Die Bauaufgaben von morgen

Die Bauaufgaben von morgen

von Ute Schroeter

Früher war’s einfacher: Bis in die späten 70er und 80er Jahre hinein kümmerten sich Architekten um den Neubau und deckten als Generalisten die Leistungsphasen 1 bis 9 ab. Bauingenieure hingegen waren für die Planung, Konstruktion, Berechnung und Herstellung von Ingenieurbauwerken zuständig. Heute wird die Zukunft anders gebaut.

Mitte der 80er Jahre hat sich der Markt für Architekten und Bauingenieure gewandelt, die Aufgaben vermischten sich mehr und mehr. „Früher haben Bauunternehmen gebaut“, erklärt Karsten Wischhof, Geschäftsführerder Initiative „Deutschland baut!“, „heute entwickeln Bauunternehmen Projekte. Der gesamte Lebenszyklus eines Bauwerkes rückt mehr und mehr in das Geschäftsfeld eines Bauunternehmens und damit in das Aufgabenspektrum der Fachkräfte, die in dieser Branche arbeiten.“

Für Berufseinsteiger ist es daher wichtig, sich nicht nur technisches Wissen, sondern auch Grundlagen der Betriebswirtschaft, Finanzierung und nicht zuletzt der Personalführung anzueignen. „Das technische Niveau von Gebäuden ist deutlich gestiegen“, betont auch Dr. Thomas Welter, Geschäftsführer des BDA (Bund Deutscher Architekten)-Bundesverbandes. Daher müssten Architekten und Bauingenieure viel stärker zusammenarbeiten. Während Architekten früher finanzielle Aspekte beim Bau eher ausblenden konnten, wird heute von ihnen erwartet, dass sie den Bauherrn auch in Sachen Kostenkontrolle, Qualitätssicherung, Finanzierungssicherheit und finanzielle Förderung beraten.

Welter sieht viele Einsteiger auf dem Holzweg, wenn sie das Ziel verfolgen, Gestaltungs- beziehungsweise Entwurfsarchitekt zu werden. Da liegt es nahe, in einer Entwurfsabteilung anzufangen. „Davon rate ich ab. Der Bereich Entwurf/Gestaltung ist hoffnungslos überfüllt und junge Leute werden hier häufig regelrecht ,verheizt‘. Meines Erachtens ist es klüger, frühzeitig Erfahrungen in der Bauleitung zu sammeln.“

Bauerfahrene Architekten, die sich mit Vergabeverfahren und Detailplanung auskennen, werden gesucht und verdienen ein Viertel bis ein Drittel mehr als ihre Kollegen, die keine Bauerfahrung vorweisen können.

PROZENT

der deutschen Planer nutzen das Building Information Modeling (BIM). Ab 2020 soll das Planen und Bauen mit BIM für Infrastrukturprojekte in Deutschland verbindlich werden.

Alles einfacher mit BIM?

Ein wichtiger neuer Trend für das Bauen in der Zukunft ist das Building Information Modeling (BIM), das in Deutschland allerdings noch mit recht viel Skepsis betrachtet wird. Nach Ergebnissen des Architektur-Barometers von Arch-Vision 2015, für das 1.600 Architekten in acht europäischen Ländern zum Thema BIM befragt wurden, wenden hierzulande nur 15 Prozent der Planer BIM an. 40 Prozent wollen mit dem neuartigen Planungsinstrument nichts zu tun haben, der Rest erwägt eine Einführung. Unsere europäischen Nachbarn sind diesbezüglich deutlich weiter als wir: 56 Prozent der niederländischen Architekten nutzen BIM, gefolgt von den Briten mit 36 Prozent. Nach dem Willen von Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt soll das Planen und Bauen mit BIM für Infrastrukturprojekte ab 2020 in Deutschland verbindlich werden.

Die einen sehen BIM als große Chance, um am Bau Kosten und Zeit zu sparen sowie Planungsfehler zu vermeiden. Andere fürchten die Abhängigkeit von einem System, das sich kaum durchschauen lässt. Tatsächlich wird BIM bisher nur bei Großprojekten eingesetzt. Hinter dem Begriff, den es im Übrigen auch für den Tiefbau gibt, steckt eine softwarebasierte Methode zur Planung, Ausführung und Bewirtschaftung von Gebäuden und anderen Ingenieurbauwerken. Anders als ein CAD- oder Ausschreibungsprogramm ist es sehr aufwendig, ein BIM-System im Büro zu etablieren, weil es eine Kette an Prozessen steuert und nicht nur einen Arbeitsschritt berührt. Bisher sind Änderungen der Planung mit einem hohen Aufwand verbunden, es müssen die Zeichnungen sowie die Mengenermittlung angeglichen und alle am Bau Beteiligten mit aktualisierten Zeichnungen versorgt werden.

Mit BIM kann der Aufwand deutlich reduziert werden, da alle Beteiligten Zugriff auf ein Datenpaket mit aktuellen Plänen, Massen und Stückzahlen haben. Beispielsweise kann sich aufgrund von Änderungen im Grundriss die Zahl und Beschreibung der Türen in einem Gebäude ändern. Mit BIM können die Türen im virtuellen Gebäudemodell einfach korrigiert werden, gleichzeitig ändern sich automatisch die Stücklisten; bei entsprechender Verknüpfung werden auch die unmittelbaren Auswirkungen auf die Kosten sichtbar.

Branchenexperten sind sich einig, dass BIM kommen wird – ob wir wollen oder nicht. Da ist es besser, sich schon gleich zu Anfang des Berufslebens über Chancen und Risiken dieses Systems zu informieren. Es ist nichts weiter als ein Hilfsmittel. Denken, Planen und Kalkulieren bleiben weiterhin den Planern vorbehalten.

 

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Die Zukunft bauen

Es gibt drei große Herausforderungen, denen sich Architekten und Bauingenieure in der Zukunft stellen müssen: den demografischen Wandel, den Klimawandel und den technischen Fortschritt. Trotz Bevölkerungsschwund in Deutschland steigt derzeit die Zahl der Haushalte, besonders die Single-Haushalte nehmen zu. Dementsprechend steigt die Nachfrage nach Wohnimmobilien. Allerdings wird sich dieser Zustand bald ändern. Architekten müssen sich darauf einstellen, dass die Anzahl der Haushalte abnehmen wird. Der Immobilienmarkt wird stark unter Druck geraten, die Kunden werden anspruchsvoller. Um dem Druck standzuhalten, müssen sich Architekten stärker spezialisieren.

Für Familien mit Kindern zu bauen, ist beispielsweise etwas anderes als für ältere Menschen. 70-Jährige sind heutzutage fit, aber sie brauchen Gebäude mit weniger Treppen. Barrierefreies Bauen wird immer wichtiger. Der Klimawandel als zweite wichtige Herausforderung stellt Baufachkräfte vor die Aufgabe, energieeffizient und nachhaltig zu bauen. Energieoptimierte und ressourcenschonende Gebäude lassen sich langfristig deutlich besser verkaufen. Nicht zu vergessen ist, dass Gebäude irgendwann auch wieder abgerissen werden. Die Bedeutung recyclefähiger Baustoffe wird zunehmen.

Die dritte wichtige Aufgabe besteht darin, mit der technischen Entwicklung Schritt zu halten. Jedes Jahr kommt eine Vielzahl neuer Produkte für das Planen und Bauen auf den Markt, da muss man sich auskennen. Es reicht nicht aus, sich auf das Fachwissen von Bauunternehmen und Bauzulieferern zu verlassen; auf diese Weise verpasst man den technischen Fortschritt. Daher sind Fortbildung und lebenslanges Lernen ungeheuer wichtig.

Spezialisten oder Generalist?

