Der Linie treu geblieben

Der Linie treu geblieben

von Ute Schroeter

Mit Hingabe konstruierte Walter Muck als kleiner Junge Windmühlen aus Lego. Schon damals wusste er: „Bauen, das ist was für mich.“ Heute führt er ein erfolgreiches Ingenieurbüro in Ingolstadt und zählt zu den wenigen Tragwerksplanern in Deutschland, die das Building Information Modeling (BIM) in seiner eigentlichen Funktion anwenden. Wir sprachen mit ihm über intelligente Linien sowie über die Freuden und Tücken des Planer-Alltags.


Bauingenieur aus Leidenschaft: Walter Muck vor einem seiner Projekte – dem Verwaltungsgebäude des E.on-Kraftwerkes Zolling.

Foto: Muckingenieure

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Herr Muck, als die Welt 1989 noch im Internet-Dornröschenschlaf lag, schrieben Sie an einem C64 das Konzept für Ihr Büro 2000. Wovon träumten Sie damals?

Walter Muck: Nach meinem Bauingenieurstudium an der FH München arbeitete ich zwei Jahre lang bei Professor Nemetschek und entdeckte dort meine Neigung zur Software. Planen hieß in den 80er Jahren Zeichnen am Zeichenbrett und Schreiben mit der Schreibmaschine. Meine Vision damals, die ich Büro 2000 nannte, war es, Informationen, die wir für das Planen brauchen, schnell abrufbar zu machen und Planungsschritte miteinander zu verknüpfen. Ich wollte mich in der Zukunft auf das eigentliche Planen und auf die Wünsche meiner Kunden konzentrieren, statt mich mit der Datenverwaltung herumzuplagen. Das sollte Sache der Software sein. In den Achtzigern kam gerade der Commodore C64 auf den Markt, den mir ein Kollege auslieh und an dem ich meine handschriftlichen Notizen zum Konzept niederschrieb. Der Papierstapel war 15 Zentimeter hoch.

Was wurde aus Ihrer Vision?

Walter Muck: Erst einmal nichts. Nach meiner Zeit bei Nemetschek fing ich in einem Ingenieurbüro an und trug als Filialleiter sehr schnell Verantwortung. Schließlich wurde mir eine Partnerschaft angeboten, was mich sehr beflügelt hat und für die ich auch das Konzept Büro 2000 schrieb. Doch irgendwie ging es damit nicht richtig weiter, und nachdem ich privat auch in einer schwierigen Phase steckte, wollte ich neu anfangen und machte mich mit einem Kollegen selbständig. Als ich aber ein Netzwerk einrichten wollte – aus heutiger Sicht eine Banalität –, kam es zur Trennung. Mein Kollege und ich waren einfach nicht auf einer Linie, was Softwarelösungen betraf. 1996 habe ich dann „Muckingenieure“ gegründet.

Wir schreiben das Jahr 2017, ist Büro 2000 überholt?

Walter Muck: Nein, noch lange nicht, wobei ich mittlerweile nicht mehr von Büro 2000, sondern von „Walter-Muck-Denke“ – kurz WMD – spreche. Ich glaube, der Weg, den wir gehen, wird nie zu Ende sein. Wir haben, was die Zeichnungen betrifft, einen Stand erreicht, der momentan kaum zu übertreffen ist. Jetzt arbeiten wir auch an der Statik aus einem Guss.
Wie erklären Sie einem Laien die Besonderheit des Building Information Modeling (BIM)?

Walter Muck: Wenn ich Vorträge halte über das Thema Tragwerksplanung 4.0, versuche ich die Unterschiede zwischen einem 2-D, 3-D- und einem BIM-Plan zu vermitteln. Ich zeige zuerst einen Film, in dem jemand einen Tuschestrich auf ein Blatt Papier zieht. Dann frage ich die Zuhörer, welche Intelligenz dieser Strich hat. Aufmerksame Beobachter, meist älteren Semesters, sagen dann: „Das war ein Tuschestrich mit der Strichstärke 0.7“, weil sie den blauen Ring am Stift erkennen. Und das ist es dann auch schon: Ein Tuschestrich hat die Intelligenz von „Ich bin ein Strich von 0.7 und gehe von A nach B“. Beim 3-D-Plan sind wir schon einen Schritt weiter. Hier sagt die Linie: „Ich bin ein Körper, so breit, so dick, so hoch.“ BIM kann noch viel mehr. Hier sagen mir die Linien: „Ich bin ein Körper, ich bin aus diesem Beton, ich habe jenen Stahlgehalt, ich bin so breit, so hoch, so tief und da oben ist eine Aussparung.“

Was nutzen mir solche Informationen?

