Interview: Bauleitung

Der Diplom-Ingenieur Christian Wagner ist seit über zehn Jahren als Bauleiter tätig, derzeit arbeitet er in einem mittelständischen Roh- und Fertigteilbauunternehmen in München. TALIS sprach mit ihm über einen abwechslungsreichen Beruf, der starke Nerven erfordert.

Herr Wagner, sind Sie zufrieden mit Ihrer Berufswahl?

Christian Wagner: Ja, im Großen und Ganzen bin ich sehr zufrieden. Ein Bürojob wäre nicht das Richtige für mich gewesen, ich habe schon immer gerne draußen auf dem Bau gearbeitet. Nach einer Ausbildung als Zimmerer war ich ein Jahr lang in einer Holzbaufirma mit Hauptgeschäftsfeld Denkmalpflege tätig. Während meines Bauingenieurstudiums an der FH Würzburg habe ich weitere Erfahrungen in der Kalkulation und in der Bauleitung gesammelt. So lernt man das Umfeld sehr gut kennen; und da ist mir schnell klar geworden, dass der Beruf gut zu mir passt.

Was gefällt Ihnen an Ihrer Tätigkeit besonders gut?

Christian Wagner: Es fühlt sich einfach gut an, wenn man ein fertiges Bauwerk betrachtet und weiß, dass man mit seiner Arbeit zu seiner Entstehung beigetragen hat. Außerdem ist Bauleitung ein sehr abwechslungsreicher Beruf. Die Teams innerhalb des Unternehmens wechseln mit jedem neuen Projekt, das heißt, der Vorgesetzte, der Polier und auch die Mitarbeiter auf dem Bau sind in der Regel nicht gleich. Ich persönlich finde es interessant, Menschen immer wieder neu einschätzen zu müssen, natürlich kann das auch anstrengend sein. Was mir außerdem gut gefällt, sind die immer neuen Projekte, mit denen ich mich beschäftige. In einem Jahr ist es der Wohnungsbau, im nächsten Jahr geht es um Industriebau. Für jeden Bereich gelten eigene, ganz spezielle Anforderungen. Das kann die Montage betreffen, aber auch die Logistik. Selbst bei Tätigkeiten, die sich wiederholen, sind eigene Ideen gefordert, um Arbeitsabläufe effizienter zu gestalten. Ein besonders schönes Gefühl ist es, wenn man eine wirklich kniffelige Situation gemeistert hat, bei der zuerst gar kein Ausweg in Sicht war und für die man dann – meist gemeinsam mit seinen Kollegen – eine Lösung findet.

Welche Kehrseiten bringt der Beruf mit sich?

Christian Wagner: Bauleitung erfordert ein hohes Maß an Engagement, ein Zwölf-Stunden-Tag ist keine Seltenheit. Wem geregelte Arbeitszeiten wichtig sind, der sollte sich lieber für einen anderen Beruf entscheiden. Bauleiter brauchen starke Nerven und dürfen sich, wenn Probleme auftreten, nicht so schnell aus der Ruhe bringen lassen. Und man muss die Baubranche mit ihren Eigenheiten einfach mögen.

Was meinen Sie damit? Den rauen Umgangston in der Baubranche?

Christian Wagner: Nein – der viel zitierte raue Ton ist nach meinen Erfahrungen ein Klischee. Wie in anderen Branchen auch gibt es sicherlich Meinungsverschiedenheiten, die aber in der Regel sachlich und mit den gängigen Höflichkeitsregeln diskutiert werden. Wie die Baubranche tickt, lässt sich nicht in Worte fassen. Das muss jeder selbst herausfinden.

Worin genau besteht Ihre Aufgabe als Bauleiter?

Christian Wagner: Oberstes Ziel ist es, ein Projekt innerhalb einer vorgegebenen Zeit so umzusetzen, dass für das Bauunternehmen unterm Strich Gewinn übrig bleibt. Im Grunde genommen bin ich ein Unternehmer im Unternehmen, denn jede Baustelle wird betriebswirtschaftlich gesehen eigenständig bewertet. Die Leistung eines Bauleiters hängt entscheidend von einer kostendeckenden
Arbeitsweise ab. Ich bin in erster Linie dafür verantwortlich, die jeweils geeigneten
Arbeitsverfahren auszuwählen. Natürlich stehe ich nicht allein vor dieser Aufgabe, ich bin Teil eines großen Teams. Schon bei der Kalkulation wird überlegt, mit welchen technischen Mitteln gewinnbringend gearbeitet werden kann. Eine meiner Hauptaufgaben besteht darin, anhand des Leistungsverzeichnisses mit entsprechend hinterlegten Preisen und der Baupläne die Arbeitsabläufe vorzubereiten; dazu gehören Einteilung der Arbeitskräfte, Materialbestellung und Terminkoordination. Ich bin aber auch für die Abrechnung oder Nachtragsverhandlungen mit dem Bauherrn zuständig.

