Erfolgreich bewerben im Bauunternehmen

Erfolgreich bewerben im Bauunternehmen

von David Spoo

Wer Erfahrungen in der Bauleitung vorweisen kann, hat als Bauingenieur und vor allem auch als Architekt wunderbare Aufstiegschancen in allen Bereichen – von der Planung bis zum Management. Obwohl Bauleitung viel Erfahrungen voraussetzt, geben Bauunternehmen häufig Absolventen und Einsteigern die Chance, sich in diese verantwortungsvolle Position einzuarbeiten. Sechs Personalchefs aus verschiedenen Bauunternehmen erklären, was sie von jungen Bewerbern erwarten.

Während der Recherche für diesen Artikel haben wir mit Personalverantwortlichen der Bauunternehmen und Baudienstleister Hochtief, Max Bögl, Wolff & Müller, Goldbeck, der Bauer Gruppe und BAM Deutschland gesprochen. In allen diesen Unternehmen wird heute ausschließlich die Onlinebewerbung gewünscht. Dass die eher als konservativ geltende Branche die moderne Variante bevorzugt, ist nicht so verwunderlich, wie es auf den ersten Blick scheint, sondern hauptsächlich der Masse der eingehenden Bewerbungen bei den großen Firmen geschuldet. „Bei ca. 8.000 Bewerbungen jährlich ist inzwischen nur noch so eine vernünftige, effiziente Bearbeitung möglich“, verdeutlicht Alexander Huber, Leiter der Personalbeschaffung bei Bauer.

Die meisten Bauunternehmen haben ein Bewerberportal auf ihrer Website eingerichtet. Teilweise beinhalten die Karriereportale sowohl aktuelle Stellenangebote als auch Reiter für Initiativbewerbungen – gegliedert nach Studenten, Absolventen und Berufserfahrenen. „Interessenten können ihre Daten direkt eingeben, Dokumente elektronisch anhängen und schließlich immer den aktuellen Status ihrer Bewerbung verfolgen“, erklärt Martina Steffen, Leiterin der Konzernabteilung Personal/Corporate Department Human Resources der Hochtief AG. Die elektronische Bewerbung spare dem Bewerber Zeit und Geld, das Unternehmen hingegen könne schneller Kontakt mit dem Bewerber aufnehmen, die Bewerbung zügig in die Fachbereiche geben und den Bewerbungsprozess somit beschleunigen.

Diese Variante unterscheide sich letztlich gar nicht so sehr von der per Post eingehenden Mappe, sagt Michael Dombrowski, Leiter Personalwesen bei der Wolff & Müller Holding GmbH & Co. KG: „Es ist im Grunde die klassische Bewerbungsmappe, nur in digitaler Form, am besten als PDF.“ Ähnlich äußert sich Martina Steffen: „Die Informationen in einer Onlinebewerbung sollten sich nicht von einer klassischen Bewerbung unterscheiden. Der Bewerber sollte sich genauso viel Mühe und Gedanken mit seiner Onlinebewerbung machen.“

Bewerbungsschreiben: Zeigen was man will

„Kurz und bündig“ wünscht sich Max Fries vom Zentralbereich Personal für Angestellte bei Max Bögl die Bewerbung. „Durch ein kurzes Anschreiben, in dem Bezug auf die ausgeschriebene Stelle genommen wird, den Lebenslauf und Zertifikate können wir uns ein erstes Bild machen – um mehr geht es ja zunächst nicht.“ Sein Kollege Kurt Walther, der das Kompetenzzentrum Bau bei Max Bögl leitet sowie gewerbliche und kaufmännische Auszubildende und Hochschulpraktikanten betreut, rät zur Präzision: „Ein Bewerber muss zeigen, was er will, wo seine Interessen liegen und – wenn es sich um eine Initiativbewerbung handelt – in welchem Unternehmensbereich er arbeiten möchte. Wer uns nicht sagt, was er bei uns machen will, der macht es uns sehr schwer, etwas für ihn zu tun.“

Gern lassen uns die Personalverantwortlichen wissen, wie das Bewerbungspaket gestaltet sein sollte. Gregor Röseler, verantwortlich für Aus- und Weiterbildung sowie Recruiting bei der BAM Deutschland AG, sagt: „Ein gutes Bewerbungsschreiben sollte klar strukturiert und übersichtlich dargestellt sein. Besonders gerne lesen wir ein individuelles Schreiben, in dem der Bewerber seine Motivation darstellt.“

Das Anschreiben sollte sich auf die angestrebte Stelle beziehen und die Erfahrungen und Qualifikationen des Bewerbers herausstellen, die auf das Anforderungsprofil der Stelle passen, erläutert Michael Dombrowski und schließt an: „Bei Absolventen aus den Bereichen Architektur und Bauingenieurwesen spielen für uns neben dem Fachwissen ganz besonders die Fähigkeiten im Prozess- und Projektmanagement eine große Rolle.“

Besonders gerne lesen wir ein individuelles Schreiben, in dem der Bewerber seine Motivation darstellt.

Gregor Röseler

BAM Deutschland AG

Gesundes Selbstbewusstsein an den Tag legen

Kathrin Strehlau, die in der Personalentwicklung der Goldbeck GmbH tätig ist, achtet besonders auf die Dauer der bisherigen Anstellungen und einen lückenlosen Lebenslauf. „Des Weiteren benötigen wir alle relevanten Schul- und Ausbildungs- sowie Praktikums- oder Arbeitszeugnisse. Für Positionen in der Planung, der Bau- oder Projektleitung sind außerdem Arbeitsproben bzw. eine Projektliste hilfreich.“ Zusammengefasst lässt sich also feststellen, dass kompakte Bewerbungen gewünscht werden, in denen Bezug auf die konkrete Stelle genommen wird, Zahlen und Fakten chronologisch und damit lesefreundlich aufgearbeitet wurden und die relevanten sowie geforderten Anlagen enthalten sind. Alexander Huber hebt den Stellenwert des Anschreibens als „erste Arbeitsprobe“ hervor, die selbstverständlich frei von Rechtschreib- und Grammatikfehlern sein sollte.
Wie viele Bewerber zum Vorstellungsgespräch eingeladen werden, ist ganz unterschiedlich und auch bezüglich vorab geführter Telefoninterviews ist keine eindeutige Linie zu erkennen. Max Fries hält wenig von diesen Telefonaten: „Wenn ich jemanden unerwartet anrufe, ist er nicht auf ein Gespräch vorbereitet. Wir wollen aber niemanden in die Ecke drängen.“ Bei Max Bögl werden im Regelfall drei bis fünf Kandidaten zum Vorstellungsgespräch eingeladen. Ihnen gegenüber sitzen ein Vertreter aus dem Bereich Personal, meist Fries, sowie ein oder zwei Vertreter des Fachbereichs, der aktuell Personal anfordert. Zu Beginn des Gesprächs stellt sich die Firmenseite vor, danach erhält der Bewerber Gelegenheit, sich zu präsentieren. In Zeiten des Internets erwartet Fries, dass eine Beschäftigung mit dem Unternehmen erfolgt ist: „Wenn wir über uns und die Stelle sprechen, möchte ich nicht bei null anfangen, sondern schon etwas in die Tiefe gehen.“ Im Einzelfall werden konkrete Situationen oder besondere Herausforderungen der Tätigkeit angesprochen.

