Ideen. Und das ist auch das Wissen, womit ich in China punkten kann.

Welche weiteren Schlüsselkompetenzen sind in China nachgefragt?

Andreas Luka: Eine Marktlücke gibt es bei der effektiven Organisation von Arbeitsprozessen. Die chinesischen Büros sind alle sehr groß, viel größer als in Europa. Gleiches gilt für die Projekte, die in Europa jedoch wesentlich effektiver abgewickelt werden. Vieles könnte mit der Hälfte oder einem Drittel des Personals erledigt werden, doch es mangelt an Effizienz, weil Arbeitsprozesse nicht gut strukturiert sind, Daten verloren gehen, viele Dinge doppelt gemacht werden und die Kommunikation irgendwo versandet. Das hat weniger mit kulturellen Eigenheiten als mit einer fehlenden Berufserfahrung zu tun. Die chinesischen Büros sind ja alle relativ jung. Viele Büros sind extrem schnell gewachsen, zum Beispiel das Designteam der Tsinghua für den Olympischen Park innerhalb eines Jahres von fünf Personen auf fünfzig. Da fehlen dann natürlich Strukturen. Ein Großteil meiner Arbeit im Anschluss an den Olympischen Park bestand darin, Arbeitsprozesse besser zu organisieren und für neue Projekte Strukturen aufzubauen. Wobei es ja schon in einem deutschen Büro nicht immer einfach ist, die Disziplin zu halten – aber in einem chinesischen Büro mit noch mehr Beteiligten …

Ist die Umsetzung einer deutschen Unternehmenskultur vor dem chinesischen kulturellen Hintergrund überhaupt möglich?

Andreas Luka: Es ist natürlich schwierig, aber in China ist gerade sehr viel im Umbruch. Es gibt gerade in unserem Berufsfeld, bei den Architekten, den Planungsberufen und den Designern Leute, die viel Auslandserfahrung mitbringen. Auch in Deutschland arbeitet ja jedes Büro ein bisschen anders. Es hängt aber auch mit den Größen der Büros zusammen. Natürlich stehen in den großen Planungsbüros wie dem Design-Institut der Tsinghua-Universität die Chefs in der Hierarchie ganz oben und dann kommt erst einmal eine Weile nichts. Erst dann kommen die langjährigen Mitarbeiter. Und das sind eben nicht viele, und die haben schon sehr großen Einfluss auf das, was in dem Büro passiert. Da muss man sich dann als Consultant irgendwo in diese Ebene einordnen. Der oberste Chef wird man ganz gewiss nicht, das ist auch schwierig mit der chinesischen Gesetzeslage.

Für Großprojekte wie den Olympischen Park werden in China massive Umsiedlungen vorgenommen und vieles möglich gemacht, das aus deutscher Sicht fragwürdig erscheint. Bereitet Ihnen das Bauchschmerzen?

Andreas Luka: Ja schon. Man sollte sich mit diesem Thema auseinandersetzen, bevor man damit konfrontiert wird, und für sich persönlich eine Grenze ziehen, was man macht und was man nicht macht. Und dann muss man seinem chinesischen Partner auch sagen: „Für dieses Projekt stehe ich nicht zur Verfügung, und zwar aus dem und dem Grund.“ Man kann natürlich nicht, wenn man irgendwo zu einer Regierungsstelle geht und als Chefplaner vorgestellt wird, dem Beamten sagen: „Nein, das mache ich nicht.“ Man muss darauf achten, dass das Gegenüber sein Gesicht nicht verliert, und die Dinge bereits im Vorfeld so besprechen, dass es nicht zu einer solchen Situation kommt. Letztlich ist es auch eine Anforderung an den Planungsprozess: Was kann man selbst verantworten, wie weit kann man gehen und was ist wirklich positiv für die Entwicklung Chinas als Land? Bisher bin ich nur einmal in die Situation gekommen, ein Projekt ablehnen zu müssen. Gebäude für eine Parteibehörde oder eine Polizeistation oder ein Gefängnis, das käme für mich nicht in Frage.

In Anting, einem Vorort von Shanghai, sollte ein deutscher Stadtteil gebaut werden, der dem Klischee von deutscher Fachwerkarchitektur entsprechen sollte. Gibt es solche Wünsche auch im Bereich Landschaftsplanung?

Andreas Luka: Ja, die Klischees gibt es: Vorstellungen von dem, was man haben möchte und was typisch deutsch ist, was aber mit dem, was heute in Deutschland geplant wird, gar nichts zu tun hat. Das ist dann die mittelalterliche Stadt mit den Fachwerkhäuschen oder auch der englische Landschaftsgarten, den man zwischen Hochhäuser klemmen soll, wo gar kein Platz dafür ist. In Europa ist das aber genauso: Wir wissen auch relativ wenig über die Vielfalt der chinesischen Kultur. Es gibt natürlich extrem gebildete Chinesen, die vom Fach sind, aber es gibt eben auch Klischees, und die muss man erst einmal bedienen. So werden aktuell relativ viele Wohngebiete in einem Art-Deko-Style ausgeführt, also einer sehr amerikanischen 20er-Jahre-Architektur. Dafür dann einen passenden Landschaftsarchitekturstil zu finden ist nicht ganz einfach. Man kann natürlich einfach in den Jugendstil zurückgehen und auf diesen Fundus zurückgreifen, aber man muss trotzdem versuchen, das Ganze den heutigen Anforderungen und Lebensbedürfnissen anzupassen.

