Erfolgreich bewerben im Öffentlichen Dienst

Wer sich für eine Stelle im öffentlichen Dienst entscheidet, der sucht in der Regel ein langfristiges und sicheres Beschäftigungsverhältnis. Die in der Privatwirtschaft gelebte und häufig auch geforderte Wechselbereitschaft gibt es hier kaum. „Es ist eher selten, dass Mitarbeiter gehen, um an einem anderen Ort eine neue Stelle anzunehmen“, bestätigt Dr. Detlef Kron, Leiter des Amts für Stadtplanung und Stadterneuerung der Stadt Stuttgart. Eine Fluktuation ergebe sich hauptsächlich durch das Ausscheiden älterer Mitarbeiter.

Ein weiterer Unterschied zu Architektur- und Ingenieurbüros oder Bauunternehmen liegt darin, dass es im öffentlichen Dienst wenig sinnvoll ist, Initiativbewerbungen zu verschicken. Der Verwaltungsaufwand, der benötigt werde, um sie zu sammeln, habe sich als viel zu hoch erwiesen, erläutert Heinz-Georg Leuer, Stadtbaurat bei der Stadt Braunschweig, zum Zeitpunkt des TALIS-Gesprächs noch Leiter des Fachbereichs Tiefbau und Verkehr. Unaufgefordert eingehende Bewerbungen würden daher postwendend zurückgeschickt. Es sei also angebracht, sich nur auf konkrete Stellenangebote zu bewerben.

"Ein deutliches Interesse an der Aufgabe und eine denkbare Identifikation mit dem zukünftigen Arbeitgeber sollte deutlich spürbar sein." Ulrike Willms, stellvertretende Amtsleiterin des Amtes für Brücken und Stadtbahnbau der Stadt Köln

„Ein deutliches Interesse an der Aufgabe und eine denkbare Identifikation mit dem zukünftigen Arbeitgeber sollte deutlich spürbar sein.“
Ulrike Willms, stellvertretende Amtsleiterin des Amtes für Brücken und Stadtbahnbau der Stadt Köln

Im Fachbereich Tiefbau und Verkehr sind insgesamt rund 130 Mitarbeiter angestellt, 40 von ihnen in den Bereichen Verkehrs­planung und Verkehrsmanagement sowie Entwurf und Bau. Eine Hauptaufgabe der Abteilung Verkehrsplanung und Verkehrsmanagement ist es, generelle Lösungen zum Verkehr der Zukunft zu gestalten. „Dabei geht es nicht darum, neue Flächen zu schaffen, sondern Bestandsflächen optimal zu nutzen“, beschreibt Leuer. In der Abteilung Entwurf und Bau entstehen die Ausführungspläne, werden in Zusammenarbeit mit der Vergabestelle die Maßnahmen ausgeschrieben und sind Brückenbau sowie konstruktiver Ingenieurbau angesiedelt. Die Mitarbeiter sind auch zuständig für Bauüberwachung und Baumanagement.

Anne Sick, Leiterin des Amts für Hochbau und Gebäudewirtschaft der Stadt Karlsruhe, nennt Zahlen und Fakten, die veranschaulichen, wie umfassend und vielschichtig der Berufsalltag ist. 140 Mitarbeiter, davon 125 Vollzeitkräfte, sind zuständig für 690 kommunale und 100 angemietete Gebäude; daneben gibt es weitere angemietete Immobilien. Der Zuständigkeitsbereich umfasst Errichtung, Bauunterhaltung, Reinigung, Versorgung, Bewirtschaftung und das Flächenmanagement. „Wir sind für den gesamten Lebenszyklus von Gebäuden zuständig“, erläutert Sick. 25 Architekten sind hier für die Leitung und Steuerung aller Maßnahmen verantwortlich.

Stellenausschreibungen werden hauptsächlich in der lokalen und überregionalen Presse, den gängigen Onlinebörsen, Fachzeitschriften und natürlich den Portalen der jeweiligen Stadt veröffentlicht. In den Ausschreibungen der Stadt Braunschweig heißt es: „Die Bewerbungen mit den üblichen Unterlagen werden in schriftlicher Form (keine E-Mail) erbeten.“ Dr. Michael Schlemmer, Abteilungsleiter Personalmanagement im Amt für Management und Controlling der Stadt Rostock, benennt den Vorteil dieser Variante: „Da am Auswahlverfahren mehrere Mitarbeiter beteiligt sind, können die Unterlagen problemlos gesichtet werden.“ Daraus aber zu schließen, dass im öffentlichen Dienst generell die Bewerbungsmappe erwartet würde, wäre falsch. Die verschiedenen Präferenzen zeigt das Beispiel der Stadt Köln: Während Ulrike Willms, stellvertretende Amtsleiterin des Amtes für Brücken und Stadtbahnbau, es für unerheblich hält, „ob die Bewerbung online oder in der klassischen Variante gestellt wird“, sagt ihr Kollege Herbert Thelen vom Bauaufsichtsamt: „Die Bewerbung online per Mail (mit PDF-Anlagen) ist zwar zulässig, wird aber von uns nicht bevorzugt.“ Als Gründe nennt er, dass noch keine digitale Sachbearbeitung erfolgt und daher Unterlagen in erheblichem Umfang auszudrucken sind. „Zudem hat das Bauaufsichtsamt die Erfahrung gemacht, dass die Bewerbungen in der klassischen Bewerbungsmappe oft eine höhere Qualität haben als Mail/PDF-Bewerbungen.“ Es gilt also, in der Ausschreibung nachzulesen, welche Variante gewünscht ist.

Anforderungen aufmerksam lesen

"Wenn jemand nur ein Jahr im Büro xy gearbeitet hat und uns einen Bebauungsplan, eine Rahmenplanung und einen gewonnenen Wettbewerb präsentiert, dann wissen wir, dass dies nur als Teamleistung möglich war. “ Dr. Detlef Kron, Leiter des Amts für Stadtplanung und Stadterneuerung der Stadt Stuttgart

„Wenn jemand nur ein Jahr im Büro xy gearbeitet hat und uns einen Bebauungsplan, eine Rahmenplanung und einen gewonnenen Wettbewerb präsentiert, dann wissen wir, dass dies nur als Teamleistung möglich war. “
Dr. Detlef Kron, Leiter des Amts für Stadtplanung und Stadterneuerung der Stadt Stuttgart

An das Anschreiben hat Britta Wisch vom Sachgebiet Personal und Organisation der Stadt Braunschweig klare Ansprüche: „Es muss fehlerfrei sein und ich möchte einen Satz lesen wie ,Ich will bei der Stadt Braunschweig arbeiten, weil …‘“ Wer mit pauschalen Formulierungen komme, der erwecke nicht den Eindruck, sich mit dem Unternehmen befasst zu haben. „Wer sich bei uns bewirbt, der sollte wissen, wie wir organisiert sind und dass die Kommunalpolitik Einfluss auf unsere Arbeit hat“, sagt die Personalerin. Die Mappe muss zudem den Lebenslauf, Zeugniskopien und ein Lichtbild enthalten. Was die Art der Anrede oder die Gestaltung der Bewerbungsmappe angeht, empfiehlt sie Bewerbern, immer im Auge zu behalten, wo man sich bewirbt. Während eine künstlerisch gestaltete Bewerbung im Kulturbereich sicher gut ankomme, sei im Fachbereich Tiefbau und Verkehr eher „Kreativität in begrenztem Umfang“ angebracht.

Auch Anne Sick wünscht, dass Stellenangebote aufmerksam gelesenund Bewerbungen nicht nach dem Gießkannenprinzip verschickt werden: „Wenn wir einen Mitarbeiter oder eine Mitarbeiterin für die Bauunterhaltung suchen, dann muss er bzw. sie eine Affinität zum Handwerklichen und Praktischen haben. Wer lieber im stillen Kämmerlein Entwürfe zeichnet, als draußen zu sein, sollte sich auf eine solche Stelle nicht bewerben.“ Von einem Anschreiben erwartet sie, dass es „plausibel und knapp formuliert“ ist. Auch Dr. Michael Schlemmer schätzt es nicht, wenn Bewerber vom Hundertsten ins Tausendste kommen: „Das Bewerbungsschreiben sollte nicht länger als eine Seite und nicht mit Angaben aus dem Lebenslauf ,überfrachtet‘ sein. Wichtig ist, dass die Motivation des Bewerbers und seine Überzeugung von der Eignung für die Stelle glaubhaft zum Ausdruck kommen.“

„In vielen Architekturbüros machen AIP-ler immer die gleichen Tätigkeiten, bei uns durchlaufen sie die gesamte Bandbreite. Wenn möglich, geben wir ihnen sogar ein kleines, eigenverantwortliches Projekt. “ Anne Sick, Leiterin des Amts für Hochbau und Gebäudewirtschaft der Stadt Karlsruhe

„In vielen Architekturbüros machen AIP-ler immer die gleichen Tätigkeiten, bei uns durchlaufen sie die gesamte Bandbreite. Wenn möglich, geben wir ihnen sogar ein kleines, eigenverantwortliches Projekt. “
Anne Sick, Leiterin des Amts für Hochbau und Gebäudewirtschaft der Stadt Karlsruhe

Wie viele Kandidaten zum Vorstellungsgespräch eingeladen werden, hängt in erster Linie von der Anzahl der Bewerbungen ab. Um einen guten Vergleich zu haben, sind es laut der TALIS-Gesprächspartner zwischen fünf und zehn. „Wir bemühen uns, es an einem Tag zu schaffen, denn wir müssen ja einige Leute für die Vorstellungsrunde freihalten“, erläutert Dr. Detlef Kron. Bei Bewerbungsgesprächen im öffentlichen Dienst sitzen dem Bewerber im Normalfall der zuständige Abteilungsleiter sowie Vertreter der Personalabteilung, des Personalrats, teils auch die Gleichstellungsbeauftragte und ein Schwerbehindertenvertreter gegenüber. Haben sich auch interne Mitarbeiter auf die vakante Stelle beworben, werden sie generell gehört. Externe Bewerber werden dadurch aber nicht ausgeschlossen.