Stärken zeigen, Schwächen zugeben

„Ein Bewerber sollte schon ein gesundes Selbstbewusstsein an den Tag legen, ohne dabei überheblich zu wirken“, sagt Martina Steffen. Der Kandidat sollte deutlich zeigen, dass er neugierig auf den Job ist, und erklären können, warum gerade er dafür geeignet ist. Als positiv empfindet sie es, wenn der Bewerber eine ausgeprägte Selbstreflexion zeige. Er beweise damit ein gutes Gefühl und Wissen um seine eigenen Stärken und auch Schwächen. „Es ist kein Problem, wenn ein Bewerber zugibt, bestimmte Dinge noch nicht zu können. Wichtig ist, dass er an diesen Punkten arbeitet“, erläutert Steffen. Darüber hinaus gibt sie Bewerbern den Tipp, im Gespräch immer authentisch zu sein: „Wir suchen schließlich keine Schauspieler.“

Begeisterung fürs Bauen und Teamgeist – diese beiden Dinge sollte ein Bewerber nach Ansicht von Michael Dombrowski im Vorstellungsgespräch vermitteln. „Er sollte offen, interessiert und kommunikativ sein. Das sehen wir zum Beispiel daran, ob er aufmerksam zuhört, Blickkontakt sucht und hält, Fragen stellt und alle Gesprächsteilnehmer einbezieht.“ Wer andere ständig unterbricht, der erweckt nicht den Eindruck, sich integrieren zu können und Entscheidungen anderer zu akzeptieren. „Es gibt kein Patentrezept, die Teamfähigkeit eines Bewerbers zu ergründen“, sagt Max Fries. Man könne nur versuchen, Tendenzen herauszuhören, ob jemand eher ein Einzelgänger ist oder sich gern in eine Gemeinschaft eingliedert. Kurt Walther ergänzt, dass es neben der Frage nach der Teamfähigkeit auch darum gehe, ob der Bewerber in diejenige Gruppe passt, die verstärkt werden soll.

Die meisten der großen Baufirmen waren Familienunternehmen oder befinden sich noch heute in Familienbesitz. Dies hat Auswirkungen auf die Unternehmenskultur und das Wertesystem: „Wir sind ein Familienunternehmen mit mittelständischen Werten und Stärken: Bodenständigkeit und Partnerschaftlichkeit, aber auch Innovationskraft und Effektivität. Ein Bewerber passt zu uns, wenn er diese Werte teilt“, berichtet Michael Dombrowski.

Ist es zu einer Einstellung gekommen, dann punktet der neue Mitarbeiter bei Goldbeck, wenn er Eigeninitiative entwickelt und offen auf die Kollegen zugeht. „Wir geben Mitarbeitern sehr früh Verantwortung und die Möglichkeit, sich im Unternehmen einzubringen. Wenn das genutzt wird, profitieren beide“, weiß Kathrin Strehlau. Dass ein neuer Mitarbeiter wissbegierig ist und Strukturen und Prozesse hinterfragt, dies erwartet Michael Dombrowski: „Was ist anders als beim vorherigen Arbeitgeber? Was ist aus seiner Sicht gut, was könnte man verbessern?“ Dies erfordere natürlich etwas Mut und Selbstbewusstsein, doch nur so würden Dinge in Gang gesetzt, „und es ist eine gute Gelegenheit, sich zu positionieren und das eigene Potenzial aufzuzeigen“. Bei Bauer wurde bereits vor längerer Zeit unser betriebliches Vorschlagswesen eingeführt, „da das aktive Mitwirken und Sich-Einbringen aller Mitarbeiter nur von Vorteil für das gesamte Unternehmen sein kann“, berichtet Alexander Huber. Wolff & Müller bietet mit der hauseigenen Akademie ein umfangreiches Schulungs- und Weiterbildungsprogramm und veranstaltet Expertenworkshops sowie Diskussionsrunden. „Wer diese Angebote aktiv nutzt und zeigt, dass er sich weiterentwickeln möchte, macht auf sich aufmerksam“, schließt Michael Dombrowski.

Die Firmengruppe Max Bögl investiert viel Zeit und Geld, um die Nachwuchskräfte fit für Führungspositionen zu machen, und ist daher selbstverständlich an einer langfristigen Mitarbeiter-Bindung interessiert. „Nach drei bis fünf Jahren können wir den Mitarbeitern Baustellen zur eigenständigen Abwicklung übergeben, später warten Aufgaben in der Projektleitung und schließlich schult der ehemalige Neuling als Führungskraft selbst junge Bauleiter“, zeigt Max Fries einen möglichen Weg auf. Tatsächlich sind viele Schlüsselpositionen des Unternehmens bis hin zur Geschäftsführung mit Eigengewächsen besetzt.

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Wer uns nicht sagt, was er bei uns machen will, der macht es uns sehr schwer, etwas für ihn zu tun.

Kurt Walther

Max Bögl

Es ist kein Problem, wenn ein Bewerber zugibt, bestimmte Dinge noch nicht zu können. Wichtig ist, dass er an diesen Punkten arbeitet.

Martina Steffen

Hochtief AG

Erfolgreich bewerben im Architekturbüro

Erfolgreich bewerben im Architekturbüro

von David Spoo

In den letzten zehn TALIS-Jahren haben wir mit zahlreichen Personalverantwortlichen aus Architekturbüros gesprochen. Fakt ist: Architekturbüros bekommen viele Bewerbungen. Wie junge Architekten aus der Masse hervorstechen.

Rund 500 Mitarbeiter des Architekturbüros gmp setzen an weltweit 14 Standorten jährlich mehr als 100 Projekte um. Mit Lingang New City entsteht bei Shanghai eine ganze Stadt nach den Plänen des Unternehmens. Hier sollen bis 2020 rund 800.000 Bewohner leben. Keine Frage: gmp ist ein attraktiver Arbeitgeber. Stellenausschreibungen werden in den Print- und Internetausgaben der bekannten Branchenmedien veröffentlicht, dennoch gehen allein im Berliner Büro täglich über 20 Initiativbewerbungen ein. Die Zeit, sich mit Bewerbungen auseinanderzusetzen, ist knapp. Ein Bewerber muss es also schaffen, dass Jochen Köhn, assoziierter gmp-Partner am Berliner Standort, auf den ersten Blick Lust verspürt, bei dieser Bewerbung zu verharren. „Wir Architekten sind stark bildorientiert“, beschreibt er, „daher schaue ich neben der Gestaltung des Anschreibens zunächst in die Mappen.“ Bereits in diesem Moment würden sehr viele Bewerbungen aussortiert.

Auch Gerhard G. Feldmeyer ist ein Freund der klassischen Bewerbungsmappe. „Aus ihr spricht für mich am stärksten die persönliche Handschrift, da dem Bewerber damit weitaus größere Spielräume zur Darstellung seiner Architekturauffassung sowie seines gestalterischen Talents geboten werden. Anmutung, Inhalt, Format, Haptik, all das sind Aspekte, die online nur sehr viel schwerer zu transportieren sind“, sagt er. Seit zehn Jahren ist der Architekt zusammen mit seinem Partner Joachim H.Faust als geschäftsführender Gesellschafter für die Unternehmensführung bei HPP Architekten verantwortlich. Das Büro mit Hauptsitz in Düsseldorf beschäftigt weltweit 330 Mitarbeiter und zeichnet verantwortlich für Stadien wie „AufSchalke“ oder die „BayArena“ oder die Planung des Expo Village in Shanghai. Feldmeyer rät Bewerbern, auf Floskeln zu verzichten: „Es gibt nichts Schlimmeres als Allgemeinplätze. Ich möchte in einer Bewerbung etwas Einzigartiges, Individuelles finden.“

Hanns Ziegler schätzt Bewerbungsmappen wegen ihrer einfachen Handhabe. Bereits als jobbender Student hat er sein Herz an Staab Architekten verloren. Seit er 1995 sein Diplom gemacht hatte, ist er kontinuierlich für das Büro in Berlin-Kreuzberg tätig. 2008 wurde er in die seither vierköpfige Geschäftsführung aufgenommen. Das Büro beschäftigt 90 Mitarbeiter und ist aktuell beispielsweise mit Sanierung und Erweiterung des Jüdischen Museums in Frankfurt betraut. Ziegler sagt, ein gutes Anschreiben solle nicht den Eindruck erwecken, gleichlautend an zehn weitere Büros gegangen zu sein, sondern vielmehr aufzeigen, warum der Bewerber gerade für Staab Architekten arbeiten will. „Es ist ein sehr guter Ansatz, wenn wir erkennen, dass jemand Dinge wertschätzt und mit eigenen Worten ausdrückt.“ Wer einfach nur die Stellenbeschreibung wiedergebe und seinen Namen daruntersetze, der erwecke nicht den Eindruck, gut formulieren und analysieren zu können.

