Wozu Architekten und Bauingenieure eine Homepage brauchen

Eine eigene Website hilft beim Start in den Beruf, egal ob bei der Jobsuche oder bei den ersten Schritten in die Selbständigkeit. Auch Facebook & Co. lassen sich karrierefördernd einsetzen. Doch viele scheuen den Aufwand mit einer eigenen Homepage. Unser Autor hat sich auf Internet für Architekten und andere Bauschaffende spezialisiert und macht Netzneulingen Mut, sich das Projekt Webseite lieber früher als später anzugehen.

Stellenangebote gibt es viele, ebenso steht der Schritt in die Selbständigkeit – zumindest theoretisch – jedem offen. Aber: Die meisten guten Jobs und Aufträge werden an Leute vergeben werden, die man kennt. Wer sich als Absolvent erstmalig auf dem Arbeitsmarkt umschaut, hat dabei gegenüber den „alten Hasen“ im Geschäft – also langjährig tätigen Architekten und Ingenieuren – einen entscheidenden Nachteil: Als Berufsanfänger hat man meist kein Netzwerk, kennt also wenige Leute in der Branche und ist mehr oder weniger ein „unbeschriebenes Blatt“. Doch mit der richtigen Marketing-Strategie in eigener Sache lässt sich das ändern. Und das Internet ist dabei eine große Hilfe.

Dreh- und Angelpunkt der Selbstdarstellung im Netz

In den zurückliegenden Jahren an der Hochschule haben Sie sich wertvolles Wissen angeeignet, in Projekten und Praktika bewiesen, dass sie es anwenden können und kreativ sind. Doch ein Diplom-Zeugnis spricht nicht für sich. Sie müssen potentiellen Arbeitgebern oder Auftraggebern zeigen, was sie können. Das geht optimal mit einer eigenen Website. Sie ist der Dreh- und Angelpunkt der Selbstdarstellung im Netz.

Am Rande bemerkt: „Selbstdarstellung“ klingt für manche zwar nach Angeberei, doch darum geht es nicht. Selbstdarstellung bedeutet, das eigene Profil (Wer bin ich? Was kann ich?) und die eigenen Projekte zu präsentieren, sowie sachlich und informierend über die eigene Arbeit zu berichten. Für alle Kreativen – vom Schmuckdesigner bis zum Werbefilmproduzenten, und natürlich auch für Planer – gehört diese Art der Öffentlichkeitsarbeit in eigener Sache zur professionellen Ausübung ihres Berufs.

Wer bin ich? Was kann ich?

Bevor Sie mit der Einrichtung der eigenen Website oder mit den (be­ruf­lichen) Seiten in den So­zi­a­len Netz­werken beginnen, sollten Sie sich ein paar grundlegende Gedanken machen, wie Sie sich präsentieren möchten und wen Sie ansprechen. Nehmen Sie einfach Papier und Stift und schreiben Sie die Antworten auf diese Fragen auf, die z. B. so lauten könnten:

  • Was kann ich besonders gut? Wo liegen meine Stärken?
  • Wie kann ich das am besten zeigen
  • In welchem Umfeld / für wen möchte ich arbeiten?

Aus diesen Grundüberlegungen kön­nen Sie wichtige Prinzipien für Ihre Selbstdarstellung im Netz ableiten. Hier drei Beispiele dazu:

  • Wer im Ausland Fuß fassen möchte, sollte z. B. seine Website mindestens auf Deutsch und auf Englisch anbieten, in den Sozialen Netzwerken eher englisch kom­munizieren und statt auf dem deutsch­spra­chigen Business-Netzwerk XING lieber ein Profil auf der internationaler aus­ge­rich­teten Platt­form LinkedIn ein­rich­ten usw.
  • Wenn Sie sich für Denkmalschutz und Sanierung interessieren, ü­ber­zeu­gen Sie potentielle Ar­beit­geber am ehesten mit konkreten Arbeitsproben aus diesem Bereich, aber auch mit Fotos oder Hand­zeich­nungen z. B. von historischen Gebäuden, wenn sie auf der Website gut präsentiert sind.
  • Möchten Sie im Bereich 3D-­Vi­sualisierung tätig werden, sollte Ihre Website entsprechende Arbeitsproben und natürlich In­for­ma­tionen über Ihre konkreten Software-Kenntnisse bereithalten. Auch ein eigenes Blog, in dem Sie über aktuelle Vi­su­a­li­sie­rungs­trends berichten, würde Ihr Profil als 3D-Spezialist stärken.

Bei der Selbstdarstellung im Netz übernimmt Ihre Website drei wichtige Aufgaben:

  • Die Person vorstellen: Die Besucher, z. B. potentielle Arbeitgeber, sehen auf der Website eines Architektur-Absolventen die wichtigsten Projekte aus Studium, die Computer-Kenntnisse und die bisherigen beruflichen Stationen.
  • Über Aktuelles berichten: Da sich moderne Website-Systeme auch ohne Programmierkenntnisse leicht bedienen lassen (siehe unten), können Sie auf Ihrer Website ohne großen Aufwand regelmäßig von Ihren Projekten oder über Wissenswertes aus der Branche berichten. Damit geben Sie Aussenstehenden einen sehr glaubwürdigen Einblick in Ihre Arbeit, stellen Ihre Fachkompetenz unter Beweis und bringen sich ins Gespräch.
  • Kontaktmöglichkeiten bieten: Über die Website kann sie ein Arbeitgeber oder Interessent per Telefon, per E-Mail, Skype oder Soziale Medien bequem kontaktieren. Bei Selbständigen mit fester Büroadresse macht natürlich auch ein Lageplan einen guten Eindruck.
Plattform für Job-Bewerber und Selbständige

Die Website als Basis für Bewerbungen ermöglicht Ihnen, alle relevanten Informationen, die ein potentieller Arbeitgeber über Sie benötigt, zentral bereitzustellen. Die Bewerbungs-Homepage umfasst also einen Lebenslauf mit Überblick über Ihre Fähigkeiten (Computer, CAD, Sprachen …), ausgewählte Projekte aus dem Studium oder früheren Büro-Jobs.