Wie sieht ein typischer Arbeitstag bei Ihnen aus?

Christian Wagner: Bauleiter fangen in der Regel früh an, meistens schließe ich gegen 7 Uhr mein Bauleiterbüro auf, das sich – zumindest innerhalb unseres Unternehmens – immer direkt auf der Baustelle befindet. Das ist aber auch schon das einzig Typische an meinem Arbeitsalltag, kein Tag ist wie der andere. Das liegt ganz einfach daran, dass mit jeder Phase des Projektes immer wieder neue, wechselnde Aufgaben zu erledigen sind. Steht eine Baustelle ganz am Anfang, konzentriere ich mich auf die Arbeitsvorbereitung. Während der Bauphase muss ich mich eher um den reibungslosen Ablauf der Arbeiten kümmern. Dazu gehört auch, für meine Mitarbeiter immer ansprechbar zu sein. Es gibt Tage, an denen ich sehr oft raus muss, um Probleme zu lösen. Weiterhin müssen Aufmaße erstellt und entsprechend abgerechnet werden, Nachträge für nicht im Leistungsverzeichnis aufgeführte Arbeiten gestellt werden oder es finden Besprechungen mit dem Bauherrn statt.

Was muss ein guter Bauleiter können?

Christian Wagner: Bauleiter müssen mit den gängigen technischen Regelwerken, wie der VOB, Teil B, vertraut sein. Weiterhin ist die Fähigkeit, vorausschauend zu handeln, von großem Vorteil. Das lässt sich am Beispiel „Lagerung von Baumaterialien“ gut erklären: Es ist wenig sinnvoll, den gesamten Baustahl, den man für ein Projekt benötigt, von Anfang an vorzuhalten. Das liegt nicht nur an den begrenzten Lagerkapazitäten auf der Baustelle. Auch die Kosten müssen vorgestreckt werden, gegenüber dem Bauherrn können jedoch nur Materialien geltend gemacht werden, die bereits eingebaut wurden. Eine Just-in-time-Strategie ist demnach wirtschaftlich, erfordert aber auch Augenmaß, um im entscheidenden Moment das benötigte Material vor Ort zu haben. Was außerdem wichtig ist: Wer als Bauleiter arbeiten möchte, sollte niemanden von oben herab behandeln. Das kommt erstens nicht gut an und ist zweitens auch nicht gerechtfertigt. Bauleiter sind ohne ihren Polier, der zwar von der Hierarchie her untergeordnet ist, aufgeschmissen. Auch von den Leuten, die bei Wind und Wetter draußen arbeiten, wird viel verlangt. Mangelnder Respekt vor den Leistungen anderer wird sich irgendwann rächen.

Gibt es Projekte, an die Sie sich besonders gern erinnern?

Christian Wagner: Ich bin stolz auf ein Projekt, das wir im Auftrag eines namhaften
Automobilherstellers durchgeführt haben. Der Auftrag bestand darin, einen 180 Meter langen und 50 Meter breiten Fahrzeugspeicher für Neuwagen zu bauen. Es war im Grunde genommen ein großes Parkdeck mit zwei Parkebenen und Erdgeschoss mit einem großen Präsentations- und Verkaufsraum. Ursprünglich waren die oberen Geschosse als Stahlkonstruktion geplant, unsere Firma entwickelte jedoch als Sondervorschlag eine Fertigteillösung. Wir haben vorgespannte Fertigteile mit Spannweiten von ca. 15-16 m verbaut. Die Montageplanung war sehr anspruchsvoll, ich habe tagelang über Montageplänen gesessen und mir in enger Zusammenarbeit mit dem Mobilkranverleiher effiziente Montageabläufe ausgedacht. Es war schon beeindruckend, wie mit 400-Tonnen-Autokranen die Fertigteile eingebaut wurden, wie teilweise die Krane mit 80 m hohen Gittermastspitzen Gewichte von 15 t bis zu 70 m weit bewegt haben. Ob ein Projekt Spaß macht oder nicht, hängt auch ganz entscheidend davon ab, mit wem man zusammenarbeitet. Bei diesem Projekt haben alle Projektbeteiligten sehr gut harmoniert, alle haben an einem Strang gezogen, auch das Verhältnis zum Bauherrn stimmte von Anfang an. Unter diesen Voraussetzungen macht die Arbeit richtig Spaß und es macht einem weniger aus, wenn es mal stressiger zugeht oder wenn man merkt, dass es schon wieder acht Uhr abends geworden ist.   ■