Walter Muck: Um eine Stahlmassenschätzung aufzustellen, habe ich früher ellenlange Excel-Tabellen geschrieben. Die Maße haben wir mit dem Maßstab aus dem Plan gezogen. Wie man sich denken kann, hat das lange gedauert und war sehr fehlerträchtig. Heute reicht ein Klick am 3-D-Modell und das Programm rechnet die Massen aus. Manche Kunden haben uns schon gefragt, ob wir ihnen die Massen für das Rohbau-Leistungsverzeichnis zur Verfügung stellen können. Mit einer passenden Schnittstelle zum entsprechenden Ausschreibungsprogramm ist das für uns nun problemlos machbar, gehört für uns als Tragwerksplaner jedoch nicht zu unserem originären Leistungsspektrum. BIM hilft uns aber auch, Problempunkte zu klären. Wir hatten mal den Fall, dass ein technischer Gebäudeausrüster eine Aussparung direkt unter unserer Stütze vorgesehen hatte. Da er selbst nicht in 3-D geplant hatte, konnten wir ihm das Problem an unserem Modell zeigen, so dass er es gut nachvollziehen konnte. Wir sind dann dazu übergegangen, in unseren Plänen „No-go-Areas“ farbig zu markieren. So wissen alle Beteiligten, wo keinesfalls Aussparungen eingeplant werden dürfen. Über Farben vergeben wir jedem Bauteil einen gewissen Status, beispielsweise „freigegeben“ oder „in der Prüfung“. Das hat große Vorteile, wenn jemand aus dem Team krank ist und sich ein anderer einen Überblick über den Stand der Arbeiten verschaffen muss.

Macht BIM schönere Architektur?

Walter Muck: BIM ist ja nur ein Hilfsmittel, aber ein Tragwerk lässt sich tatsächlich besser visualisieren. Wie wirkt es denn, wenn der Unterzug da rausschaut, oder ist das wirklich so schön, wenn da keine Stütze ist? Darüber kann man sich mit dem Architekten viel besser und schneller abstimmen. Früher wurden Pläne mit der Post geschickt, heute per E-Mail oder man trifft sich zu einer Teamsitzung im Internet und schaut von verschiedenen Standorten aus gemeinsam auf das Modell. So lässt sich auch über Änderungen aus ästhetischen Gründen besser diskutieren.

Für Infrastrukturprojekte soll 2020 die Anwendung von BIM zur Pflicht werden. Ist das aus Ihrer Sicht zu schaffen?

Walter Muck: Der Weg ist richtig, aber das bis 2020 umzusetzen, ist schon sehr sportlich. In Deutschland ist BIM, anders als in Großbritannien oder in den Benelux-Ländern, kaum verbreitet. Viele deutsche Büros arbeiten mittlerweile in 3-D und sagen, es sei BIM. Es gibt aber noch große Unterschiede zwischen der Darstellung eines Tunnels in 3-D und der Modellierung mit BIM. Ich sehe für kleinere Büros gute Chancen, mit BIM ihre Wettbewerbsfähigkeit zu verbessern, denn zum einen spart man viel Zeit und zum anderen ist es ja ein gutes Hilfsmittel, um sich mit mehreren Büros zusammenzutun und gemeinsam an Projekten zu arbeiten.

Sie sagen selbst, dass Sie sich mit dem Ziel, Bauingenieur zu werden, einen Lebenstraum erfüllt haben. Was lieben Sie so an diesem Beruf?

Walter Muck: Ich mag die Vielfalt und die täglichen, neuen Herausforderungen. Kein Tag ist wie der andere. Natürlich gibt es auch bei uns


Das Dach der BMW-Welt in München: Die Werkstattplanung der Stahlkonstruktion stammt aus Muck’s Feder.

Foto: designerpoint/pixabay


Gruppenbild mit Chef: Walter Muck (Mitte) und sein Team.

Foto: Muckingenieure

Wiederholungen – Keller müssen geschalt, Wände müssen bewehrt werden. Und doch ist jedes Haus individuell und muss immer wieder neu erfunden werden. Wenn ich mit meiner Frau durch Eichstätt oder Ingolstadt fahre, wo wir viel mitgebaut haben, erinnere ich mich gern an die Besonderheiten eines jeden Bauwerkes. Das macht einen schon stolz, etwas entstehen zu sehen, was man selbst geplant hat.

Und was geht Ihnen auf die Nerven?

Walter Muck: Planungsänderungen.

Wirklich? Trotz BIM?

Walter Muck: Ja, selbst mit BIM bedeuten Änderungen Aufwand. Wir haben einmal mit einem Architekten zusammengearbeitet, der hat im hohen Alter angefangen, statt mit der Hand mit CAD zu zeichnen. Da er nicht mehr mit der Rasierklinge hantieren musste, meinte er nun, munter bis kurz vor der Betonage ändern zu können. Oder ich denke mit Schrecken an einen Bauträger zurück, der die Wohnungen nach dem Gusto der Käufer verkauft hat und noch während der Bauphase ständig die Wände, vor allem auch tragende Wände, verschob. Wenn Wände einfach mir nichts dir nichts versetzt werden, kann das riesige Konsequenzen für unser Tragwerk haben. Das willkürliche Ändern, das nervt schon. Manchmal fühle ich mich wie ein Schwamm: Auf der einen Seite der Bauherr und sein Architekt, wo noch kurz vor Ausführung geändert wird, auf der anderen Seite die Baufirma, die anfangen will. Und wir, die als Erste die Pläne liefern müssen, sitzen dazwischen. Der eine drückt von links, der andere von rechts und bei uns spritzt Blut … (lacht). Diesen Zustand kenne ich aber schon seit Beginn meines Berufslebens. Ich glaube, das ist das Los der Tragwerksplaner. Mit der modernen Technik wird der Termindruck, fürchte ich, sogar noch zunehmen, weil jeder meint, da geht doch schnell noch was. Ich habe oft große Mühe, das meinen Mitarbeitern zu vermitteln.

Welche Erinnerungen haben Sie an die Anfänge Ihres Berufslebens?