Natürlich ist eine Website auch eine wichtige Unterstützung beim Schritt in die Selbständigkeit. Wenn Sie vorhaben, sich Auftraggebern als externer Dienstleister anzubieten, ist es besonders wichtig, mit der Website Vertrauen zu schaffen und einen seriösen Eindruck zu hinterlassen. Ein professionelles, sachliches Design, aussagekräftige Texte und hochwertige Arbeitsproben sind hier besonders wichtig. Ideal ist, wenn Sie schon das ein oder anderen Kundenprojekt realisiert haben und sie die Zufriedenheit Ihrer bisherigen Aufttraggeber in Form von „Kundenstimmen“ auf der Website abbilden können.

Weniger ist mehr!

Egal, für welchen Zweck Sie Ihre Website einsetzen: Versuchen Sie, nur die wirklich wichtigen Informationen bereitzustellen und nur die besten Projekte zu zeigen. Ein Besucher Ihrer Website schaut sich davor und danach meist noch viele andere Internetseiten an und verbringt maximal ein paar Minuten auf Ihren Seiten. Es reicht also beispielsweise vollkommen aus, wenn der Lebenslauf mit dem Abitur beginnt und wenn drei oder vier Projekte aus dem Studium Ihre Fähigkeiten illustrieren.

Ihre Projektfotos sprechen nicht für sich!

Im Netz ist es wichtig, Informationen knapp und präzise zu vermitteln. In der kurzen Zeit, die ein Besucher Ihren Inhalten widmet, dürfen keine Missverständnisse auftreten. Versuchen Sie daher, Ihre Projekte, Arbeitsproben etc. immer „idiotensicher“ zu präsentieren. So muss z. B. bei einem Semesterprojekt aus dem Studium sofort ersichtlich sein, a) worum es ging (Thema, Aufgabe, Ort), b) dass Sie es im Studium gemacht haben, b) in welchem Fach, c) bei welchem Professor. Dadurch wird Ihre Website übrigens auch bei Suchmaschinen „beliebter“, denn je mehr relevante Begriffe auf einer Seite auftauchen, desto häufiger wird sie bei passenden Suchanfragen aufgelistet.

Videos, Broschüren und Präsentationen

Neben Bildern und Texten kann eine Website heutzutage natürlich auch andere Medien beherbergen. Ein paar Beispiele: Videos können zu Youtube oder Vimeo hochgeladen und von dort aus – mit Hilfe des sogenannten „Embed Codes“ direkt in die Website eingebettet werden. Nach dem gleichen Prinzip kann man auch Powerpoint-Präsentationen (via SlideShare), Broschüren (mit Issuu) oder Pläne (über Scribd) in die eigenen Internetseiten integrieren.

Julian Waning Bildschirmfoto Internet für Architekten

Berufserfahrung und Software-Kenntnisse im Überblick bietet die Website von Julian Waning

Eigene Website: Aufwand und Kosten

Wer schnell und kostengünstig eine einfache Website ins Netz stellen möchte, braucht heute eigentlich keine HTML-Kenntnisse mehr und muss auch nicht für ein paar Tausend Euro einen Webdesigner engagieren. Mit einem Website-Baukasten können sich Berufsanfänger oder Existenzgründer ohne Programmierkenntnisse eine ansehnliche Bewerbungs-Website oder ein Online-Portfolio „im Eigenbau“ zusammenbauen.

Webseite Baukasten Internet Architekten Bauingenieure

Mit einem „Website-Baukasten“ ist die eigene Internetpräsenz schnell erstellt.

Die Basisversionen der genannten Systeme sind gratis nutzbar. Einziger Nachteil: Man hat keine normale Webadresse, die Seiten sind dann unter einer sog. „Subdomain“ erreichbar, z. B. sebastianmarkdorf.jimdo.com – das geht zwar Anfang (und ist zum Testen wunderbar geeignet!), wirkt aber auf Dauer unprofessionell. Daher sollten Sie, wenn Sie sich für ein System entschieden haben, die „Premium“- oder „Business“-Variante buchen, dann können Sie Ihre Website unter einer eigenen Domain nutzen (Kosten: ca. 50-60 EUR/Jahr).

Social Media: Netzwerken leicht gemacht

Wie oben beschrieben, sollte Ihre Website im Mittelpunkt aller Online-Aktivitäten stehen, egal ob sie eine Festanstellung in einem Architekturbüro suchen, als Freelancer von Büro zu Büro wechseln oder die eigene Selbständigkeit anpeilen.

Welche Arten von Website-Baukästen gibt es?

  • Online-Portfolios und Web-­Vi­si­ten­kar­ten richten sich vor allem an Freelancer oder Be­rufs­an­fänger auf Jobsuche: mit ihnen kann bequem man das ei­ge­ne Port­folio im Netz, also eine Art digitale Bewerbungsmappe herstellen.
    Anbieter-Tipps:
    Dunked.com, Squarespace.com
  • Die klassischen Web­site-Bau­käs­ten wie Jimdo (Tipp!) oder MyWebsite von 1&1 eignen sich für klassische Büro-Websites (z.B. von Existenzgründern) am besten.
  • Wer häufig eigene, aktuelle Bei­träge (Blog Posts) veröffentlicht, sollte sich Blog­sys­teme wie WordPress.com oder Tumblr genauer ansehen.