Für Europäer ist es nicht ganz einfach, die Wünsche chinesischer Auftraggeber richtig zu interpretieren. Foto: GTL Gnüchtel Triebswetter

Für Europäer ist es nicht ganz einfach, die Wünsche chinesischer Auftraggeber richtig zu interpretieren. Foto: GTL Gnüchtel Triebswetter

Dazu kommt, dass die Projekte dermaßen schnell abgewickelt werden, dass zum Teil über das Marketing Vorgaben kommen, unter welchen Gesichtspunkten die Wohneinheiten verkauft werden, nach dem Motto: „Wir vermarkten das jetzt als deutsche Wohlstandssiedlung.“ Und dieses Bild, das ja schon irgendwo kommuniziert worden ist, muss dann entsprechend umgesetzt werden. Das geht natürlich nicht eins zu eins, da muss man sich schon Gedanken machen: Was sind die funktionalen Anforderungen? Wie kann man diese in eine moderne Sprache übersetzen und auch mit den heutigen Materialien arbeiten, denn natürlich sieht auch eine Beleuchtungstechnik von 1910 anders aus als eine Beleuchtungstechnik von 2010.

Im Allgemeinen heißt es ja, dass die Menschen in Fernost vor lauter Arbeit kaum Freizeit haben. Gilt das auch für Sie als Ausländer in China?

Andreas Luka: Mit dem steigenden Wohlstand in China verändert sich natürlich auch die Lebensweise der Menschen, aber es wird schon viel gearbeitet, das gilt auch für mich. Es gibt immer wieder Projekte, die unter einem enormen Zeitdruck stehen. Man muss sich dann seine Auszeiten nehmen. Also, ich sage dann, wenn dieses Projekt fertig ist, verabschiede ich mich für drei, vier Wochen und mache eine Reise entlang der Seidenstraße. In dieser Zeit stehe ich dann einfach nicht zur Verfügung. Deswegen habe ich auch lange Zeit freiberuflich als Consultant gearbeitet, weil einem das natürlich mehr Freiheiten schafft. Für Festanstellungen gilt: Reguläre Urlaubstage gibt es nicht so viele, dafür aber relativ viele Feiertage, wie die goldene Woche zum chinesischen Frühjahrsfest und zum Nationalfeiertag, wo dann prinzipiell für alle eine Woche frei ist, die mit Urlaub entsprechend aufgestockt werden kann. Aber das sind natürlich keine Urlaubsregelungen, wie man sie aus Europa gewöhnt ist. Und ob man viele Überstunden machen muss, hängt stark von den Firmen und von den Projekten ab.

Dennoch haben Sie sich entschlossen, von der Selbständigkeit wieder zurück in die Festanstellung zu wechseln. Das ist ja eher ungewöhnlich …

Andreas Luka: Das hatte in erster Linie finanzielle Gründe. Das Eintreiben von Geld in China ist äußerst aufwändig. Die Zahlungsmoral ist nicht schlechter als in Deutschland, aber die rechtlichen Möglichkeiten, Zahlungen einzufordern, sind relativ beschränkt. Das läuft im Grunde auf Vertrauensbasis, und da sind die Chinesen einfach besser vernetzt. Die können sagen: „Okay, ich habe jetzt hier jemanden, der als Büroleiter das Management übernimmt und sich um das Finanzielle kümmert, und ich kann mich um das Gestalterische kümmern. So kann ich mich auf meine eigentliche Arbeit als Landschaftsplaner konzentrieren und bin nicht so viel mit Managementaufgaben beschäftigt.“ Das ist für einen selbständigen Consultant eher schwierig, und wenn man mit den Kunden direkt arbeitet, ist das finanzielle Risiko extrem hoch. Das war mir dann am Ende einfach zu anstrengend.

Fehlt Ihnen Deutschland und wenn ja, was fehlt Ihnen besonders?

Andreas Luka: Es gibt schon einige Bereiche der Kultur, die mir fehlen, zum Beispiel Theater. Man kann in China nicht einfach ins Theater gehen, weil man es nicht versteht. Und Untertitel, wie es sie in manchen Theatern gibt, sind keine wirkliche Hilfe. Auch das Angebot an Literatur, Lesungen usw. ist in China relativ dünn. Natürlich gibt´s das Goethe-Institut, aber das Programm ist nicht so umfangreich wie in einer deutschen Großstadt. Manchmal fehlt mir auch das deutsche Essen, wobei man das mittlerweile auch in Peking und Shanghai, selbst in Changsha haben kann, auch wenn die Hamburger Fischsuppe dort etwas schärfer ist als das, was man aus Hamburg kennt. Theoretisch könnte man in Shanghai oder Peking einen komplett europäischen Lebensstil leben und nichts Chinesisches essen, nichts Chinesisches anziehen, kein chinesisches Fernsehen gucken, es ist halt nur teuer und recht aufwändig. Aber es gibt auch Dinge, die ich wirklich vermisse, den Weihnachtsmarkt zum Beispiel. Es gibt zwar einen Weihnachtsmarkt an der deutschen Botschaft, aber da fehlt der Schnee. ■

 

Arbeiten in China

Die chinesische Wirtschaft boomt wie kaum eine andere: Trotz der weltweiten Wirtschafts- und Finanzkrise erwartet der Internationale Währungsfonds für 2013 ein Wachstum des chinesischen Bruttoinlandsprodukts um 8,2 %. Die Arbeitslosenquote liegt seit 2010 bei konstant 4,1 %. Das ist auch eine Chance für deutsche Architekten und Bauingenieure, denn die wachsende Verstädterung bringt eine anhaltend hohe Nachfrage nach Wohnraum mit sich. Wer in China arbeiten möchte, muss sich jedoch gegen zunehmend gut ausgebildete Chinesen durchsetzen und herausragende Qualifikationen mitbringen.