Walter Muck: Mir wurde schnell Verantwortung übertragen, darauf war ich stolz. Ich hatte ja nur zwei Jahre Erfahrung als Programmierer und durfte im Anschluss gleich ein Büro führen und Baustellen übernehmen. Allerdings wurde ich auch von Alpträumen heimgesucht …

Oh je, warum?

Walter Muck: Ich war einfach noch unsicher, weil mir die praktische Erfahrung fehlte. Ich habe einmal in meinem Heimatort eine Stahlhalle gebaut und war zu Besuch bei meiner Schwester. Als ich aus dem Auto ausstieg, vernahm ich plötzlich einen riesigen, dumpfen Schlag, und da dachte ich: Jetzt ist deine Halle eingefallen. Ich bin sofort zur Baustelle gefahren, da stand natürlich noch alles so da, wie es war. Oder als ich zum ersten Mal eine Decke nach der FEM-Methode berechnet habe, träumte ich, dass diese Decke wie nasse Waschlappen herunterhing. So wie eben ein FEM-Programm die Durchbiegung der Decke überhöht darstellen kann. Auch da war ich dann am nächsten Tag gleich auf der Baustelle und habe nachgeschaut, ob alles noch hält. Heute lächelt man darüber. Wo ich früher eine Garage noch ganz genau gezeichnet und berechnet habe und trotzdem nachts nicht schlafen konnte, sage ich heute einfach: Decke 20 Zentimeter dick, 5 Durchmesser 14 im Unterzug.

Welchen Tipp geben Sie jungen Tragwerksplanern für den Berufseinstieg?

Walter Muck: Die jungen Ingenieure wachsen ja bereits mit PC-Programmen und Internet auf und sind bei der Anwendung der Programme im Allgemeinen sehr stark. Nur beim Beurteilen der Ergebnisse haben sie am Anfang ihre Probleme. Die Herausforderung besteht darin, das Bauchgefühl zu trainieren und sich zu fragen: Kann das Ergebnis des Computers stimmen? Habe ich die richtigen Eingaben gemacht? Man muss lernen, die Technik sinnvoll einzusetzen und dabei den Kopf einzuschalten. Aber keine Sorge: Das ist alles nur eine Frage der Erfahrung.

Bäume zeichnen für Architekten

Bäume zeichnen – kinderleicht? Von wegen. Dieses Video zeigt, wie Architekten professionell Bäume zeichnen und zwar in Handarbeit. Schaut gut aus, finden wir. Das Video ist musikalisch unterlegt, aus dem Off sind keine Erklärungen zu hören, dafür werden hin- und wieder ein paar Tipps eingeblendet.

Was macht ein Ingenieur…?

Dem Ingenieur ist nichts zu schwör. Und weiter? Was macht denn ein Ingenieur so den ganzen lieben langen Tag? Das fragten die VDI-Nachrichten Passanten, die ihre Sicht auf Ingenieure schilderten. Wäre doch zu schön, wenn das mit dem vielen Geld verdienen auch für Architekten und Bauingenieure wirklich stimmen würde…

Ausritt in die Architektur des Geldes

Der DAX ein Tier? Der Immobilienfonds eine hausgemachte Bratensoße? Die meisten Menschen verstehen von der Finanzwelt so wenig wie ein Bär von der Baisse. Trotzdem sollen wir fürs Alter sparen, sagen die Politiker. Als TALIS-Autorin Ute Schroeter vor 15 Jahren in den Beruf einstieg, fühlte sie sich verloren zwischen Riester, Rürup und Rendite. Ein Beitrag für alle, denen es genauso geht.

Auf einen Blick: Finanztipps für Berufsanfänger

  • Reihenfolge beachten: Erst versichern, dann vorsorgen
  • Strikte Trennung: Versichern bei der Versicherung, Sparen bei der Bank
  • Schlau machen: Unabhängigen Berater suchen (zu finden bei den Verbraucherzentralen und bei Stiftung Warentest)
  • Kostenlose Beratung gibt es nicht: Wachsamkeit bei Bank- und Versicherungsberatern
  • Einfache Faustregeln: Je höher die Rendite, umso riskanter ist ein Produkt
  • Niemals nur auf ein Pferd setzen: Wer sichere und renditeträchtige Produkte mischt, mindert das Risiko und erhöht die Chancen auf eine gute Rendite
  • Pläne schmieden: Was will ich? Wie risikobereit bin ich?
  • Als verbraucherfreundliche Finanzprodukte für die Altersvorsorge gelten Riesterbanksparpläne und ETFs

Schon damals, als ich mit 24 in einem Ingenieurbüro anfing, flötete es von allen Seiten: „Fürs Alter sparen. Versichern. Riester. Rürup. Fondsparen. Altersarmut…“ Ein Leben ohne Bausparvertrag muss böse enden, sagte mir mein Gefühl. Da sich mein Finanzwissen auf die Funktion eines Sparbuchs beschränkte, ließ ich sie eintreten in meine Kleinsparerwelt: die Finanz- und Versicherungsberater. Die meinen es gut mit dir, glaubte ich. Schließlich gehöre ich als Bauschaffende selbst einem Beruf an, der anderen Ratschläge gibt, von denen sie – wenn wir unseren Job gut machen – profitieren. Also vertraute ich jenen, die mir immer freundlich lächelnd Fragen zu Kontostand und Vermögen stellten, die meine Akten mit bereits geschlossenen Lebens-, Riester- und Haftpflichtversicherungen durchwühlten, um mir mit sorgenvoller Miene zu eröffnen, dass noch diese oder jene Lücke geschlossen werden muss, sonst..! Lange spielte ich mit beim Spiel mit der Angst um meine Zukunft. Ich unterschrieb und zahlte, Monat für Monat und trotzdem blieb eine bange Frage: Was passiert da eigentlich mit meinem Geld? Ich wusste es nicht. Auf Nachfragen bekam ich Antworten wie diese: „Derivate sind von der Wertentwicklung von Futures, Optionen oder Swaps abhängig.“ Aha…