Das fachliche Wissen wird durch praktische Fallbeispiele, etwa eine Straßenbaumaßnahme, abgefragt. „Wir geben dem Bewerber Unterlagen und nach einer Vorbereitung beschreibt er, wie er vorgehen und das Projekt bearbeiten würde“, erklärt Britta Wisch. Anhand dieser Beschreibungen sei auch abzulesen, ob der Kandidat ein Teamplayer oder ein Einzelkämpfer ist. Anne Sick berichtet, dass die Aufgabenstellung manchmal bereits eine Woche vorher ausgegeben wird, um eine Vorbereitung zu ermöglichen. „Uns interessiert, was die Leute wissen, nicht, was sie nicht wissen“, erläutert Sick. Vor allen Dingen wolle man niemanden in Verlegenheit bringen oder auflaufen lassen.

Nicht als Alleskönner auftreten

Dr. Detlef Kron rät Bewerbern davon ab, im Vorstellungsgespräch aufzuschneiden und sich als Alleskönner darzustellen: „Wenn jemand erzählt, dass er nur ein Jahr im Büro xy gearbeitet hat und uns dann einen Bebauungsplan, eine Rahmenplanung und einen gewonnenen Wettbewerb präsentiert, dann wissen wir als Kenner der Materie, dass dies nur als Teamleistung möglich war.“ Spätestens an dieser Stelle sei Ehrlichkeit gefragt, denn „wer trotz Nachfrage dabei bleibt, dass er das alles allein gemacht hat, der macht es uns schwer, überhaupt etwas zu glauben, was er sagt“.

„Niemand erwartet von Bauingenieuren, dass sie im Designer-Anzug daherkommen, Hemd und Jacket sollte ein Mann aber schon tragen. “ Heinz-Georg Leuer, Leiter des Fach­bereichs Tiefbau und Verkehr der Stadt Braunschweig

„Niemand erwartet von Bauingenieuren, dass sie im Designer-Anzug daherkommen, Hemd und Jacket sollte ein Mann aber schon tragen. “
Heinz-Georg Leuer, Leiter des Fach­bereichs Tiefbau und Verkehr der Stadt Braunschweig

Laut Anne Sick glauben einige Leute noch immer, dass es im Amt gemächlicher zuginge als anderswo oder dass die Arbeit im öffentlichen Dienst niederschwelliger sei. „Dem ist nicht so“, widerspricht sie vehement. Die Mitarbeiter würden gefordert und gefördert. „In vielen Architekturbüros machen AIP-ler immer die gleichen Tätigkeiten, bei uns durchlaufen sie die gesamte Bandbreite. Wenn möglich, geben wir ihnen sogar ein kleines, eigenverantwortliches Projekt.“ Ein weiterer Vorteil sei, „dass wir keine ausbeuterischen Arbeitsverhältnisse haben“, so Sick. Reine Bauchentscheidungen für oder gegen einen Bewerber gibt es im öffentlichen Dienst nicht. Die verschiedenen Bereiche des Gesprächs werden bepunktet und so schließlich ein Ranking festgestellt. Das Verfahren wird dokumentiert, da die Möglichkeit einer Konkurrentenklage besteht. Meist sei bereits nach der ersten Gesprächsrunde entschieden, welcher Bewerber sich durchgesetzt habe, sagt Dr. Detlef Kron. Sollte das Gremium einen Kandidaten ausgewählt haben, der jedoch absagt, bedeute das nicht automatisch, dass der zweite nachrückt. In diesem Fall sei sowohl eine weitere kleine Vorstellungsrunde möglich als auch eine erneute Ausschreibung der Stelle.

Erfolgreich bewerben im Bauunternehmen

Wer Erfahrungen in der Bauleitung vorweisen kann, hat als Bauingenieur und vor allem auch als Architekt wunderbare Aufstiegschancen in allen Bereichen – von der Planung bis zum Management. Obwohl Bauleitung viel Erfahrungen voraussetzt, geben Bauunternehmen häufig Absolventen und Einsteigern die Chance, sich in diese verantwortungsvolle Position einzuarbeiten. Sechs Personalchefs aus verschiedenen Bauunternehmen erklären, was sie von jungen Bewerbern erwarten.

Während der Recherche für diesen Artikel haben wir mit Personalverantwortlichen der Bauunternehmen und Baudienstleister Hochtief, Max Bögl, Wolff & Müller, Goldbeck, der Bauer Gruppe und BAM Deutschland gesprochen. In allen diesen Unternehmen wird heute ausschließlich die Onlinebewerbung gewünscht. Dass die eher als konservativ geltende Branche die moderne Variante bevorzugt, ist nicht so verwunderlich, wie es auf den ersten Blick scheint, sondern hauptsächlich der Masse der eingehenden Bewerbungen bei den großen Firmen geschuldet. „Bei ca. 8.000 Bewerbungen jährlich ist inzwischen nur noch so eine vernünftige, effiziente Bearbeitung möglich“, verdeutlicht Alexander Huber, Leiter der Personalbeschaffung bei Bauer.

Die meisten Bauunternehmen haben ein Bewerberportal auf ihrer Website eingerichtet. Teilweise beinhalten die Karriereportale sowohl aktuelle Stellenangebote als auch Reiter für Initiativbewerbungen – gegliedert nach Studenten, Absolventen und Berufserfahrenen. „Interessenten können ihre Daten direkt eingeben, Dokumente elektronisch anhängen und schließlich immer den aktuellen Status ihrer Bewerbung verfolgen“, erklärt Martina Steffen, Leiterin der Konzernabteilung Personal/Corporate Department Human Resources der Hochtief AG. Die elektronische Bewerbung spare dem Bewerber Zeit und Geld, das Unternehmen hingegen könne schneller Kontakt mit dem Bewerber aufnehmen, die Bewerbung zügig in die Fachbereiche geben und den Bewerbungsprozess somit beschleunigen.

 „ Besonders gerne lesen wir ein individuelles Schreiben, in dem der Bewerber seine Motivation darstellt. “ Gregor Röseler, BAM Deutschland AG Foto: BAM Deutschland AG


„ Besonders gerne lesen wir ein
individuelles Schreiben, in dem
der Bewerber seine Motivation darstellt. “
Gregor Röseler,
BAM Deutschland AG
Foto: BAM Deutschland AG

Diese Variante unterscheide sich letztlich gar nicht so sehr von der per Post eingehenden Mappe, sagt Michael Dombrowski, Leiter Personalwesen bei der Wolff & Müller Holding GmbH & Co. KG: „Es ist im Grunde die klassische Bewerbungsmappe, nur in digitaler Form, am besten als PDF.“ Ähnlich äußert sich Martina Steffen: „Die Informationen in einer Onlinebewerbung sollten sich nicht von einer klassischen Bewerbung unterscheiden. Der Bewerber sollte sich genauso viel Mühe und Gedanken mit seiner Onlinebewerbung machen.“

Bewerbungsschreiben: Zeigen was man will

„Kurz und bündig“ wünscht sich Max Fries vom Zentralbereich Personal für Angestellte bei Max Bögl die Bewerbung. „Durch ein kurzes Anschreiben, in dem Bezug auf die ausgeschriebene Stelle genommen wird, den Lebenslauf und Zertifikate können wir uns ein erstes Bild machen – um mehr geht es ja zunächst nicht.“ Sein Kollege Kurt Walther, der das Kompetenzzentrum Bau bei Max Bögl leitet sowie gewerbliche und kaufmännische Auszubildende und Hochschulpraktikanten betreut, rät zur Präzision: „Ein Bewerber muss zeigen, was er will, wo seine Interessen liegen und – wenn es sich um eine Initiativbewerbung handelt – in welchem Unternehmensbereich er arbeiten möchte. Wer uns nicht sagt, was er bei uns machen will, der macht es uns sehr schwer, etwas für ihn zu tun.“

Gern lassen uns die Personalverantwortlichen wissen, wie das Bewerbungspaket gestaltet sein sollte. Gregor Röseler, verantwortlich für Aus- und Weiterbildung sowie Recruiting bei der BAM Deutschland AG, sagt: „Ein gutes Bewerbungsschreiben sollte klar strukturiert und übersichtlich dargestellt sein. Besonders gerne lesen wir ein individuelles Schreiben, in dem der Bewerber seine Motivation darstellt.“

 „ Es ist kein Problem, wenn ein Bewerber zugibt, bestimmte Dinge noch nicht zu können. Wichtig ist, dass er an diesen Punkten arbeitet.“ Martina Steffen, Hochtief AG Foto: Hochtief Solutions AG