Daneben, quasi als „Satelliten“ zur eigenen Website, kann es für die Karriere äußerst hilfreich sein, auch die Sozialen Medien zu nutzen – beruflich, versteht sich. Was heisst das konkret?

Ein Muss für Berufseinsteiger sind die Business-Netzwerke XING und LinkedIn. Wenigstens in einem der beiden sollten Sie sich ein kostenloses Profil anlegen, relevante Inhalte (Was kann ich, was suche ich, was habe ich bisher gemacht usw.) einpflegen und Kontakte aus dem „echten Leben“ auch auf der Plattform abbilden. Dabei eignet sich XING eher für das Netzwerken im deutschsprachigen Raum, wer internationaler unterwegs ist, sollte LinkedIn nutzen.
Über beide Plattformen können Sie ohne viel Aufwand mit ehemaligen Kommilitonen, Kollegen oder Arbeits- bzw. Auftraggebern in Kontakt bleiben und erhöhen die Chance, beruflich interessanten Leuten früher oder später wieder „über den Weg zu laufen“ beträchtlich.

Wenn Sie beim Branchenriesen Facebook ein Personenprofil haben, sollten Sie zunächst überlegen, ob dies die eigene Person in beruflicher Hinsicht vorteilhaft präsentiert. Im Klartext: Was sieht ein potentieller Arbeitgeber hier von Ihnen? Unpassende Fotos etc. sollten Sie also entweder rechtzeitig löschen oder sich ein zweites Personenprofil für die rein berufliche Nutzung anlegen. Für Existenzgründer bietet sich darüber hinaus an, eine sogenannte „Fan Page“ anzulegen, also eine Facebook-Unternehmensseite für das eigene (wenn auch kleine) Büro.

XING Ramona Ramaekers Internet für Architekten und Bauingenieure

Arbeitsproben aus dem Architekturstudium auf dem XING-Profil von Ramona Ramaekers

Neben Facebook können Sie natürlich andere Social Networks für die berufliche Selbstdarstellung nutzen: Twitter wird viel von (Fach-)Journalisten genutzt und eignet sich bestens für die Öffentlichkeitsarbeit in eigener Sache, via Instagram oder Pinterest kann man sich mit Architekturfotos, 3D-Visualisierungen etc. hervorragend in Szene setzen. Wichtig: Wenn Sie sich für ein Netzwerk entscheiden, nutzen Sie es regelmäßig und veröffentlichen Sie dort Inhalte, die zu ihrem beruflichen Profil passen.■

Baustellenprotokolle können „gefährlich“ sein

Insbesondere bei größeren Baumaßnahmen finden regelmäßig Baustellengespräche statt, über deren Inhalt ein Teilnehmer des Gesprächs dann anschließend ein Baustellenprotokoll fertigt. Das Protokoll beinhaltet dabei in der Regel einzelne zwischen den Vertragspartnern getroffene Abreden etwa über Nachtragspreise, Ausführungsfristen usw.
Ein solches Protokoll wird von der Rechtsprechung wie ein sogenanntes kaufmännisches Bestätigungsschreiben behandelt. Geht also das Protokoll kurzfristig nach der Besprechung den Gesprächsteilnehmern zu, ohne dass diese umgehend gegen einzelne Punkte des Protokolls Widerspruch erheben, werden die dortigen Festlegungen Vertragsinhalt. Im Gegensatz zu den Voraussetzungen, die für übliche Vertragsabreden gilt, wird also hier das „Schweigen“ des Empfängers des Protokolls als Zustimmung zu dessen Inhalt angesehen. Weitere Rechtstipps unter www.bausuchdienst.de

Zeit sparen beim Planen

Qualifizierte Bauunternehmen und Handwerksbetriebe für Auftragsarbeiten zu finden, ist für Architekten und Planer zeit-, arbeits- und kostenintensiv. An dieser Stelle setzt der Baufinder an. Auf einer gemeinsamen Plattform präsentieren sich ausführende Baubetriebe mit ihrem Kompetenzprofil, stellen Referenzen vor und liefern Empfehlungsschre­iben. Selbst wenn ein Bauvorhaben in einer Region liegt, die dem Auftraggeber bislang unbekannt ist, erhält er mit Hilfe des Baufinders einen versierten Überblick über Gewerke, Qualifikation und Erfahrungshorizont potenzieller Auftragnehmer.Baufinder.de ist ein Präsentationsportal und steht allen am Bau Beteiligten kostenlos zur Verfügung.

Weitere interessante Arbeitshilfen aus dem Netz finden Architekten und Bauingenieure unter Webseiten.■

Dokumentation ist das A und O

Man muss nicht unbedingt silberne Löffel klauen, um einmal einen Gerichtssaal von innen zu betrachten. Wer als Architekt oder Bauingenieur nicht in Konflikt mit dem Vertragspartner oder dem Gesetz geraten will, muss bei der täglichen Arbeit auf der Hut vor Planungsfehlern oder missachteten Bauvorschriften sein. Welche rechtlichen Stolperfallen es gibt und wie man Rechtsstreitigkeiten vermeiden kann, erklärt Fachanwalt für Bau- und Architektenrecht Dr. Stefan Rude, WMRC Rechtsanwälte, Berlin.

Mit welchen Schwierigkeiten kommen Architekten und Bauingenieure am häufigsten zu Ihnen?

Dr. Stefan Rude: Meistens geht es um Haftungsfälle, viele kommen aber auch wegen Honorarstreitigkeiten oder in gesellschaftsrechtlichen Angelegenheiten zu uns, also wenn es um Formen der Zusammenarbeit zwischen Architekten geht. Außerdem beraten wir Architekten und Auftraggeber bei der Vergabe von Bauaufträgen und bei der Gestaltung von Verträgen. Dabei arbeiten wir eng mit Architekten und Ingenieuren zusammen.