Heute, mit 41, bin ich wieder Alleinherrscherin über mein Geld. Meine Macht speist sich aus Wissen. Mittlerweile landet der Wirtschaftsteil der Süddeutschen Zeitung nicht mehr ungelesen im Papierkorb, hier habe ich schon so manchen guten Geldtipp gefunden. Ich kaufe nur noch Produkte, die ich verstehe. Rat hole ich mir von denen, die den Titel Berater tatsächlich verdienen, ich habe sie bei Stiftung Warentest und bei der Verbraucherzentrale gefunden. Finanzberater von Versicherungen und Banken zähle ich nicht dazu, die nennt man in Wirklichkeit Verkäufer. Mein Tipp: Kümmern Sie sich – und nur Sie – um Ihr Geld! Dafür brauchen Sie kein BWL-Studium, sondern Wissen!

Die Finanzwelt auf Pferdisch

Der Markt bietet eine Fülle von Finanzprodukten für die Altersvorsorge – von der Riester- über die Rüruprente, von Investmentfonds bis zu Staatsanleihen, Zertifikaten und Aktien. Es gibt riskante und sichere, renditestarke und -schwache, teure und kostenlose Produkte. Wie soll man sich in diesem Wust zurechtfinden?

Im ersten Schritt müssen Sie die Wesenszüge der einzelnen Finanzprodukte verstehen. Stellen Sie sich eine Herde Pferde vor, ein jedes läuft mit einem Bündel Geld auf dem Rücken einen Berg hinauf und steigert damit den Wert Ihres Vermögens. Jedes Pferd hat ein eigenes Temperament und Tempo. Die Sparbücher, Tagesgeldkonten, Sparbriefe und Festgelder sind die gemütlichen Brauereipferde, die so gut wie nichts umhauen kann. Allen Turbulenzen an den Börsen zum Trotz trotten sie nach oben.

Langsam aber stabil: Die gemütlichen Ackergäule verhalten sich wie Sparbücher, Festgeld- oder Tagesgeldkonten.  Foto: Pixabay

Langsam aber stabil: Die gemütlichen Ackergäule verhalten sich wie Sparbücher, Festgeld- oder Tagesgeldkonten.
Foto: Pixabay

Da wir uns derzeit in einer Niedrigzinsphase befinden, laufen die Sparbuchpferde allerdings extrem langsam, mehr als ein Prozent Zinsen pro Jahr für Tagesgeldkonten ist im Moment nicht drin, für Festgelder, die wie der Name schon sagt, mehrere Jahre festgelegt sind, gibt es im besten Fall zwei Prozent. Es kann sogar zu einer Rückwärtsbewegung kommen. Allen Pferdchen bläst stets ein mehr oder weniger kräftiger Gegenwind ins Gesicht und der heißt Inflation. Die Inflationsrate, die den Kaufkraftverlust widerspiegelt, liegt in Deutschland derzeit bei 1,3 Prozent. Es gab Zeiten, da lag sie bei vier Prozent. Wenn nun die Inflationsrate die Sparzinsen übersteigt, sinkt der Wert des Geldes und das Pferd geht rückwärts. In der Vergangenheit wechselten Niedrig- und Hochzinsphasen einander ab, es ist also sehr wahrscheinlich, dass die Sparbuchpferde schon bald wieder schneller laufen. Ihre Stärke ist eindeutig ihre Stabilität und Sicherheit, außerdem ist ihre Anschaffung in der Regel kostenlos. Deutsche Spareinlagen sind gesetzlich geschützt, im Falle einer Bankenpleite bekämen Sparer 100.000 Euro über den Einlagensicherungsfonds zurück. Viele Banken in der Eurozone haben Sicherungssysteme über noch höhere Beträge.

Tipp
Es gibt eine einfache Methode, um das Risiko der verschiedenen Fi­nanz­pro­dukte mit einem Blick ab­zu­schätzen: Je mehr Ren­dite, umso höher ist in der Re­gel das Ri­siko. Bei Zins­ver­spre­chen von mehr als drei Prozent soll­ten Sie die Zü­gel anziehen, in der der­zei­tigen Nie­drig­zinsphase ste­cken da­hinter mit großer Wahr­schein­lich­keit riskante Wendemanöver.