Mit dem Start ins Berufsleben ist die Zeit für die Spezialisierung gekommen. Um beispielsweise Offshore-Parks in der Nordsee oder Ähnliches zu realisieren, sind entsprechende Fundamente erforderlich. Diese Fundamente haben technisch einen sehr hohen Anspruch; dafür werden Spezialisten gebraucht, die sich mit diesem Detailthema „Gründung bei Offshore-Parks“ auskennen. Das Gleiche gilt für den Bereich Energieeffizienz, wenn es darum geht, ein Haus energetisch vernünftig zu sanieren oder zu modernisieren. Andererseits ist aber auch der Generalist gefragt, der in der Lage ist, mit seiner Arbeit dem Bauherrn eine Problemlösung aus einer Hand anzubieten. „Man muss sich spezialisieren, ohne ein Fachidiot zu werden“, fasst Thomas Welter zusammen. Die starke Spezialisierung während der Ausbildung sieht er kritisch. „Es gibt immer exotischere Abschlüsse und Vertiefungsrichtungen. Meines Erachtens ist das zu früh.“ Es sei wichtig, sich im Studium noch relativ breit aufzustellen und die klassischen Bereiche der Architektur zu studieren. Planungskompetenz müsse natürlich erworben werden. „Insofern mein Rat an Berufsanfänger: Konzentriert euch auf eure Stärken und richtet danach eure Spezialisierung aus – aber erst nach der Ausbildung.“

Erwartungen der Arbeitgeber

Arbeitgeber erwarten, dass Bauingenieure und Architekten, gerade wenn sie in der ausführenden Wirtschaft tätig sind, eine gewisse Praxisorientierung haben. Das heißt, es ist wichtig, Praktika, zum Beispiel auf den Baustellen, zu machen, um zu erfahren, wie Theorie und Praxis sich verzahnen. Weiterhin erwarten Bauunternehmen natürlich ein gewisses soziales Gespür – Sozialkompetenz ist die Umschreibung –, gerade weil junge Bauingenieure und Architekten mit Führungsaufgaben betraut werden. Sie müssen auf der Baustelle Teams führen, damit die Umsetzung der Planung in handwerkliche und ingenieurtechnische Leistungen gelingt. Man braucht schon ein gewisses Feeling dafür, wie man mit Menschen umgeht.

Während der Ausbildung kommt das Thema Kommunikation viel zu kurz. „Wie kommuniziere ich zielgruppenorientiert?“ ist eine wichtige Frage, mit der sich Berufsanfänger beschäftigen sollten. Das Gespräch mit dem Bauherrn verläuft anders als mit Technikern, Kollegen oder mit der Öffentlichkeit. Eine Stadtteilsanierung findet immer unter Beteiligung der Öffentlichkeit statt.

Es kommt oft vor, dass Projekte wegen Kommunikationsfehlern abgelehnt werden, weil der Planer nicht in der Lage war, die Öffentlichkeit zu überzeugen. Auch in Sachen Betriebswirtschaft hat die Berufsgruppe erhebliche Defizite. „Nicht einmal die Hälfte der Architekturbüros führt Stundenprotokolle und überprüft, ob der Aufwand eines Projektes durch das Honorar gedeckt ist“, berichtet Welter. „Wie muss ich ein Projekt anbieten, damit ich überhaupt auskömmlich arbeiten kann?“ Diese Frage werde viel zu selten gestellt.

Ebenso wichtig ist natürlich Engagement. „So einen Beruf können Sie nur erfolgreich ausüben, wenn Sie auch wirklich Freude daran haben, weil man tagtäglich vor neuen Aufgaben steht und diese Aufgaben auch als Herausforderung sehen muss und nicht als Belastung“, sagt Wischhof. „Das ist kein Job, den man ,nebenbei‘ macht, der hat schon eine gewisse Form von Berufung, im wahrsten Sinne des Wortes, und da sind Engagement und der Wille, mitzugestalten, ganz wesentlich.“

Interview: Gute Jobchancen für Architekten und Bauingenieure

Interview: „Gute Jobchancen für Architekten und Bauingenieure“

Die deutsche Wirtschaft entwickelt sich – abgesehen von kleinen Konjunkturschwächen – prächtig. Auch der Arbeitsmarkt verändert sich vielversprechend. Inwieweit auch Architekten und Bauingenieure davon profitieren, fragte TALIS Berufsstart Susanne Meßmann, Arbeitsmarktexpertin der Bundesagentur für Arbeit.


Arbeitsmarktexpertin Susanne Meßmann

Foto: BA für Arbeit

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Die deutsche Wirtschaft ist auf Wachstumskurs. Inwiefern wirkt sich das auf den Arbeitsmarkt für Architekten und Bauingenieure aus?

Susanne Meßmann: Der Arbeitsmarkt für Architekten und Bauingenieure ist eng mit der Entwicklung der Baubranche verknüpft. Angesichts nach wie vor niedriger Zinsen und einer weiterhin hohen Investitionsbereitschaft, sowohl im gewerblichen und öffentlichen Hochbau als auch im Wohnungsbau, stellt sich die Situation für die Baubranche weiterhin sehr gut dar. Positiv zu vermerken ist ebenfalls, dass die Arbeitslosigkeit sowohl von Architekten als auch von Bauingenieuren trotz gestiegener Absolventenzahlen leicht gesunken ist.

Wie gestaltet sich derzeit der Berufseinstieg für Studienabsolventen?

Susanne Meßmann: Erste Erfahrungen mit dem Bachelor zeigen, dass es für Bachelorabsolventen der Architektur nicht ganz leicht ist, eine adäquate Anstellung zu finden. Darüber hinaus richten sich nur wenige Stellenausschreibungen explizit an Berufseinsteiger. Hier kann man jedoch nur ermutigen, sich auch als Berufseinsteiger selbstbewusst zu bewerben und sich auch von Rückschlägen nicht verunsichern zu lassen. Grundsätzlich gilt jedoch: Je mehr Praxiserfahrung ein Bewerber oder eine Bewerberin mitbringt, desto besser sind auch die Chancen auf eine adäquate Beschäftigung. Projektarbeiten während des Studiums, Praxissemester oder Praktika in den Semesterferien wirken sich positiv auf die Chancen beim Berufseinstieg aus.

Wie hat sich der Arbeitsmarkt für Architekten entwickelt?

Susanne Meßmann: Der Arbeitsmarkt für Architekten hat sich im letzten Jahr sehr gut entwickelt: Ein großer Teil ist sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Dazu kommt noch ein nicht unerheblicher Anteil von rund 40 Prozent der Architekten, die selbständig tätig sind. Zukünftige Herausforderungen werden für Architekturbüros und öffentliche Institutionen in der Sicherung ihres Fachkräftenachwuchses bestehen. Denn etwa jeder sechste abhängig beschäftigte Architekt ist derzeit bereits 55 Jahre oder älter und dürfte in den kommenden Jahren in den Ruhestand gehen. Nachwuchs wird also zunehmend gesucht.

Wie sieht die Arbeitsmarktsituation bei den Bauingenieuren aus?

Susanne Meßmann: Für Bauingenieure beobachten wir zwar noch keinen flächendeckenden Fachkräftemangel, aber die Nachfrage ist hoch. Rund 9.000 Stellenneuzugänge für Bauingenieure wurden der Bundesagentur für Arbeit im vergangenen Jahr gemeldet. Das waren rund 4 Prozent mehr als im Vorjahr. Die Arbeitslosigkeit befindet sich mit jahresdurchschnittlich 5.000 gemeldeten Personen auf einem niedrigen Niveau und ist im Vergleich zum Vorjahr leicht zurückgegangen.

Wenn es mit einer Anstellung nicht klappt – welche Alternativen haben junge Architekten und Bauingenieure?

Susanne Meßmann: Generell ist die regionale Mobilität bei hochqualifizierten Fachkräften sehr wichtig. Wenn es also in der Heimatregion nicht klappt, sollte man unbedingt auch in anderen Regionen Deutschlands suchen. Grundsätzlich kann auch die Möglichkeit in Betracht gezogen werden, für eine gewisse Zeit ins Ausland zu gehen. Die Bundesagentur hilft hier gerne und vermittelt Stellen im Ausland. Eine Alternative stellt auch die Weiterqualifizierung in einem Masterstudiengang dar. Hier besteht die Möglichkeit, sein Know-how zum Beispiel im betriebswirtschaftlichen Bereich auszuweiten und sich dadurch besser am Markt zu positionieren. Nicht außer Acht gelassen werden sollte bei entsprechender Berufserfahrung und finanzieller Voraussetzung die Tätigkeit als Freiberufler. Für wen eine selbständige Tätigkeit nicht in Frage kommt, der sollte auch nach Stellen Ausschau halten, die nicht direkt für Architekten beziehungsweise Bauingenieure ausgeschrieben sind. So bieten sich zum Beispiel im Bereich Immobilienmanagement oder Journalismus durchaus Tätigkeitsfelder für diese Berufsgruppen.