Sicherlich ist das Interesse an Bewerbungsmappen in der Architektur stärker ausgebildet als in anderen Branchen, dies gilt allerdings nicht für alle Arbeitgeber: „Wir bevorzugen die Onlinebewerbung. Die Vorteile sind die schnellere Bearbeitung und eine bessere Übersicht, ob die Bewerbungsunterlagen vollständig sind“, sagt Dr. Georg Schumacher, Head of Human Resources bei ATP architekten ingenieure. Das Büro mit Hauptsitz in Innsbruck beschäftigt weltweit 550 Mitarbeiter und ist in Deutschland mit zwei Standorten vertreten. Zu den bekanntesten Bauwerken zählt der Millennium Tower in Wien, der 1999, zu seiner Bauzeit, das höchste Bürogebäude Österreichs war.

In unserer Branche gehen wir sehr kollegial, meist freundschaftlich miteinander um, das Du ist weit verbreitet. Dennoch gibt es Hierarchien.

Jochen Köhn

Architekt, Assoziierter Partner, gmp

Einen Master sollte ein Bewerber schon mitbringen, weil wir dies als eine vollwertige Ausbildung sehen.

Hanns Ziegler

Mitglied der Geschäftsführung, Staab Architekten

Eigene Stärken hervorheben

Die Vollständigkeit der Unterlagen sprechen alle vier TALIS-Gesprächspartner an, sie hat Signalwirkung auf die potenziellenArbeitgeber. Es versteht sich von selbst, dass ein Bewerber, der Architektur-Standards wie Entwürfe nicht beifügt – obwohl sie ausdrücklich gefordert sind –, kaum den Eindruck erweckt, wirklich an einer Einstellung interessiert zu sein oder besonders akribisch zu arbeiten.

Sich bewerben bedeutet für sich werben – enorm wichtig ist also, eigene Stärken hervorzuheben. Wer sich in bestimmten Bereichen überdurchschnittlich entwickeln konnte, der sollte dies nicht für sich behalten, sondern die Fähigkeit gezielt präsentieren, um sich von anderen Bewerbern abzuheben. „Wir wollen Mitarbeiter, die in ihrem Bereich Spitzenleistungen erbringen“, sagt Jochen Köhn. Diese Aussage beinhaltet auch, dass es ratsam ist, sich nur dann zu bewerben, wenn die beschriebenen Erwartungen erfüllt werden können – seien es Kenntnisse bestimmter Fachdisziplinen oder spezieller Programme. Geht aus der Ausschreibung klipp und klar hervor, dass ein abgeschlossenes Masterstudium gefordert ist, dann sollte Bachelorabsolventen klar sein, dass es sehr guter Argumente bedarf, damit die Bewerbung nicht umgehend auf dem Ablehnungsstapel landet.

Selbst wenn alle Anforderungen erfüllt werden können, kann es gute Gründe geben, sich nicht auf eine Stelle zu bewerben. Betreut ein Unternehmen etwa Projekte rund um den Globus oder weist es in Stellenanzeigen explizit auf wechselnde Einsatzorte hin, dann ist Reiselust mitzubringen. Wem die wöchentliche Doppelkopfrunde in Dortmund über alles geht, der wird nicht glücklich sein, wenn er monatelang in Dubai oder Shenzhen arbeiten muss. Wenig Sinn macht es zudem, sich ernsthaft auf eine international ausgerichtete Tätigkeit zu bewerben, wenn die Fremdsprachenkenntnisse schwach ausgeprägt sind – es sei denn, man spricht dieses Manko offen an. Sollte ein Bewerber nämlich die anderen geforderten Qualitäten mitbringen, lässt sich die Finanzierung eines Englisch-Crash-Kurses locker verschmerzen. Viele Unternehmen sind gern bereit, in die Qualifizierung vielversprechender Mitarbeiter zu investieren.

Wenn Hanns Ziegler 30 bis 50 Bewerbungen erhält, dann werden meist drei Kandidaten zum Gespräch eingeladen. Die anderen Personalverantwortlichen nennen ähnliche Zahlen. Dass mehr als 90 Prozent der Bewerber die zweite Runde nicht erreichen, verdeutlicht, wie wichtig es ist, an einer gut gemachten Bewerbung zu feilen.

Feste Gesprächsabläufe gibt es nicht. „Beide Seiten sollten die Möglichkeit haben, situativ zu reagieren, was das Gespräch meistens belebt. Ein größerer Spielraum ergibt außerdem die Möglichkeit, ein umfassenderes Bild vom Bewerber zu erhalten“, erläutert Gerhard G. Feldmeyer. Um zu zeigen, dass er keinen Fragenkatalog abarbeitet, hat Jochen Köhn ein leeres Blatt Papier vor sich liegen. Meist schaut er sich die Entwürfe des Bewerbers an. Aus einem lockeren Gespräch heraus ergeben sich dann die Dinge, die ihn interessieren.

Und wie sollen sich Bewerber nach Ansicht der Personalverantwortlichen im Vorstellungsgespräch darstellen? „Authentisches Auftreten wird von uns geschätzt, Natürlichkeit und Fachkompetenz überzeugen in den meisten Fällen“, antwortet Dr. Georg Schumacher. Besonderes Augenmerk richtet Hanns Ziegler auf das Ausdrucksvermögen des Bewerbers: „Wir leben eine nicht hierarchisch geprägte Wettbewerbskultur. Dafür brauchen wir Mitarbeiter, die für eigene Ideen werben und im Gespräch starke Bilder entwickeln können.“ Wer ein Konzept vor Augen habe, der müsse es anderen auch präsentieren können.

Auf zu viel Lockerheit verzichten

Im Blickpunkt stehen auch die Verhaltensmuster des Bewerbers. Jochen Köhn warnt beispielsweise vor zu viel Lockerheit: „In unserer Branche gehen wir sehr kollegial, meist freundschaftlich miteinander um, das Du ist weit verbreitet. Dennoch gibt es Hierarchien.“ Manche Bewerber kämen herein, als sei man seit Jahren befreundet und fläzten sich auf den Stuhl wie in einer Kneipe. „Wenn ich einen Architekten, der sich so verhält, zu einem Bauherrn schicken würde, dann hätte ich den Auftrag wohl verloren“, erläutert er.

Als weitere schwerwiegende Fehler werden arrogantes Auftreten, Besserwisserei oder unentschuldigtes Zu-spät-Kommen genannt. Wer sich mit fremden Federn schmücke, disqualifiziere sich selbst. „Wir kennen alle wichtigen Projekte und auch deren Entwurfsarchitekten“, sagt Köhn. Ein fataler Bewerberfehler sei beispielsweise, Gebäude als Referenz zu nennen ohne zu wissen, dass dies gmp-Projekte sind.