„ Es ist kein Problem, wenn ein Bewerber zugibt, bestimmte Dinge noch nicht zu können. Wichtig ist, dass er an diesen Punkten arbeitet.“
Martina Steffen, Hochtief AG
Foto: Hochtief Solutions AG

Das Anschreiben sollte sich auf die angestrebte Stelle beziehen und die Erfahrungen und Qualifikationen des Bewerbers herausstellen, die auf das Anforderungsprofil der Stelle passen, erläutert Michael Dombrowski und schließt an: „Bei Absolventen aus den Bereichen Architektur und Bauingenieurwesen spielen für uns neben dem Fachwissen ganz besonders die Fähigkeiten im Prozess- und Projektmanagement eine große Rolle.“

Kathrin Strehlau, die in der Personalentwicklung der Goldbeck GmbH tätig ist, achtet besonders auf die Dauer der bisherigen Anstellungen und einen lückenlosen Lebenslauf. „Des Weiteren benötigen wir alle relevanten Schul- und Ausbildungs- sowie Praktikums- oder Arbeitszeugnisse. Für Positionen in der Planung, der Bau- oder Projektleitung sind außerdem Arbeitsproben bzw. eine Projektliste hilfreich.“ Zusammengefasst lässt sich also feststellen, dass kompakte Bewerbungen gewünscht werden, in denen Bezug auf die konkrete Stelle genommen wird, Zahlen und Fakten chronologisch und damit lesefreundlich aufgearbeitet wurden und die relevanten sowie geforderten Anlagen enthalten sind. Alexander Huber hebt den Stellenwert des Anschreibens als „erste Arbeitsprobe“ hervor, die selbstverständlich frei von Rechtschreib- und Grammatikfehlern sein sollte.
Wie viele Bewerber zum Vorstellungsgespräch eingeladen werden, ist ganz unterschiedlich und auch bezüglich vorab geführter Telefoninterviews ist keine eindeutige Linie zu erkennen. Max Fries hält wenig von diesen Telefonaten: „Wenn ich jemanden unerwartet anrufe, ist er nicht auf ein Gespräch vorbereitet. Wir wollen aber niemanden in die Ecke drängen.“ Bei Max Bögl werden im Regelfall drei bis fünf Kandidaten zum Vorstellungsgespräch eingeladen. Ihnen gegenüber sitzen ein Vertreter aus dem Bereich Personal, meist Fries, sowie ein oder zwei Vertreter des Fachbereichs, der aktuell Personal anfordert. Zu Beginn des Gesprächs stellt sich die Firmenseite vor, danach erhält der Bewerber Gelegenheit, sich zu präsentieren. In Zeiten des Internets erwartet Fries, dass eine Beschäftigung mit dem Unternehmen erfolgt ist: „Wenn wir über uns und die Stelle sprechen, möchte ich nicht bei null anfangen, sondern schon etwas in die Tiefe gehen.“ Im Einzelfall werden konkrete Situationen oder besondere Herausforderungen der Tätigkeit angesprochen.

 „ Wer uns nicht sagt, was er bei uns machen will, der macht es uns sehr schwer, etwas für ihn zu tun. “ Kurt Walther, Max Bögl Foto: privat


„ Wer uns nicht sagt, was er bei uns machen will, der macht es uns sehr schwer, etwas für ihn zu tun. “
Kurt Walther, Max Bögl
Foto: privat

Stärken zeigen, Schwächen zugeben

„Ein Bewerber sollte schon ein gesundes Selbstbewusstsein an den Tag legen, ohne dabei überheblich zu wirken“, sagt Martina Steffen. Der Kandidat sollte deutlich zeigen, dass er neugierig auf den Job ist, und erklären können, warum gerade er dafür geeignet ist. Als positiv empfindet sie es, wenn der Bewerber eine ausgeprägte Selbstreflexion zeige. Er beweise damit ein gutes Gefühl und Wissen um seine eigenen Stärken und auch Schwächen. „Es ist kein Problem, wenn ein Bewerber zugibt, bestimmte Dinge noch nicht zu können. Wichtig ist, dass er an diesen Punkten arbeitet“, erläutert Steffen. Darüber hinaus gibt sie Bewerbern den Tipp, im Gespräch immer authentisch zu sein: „Wir suchen schließlich keine Schauspieler.“

Begeisterung fürs Bauen und Teamgeist – diese beiden Dinge sollte ein Bewerber nach Ansicht von Michael Dombrowski im Vorstellungsgespräch vermitteln. „Er sollte offen, interessiert und kommunikativ sein. Das sehen wir zum Beispiel daran, ob er aufmerksam zuhört, Blickkontakt sucht und hält, Fragen stellt und alle Gesprächsteilnehmer einbezieht.“ Wer andere ständig unterbricht, der erweckt nicht den Eindruck, sich integrieren zu können und Entscheidungen anderer zu akzeptieren. „Es gibt kein Patentrezept, die Teamfähigkeit eines Bewerbers zu ergründen“, sagt Max Fries. Man könne nur versuchen, Tendenzen herauszuhören, ob jemand eher ein Einzelgänger ist oder sich gern in eine Gemeinschaft eingliedert. Kurt Walther ergänzt, dass es neben der Frage nach der Teamfähigkeit auch darum gehe, ob der Bewerber in diejenige Gruppe passt, die verstärkt werden soll.

„ Wir geben Mitarbeitern sehr früh Verantwortung und die Möglichkeit, sich im Unternehmen einzubringen. “ Kathrin Strehlau, Goldbeck GmbH Foto: Goldbeck GmbH

„ Wir geben Mitarbeitern sehr
früh Verantwortung und die Möglichkeit, sich im Unternehmen einzubringen. “
Kathrin Strehlau,
Goldbeck GmbH
Foto: Goldbeck GmbH

Die meisten der großen Baufirmen waren Familienunternehmen oder befinden sich noch heute in Familienbesitz. Dies hat Auswirkungen auf die Unternehmenskultur und das Wertesystem: „Wir sind ein Familienunternehmen mit mittelständischen Werten und Stärken: Bodenständigkeit und Partnerschaftlichkeit, aber auch Innovationskraft und Effektivität. Ein Bewerber passt zu uns, wenn er diese Werte teilt“, berichtet Michael Dombrowski.

Ist es zu einer Einstellung gekommen, dann punktet der neue Mitarbeiter bei Goldbeck, wenn er Eigeninitiative entwickelt und offen auf die Kollegen zugeht. „Wir geben Mitarbeitern sehr früh Verantwortung und die Möglichkeit, sich im Unternehmen einzubringen. Wenn das genutzt wird, profitieren beide“, weiß Kathrin Strehlau. Dass ein neuer Mitarbeiter wissbegierig ist und Strukturen und Prozesse hinterfragt, dies erwartet Michael Dombrowski: „Was ist anders als beim vorherigen Arbeitgeber? Was ist aus seiner Sicht gut, was könnte man verbessern?“ Dies erfordere natürlich etwas Mut und Selbstbewusstsein, doch nur so würden Dinge in Gang gesetzt, „und es ist eine gute Gelegenheit, sich zu positionieren und das eigene Potenzial aufzuzeigen“. Bei Bauer wurde bereits vor längerer Zeit unser betriebliches Vorschlagswesen eingeführt, „da das aktive Mitwirken und Sich-Einbringen aller Mitarbeiter nur von Vorteil für das gesamte Unternehmen sein kann“, berichtet Alexander Huber. Wolff & Müller bietet mit der hauseigenen Akademie ein umfangreiches Schulungs- und Weiterbildungsprogramm und veranstaltet Expertenworkshops sowie Diskussionsrunden. „Wer diese Angebote aktiv nutzt und zeigt, dass er sich weiterentwickeln möchte, macht auf sich aufmerksam“, schließt Michael Dombrowski.

Wer einem Bauunternehmen zeigt, dass er bauen will, hat große Chancen auf einen gut dotierten Posten. Unser Bild zeigt die Stadtbrücke Nijmegen, ein 2013 fertiggestelltes Projekt der Max Bögl Bauunternehmung & Co. KG. Foto: Thea van den Heuvel/DAPh

Wer einem Bauunternehmen zeigt, dass er bauen will, hat große Chancen auf einen gut dotierten Posten. Unser Bild zeigt die Stadtbrücke Nijmegen, ein 2013 fertiggestelltes Projekt der Max Bögl Bauunternehmung & Co. KG.
Foto: Thea van den Heuvel/DAPh

Die Firmengruppe Max Bögl investiert viel Zeit und Geld, um die Nachwuchskräfte fit für Führungspositionen zu machen, und ist daher selbstverständlich an einer langfristigen Mitarbeiter-Bindung interessiert. „Nach drei bis fünf Jahren können wir den Mitarbeitern Baustellen zur eigenständigen Abwicklung übergeben, später warten Aufgaben in der Projektleitung und schließlich schult der ehemalige Neuling als Führungskraft selbst junge Bauleiter“, zeigt Max Fries einen möglichen Weg auf. Tatsächlich sind viele Schlüsselpositionen des Unternehmens bis hin zur Geschäftsführung mit Eigengewächsen besetzt.