Wie wird sich der Arbeitsmarkt für Architekten und Bauingenieure in Zukunft entwickeln?

Susanne Meßmann: Der sich abzeichnende demografisch bedingte Ersatzbedarf dürfte – selbst bei leicht steigenden Absolventenzahlen im Bauingenieur- und Architekturbereich – zu guten Jobchancen beitragen. Junge Menschen, die sich für ein Studium der Architektur oder im Bauwesen entscheiden, können daher aktuell auf gute Arbeitsmarktchancen setzen. (Interview: Dipl.-Ing. Ute Schroeter)

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PROZENT

der Beschäftigten in Architektur- und Ingenieurbüros sind weiblich. In den Büros sank der Frauenanteil in den letzten 10 Jahren um 1,7 Prozentpunkte.

TAGE

dauert es durchschnittlich, ehe eine ausgeschriebene Stelle für akademische Baufachkräfte besetzt werden kann. An der sogenannten Vakanzeit lässt sich das Nachfrageniveau für Fachkräfte recht gut ablesen.

Auf Anfang

Auf Anfang

Von der Planung bis zur Bauleitung, vom Vertrieb bis zum Architekturbüro: Es gibt momentan so viele Einstiegsmöglichkeiten für junge Architekten und Bauingenieure, dass man leicht den Überblick verliert. Bevor Sie sich im Dickicht der Möglichkeiten verlieren, fragen Sie erst einmal: Wohin soll es eigentlich gehen?

Auf die Frage „Was will ich eigentlich?“ wissen viele, übrigens nicht nur junge Menschen, keine Antwort. Entweder sie haben schlicht und einfach kein Ziel oder trauen sich nicht, eines zu definieren, aus Angst, es nie erreichen zu können. Bevor Sie auf Stellensuche gehen, nehmen Sie sich ein Beispiel an erfolgreichen Menschen. Was Churchill, Gandhi, Mandela und Co. eint: Sie alle hatten eine Vision, ein Ziel, das sie nicht aus den Augen verloren, auch wenn sie stolperten. Und sie gingen Umwege, wenn die Hürden zu hoch wurden. Im Berufsleben werden Ihre Ziele der Motor sein, der Sie morgens aus dem Bett zur Baustelle oder ins Büro treibt.

Da Sie nur mit einem starken Antrieb vorwärts kommen, brauchen Sie starke Ziele. Daher: Haben Sie den Mut für große Träume. Der eine will ein eigenes Architekturbüro, der andere berühmt werden, der Nächste möchte einfach nur zufrieden sein, der Übernächste die Welt verändern.

Zwischen Vision und Realität

Einer unserer Gesprächspartner, der deutsche Architekt Thomas Rau, hat nie einen staatlich anerkannten Abschluss in Architektur gemacht. Er war der Meinung, das klassische Architekturstudium vermittle ihm nicht das richtige Handwerkszeug, um wirklich bewegende Architektur zu machen. So zimmerte er sich seine eigene Ausbildung, unter anderem in Tanz und Bildhauerei. Heute führt Rau ein erfolgreiches Architekturbüro in den Niederlanden. Was Sie sich von Rau hinsichtlich Ihrer Ziele abschauen sollten: Begreifen Sie jede Erfahrung, jede Arbeitsstelle, jede Weiterbildung, als Schritt auf Ihrem Weg zum großen Ganzen. Selbst wenn Ihr Ziel lautet, einmal viel Geld verdienen zu wollen, lassen Sie sich beim Berufseinstieg nicht von Verdienstmöglichkeiten leiten, sondern beantworten Sie für sich immer die Frage: Was kann ich mitnehmen? Was lerne ich hier? Wenn Sie beispielsweise, wie so viele Architekten, das große Ziel Entwurfsarchitekt anstreben, dort aber wegen Überfüllung keine passende Stelle finden, dann schauen Sie, welche anderen Posten Sie voranbringen könnten. Als Bauleiter beispielsweise lernen Sie das Bauen zu begreifen. Dieses Wissen kann beim Entwerfen nur förderlich sein. Jede Tätigkeit birgt Chancen, egal ob im Ingenieurbüro oder auf der Baustelle.

Chancen ergreifen

… im Architektur- oder Ingenieurbüro

Aufgaben:

Während Architekturbüros überwiegend im Entwurf von Hochbauten tätig sind, wickeln Ingenieurbüros meist Leistungen im Konstruieren von Ingenieurbauten im Hoch- und Tiefbau, im Wasserbau, in der Wasserwirtschaft und im Verkehrswesen ab. Neben Gutachter- und Beratungstätigkeiten bietet ein Großteil der Büros Planungsleistungen an, das heißt, deren Auftraggeber sind private oder öffentliche Bauherren, die den Entwurf, die Ausführungsplanung, Ausschreibung und manchmal auch die Bauüberwachung eines Bauwerkes oder von Anlagen sonstiger Art nicht selbst in die Hand nehmen, sondern die Leistungen fremdvergeben. Wer in einem Planungsbüro arbeitet, wird mit Sicherheit den Begriffen „Leistungsphasen 1 bis 9“ und „Honorarzonen“ begegnen. Letzteres ist eine Art Aufgabenkatalog für die Abwicklung eines Bauprojektes – von den Vorplanungen bis zur Dokumentation des fertigen Objektes. Welche Leistungen im Einzelnen zu erledigen sind, kann in der HOAI (Honorarordnung für Architekten und Ingenieure) nachgelesen werden.

Kompetenzen:

Planungsingenieure müssen gut im Team arbeiten können und brauchen vor allem Organisationstalent und die Fähigkeit, mit einer Fülle an Informationen umzugehen, ohne dabei den Überblick zu verlieren. Eine gute Planung setzt voraus, dass man sich über jedes Detail bis zur letzten Türklinke Gedanken macht, verschiedene Produkte und Preise vergleicht und dabei eine technisch saubere sowie für den Bauherrn wirtschaftliche und dauerhafte Lösung findet. Wichtig ist außerdem ein gutes Ausdrucksvermögen. Präzise Formulierungen sind bei Ausschreibungstexten wichtig, um Missverständnisse und Streitigkeiten zu vermeiden.

Karriere als Architekt im Architekturbüro

Chancen:

In Planungsbüros wenden Sie alle Instrumente an, um ein Bauprojekt vom Plan in die Praxis zu übertragen. Sie werden sich manchmal wie ein Informations-Dompteur vorkommen, der den ganzen Tag mit Lösungen und Herausforderungen jongliert.

Nehmen Sie das als Chance wahr; mit steigender Berufserfahrung sinkt die Übermacht der Informationsflut. Wenn ein Unternehmerherz in Ihnen schlägt, suchen Sie sich lieber ein kleineres Büro für den Einstieg, denn so haben Sie engeren Kontakt mit dem Büroinhaber. Schauen Sie sich so viel wie möglich bei ihm ab: Wie akquiriert Ihr Chef Aufträge? Wie kommuniziert er mit Auftraggebern? Wie führt er seine Mitarbeiter? Die Antworten dazu bilden einen guten Grundstein für ein eigenes Büro.

… in der Kalkulation

Aufgaben:

„Kalkulator/-in gesucht“ heißt es oft in Stellenanzeigen. Kalkulatoren nehmen eine existenziell wichtige Rolle in Bauunternehmen ein. Um an Aufträge zu kommen, nehmen die Firmen in der Regel an Ausschreibungen teil, wobei sie in Konkurrenz mit anderen Anbietern ein Angebot für die Ausführung einer Bauleistung abgeben. Meist erhält der preisgünstigste Bieter den Zuschlag. Kalkulatoren haben die Aufgabe, im Vorfeld die Angebotspreise zu ermitteln. Dabei müssen sie günstigere Preise als die Konkurrenz anbieten, um den Auftrag zu bekommen, gleichzeitig darf die Leistung nicht unter Wert verkauft werden. Ein Fehler an dieser Stelle kann fatale Folgen haben, eine Firma sogar ruinieren.