Auch die psychologischen Hürden liegen hoch. Die chinesische Amtssprache Mandarin (in Hongkong auch Kantonesisch) zu erlernen erfordert ein hohes Maß an Disziplin und stellt für sprachlich unbegabte Menschen eine fast unüberwindliche Hürde dar. Ohne Sprachkenntnisse wird man in China schnell an den einfachsten Alltagsverrichtungen scheitern – und man sollte sich nicht darauf verlassen, dass das Gegenüber Englisch versteht, auch nicht in den großen Metropolen Peking und Shanghai. Nicht zuletzt erleichtert die Beherrschung der Landessprache auch das in China besonders wichtige Netzwerken.

Nützliche Links: leben und arbeiten in China

  • Chinesische Botschaft in Berlin, www.china-botschaft.de
  • Deutsche Außenhandelskammer in China, http://china.ahk.de
  • Eine interessante Übersicht über die Situation der chinesischen Bauwirtschaft gibt es bei Germany Trade & Invest in der Reihe „Branche kompakt“ unter www.gtai.de.

Darüber hinaus sollte man die Bereitschaft mitbringen, sich unvoreingenommen auf die nationalen Gepflogenheiten einzulassen. Die chinesische Mentalität weist gegenüber der europäischen deutliche Unterschiede auf – und die können unter Umständen eine große Belastung sein. So ist das direkte Ansprechen von Problemen in China ein absolutes Tabu. Niemals darf der Gesprächspartner das Gefühl bekommen, bloßgestellt zu werden, sein Gesicht zu verlieren. Ein interkulturelles Training im Vorfeld kann hier unschätzbare Dienste leisten.

Eine Niederlassung als selbständiger Architekt oder Bauingenieur kommt in China anfangs kaum in Frage, da die bürokratischen Hürden für die Gründung ausländischer Unternehmen sehr hoch sind (so wird beispielsweise ein Startkapital von 100 000 Euro gefordert). Stattdessen sollte man sich lieber auf deutsche Unternehmen konzentrieren, die bereits in China aktiv sind. Besondere Kenntnisse in den Bereichen Nachhaltigkeit, effiziente Projektplanung und Gebäudemanagement werden stark nachgefragt und erhöhen die Chancen auf einen attraktiven Job.

Jobsuche

Erste Anlaufstelle für die Jobsuche in China ist die Zentrale Auslands- und Fachvermittlung der Bundesagentur für Arbeit www.ba-auslandsvermittlung.de.
Dort finden sich umfangreiche Informationen über den Zugang zum chinesischen Arbeitsmarkt und die administrativen Voraussetzungen für die Aufnahme eines Beschäftigungsverhältnisses. Ein guter Einstieg mit vielen Artikeln rund um das Leben und Arbeiten in China findet sich auf www.chinaseite.de.

Jobbörsen

www.cjol.com/
(in chinesischer Sprache)

www.chinajob.com
(in englischer Sprache)

www.cpjobs.com/hk/
(für Akademiker)

www.jiujik.com
(in englischer Sprache)

www.jobs.chinaweb.de

www.sinojobs.de

www.zhaopin.com
(in chinesischer Sprache)

Auch wenn persönliche Kontakte in China sehr wichtig sind, ist die Jobsuche vor Ort nicht unbedingt erfolgversprechender als von Deutschland aus, zumal für die Erteilung eines Arbeitsvisums Z ein gültiger Arbeitsvertrag vorliegen muss. Das Angebot von Jobbörsen im Internet ist groß, vom Stellenmarkt der Deutschen Außenhandelskammer in China (http://china.ahk.de unter Job Market), wo auch Stellengesuche mit Lebenslauf hinterlegt werden können, über Personalvermittlungsdienstleister wie www.eurochinajob.com, die ebenfalls mit vielen nützlichen Artikeln zum Leben und Arbeiten in China punkten, bis zu den zahllosen allgemeinen Jobportalen, die immer wieder interessante Jobangebote in China bereithalten. Regelmäßig einen Blick werfen sollte man auf die englischsprachige Webseite www.world-architects.com, wo Stellen für Architekten in der ganzen Welt ausgeschrieben werden.

Nationalstadion Peking. Foto: Ute Schroeter

Nationalstadion Peking. Foto: Ute Schroeter

Als Pendant für Bauingenieure ist www.theengineeringjob.com/ zu empfehlen. Dort lässt sich auch ganz gezielt nach Jobmöglichkeiten in China suchen. Eine chinesische Bewerbung besteht in der Regel aus einem einseitigen Anschreiben, einem zweiseitigen Lebenslauf (tabellarisch und antichronologisch) sowie einem Bewerbungsfoto. Kopien der Diplome oder Arbeitszeugnisse werden nur beigefügt, wenn dies vom Arbeitgeber ausdrücklich verlangt wird. Referenzschreiben sind dagegen üblich, z. B. von früheren Arbeitgebern, Professoren oder Ausbildern. Ob die Bewerbung in Chinesisch oder Englisch verfasst wird, hängt von dem Unternehmen ab, bei dem man sich bewirbt. Adressen für Initiativbewerbungen erhält man über die Deutsche Außenhandelskammer in China http://china.ahk.de.