Erfolgreich bewerben im Architekturbüro

In den letzten zehn TALIS-Jahren haben wir mit zahlreichen Personalverantwortlichen aus Architekturbüros gesprochen. Fakt ist: Architekturbüros bekommen viele Bewerbungen. Wie junge Architekten aus der Masse hervorstechen.

Rund 500 Mitarbeiter des Architekturbüros gmp setzen an weltweit 14 Standorten jährlich mehr als 100 Projekte um. Mit Lingang New City entsteht bei Shanghai eine ganze Stadt nach den Plänen des Unternehmens. Hier sollen bis 2020 rund 800.000 Bewohner leben. Keine Frage: gmp ist ein attraktiver Arbeitgeber. Stellenausschreibungen werden in den Print- und Internetausgaben der bekannten Branchenmedien veröffentlicht, dennoch gehen allein im Berliner Büro täglich über 20 Initiativbewerbungen ein. Die Zeit, sich mit Bewerbungen auseinanderzusetzen, ist knapp. Ein Bewerber muss es also schaffen, dass Jochen Köhn, assoziierter gmp-Partner am Berliner Standort, auf den ersten Blick Lust verspürt, bei dieser Bewerbung zu verharren. „Wir Architekten sind stark bildorientiert“, beschreibt er, „daher schaue ich neben der Gestaltung des Anschreibens zunächst in die Mappen.“ Bereits in diesem Moment würden sehr viele Bewerbungen aussortiert.

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Jochen Köhn, assoziierter Partner, gmp: „ In unserer Branche gehen wir sehr kollegial, meist freundschaftlich miteinander um, das Du ist weit verbreitet. Dennoch gibt es Hierarchien. “
Foto: gmp

Auch Gerhard G. Feldmeyer ist ein Freund der klassischen Bewerbungsmappe. „Aus ihr spricht für mich am stärksten die persönliche Handschrift, da dem Bewerber damit weitaus größere Spielräume zur Darstellung seiner Architekturauffassung sowie seines gestalterischen Talents geboten werden. Anmutung, Inhalt, Format, Haptik, all das sind Aspekte, die online nur sehr viel schwerer zu transportieren sind“, sagt er. Seit zehn Jahren ist der Architekt zusammen mit seinem Partner Joachim H.Faust als geschäftsführender Gesellschafter für die Unternehmensführung bei HPP Architekten verantwortlich. Das Büro mit Hauptsitz in Düsseldorf beschäftigt weltweit 330 Mitarbeiter und zeichnet verantwortlich für Stadien wie „AufSchalke“ oder die „BayArena“ oder die Planung des Expo Village in Shanghai. Feldmeyer rät Bewerbern, auf Floskeln zu verzichten: „Es gibt nichts Schlimmeres als Allgemeinplätze. Ich möchte in einer Bewerbung etwas Einzigartiges, Individuelles finden.“

Hanns Ziegler schätzt Bewerbungsmappen wegen ihrer einfachen Handhabe. Bereits als jobbender Student hat er sein Herz an Staab Architekten verloren. Seit er 1995 sein Diplom gemacht hatte, ist er kontinuierlich für das Büro in Berlin-Kreuzberg tätig. 2008 wurde er in die seither vierköpfige Geschäftsführung aufgenommen. Das Büro beschäftigt 90 Mitarbeiter und ist aktuell beispielsweise mit Sanierung und Erweiterung des Jüdischen Museums in Frankfurt betraut. Ziegler sagt, ein gutes Anschreiben solle nicht den Eindruck erwecken, gleichlautend an zehn weitere Büros gegangen zu sein, sondern vielmehr aufzeigen, warum der Bewerber gerade für Staab Architekten arbeiten will. „Es ist ein sehr guter Ansatz, wenn wir erkennen, dass jemand Dinge wertschätzt und mit eigenen Worten ausdrückt.“ Wer einfach nur die Stellenbeschreibung wiedergebe und seinen Namen daruntersetze, der erwecke nicht den Eindruck, gut formulieren und analysieren zu können.

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„ Wer im Studium niemals eine Gruppenarbeit absolviert hat, ist möglicherweise kein Teamplayer. Letztlich bewerten wir solche Aspekte jedoch nicht über. “
Gerhard G. Feldmeyer,
geschäfts­führender Gesellschafter, HPP Architekten
Foto: HPP Architekten

Sicherlich ist das Interesse an Bewerbungsmappen in der Architektur stärker ausgebildet als in anderen Branchen, dies gilt allerdings nicht für alle Arbeitgeber: „Wir bevorzugen die Onlinebewerbung. Die Vorteile sind die schnellere Bearbeitung und eine bessere Übersicht, ob die Bewerbungsunterlagen vollständig sind“, sagt Dr. Georg Schumacher, Head of Human Resources bei ATP architekten ingenieure. Das Büro mit Hauptsitz in Innsbruck beschäftigt weltweit 550 Mitarbeiter und ist in Deutschland mit zwei Standorten vertreten. Zu den bekanntesten Bauwerken zählt der Millennium Tower in Wien, der 1999, zu seiner Bauzeit, das höchste Bürogebäude Österreichs war.

Die Vollständigkeit der Unterlagen sprechen alle vier TALIS-Gesprächspartner an, sie hat Signalwirkung auf die potenziellenArbeitgeber. Es versteht sich von selbst, dass ein Bewerber, der Architektur-Standards wie Entwürfe nicht beifügt – obwohl sie ausdrücklich gefordert sind –, kaum den Eindruck erweckt, wirklich an einer Einstellung interessiert zu sein oder besonders akribisch zu arbeiten.

Eigene Stärken hervorheben

Sich bewerben bedeutet für sich werben – enorm wichtig ist also, eigene Stärken hervorzuheben. Wer sich in bestimmten Bereichen überdurchschnittlich entwickeln konnte, der sollte dies nicht für sich behalten, sondern die Fähigkeit gezielt präsentieren, um sich von anderen Bewerbern abzuheben. „Wir wollen Mitarbeiter, die in ihrem Bereich Spitzenleistungen erbringen“, sagt Jochen Köhn. Diese Aussage beinhaltet auch, dass es ratsam ist, sich nur dann zu bewerben, wenn die beschriebenen Erwartungen erfüllt werden können – seien es Kenntnisse bestimmter Fachdisziplinen oder spezieller Programme. Geht aus der Ausschreibung klipp und klar hervor, dass ein abgeschlossenes Masterstudium gefordert ist, dann sollte Bachelorabsolventen klar sein, dass es sehr guter Argumente bedarf, damit die Bewerbung nicht umgehend auf dem Ablehnungsstapel landet.

„ Eine 08/15-Bewerbung überzeugt uns nicht. Individuelle Bewerbungen, die sich hervorheben und pfiffig geschrieben sind, lassen auf eine interessante Persönlichkeit schließen. “ Dr. Georg Schumacher, Head of Human Resources, ATP architekten ingenieure Foto: ATP/Fotograf

Dr. Georg Schumacher, Head of Human Resources, ATP architekten ingenieure: „Eine 08/15-Bewerbung überzeugt uns nicht. Individuelle Bewerbungen, die sich hervorheben und pfiffig geschrieben sind, lassen auf eine interessante Persönlichkeit schließen. “
Foto: ATP/Fotograf

Selbst wenn alle Anforderungen erfüllt werden können, kann es gute Gründe geben, sich nicht auf eine Stelle zu bewerben. Betreut ein Unternehmen etwa Projekte rund um den Globus oder weist es in Stellenanzeigen explizit auf wechselnde Einsatzorte hin, dann ist Reiselust mitzubringen. Wem die wöchentliche Doppelkopfrunde in Dortmund über alles geht, der wird nicht glücklich sein, wenn er monatelang in Dubai oder Shenzhen arbeiten muss. Wenig Sinn macht es zudem, sich ernsthaft auf eine international ausgerichtete Tätigkeit zu bewerben, wenn die Fremdsprachenkenntnisse schwach ausgeprägt sind – es sei denn, man spricht dieses Manko offen an. Sollte ein Bewerber nämlich die anderen geforderten Qualitäten mitbringen, lässt sich die Finanzierung eines Englisch-Crash-Kurses locker verschmerzen. Viele Unternehmen sind gern bereit, in die Qualifizierung vielversprechender Mitarbeiter zu investieren.

Wenn Hanns Ziegler 30 bis 50 Bewerbungen erhält, dann werden meist drei Kandidaten zum Gespräch eingeladen. Die anderen Personalverantwortlichen nennen ähnliche Zahlen. Dass mehr als 90 Prozent der Bewerber die zweite Runde nicht erreichen, verdeutlicht, wie wichtig es ist, an einer gut gemachten Bewerbung zu feilen.

Feste Gesprächsabläufe gibt es nicht. „Beide Seiten sollten die Möglichkeit haben, situativ zu reagieren, was das Gespräch meistens belebt. Ein größerer Spielraum ergibt außerdem die Möglichkeit, ein umfassenderes Bild vom Bewerber zu erhalten“, erläutert Gerhard G. Feldmeyer. Um zu zeigen, dass er keinen Fragenkatalog abarbeitet, hat Jochen Köhn ein leeres Blatt Papier vor sich liegen. Meist schaut er sich die Entwürfe des Bewerbers an. Aus einem lockeren Gespräch heraus ergeben sich dann die Dinge, die ihn interessieren.