Kompetenzen:

Ein solcher Posten erfordert Berufserfahrung. Wenn eine solche Position von Berufseinsteigern besetzt wird, schauen sie in der Regel einem erfahrenen Kalkulator über die Schulter. Oft schnuppern Anfänger zunächst als Bauleiter einige Jahre Praxisluft. Erst danach verfügen sie über genug Erfahrung, um den Preis für eine Leistung richtig einschätzen zu können.

Chancen:

Sie erhalten Einblicke in wirtschaftliche Zusammenhänge des Bauens und ein Gespür für den Preis einer Leistung. Die Verdienstmöglichkeiten als Kalkulator sind recht gut,
die Höhe hängt allerdings stark von der Berufserfahrung ab.

… im Vertrieb

Aufgaben:

Bauprodukthersteller, wie beispielsweise die Fenster-, Türen- oder Dachziegelindustrie, suchen immer wieder technisch versiertes Personal für den Vertrieb. Dafür gibt es spezielle Studiengänge wie Vertriebsingenieurwesen, aber auch Absolventen der ingenieurwissenschaftlichen Fächer – insbesondere Berufseinsteiger – können hier Fuß fassen. Zu den Aufgaben von Vertriebsingenieuren gehören die Betreuung und Unterstützung von Altkunden, die bereits das Produkt gekauft haben, sowie die Akquisition von neuen Aufträgen. Dazu müssen sie auf andere Unternehmen zugehen und ihr Produkt vorstellen.

Kompetenzen:

Vertriebsingenieure benötigen technisches Verständnis und vor allem Geschick im Umgang mit Kunden. Sie müssen in der Lage sein, verständlich zu erklären, wie etwas funktioniert und welche Vorteile das jeweilige Produkt dem Kunden bringt.

Im Berufsleben werden Ihre Ziele der Motor sein, der Sie morgens aus dem Bett zu Baustelle oder ins Büro treibt.

Chancen:

Die Vorstellung, etwas verkaufen zu müssen, auch wenn es ein technisches Produkt ist, löst bei vielen Architekten und Bauingenieuren Unbehagen aus. Verkaufen, so scheint es, führt am Ziel vorbei. Doch das ist falsch gedacht. Vor allem Architekten und Planer müssen ihre Ideen „verkaufen“ können. Im Vertrieb eignen Sie sich die Fähigkeiten an, Menschen zu überzeugen. Dabei spielt es keine Rolle, ob es um ein Produkt oder eine Idee geht. Wer einige Jahre im Vertrieb gearbeitet hat, braucht keine Nachhilfe mehr in Sachen Akquise, Konfliktmanagement und Kommunikation mit Bauherren und Kunden.

… in der Bauleitung

Aufgaben:

Bauleiter setzen die Pläne des Architekten oder sonstiger Fachplaner fachgerecht um, sie wählen die günstigsten Baumethoden aus, bestellen die Materialien, organisieren den Arbeitskräfteeinsatz, nehmen die Aufmaße und stellen Rechnungen an den Bauherrn auf. Sie sind außerdem verantwortlich für ihre Mitarbeiter und die Einhaltung der Arbeitsschutzmaßnahmen. Sie müssen darüber hinaus Nachtragsangebote ausarbeiten und Mehrkosten gegenüber dem Bauherrn geltend machen.

Bauleiter werden nicht nur von ausführenden Fachfirmen, sondern auch vom Bauherrn selbst eingesetzt, zumindest bei größeren Projekten. Beim Wohnungsbau setzt der Auftraggeber meistens den planenden Architekten für Bauleitungsaufgaben ein. Dieser koordiniert im Auftrag des Bauherrn die Arbeiten der beteiligten Firmen, überwacht den Zeit- und Kostenplan sowie die Qualität der Bauarbeiten, nimmt die Leistungen ab und prüft die Firmenabschlags- und Schlussrechnungen.

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Kompetenzen:

Bauleitung erfordert eigentlich Berufserfahrung, denn hier gilt es, einen Plan auf einem Stück Papier eins zu eins in die Tat umzusetzen. Mittlerweile aber interessieren sich immer mehr Bauunternehmen für Berufseinsteiger. Mitzubringen aber ist insbesondere Lernbereitschaft, denn das „Ich-hab-eigentlich-gar-keine-Ahnung“-Gefühl stellt sich in kaum einem anderen Sektor so deutlich wie in der Bauleitung ein. Man muss also umso mehr die Ohren spitzen und sich von erfahrenen Bauleitern einarbeiten lassen.

In großen Bauunternehmen, wie Hochtief oder Strabag, durchlaufen Berufsanfänger Traineeprogramme. In dieser Zeit erhält man eventuell noch nicht das volle Gehalt, kann aber sicher sein, für kommende Aufgaben bestens vorbereitet zu werden.

Bauleiter brauchen starke Nerven. Baustellen muss man sich wie vorübergehende Produktionsstätten vorstellen, die unter ungünstigen klimatischen Bedingungen mit ständig wechselnder Belegschaft funktionieren müssen. Kaum ein Bauprojekt geht reibungslos über die Bühne. Die Wahrscheinlichkeit, dass etwas schiefläuft oder Unvorhergesehenes passiert, ist höher als in anderen Bereichen. Daher müssen Bauleiter entscheidungsfreudig sein. Wenn zum Beispiel beim Baugrubenaushub vorher nicht bekannte Bodenschichten angetroffen werden und die Bauleitung nicht in der Lage ist, entsprechend zu reagieren, kommt es zum Baustellenstillstand. Das wiederum verursacht hohe Kosten, die meist nicht vom Bauherrn übernommen werden. Bauleiter sind im Allgemeinen Generalisten, die bei Bedarf Spezialisten hinzuziehen. Sie können idealerweise gut organisieren und haben Durchsetzungsvermögen. Ganz wichtig sind Führungsqualitäten und Verantwortungsbewusstsein für Leib und Leben der Mitarbeiter.

Chancen:

Im Vergleich zu Stellenangeboten in Planungsbüros richten sich nur wenige Stellen in der Bauleitung an Berufsanfänger. Wem sich die Chance bietet, der sollte zugreifen, denn mit Bauleitungserfahrungen stehen Ihnen alle Wege offen, auch der zurück in die Entwurfsabteilung. In kaum einem anderen Job können Sie sich so gut Führungskompetenzen, wirtschaftliches Denken und Praxiswissen aneignen wie in der Bauleitung.

Dipl.-Ing. Christian Wagner

Bauleiter

Interview

BAULEITUNG: MIT KÜHLEM KOPF UND STARKEN NERVEN

Herr Wagner, sind Sie zufrieden mit Ihrer Berufswahl?
Christian Wagner: Ja, im Großen und Ganzen bin ich sehr zufrieden. Ein Bürojob wäre nicht das Richtige für mich gewesen, ich habe schon immer gerne draußen auf dem Bau gearbeitet. Nach einer Ausbildung als Zimmerer war ich ein Jahr lang in einer Holzbaufirma mit Hauptgeschäftsfeld Denkmalpflege tätig. Während meines Bauingenieurstudiums an der FH Würzburg habe ich weitere Erfahrungen in der Kalkulation und in der Bauleitung gesammelt. So lernt man das Umfeld sehr gut kennen; und da ist mir schnell klar geworden, dass der Beruf gut zu mir passt.

Was gefällt Ihnen an Ihrer Tätigkeit besonders gut?
Christian Wagner: Es fühlt sich einfach gut an, wenn man ein fertiges Bauwerk betrachtet und weiß, dass man mit seiner Arbeit zu seiner Entstehung beigetragen hat. Außerdem ist Bauleitung ein sehr abwechslungsreicher Beruf. Die Teams innerhalb des Unternehmens wechseln mit jedem neuen Projekt, das heißt, der Vorgesetzte, der Polier und auch die Mitarbeiter auf dem Bau sind in der Regel nicht gleich. Ich persönlich finde es interessant, Menschen immer wieder neu einschätzen zu müssen, natürlich kann das auch anstrengend sein.