Die kapitalbildenden Lebensversicherungen, Riester- und Rüruprenten gehören ebenfalls der Gattung der Brauereipferde an. Sie heißen Versicherung, weil sie Ihnen einen bestimmten Betrag im Alter garantieren, wie hoch dieser Betrag ausfällt, aber ist ungewiss. Abgesehen von der Sicherheit, dass in der Zukunft ein Betrag x ausgezahlt wird, sind Lebensversicherungen nichts weiter als Sparprodukte mit bestimmtem Zinssatz. Die Riesterrente wird durch staatliche Zuschüsse gefördert, bei der Rüruprente winken Steuervorteile. Die Lebensversicherer haben aufgrund der niedrigen Zinsen momentan enorme Probleme, den Versicherten die Garantie-Summen auszuzahlen. Großes Manko der Versicherungspferde: Sie sind unberechenbar, die meisten von ihnen teuer. Neben der Inflation rauben Gebühren und Abschlussprovisionen dem Pferdchen die Kraft.

Fonds: Die Wertpapier-Fertigmischung der Börse

Zu den Renn- und Springpferden zählen Wertpapiere, die dem Auf- und Ab der Börse unterliegen, zum Beispiel Aktien und alle Arten von Investmentfonds. Sie können, wenn es an der Börse gut läuft, hohe Sprünge machen und damit eine hübsche Rendite erwirtschaften, doch es besteht immer die Gefahr, dass sie stolpern oder sich sogar die Beine brechen. Allerdings gibt es auch unter den Rennpferden solche und solche. Aktien können an einem Tag zehn Prozent steigen oder fallen. Es geht auch noch schlimmer: Die einst so vielbeworbene Telekom-Aktie verlor zwei Drittel ihres ursprünglichen Wertes. Bei Investmentfonds sind die Schwankungen geringer, auch ein Total-Absturz ist sehr unwahrscheinlich. Das Risiko ist begrenzt, weil Investmentfonds Fertigmischungen aus Brauerei-, Renn- und Springpferden sind. Die Brauereipferde, beispielsweise in Form von sicheren Staatsanleihen, stabilisieren die Herde, sie mildern den Sturz von gestrauchelten Kandidaten. Die Renn- und Springpferde wiederum treiben die Gruppe zur Eile.

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Springpferde machen hohe Sprünge, können sich dabei aber die Beine brechen. Ähnlich verhalten sich Aktien oder Fonds, die zwar mehr Rendite, dafür aber auch Verluste einfahren können.
Foto: Pixabay


Man unterscheidet zwischen aktiv und passiv gemanagten Fonds. Aktiv bedeutet, dass ein Fondsmanager die Herde zusammen stellt und wie ein Dompteur regelmäßig schwache gegen stärkere Pferde austauscht. Der Fondsmanager lässt sich seine Dienste bezahlen, für aktiv gemanagte Fonds fallen meist fünf Prozent des Kaufpreises als Ausgabeaufschlag an, darüber hinaus sind jährliche Gebühren zu zahlen, manchmal auch Erfolgsprämien. Beim passiv gemanagten Fonds, auch ETF (Exchange Trades Funds) genannt, kann sich die Fondsgesellschaft, die den ETF herausgibt, den Dompteur sparen, sie muss sich nämlich nur hinsetzen und abschreiben.

Tipp
Die große Stärke von Fonds ist na­tür­lich die Si­cher­heit. Ein Einzel­fonds kann über 50 An­tei­le verschiedener Unternehmen oder Branchen in sich vereinen. Nach­teil da­bei ist: Sie wissen nicht, was mit Ih­rem Geld passiert. Wer­den damit Waf­fen fi­nan­ziert oder Roh­stof­fe unter men­schen­un­wür­digen Be­din­gungen ge­wonnen? Das lässt sich bei Fonds kaum kon­trol­lieren. Eine Ein­zel­aktie kann zwar in negativer als auch positiver Rich­tung stark schwan­ken, je­doch: Ak­tio­näre sind im Bil­de, wo ihr Geld liegt und sie können es ihren persönlichen Wert­vor­stel­lungen entsprechend steuern. Allerdings muss man sich Aktien leisten können. Fi­nanz­ex­perten raten, min­des­tens 2.500 Euro pro Ein­zel­aktie zu investieren.

Ein ETF ist die Kopie einer bereits existierenden Herde, das kann zum Beispiel der Deutsche Aktien Index DAX sein. Zur 30 PS starken DAX-Herde gehören Zugpferde wie Siemens, Telekom oder HeidelbergCement. Ein ETF, der sich am DAX orientiert, kopiert die Herde, indem er mit dem Geld der Anleger gleichmäßig Anteile aller 30 im DAX vertretenen Unternehmen kauft. Ein ETF reitet auf der Welle seiner Kopiervorlage mit. Er steigt, wenn der DAX steigt und umgekehrt. Wegen des geringen Aufwands für die Fondsgesellschaft sind ETFs günstig zu haben. Die Stiftung Warentest hält sie für ein sehr verbraucherfreundliches Produkt, wegen der niedrigen Kosten schneiden sie oft sogar besser ab als aktiv gemanagte Fonds. Weiterer Vorteil: Alle Arten von Investmentfonds unterliegen zwar den Schwankungen der Börse, aber das Geld der Anleger ist als Sondervermögen bei der Bank geschützt, es ist im Falle einer Bankenpleite also nicht komplett weg. Bei Zertifikaten und Anleihen ist das anders. Beim Crash der Lehman-Brother-Bank hatten einige deutsche Sparer ihre komplette Altersvorsorge in Zertifikate gesteckt, viele sahen davon nichts wieder.

Wollen Sie Miteigentümer oder Gläubiger sein?