Und wie sollen sich Bewerber nach Ansicht der Personalverantwortlichen im Vorstellungsgespräch darstellen? „Authentisches Auftreten wird von uns geschätzt, Natürlichkeit und Fachkompetenz überzeugen in den meisten Fällen“, antwortet Dr. Georg Schumacher. Besonderes Augenmerk richtet Hanns Ziegler auf das Ausdrucksvermögen des Bewerbers: „Wir leben eine nicht hierarchisch geprägte Wettbewerbskultur. Dafür brauchen wir Mitarbeiter, die für eigene Ideen werben und im Gespräch starke Bilder entwickeln können.“ Wer ein Konzept vor Augen habe, der müsse es anderen auch präsentieren können.

Auf zu viel Lockerheit verzichten

Im Blickpunkt stehen auch die Verhaltensmuster des Bewerbers. Jochen Köhn warnt beispielsweise vor zu viel Lockerheit: „In unserer Branche gehen wir sehr kollegial, meist freundschaftlich miteinander um, das Du ist weit verbreitet. Dennoch gibt es Hierarchien.“ Manche Bewerber kämen herein, als sei man seit Jahren befreundet und fläzten sich auf den Stuhl wie in einer Kneipe. „Wenn ich einen Architekten, der sich so verhält, zu einem Bauherrn schicken würde, dann hätte ich den Auftrag wohl verloren“, erläutert er.

„Einen Master sollte ein Bewerber schon mitbringen, weil wir dies als eine vollwertige Ausbildung sehen. “ Hanns Ziegler, Mitglied der Geschäftsführung, Staab Architekten Foto: David Spoo

„Einen Master sollte ein Bewerber schon mitbringen, weil wir dies als eine vollwertige Ausbildung sehen. “
Hanns Ziegler, Mitglied der Geschäftsführung, Staab Architekten
Foto: David Spoo

Als weitere schwerwiegende Fehler werden arrogantes Auftreten, Besserwisserei oder unentschuldigtes Zu-spät-Kommen genannt. Wer sich mit fremden Federn schmücke, disqualifiziere sich selbst. „Wir kennen alle wichtigen Projekte und auch deren Entwurfsarchitekten“, sagt Köhn. Ein fataler Bewerberfehler sei beispielsweise, Gebäude als Referenz zu nennen ohne zu wissen, dass dies gmp-Projekte sind.

Fester Bestandteil eines Vorstellungsgesprächs bei Staab Architekten ist die Büroführung, bei der die Bewerber sehen, dass die gesamte Belegschaft und auch die Geschäftsführung in einem Großraumbüro arbeiten. Ein derartiges Bürokonzept setzt Kommunikationsfreudigkeit und Teamfähigkeit voraus. Die Kommunikationsfähigkeit ist laut Hanns Ziegler relativ leicht zu ergründen, in Bezug auf die Teamfähigkeit sei es schwieriger: „Es zeigt sich häufig erst während der Probezeit, ob wir mit unserer Einschätzung richtig lagen.“

Um sich ein Gesamtbild verschaffen zu können, stellt Gerhard G. Feldmeyer innerhalb des gesetzlichen Rahmens auch Fragen zu persönlichen Themen oder Hobbys wie Musik, Kultur oder Sport. Natürlich gebe es Gradmesser, ob ein Bewerber teamfähig sei, berichtet er: „Wer im Studium niemals eine Gruppenarbeit absolviert hat, ist möglicherweise kein Teamplayer. Letztlich bewerten wir solche Aspekte jedoch nicht über.“ Vor einer Überinterpretation warnt auch Hanns Ziegler: „Ob jemand Tennis oder Volleyball spielt, sagt wenig über seine Teamfähigkeit aus.“

Kununu – das Ar­beit­ge­ber­be­wer­tungs­portal

Wie tickt der Ar­beit­ge­ber, bei dem ich mich bewerben will? Das Ar­beit­ge­ber­be­wer­tungs­portal kununu gibt auch Archi­tekten und Bau­ingenieuren wert­volle Antworten.
Die kununu GmbH ist ein junges Team (Durchschnittsalter 30 Jahre) aus BWLern, Kreativen und ITlern, die im Herzen Wiens die Arbeitgeber Bewertungsplattform kununu.com betreibt. Die besondere Idee hinter kununu: Mitarbeiter aus Deutschland, Österreich und der Schweiz werden auf der Plattform zu Unternehmensbotschaftern und informieren andere Bewerber über Arbeitsverhältnisse, Lohnnebenleistungen und Betriebsklima bei ihrem (Ex)-Arbeitgeber. Getreu dem Motto „die jobs, die wir lieben“ liefert kununu.com auf positive Art und Weise Aufschluss über attraktive Arbeitgeber. Nachfolgend einige Antworten auf Fragen, die Architekten und Bauingenieure interessieren dürften:

Was war der Ausgangspunkt für Ihre Idee, ein Arbeitgeberbewertungsportal zu gründen, worauf ist der unverwechselbare Name „kununu“ zurückzuführen?

kununu stammt aus der afrikanischen Sprache Suaheli und bedeutet „unbeschriebenes Blatt“. Wir haben damals einen Namen gesucht, der knapp, innovativ und – wie Sie sagen -unverwechselbar sein sollte. Das ist uns mit „kununu“ gelungen. Die Marke ließ sich leicht schützen, ist bislang 100 Prozent imitationsfrei geblieben und im deutschprachigen Raum zum Synonym für Arbeitgeberbewertung im Internet geworden.
Die Seriosität von kununu wird einerseits durch die Bewertungsmethoden und andererseits durch die Kontrolle der Bewertungen gewährleistet. 1. Die Bewertungsmöglichkeiten beruhen (Kategorien in den Fragebögen der Express- und der Standardbewertung) auf dem EFQM (European Foundation for Quality Management) Modell zur qualitativen Bewertung von Unternehmen. Dies soll sicherstellen, daß auch ohne Abgabe von Kommentaren ein ganzheitliches Bild des Arbeitgebers entsteht. 2. Jede Bewertung wird auf die Einhaltung der kununu Regeln kontrolliert und bei Bedarf auf inaktiv gesetzt! Die Bewertungsregeln lauten:

1. Die Bewertung von Personen ist nicht erlaubt!
2. Die Veröffentlichung firmeninterner Informationen ist nicht erlaubt!
3. Diskriminierende, beleidigende, rufschädigende, rassistische und vulgäre Aussagen sind verboten!

Wie erfolgt die Kontrolle?

Jeder Besucher, der eine Bewertung abgeben möchte, muss sich mit einer ordnungsgemäßen Mailadresse registrieren. Trashmailadressen werden von uns nicht akzeptiert. Technische Filter verhindern zudem das Posten von Schimpfwörtern und namentliche Erwähnungen. Darüber hinaus hat jeder Arbeitgeber die Möglichkeit, unserem Support-Team Rückmeldung zu geben: Liegt eine Bewertung mit bedenklichen Inhalt vor, überprüfen wir diese umgehend. Entspricht diese weder den gesetzlichen als unseren freiwillig selbst auferlegten Kriterien, wird der User verständigt, seine Bewertung dahingehend zu korrigieren.
Können Sie konkrete Beispiele nennen, wie sich beispielsweise Arbeitnehmerbewertungen bei kununu auf das Employer Branding positiv oder negativ auswirken?

Unsere Erfahrungen zeigen durchgängig, dass Unternehmen, die aktiv mit kununu umgehen, besonders von unserer Plattform profitieren. Unternehmen wie die Deutsche Telekom, die Commerzbank, Bosch, Siemens, E.ON oder Bayer (um nur einige zu nennen) weisen Mitarbeiter und Bewerber explizit auf kununu hin und generieren dadurch auch Bewertungen von zufriedenen und tendenziell eher nicht mitteilungsbedürftigen Mitarbeitern.

Es ist für uns eine sehr wünschenswerte Entwicklung, dass durch Arbeitgeber-Bewertungsportale die „Guten“ unter den Arbeitgebern vom Imageschub profitieren und sich von den „Bösen“ abheben. Natürlich glauben wir daran, dass Unternehmen wandlungsfähig sind und durch Feedback – auf Plattformen wie kununu – Verbesserungspotentiale entdecken und nutzen.
Wie ist die Resonanz der Firmen?

Die Resonanz auf kununu ist tendenziell sehr positiv. Der Großteil der Firmen sieht kununu als was es ist: Eine zusätzliche Informationsquelle (neben den hausinternen Mitarbeiterbefragungen in großen Unternehmen), die Aufschluß darüber gibt, wie die eigenen Mitarbeiter über das Unternehmen denken und sich die Mühe machen, dies auch zu veröffentlichen.

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Unternehmen Bewerbung: Erste Schritte

Den Königsweg zum ersten Job gibt es nicht. Berufseinsteiger haben jedoch viele Möglichkeiten, die Chancen auf einen Arbeitsplatz zu verbessern. Nach Einschätzung von Experten scheitern rund zwei Drittel der Mitbewerber an Formalitäten. Ein großer Teil gibt fehlerhafte oder unvollständige Bewerbungsunterlagen ab oder erfüllt nicht die Anforderungen in den Stellenanzeigen. Wer zum anderen Drittel gehören möchte, muss Zeit und Geduld investieren. Denn das Unternehmen „Bewerbung“ will gut vorbereitet sein.