Fester Bestandteil eines Vorstellungsgesprächs bei Staab Architekten ist die Büroführung, bei der die Bewerber sehen, dass die gesamte Belegschaft und auch die Geschäftsführung in einem Großraumbüro arbeiten. Ein derartiges Bürokonzept setzt Kommunikationsfreudigkeit und Teamfähigkeit voraus. Die Kommunikationsfähigkeit ist laut Hanns Ziegler relativ leicht zu ergründen, in Bezug auf die Teamfähigkeit sei es schwieriger: „Es zeigt sich häufig erst während der Probezeit, ob wir mit unserer Einschätzung richtig lagen.“

Um sich ein Gesamtbild verschaffen zu können, stellt Gerhard G. Feldmeyer innerhalb des gesetzlichen Rahmens auch Fragen zu persönlichen Themen oder Hobbys wie Musik, Kultur oder Sport. Natürlich gebe es Gradmesser, ob ein Bewerber teamfähig sei, berichtet er: „Wer im Studium niemals eine Gruppenarbeit absolviert hat, ist möglicherweise kein Teamplayer. Letztlich bewerten wir solche Aspekte jedoch nicht über.“ Vor einer Überinterpretation warnt auch Hanns Ziegler: „Ob jemand Tennis oder Volleyball spielt, sagt wenig über seine Teamfähigkeit aus.“

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Wer im Studium niemals eine Gruppenarbeit absolviert hat, ist möglicherweise kein Teamplayer. Letztlich bewerten wir solche Aspekte jedoch nicht über.

Gerhard G. Feldmeyer

Geschäfts­führender Gesellschafter, HPP Architekten

Eine 08/15-Bewerbung überzeugt uns nicht. Individuelle Bewerbungen, die sich hervorheben und pfiffig geschrieben sind, lassen auf eine interessante Persönlichkeit schließen.

Dr. Georg Schumacher

Head of Human Resources, ATP architekten ingenieure

Wozu Architekten und Bauingenieure eine Webseite brauchen

Wozu Architekten und Bauingenieure eine Webseite brauchen

von Eric Sturm

Von der Planung bis zur Bauleitung, vom Vertrieb bis zum Architekturbüro: Es gibt momentan so viele Einstiegsmöglichkeiten für junge Architekten und Bauingenieure, dass man leicht den Überblick verliert. Bevor Sie sich im Dickicht der Möglichkeiten verlieren, fragen Sie erst einmal: Wohin soll es eigentlich gehen?

Eine eigene Website hilft beim Start in den Beruf, egal ob bei der Jobsuche oder bei den ersten Schritten in die Selbständigkeit. Auch Facebook & Co. lassen sich karrierefördernd einsetzen. Doch viele scheuen den Aufwand mit einer eigenen Homepage. Unser Autor hat sich auf Internet für Architekten und andere Bauschaffende spezialisiert und macht Netzneulingen Mut, sich das Projekt Webseite lieber früher als später anzugehen.

Stellenangebote gibt es viele, ebenso steht der Schritt in die Selbständigkeit – zumindest theoretisch – jedem offen. Aber: Die meisten guten Jobs und Aufträge werden an Leute vergeben werden, die man kennt. Wer sich als Absolvent erstmalig auf dem Arbeitsmarkt umschaut, hat dabei gegenüber den „alten Hasen“ im Geschäft – also langjährig tätigen Architekten und Ingenieuren – einen entscheidenden Nachteil: Als Berufsanfänger hat man meist kein Netzwerk, kennt also wenige Leute in der Branche und ist mehr oder weniger ein „unbeschriebenes Blatt“. Doch mit der richtigen Marketing-Strategie in eigener Sache lässt sich das ändern. Und das Internet ist dabei eine große Hilfe.

Dreh- und Angelpunkt der Selbstdarstellung im Netz

In den zurückliegenden Jahren an der Hochschule haben Sie sich wertvolles Wissen angeeignet, in Projekten und Praktika bewiesen, dass sie es anwenden können und kreativ sind. Doch ein Diplom-Zeugnis spricht nicht für sich. Sie müssen potentiellen Arbeitgebern oder Auftraggebern zeigen, was sie können. Das geht optimal mit einer eigenen Website. Sie ist der Dreh- und Angelpunkt der Selbstdarstellung im Netz.

Am Rande bemerkt: „Selbstdarstellung“ klingt für manche zwar nach Angeberei, doch darum geht es nicht. Selbstdarstellung bedeutet, das eigene Profil (Wer bin ich? Was kann ich?) und die eigenen Projekte zu präsentieren, sowie sachlich und informierend über die eigene Arbeit zu berichten. Für alle Kreativen – vom Schmuckdesigner bis zum Werbefilmproduzenten, und natürlich auch für Planer – gehört diese Art der Öffentlichkeitsarbeit in eigener Sache zur professionellen Ausübung ihres Berufs.

 

Bei der Selbstdarstellung im Netz übernimmt Ihre Website drei wichtige Aufgaben:

  • Die Person vorstellen: Die Besucher, z. B. potentielle Arbeitgeber, sehen auf der Website eines Architektur-Absolventen die wichtigsten Projekte aus Studium, die Computer-Kenntnisse und die bisherigen beruflichen Stationen.
  • Über Aktuelles berichten: Da sich moderne Website-Systeme auch ohne Programmierkenntnisse leicht bedienen lassen (siehe unten), können Sie auf Ihrer Website ohne großen Aufwand regelmäßig von Ihren Projekten oder über Wissenswertes aus der Branche berichten. Damit geben Sie Aussenstehenden einen sehr glaubwürdigen Einblick in Ihre Arbeit, stellen Ihre Fachkompetenz unter Beweis und bringen sich ins Gespräch.
  • Kontaktmöglichkeiten bieten: Über die Website kann sie ein Arbeitgeber oder Interessent per Telefon, per E-Mail, Skype oder Soziale Medien bequem kontaktieren. Bei Selbständigen mit fester Büroadresse macht natürlich auch ein Lageplan einen guten Eindruck.

Wer bin ich?

...was kann ich?

Bevor Sie mit der Einrichtung der eigenen Website oder mit den (be­ruf­lichen) Seiten in den So­zi­a­len Netz­werken beginnen, sollten Sie sich ein paar grundlegende Gedanken machen, wie Sie sich präsentieren möchten und wen Sie ansprechen. Nehmen Sie einfach Papier und Stift und schreiben Sie die Antworten auf diese Fragen auf, die z. B. so lauten könnten:

 

  • Was kann ich besonders gut? Wo liegen meine Stärken?
  • Wie kann ich das am besten zeigen
  • In welchem Umfeld / für wen möchte ich arbeiten?

Aus diesen Grundüberlegungen kön­nen Sie wichtige Prinzipien für Ihre Selbstdarstellung im Netz ableiten. Hier drei Beispiele dazu:

 

  • Wer im Ausland Fuß fassen möchte, sollte z. B. seine Website mindestens auf Deutsch und auf Englisch anbieten, in den Sozialen Netzwerken eher englisch kom­munizieren und statt auf dem deutsch­spra­chigen Business-Netzwerk XING lieber ein Profil auf der internationaler aus­ge­rich­teten Platt­form LinkedIn ein­rich­ten usw.
  • Wenn Sie sich für Denkmalschutz und Sanierung interessieren, ü­ber­zeu­gen Sie potentielle Ar­beit­geber am ehesten mit konkreten Arbeitsproben aus diesem Bereich, aber auch mit Fotos oder Hand­zeich­nungen z. B. von historischen Gebäuden, wenn sie auf der Website gut präsentiert sind.
  • Möchten Sie im Bereich 3D-­Vi­sualisierung tätig werden, sollte Ihre Website entsprechende Arbeitsproben und natürlich In­for­ma­tionen über Ihre konkreten Software-Kenntnisse bereithalten. Auch ein eigenes Blog, in dem Sie über aktuelle Vi­su­a­li­sie­rungs­trends berichten, würde Ihr Profil als 3D-Spezialist stärken.

Vorteile einer Webseite

Plattform für Job-Bewerber und Selbständige

Die Website als Basis für Bewerbungen ermöglicht Ihnen, alle relevanten Informationen, die ein potentieller Arbeitgeber über Sie benötigt, zentral bereitzustellen. Die Bewerbungs-Homepage umfasst also einen Lebenslauf mit Überblick über Ihre Fähigkeiten (Computer, CAD, Sprachen …), ausgewählte Projekte aus dem Studium oder früheren Büro-Jobs.