Welche juristischen Fehler werden in der Praxis gemacht?

Dr. Stefan Rude: Rechtskenntnisse sind eigentlich in allen Leistungsphasen von Bedeutung, und zwar nicht nur bei der Planung oder Bauüberwachung. Bei der Vergabe von Planungs- und Bauaufträgen und deren Vollzug spielt das Vertragsrecht natürlich eine wichtige Rolle. Wichtig ist die Berücksichtigung der konkreten Verträge aller am Bauvor-haben Beteiligten. Aufgabe des vom Bauherrn beauftragten Planers ist es auch, darauf zu achten, dass die von ihm verwendeten Vertragsklauseln wirksam sind und später auch wirklich erfüllt werden. Fehler werden zum Beispiel häufig bei den Themen Vertragsstrafen und Sicherheitsleistungen gemacht. Darüber hinaus fällt auf, dass von einigen am Bau Beteiligten die Bedeutung der technischen Normen, insbesondere der DIN, nicht zutreffend eingeschätzt wird. Maßstab für die Mangelfreiheit eines Bauvorhabens sind nämlich die konkreten Verträge beziehungsweise die konkreten Baubeschreibungen. Diese sind vorrangig vor irgendwelchen technischen Normen. Dort wo im Vertrag Lücken sind, gelten regelmäßig die allgemein anerkannten Regeln der Technik als Maßstab für die Mangelfreiheit von Leistungen. Diese anerkannten Regeln der Technik müssen nicht mit Regeln einer DIN übereinstimmen. Wenn man also als Bauüberwacher nur auf die Einhaltung von DIN-Normen achtet, können Haftungsprobleme entstehen, denn der Bauherr kann erwarten, dass die Anforderungen aus seinem konkreten Bauvertrag eingehalten werden, zum Beispiel hinsichtlich eines hohen Schallschutzstandards.

Welche Möglichkeiten gibt es, um sich vor juristischen Fehlern zu schützen?

Dr. Stefan Rude: Die Anforderungen an die Architekten sind sehr hoch, derzeit vielleicht sogar überspannt. Ein Architekt als Bauleiter, der in der hitzigen Phase des Bauens juristische Dinge prüfen muss, hat es nicht gerade einfach. Trotzdem – es gibt ein paar Grundregeln, die auch im Eifer des Gefechts beachtet werden sollten. Dass man hinsichtlich der aktuellen Rechtslage immer auf dem Laufenden bleiben muss, versteht sich von selbst. Ein genereller Merksatz für den Planer lautet: Nicht selber Entscheidungen treffen, sondern den Bauherrn entscheiden lassen. Freilich muss der Architekt Entscheidungen vorbereiten, über Risiken aufklären und Empfehlungen aussprechen. In der Praxis läuft es aber oft anders. Der Druck ist häufig so groß, dass der Architekt selbst entscheiden muss. Wichtig ist dann aber, sich immer beim Bauherrn rückzuversichern, in grundlegenden Fragen auch schriftlich.

Noch etwas würde viel Ärger vermeiden: die vorsorgende Rechtsberatung. Leider werden wir immer erst zu Rate gezogen, wenn das Kind schon in den Brunnen gefallen ist. Es ist jedoch Aufgabe der Architekten, den Bauherrn auf rechtliche Risiken hinzuweisen und zu sagen: „Da weiß ich auch nicht weiter, hier brauchen wir juristische Beratung.“ Meist übernimmt der Auftraggeber dafür sogar die Kosten. Wenn es um Fragen der Statik geht, ziehen Architekten ja auch den Rat eines Tragwerksplaners hinzu. Das ist bei rechtlichen Fragen nicht anders.

Außerdem gilt: Wer schreibt, der bleibt, wer telefoniert, der verliert. Auch wenn das ein sehr bürokratischer Ansatz ist – man ist immer gut beraten, alles schriftlich zu machen, also auch jede Baubesprechung zu protokollieren und allen Teilnehmern zukommen zu lassen. Wenn Vorgänge nach fünf Jahren thematisiert werden – was durchaus sein kann, denn so lange dauern die Verjährungsfristen für Mängelansprüche – dann sind die mündlichen Absprachen schwer zu beweisen.

Müssen schriftliche Dokumente bestimmte Kriterien erfüllen, um vor Gericht Bestand zu haben?

Dr. Stefan Rude: Das hängt von den Regelungen in den Verträgen ab. Der Architekt sollte insoweit den Bauvertrag des Bauherrn mit dem Bauunternehmen kennen. Häufig sind Formvorschriften geregelt. Den Empfang wichtiger Dokumente, etwa von Vertragsänderungen, Fristsetzungen, Kündigungen, sollte man sich aus Beweisgründen am besten schriftlich bestätigen lassen. Selbst ein Faxprotokoll taugt im Konfliktfall nicht als Beweis, dass der Empfänger ein Dokument bekommen hat. E-Mails als Beweismittel sind ohnehin problematisch, weil sie leicht nachträglich konstruiert werden können. Trotzdem ist es klug, den E-Mail-Verkehr als Gedächtnisstütze beziehungsweise so eine Art Tagebuch zu sichern. Meist weiß man schon wenige Jahre später gar nicht mehr so genau, was man bei einer bestimmten Baumaßnahme gemacht hat.

Was genau ist ein Haftungsfall?