Welche Kehrseiten bringt der Beruf mit sich?
Christian Wagner: Bauleitung erfordert ein hohes Maß an Engagement, ein Zwölf-Stunden-Tag ist keine Seltenheit. Wem geregelte Arbeitszeiten wichtig sind, der sollte sich lieber für einen anderen Beruf entscheiden. Bauleiter brauchen starke Nerven und dürfen sich, wenn Probleme auftreten, nicht so schnell aus der Ruhe bringen lassen. Und man muss die Baubranche mit ihren Eigenheiten einfach mögen.

Was meinen Sie damit? Den rauen Umgangston in der Baubranche?
Christian Wagner: Nein – der viel zitierte raue Ton ist nach meinen Erfahrungen ein Klischee. Wie in anderen Branchen auch gibt es sicherlich Meinungsverschiedenheiten, die aber in der Regel sachlich und mit den gängigen Höflichkeitsregeln diskutiert werden. Wie die Baubranche tickt, lässt sich nicht in Worte fassen. Das muss jeder selbst herausfinden.

Worin genau besteht Ihre Aufgabe als Bauleiter?
Christian Wagner: Oberstes Ziel ist es, ein Projekt innerhalb einer vorgegebenen Zeit so umzusetzen, dass für das Bauunternehmen unterm Strich Gewinn übrig bleibt. Im Grunde genommen bin ich ein Unternehmer im Unternehmen, denn jede Baustelle wird betriebswirtschaftlich gesehen eigenständig bewertet. Die Leistung eines Bauleiters hängt entscheidend von einer kostendeckenden Arbeitsweise ab. Ich bin in erster Linie dafür verantwortlich, die jeweils geeigneten Arbeitsverfahren auszuwählen. Natürlich stehe ich nicht allein vor dieser Aufgabe, ich bin Teil eines großen Teams. Schon bei der Kalkulation wird überlegt, mit welchen technischen Mitteln gewinnbringend gearbeitet werden kann. Eine meiner Hauptaufgaben besteht darin, anhand des Leistungsverzeichnisses mit entsprechend hinterlegten Preisen und der Baupläne die Arbeitsabläufe vorzubereiten; dazu gehören Einteilung der Arbeitskräfte, Materialbestellung und Terminkoordination. Ich bin aber auch für die Abrechnung oder Nachtragsverhandlungen mit dem Bauherrn zuständig.

Was muss ein guter Bauleiter können?
Christian Wagner: Bauleiter müssen mit den gängigen technischen Regelwerken, wie der VOB, Teil B, vertraut sein. Weiterhin ist die Fähigkeit, vorausschauend zu handeln, von großem Vorteil. Das lässt sich am Beispiel „Lagerung von Baumaterialien“ gut erklären: Es ist wenig sinnvoll, den gesamten Baustahl, den man für ein Projekt benötigt, von Anfang an vorzuhalten. Das liegt nicht nur an den begrenzten Lagerkapazitäten auf der Baustelle. Auch die Kosten müssen vorgestreckt werden, gegenüber dem Bauherrn können jedoch nur Materialien geltend gemacht werden, die bereits eingebaut wurden. Eine Just-in-time-Strategie ist demnach wirtschaftlich, erfordert aber auch Augenmaß, um im entscheidenden Moment das benötigte Material vor Ort zu haben. Was außerdem wichtig ist: Wer als Bauleiter arbeiten möchte, sollte niemanden von oben herab behandeln. Das kommt erstens nicht gut an und ist zweitens auch nicht gerechtfertigt. Bauleiter sind ohne ihren Polier, der zwar von der Hierarchie her untergeordnet ist, aufgeschmissen. Auch von den Leuten, die bei Wind und Wetter draußen arbeiten, wird viel verlangt. Mangelnder Respekt vor den Leistungen anderer wird sich irgendwann rächen.

Karriere als Bauingenieur im Ingenieurbüro

Arbeiten im Ingenieurbüro

Welche Aufgaben haben Bauingenieure im Ingenieurbüro? Welche Karrieremöglichkeiten und Aufstiegschancen hat man bei der Planung von Bauwerken? Und welche Chancen ergeben sich für Berufseinsteiger?

Aufgaben: Während Architekturbüros überwiegend im Entwurf von Hochbauten tätig sind, wickeln Ingenieurbüros meist Leistungen im Konstruieren von Ingenieurbauten im Hoch- und Tiefbau, im Wasserbau, in der Wasserwirtschaft und im Verkehrswesen ab. Neben Gutachter- und Beratungstätigkeiten bietet ein Großteil der Büros Planungsleistungen an, das heißt, deren Auftraggeber sind private oder öffentliche Bauherren, die den Entwurf, die Ausführungsplanung, Ausschreibung und manchmal auch die Bauüberwachung eines Bauwerkes oder von Anlagen sonstiger Art nicht selbst in die Hand nehmen, sondern die Leistungen fremdvergeben. Wer in einem Planungsbüro arbeitet, wird mit Sicherheit den Begriffen „Leistungsphasen 1 bis 9“ und „Honorarzonen“ begegnen. Letzteres ist eine Art Aufgabenkatalog für die Abwicklung eines Bauprojektes – von den Vorplanungen bis zur Dokumentation des fertigen Objektes. Welche Leistungen im Einzelnen zu erledigen sind, kann in der HOAI (Honorarordnung für Architekten und Ingenieure) nachgelesen werden.

Kompetenzen: Planungsingenieure müssen gut im Team arbeiten können und brauchen vor allem Organisationstalent und die Fähigkeit, mit einer Fülle an Informationen umzugehen, ohne dabei den Überblick zu verlieren. Eine gute Planung setzt voraus, dass man sich über jedes Detail bis zur letzten Türklinke Gedanken macht, verschiedene Produkte und Preise vergleicht und dabei eine technisch saubere sowie für den Bauherrn wirtschaftliche und dauerhafte Lösung findet. Wichtig ist außerdem ein gutes Ausdrucksvermögen. Präzise Formulierungen sind bei Ausschreibungstexten wichtig, um Missverständnisse und Streitigkeiten zu vermeiden.

Aufgabengebiet Umweltschutz: Der Umweltschutz ist im Verkehrswesen, Abwasserwesen und in der Abfalltechnik wichtig, da die Öffentlichkeit auf sauberes Wasser, saubere Luft, Lärmverminderung und störungsfreie Abfallentsorgung angewiesen ist. Einzelne Planungsbüros haben sich darauf spezialisiert und führen Umweltverträglichkeitsprüfungen durch. Es ist aber vorteilhaft, wenn man bei Auftragsmangel in diesem Gebiet auch in anderen Ingenieurbereichen eingesetzt werden kann.

Aufgabengebiet Verkehrswege/Verkehrsanlagen: Hierzu zählen Anlagen und Bauwerke des Straßen-, Schienen-, Flug- und Wasserverkehrs sowie Anlagen zum Transport von Gütern in Rohrleitungen, zum Beispiel Gas, Mineralöl oder Fernwärme. Hierbei ist eine Zusammenarbeit unter anderem mit Fachleuten des Städtebaus, der Raumordnung, Landschaftspflege und des Naturschutzes erforderlich.

Chancen: In Planungsbüros wenden Sie alle Instrumente an, um ein Bauprojekt vom Plan in die Praxis zu übertragen. Sie werden sich manchmal wie ein Informations-Dompteur vorkommen, der den ganzen Tag mit Lösungen und Herausforderungen jongliert. Nehmen Sie das als Chance wahr; mit steigender Berufserfahrung sinkt die Übermacht der Informationsflut. Wenn ein Unternehmerherz in Ihnen schlägt, suchen Sie sich lieber ein kleineres Büro für den Einstieg, denn so haben Sie engeren Kontakt mit dem Büroinhaber. Schauen Sie sich so viel wie möglich bei ihm ab: Wie akquiriert Ihr Chef Aufträge? Wie kommuniziert er mit Auftraggebern? Wie führt er seine Mitarbeiter? Die Antworten dazu bilden einen guten Grundstein für ein eigenes Büro.