Der erste Schritt: Unternehmerisch denken

Es mag paradox klingen: Sie haben in diesem Moment eigentlich nicht vor, sich selbstständig zu machen und eine Firma zu gründen, vielmehr möchten Sie sich um einen Arbeitsplatz bewerben. Trotzdem folgt nun der Rat, auch bei einer Bewerbung genau wie ein Unternehmer zu handeln, denn die Spielregeln sind auf beiden Gebieten genau dieselben. Unternehmer verkaufen ein Produkt oder eine Leistung, sie analysieren den Markt und kümmern sich um zufriedene Kunden. Erfolgreiche Bewerber tun im Grunde genommen dasselbe: Sie „verkaufen“ einem Arbeitgeber – dem „Kunden“ – ihre Arbeitskraft und bekommen als Gegenleistung ein Gehalt. Wenn sie sich bei einem potenziellen Arbeitgeber vorstellen, treten sie nicht wie ein Bittsteller auf, sondern wie eine kleine Ich-AG. Sie wecken Vertrauen und Sympathie und hinterlassen das Gefühl: „Ich bringe der Firma Vorteile, mit mir kann man gut zusammenarbeiten.“

Selbstanalyse: Was kann ich?

Wer sich auf dem Markt behaupten will, muss etwas anzubieten haben. Bevor Sie den Stellenmarkt durchforsten, sollten Sie Ihr „Angebot“, sprich Ihre Fähigkeiten, analysieren. Was kann ich gut, wo bin ich sogar besser als andere? In welchen Bereichen habe ich schon während des Studiums Praxiserfahrung gesammelt? Jedes Praktikum, jeder „Hiwi-Job“ und jede freie Mitarbeit in einem Ingenieur- oder Architekturbüro zählten. Es bietet sich an, hier tatsächlich eine stichwortartige Liste Ihrer positiven Eigenschaften zu erstellen. Bedenken Sie dabei nicht nur Begabungen in verschiedenen Studienfächern oder besonderes technisches Know-how. Da Sie als Berufsanfänger logischerweise noch nicht über langjährige Erfahrungen verfügen können, wird Sie ein Arbeitgeber nach Ihren persönlichen Stärken wie Verantwortungsbewusstsein, Durchsetzungsvermögen und Teamfähigkeit beurteilen.

Wichtig ist, dass Sie nicht einfach behaupten, ein starkes Rückgrat zu haben oder zuverlässig zu sein. Überlegen Sie sich Argumente, mit denen Sie beweisen können, dass Sie diese Qualitäten tatsächlich besitzen. Haben Sie Ihr Studium vielleicht selbst finanziert, in kurzer Zeit absolviert oder im Ausland ergänzt? Dann wird Ihnen jeder abnehmen, dass Sie ein zielstrebiger Mensch sind.

Puzzlespiel der Selbsterkenntnis

Kaum jemand kann von sich behaupten, nur gute Eigenschaften in sich zu vereinen. Um sich ein realistisches Bild von seinen Stärken machen zu können, muss man sich auch über seine Schwächen klar werden. Schwächen gehören nicht ins Bewerbungsschreiben oder ins Vorstellungsgespräch. Im stillen Kämmerlein besitzen sie jedoch eine entscheidende Rolle im Puzzlespiel der Selbsterkenntnis. Nur wer sich selbst gut einschätzen kann, ist im wahrsten Sinne des Wortes „selbstbewusst“ und wirkt auf andere Menschen überzeugend. Lassen Sie sich Zeit bei der Beantwortung dieser Fragen, ziehen Sie auch ruhig Menschen Ihres Vertrauens zu Rate, die Ihnen ehrlich Auskunft über Ihre Stärken und Schwächen geben.

Ein Ziel vor Augen haben

In einem weiteren Schritt sollten Sie sich Ziele stecken. Was möchte ich eigentlich, wo will ich hin? Es liegen über dreißig Jahre Berufsleben vor Ihnen. Ihre Wünsche sollten Sie nicht unter den Teppich kehren, denn wer Spaß bei der Arbeit hat, ist motivierter und damit leistungsfähiger. Bleiben Sie dabei aber stets realistisch und ehrlich sich selbst gegenüber. Lassen sich diese Ziele mit dem, was ich kann, verwirklichen? Was muss ich noch lernen oder tun, um meine Ziele zu erreichen? Am Anfang Ihres Berufslebens werden Sie ohnehin erst einmal einige „Kröten“ schlucken müssen. Denn wie alle Welt weiß, sind die Aussichten vor allem für junge Architekten nicht gerade rosig. Da ist es sinnvoller, erst einmal den Einstieg zu schaffen und Erfahrungen in einem Job zu sammeln, der einem vielleicht nicht 100-prozentig liegt. Mit Kreativität und guten Ideen erreichen Sie Ihre Ziele auch auf Umwegen. Beides haben Sie bereits im Studium bewiesen, sonst hätten Sie jetzt kein Abschlusszeugnis in der Hand.

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Bewerbungsunterlagen: Die erste Arbeitsprobe

Bewerbungsunterlagen sind mehr als nur die möglichst schöne Verpackung Ihres „Angebotes“. Es ist Ihre erste Arbeitsprobe. Um zu signalisieren, dass Sie Führungsqualitäten und Kreativität besitzen und dass man sich 100-prozentig auf Sie verlassen kann, müssen Sie unbedingt sorgfältige Unterlagen abgeben. Eine Loseblattsammlung und Rechtschreibfehler im Anschreiben lassen negative Rückschlüsse auf Ihre Arbeitsweise zu. Was die Gestaltung der Mappen angeht, gelten für Architekten und Bauingenieure unterschiedliche Regeln.

So bitte nicht …

Gründe für das Aussortieren von Bewerbungsunterlagen:

• Rechtschreib- und Grammatikfehler im Anschreiben/Lebenslauf

• Name der Firma oder des Ansprechpartners falsch geschrieben

• Unprofessionelles Foto

• Anschreiben aus einschlägigen Bewerbungshandbüchern übernommen

• Kein Bezug zur Firma erkennbar, Massensendung

• Loseblattsammlung, keine passende Mappe

• Fehlende Unterschrift im Anschreiben und im Lebenslauf

• Keine Schul-, Uni- oder Praktikumszeugnisse beigelegt

• Brief unzureichend oder gar nicht
frankiert

… besser so!

In eine vollständige Bewerbung gehören:

• Selbstverfasstes Anschreiben

• Tabellarischer Lebenslauf

• Professionelles Foto

• Praktikums- und Arbeitsbescheinigungen beziehungsweise -zeugnisse,aus denen fachbezogene Berufserfahrungen hervorgehen

• Abschlusszeugnisse, Gesellenbrief

• Bescheinigungen über Zusatzqualifikationen, zum Beispiel Sprach- und EDV-Kenntnisse

Architektur: Kreativität ist gefragt

„Es fällt fast auf, wenn sich Architekten mit einem schlichten Anschreiben, Lebenslauf und Zeugnissen bewerben.“ Das sagte der Inhaber eines Architekturbüros in Lüneburg, der regelmäßig Bewerbungen von arbeitswilligen Hochschulabsolventen erhält. Diese Aussage macht deutlich, dass Architekten im Allgemeinen bei der Gestaltung ihrer Bewerbungsmappen kaum Wünsche offenlassen. Ganze Kunstwerke oder Bildbände entpuppen sich als Bewerbung. Fest steht – Kreativität im Architekturbereich wird erwartet. Arbeitgeber möchten auf den ersten Blick den Stil des Bewerbers ablesen können und prüfen, ob dieser zum Büro passt. Daher ist es auch wichtig, dass den Bewerbungen stets erste Entwürfe aus dem Studium oder – besser noch – aus einem konkreten Projekt beiliegen. Personalentscheider achten bei der Durchsicht Ihrer Unterlagen auch darauf, ob Sie ein gutes Gefühl für Formen und Farben haben. Berücksichtigen Sie daher bei der Gestaltung Ihrer Seiten solche Details. Bei aller Kreativität sollte die Bewerbungsmappe keine Fragen offenlassen. Der Werdegang und erste Berufserfahrungen müssen klar daraus hervorgehen, auch ein Bewerberfoto und Zeugnisse dürfen nicht fehlen.

Bauingenieurwesen: Hier ist der „Klassiker“ üblich

Bauingenieure geben mit ihren Bewerbungsunterlagen zwar keine Arbeitsprobe ihrer künstlerischen Kreativität ab, wohl aber die ihres Arbeitsstils. Ob Sie zuverlässig sind und Ihre künftige Aufgabe ernst nehmen, erkennt ein Personalentscheider anhand Ihrer Unterlagen auf einen Blick. Ausflüchte wie „Ich hatte einfach keine Zeit, das Anschreiben noch einmal auf Rechtschreibfehler zu überprüfen, in Wirklichkeit bin ich sehr zuverlässig“ zählen hier nicht. Eine Bewerbung, die keinerlei Sorgfalt erkennen lässt, bekommt keine zweite Chance. Natürlich ist das bereits tausendmal gesagt und geschrieben worden – trotzdem beklagen sich Arbeitgeber aus der Baubranche immer wieder aufs Neue über den akademischen Nachwuchs, der sich oftmals einfach keine Mühe zu geben scheint.