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Einsteigerbranchen

Von der Planung bis zur Bauleitung, vom Bauunternehmen bis zum Architekturbüro – nach dem Studium stehen gleich mehrere Wege zur Auswahl, um in den Beruf zu starten. Im Folgenden ein Überblick über die wichtigsten Einstiegsmöglichkeiten für junge Architekten und Bauingenieure.

Fachplanung im Architektur- oder Ingenieurbüro

Auswahl an Aufgabenfeldern von Planungsbüros

Wohnungsbau/Hochbau
Das wirtschaftlich wichtigste Betätigungsfeld für Architekten ist immer noch der Wohnungsbau, gefolgt vom öffentlichen sowie gewerblichen Hochbau. Hierbei geht es nicht nur um Planung und Entwurf von neuen Gebäuden, sondern verstärkt auch um das Bauen im Bestand. Umbauten und Erweiterungen sowie Instandsetzung und Modernisierung sind mehr denn je gefragt. Im Zuge des demografischen Wandels wird die Planung von alters- und behindertengerechten Wohnungen zunehmend ein Thema für Architekten. Stadt- und Regionalplanung In der Stadt- und Regionalplanung werden zum Beispiel Vorschläge für Neubaugebiete, für die Erneuerung schon bebauter Gebiete und für die Ergänzung der Infrastruktur in Ortschaften, Städten und Regionen erarbeitet. Es müssen Pläne für die Art der Bebauung, die Führung der Verkehrswege, die Lage der Versorgungseinrichtungen und Grünflächen sowie die Finanzierung aufgestellt, Planungs- und Beteiligungsverfahren organisiert und die Folgen alternativer Entwicklungsmöglichkeiten abgeschätzt werden. Stadt- und Regionalplaner müssen dabei den Umweltschutz und die ökologischen Anforderungen berücksichtigen.

Grundbau
Vor der Planung, spätestens aber vor dem Bau eines Bauwerkes sind die Tragfähigkeit des Baugrundes anhand von Bodenproben und das Setzungsverhalten unter Belastung zu prüfen. Bauingenieure, die sich auf Grundbau und Bodenmechanik spezialisiert haben, kommen hier zum Einsatz. Sie berechnen auch die Standsicherheit von Böschungen. Grundbau- und Bodenmechaniker sind an vielen Tiefbaumaßnahmen, wie Stollen-, Tunnel-, Deponie- und Rohrleitungsbau sowie Altlastenbeseitigung oder -sicherung beteiligt.

Konstruktiver Ingenieurbau
Tragwerksplaner sind für die Sicherheit der Baukonstruktion verantwortlich. Daher sind genaues Arbeiten sowie gute EDV- und Mathematikkenntnisse erforderlich. Beim Hoch- und Wohnungsbau arbeiten Architekten und Tragwerksplaner eng zusammen, wobei der Tragwerksplaner eine Beratungsfunktion übernimmt. Beim Brücken- und Industriebau, bei Türmen und Antennen, Windkraftanlagen, Schornsteinen und ähnlichen Hochbauten kommt dem Tragwerksplaner und Konstrukteur die führende Rolle zu, der Architekt ist dagegen der Berater.Umweltschutz Der Umweltschutz ist im Verkehrswesen, Abwasserwesen und in der Abfalltechnik wichtig, da die Öffentlichkeit auf sauberes Wasser, saubere Luft, Lärmverminderung und störungsfreie Abfallentsorgung angewiesen ist. Einzelne Planungsbüros haben sich darauf spezialisiert und führen Umweltverträglichkeitsprüfungen durch. Es ist aber vorteilhaft, wenn man bei Auftragsmangel in diesem Gebiet auch in anderen Ingenieurbereichen eingesetzt werden kann.