Dr. Stefan Rude, WMRC Rechtsanwälte Berlin

Dr. Stefan Rude, WMRC Rechtsanwälte Berlin

Dr. Stefan Rude: Ein Haftungsfall tritt ein, wenn die Verletzung einer vertraglichen Pflicht zu einem Schaden beim Bauherrn oder einem Dritten geführt hat. Architekten und Bauingenieure werden etwa für Schäden, die an einem oder durch ein von ihnen geplantes Bauwerk entstanden sind, in Haftung genommen, das heißt, sie müssen die Verantwortung zum Beispiel für Baumängel oder auch Personenschäden übernehmen. Meistens wird der Planer zusammen mit einem Bauunternehmen zur Rechenschaft gezogen. Das Problem ist, dass relativ viele Bauunternehmen nicht liquide sind. Da ist der Ingenieur als Anspruchsgegner immer willkommen, weil er eine Haftpflichtversicherung hat. Die ist auch notwendig, denn in jeder Leistungsphase stecken Haftungsrisiken; besonders kritisch ist die Bauüberwachung. Der Architekt als Bauleiter muss zum Beispiel vor der Abnahme Mängel erkennen, die vom Bauunternehmen verursacht wurden. Andernfalls kann es sein, dass er für die Mängel haftet und eben auch für die Schäden, die daraus entstehen. Ich habe Fälle gehabt, bei denen die Schadenssumme weit über der Versicherungssumme lag. Das ist für selbständige Architekten besonders bitter, die häufig mit ihrem Privatvermögen haften.

Die Honorare für Architekten und Ingenieure sind in der HOAI (Hono­rarordnung für Architekten und Ingenieure) festgelegt. Warum drehen sich die Konflikte trotzdem so häufig ums Geld?

Dr. Stefan Rude: Die HOAI ist ein Preisverzeichnis für Architektenleistungen und tatsächlich streitanfällig. Sie trägt den Realitäten bei einem Bauvorhaben teilweise nicht Rechnung, was allerdings keine Besonderheit der HOAI ist. Kein Gesetz kann alle Einzelfälle unmissverständlich regeln. Bei aller Undurchsichtigkeit ist die HOAI aber auch eine Absicherung nach unten. Sie regelt ja Mindesthonorarsätze, weniger darf ein Auftraggeber eigentlich nicht für planerische Leistungen bezahlen. Der Markt sieht natürlich anders aus, viele Ingenieure verdingen sich dann doch zu geringeren Sätzen.

Wie können sich Architekten um öffentliche Aufträge bewerben? Was ist zu beachten?

Dr. Stefan Rude: Der öffentliche Auftraggeber ist in seiner Entscheidung über freiberufliche Aufträge grundsätzlich freier als etwa bei der Vergabe von Bauaufträgen. Sobald ein Auftragswert von derzeit 200.000 Euro (netto) erreicht ist, muss der öffentliche Auftraggeber allerdings nach der Vergabeordnung für freiberufliche Leistungen (VOF) öffentlich und europaweit im EU-Amtsblatt ausschreiben. Er kann dann ein Verhandlungsverfahren oder einen Architektenwettbewerb durchführen. Der Auftraggeber muss vorher festlegen, nach welchen Kriterien er den Auftrag vergeben will. Häufig werden bestimmte Erfahrungen verlangt, was es jungen Architekten natürlich schwer macht, einen öffentlichen Auftrag zu erlangen. Dann bietet es sich an, eine Kooperation mit anderen Architekten oder Ingenieuren einzugehen, die die verlangten Erfahrungen aufweisen. So können unter Umständen eigene Defizite ausgeglichen werden. Darüber hinaus sollte größte Sorgfalt bei der Anfertigung der Angebote oder Bewerbungsunterlagen angewendet werden. Bereits kleinste Formfehler können zum Ausschluss des Angebots oder der Bewerbung führen. Der Architekt bewirbt sich ja regelmäßig darum, selbst Vergabeverfahren für den Bauherrn zu betreuen (Leistungsphasen 6 und 7). Es macht sich deshalb nicht gut, wenn die eigene Teilnahme am Vergabeverfahren nachlässig wirkt. Im Übrigen sollten keine Honorare unterhalb des HOAI-Mindestsatzes angeboten werden. Auch dies ist ein Ausschlussgrund, wenngleich der öffentliche Auftraggeber gehalten ist, den Architekten vor einem Ausschluss auf die Unterschreitung der Mindestsätze hinzuweisen. Es soll aber vorkommen, dass es öffentliche Auftraggeber mit der Unterschreitung der Mindestsätze nicht so genau nehmen und ein Angebot bevorzugen, das unterhalb der Mindestsätze liegt. In diesem Fall hätte der HOAI-treue Bieter einen Rechtsschutzanspruch gegen seinen Mitbewerber beziehungsweise den öffentlichen Auftraggeber, das unzulässige Angebot von der Vergabe auszuschließen. Dies gilt freilich nur bei Überschreitung des oben genannten Auftragswertes. Hierfür gibt es ein gesetzliches Nachprüfungsverfahren. Vergaben unterhalb des Auftragswertes sind rechtlich nur schwer angreifbar, wenngleich das in einzelnen Fällen auch gelungen ist. ■

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Richtig präsentieren – aber wie?