Chinesische Unternehmen vertrauen oft auf den Ruf einer bestimmten Hochschule bzw. international anerkannte Rankings. Deutsche Hochschulen und der Aufbau der einzelnen Studiengänge sind ihnen allerdings nur selten bekannt, daher obliegt es dem Bewerber, seine Hochschule und die dort erworbenen Kompetenzen bestmöglich zu präsentieren und die Personalverantwortlichen dafür zu begeistern.

Printmedien

In China gibt es zahlreiche Tages- und Wochenzeitungen mit einer Extrabeilage für aktuelle Jobangebote. Zu den wichtigsten zählen:

Hinweis: Die Stellenanzeigen sind über die Internetangebote der genannten Zeitungen meist nicht zugänglich.

Beim Bewerbungsgespräch, das nicht selten telefonisch oder per Videokonferenz geführt wird, werden Höflichkeit und Zurückhaltung großgeschrieben. Hier sollte man sich vorher unbedingt mit den chinesischen Umgangsformen vertraut machen. So ist es üblich, dem Unternehmen nach dem Bewerbungsgespräch ein Dankesschreiben zukommen zu lassen, um noch einmal sein Interesse an der freien Stelle zu bekunden.

Es kann sein, dass man am Ende des Vorstellungsgesprächs bereits ein konkretes Angebot unterbreitet bekommt. Daher sollte man sich vorher genau überlegen, zu welchen Konditionen man arbeiten möchte, damit man sich davon nicht überrumpeln und auf Bedingungen einlässt, die man eigentlich nicht möchte. Generell sollte man sich darauf einstellen, dass bei chinesischen Firmen deutlich weniger gezahlt wird als bei ausländischen Firmen, die in China arbeiten.

Einreiseformalitäten

Um die Formalitäten für die Erteilung eines Arbeitsvisums Z kümmert sich üblicherweise der neue Arbeitgeber. Ohne gültigen Arbeitsvertrag wird kein entsprechendes Visum ausgestellt. Außerdem ist eine Reihe gesundheitlicher Untersuchungen Pflicht, die teils in Deutschland, teils in China durchgeführt werden müssen – darunter auch ein HIV-Test. Genaue Auskünfte erteilt die chinesische Botschaft in Berlin (www.china-botschaft.de).

Wer in China arbeiten möchte, muss sich mit der Mentalität der Menschen auseinandersetzen. Foto: Ute Schroeter

Wer in China arbeiten möchte, muss sich mit der Mentalität der Menschen auseinandersetzen.
Foto: Ute Schroeter

Der Arbeitgeber ist verpflichtet, die von ihm beschäftigten ausländischen Arbeitnehmer innerhalb von 30 Tagen nach Erhalt der Arbeitserlaubnis bei der örtlichen Sozialversicherungsbehörde anzumelden. Die Höhe der Sozialversicherungsbeiträge liegt in den einzelnen Städten und Regionen Chinas unterschiedlich hoch, in Peking beispielswiese bei 10,2 Prozent des monatlichen Bruttoeinkommens. Unter Umständen können die in China geleisteten Arbeitnehmerbeiträge zur Renten- und Krankenversicherung nach dem Ende des Beschäftigungsverhältnisses erstattet werden, wenn der Arbeitnehmer bis dahin keine Leistungen in Anspruch genommen hat.

Die Architectural Society of China (ASC) und die China Civil Engineering Society (CCES)

Die Architectural Society of China (ASC, www.chinaasc.org) wurde 1951 als „China Construction Engineering Society“ gegründet und widmet sich der wissenschaftlichen Forschung sowie dem internationalen Austausch von Know-how im Bereich der Architektur. Sie hat beratende Funktion bei nationalen städtebaulichen Projekten und versteht sich als Sprachrohr ihrer Mitglieder, zu denen auch Unternehmen und Institutionen gehören. Ihr Gegenstück für das Bauingenieurwesen ist die China Civil Engineering Society (CCES, www.cces.net.cn). Die Mitgliedschaft in diesen Organisationen ist mit einem bestimmten sozialen Status verbunden und wird meist auf Vorschlag durch ein anderes Mitglied gewährt. Eine direkte Entsprechung zu den deutschen Kammern bzw. Ingenieursvereinen gibt es in China nicht. ■

Architektur im Einklang

Akustik und Ästhetik miteinander in Einklang zu bringen war schon immer eine architektonische Herausforderung. Allerdings sind die Gelegenheiten, einen aus klanglicher wie baulicher Sicht gleichermaßen befriedigenden Konzertsaal zu entwerfen, rar gesät. Am Rensselaer Polytechnic Institute ist es einem Team aus Architekten, Ingenieuren, Theaterdesignern und Akustikern gelungen, ein bis ins letzte Detail auf die klanglichen Anforderungen ausgerichtetes Forschungs- und Aufführungsgebäude zu errichten, das auch in ästhetischer Hinsicht Maßstäbe setzt. Eine Annäherung an die Quadratur des Kreises.

Man merkt Johannes Goebel eine gewisse Befriedigung an, wenn er über die Schwierigkeiten spricht, die bei der Konstruktion des Curtis R. Priem Experimental Media and Performance Arts Center (kurz: EMPAC) zu meistern waren. Der gebürtige Niedersachse ist Direktor des Zentrums und hat dessen Entstehung in der gesamten Planungs- und Bauphase begleitet. Natürlich sind bei jedem Großprojekt dieser Art Hürden zu überwinden, doch der Bau, der den Campus des Rensselaer Polytechnic Institute in Troy im US-Bundesstaat New York dominiert, stellte die Verantwortlichen vor ganz besondere und zum Teil ungeahnte Herausforderungen. Das EMPAC ist mehr als ein universitäres Forschungs- und Aufführungsgebäude. Und es ist mehr als ein architektonischer Meilenstein. Es ist aus dem Zusammenwirken von Kunst, Wissenschaft und Architektur entstanden, und das mit einer Liebe zum Detail, die in Zeiten knapper Kassen nur noch selten durchgesetzt werden kann.