Aufgabengebiet Konstruktiver Ingenieurbau: Tragwerksplaner sind für die Sicherheit der Baukonstruktion verantwortlich. Daher sind genaues Arbeiten sowie gute EDV- und Mathematikkenntnisse erforderlich. Beim Hoch- und Wohnungsbau arbeiten Architekten und Tragwerksplaner eng zusammen, wobei der Tragwerksplaner eine Beratungsfunktion übernimmt. Beim Brücken- und Industriebau, bei Türmen und Antennen, Windkraftanlagen, Schornsteinen und ähnlichen Hochbauten kommt dem Tragwerksplaner und Konstrukteur die führende Rolle zu, der Architekt ist dagegen der Berater.  

Aufgabengebiet Wasserwirtschaft, Wasserbau: Dazu gehören Planung und Bau von Wasserversorgungsanlagen, Brunnen, Wasserwerken, Behältern, Rohrnetzen, Kanalisationen, Kläranlagen, Abfallanlagen, Wasserkraftanlagen, Schifffahrtskanälen, Schleusen, Häfen, Hochwasserschutzanlagen sowie Talsperren. Wichtig sind hierbei gute Grundlagen in Wasserbiologie, Wasserchemie und mathematischer Statistik. Bauingenieure arbeiten in diesem Bereich häufig mit Geologen, Wasserbiologen, Wasserchemikern, Umweltschutzingenieuren, Verfahrenstechnikern, Juristen für Wasserrecht, Landwirten und auch Meteorologen zusammen.  

PROZENT

der Stellenangebote für Architekten kommen von Architektur- und Ingenieurbüros.

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HAGEMEISTER
Die Klinker-Architekten

Wohin soll es eigentlich gehen?

Auf die Frage „Was will ich eigentlich?“ wissen viele, übrigens nicht nur junge Menschen, keine Antwort. Entweder sie haben schlicht und einfach kein Ziel oder trauen sich nicht, eines zu definieren, aus Angst, es nie erreichen zu können. Bevor Sie auf Stellensuche gehen, nehmen Sie sich ein Beispiel an erfolgreichen Menschen. Was Churchill, Gandhi, Mandela und Co. eint: Sie alle hatten eine Vision, ein Ziel, das sie nicht aus den Augen verloren, auch wenn sie stolperten. Und sie gingen Umwege, wenn die Hürden zu hoch wurden. Im Berufsleben werden Ihre Ziele der Motor sein, der Sie morgens aus dem Bett zur Baustelle oder ins Büro treibt. Da Sie nur mit einem starken Antrieb vorwärts kommen, brauchen Sie starke Ziele. Daher: Haben Sie den Mut für große Träume. Der eine will ein eigenes Architekturbüro, der andere berühmt werden, der Nächste möchte einfach nur zufrieden sein, der Übernächste die Welt verändern.

Zwischen Vision und Realität

Einer unserer Gesprächspartner, der deutsche Architekt Thomas Rau, hat nie einen staatlich anerkannten Abschluss in Architektur gemacht. Er war der Meinung, das klassische Architekturstudium vermittle ihm nicht das richtige Handwerkszeug, um wirklich bewegende Architektur zu machen. So zimmerte er sich seine eigene Ausbildung, unter anderem in Tanz und Bildhauerei. Heute führt Rau ein erfolgreiches Architekturbüro in den Niederlanden. Was Sie sich von Rau hinsichtlich Ihrer Ziele abschauen sollten: Begreifen Sie jede Erfahrung, jede Arbeitsstelle, jede Weiterbildung als Schritt auf Ihrem Weg zum großen Ganzen.

Selbst wenn Ihr Ziel lautet, einmal viel Geld verdienen zu wollen, lassen Sie sich beim Berufseinstieg nicht von Verdienstmöglichkeiten leiten, sondern beantworten Sie für sich immer die Frage: Was kann ich mitnehmen? Was lerne ich hier? Wenn Sie beispielsweise, wie so viele Architekten, das große Ziel Entwurfsarchitekt anstreben, dort aber wegen Überfüllung keine passende Stelle finden, dann schauen Sie, welche anderen Posten Sie voranbringen könnten. Als Bauleiter beispielsweise lernen Sie das Bauen zu begreifen. Dieses Wissen kann beim Entwerfen nur förderlich sein. Jede Tätigkeit birgt Chancen, egal ob im Ingenieurbüro oder auf der Baustelle.

Karriere als Architekt im Architekturbüro

Arbeiten im Architekturbüro

Welche Aufgaben hat ein Architekt im Architekturbüro? Welche Karrieremöglichkeiten und Aufstiegschancen hat man bei der Planung von Gebäuden und technischen Anlagen? Und welche Chancen ergeben sich für Berufseinsteiger?

Aufgaben: Während Architekturbüros überwiegend im Entwurf von Hochbauten tätig sind, wickeln Ingenieurbüros meist Leistungen im Konstruieren von Ingenieurbauten im Hoch- und Tiefbau, im Wasserbau, in der Wasserwirtschaft und im Verkehrswesen ab. Neben Gutachter- und Beratungstätigkeiten bietet ein Großteil der Büros Planungsleistungen an, das heißt, deren Auftraggeber sind private oder öffentliche Bauherren, die den Entwurf, die Ausführungsplanung, Ausschreibung und manchmal auch die Bauüberwachung eines Bauwerkes oder von Anlagen sonstiger Art nicht selbst in die Hand nehmen, sondern die Leistungen fremdvergeben. Wer in einem Planungsbüro arbeitet, wird mit Sicherheit den Begriffen „Leistungsphasen 1 bis 9“ und „Honorarzonen“ begegnen. Letzteres ist eine Art Aufgabenkatalog für die Abwicklung eines Bauprojektes – von den Vorplanungen bis zur Dokumentation des fertigen Objektes. Welche Leistungen im Einzelnen zu erledigen sind, kann in der HOAI (Honorarordnung für Architekten und Ingenieure) nachgelesen werden.

Kompetenzen: Planungsingenieure müssen gut im Team arbeiten können und brauchen vor allem Organisationstalent und die Fähigkeit, mit einer Fülle an Informationen umzugehen, ohne dabei den Überblick zu verlieren. Eine gute Planung setzt voraus, dass man sich über jedes Detail bis zur letzten Türklinke Gedanken macht, verschiedene Produkte und Preise vergleicht und dabei eine technisch saubere sowie für den Bauherrn wirtschaftliche und dauerhafte Lösung findet. Wichtig ist außerdem ein gutes Ausdrucksvermögen. Präzise Formulierungen sind bei Ausschreibungstexten wichtig, um Missverständnisse und Streitigkeiten zu vermeiden.

Chancen: In Planungsbüros wenden Sie alle Instrumente an, um ein Bauprojekt vom Plan in die Praxis zu übertragen. Sie werden sich manchmal wie ein Informations-Dompteur vorkommen, der den ganzen Tag mit Lösungen und Herausforderungen jongliert. Nehmen Sie das als Chance wahr; mit steigender Berufserfahrung sinkt die Übermacht der Informationsflut. Wenn ein Unternehmerherz in Ihnen schlägt, suchen Sie sich lieber ein kleineres Büro für den Einstieg, denn so haben Sie engeren Kontakt mit dem Büroinhaber. Schauen Sie sich so viel wie möglich bei ihm ab: Wie akquiriert Ihr Chef Aufträge? Wie kommuniziert er mit Auftraggebern? Wie führt er seine Mitarbeiter? Die Antworten dazu bilden einen guten Grundstein für ein eigenes Büro.

Aufgabengebiet Stadt- und Regionalplanung: In der Stadt- und Regionalplanung werden zum Beispiel Vorschläge für Neubaugebiete, für die Erneuerung schon bebauter Gebiete und für die Ergänzung der Infrastruktur in Ortschaften, Städten und Regionen erarbeitet. Es müssen Pläne für die Art der Bebauung, die Führung der Verkehrswege, die Lage der Versorgungseinrichtungen und Grünflächen sowie die Finanzierung aufgestellt, Planungs- und Beteiligungsverfahren organisiert und die Folgen alternativer Entwicklungsmöglichkeiten abgeschätzt werden. Stadt- und Regionalplaner müssen dabei den Umweltschutz und die ökologischen Anforderungen berücksichtigen.