Vorträge und Präsentationen gehören in fast allen akademischen Berufen zum Alltag – auch für Architekten und Bauingenieure. Zahllose Rhetorikseminare, Vortrags-Coachings und Präsentationsschulungen vermitteln ihren Teilnehmern das erforderliche Rüstzeug für einen souveränen Auftritt vor Publikum. Doch in der Praxis sind überfrachtete, unverständliche und vor allem gähnend langweilige Vorträge noch immer die Regel. Dabei ist es gar nicht so schwierig, seine Argumente anschaulich und überzeugend zu präsentieren.
Ein gelungener Vortrag ist wie eine gute Show: Er soll den Zuhörer beeindrucken, unterhalten und anregen. Information kommt nach einer Studie der Unternehmensberatung Mercer erst an vierter Stelle der Publikumserwartungen. Wer seine Inhalte also erfolgreich vermitteln will, sollte seine Präsentation interessant, abwechslungsreich und überraschend gestalten. Das fängt bereits bei der Vorstellung an: Viele Redner moderieren sich und ihren Vortrag umständlich an, statt gleich zur Sache zu kommen. Das kostet nicht nur wertvolle Redezeit, sondern bremst auch das Tempo des Vortrags, bevor dieser überhaupt in Fahrt gekommen ist. Ebenso kontraproduktiv sind umfangreiche Erklärungen zum Ablauf des Referats. Eine Dramaturgie lässt sich auf diese Weise kaum aufbauen. Am besten also den Einführungsteil möglichst knapp halten und gleich zum eigentlichen Thema überleiten.

Sieben Goldene Präsentations-Regeln 

1. Auf den roten Faden achten:PowerPoint-Präsentationen sind nur so gut wie der Vortrag, den sie begleiten. Machen Sie sich also zunächst Gedanken über den Aufbau Ihrer Argumentation, bevor Sie mit der optischen Gestaltung beginnen. Versuchen Sie dabei, sich an den Erwartungen Ihrer Zuhörer zu orientieren. Sobald Sie sich über den roten Faden Ihres Vortrags im Klaren sind, ist die Präsentation schon so gut wie fertig.

2. Weniger ist mehr: Lassen Sie sich nicht durch die zahllosen Möglichkeiten verführen, die PowerPoint Ihnen bietet. Eine Präsentation besteht in erster Linie aus dem mündlichen Vortrag. Folien und Grafiken sollen das gesprochene Wort unterstützen, nicht davon ablenken. Als Faustregel gilt: Höchs-tens fünf Wörter pro Zeile und nicht mehr als fünf Zeilen pro Folie. Stilelemente, Schriften und Farben sparsam einsetzen.

3. Grafiken statt Zahlen: PowerPoint ist ein optisches Hilfsmittel, um komplexe Sachverhalte zu veranschaulichen. Dies gilt insbesondere für Zahlen und Daten, die im gesprochenen Vortrag schnell untergehen. Doch auch starre Grafiken bleiben schlecht im Gedächtnis haften. Hier lassen sich die Animationsmöglichkeiten des Programms sinnvoll nutzen: Nichts illustriert einen Anstieg so effektiv wie ein wachsender Balken.

4. Richtiges Timing: Eine gute PowerPoint-Präsentation darf die Zuhörer nicht von Ihrem Vortrag ablenken. Jede neue Folie verführt zunächst dazu, sie zu lesen. Daher sollten Sie wichtige Inhalte zunächst mündlich transportieren, bevor Sie sie unmittelbar danach (!) optisch in Erinnerung rufen. Achten Sie darauf, die Folien nicht mit Informationen zu überfrachten. Eine Kernaussage pro Folie genügt völlig.

5. Vortragen statt vorlesen: Wer seine Präsentation von der Folie abliest, macht sich überflüssig. Sobald das Publikum Ihre Ausführungen mitlesen kann, verlieren Sie seine Aufmerksamkeit. Daher werden Handouts erst nach dem Vortrag ausgeteilt. Noch einmal: Sie stehen als Vortragender im Mittelpunkt, nicht PowerPoint. Im Zweifelsfall müssen Sie in der Lage sein, Ihren Vortrag auch ohne technische Hilfsmittel zu halten.

6. Das Publikum fesseln: Ihre Zuhörer wollen in erster Linie unterhalten werden. Untersuchungen zeigen, dass die meisten Menschen sich nur an Anfang und Ende eines Vortrags erinnern. Legen Sie daher besonders großen Wert auf einen fesselnden Auftakt. Statt einer (drögen) Zusammenfassung sollte am Ende lieber eine provokante Frage oder These in den Raum gestellt werden. Achten Sie dabei stets auf Blickkontakt!

7. Nehmen Sie sich Zeit: Gut Ding will Weile haben, das gilt auch für Präsentationen. Und zwar nicht nur bei der Vorbereitung, die möglichst nicht auf den letzten Drücker erfolgen sollte, sondern auch während des Vortrags. Nehmen Sie sich Zeit, Schaubilder zu erläutern, sehen Sie kurze Pausen vor, um Informationen sacken zu lassen und hetzen Sie nicht durch Ihren Text. Dann bleibt das Publikum Ihnen ganz Ohr.

 Mit pfiffigen Worten das Publikum einfangen

Schon die ersten Worte entscheiden darüber, ob Ihnen das Publikum für den Rest des Vortrags seine Aufmerksamkeit schenkt – oder auf Durchzug schaltet. Hier bieten sich rhetorische Fragen an, die das Publikum zum Mitdenken anregen. Auch überraschende und provokative Aussagen, die den Widerspruchsgeist der Zuhörer wecken, erfüllen diesen Zweck. Kleine Geschichten und persönliche Anekdoten zum Thema haben sich ebenfalls bewährt, um einen „guten Draht“ zum Publikum herzustellen. Dabei sollte immer der Augenkontakt zu den Anwesenden gesucht werden. Schüchterne Gemüter können ihren Blick auch einfach nur über die Köpfe schweifen lassen – den Unterschied merkt man als Zuhörer nicht.
Wer im Alltag eher der nüchterne Typ ist, muss am Rednerpult nicht zum Stand-up-Comedian mutieren. Das Wichtigste ist ein glaubwürdiges und sicheres Auftreten. Und Sicherheit gewinnt man am besten durch eine gute Vorbereitung. Nehmen Sie sich daher die Zeit, Ihren Vortrag gründlich auszuformulieren. Alles, was auf dem Papier steht, kann Ihnen später weiterhelfen, wenn Sie aufgrund einer Zwischenfrage (oder durch Lampenfieber) den roten Faden verloren haben. Lesen Sie sich Ihren Text mehrfach durch. Laut! Auf diese Weise verinnerlichen Sie Ihre eigene Argumentation – und können leichter daran anknüpfen, wenn Sie unterbrochen wurden. Außerdem schulen Sie so Ihre Aussprache. Alleine durch die Sprachmelodie können Sie die Wirkung Ihrer Aussagen entscheidend beeinflussen. Betonen Sie die Verben, das macht den Vortrag dynamischer. Und bauen Sie Pausen ein, um dem Publikum Zeit zum Nachdenken zu geben.