Sparer können entscheiden, ob sie ihr Geld verleihen oder investieren wollen. Auf „Pferdisch“ übersetzt heißt das: Bei Aktien oder Investmentfonds kaufen Sie Anteile von Unternehmen. Ihnen gehört sozusagen ein Teil vom Ohr oder vom Schwanz des Pferdes. Neben einer möglichen Wertsteigerung Ihrer Anteile werden Sie am Gewinn des Unternehmens beteiligt und zwar in Form von so genannten Dividenden, die mal mehr oder weniger hoch ausfallen, in schlechten Jahren auch gar nicht gezahlt werden.
Bei Sparbüchern, Anleihen oder Zertifikaten spielen Sie die Rolle des Gläubigers: Sie leihen dem Pferdebesitzer Geld – das kann eine Bank, ein Unternehmen oder ein Staat sein. Als Gegenleistung erhalten Sie Zinsen. Im Fall einer Pleite sehen Sie Ihr Geld meist nicht wieder, Ausnahmen bilden natürlich Festgelder oder Sparbücher. Daher müssen Sie sich gut überlegen, wem Sie Geld leihen. Es ist recht unwahrscheinlich, dass der deutsche Staat Pleite geht, bei griechischen Anleihen sollte man sich da nicht so sicher sein.

Eine starke Herde besteht aus langsamen und sicheren und schnellen sprunghaften Pferden. Gleiche Regel gilt bei der Altersvorsorge. Foto: Pixabay

Eine starke Herde besteht aus langsamen und sicheren und schnellen sprunghaften Pferden. Gleiche Regel gilt für´s Geld.
Foto: Pixabay

Reihenfolge beachten: Erst versichern, dann sparen

Experten sind sich einig, dass die gesetzliche Altersvorsorge nicht reichen wird, um im Alter sorgenfrei leben zu können. Das ist sicherlich richtig, für Berufseinsteiger aber gilt: Erst versichern, dann vorsorgen. Investieren Sie Ihr erstes selbst verdientes Geld also nicht in einen Riestervertrag, sondern in Versicherungen, die Ihre Existenz, die Ihres Ehepartners und Ihrer Kinder schützen, dazu gehört die Berufsunfähigkeits- und die Haftpflichtversicherung. Im zweiten Schritt sollten Sie sparen, zunächst bis zu drei Nettomonatsgehälter, um flüssig zu sein, wenn das Auto oder die Waschmaschine kaputt geht. Als Verwahrort unbedingt ein sicheres Produkt wählen, zum Beispiel ein Tagesgeldkonto, das die meisten Banken kostenlos anbieten und für das es im Gegensatz zum Girokonto Zinsen gibt. Ist dann noch ein Hunderter übrig, kann die Altersvorsorge dran kommen. Wenn nicht, bloß nicht drängeln lassen. Sie haben Zeit.

Guter Rat ist nicht teuer – schlechter aber schon

Lassen Sie sich nicht blenden von den „kostenfreien“ Beratungsangeboten bei Banken und Versicherungen, die sind alles andere als umsonst. Wenn Sie Pech haben, fressen Ihnen die Abschlussgebühren die Förderbeiträge aus einer Riester-Förderung und Renditen der ersten Jahre komplett weg, das kann locker ein vierstelliger Betrag sein. Besser ist es, sich unabhängigen Rat zu holen. Bei den Verbraucherzentralen nimmt sich ein Finanzexperte eine bis anderthalb Stunden Zeit, um Ihre Situation zu beleuchten und Ihnen passende Produkte zu empfehlen. Ob Sie diese dann kaufen oder nicht, macht für einen unabhängigen Berater keinen Unterschied, daher wird er Sie nicht zu einer Entscheidung drängen. Dass eine unabhängige Beratung Geld kostet, werden Architekten und Bauingenieure gut nachvollziehen können, ihr Know-how ist ja schließlich auch nicht zum Nulltarif zu haben. Die Verbraucherzentralen nehmen um die 100 Euro pro Gespräch. Ein guter Ratgeber ist auch die Stiftung Warentest, die anhand ihrer Vergleichstests überteuerte Finanzprodukte und Versicherungen gnadenlos entlarvt.

Altersvorsorge: Sparen ist oft besser

Sparen und Versichern wird oft mit einander verquickt, in Form von kapitalbildenden Lebensversicherungen zum Beispiel. Mischprodukte sind meistens teuer. Deshalb: Wenn Sie sparen wollen, wählen Sie ein Sparprodukt, wenn Sie Risiken absichern wollen, schließen Sie eine Versicherung ab. So einfach ist das.
Wer fürs Alter vorsorgen will, sollte lieber Sparen anstatt sich zu versichern, raten Verbraucherschützer, denn mit einer Rentenversicherung gehen Sie die Wette auf ein langes Leben ein. Die Rentenversicherung garantiert zwar einen bestimmten monatlichen Betrag im Alter, gewonnen haben Sie aber nur, wenn Sie mindestens Neunzig werden. Wenn nicht, bekommt bestenfalls Ihr Ehepartner ein Teil als Rente – Ihre Kinder gehen leer aus. Schlägt das Schicksal böse zu, können Sie das Vermögen, das in Wertpapieren angelegt ist, beliebig verwenden – auch für eine Weltreise. Viele wissen nicht, dass sie die Entscheidung für eine lebenslange Rente auch erst in der Zukunft treffen können. Wenn Sie mit 65 die Gene einer Galapagos-Schildkröte in sich spüren, können Sie Ihr bis dahin angespartes Vermögen bei einer Versicherung in eine Sofortrente investieren. Das sagt Ihnen nur keiner…