Das Anschreiben: Eine individuelle Botschaft finden

Nicht umsonst steckt in dem Wort „Bewerbung“ das Wort „Werbung“. In der Werbewirtschaft wird mit allen erdenklichen Tricks – wie mit einer kurzen prägnanten Sprache, mit Bildern und Gefühlen – gearbeitet, um die Botschaft „Kauf dieses Produkt“ an den Mann oder die Frau zu bringen. Das gelingt mal mehr, mal weniger, je nachdem wie überzeugend die Botschaft beim Empfänger ankommt.
Bewerber sollten sich bei Weitem nicht alles, was die Werbung tut, zum Vorbild nehmen. Sie sind kein Produkt, sondern eine Person, die mehr als „Quadratisch-Praktisch-Gut“ ist. Doch das Anschreiben sollte ähnlich wie ein Werbeprospekt klare Botschaften übermitteln, die einen positiven Eindruck hinterlassen. Der Empfänger möchte möglichst rasch bestimmte Informationen über Sie sammeln. Schildern Sie im Anschreiben nicht Ihren gesamten Werdegang, dazu ist der Lebenslauf gedacht, sondern beantworten Sie hier die Frage, warum ausgerechnet Sie die oder der Richtige für die Stelle sind. Können Sie bereits Erfahrungen vorweisen? Haben Sie eine handwerkliche Lehre gemacht? Welche der genannten Kriterien in der Stellenausschreibung erfüllen Sie? Welchen Nutzen bringen Sie der Firma?

bewerbungsunterlagen_2Die Vorarbeiten für die Formulierung Ihrer Botschaft haben Sie bereits geleistet. Durch die Analyse Ihrer Fähigkeiten, persönlichen Stärken und bisherigen Berufserfahrungen haben Sie schon so eine Art Angebot erarbeitet, das Sie nur noch in einen gut lesbaren Text umsetzen müssen. Vermeiden Sie Schachtelsätze, bevorzugen Sie kurze prägnante Formulierungen. Da Ihre Persönlichkeit einmalig ist, muss auch Ihr Text in Ihren eigenen Worten verfasst sein. Die Versuchung ist groß, aber schreiben Sie niemals aus Bewerbungsratgebern ab. Arbeitgeber kennen diese Bücher. Sie möchten Sie kennen lernen, nicht den Maschinenbauingenieur Herrn Müller aus K. aus einem Beispielanschreiben. Inhaltlich sollten Sie darauf achten, keine Behauptungen aufzustellen, sondern jedes Detail Ihrer Selbstpräsentation mit Fakten zu untermauern. Schreiben Sie nicht: „Ich bin zuverlässig, flexibel und belastbar.“ Schildern Sie möglichst fachbezogene Situationen in Ihrer Vergangenheit, in denen solche Eigenschaften gefragt waren. Das kann in einem Praktikum gewesen sein, vielleicht haben Sie in Forschung und Lehre als Tutor oder Tutorin an der Uni Verantwortung übernommen. Wenn Ihre Diplom- beziehungsweise Bachelor- oder Masterabschlussarbeit inhaltlich zur ausgeschriebenen Stelle passt, sollten Sie dies im Anschreiben erwähnen, denn das wird in jedem Fall als fachliche Erfahrung gewertet. Nehmen Sie auch inhaltlich Bezug zu der Firma, bei der Sie sich bewerben. Massensendungen kommen schlecht an und hinterlassen den Eindruck von Desinteresse. Sie sollten in jedem Fall beschreiben, wie Sie auf die Stelle aufmerksam wurden. Gehen Sie klar auf die in der Anzeige genannten Forderungen ein und lassen Sie den Personalchef nicht rätseln, ob Sie nun Auslandserfahrungen besitzen oder nicht. Am besten ist es, das Anschreiben an einen Ansprechpartner zu richten, mit dem Sie idealerweise im Vorfeld telefoniert haben. Ist in der Anzeige keine Telefonnummer genannt, sollten jedoch besser die Finger vom Telefon gelassen werden. Insgesamt raten Experten, das Anschreiben nicht länger als eine Seite werden zu lassen. Ideal sind fünf bis sechs Sätze. Und schließlich: Stellen Sie sich so dar, wie Sie sind. Ehrlichkeit zahlt sich aus, Schummeleien sind sehr riskant. Es kommt irgendwann ans Tageslicht, dass sich die „Projektverantwortung“, die Sie angeblich übernommen haben, bloß auf Botendienste im Rahmen eines Praktikums bezog.

Bewerbungsmappen-Check:

• Anschreiben: In eigenen Worten verfasst, kurz und prägnant formuliert, enthält keine Behauptungen, sondern Fakten, keine Rechtschreib- oder Grammatikfehler, nicht gelocht, lose auf oder in die Bewerbungsmappe legen.

• Duplikat: Eine Kopie der Bewerbungsunterlagen zurückbehalten, im Vorstellungsgespräch müssen Sie wissen, was Sie geschrieben haben.

• Foto: Profi-Aufnahme, Bewerber sollte sympathisch rüberkommen.

• Lebenslauf: Lückenlos, übersichtlich, stimmig, führt alle für die ausgeschriebene Stelle relevanten Qualifikationen auf.

• Mappe: Preisschild ist entfernt, macht insgesamt einen sorgfältigen Eindruck.

• Umschlag: Ist ausreichend frankiert.

• Unterschriften: Lebenslauf und Anschreiben sind unterschrieben.

• Zeugnisse und sonstige Nachweise: Falls das Abschlusszeugnis noch nicht vorliegt, Vordiplom oder Notenspiegel beilegen, Unterlagen niemals im Original, gute Kopien genügen, Beglaubigung nur, wenn explizit gefordert.

Schwierig: Die Frage nach der Gehaltsvorstellung

Wird in der Stellenanzeige explizit nach Ihren Gehaltsvorstellungen gefragt, sollten Sie auf jeden Fall darauf eingehen. Wer zu viel verlangt, signalisiert Überheblichkeit und Arroganz, zu wenig wird als mangelndes Selbstbewusstsein interpretiert. Es lohnt sich, die goldene Mitte zu finden.Wie das geht, erfahren Sie im Beitrag „Was Architekten und Bauingenieure verdienen“.

Der Lebenslauf

bewerbungsunterlagen_3Der Lebenslauf ist ein entscheidendes Detail Ihrer Bewerbung. Bei der ersten Durchsicht schauen sich die Personalverantwortlichen meist nur dieses eine Dokument an. Welche Ausbildung und Berufserfahrung bereits vorliegen, lässt sich daran schnell und einfach ablesen – vorausgesetzt, die Gestaltung ist übersichtlich und klar. Allgemein üblich ist die tabellarische Form. Links steht das Datum, rechts das Ereignis. Den Lebenslauf sollten Sie in einzelne Themengebiete wie Arbeitserfahrung, Schul- und Berufsbildung und sonstige für die ausgeschriebene Stelle relevante Qualifikationen gliedern. Berufseinsteiger sind gut beraten, wenn sie die Ereignisse in chronologischer Reihenfolge ordnen. Es gibt auch Formen, die das jüngste Ereignis zuerst nennen. Das bietet sich aber nur bei Bewerbern an, die bereits über langjährige Berufserfahrung verfügen und ihre letzte Stellung an den Anfang setzen wollen. Wichtig ist, dass Sie Ihren Werdegang lückenlos darstellen. Erziehungszeiten, Krankheit oder die Pflege eines Angehörigen dürfen nicht fehlen. Nennen Sie am Schluss des Lebenslaufes auch Aktivitäten neben dem Studium wie Gremien- oder Vereinsarbeit, damit zeigen Sie Engagement und Interesse auf anderer Ebene. Nicht vergessen: Versehen Sie den Lebenslauf mit Ort und aktuellem Datum und unterschreiben Sie das Schriftstück.

Das Foto

Personalentscheider schauen sich nicht jedes Detail einer Bewerbung an. Was aber in jedem Fall angeguckt wird, ist Ihr Foto. Daher: Sparen Sie nicht am falschen Ende, lassen Sie einen Profi ran. Sie sollten die Kleidung tragen, die Sie auch zum Vorstellungsgespräch anziehen würden und möglichst so aussehen, als sei es „Ihr Tag“. Das Foto kann auf den Lebenslauf oder auf eine Extra-Seite geklebt werden – das ist Geschmackssache. Schreiben Sie Ihren Vor- und Zunamen auf die Rückseite des Fotos. Hauptsache, das Bild wird nicht geklammert. Sie würden einer Person im wahren Leben auch niemals eine Heftklammer durch den Kopf jagen.

Die Anlagen

Der Lebenslauf und die Anlagen wie Zeugnis-se, Gesellenbrief und Arbeitsbescheinigungen sollten in irgendeiner Form gebunden werden, eine Loseblattsammlung hinterlässt einen schlechten Eindruck. Der Handel bietet eine Fülle an Möglichkeiten an. Es muss nicht unbedingt die teure, mit goldenen Lettern versehene Edel-Mappe sein, einfache Plastikhefter erfüllen ebenso ihren Zweck, nur besser nicht mit schweinchenrosa Punkten. Die Mappe sollte insgesamt einen sorgfältigen Eindruck machen, neuwertig sein und sich gut durchblättern lassen. Das Preisschild unbedingt entfernen. Die Zeugnisse und sonstigen Bescheinigungen dienen dazu, die im Anschreiben und im Lebenslauf erwähnten Fähigkeiten und Qualifikationen zu belegen. Sie dürfen niemals im Original verschickt werden, es reichen gute Kopien. Beglaubigungen sind heutzutage nicht mehr üblich, es sei denn, sie sind explizit gefordert.