Der Redner bestimmt die Qualität

Wo früher Overhead-Projektoren und Flipcharts zur Illustration des gesprochenen Wortes dienten, werden mittlerweile fast überall Computertools wie PowerPoint eingesetzt. Schätzungen zufolge werden damit täglich an die 30 Millionen Präsentationen zusammengebastelt. Doch Vorsicht! Qualität und Erfolg eines Vortrags werden noch immer durch den Redner bestimmt, nicht durch die Software. Alle noch so beeindruckenden PowerPoint-Mätzchen können fehlende Argumente oder einen unschlüssigen Aufbau nicht wieder wettmachen. Im Gegenzug kann eine übertrieben animierte, effekthaschende Präsentation auch einem guten Vortrag den Wind aus den Segeln nehmen.
Für einen guten PowerPoint-Vortrag sollten Sie sich an die 10-20-30-Regel halten: nicht mehr als zehn Folien, nicht länger als 20 Minuten, nicht weniger als 30-Punkt Schriftgröße. Auf diese Weise sind Sie gezwungen, sich auf das wirklich Wesentliche zu konzentrieren. So kommen Sie gegen Ende Ihrer Redezeit auch nicht ins Schlingern, weil Sie noch nicht zum eigentlichen Kern Ihrer Argumentation gelangt sind. Sparen Sie sich für den Abschluss Ihres Referats einen Höhepunkt auf. Und verlassen Sie sich stärker auf die Zugkraft Ihrer Argumente als auf wilde Animationen. Dann können Sie Ihren Vortrag sogar dann halten, wenn die Technik Ihnen einen Strich durch die Rechnung macht.

Mit Stimme punkten

Eine schöne Stimme ist ein Pfund, mit dem man seine Zuhörerschaft in den Bann ziehen kann. Es mag sein, dass nicht jeder mit einer angenehmen Klangfarbe gesegnet ist, trotzdem kann man durch einfache Maßnahmen seiner Stimme mehr Ausdruck, Wärme und Klang verleihen. Stimme entsteht, indem wir unsere Stimmlippen im Kehlkopf durch Atmung in Schwingungen versetzen. Auch ein Cello funktioniert vom Prinzip her genauso, die Saiten werden in Schwingungen versetzt, es entstehen Töne. Doch warum geht vom Cello stets ein wohlig warmer Klang aus, während die menschliche Stimme häufig klang- und farblos klingt? Die Antwort liegt im Resonanzraum. Beim Streichen der Saiten verstärkt der Holzkörper die Töne und gerät dabei selbst in Schwingungen. Viele Menschen vergessen, dass auch sie Resonanzräume haben und zwar den eigenen Körper, angefangen mit den Nasennebenhöhlen, dem Rachenraum bis hin zum Brust- und Bauchraum. Doch im Gegensatz zum Cello haben wir zwei Gegenspieler, die unsere Klangräume regelrecht „dicht“ machen: eine ungünstige Körperhaltung und durch Stress bedingte Anspannung. Wenn Sie beides ausschalten, haben Sie viel gewonnen: Ihre Körperhaltung sollte aufrecht sein. Stellen Sie sich vor, Sie seien mit einem unsichtbaren Faden am Himmel festgebunden worden. Lassen Sie die Schultern bewusst locker (weg von den Ohren). Ratsam ist es, die Füße etwa hüftbreit zu stellen und die Knie leicht zu beugen. Achten Sie auf eine gute Stabilität, indem sie immer wieder mit beiden Füßen Kontakt zum Boden aufnehmen. Gegenspieler Nummer zwei führt zu einer flacheren, schnelleren Atmung (Hochatmung). Deshalb: Lassen Sie locker, atmen Sie bewusst aus! Für die Qualität der Stimme ist nicht entscheidend, dass viel Atemluft zur Verfügung steht, sondern die Luft optimal genutzt wird. Versuchen Sie sich die Zwerchfellatmung anzugewöhnen: Die Bauchdecke wölbt sich beim Einatmen leicht nach außen, wobei eine Dehnung in den Flanken spürbar sein sollte. Wenn Sie beiden Aspekten Beachtung schenken, sind Sie auf einem gutem Weg, Ihre Stimme optimal klingen zu lassen.  ■