Foto: EMPAC Rensselaer/Kris Qua

Foto: EMPAC Rensselaer/Kris Qua

Die Geschichte des Baus ist nicht zuletzt Goebels Geschichte, denn ohne den gelernten Musiker und seine ganzheitliche Sichtweise auf das Projekt wäre das EMPAC vermutlich nicht der Kunst, Technologie und Forschung vereinende Komplex geworden, der heute zu bestaunen ist. Dass es trotz eines nur um ca. 30 % überschrittenen Budgets – bei einem derartigen Projekt und acht Jahren Planungs- und Bauzeit sehr erstaunlich – und einer um zwei Jahre längeren Bauzeit in seiner jetzigen Form umgesetzt werden konnte, ist der Hochschulpräsidentin Dr. Shirley Ann Jackson zu verdanken. Als es darum ging, wie eine anonyme Geldspende an das Rensselaer Polytechnic Institute sinnvoll zu verwenden sei, trieb sie den Bau als Schnittstelle zwischen Kunst, Wissenschaft, Technologie und Design in der nun vorliegenden Form voran. Mit Goebel holte sie sich einen erfahrenen Mann an die Seite, der bereits in die Planungen für den Bau des Zentrums für Kunst und Medientechnologie in Karlsruhe involviert gewesen war. Auf einer Informationsreise durch Europa warb sie ihn kurzerhand ab.

Ein Zentrum für Medien und Darstellende Kunst war für die amerikanische Hochschule keinesfalls selbstverständlich, denn Rensselaer gilt als die älteste technische Hochschule der USA, an der so berühmte Ingenieure wie Washington Roebling, der Erbauer der Brooklyn-Bridge in New York, oder Ray Tomlinson, der Erfinder der E-Mail, studiert haben. Kunst und Geisteswissenschaften spielen dort traditionell nur eine untergeordnete Rolle. Dass das Projekt dennoch in diesem Umfang umgesetzt wurde, ist gewiss eine Prestigefrage, nicht zuletzt aber auch eine Frage des Selbstverständnisses der Hochschule als Ort, an dem höchste Ingenieurskunst gelehrt und umgesetzt wird.

Akustik, digitale Medien und Bühne im Gleichklang

Foto: EMPAC Rensselaer/Brian Chitester

Foto: EMPAC Rensselaer/Brian Chitester

Bei der Ausschreibung für das EMPAC 2001 ließ das Londoner Architekturbüro Grimshaw so renommierte Konkurrenz wie Bernard Tschumi, Davis Brody Bond Aedas oder Morphosis hinter sich – auch weil Firmengründer und Klassik-Fan Sir Nicholas Grimshaw den Konzertsaal als Kronjuwel ganz in den Vordergrund rückte. Grimshaw soll die Präsidentin gefragt haben, ob sie einen Multifunktionssaal haben wolle, wo man sowohl Basketball spielen als auch Diplomverleihungen und die jährliche Weihnachtsfeier abhalten könne, oder ob es doch lieber ein Ort von so hoher Qualität sein solle, dass sich Musiker aus der ganzen Welt darum reißen würden, dort zu spielen. Die Antwort der Präsidentin fiel eindeutig aus. Und sie sollte Grimshaw und ein ganzes Team von Architekten, Ingenieuren, Technikern, Theaterdesignern und Akustikern über acht Jahre lang beschäftigen. Da keiner der Beteiligten eine Vorstellung davon hatte, welche Anforderungen der finale Bau an der Schnittstelle zwischen Kunst, Forschung und Technologie erfüllen musste (weder Architekten noch Akustiker oder Theaterplaner waren mit den spezifischen Erfordernissen von Avantgarde-Musik, digitalen Medienkünsten oder modernem Tanztheater beziehungsweise deren Überschneidungen mit Wissenschaft und Forschung vertraut), liefen die Fäden bei Goebel zusammen, der das Projekt mit dem Blick des Künstlers und seiner Erfahrung im Bereich digitaler Medien begleitete und selbst auf solche Details achtete, dass bei Konzerten die Füße der Musiker zu sehen sind. Hören, Sehen, räumliche Wahrnehmung – alle Sinne sollten gleichberechtigt angesprochen werden. Und das auf höchstem Niveau.

Doch nicht alleine die künstlerischen Erfordernisse stellten das Team auf die Probe. Schon das Grundstück, auf dem der spätere Bau errichtet werden sollte, war eine echte Herausforderung: Der Hang aus lockerem Sand und Lehmschichten drohte langfristig jedes Gebäude mit sich zu reißen. Die ursprünglich geplante Variante, ihn durch eine 21 Meter hohe Flüssigbetonwand zu sichern und den Großteil der Räumlichkeiten unterirdisch unterzubringen, wurde vom ursprünglichen Generalunternehmer zugunsten eines abgestuften Fundaments verworfen. Über 60 Meter lange Felsanker mussten in tiefere Gesteinsschichten versenkt werden, um die Wände gegen den Druck des Hangs an ihrem Platz zu halten. Aus diesem Grund, aber auch aufgrund der immer verfeinerten Definition der funktionalen und programmatischen Anforderungen musste die gesamte Raumplanung neu überdacht und das Gebäude noch in der Planungsphase von Grund auf neu entworfen werden. Mehrmals wurden Spezialunternehmen gegen andere ausgetauscht, wenn die baulichen Gegebenheiten alternative Lösungsansätze erforderten. Hochschulpräsidentin Jackson setzte mit unerbittlichem Qualitätsanspruch durch, dass sowohl ursprüngliche architektonische Merkmale wie der hölzerne Korpus des Konzertsaals als auch qualitative und funktionale Details realisiert wurden und nicht dem Rotstift zum Opfer fielen. Ihre Forderung, ein Gebäude zu bauen, das 100 Jahre halten würde, war in der amerikanischen Bauwelt „unerhört“.