Aufgabengebiet Wohnungsbau/öffentlicher und gewerblicher Hochbau: Das wirtschaftlich wichtigste Betätigungsfeld für Architekten ist immer noch der Wohnungsbau, gefolgt vom öffentlichen sowie gewerblichen Hochbau. Hierbei geht es nicht nur um Planung und Entwurf von neuen Gebäuden, sondern verstärkt auch um das Bauen im Bestand. Umbauten und Erweiterungen sowie Instandsetzung und Modernisierung sind mehr denn je gefragt. Im Zuge des demografischen Wandels wird die Planung von alters- und behindertengerechten Wohnungen zunehmend ein Thema für Architekten. 

PROZENT

der Stellenangebote für Architekten kommen von Architektur- und Ingenieurbüros.

Wohin soll es eigentlich gehen?

Auf die Frage „Was will ich eigentlich?“ wissen viele, übrigens nicht nur junge Menschen, keine Antwort. Entweder sie haben schlicht und einfach kein Ziel oder trauen sich nicht, eines zu definieren, aus Angst, es nie erreichen zu können. Bevor Sie auf Stellensuche gehen, nehmen Sie sich ein Beispiel an erfolgreichen Menschen. Was Churchill, Gandhi, Mandela und Co. eint: Sie alle hatten eine Vision, ein Ziel, das sie nicht aus den Augen verloren, auch wenn sie stolperten. Und sie gingen Umwege, wenn die Hürden zu hoch wurden. Im Berufsleben werden Ihre Ziele der Motor sein, der Sie morgens aus dem Bett zur Baustelle oder ins Büro treibt. Da Sie nur mit einem starken Antrieb vorwärts kommen, brauchen Sie starke Ziele. Daher: Haben Sie den Mut für große Träume. Der eine will ein eigenes Architekturbüro, der andere berühmt werden, der Nächste möchte einfach nur zufrieden sein, der Übernächste die Welt verändern.

Zwischen Vision und Realität

Einer unserer Gesprächspartner, der deutsche Architekt Thomas Rau, hat nie einen staatlich anerkannten Abschluss in Architektur gemacht. Er war der Meinung, das klassische Architekturstudium vermittle ihm nicht das richtige Handwerkszeug, um wirklich bewegende Architektur zu machen. So zimmerte er sich seine eigene Ausbildung, unter anderem in Tanz und Bildhauerei. Heute führt Rau ein erfolgreiches Architekturbüro in den Niederlanden. Was Sie sich von Rau hinsichtlich Ihrer Ziele abschauen sollten: Begreifen Sie jede Erfahrung, jede Arbeitsstelle, jede Weiterbildung als Schritt auf Ihrem Weg zum großen Ganzen.

Selbst wenn Ihr Ziel lautet, einmal viel Geld verdienen zu wollen, lassen Sie sich beim Berufseinstieg nicht von Verdienstmöglichkeiten leiten, sondern beantworten Sie für sich immer die Frage: Was kann ich mitnehmen? Was lerne ich hier? Wenn Sie beispielsweise, wie so viele Architekten, das große Ziel Entwurfsarchitekt anstreben, dort aber wegen Überfüllung keine passende Stelle finden, dann schauen Sie, welche anderen Posten Sie voranbringen könnten. Als Bauleiter beispielsweise lernen Sie das Bauen zu begreifen. Dieses Wissen kann beim Entwerfen nur förderlich sein. Jede Tätigkeit birgt Chancen, egal ob im Ingenieurbüro oder auf der Baustelle.

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Erfolgreich bewerben im Architekturbüro

Erfolgreich bewerben im Architekturbüro

von David Spoo

In den letzten zehn TALIS-Jahren haben wir mit zahlreichen Personalverantwortlichen aus Architekturbüros gesprochen. Fakt ist: Architekturbüros bekommen viele Bewerbungen. Wie junge Architekten aus der Masse hervorstechen.

Rund 500 Mitarbeiter des Architekturbüros gmp setzen an weltweit 14 Standorten jährlich mehr als 100 Projekte um. Mit Lingang New City entsteht bei Shanghai eine ganze Stadt nach den Plänen des Unternehmens. Hier sollen bis 2020 rund 800.000 Bewohner leben. Keine Frage: gmp ist ein attraktiver Arbeitgeber. Stellenausschreibungen werden in den Print- und Internetausgaben der bekannten Branchenmedien veröffentlicht, dennoch gehen allein im Berliner Büro täglich über 20 Initiativbewerbungen ein. Die Zeit, sich mit Bewerbungen auseinanderzusetzen, ist knapp. Ein Bewerber muss es also schaffen, dass Jochen Köhn, assoziierter gmp-Partner am Berliner Standort, auf den ersten Blick Lust verspürt, bei dieser Bewerbung zu verharren. „Wir Architekten sind stark bildorientiert“, beschreibt er, „daher schaue ich neben der Gestaltung des Anschreibens zunächst in die Mappen.“ Bereits in diesem Moment würden sehr viele Bewerbungen aussortiert.

Auch Gerhard G. Feldmeyer ist ein Freund der klassischen Bewerbungsmappe. „Aus ihr spricht für mich am stärksten die persönliche Handschrift, da dem Bewerber damit weitaus größere Spielräume zur Darstellung seiner Architekturauffassung sowie seines gestalterischen Talents geboten werden. Anmutung, Inhalt, Format, Haptik, all das sind Aspekte, die online nur sehr viel schwerer zu transportieren sind“, sagt er. Seit zehn Jahren ist der Architekt zusammen mit seinem Partner Joachim H.Faust als geschäftsführender Gesellschafter für die Unternehmensführung bei HPP Architekten verantwortlich. Das Büro mit Hauptsitz in Düsseldorf beschäftigt weltweit 330 Mitarbeiter und zeichnet verantwortlich für Stadien wie „AufSchalke“ oder die „BayArena“ oder die Planung des Expo Village in Shanghai. Feldmeyer rät Bewerbern, auf Floskeln zu verzichten: „Es gibt nichts Schlimmeres als Allgemeinplätze. Ich möchte in einer Bewerbung etwas Einzigartiges, Individuelles finden.“

Hanns Ziegler schätzt Bewerbungsmappen wegen ihrer einfachen Handhabe. Bereits als jobbender Student hat er sein Herz an Staab Architekten verloren. Seit er 1995 sein Diplom gemacht hatte, ist er kontinuierlich für das Büro in Berlin-Kreuzberg tätig. 2008 wurde er in die seither vierköpfige Geschäftsführung aufgenommen. Das Büro beschäftigt 90 Mitarbeiter und ist aktuell beispielsweise mit Sanierung und Erweiterung des Jüdischen Museums in Frankfurt betraut. Ziegler sagt, ein gutes Anschreiben solle nicht den Eindruck erwecken, gleichlautend an zehn weitere Büros gegangen zu sein, sondern vielmehr aufzeigen, warum der Bewerber gerade für Staab Architekten arbeiten will. „Es ist ein sehr guter Ansatz, wenn wir erkennen, dass jemand Dinge wertschätzt und mit eigenen Worten ausdrückt.“ Wer einfach nur die Stellenbeschreibung wiedergebe und seinen Namen daruntersetze, der erwecke nicht den Eindruck, gut formulieren und analysieren zu können.

Sicherlich ist das Interesse an Bewerbungsmappen in der Architektur stärker ausgebildet als in anderen Branchen, dies gilt allerdings nicht für alle Arbeitgeber: „Wir bevorzugen die Onlinebewerbung. Die Vorteile sind die schnellere Bearbeitung und eine bessere Übersicht, ob die Bewerbungsunterlagen vollständig sind“, sagt Dr. Georg Schumacher, Head of Human Resources bei ATP architekten ingenieure. Das Büro mit Hauptsitz in Innsbruck beschäftigt weltweit 550 Mitarbeiter und ist in Deutschland mit zwei Standorten vertreten. Zu den bekanntesten Bauwerken zählt der Millennium Tower in Wien, der 1999, zu seiner Bauzeit, das höchste Bürogebäude Österreichs war.