Verkehrswege/Verkehrsanlagen
Hierzu zählen Anlagen und Bauwerke des Straßen-, Schienen-, Flug- und Wasserverkehrs sowie Anlagen zum Transport von Gütern in Rohrleitungen, zum Beispiel Gas, Mineralöl oder Fernwärme. Hierbei ist eine Zusammenarbeit unter anderem mit Fachleuten des Städtebaus, der Raumordnung, Landschaftspflege und des Naturschutzes erforderlich. Wasserwirtschaft, Wasserbau Dazu gehören Planung und Bau von Wasserversorgungsanlagen, Brunnen, Wasserwerken, Behältern, Rohrnetzen, Kanalisationen, Kläranlagen, Abfallanlagen, Wasserkraftanlagen, Schifffahrtskanälen, Schleusen, Häfen, Hochwasserschutzanlagen sowie Talsperren. Wichtig hierbei sind gute Grundlagen in Wasserbiologie, Wasserchemie und mathematischer Statistik. Bauingenieure arbeiten in diesem Bereich häufig mit Geologen, Wasserbiologen, Wasserchemikern, Umweltschutzingenieuren, Verfahrenstechnikern, Juristen für Wasserrecht, Landwirten und auch Meteorologen zusammen.

Laut einer Statistik der Bundesagentur für Arbeit kommt die Hälfte aller Jobofferten für Architekten von Architekturbüros. Ähnlich verhält es sich bei arbeitsuchenden Bauingenieuren. 30 Prozent aller Stellenangebote, die sich an Bauingenieure richten, gehen auf das Konto von Ingenieurbüros. Während Architekturbüros überwiegend im Entwurf von Hochbauten tätig sind, wickeln Ingenieurbüros meist Leistungen im Kon-struieren von Ingenieurbauten im Hoch- und Tiefbau, im Wasserbau, in der Wasserwirtschaft und im Verkehrswesen ab. Neben Gutachter- und Beratungstätigkeiten bietet ein Großteil der Büros Planungsleistungen an, das heißt, deren Auftraggeber sind private oder öffentliche Bauherrn, die den Entwurf, die Ausführungsplanung, Ausschreibung und manchmal auch die Bau-überwachung eines Bauwerkes oder von Anlagen sonstiger Art nicht selbst in die Hand nehmen, sondern die Leistungen fremdvergeben.

Wer in einem Planungsbüro arbeitet, wird mit Sicherheit den Begriffen „Leistungsphasen 1 bis 9“ und „Honorarzonen“ begegnen. Letzteres ist eine Art Aufgabenkatalog für die Abwicklung eines Bauprojektes – von den Vorplanungen bis zur Dokumentation des fertigen Objektes. Welche Leistungen im Einzelnen zu erledigen sind, kann in der HOAI (Honorarordnung für Architekten und Ingenieure) nachgelesen werden. Hiernach richtet sich auch die Höhe des Honorars. Architektur- und Ingenieurbüros stehen zurzeit finanziell stark unter Druck. Gründe hierfür sind, dass im Allgemeinen nur noch das Mindesthonorar gezahlt wird, zumindest von öffentlichen Auftraggebern. Die HOAI wurde 2009 überarbeitet; immerhin wurden die Tafelwerte um zehn Prozent angehoben.

Planungsingenieure brauchen vor allem Organisationstalent und die Fähigkeit, mit einer Fülle an Informationen umzugehen, ohne dabei den Überblick zu verlieren. Eine gute Planung setzt voraus, dass man sich über jedes Detail bis zur letzten Türklinke Gedanken macht, verschiedene Produkte und Preise vergleicht und dabei eine technisch saubere sowie für den Bauherrn wirtschaftliche und dauerhafte Lösung findet. Auch die späteren Unterhaltungskosten eines Bauwerkes müssen bedacht werden. „Die Menge an Papieren, Vorschriften, Gesetzen und Normen war erst mal ein richtiger Schock“, berichtet eine junge Bauingenieurin, die ihre erste Stelle in einem Planungsbüro antrat. Auch die anerkannten Regeln der Technik werden in der Praxis ständig angewendet und müssen bekannt sein. Wichtig ist außerdem ein gutes Ausdrucksvermögen. Präzise Formulierungen sind bei Ausschreibungstexten wichtig, um Missverständnisse und Streitigkeiten zu vermeiden. Bei allem Formalismus sind Planungsingenieure trotzdem keine reinen „Schreibtischtäter“. Der Kontakt zur Praxis, Gespräche mit Bauproduktherstellern und Bauunternehmen sowie Vor-Ort-Termine und Baustellenbegehungen gehören ebenfalls zum täglichen Geschäft.