Pferde brauchen Futter und Pflege. Bei der Geldanlage sollten Sie sich Wissen anfuttern - damit Sie die Zügel in der Hand behalten. Foto: Pixabay

Pferde brauchen Futter und Pflege. Bei der Geldanlage sollten Sie sich Wissen anfuttern – damit Sie die Zügel in der Hand behalten.
Foto: Pixabay

Geheimtipps: Riesterbanksparplan und ETFs

Viele Angestellte „riestern“ heutzutage, die meisten über eine Riester-Rentenversicherung. Auch ich schloss eine Förderrente ab, im festen Glauben, dass es gar keine Alternativen dazu gibt. Irrtum. Es gibt Riesterbanksparpläne, die so gut wie kostenlos und äußerst flexibel sind. Kein Wunder, dass ich davon nichts wusste, denn das Produkt ist so verbraucherfreundlich, dass die Banken dafür keine Werbung machen. Da sich kaum etwas mit Riesterbanksparplänen verdienen lässt, werden sie nur von sehr wenigen Geldinstituten angeboten. Welche das sind, erfahren Sie bei der Stiftung Warentest (www.test.de). Den Einwand, es gäbe darauf ja nur mickrige Zinsen, können Sie getrost vergessen. Gute Riesterbanksparpläne passen sich dem aktuellen Zinsniveau an. Ihre Einzahlungen sowie die Förderbeiträge von bis zu 154 Euro pro Jahr für Kinderlose (pro Kind gibt es 300 Euro pro Jahr dazu) werden auf einem Sparbuch gut geschrieben. Ihr Geld ist sicher angelegt, trotzdem können Sie es jederzeit abrufen, für eine Immobilie verwenden oder in ein lukrativeres Produkt investieren. Wenn Sie das Vermögen nicht für die Altersvorsorge verwenden, müssen Sie allerdings die Förderbeiträge zurückbezahlen.
Finanzexperten sind sich einig, dass gerade junge Menschen bei der Altersvorsorge risikoreichere Produkte einkalkulieren sollten, da sie über lange Sicht eine bessere Rendite bringen. Eines aber darf man niemals tun: Sein Geld nur auf ein Pferd setzen. Die oben beschriebenen ETFs halten Verbraucherschützer für eine gute Möglichkeit, auch als Kleinanleger vom Börsenaufwind zu profitieren. Bei Direktbanken, die ihr Geschäft größtenteils online abwickeln, sind ETF-Sparpläne mit monatlichen Sparraten von 25 Euro aufwärts erhältlich. Über geeignete ETFs informiert die Stiftung Warentest. Wichtig bei allem aber ist und bleibt: Sie entscheiden. Mit solidem Wissen über die fremde Welt der Finanzen können Sie darauf vertrauen, das Richtige zu tun. ■

Eine Betonkuppel zum Aufblasen

Große Schalenbauten aus Beton oder Stein werden heute kaum noch errichtet. Das liegt daran, dass für den Bau von Kuppeln normalerweise aufwändige, teure Stützkonstruktionen aus Holz benötigt werden. An der TU Wien wurde nun allerdings ein neues Bauverfahren entwickelt, das ganz ohne Holzgerüst und auskommt.

Die Betonplatte wird flach am Boden ausgehärtet.	Foto: TU Wien

Die Betonplatte wird flach am Boden ausgehärtet. Foto: TU Wien

Eine Betonplatte wird flach am Boden ausgehärtet, danach wird ein Luftpolster unter der Betonplatte aufgeblasen, der Beton krümmt sich in kurzer Zeit zu einer belastbaren, stabilen Schale. Dank dieses Verfahrens lassen sich ganze Veranstaltungshallen bauen. Auf den Aspanggründen, einem Stadtentwicklungsgebiet in Wien, wurde kürzlich ein Kuppelgebäude mit dieser neuen Technik errichtet.
„Man kann sich das so ähnlich vorstellen wie eine Orangenschale, die man regelmäßig einschneidet, und dann flach auf dem Tisch ausbreitet“, erläuterte Prof. Johann Kollegger. „Wir machen es eben umgekehrt, wir beginnen in der Ebene und stellen daraus eine gekrümmte Schale her.“ Johann Kollegger und Benjamin Kromoser vom Institut für Tragkonstruktionen der TU Wien entwickelten die neue Schalenbautechnik, die in den Aspanggründen mit großem Erfolg getestet wurde.
Das Prinzip beruht auf der „Pneumatic Wedge Methode“. Zunächst wird mit gewöhnlichem Beton eine ebene Betonfläche gegossen. Dabei muss die geometrische Form genau stimmen: Die Platte ist in mehrere Segmente unterteilt. Abhängig von der Form, die letztendlich entstehen soll, müssen bei der Herstellung der Betonfläche genau passende keilförmige Stücke ausgespart werden.

kuppel beton aufblasen TU Wien Johann Kollegger 2

Der Kunststoff-Pneu unter dem Beton wird aufgeblasen – die Kuppel hebt sich. Foto: TU Wien

Wenn die Betonplatte ausgehärtet ist, wird ein darunterliegender Pneu aus zwei miteinander verschweißten Kunststoff-Folien aufgepumpt. Gleichzeitig wird ein außen um die Betonplatte verlaufendes Stahlseil zusammengezogen, sodass der Beton innen gehoben und außen zusammengedrückt wird. Um sicherzustellen, dass sich alle Teile der Betonplatte gleichmäßig heben, sind die Segmente der Betonplatte mit Metallschienen verbunden. Im Experiment an der TU Wien war dieser Arbeitsschritt nach etwa zwei Stunden abgeschlossen, die Betonschale hatte dann eine Innenhöhe von 2.90 m.