Foto: EMPAC Rensselaer/Natt Phenjati

Foto: EMPAC Rensselaer/Natt Phenjati

Der Konzertsaal ist das Herzstück des EMPAC und erforderte besonders großen Einfallsreichtum, um die bedingungslose Unterwerfung unter die akustischen Prioritäten bei maximaler technischer Flexibilität praktisch umzusetzen, ohne dabei die Ästhetik zu vernachlässigen. Wie der Korpus eines bauchigen Saiteninstruments legt sich eine aus Zedernholz gefertigte Außenhaut um den Saal und verleiht ihm auch optisch die Anmutung eines Resonanzkörpers. Damit der Klang an jeder Stelle des Raums von gleichermaßen hoher Qualität ist, haben sich die Akustiker von Kierkegaard Associates eine Menge einfallen lassen, von leicht konvexen Seitenwänden, die eine optimale Klangverteilung gewährleisten, bis zu elektrischen Akustikrollos, die je nach Bedarf hoch- und runtergefahren werden können, um die Nachhallzeit zu variieren. Dort, wo das Auge sonst nur auf die unschönen, aber unerlässlichen Catwalks und Traversen fällt, spannt sich in 12 Metern Höhe ein Spezialstoff über den Zuschauerraum, der so fein gewebt ist, dass er hoch- und mittelfrequente Töne zu reflektieren vermag. Alleine die Entwicklung dieses Gewebes, das selbstverständlich auch den strengen Brandschutzbestimmungen genügen musste, nahm fast vier Jahre in Anspruch.

Auch sonst wurde auf jedes Detail geachtet, das die Akustik in irgendeiner Weise beeinträchtigen könnte, zum Beispiel auf sirrfreie Dimmer für die Theaterbeleuchtung und eine fast lautlose Lüftung (der Grundgeräuschpegel des Raums liegt bei maximal 8 dB). Doch auch das Theater und die beiden Studios für Tonaufnahmen, Videoproduktionen, Medienproduktionen und Forschung, die in dem Komplex untergebracht sind, haben es in sich. Damit in allen Räumen gearbeitet werden kann, ohne dass der Schall des einen die Arbeit in dem anderen beeinträchtigt, wurden sie mit großem baulichem Aufwand durch separate Fundamente akustisch voneinander getrennt oder schweben als „Raum im Raum“ auf Federn, die auf exakt 6 Hz gestimmt sind. Nicht der geringste Ton dringt von innen nach außen oder von außen nach innen. Selbst die Glasfassade des Gebäudes ist mit Neopren-Puffern an dem Bau aufgehängt, damit bei stürmischem Wetter die Windlast nicht auf die Räume übertragen wird. Dass durch die Glasrahmen der großen gläsernen Nordfassade warme Flüssigkeit gepumpt wird, damit die Fenster bei schlechtem Wetter nicht beschlagen und stets den Blick auf die reizvolle Landschaft freigeben, mutet dagegen schon fast trivial an. Hierbei handelt es sich übrigens um ein deutsches Produkt – sowohl Planung und Bau als auch das im Anschluss entstandene Programm des EMPAC sind international.

Foto: EMPAC Rensselaer/Brian Chitester

Foto: EMPAC Rensselaer/Brian Chitester

Ein kleiner Kern des Mitarbeiterstabs rund um Goebel übernahm die Integration der komplexen Audio-, Video- und IT-Infrastruktur, da es in den USA kein Planungsbüro gab, das die definierten Anforderungen qualitativ erfüllen konnte. Auch nach der Fertigstellung tüfteln die Experten an Problemlösungen, die mit der besonderen Aufgabe des EMPAC als Forschungs- und Aufführungsort zu tun haben. So musste beispielsweise eine Steuerung entwickelt werden, die für eine optimale Luftfeuchtigkeit für die Klaviere sorgt. Und erst 2012 konnten die Türen des Konzertsaals wie geplant fertig gestellt werden. Doch das sind für Goebel nur noch Kleinigkeiten. Er kann stolz von sich behaupten, Direktor eines weltweit einmaligen Universitätsgebäudes zu sein, das in akustischer wie ästhetischer Hinsicht Maßstäbe setzt. Ein besonderer Raum, der nur durch das Zusammenwirken verschiedenster Disziplinen entstehen konnte. Und durch den visionären Geist seiner Initiatoren. ■

Richtig präsentieren – aber wie?

