Betonwüsten aus Wüstensand

von Ute Schroeter

Foto: Pexels/pixabay.com

Die Erkenntnis, dass es zwar jede Menge Sand auf der Welt gibt, dieser aber nicht als Baumaterial geeignet ist, wurde bereits in vielen Fernsehdokumentationen deutlich. Demnach sind 95 % unserer Sandvorkommen weltweit nicht für den industriellen Einsatz geeignet. Bisher galt auch die Herstellung von Beton aus Wüstensand als nicht realisierbar. Zwei Deutsche haben nun eine Idee, wie sich das ändern lässt.

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Eric geht den Dingen auf den Grund. Vor laufender Kamera macht er für seine jungen Zuschauer in der ZDF-Fernsehsendung pur+ allerlei Experimente. Einmal geht er der Frage nach, warum man Beton nicht aus Wüstensand herstellen kann. Unterstützt von einem Experten stellt er verschiedene Betonmischungen mit unterschiedlichen Zuschlagstoffen her, genauer gesagt Glasscherben, Wüstensand und Bausand. Beim Druckfestigkeitsversuch zeigt sich sehr eindrucksvoll, wie der Wüstensand-Beton als erster „schlapp“ macht. Der Experte in der Sendung erklärt den Grund: „Die Sandkörner sind zu rund und zu glatt, um sich mit dem Zement zu verbinden. Die Stabilität kommt erst zustande, wenn dem Beton scharfkantiges Material zugesetzt wird.“ Darum liegt der Glasscherben-Beton beim pur+-Experiment hinsichtlich seiner Druckfestigkeit im Mittelfeld, der „eckige“ Bausand schneidet am besten ab. Die Erkenntnis, dass es zwar jede Menge Sand auf der Welt gibt, dieser aber nicht als Baumaterial geeignet ist, wurde bereits in vielen Fernsehdokumentationen deutlich. Demnach sind 95 % unserer Sandvorkommen weltweit nicht für den industriellen Einsatz geeignet.

Griffiger Wüstensand

Die deutschen Unternehmer Helmut Rosenlöcher und Leopold Halser haben nun eine Idee, wie man Beton auch mit Wüstensand Griffigkeit verleihen kann. In der Zeitung „Die Welt“ gibt der Chemiker Rosenlöcher an, er sei vor zwei Jahren auf den Gedanken gekommen, Feinsand aus der Wüste oder anderen Quellen noch feiner aufzumahlen, um ein Steinmehl herzustellen, das sich zusammen mit mineralischen Bindemitteln zu Pellets pressen lässt. Spezielle Hochgeschwindigkeitsmischer mit 1.500 Umdrehungen könnten die Pellets unter Zusatz von Zement und Wasser zu Beton verarbeiten. Rosenlöcher und Halser haben die Münchner Firma Mulitcon gegründet, die sich auf die Entwicklung neuer Betontechnologien spezialisiert hat. Durch die intensive Beanspruchung im Mischer würden sich Bindemittel, Additive und Zuschlagstoffen besser miteinander verbinden, erklären die Unternehmer. Das daraus resultierende Baumaterial sei sogar druckfester als herkömmlicher Beton.

Arbeit an verschiedenen Lösungen

Experimente mit Feinsand im Beton gibt es schon länger. Dr. Gerhard Dust, Geschäftsführer von Polycare Research Technology, verwendet in seinem Produkt Polyesterharz statt Zement, um die Wüstensandkörnchen zu binden. Aus diesem Polymerbeton stellt seine Firma eine Art Legostein her, mit dem sich recht schnell und einfach Häuser bauen lassen. Diese Unterkünfte mögen zwar klein und wenig komfortabel erscheinen, doch sie bieten Menschen ein stabiles Zuhause, die in Zelten oder sonstigen Notunterkünften leben müssen.
Polymerbeton hat gegenüber normalem Beton eine höhere Tragkraft und ist zugfester. Es ist ein in der Baubranche gängiges Baumaterial, allerdings bisher noch ohne Wüstensand.

 

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