Natürlich ist eine Website auch eine wichtige Unterstützung beim Schritt in die Selbständigkeit. Wenn Sie vorhaben, sich Auftraggebern als externer Dienstleister anzubieten, ist es besonders wichtig, mit der Website Vertrauen zu schaffen und einen seriösen Eindruck zu hinterlassen. Ein professionelles, sachliches Design, aussagekräftige Texte und hochwertige Arbeitsproben sind hier besonders wichtig. Ideal ist, wenn Sie schon das ein oder anderen Kundenprojekt realisiert haben und sie die Zufriedenheit Ihrer bisherigen Aufttraggeber in Form von „Kundenstimmen“ auf der Website abbilden können.

 

Weniger ist mehr!

Egal, für welchen Zweck Sie Ihre Website einsetzen: Versuchen Sie, nur die wirklich wichtigen Informationen bereitzustellen und nur die besten Projekte zu zeigen. Ein Besucher Ihrer Website schaut sich davor und danach meist noch viele andere Internetseiten an und verbringt maximal ein paar Minuten auf Ihren Seiten. Es reicht also beispielsweise vollkommen aus, wenn der Lebenslauf mit dem Abitur beginnt und wenn drei oder vier Projekte aus dem Studium Ihre Fähigkeiten illustrieren.

Ihre Projektfotos sprechen nicht für sich!

Im Netz ist es wichtig, Informationen knapp und präzise zu vermitteln. In der kurzen Zeit, die ein Besucher Ihren Inhalten widmet, dürfen keine Missverständnisse auftreten. Versuchen Sie daher, Ihre Projekte, Arbeitsproben etc. immer „idiotensicher“ zu präsentieren. So muss z. B. bei einem Semesterprojekt aus dem Studium sofort ersichtlich sein, a) worum es ging (Thema, Aufgabe, Ort), b) dass Sie es im Studium gemacht haben, b) in welchem Fach, c) bei welchem Professor. Dadurch wird Ihre Website übrigens auch bei Suchmaschinen „beliebter“, denn je mehr relevante Begriffe auf einer Seite auftauchen, desto häufiger wird sie bei passenden Suchanfragen aufgelistet.

Videos, Broschüren und Präsentationen

Neben Bildern und Texten kann eine Website heutzutage natürlich auch andere Medien beherbergen. Ein paar Beispiele: Videos können zu Youtube oder Vimeo hochgeladen und von dort aus – mit Hilfe des sogenannten „Embed Codes“ direkt in die Website eingebettet werden. Nach dem gleichen Prinzip kann man auch Powerpoint-Präsentationen (via SlideShare), Broschüren (mit Issuu) oder Pläne (über Scribd) in die eigenen Internetseiten integrieren.

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PlasticsEurope

Kunststoff – Wegweisender Werkstoff

www.plasticseurope.org

 

Eigene Website: Aufwand und Kosten

Wer schnell und kostengünstig eine einfache Website ins Netz stellen möchte, braucht heute eigentlich keine HTML-Kenntnisse mehr und muss auch nicht für ein paar Tausend Euro einen Webdesigner engagieren. Mit einem Website-Baukasten können sich Berufsanfänger oder Existenzgründer ohne Programmierkenntnisse eine ansehnliche Bewerbungs-Website oder ein Online-Portfolio „im Eigenbau“ zusammenbauen.

Die Basisversionen der genannten Systeme sind gratis nutzbar. Einziger Nachteil: Man hat keine normale Webadresse, die Seiten sind dann unter einer sog. „Subdomain“ erreichbar, z. B. sebastianmarkdorf.jimdo.com – das geht zwar Anfang (und ist zum Testen wunderbar geeignet!), wirkt aber auf Dauer unprofessionell. Daher sollten Sie, wenn Sie sich für ein System entschieden haben, die „Premium“- oder „Business“-Variante buchen, dann können Sie Ihre Website unter einer eigenen Domain nutzen (Kosten: ca. 50-60 EUR/Jahr).

Social Media: Netzwerken leicht gemacht

Wie oben beschrieben, sollte Ihre Website im Mittelpunkt aller Online-Aktivitäten stehen, egal ob sie eine Festanstellung in einem Architekturbüro suchen, als Freelancer von Büro zu Büro wechseln oder die eigene Selbständigkeit anpeilen.

Daneben, quasi als „Satelliten“ zur eigenen Website, kann es für die Karriere äußerst hilfreich sein, auch die Sozialen Medien zu nutzen – beruflich, versteht sich. Was heisst das konkret?

Ein Muss für Berufseinsteiger sind die Business-Netzwerke XING und LinkedIn. Wenigstens in einem der beiden sollten Sie sich ein kostenloses Profil anlegen, relevante Inhalte (Was kann ich, was suche ich, was habe ich bisher gemacht usw.) einpflegen und Kontakte aus dem „echten Leben“ auch auf der Plattform abbilden. Dabei eignet sich XING eher für das Netzwerken im deutschsprachigen Raum, wer internationaler unterwegs ist, sollte LinkedIn nutzen.
Über beide Plattformen können Sie ohne viel Aufwand mit ehemaligen Kommilitonen, Kollegen oder Arbeits- bzw. Auftraggebern in Kontakt bleiben und erhöhen die Chance, beruflich interessanten Leuten früher oder später wieder „über den Weg zu laufen“ beträchtlich.

Wenn Sie beim Branchenriesen Facebook ein Personenprofil haben, sollten Sie zunächst überlegen, ob dies die eigene Person in beruflicher Hinsicht vorteilhaft präsentiert. Im Klartext: Was sieht ein potentieller Arbeitgeber hier von Ihnen? Unpassende Fotos etc. sollten Sie also entweder rechtzeitig löschen oder sich ein zweites Personenprofil für die rein berufliche Nutzung anlegen. Für Existenzgründer bietet sich darüber hinaus an, eine sogenannte „Fan Page“ anzulegen, also eine Facebook-Unternehmensseite für das eigene (wenn auch kleine) Büro.

Neben Facebook können Sie natürlich andere Social Networks für die berufliche Selbstdarstellung nutzen: Twitter wird viel von (Fach-)Journalisten genutzt und eignet sich bestens für die Öffentlichkeitsarbeit in eigener Sache, via Instagram oder Pinterest kann man sich mit Architekturfotos, 3D-Visualisierungen etc. hervorragend in Szene setzen. Wichtig: Wenn Sie sich für ein Netzwerk entscheiden, nutzen Sie es regelmäßig und veröffentlichen Sie dort Inhalte, die zu ihrem beruflichen Profil passen.

Welche Arten von Website-Baukästen gibt es?

 

  • Online-Portfolios und Web-­Vi­si­ten­kar­ten richten sich vor allem an Freelancer oder Be­rufs­an­fänger auf Jobsuche: mit ihnen kann bequem man das ei­ge­ne Port­folio im Netz, also eine Art digitale Bewerbungsmappe herstellen.
    Anbieter-Tipps:
    Dunked.com, Squarespace.com
  • Die klassischen Web­site-Bau­käs­ten wie Jimdo (Tipp!) oder MyWebsite von 1&1 eignen sich für klassische Büro-Websites (z.B. von Existenzgründern) am besten.
  • Wer häufig eigene, aktuelle Bei­träge (Blog Posts) veröffentlicht, sollte sich Blog­sys­teme wie WordPress.com oder Tumblr genauer ansehen.

Unternehmen Bewerbung: Erste Schritte

Unternehmen Bewerbung: Erste Schritte

von Ute Schroeter

Den Königsweg zum ersten Job gibt es nicht. Berufseinsteiger haben jedoch viele Möglichkeiten, die Chancen auf einen Arbeitsplatz zu verbessern. Nach Einschätzung von Experten scheitern rund zwei Drittel der Mitbewerber an Formalitäten. Ein großer Teil gibt fehlerhafte oder unvollständige Bewerbungsunterlagen ab oder erfüllt nicht die Anforderungen in den Stellenanzeigen. Wer zum anderen Drittel gehören möchte, muss Zeit und Geduld investieren. Denn das Unternehmen „Bewerbung“ will gut vorbereitet sein.