Bevor die Post abgehtbewerbungsunterlagen_1

Schauen Sie sich die Bewerbungsunterlagen noch einmal in Ruhe an. Sind alle Rechtschreibfehler eliminiert? Wenn Sie die Möglichkeit haben, zeigen Sie Ihre Bewerbung einem Studienkollegen und fragen Sie ihn, ob ihn Ihre Unterlagen überzeugen. Falls nicht, haben Sie vielleicht zu umständlich formuliert? Seien Sie geduldig mit sich. Lassen Sie Ihren Text ruhig einige Tage liegen, ein wenig Distanz ist oft sehr hilfreich. Für die Entwicklung der ersten Bewerbungsmappe geht mindestens eine ganze Woche ins Land, es ist auch völlig normal, wenn Sie mehr Zeit benötigen. Bevor es zur Post geht, sollten Sie sich eine Kopie Ihrer Unterlagen machen. Bis zum Vorstellungsgespräch kann viel Zeit vergehen. Peinlich wird es, wenn Sie während des Gesprächs plötzlich nicht mehr wissen, was Sie eigentlich geschrieben haben.“

Initiativbewerbung

Im Architekturbereich ist die Initiativbewerbung bereits ein gängiges Instrument bei der Suche nach einem Arbeitsplatz. Architekturbüros erhalten oftmals täglich unaufgefordert mehrere Bewerbungen. Unter Bauingenieuren ist diese Form des „Marketings in eigener Sache“ noch nicht sehr weit verbreitet. Dabei hat sie mehrere Vorteile: Initiativbewerber warten nicht, bis ihr Wunsch-Arbeitgeber eine Stelle ausschreibt. Sie werden selbst aktiv, erhöhen damit ihre Chancen auf einen Arbeitsplatz und vermitteln glaubhaft echtes Interesse an der Firma. Die Botschaft „Ich habe Lust, hier zu arbeiten, ich bin motiviert und engagiert“ kommt mit Sicherheit bei den Unternehmen an, allein aus der Tatsache heraus, dass jemand von sich aus recherchiert hat. Dabei sollten Sie auch hin und wieder ein Auge auf den öffentlichen Dienst werfen. Hier werden Stellen zum Teil ausgeschrieben, die für Sie selbst vielleicht nicht in Frage kommen, da bestimmte Berufserfahrungen vorausgesetzt werden. Bedenken Sie jedoch, dass diese Positionen oft mit Kandidaten aus dem eigenen Haus besetzt werden. In diesem Fall beginnt das „Stühlerücken“. Die freien Stellen werden unter Umständen auch mit Berufsanfängern besetzt. Fragen Sie doch einfach mal nach.

Entscheidend für den Erfolg ist der Griff zum Telefonhörer, bevor die Unterlagen losgeschickt werden. Es ist unhöflich, das ohnehin gut gefüllte Postfach Ihrer Wunsch-Firma ungefragt zu belasten. Halten Sie das Gespräch möglichst kurz. Ihr Ansprechpartner ist mitten bei der Arbeit, jeder Anruf unterbricht ihn dabei. Stellen Sie sich kurz vor und fragen Sie, ob er oder sie gerade einen Augenblick Zeit hat oder ob Sie lieber später anrufen sollen. Klären Sie, ob zurzeit neue Mitarbeiter gesucht werden. In vielen Fällen werden Sie eine negative Antwort bekommen, meist zeigen die Personalverantwortlichen trotzdem Interesse an einer Bewerbung, denn die Situation kann sich ändern. Versenden Sie Ihre Bewerbungsunterlagen nur nach Aufforderung. Auch ein „Nein“ müssen Sie akzeptieren. Unterschiede zu einer Bewerbung auf eine Stellenanzeige gibt es kaum. Das Anschreiben sollten Sie an Ihren Ansprechpartner richten und sich auf das Telefonat beziehen. Die Fragen: Wer bin ich? Was mache ich? Was habe ich der Firma anzubieten?, sollten auch hier beantwortet werden. Beschreiben Sie, wie Sie ausgerechnet auf dieses Unternehmen aufmerksam wurden. Es kommt gut an, wenn Sie beispielsweise bereits Kontakt zu der Firma über einen Hiwi-Job oder ein Praktikum hatten. Vermeiden Sie unbedingt Gefühlsduselei. „Ihre Entwürfe haben mein Herz tief bewegt“ oder „Ihre Firma ist einfach die tollste“ würde einen Personalverantwortlichen allenfalls zum Schmunzeln bringen – Ihre Person ernst zu nehmen, ganz sicher nicht.

Kurzbewerbung

Wie der Name schon sagt – die Kurzbewerbung ist eine abgespeckte Version der Bewerbung. Sie besteht aus einem Anschreiben und dem Lebenslauf. Zeugnisse und sonstige Anlagen werden nicht beigelegt. Manchmal wird eine Kurzbewerbung ausdrücklich gefordert, häufig wird diese Form auch bei Initiativbewerbungen genutzt. Hierbei ist darauf zu achten, dass die Bewerbung nicht den Eindruck einer Massensendung hinterlässt. Daher sollten Anschreiben und Lebenslauf auf die Bedürfnisse der Firma zugeschnitten sein.

Bewerbung per Internet

Zumeist größere Unternehmen fordern Bewerber zunehmend auf, ein Bewerbungsformular auf der Firmen-Website auszufüllen. Dies soll vor allem Kosten und Zeit sparen. Nachteilig ist, dass für die Darstellung spezieller Interessen und Fähigkeiten nur ein begrenzter Raum zur Verfügung steht. Trotzdem sollte man nicht zusätzlich eine Bewerbung über den Postweg verschicken, sondern sich genau überlegen, wie sich die Botschaft „Ich bin der oder die Richtige“ einflechten lässt. Sorgen Sie für eine seriöse Absenderadresse. Prachtkerl@gmx.de bekommt der Empfänger garantiert in den falschen Hals. Die Bewerbung per E-Mail zu versenden, wird auch bei mittelständischen und kleinen Unternehmen zunehmend beliebter – allerdings sollte man das nur tun, wenn es ausdrücklich gefordert oder vorher abgesprochen ist. Blindbewerbungen auf diesem Wege gehen mit hoher Wahrscheinlichkeit unter.

Checkliste Online-Bewerbung

• Absenderadresse: seriöse Adresse wie etwa vorname.zuname@anbieter.de benutzen

• Anhänge: Lebenslauf und Zeugnis möglichst in einer Datei (PDF-Format)

• Blindbewerbung per E-Mail: geht in den allermeisten Fällen unter

• Größe: insgesamt unter einem Megabyte

• Professionalität: Es gelten dieselben Regeln wie bei einer Bewerbung in Papierform, nur die Versandart ist anders.

In der Betreffzeile sollten das Wort „Bewerbung“ sowie gegebenenfalls der Titel der Stellenanzeige beziehungsweise der Bezug zu einem Telefonat mit Datum erscheinen. Im Anschreiben darf keinesfalls der allgemein übliche, lockere E-Mail-Jargon angeschlagen werden. Alle Regeln der Kunst einer seriösen Selbst-Präsentation gelten selbstverständlich auch hier. Es bietet sich an, den Lebenslauf, eventuell auch das Anschreiben und sonstige Anlagen als Anhang mitzuschicken. Machen Sie es dem Empfänger nicht unnötig schwer. Anhänge größer als ein Megabyte sind tabu. Architekten, die Entwurfszeichnungen oder Präsentationen mitschicken möchten, sollten darauf achten. Die schönsten E-Mail-Bewerbungen landen im virtuellen Papierkorb, weil sie zu groß sind oder sich nicht öffnen lassen. Der Empfänger hat wenig Lust, mehr als drei Anhänge anzuklicken und auszudrucken. Daher die Empfehlung: Konvertieren Sie die Anhänge in ein PDF–Format. Diese Dateien kann jeder lesen, sie sind nicht virenanfällig und in der Regel relativ klein. Sie brauchen auch keine Sorge zu haben, dass der Text verrutscht, wie es manchmal bei Worddokumenten passiert. Man kann übrigens die gesamte Bewerbung einschließlich Anschreiben mit Bild, Lebenslauf und ausgewählten Zeugnissen in einem einzigen Dokument zusammenfassen. Dazu benötigen Sie nur einen PDF-Konverter. Die Software gibt es von mehreren Anbietern kostenlos im Internet als Freeware (zum Beispiel „pdfcreator“). Unglücklich ist der Verweis auf eine Bewerberhomepage. Auch eine CD mit einer Präsentation – unter Architekten sehr beliebt – bedeutet für die Personalverantwortlichen Mehrarbeit, die sie oft nicht bereit sind zu leisten, denn manchmal fehlen bestimmte Programme, um die Dateien zu öffnen. Das allein kann das Aus einer eigentlich sehr gut vorbereiteten Bewerbung bedeuten.

„Bewerbungsunterlagen: Die erste Arbeitsprobe“ als pdf

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