Vorträge und Präsentationen gehören in fast allen akademischen Berufen zum Alltag – auch für Architekten und Bauingenieure. Zahllose Rhetorikseminare, Vortrags-Coachings und Präsentationsschulungen vermitteln ihren Teilnehmern das erforderliche Rüstzeug für einen souveränen Auftritt vor Publikum. Doch in der Praxis sind überfrachtete, unverständliche und vor allem gähnend langweilige Vorträge noch immer die Regel. Dabei ist es gar nicht so schwierig, seine Argumente anschaulich und überzeugend zu präsentieren.
Ein gelungener Vortrag ist wie eine gute Show: Er soll den Zuhörer beeindrucken, unterhalten und anregen. Information kommt nach einer Studie der Unternehmensberatung Mercer erst an vierter Stelle der Publikumserwartungen. Wer seine Inhalte also erfolgreich vermitteln will, sollte seine Präsentation interessant, abwechslungsreich und überraschend gestalten. Das fängt bereits bei der Vorstellung an: Viele Redner moderieren sich und ihren Vortrag umständlich an, statt gleich zur Sache zu kommen. Das kostet nicht nur wertvolle Redezeit, sondern bremst auch das Tempo des Vortrags, bevor dieser überhaupt in Fahrt gekommen ist. Ebenso kontraproduktiv sind umfangreiche Erklärungen zum Ablauf des Referats. Eine Dramaturgie lässt sich auf diese Weise kaum aufbauen. Am besten also den Einführungsteil möglichst knapp halten und gleich zum eigentlichen Thema überleiten.

Sieben Goldene Präsentations-Regeln 

1. Auf den roten Faden achten:PowerPoint-Präsentationen sind nur so gut wie der Vortrag, den sie begleiten. Machen Sie sich also zunächst Gedanken über den Aufbau Ihrer Argumentation, bevor Sie mit der optischen Gestaltung beginnen. Versuchen Sie dabei, sich an den Erwartungen Ihrer Zuhörer zu orientieren. Sobald Sie sich über den roten Faden Ihres Vortrags im Klaren sind, ist die Präsentation schon so gut wie fertig.

2. Weniger ist mehr: Lassen Sie sich nicht durch die zahllosen Möglichkeiten verführen, die PowerPoint Ihnen bietet. Eine Präsentation besteht in erster Linie aus dem mündlichen Vortrag. Folien und Grafiken sollen das gesprochene Wort unterstützen, nicht davon ablenken. Als Faustregel gilt: Höchs-tens fünf Wörter pro Zeile und nicht mehr als fünf Zeilen pro Folie. Stilelemente, Schriften und Farben sparsam einsetzen.

3. Grafiken statt Zahlen: PowerPoint ist ein optisches Hilfsmittel, um komplexe Sachverhalte zu veranschaulichen. Dies gilt insbesondere für Zahlen und Daten, die im gesprochenen Vortrag schnell untergehen. Doch auch starre Grafiken bleiben schlecht im Gedächtnis haften. Hier lassen sich die Animationsmöglichkeiten des Programms sinnvoll nutzen: Nichts illustriert einen Anstieg so effektiv wie ein wachsender Balken.

4. Richtiges Timing: Eine gute PowerPoint-Präsentation darf die Zuhörer nicht von Ihrem Vortrag ablenken. Jede neue Folie verführt zunächst dazu, sie zu lesen. Daher sollten Sie wichtige Inhalte zunächst mündlich transportieren, bevor Sie sie unmittelbar danach (!) optisch in Erinnerung rufen. Achten Sie darauf, die Folien nicht mit Informationen zu überfrachten. Eine Kernaussage pro Folie genügt völlig.

5. Vortragen statt vorlesen: Wer seine Präsentation von der Folie abliest, macht sich überflüssig. Sobald das Publikum Ihre Ausführungen mitlesen kann, verlieren Sie seine Aufmerksamkeit. Daher werden Handouts erst nach dem Vortrag ausgeteilt. Noch einmal: Sie stehen als Vortragender im Mittelpunkt, nicht PowerPoint. Im Zweifelsfall müssen Sie in der Lage sein, Ihren Vortrag auch ohne technische Hilfsmittel zu halten.

6. Das Publikum fesseln: Ihre Zuhörer wollen in erster Linie unterhalten werden. Untersuchungen zeigen, dass die meisten Menschen sich nur an Anfang und Ende eines Vortrags erinnern. Legen Sie daher besonders großen Wert auf einen fesselnden Auftakt. Statt einer (drögen) Zusammenfassung sollte am Ende lieber eine provokante Frage oder These in den Raum gestellt werden. Achten Sie dabei stets auf Blickkontakt!

7. Nehmen Sie sich Zeit: Gut Ding will Weile haben, das gilt auch für Präsentationen. Und zwar nicht nur bei der Vorbereitung, die möglichst nicht auf den letzten Drücker erfolgen sollte, sondern auch während des Vortrags. Nehmen Sie sich Zeit, Schaubilder zu erläutern, sehen Sie kurze Pausen vor, um Informationen sacken zu lassen und hetzen Sie nicht durch Ihren Text. Dann bleibt das Publikum Ihnen ganz Ohr.