Der erste Schritt: Unternehmerisch denken

Es mag paradox klingen: Sie haben in diesem Moment eigentlich nicht vor, sich selbstständig zu machen und eine Firma zu gründen, vielmehr möchten Sie sich um einen Arbeitsplatz bewerben. Trotzdem folgt nun der Rat, auch bei einer Bewerbung genau wie ein Unternehmer zu handeln, denn die Spielregeln sind auf beiden Gebieten genau dieselben. Unternehmer verkaufen ein Produkt oder eine Leistung, sie analysieren den Markt und kümmern sich um zufriedene Kunden. Erfolgreiche Bewerber tun im Grunde genommen dasselbe: Sie „verkaufen“ einem Arbeitgeber – dem „Kunden“ – ihre Arbeitskraft und bekommen als Gegenleistung ein Gehalt. Wenn sie sich bei einem potenziellen Arbeitgeber vorstellen, treten sie nicht wie ein Bittsteller auf, sondern wie eine kleine Ich-AG. Sie wecken Vertrauen und Sympathie und hinterlassen das Gefühl: „Ich bringe der Firma Vorteile, mit mir kann man gut zusammenarbeiten.“

Selbstanalyse: Was kann ich?

Wer sich auf dem Markt behaupten will, muss etwas anzubieten haben. Bevor Sie den Stellenmarkt durchforsten, sollten Sie Ihr „Angebot“, sprich Ihre Fähigkeiten, analysieren. Was kann ich gut, wo bin ich sogar besser als andere? In welchen Bereichen habe ich schon während des Studiums Praxiserfahrung gesammelt? Jedes Praktikum, jeder „Hiwi-Job“ und jede freie Mitarbeit in einem Ingenieur- oder Architekturbüro zählten. Es bietet sich an, hier tatsächlich eine stichwortartige Liste Ihrer positiven Eigenschaften zu erstellen. Bedenken Sie dabei nicht nur Begabungen in verschiedenen Studienfächern oder besonderes technisches Know-how. Da Sie als Berufsanfänger logischerweise noch nicht über langjährige Erfahrungen verfügen können, wird Sie ein Arbeitgeber nach Ihren persönlichen Stärken wie Verantwortungsbewusstsein, Durchsetzungsvermögen und Teamfähigkeit beurteilen.

Wichtig ist, dass Sie nicht einfach behaupten, ein starkes Rückgrat zu haben oder zuverlässig zu sein. Überlegen Sie sich Argumente, mit denen Sie beweisen können, dass Sie diese Qualitäten tatsächlich besitzen. Haben Sie Ihr Studium vielleicht selbst finanziert, in kurzer Zeit absolviert oder im Ausland ergänzt? Dann wird Ihnen jeder abnehmen, dass Sie ein zielstrebiger Mensch sind.

Puzzlespiel der Selbsterkenntnis

Kaum jemand kann von sich behaupten, nur gute Eigenschaften in sich zu vereinen. Um sich ein realistisches Bild von seinen Stärken machen zu können, muss man sich auch über seine Schwächen klar werden. Schwächen gehören nicht ins Bewerbungsschreiben oder ins Vorstellungsgespräch. Im stillen Kämmerlein besitzen sie jedoch eine entscheidende Rolle im Puzzlespiel der Selbsterkenntnis. Nur wer sich selbst gut einschätzen kann, ist im wahrsten Sinne des Wortes „selbstbewusst“ und wirkt auf andere Menschen überzeugend. Lassen Sie sich Zeit bei der Beantwortung dieser Fragen, ziehen Sie auch ruhig Menschen Ihres Vertrauens zu Rate, die Ihnen ehrlich Auskunft über Ihre Stärken und Schwächen geben.

Ein Ziel vor Augen haben

In einem weiteren Schritt sollten Sie sich Ziele stecken. Was möchte ich eigentlich, wo will ich hin? Es liegen über dreißig Jahre Berufsleben vor Ihnen. Ihre Wünsche sollten Sie nicht unter den Teppich kehren, denn wer Spaß bei der Arbeit hat, ist motivierter und damit leistungsfähiger. Bleiben Sie dabei aber stets realistisch und ehrlich sich selbst gegenüber. Lassen sich diese Ziele mit dem, was ich kann, verwirklichen? Was muss ich noch lernen oder tun, um meine Ziele zu erreichen? Am Anfang Ihres Berufslebens werden Sie ohnehin erst einmal einige „Kröten“ schlucken müssen. Denn wie alle Welt weiß, sind die Aussichten vor allem für junge Architekten nicht gerade rosig. Da ist es sinnvoller, erst einmal den Einstieg zu schaffen und Erfahrungen in einem Job zu sammeln, der einem vielleicht nicht 100-prozentig liegt. Mit Kreativität und guten Ideen erreichen Sie Ihre Ziele auch auf Umwegen. Beides haben Sie bereits im Studium bewiesen, sonst hätten Sie jetzt kein Abschlusszeugnis in der Hand.

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Wohin soll es eigentlich gehen?

Auf die Frage „Was will ich eigentlich?“ wissen viele, übrigens nicht nur junge Menschen, keine Antwort. Entweder sie haben schlicht und einfach kein Ziel oder trauen sich nicht, eines zu definieren, aus Angst, es nie erreichen zu können. Bevor Sie auf Stellensuche gehen, nehmen Sie sich ein Beispiel an erfolgreichen Menschen. Was Churchill, Gandhi, Mandela und Co. eint: Sie alle hatten eine Vision, ein Ziel, das sie nicht aus den Augen verloren, auch wenn sie stolperten. Und sie gingen Umwege, wenn die Hürden zu hoch wurden. Im Berufsleben werden Ihre Ziele der Motor sein, der Sie morgens aus dem Bett zur Baustelle oder ins Büro treibt. Da Sie nur mit einem starken Antrieb vorwärts kommen, brauchen Sie starke Ziele. Daher: Haben Sie den Mut für große Träume. Der eine will ein eigenes Architekturbüro, der andere berühmt werden, der Nächste möchte einfach nur zufrieden sein, der Übernächste die Welt verändern.

Zwischen Vision und Realität

Einer unserer Gesprächspartner, der deutsche Architekt Thomas Rau, hat nie einen staatlich anerkannten Abschluss in Architektur gemacht. Er war der Meinung, das klassische Architekturstudium vermittle ihm nicht das richtige Handwerkszeug, um wirklich bewegende Architektur zu machen. So zimmerte er sich seine eigene Ausbildung, unter anderem in Tanz und Bildhauerei. Heute führt Rau ein erfolgreiches Architekturbüro in den Niederlanden. Was Sie sich von Rau hinsichtlich Ihrer Ziele abschauen sollten: Begreifen Sie jede Erfahrung, jede Arbeitsstelle, jede Weiterbildung als Schritt auf Ihrem Weg zum großen Ganzen.

Selbst wenn Ihr Ziel lautet, einmal viel Geld verdienen zu wollen, lassen Sie sich beim Berufseinstieg nicht von Verdienstmöglichkeiten leiten, sondern beantworten Sie für sich immer die Frage: Was kann ich mitnehmen? Was lerne ich hier? Wenn Sie beispielsweise, wie so viele Architekten, das große Ziel Entwurfsarchitekt anstreben, dort aber wegen Überfüllung keine passende Stelle finden, dann schauen Sie, welche anderen Posten Sie voranbringen könnten. Als Bauleiter beispielsweise lernen Sie das Bauen zu begreifen. Dieses Wissen kann beim Entwerfen nur förderlich sein. Jede Tätigkeit birgt Chancen, egal ob im Ingenieurbüro oder auf der Baustelle.