In unserer Branche gehen wir sehr kollegial, meist freundschaftlich miteinander um, das Du ist weit verbreitet. Dennoch gibt es Hierarchien.

Jochen Köhn

Architekt, Assoziierter Partner, gmp

Einen Master sollte ein Bewerber schon mitbringen, weil wir dies als eine vollwertige Ausbildung sehen.

Hanns Ziegler

Mitglied der Geschäftsführung, Staab Architekten

Eigene Stärken hervorheben

Die Vollständigkeit der Unterlagen sprechen alle vier TALIS-Gesprächspartner an, sie hat Signalwirkung auf die potenziellenArbeitgeber. Es versteht sich von selbst, dass ein Bewerber, der Architektur-Standards wie Entwürfe nicht beifügt – obwohl sie ausdrücklich gefordert sind –, kaum den Eindruck erweckt, wirklich an einer Einstellung interessiert zu sein oder besonders akribisch zu arbeiten.

Sich bewerben bedeutet für sich werben – enorm wichtig ist also, eigene Stärken hervorzuheben. Wer sich in bestimmten Bereichen überdurchschnittlich entwickeln konnte, der sollte dies nicht für sich behalten, sondern die Fähigkeit gezielt präsentieren, um sich von anderen Bewerbern abzuheben. „Wir wollen Mitarbeiter, die in ihrem Bereich Spitzenleistungen erbringen“, sagt Jochen Köhn. Diese Aussage beinhaltet auch, dass es ratsam ist, sich nur dann zu bewerben, wenn die beschriebenen Erwartungen erfüllt werden können – seien es Kenntnisse bestimmter Fachdisziplinen oder spezieller Programme. Geht aus der Ausschreibung klipp und klar hervor, dass ein abgeschlossenes Masterstudium gefordert ist, dann sollte Bachelorabsolventen klar sein, dass es sehr guter Argumente bedarf, damit die Bewerbung nicht umgehend auf dem Ablehnungsstapel landet.

Selbst wenn alle Anforderungen erfüllt werden können, kann es gute Gründe geben, sich nicht auf eine Stelle zu bewerben. Betreut ein Unternehmen etwa Projekte rund um den Globus oder weist es in Stellenanzeigen explizit auf wechselnde Einsatzorte hin, dann ist Reiselust mitzubringen. Wem die wöchentliche Doppelkopfrunde in Dortmund über alles geht, der wird nicht glücklich sein, wenn er monatelang in Dubai oder Shenzhen arbeiten muss. Wenig Sinn macht es zudem, sich ernsthaft auf eine international ausgerichtete Tätigkeit zu bewerben, wenn die Fremdsprachenkenntnisse schwach ausgeprägt sind – es sei denn, man spricht dieses Manko offen an. Sollte ein Bewerber nämlich die anderen geforderten Qualitäten mitbringen, lässt sich die Finanzierung eines Englisch-Crash-Kurses locker verschmerzen. Viele Unternehmen sind gern bereit, in die Qualifizierung vielversprechender Mitarbeiter zu investieren.

Wenn Hanns Ziegler 30 bis 50 Bewerbungen erhält, dann werden meist drei Kandidaten zum Gespräch eingeladen. Die anderen Personalverantwortlichen nennen ähnliche Zahlen. Dass mehr als 90 Prozent der Bewerber die zweite Runde nicht erreichen, verdeutlicht, wie wichtig es ist, an einer gut gemachten Bewerbung zu feilen.

Feste Gesprächsabläufe gibt es nicht. „Beide Seiten sollten die Möglichkeit haben, situativ zu reagieren, was das Gespräch meistens belebt. Ein größerer Spielraum ergibt außerdem die Möglichkeit, ein umfassenderes Bild vom Bewerber zu erhalten“, erläutert Gerhard G. Feldmeyer. Um zu zeigen, dass er keinen Fragenkatalog abarbeitet, hat Jochen Köhn ein leeres Blatt Papier vor sich liegen. Meist schaut er sich die Entwürfe des Bewerbers an. Aus einem lockeren Gespräch heraus ergeben sich dann die Dinge, die ihn interessieren.

Und wie sollen sich Bewerber nach Ansicht der Personalverantwortlichen im Vorstellungsgespräch darstellen? „Authentisches Auftreten wird von uns geschätzt, Natürlichkeit und Fachkompetenz überzeugen in den meisten Fällen“, antwortet Dr. Georg Schumacher. Besonderes Augenmerk richtet Hanns Ziegler auf das Ausdrucksvermögen des Bewerbers: „Wir leben eine nicht hierarchisch geprägte Wettbewerbskultur. Dafür brauchen wir Mitarbeiter, die für eigene Ideen werben und im Gespräch starke Bilder entwickeln können.“ Wer ein Konzept vor Augen habe, der müsse es anderen auch präsentieren können.

Auf zu viel Lockerheit verzichten

Im Blickpunkt stehen auch die Verhaltensmuster des Bewerbers. Jochen Köhn warnt beispielsweise vor zu viel Lockerheit: „In unserer Branche gehen wir sehr kollegial, meist freundschaftlich miteinander um, das Du ist weit verbreitet. Dennoch gibt es Hierarchien.“ Manche Bewerber kämen herein, als sei man seit Jahren befreundet und fläzten sich auf den Stuhl wie in einer Kneipe. „Wenn ich einen Architekten, der sich so verhält, zu einem Bauherrn schicken würde, dann hätte ich den Auftrag wohl verloren“, erläutert er.

Als weitere schwerwiegende Fehler werden arrogantes Auftreten, Besserwisserei oder unentschuldigtes Zu-spät-Kommen genannt. Wer sich mit fremden Federn schmücke, disqualifiziere sich selbst. „Wir kennen alle wichtigen Projekte und auch deren Entwurfsarchitekten“, sagt Köhn. Ein fataler Bewerberfehler sei beispielsweise, Gebäude als Referenz zu nennen ohne zu wissen, dass dies gmp-Projekte sind.

Fester Bestandteil eines Vorstellungsgesprächs bei Staab Architekten ist die Büroführung, bei der die Bewerber sehen, dass die gesamte Belegschaft und auch die Geschäftsführung in einem Großraumbüro arbeiten. Ein derartiges Bürokonzept setzt Kommunikationsfreudigkeit und Teamfähigkeit voraus. Die Kommunikationsfähigkeit ist laut Hanns Ziegler relativ leicht zu ergründen, in Bezug auf die Teamfähigkeit sei es schwieriger: „Es zeigt sich häufig erst während der Probezeit, ob wir mit unserer Einschätzung richtig lagen.“

Um sich ein Gesamtbild verschaffen zu können, stellt Gerhard G. Feldmeyer innerhalb des gesetzlichen Rahmens auch Fragen zu persönlichen Themen oder Hobbys wie Musik, Kultur oder Sport. Natürlich gebe es Gradmesser, ob ein Bewerber teamfähig sei, berichtet er: „Wer im Studium niemals eine Gruppenarbeit absolviert hat, ist möglicherweise kein Teamplayer. Letztlich bewerten wir solche Aspekte jedoch nicht über.“ Vor einer Überinterpretation warnt auch Hanns Ziegler: „Ob jemand Tennis oder Volleyball spielt, sagt wenig über seine Teamfähigkeit aus.“

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Wer im Studium niemals eine Gruppenarbeit absolviert hat, ist möglicherweise kein Teamplayer. Letztlich bewerten wir solche Aspekte jedoch nicht über.

Gerhard G. Feldmeyer

Geschäfts­führender Gesellschafter, HPP Architekten

Eine 08/15-Bewerbung überzeugt uns nicht. Individuelle Bewerbungen, die sich hervorheben und pfiffig geschrieben sind, lassen auf eine interessante Persönlichkeit schließen.

Dr. Georg Schumacher

Head of Human Resources, ATP architekten ingenieure

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