 Mit pfiffigen Worten das Publikum einfangen

Schon die ersten Worte entscheiden darüber, ob Ihnen das Publikum für den Rest des Vortrags seine Aufmerksamkeit schenkt – oder auf Durchzug schaltet. Hier bieten sich rhetorische Fragen an, die das Publikum zum Mitdenken anregen. Auch überraschende und provokative Aussagen, die den Widerspruchsgeist der Zuhörer wecken, erfüllen diesen Zweck. Kleine Geschichten und persönliche Anekdoten zum Thema haben sich ebenfalls bewährt, um einen „guten Draht“ zum Publikum herzustellen. Dabei sollte immer der Augenkontakt zu den Anwesenden gesucht werden. Schüchterne Gemüter können ihren Blick auch einfach nur über die Köpfe schweifen lassen – den Unterschied merkt man als Zuhörer nicht.
Wer im Alltag eher der nüchterne Typ ist, muss am Rednerpult nicht zum Stand-up-Comedian mutieren. Das Wichtigste ist ein glaubwürdiges und sicheres Auftreten. Und Sicherheit gewinnt man am besten durch eine gute Vorbereitung. Nehmen Sie sich daher die Zeit, Ihren Vortrag gründlich auszuformulieren. Alles, was auf dem Papier steht, kann Ihnen später weiterhelfen, wenn Sie aufgrund einer Zwischenfrage (oder durch Lampenfieber) den roten Faden verloren haben. Lesen Sie sich Ihren Text mehrfach durch. Laut! Auf diese Weise verinnerlichen Sie Ihre eigene Argumentation – und können leichter daran anknüpfen, wenn Sie unterbrochen wurden. Außerdem schulen Sie so Ihre Aussprache. Alleine durch die Sprachmelodie können Sie die Wirkung Ihrer Aussagen entscheidend beeinflussen. Betonen Sie die Verben, das macht den Vortrag dynamischer. Und bauen Sie Pausen ein, um dem Publikum Zeit zum Nachdenken zu geben.

Der Redner bestimmt die Qualität

Wo früher Overhead-Projektoren und Flipcharts zur Illustration des gesprochenen Wortes dienten, werden mittlerweile fast überall Computertools wie PowerPoint eingesetzt. Schätzungen zufolge werden damit täglich an die 30 Millionen Präsentationen zusammengebastelt. Doch Vorsicht! Qualität und Erfolg eines Vortrags werden noch immer durch den Redner bestimmt, nicht durch die Software. Alle noch so beeindruckenden PowerPoint-Mätzchen können fehlende Argumente oder einen unschlüssigen Aufbau nicht wieder wettmachen. Im Gegenzug kann eine übertrieben animierte, effekthaschende Präsentation auch einem guten Vortrag den Wind aus den Segeln nehmen.
Für einen guten PowerPoint-Vortrag sollten Sie sich an die 10-20-30-Regel halten: nicht mehr als zehn Folien, nicht länger als 20 Minuten, nicht weniger als 30-Punkt Schriftgröße. Auf diese Weise sind Sie gezwungen, sich auf das wirklich Wesentliche zu konzentrieren. So kommen Sie gegen Ende Ihrer Redezeit auch nicht ins Schlingern, weil Sie noch nicht zum eigentlichen Kern Ihrer Argumentation gelangt sind. Sparen Sie sich für den Abschluss Ihres Referats einen Höhepunkt auf. Und verlassen Sie sich stärker auf die Zugkraft Ihrer Argumente als auf wilde Animationen. Dann können Sie Ihren Vortrag sogar dann halten, wenn die Technik Ihnen einen Strich durch die Rechnung macht.

Mit Stimme punkten

Eine schöne Stimme ist ein Pfund, mit dem man seine Zuhörerschaft in den Bann ziehen kann. Es mag sein, dass nicht jeder mit einer angenehmen Klangfarbe gesegnet ist, trotzdem kann man durch einfache Maßnahmen seiner Stimme mehr Ausdruck, Wärme und Klang verleihen. Stimme entsteht, indem wir unsere Stimmlippen im Kehlkopf durch Atmung in Schwingungen versetzen. Auch ein Cello funktioniert vom Prinzip her genauso, die Saiten werden in Schwingungen versetzt, es entstehen Töne. Doch warum geht vom Cello stets ein wohlig warmer Klang aus, während die menschliche Stimme häufig klang- und farblos klingt? Die Antwort liegt im Resonanzraum. Beim Streichen der Saiten verstärkt der Holzkörper die Töne und gerät dabei selbst in Schwingungen. Viele Menschen vergessen, dass auch sie Resonanzräume haben und zwar den eigenen Körper, angefangen mit den Nasennebenhöhlen, dem Rachenraum bis hin zum Brust- und Bauchraum. Doch im Gegensatz zum Cello haben wir zwei Gegenspieler, die unsere Klangräume regelrecht „dicht“ machen: eine ungünstige Körperhaltung und durch Stress bedingte Anspannung. Wenn Sie beides ausschalten, haben Sie viel gewonnen: Ihre Körperhaltung sollte aufrecht sein. Stellen Sie sich vor, Sie seien mit einem unsichtbaren Faden am Himmel festgebunden worden. Lassen Sie die Schultern bewusst locker (weg von den Ohren). Ratsam ist es, die Füße etwa hüftbreit zu stellen und die Knie leicht zu beugen. Achten Sie auf eine gute Stabilität, indem sie immer wieder mit beiden Füßen Kontakt zum Boden aufnehmen. Gegenspieler Nummer zwei führt zu einer flacheren, schnelleren Atmung (Hochatmung). Deshalb: Lassen Sie locker, atmen Sie bewusst aus! Für die Qualität der Stimme ist nicht entscheidend, dass viel Atemluft zur Verfügung steht, sondern die Luft optimal genutzt wird. Versuchen Sie sich die Zwerchfellatmung anzugewöhnen: Die Bauchdecke wölbt sich beim Einatmen leicht nach außen, wobei eine Dehnung in den Flanken spürbar sein sollte. Wenn Sie beiden Aspekten Beachtung schenken, sind Sie auf einem gutem Weg, Ihre Stimme optimal klingen zu lassen.  ■

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