Gehaltvolle Bewerbung

Erfolgreich in die Gehaltsverhandlung

Verdienen, was man verdient – dieses Ziel zu erreichen, ist alles andere als einfach. Denn das individuelle Gehalt hängt von vielen Faktoren ab. Im Internet finden sich lediglich Durchschnittswerte, die Bewerbern wegen der zu großen Spannweite wenig nutzen. Den Grund dafür verrät Ihnen dieser Beitrag.

Einflussfaktoren auf das Gehalt von Architekten und Bauingenieuren

Faktoren: eigene Berechnungen, Datengrundlage Firmengröße/Berufserfahrung: Personalmarkt.de, Arbeitgeber: Hommerich Forschung, Abschluss/Region: Berufsstart.de

Bevor es um Zahlen geht, eine wichtige Info vorweg: Wenn Sie mit Ihrem Arbeitgeber über das Gehalt reden, geht es immer um das Jahresgehalt. Warum? Wenn Sie ein Auto kaufen, möchten Sie den Preis erfahren. So geht es einem Arbeitgeber auch. Das Jahresgehalt spiegelt den „Preis“ Ihrer Arbeitskraft am besten wider. Es enthält sämtliche Bestandteile, aus denen sich Ihr jährliches Arbeitseinkommen zusammensetzt. Dazu zählen ein fester Anteil aus Steuern, Versicherungen und Nettogehalt sowie ein möglicher variabler Anteil aus Sonderzahlungen wie ein 13. Monatsgehalt, Arbeitnehmersparzulagen, Urlaubsgeld, Dienstwagen, Firmenbeteiligungen und andere geldwerte Vorteile. Im sogenannten Monatsgehalt ist kein variabler Anteil enthalten, daher eignet es sich nicht für die Gehaltsverhandlung. Bitte auch niemals ein Nettogehalt angeben. Da es von Ihren persönlichen Lebensumständen abhängt, hat es für die Gehaltsverhandlung keine Aussagekraft. Bei den im Folgenden genannten Gehältern handelt es sich um Jahresgehälter, in denen der variable Anteil bereits enthalten ist. Eine Ausnahme bilden die Angaben zu den Tarifgehältern. Diese sind aus den Monatsgehältern ohne Zulagen errechnet. Wer sich an Tarifgehältern orientieren möchte, kann also noch eine Schippe für Zulagen drauflegen.

Welche Faktoren das Gehalt beeinflussen

Laut Gehaltsanalysedatenbank des Gehaltsspezialisten Personalmarkt.de erhalten Architekten in den ersten Berufsjahren ein Jahresgehalt von durchschnittlich knapp 31.000 Euro, Bauingenieure bekommen fast 39.000 Euro. Die Gehälter für Berufseinsteiger im Planungs- und Bauwesen schwanken zwischen 24.000 und über 34.000 Euro im Jahr. Bewerber, die sich auf dieser Bandbreite nicht richtig einzuordnen wissen, verkaufen sich entweder unter Wert oder werden als realitätsfern abgestempelt. Wer das richtige Maß finden will, muss die Einflussfaktoren auf die Höhe des Gehalts kennen. Die wichtigsten sind: Berufserfahrung, die Größe der Firma, der Arbeitgeber – also Baugewerbe oder Planungsbüro – und die Region.

Faktor Firmengröße 

Mit zunehmender Firmengröße steigt das Gehalt für Architekten und Bauingenieure, wie eine Auswertung von Personalmarkt.de zeigt. Mittelgroße Firmen mit bis zu 1.000 Mitarbeitern zahlen für Bauingenieure fast 15 Prozent, Großunternehmen sogar ein Drittel mehr als kleine Firmen mit weniger als 100 Mitarbeitern. Bei Architekten ist der Unterschied noch gravierender – sie können in mittelgroßen Firmen fast ein Drittel, in Großkonzernen sogar gut die Hälfte mehr verdienen als in Kleinunternehmen.

Faktor Berufserfahrung 

Ähnlich verhält es sich mit der Berufserfahrung. Nach drei Jahren erhöht sich das Durchschnittsgehalt bei beiden Berufsgruppen um ca. 15 Prozent. Nach zehn Jahren verdienen Bauingenieure etwa ein Drittel mehr als am Anfang, bei Architekten schlägt die Berufserfahrung mit 40 Prozent Gehaltssteigerung zu Buche. Je mehr Berufserfahrung Sie vorweisen können, umso wertvoller ist Ihre Arbeitskraft. Der Job als Werkstudent im Ingenieurbüro ist also echt Gold wert.

Faktor Arbeitgeber 

Das Forschungsinstitut Hommerich hat 2012 Mitglieder aller deutschen Architektenkammern nach ihrer Vergütung befragt. Am Beispiel Bayern zeigt sich, wie unterschiedlich die verschiedenen Arbeitgeber ihre Angestellten vergüten. Am wenigsten kann man demnach in Architektur- und Planungsbüros verdienen, der öffentliche Dienst bietet ein Viertel mehr, Spitzengehälter zahlt die gewerbliche Wirtschaft. Bauleiter in einem Bauunternehmen können 50 Prozent mehr verdienen als die Kollegen im Planungsbüro.

Faktor Region 

Laut Hommerich gelten die Abstufungen bezüglich des Arbeitgebers für alle Bundesländer, wobei es starke regionale Gehaltsunterschiede gibt. Nach seinen Berechnungen verdienen Architekten in einem Planungsbüro in Hamburg, Rheinland-Pfalz oder Hessen ein Drittel mehr als in Sachsen-Anhalt, im Saarland oder in Brandenburg. Auf Grundlage von Ingenieureinstiegsgehältern nennt die Internetseite berufsstart.de ein Gehaltsgefälle zwischen Mecklenburg-Vorpommern und Bayern von fast 50 Prozent, auch in Niedersachsen und Baden-Württemberg wird 40 Prozent mehr verdient als in den neuen Bundesländern.

Faktor Studienabschluss 

Nach einer Auswertung von berufsstart.de erhalten Absolventen mit einem Masterabschluss knapp 15 Prozent mehr Gehalt als mit Bachelorabschluss, der öffentliche Dienst legt für einen Master sogar 20 Prozent drauf. Zwischen Master und Diplom unterscheiden Arbeitgeber offenbar kaum noch, der Gehaltsunterschied beträgt gerade einmal zwei Prozent; genauso wenig scheint sich ein Universitätsmaster gegenüber einem Fachhochschulmaster gehaltssteigernd auszuwirken. Hinsichtlich guter Zensuren sprechen manche Studien von 15 Prozent mehr Gehalt bei einem Superzeugnis. Da viele Arbeitgeber gar nicht auf Noten, sondern rein auf Berufserfahrung schauen, sollte man den Faktor allerdings nicht überbewerten. Sie können ihn aber im Verhandlungsgespräch als Trumpf benutzen; Gleiches gilt für eine kurze Studiendauer.

Tarifgehälter:

Eine gute Orientierungshilfe

Berufseinsteiger, die nach Tarif bezahlt werden, können sich glücklich schätzen, denn Tarif-Einstiegsgehälter liegen oft deutlich über den frei verhandelten Gehältern. Nur wenige Arbeitgeber, hierzu zählen der öffentliche Dienst oder große Bauunternehmen, sind jedoch an Tarifverträge gebunden. Der Vertrag regelt neben der Höhe des Gehalts auch den Urlaubsanspruch, Kündigungsfristen und Sonderzahlungen. Besonders im Architekturbereich werden die Gehälter in der Regel frei verhandelt. Trotzdem sollten Sie sich in Sachen Tarifgehälter schlau machen, denn viele nicht-tarifgebundene Arbeitgeber, auch Planungsbüros, orientieren sich an ihnen. In manchen Stellenausschreibungen heißt es „Wir zahlen nach Tarif“ oder sogar „übertariflich“. Auch zeigen Sie Ihrem potenziellen Arbeitgeber, dass Sie recherchiert und Ihre Gehaltsforderungen an real gezahlten Gehältern ausgerichtet haben.