Bauleitung: Hier sind starke Nerven gefragt

Ein ebenfalls bedeutender Arbeitgeber für Bauingenieure und zunehmend auch für Architekten ist das Baugewerbe, also die Bauunternehmen, die auf der Suche nach bautechnischen Führungskräften sind. Einsteiger fangen in der Regel als Bauleiter an und tragen meist zunächst für kleinere Bauprojekte die Verantwortung. Der Sprung ins kalte Wasser, direkt in die Praxis, ist in jedem Fall sinnvoll, denn hier bekommt man zu spüren, was es heißt, einen Plan auf einem Stück Papier eins zu eins in die Tat umzusetzen. Die meisten Hochschulabgänger werden feststellen, dass Theorie und Praxis oft weit auseinanderklaffen. Das „Ich-hab-eigentlich-gar-keine-Ahnung-Gefühl“ stellt sich in kaum einem anderen Sektor so deutlich wie in der Bauleitung ein. Keine Sorge, das Studium war nicht umsonst. Man muss jedoch umso mehr die Bereitschaft mitbringen, sich ohne besondere Aufforderung fehlende Kenntnisse anzueignen und sich von erfahrenen Bauleitern einarbeiten zu lassen. In großen Bauunternehmen, wie Hochtief oder Strabag, durchlaufen Berufsanfänger Traineeprogramme. In dieser Zeit erhält man eventuell noch nicht das volle Gehalt, kann aber sicher sein, für kommende Aufgaben bestens vorbereitet zu werden. Die zukünftigen Aufgaben bestehen im Wesentlichen darin, die Pläne des Architekten oder sonstiger Fachplaner fachgerecht umzusetzen, die günstigsten Baumethoden auszuwählen, die Materialien zu bestellen, den Arbeitskräfteeinsatz zu organisieren, die Aufmaße zu nehmen und Rechnungen an den Bauherrn aufzustellen. Bauleiter sind außerdem verantwortlich für ihre Mitarbeiter und die Einhaltung der Arbeitsschutzmaßnahmen. Sie müssen darüber hinaus Nachtragsangebote ausarbeiten und Mehrkosten gegenüber dem Bauherrn geltend machen.

einstieg architektur bauingenieurwesen1Bauleiter werden aber nicht nur von ausführenden Fachfirmen, sondern auch vom Bauherrn selbst eingesetzt, zumindest bei größeren Projekten. Beim Wohnungsbau setzt der Auftraggeber meistens den planenden Architekten für Bauleitungsaufgaben ein. Dieser koordiniert im Auftrag des Bauherrn die Arbeiten der beteiligten Firmen, überwacht den Zeit- und Kostenplan sowie die Qualität der Bauarbeiten, nimmt die Leistungen ab und prüft die Firmenabschlags- und Schlussrechnungen. Bauleiter brauchen starke Nerven. Baustellen muss man sich wie vorübergehende Produktionsstätten vorstellen, die unter ungünstigen klimatischen Bedingungen mit ständig wechselnder Belegschaft funktionieren müssen. Kaum ein Bauprojekt geht reibungslos über die Bühne. Die Wahrscheinlichkeit, dass etwas schief läuft oder Unvorhergesehenes passiert, ist höher als in anderen Bereichen. Daher müssen Bauleiter entscheidungsfreudig sein. Wenn zum Beispiel beim Baugrubenaushub vorher nicht bekannte Bodenschichten angetroffen werden und die Bauleitung nicht in der Lage ist, entsprechend zu reagieren, kommt es zum Baustellenstillstand. Das wiederum verursacht hohe Kosten, die meist nicht vom Bauherrn übernommen werden. Bauleiter sind im Allgemeinen Generalisten, die bei Bedarf Spezialisten hinzuziehen. Sie können idealerweise gut organisieren und haben Durchsetzungsvermögen. Ganz wichtig sind Führungsqualitäten und Verantwortungsbewusstsein für Leib und Leben der Mitarbeiter. Wie sich der Arbeitsalltag eines Bauleiters gestaltet erfahren Sie hier.