Während sich der Beton verbiegt, entstehen unzählige kleine Risse – doch für die Stabilität der Schale ist das kein Problem. „Man kennt das ja von alten Steinbögen“, erklärt Johann Kollegger. „Wenn die Form stimmt, hält jeder Stein den anderen fest und die Konstruktion hält.“ Am Ende wird das Bauwerk noch verputzt, danach hält es genauso großen Belastungen stand wie eine auf herkömmliche Weise errichtete Kuppel.„Wir haben uns ganz bewusst dafür entschieden, nicht bloß eine einfache, rotationssymmetrische Halbkugel zu bauen“, erklärt Benjamin Kromoser. „Unser Bauwerk ist langgezogen, sie lässt sich geometrisch gar nicht so leicht beschreiben. Damit wollten wir beweisen, dass sich mit unserer Technik auch komplexere Freiformen herstellen lassen.“ In der Architektur spielen spielerische freie Formen heute eine wichtige Rolle. Durch eine sorgsame Planung der Betonplatte und des aufblasbaren Pneus ist bei der „Pneumatic Wedge Methode“ eine große Vielfalt von Formen mög-
lich.

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Im Inneren hat die Kuppel eine komfortable Raumhöhe von 2,90 m. Foto: TU Wien

„Kuppeln mit 50 m Durchmesser wären auf diese Weise problemlos machbar“, sagt Johann Kollegger. Die wahre Herausforderung liegt eher bei komplizierten Formen mit engen Krümmungsradien. Im Versuchslabor an der TU Wien wurde getestet, wie sehr sich Beton im Extremfall mit dieser Methode verformen lässt – lokale Krümmungsradien von nur 3 m lassen sich realisieren.

Das Team hofft, dass sich die neue Betonbaumethode bald durchsetzt – mit Unterstützung des Forschungs- und Transfersupports der TU Wien wurde die Technik bereits patentiert. Wenn für den Schalenbau keine Holzgerüste mehr notwendig sind, spart das nicht nur viel Zeit und Ressourcen, sondern auch eine Menge Geld: Benjamin Kromoser schätzt, dass durch die Luftpolstertechnik etwa die Hälfte der Baukosten eingespart werden können – bei besonders großen Bauten sogar noch mehr. Unter www.youtube.com findet sich ein Video zur Entstehung der Kuppel. Benjamin Kromoser geht darin auch auf die vielfältigen Anwendungs-Möglichkeiten der neuen Methode ein. (Quelle: idw) ■

Praxis Energie

Nachhaltigkeit, Energieeffizienz und Klimaschutz sind als Schlagworte in aller Munde – nicht zuletzt deshalb, weil sich die vielen gesetzlichen Vorschriften in diesem Themenkomplex schnell ändern. Wer muss also derzeit wann was leisten und beachten? Antworten darauf gibt das Tagesseminar, das der Bund Deutscher Baumeister, Architekten und Ingenieure (BDB) Frankfurt Rhein Main e.V. und die Ina Planungsgesellschaft mbH (ina) am 22. Mai anbieten: „Die neue EnEV 2014, das EEWärmeG 2011 und das EnEG 2013 in der Praxis“. Die Weiterbildung in der BDB-Geschäftsstelle, Ginnheimer Straße 48, 60487 Frankfurt, will Planer für die aktuellen Zusammenhänge, Neuerungen und Berechnungsverfahren fit machen, damit ihnen zukunftsgerechte Planungen gelingen.
Referent ist Dipl.-Ing. Michael Keller, einer der Geschäftsführer von ina und Tutor von Fernlehrgängen mit dem Abschluss-Zertifikat als Energieberater oder Fachplaner TU Darmstadt. Keller thematisiert und konkretisiert von 9.00 bis 16.30 Uhr unter anderem folgende Fragen:

* Welche Methoden, Verfahren und Kennwerte gibt es im energiesparenden Bauen?
* Wer muss die Einhaltung der Anforderungen nachweisen und wem gegenüber?
* Was wird sich ab 1. Mai 2014 ändern, was ab 1. Januar 2016, was bis 2020?
* Welche Maßnahmen lösen überhaupt Anforderungen aus?

Interessenten werden gebeten, sich für eine Teilnahme bei der BDB-Geschäftsstelle in Frankfurt am Main anzumelden: Tel.: 069 / 49 50 500, E-Mail: info@bdb-frankfurt.de, Web: www.bdb-frankfurt.de
Für das Seminar am 22. Mai können Architekten und Ingenieure acht Fortbildungspunkte sammeln. Die Teilnehmeranzahl ist auf maximal 50 Personen begrenzt. Für BDB-Mitglieder betragen die Gebühren 130 Euro und 60 Euro für Studenten. Gäste zahlen 180 Euro, als Student 80 Euro. (Foto: Smart Skript) ■

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