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NewKammer: Gut vernetzt

Der berufliche Einstieg ist für junge Architekten stets mit einer gewissen Unsicherheit verbunden. Zwar hat man im Studium das erforderliche Rüstzeug erworben, um ein erfolgreicher Architekt zu werden, doch in der Praxis herrscht immer wieder großer Informationsbedarf zu Fragen des beruflichen Alltags. Erste Anlaufstelle sind dann meist erfahrene Kollegen aus dem eigenen Bekanntenkreis. Wer als Berufsanfänger Orientierung sucht und noch über kein weitreichendes Netzwerk verfügt, kann sich aber auch an die Architektenkammer wenden. In Hannover gibt es für den Nachwuchs sogar eine eigene Interessenvertretung: die NewKammer.
Am Anfang stand – wie bei allen guten Ideen – ein Fragezeichen: „Was macht die Kammer eigentlich und was haben wir davon?“ Eine Gruppe junger Architekten fühlte sich und ihre Interessen von der eigenen Berufsvertretung nicht ausreichend berücksichtigt. Die Kammer reagierte schnell – mit einem Gesprächsangebot. Denn beim Geschäftsführer der Architektenkammer Niedersachsen, Dr. Mathias Meyer, rannten die fünf jungen Architekten offene Türen ein. Er lud sie ein, die bestehenden Infrastrukturen zu nutzen, um das Angebot der Kammer für sich und ihre nach Orientierung suchenden Kollegen attraktiver zu machen. Die Idee zur NewKammer war geboren!

„Zunächst einmal wollten wir – die jungen Nachwuchsarchitekten in und um Hannover – uns enger vernetzen“, erinnert sich Boris Steinweg, einer der beiden Sprecher der NewKammer. „Dann wollten wir uns langfristig stärker in die Kammerpolitik einmischen. Oder sagen wir mal so: erst einmal verstehen, was in den einzelnen Gremien der Kammer überhaupt gemacht wird.“ Für ein erstes Treffen Ende 2010 stellte die Kammer ihre Räumlichkeiten bereit und bot auch sonst ihre volle Unterstützung an. Die Resonanz war überwältigend: 45 Jungarchitekten aller Fachrichtungen tauschten sich zu alltäglichen Problemen der Büroorganisation, rechtlichen Anforderungen und Akquisemöglichkeiten aus, aber auch zu praktischen Fragen wie Konstruktionsproblemen oder dem richtigen Umgang mit dem Bauherrn.
Mittlerweile hat das junge Netzwerk innerhalb der Architektenkammer seine Kommunikation weiter professionalisiert: „Es gibt unterschiedliche Gruppen, die sich um spezifische Bereiche kümmern, auch um die interne und externe Kommunikation. Wir kommunizieren über Facebook und E-Mail, und es gibt mittlerweile auch einen Datenserver, auf dem wir wichtige Unterlagen, die wir erarbeitet haben, zum Download bereitstellen“, erklärt Steinweg. Auch die regelmäßigen Netzwerktreffen stoßen auf große Akzeptanz: „Das hat im kleinen Rahmen sehr gut Fuß gefasst. Leute, die sich bisher noch nicht kannten, kommunizieren und stellen Fragen: ,Du, wie sieht das eigentlich aus mit der Abstandregelung bei einer geschlossenen Bauweise? Lass uns mal treffen oder wir telefonieren mal, wie dies oder jenes geht‘. Die Kommunikation funktioniert also auf ganz unterschiedlichen Ebenen.“

Karin Binnewies ist seit Mai 2011 direkte Ansprechpartnerin des NewKammer-Netzwerks bei der Architektenkammer Niedersachsen. Sie unterstreicht die großen Fortschritte, die das Projekt in der kurzen Zeit seines Bestehens gemacht hat: „Am Anfang hatte das Ganze ja noch keine feste Struktur, es kamen immer neue Leute dazu, die erst eingebunden werden mussten, dafür blieben andere weg. Natürlich wurde schon gleich zu Beginn diskutiert, mit welchen Zielen wir hier sind, mit welchen Bedürfnissen und welchen Ideen. Aber so etwas läuft dann ja nicht einfach von selbst. Wir haben jetzt eine Struktur gefunden und einen guten Kern engagierter Leute. Die NewKammer weiß auf jeden Fall, wohin sie will.“

Mittelfristig will die NewKammer nicht nur Anlaufstelle für Newcomer sein, sondern diesen in den Gremien der Berufsvertretung eine Stimme geben. Für die Architektenkammer ist dies eine Win-win-Situation, denn für viele junge Architekten stellt sich die Frage nach einer Kammermitgliedschaft nach dem Studium nicht sofort: „Man weiß ja, man muss erst mal ein bisschen arbeiten, ein paar Projekte machen, die Leistungsphasen durchlaufen. Die meisten werden erst Mitglied, wenn sie sich selbständig machen wollen und die Bauvorlageberechtigung brauchen“, erklärt Karin Binnewies. „Oder um Mitglied in der Architektenversorgung zu werden“, ergänzt Boris Steinweg. Beide wünschen sich, dass sich junge Architekten stärker in die Kammer einbringen und in der Gremienarbeit aktiv werden. „Es müssen ja immer Leute nachwachsen und die Kammer lebt nur durch ihre Mitglieder“, resümiert Binnewies.
Rückblickend hat die NewKammer ein Ziel bereits erreicht: „Die innere Vernetzung, also dass es da eine ganz gute Struktur gibt, dass man sich trifft, dass man sich über Berufspolitik oder technische Fragen ganz schnell und unproblematisch austauschen kann oder auf unserer Liste gucken, wer sich zu dem Thema auskennt“, fasst Steinweg zusammen. Und hofft, dass das Beispiel auch über die niedersächsischen Grenzen hinaus Schule macht: „Es gibt ja den Fall, dass man als Architekt die Stadt oder das Bundesland wechseln muss und dann vor Ort noch nicht so vernetzt ist. Da ist es dann eine gute Möglichkeit, zu sagen: ‚Es gibt da diese lockere, offene Gruppe, da kann ich jederzeit dazukommen und finde einen Gesprächspartner, dem ich meine Fragen stellen kann‘. Das ist doch eine schöne Sache.“  ■

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