Kalkulation – nur was für „alte Hasen“

„Kalkulator/-in gesucht“ heißt es oft in Stellenanzeigen. Kalkulatoren nehmen eine existenziell wichtige Rolle in Bauunternehmen ein. Um an Aufträge zu kommen, nehmen die Firmen in der Regel an Ausschreibungen teil, wobei sie in Konkurrenz mit anderen Anbietern ein Angebot für die Ausführung einer Bauleistung abgeben. Meist erhält der preisgünstigste Bieter den Zuschlag. Kalkulatoren haben die Aufgabe, im Vorfeld die Angebots-preise zu ermitteln. Dabei müssen sie güns-tigere Preise als die Konkurrenz anbieten, um den Auftrag zu bekommen, gleichzeitig darf die Leistung nicht unter Wert verkauft werden. Ein Fehler an dieser Stelle kann fatale Folgen haben, eine Firma sogar ruinieren. Daher wird diese Position selten von Berufseinsteigern besetzt, denn eine gute Preiskalkulation setzt eine längere Berufserfahrung voraus. In der Regel schnuppern Anfänger zunächst als Bauleiter einige Jahre Praxisluft. Erst danach verfügen sie über genug Erfahrung, um den Preis für eine Leistung richtig einschätzen zu können.

Einstieg architektur bauining_Wer sucht_grafik1_Page_1Öffentlicher Dienst

Auf der Suche nach einem Arbeitsplatz werden Architekten und Bauingenieure auch im öffentlichen Dienst fündig, meist als Angestellte oder nach einer Zusatzprüfung als Beamte beim Bund, Land, bei der Kommune oder dem Landkreis. Auch Forschung und Lehre zählen zum öffentlichen Dienst. In allen Institutionen des öffentlichen Dienstes muss man sich im besonderen Maße mit den einschlägigen Gesetzen und Verordnungen oder Verwaltungsrecht sowie den wichtigsten Gerichtsurteilen, Erlassen, Vorschriften und Normen auskennen und diese auch anwenden können. Wegen der Kontakte zur Öffentlichkeit, Politik, Verwaltung und Justiz sind rhetorische Fähigkeiten und gutes schriftliches Ausdrucksvermögen wichtig. Verwaltungen stehen gegenüber der Öffentlichkeit unter ständigem Rechtfertigungsdruck, schließlich werden hier Entscheidungen über den Umgang mit Steuergeldern gefällt. Deshalb müssen Berichte und Schriftsätze für die Öffentlichkeit verständlich gestaltet und formuliert werden. Die meisten Bauverwaltungen nehmen kleinere Bauvorhaben selbst in die Hand, nur größere Projekte werden in der Regel an externe Büros fremdvergeben. Im öffentlichen Dienst werden Architekten und Bauingenieure daher auch häufig für Entwurf, Ausschreibung und Bauleitung herangezogen.

Vertrieb

Bauprodukthersteller wie beispielweise die Fenster-, Türen- oder Dachziegelindustrie suchen immer wieder technisch versiertes Personal für den Vertrieb. Dafür gibt es spezielle Studiengänge wie Vertriebsingenieurwesen, aber auch Absolventen der ingenieurwissenschaftlichen Fächer – insbesondere Berufseinsteiger – können hier Fuß fassen. Vertriebsingenieure benötigen technisches Verständnis und vor allem Geschick im Umgang mit Kunden. Sie müssen in der Lage sein, verständlich zu erklären, wie etwas funktioniert und welche Vorteile das jeweilige Produkt dem Kunden bringt. Zu den Aufgaben von Vertriebsingenieuren gehören die Betreuung und Unterstützung von Altkunden, die bereits das Produkt gekauft haben, sowie die Akquisition von neuen Aufträgen. Dazu müssen sie auf andere Unternehmen zugehen und ihr Produkt vorstellen.  ■

Interview: Die Bauaufgaben von morgen

Die Konjunktur zieht an – Bauingenieure werden wieder gesucht. Welche Aufgaben unter diesen Voraussetzungen auf die Ingenieure von morgen zukommen und wie die Zukunft der Bauwelt aussieht, fragte TALIS Karsten Wischhof, Geschäftsführer des Hauptverbandes der deutschen Bauindustrie, verantwortlich für Berufsbildung und Personalentwicklung.