Die deutsche Tariflandschaft ist unübersichtlich und verwirrend, es gibt hierzulande 73.000 Tarifverträge. Man unterscheidet zwischen Flächentarifverträgen, die für die Beschäftigten ganzer Branchen gelten, und Firmen- bzw. Haustarifverträgen für Mitarbeiter in großen Unternehmen. Konzerne wie die Deutsche Bahn haben zum Beispiel einen Haustarifvertrag. Tarifverträge werden zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern geschlossen. Am Verhandlungstisch sitzen in der Regel Gewerkschaften als Vertreter der Arbeitnehmer, für die Arbeitgeber spricht meist ein spezieller Arbeitgeberverband. Jeder will für seine Partei das Beste herausholen, daher ziehen sich Tarifvertragsverhandlungen manchmal über Monate hinweg. Am Ende eines zähen Gerangels steht ein Kompromiss, der beiden Seiten einigermaßen gerecht wird – auch wenn die jeweiligen Verhandlungsführer natürlich das Gegenteil behaupten.

Tarifverträge für Architekten und Bauingenieure 

Der „Tarifvertrag für Architektur-, Ingenieur- und Planungsbüros“ wurde zwischen dem Arbeitgeberverband selbständiger Ingenieure und Architekten (ASIA) und der Gewerkschaft Verdi geschlossen. Der jüngste Gehaltstarifvertrag ist seit dem 1. Mai 2018 gültig. Berufseinsteiger in der Gehaltsklasse T4 bekämen danach im ersten Jahr knapp 37.330 Euro. Gehaltsklasse T3 ist eigentlich für Mitarbeiter ohne Hochschulabschluss, damit würden Berufsanfänger gut 31.600 Euro pro Jahr verdienen. Zulagen wie Weihnachts- und Urlaubsgeld kommen noch hinzu. In diesem Tarifvertrag ist beispielsweise eine Sondervergütung von 30 Prozent bei mindestens elfmonatiger Betriebszugehörigkeit vereinbart.

Der zweite wichtige Tarifvertrag ist der „Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst TVöD“, in dem auch die Gehälter der technischen Angestellten festgelegt sind. Es gibt keine regionalen Unterschiede, auch nicht zwischen West und Ost, dafür beeinflusst der Studienabschluss die Höhe des Gehalts. Absolventen mit Masterabschluss werden in der Regel in Entgeltgruppe 13 eingeordnet und verdienen nach dem geltenden Tarifvertrag von 2018 knapp 45.400 Euro im ersten Jahr, Bachelorabsolventen müssen sich mit Entgeltgruppe 10 begnügen und erhalten knapp 38.200 Euro.

Gehälter für Bauleiter sind unter anderem im „Tarifvertrag für Angestellte und Poliere des Baugewerbes TV Gehalt/West“ festgelegt. Er gilt nur für die alten Bundesländer (außer für Bayern und Berlin) und wurde zwischen dem Zentralverband des Deutschen Baugewerbes und dem Hauptverband der Deutschen Bauindustrie sowie der Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt geschlossen. Berufsanfänger in Tarifgruppe A5 mit Bachelorabschluss erhalten knapp 43.000 Euro, in Tarifgruppe A6 mit Masterabschluss verdient man rund 47.500 Euro.

Gleiches Gehalt für Männer und Frauen?

Foto: geralt/pixabay

Was Sie sonst noch wissen sollten …

WENIGER GELD FÜR FRAUEN?

Nicht gerecht, aber eine Tatsache: Frauen bekommen weniger Gehalt als Männer. Laut einer Studie der Hans-Böckler-Stiftung liegt das Einkommen von Ingenieurinnen um 17 Prozent niedriger als bei männlichen Kollegen. Das Gehaltsgefälle lasse sich nicht durch die Vereinbarkeitsproblematik oder durch Unterschiede in Verantwortung oder Aufgabenstellung erklären, betonen die Forscher. Verglichen wurden nur Vollzeittätigkeiten mit gleichwertiger Qualifikation und Berufserfahrung. Gibt es ihn also – den Frauenabschlagsfaktor? Ein hoher Vertreter vom Hauptverband der deutschen Bauindustrie ließ noch vor wenigen Jahren in einem Interview mit TALIS wissen, dass man „notfalls“ auch Frauen einstellen würde, wenn keine Männer verfügbar seien. Der Tonfall klang nach Restaurantbesuch, bei dem man eben das labberige Schnitzel bestellt, wenn das Hüftsteak gerade aus ist. Sicherlich gibt es sie noch – die konservativen Knochen, die einem Bauleiter mehr als einer Bauleiterin zutrauen und sie deshalb unterschiedlich entlohnen. Sie sind jedoch stark vom Aussterben bedroht. Die Annahme, Arbeitgeber in der Bauwirtschaft würden ihren Mitarbeiterinnen weniger Gehalt zahlen, nur weil sie Frauen sind, lässt sich ohnehin nicht beweisen und führt zudem kaum zu mehr Einkommensgerechtigkeit.

Frauen sagt man nach, sie seien bescheidener und weniger fordernd als Männer. Darin liegt vermutlich der Schlüssel für die ungleichen Gehälter. Gehaltsverhandlungen sind eine Art Pokerspiel, man kann gewinnen und verlieren. Verlieren nehmen Männer sportlich, Frauen persönlich. Daher unser Rat an alle Architektinnen und Bauingenieurinnen: Pokern Sie mit, und zwar immer vom obersten Limit herab. Recherchieren Sie, welche Gehälter wer wo zahlt. Nehmen Sie immer das Maximum als Verhandlungsbasis oder versuchen Sie es mit Tarifgehältern, die oft höher liegen als der Durchschnitt. Natürlich wird man versuchen, Ihr Gehalt herunterzuhandeln. Das ist Teil des Spiels. Habgier aber – vor diesem Vorwurf fürchten sich viele Frauen – kann man Ihnen mit diesen Zahlen nicht unterstellen, denn Sie stützen Ihre Gehaltsforderungen auf tatsächlich gezahlte Gehälter.

Nicht nur aufs Geld schauen

Natürlich möchte jeder für gute Leistungen auch entsprechendes Geld verdienen. Als Berufsanfänger aber sollten Sie sich weniger an Ihrem Kontostand, vielmehr am persönlichen und beruflichen Fortkommen orientieren. Fragen Sie daher: Was lerne ich hier? Welche Angebote bekomme ich, die mein Gehalt zwar rein zahlenmäßig nicht in die Höhe treiben, aber dennoch wertvoller sind als Geld? Erhalte ich die Möglichkeit, mich weiterzubilden? Bringt mir mein Vorgesetzter Respekt entgegen? Werde ich solide eingearbeitet? Wichtig auch: Wie sicher ist mein Arbeitsplatz? Ein hohes Gehalt nützt Ihnen wenig, wenn Sie nach einem halben Jahr wieder gehen müssen. Welchen Stellenwert genießt Ihr Privatleben? Kann Ihr Arbeitgeber akzeptieren, dass es Feierabend und Urlaub ohne Arbeit gibt und dass Familie und Beruf einander nicht ausschließen? Welchen Wert Sie diesen einzelnen Faktoren beimessen, müssen allein Sie entscheiden. Es lohnt sich jedoch, sie einzukalkulieren. Sie können sich sicher sein, dass ein vernünftiger Arbeitgeber Sie bei guten Leistungen nicht ziehen lassen wird. Vor diesem Hintergrund ist es oft nur eine Frage der Zeit, bis sich der Lohn für gute Arbeit auch auf den Kontostand auswirkt.

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