Ist das Thema Fachkräftemangel für den Bausektor noch aktuell?

Karsten Wischhof: Sehr sogar. Wir haben akut ein Problem bei den Bauingenieuren. Uns fehlen pro Jahr ungefähr 1.500 Bauingenieure. Aber wir haben auch Fachkräftebedarf bei den gewerblichen Arbeitnehmern. Zurzeit wird dieser Bedarf in seiner Tragweite noch nicht so wahrgenommen, weil die Unternehmen – trotz Konjunkturschwankung – ihr Personal gehalten haben.

Wodurch ist dieser Fachkräftemangel denn entstanden?

Karsten Wischhof: Wir haben im Bauhauptgewerbe aufgrund der lang anhaltenden Strukturkrise ungefähr die Hälfte unserer gesamten Belegschaft abbauen müssen. Wir sind jetzt auf einem Niveau angekommen, bei dem ein weiterer Abbau kaum möglich ist. Außerdem sehen wir, dass in den nächsten Jahren demografisch bedingt vermehrt Mitarbeiter in den Ruhestand gehen werden. Rund 28 Prozent der Bauingenieure sind älter als 50 Jahre und scheiden aus dem Berufsleben aus. Bei den gewerblichen Kräften ist festzustellen, dass die Ausbildungsquoten der vergangenen Jahre nicht ausreichen, um den Bedarf decken zu können.

Was können die Politik, die Industrie, die Universitäten denn konkret machen?

Karsten Wischhof: Die Politik könnte zum Beispiel versuchen, für eine Verstetigung der Nachfrage zu sorgen. Gerade im öffentlichen Bau haben wir Bedarf, zum Beispiel in der Infrastruktur, insbesondere auch im kommunalen Umfeld; Straßen, Kanäle etc. sind zum Teil dringend sanierungsbedürftig. Der Bedarf nach Bauleistungen ist vorhanden, es fehlen das Geld und damit letztendlich auch die Projekte am Markt. Wenn die Politik versuchen würde, ihre Nachfrage zu verstetigen, dann könnten die Unternehmen besser planen, die im öffentlichen Bau tätig sind. Die Folge wäre, dass sie ihre Mitarbeiter auch in schwachen Konjunkturphasen halten könnten, wenn absehbar ist, welche Bauvolumina zu erwarten sind. Wünschenswert wäre auch, dass die Politik die Bedeutung der Bauwirtschaft stärker reflektiert und in ihrer politischen Arbeit berücksichtigt. Es ist vielen nicht bekannt, dass jeder achte Arbeitsplatz direkt und indirekt von den Aktivitäten der Bauwirtschaft abhängig ist. Also nicht nur die Bauunternehmen profitieren von einer guten Baukonjunktur, sondern alle, die direkt oder indirekt damit zu tun haben: Wenn Sie also ein Haus bauen, dann werden Sie, um es mal ganz weit zu spannen, ein Bauspardarlehen benötigen, also profitiert auch eine Bank von Bauaktivitäten. Und wenn man diese Effekte addiert über die gesamte Wertschöpfungskette Bau, sind es statt fünf Prozent aller Arbeitsplätze unserer Volkswirtschaft, die die Statistik dem Bauhauptgewerbe zuordnet, zwölf Prozent. Also ist rund jeder achte Arbeitsplatz in Deutschland von Bauaktivitäten abhängig. Bauunternehmen sollten in ihrer Personalarbeit ihr Personalmarketing noch besser ausbauen und insbesondere in ihrer jeweiligen Region die Einsatzmöglichkeiten für Ingenieure und gewerbliche Kräfte darstellen.
Die vielen interessanten und anspruchsvollen Bauwerke, die tagtäglich entstehen, werden nicht immer wahrgenommen, bieten andererseits den Bauunternehmen viele Möglichkeiten, die Attraktivität der Berufsfelder von zum Beispiel Bauingenieuren zu profilieren.

Foto: Eurovia

Foto: Eurovia

Wo liegen denn die Bauaufgaben von morgen, was wird gefordert?

Karsten Wischhof: Grundsätzlich hat sich das gesamte Bauspektrum in den letzten Jahren beträchtlich verändert. Früher haben Bauunternehmen gebaut. Heute entwickeln Bauunternehmen Projekte, sie bauen Projekte, sie betreiben Projekte, sie verwerten Projekte. Also der gesamte Lebenszyklus eines Bauwerkes rückt mehr und mehr in das Geschäftsfeld eines Bauunternehmens und damit in das Aufgabenspektrum der Fachkräfte, die in dieser Branche arbeiten. Darum ist es wichtig, dass man nicht nur technisches Wissen in seinen Beruf einbringt, sondern auch etwas versteht von den Grundlagen der Betriebswirtschaft, von Finanzierung zum Beispiel, und nicht zuletzt von Personalführung.

Was erwarten die Arbeitgeber von jungen Bauingenieuren und Architekten?

Karsten Wischhof: Zum einen erwarten Arbeitgeber, dass Bauingenieure und Architekten, gerade wenn sie in der ausführenden Wirtschaft tätig sind, eine gewisse Praxisori-entierung haben. Das heißt, es ist wichtig, Praktika, zum Beispiel auf den Baustellen, zu machen, um zu erfahren, wie Theorie und Praxis sich verzahnen. Weiterhin erwarten Bauunternehmen natürlich ein gewisses soziales Gespür – Sozialkompetenz ist die Umschreibung – gerade weil junge Menschen, zum
Beispiel Bauingenieure und Architekten, mit Führungsaufgaben beauftragt werden. Sie müssen auf der Baustelle Teams führen, damit die Umsetzung der Planung in handwerkliche und ingenieurtechnische Leistungen gelingt. Man braucht schon ein gewisses Feeling dafür, wie man mit Menschen umgeht.
Ebenso wichtig ist natürlich Engagement. So einen Beruf können Sie nur erfolgreich ausüben, wenn Sie auch wirklich Freude daran haben, weil man tagtäglich vor neuen Aufgaben steht und diese Aufgaben auch als Herausforderung sehen muss und nicht als Belastung. Sie müssen eine sehr hohe Identifikation mit Ihrem Berufsbild haben. Das ist kein Job, den man „nebenbei“ macht, der hat schon eine gewisse Form von Berufung, im wahrsten Sinne des Wortes, und da sind Engagement und der Wille, mitzugestalten, ganz wesentlich.

Sind eher Spezialisten oder Generalisten gefragt?

Karsten Wischhof: Diese Frage lässt sich nur differenziert beantworten. Wir haben einerseits natürlich zunehmend eine gewisse Spezialisierung, denken Sie nur an den gesamten Bereich der Ökologie oder an den Bereich energieeffizientes Bauen. Das sind technisch gesehen sehr spezielle Anforderungen. Um beispielsweise Offshore-Parks in der Nordsee oder Ähnliches zu realisieren, brauchen wir entsprechende Fundamente. Diese Fundamente haben technisch einen sehr hohen Anspruch, dafür brauchen Sie Spezialisten, die sich mit diesem Detailthema Gründung bei Offshore-Parks auskennen, das Gleiche gilt für den Bereich Energieeffizienz, wenn es darum geht, ein Haus energetisch vernünftig zu sanieren oder zu modernisieren. Andererseits brauchen wir den Generalisten, der in der Lage ist, mit seiner Arbeit dem Bauherrn eine Problemlösung aus einer Hand anzubieten. Der beurteilen kann, wie dieses oder jenes Gewerk qualitativ einzuschätzen ist.  Spezialisten und Generalisten – beide werden gesucht, beide finden ihre Einsatzgebiete.

Warum sollte man Ihrer Meinung nach in der Baubranche arbeiten?

Karsten Wischhof: Wir haben ein sehr interessantes Berufsbild zu bieten. Es gibt kaum eine Branche, die so gut aufgestellt ist, auch was die Weiterentwicklungsmöglichkeiten für junge Menschen angeht. Vom Facharbeiter zum Bauingenieur – wir haben ein geschlossenes Aus- und Weiterbildungskonzept zu bieten. Spezialisten, Generalisten, Fachkräfte mit Querschnittswissen, zum Beispiel aus der Betriebswirtschaft, finden in der Baubranche vielfältige Einsatzmöglichkeiten. Die Bauwirtschaft ist gefordert bei der Lösung auch sozialer Herausforderungen, infrastrukturellen Lösungen für Schrumpfungs- und Wachstumsregionen, bautechnischen Lösungen für eine älter werdende Gesellschaft und nicht zuletzt bei der Gestaltung von Bauaufgaben im Sinne der Ökologie.  ■

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