Die lieben Steuern: Leichter als gedacht

Die lieben Steuern: Leichter als gedacht

von Ute Schroeter

Nicht sonderlich beliebt, aber ein wichtiges Thema für Existenzgründer: Mit welchen Steuerarten habe ich es zu tun? Kann ich meine Buchführung selbst machen? Was ist eine Einnahmenüberschussrechnung? Die Selbständigkeit hat ohne Zweifel ihre Vorzüge, wenn da nicht das ganze Drumherum wäre. Wer sich selbständig macht, dem bleibt nichts anderes übrig, als mit den Steuern Freundschaft zu schließen. Und so schwer, wie es immer scheint, ist das auch gar nicht.

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Beispiele für Betriebsausgaben

  • Bürobedarf (Papier, Aktenordner)
  • Porto
  • Büromöbel (Regal, Schreibtisch, Schreibtischstuhl)
  • Reisekosten (Übernachtung, Bahnfahrkarten)
  • Pkw-Kosten (das Finanzamt erkennt 30 Cent pro Kilometer an)
  • Telefon, Internet, Mobiltelefon
  • Miete für Büroräume
  • Häusliches Arbeitszimmer
  • Software (CAD-Programme, Ausschreibungsprogramme, Office-Software)
  • Hardware (PC, Notebook)
  • Fortbildungskosten
  • Existenzgründung
  • Steuern

beträgt der aktuelle Mehrwertsteuersatz, den Unternehmer für Einkäufe, die den Betrieb betreffen, abziehen dürfen.

Mit diesen Steuern haben Freiberufler zu tun:

Einkommensteuer: Während bei Angestellten die Ein- kommensteuer in der Regel durch die Lohnsteuer abgegolten ist, müssen Selbständige ihre Einkommensteuer durch Voraus- zahlungen und die Pflichtabgabe einer Einkommensteuer- erklärung abführen. Alle Einnahmen müssen im Rahmen der Einkommensteuererklärung versteuert werden. Betriebsaus- gaben, wie Papier, Bleistifte etc., können von der Steuer abge- setzt werden. Anhand Ihrer Angaben im „Fragebogen zur steuerlichen Erfassung“ schätzt das Finanzamt die Steuerschuld für die kommenden Jahre und verlangt meist
Vorauszahlungen.

Kirchensteuer: Wenn Sie Mitglied der evangelischen oder ka- tholischen Kirche sind, müssen Sie mit Ihrer Einkommensteu- er auch Kirchensteuer abführen.

Umsatzsteuer: Jeder Unternehmer muss Umsatzsteuer zahlen. Es gibt jedoch Ausnahmen. Befreit sind alle Kleinunter- nehmer, deren Umsatz im Gründungsjahr nicht höher als 17.500 Euro war oder voraussichtlich sein wird und im laufen- den Jahr 50.000 Euro voraussichtlich nicht überschreiten wird.

Lohnsteuer: Fällt nur an, wenn Sie Angestellte haben. Sie als Arbeitgeber sind dann für die korrekte Abführung der Lohnsteuer Ihrer Arbeitnehmer an das Finanzamt verpflichtet. Die Lohnsteuer wird vom Bruttogehalt abgezogen, somit vom Arbeitnehmer gezahlt, jedoch vom Arbeitgeber überwiesen.

Der Freie Beruf 

Wussten Sie eigentlich, dass Sie einen „Freien Beruf“ gewählt haben? Architekten und Bauingenieure sitzen im gleichen Boot wie Ärzte, Rechtsanwälte, Notare, Journalisten, Dolmetscher oder Übersetzer. Sie gehören zu den sogenannten Katalogberufen nach § 18 Abs. 1 Einkommensteuergesetz. Selbständigen bringt die Zugehörigkeit zu dieser Gruppe steuerliche Vorteile. Das Finanzamt behandelt einen freiberuflich Tätigen anders als einen Gewerbetreibenden, wie zum Beispiel einen Bauträger oder einen Versicherungsmakler. Diese müssen nämlich Gewerbesteuer zahlen, ein Freiberufler muss das nicht. Doch Vorsicht: Es kommt auf die Art der Leistungen an, die Sie anbieten. Bei Planungsleistungen ist die Sachlage eindeutig. Ein Bauingenieur jedoch, der beispielsweise ausschließlich Bauleitungsaufgaben übernimmt, könnte eventuell als Gewerbetreibender eingestuft werden.

Eine eindeutige Definition für den Freien Beruf gibt es nicht. Der Gesetzgeber hat es im Partnerschaftsgesellschaftsgesetz folgendermaßen formuliert: „Die Freien Berufe haben im Allgemeinen auf der Grundlage besonderer beruflicher Qualifikation oder schöpferischer Begabung die persönliche, eigenverantwortliche und fachlich unabhängige Erbringung von Dienstleistungen höherer Art im Interesse der Auftraggeber und der Allgemeinheit zum Inhalt.“

Buchführung: Mit den Steuern im Reinen 

Wozu braucht man eigentlich eine Buchführung? Ganz einfach: Alle Selbständigen sind dazu verpflichtet, Einnahmen und Ausgaben so zu dokumentieren, dass das Finanzamt den Geschäftsverlauf nachvollziehen und damit die Einkommensteuer berechnen kann, die ihm der Unternehmer schuldet. Die Höhe der Einkommensteuer richtet sich nach dem Gewinn, der in einem Jahr erwirtschaftet wurde. Eine Buchführung hat außerdem den Vorteil, dass man den Überblick über sein Geschäft behält. Freiberufler haben es dabei noch relativ leicht. Sie müssen dem Finanzamt nur eine Einnahmenüberschussrechnung (EÜR) vorlegen. Gewerbetreibende müssen ab dem Überschreiten bestimmter Schwellenwerte (Umsatz größer 500.000 Euro und Gewinn größer 50.000 Euro) bilanzieren und eine sogenannte doppelte Buchführung vorlegen, das ist ohne Steuerberater so gut wie nicht zu meistern.

Die EÜR funktioniert im Grunde ganz simpel: Sie sammeln alle Belege mit Einnahmen und Ausgaben, die den Betrieb betreffen. Alles, was ein Selbständiger für die Ausübung seiner Tätigkeit braucht und gleichzeitig seinen Gewinn schmälert, zählt zu den Betriebsausgaben, beispielsweise Bürobedarf, Reisekosten, Telefon. Am Jahresende ermittelt man seinen Gewinn, indem man die Ausgaben von den Einnahmen abzieht. Dafür gibt es im Übrigen zahlreiche Softwareprogramme, in die man sich schnell einarbeiten kann. Gute Erfahrungen haben wir mit dem Onlineanbieter Collmex (www.collmex.de) gemacht. Dieser hat sich auf Kleinunternehmer spezialisiert und bietet ein übersichtliches Online-Buchungsprogramm an, das für eine geringe monatliche Gebühr genutzt werden kann.

Foto: Daniel Kummer

Umsatzsteuerpflichtig oder nicht? 

Jeder, der selbständig tätig ist, muss Mehrwert- oder – richtigerweise muss man sagen – Umsatzsteuer zahlen. Einzige Ausnahme: Von der Umsatzsteuerpflicht befreit sind alle Kleinunternehmer. Das sind diejenigen, deren Umsatz im letzten Jahr beziehungsweise im Gründungsjahr nicht höher als 17.500 Euro war oder voraussichtlich sein wird und im laufenden Jahr 50.000 Euro voraussichtlich nicht überschreiten wird. Die meisten Existenzgründer können diese Befreiung in Anspruch nehmen. Sie müssen dies im steuerlichen Fragebogen bei der Existenzgründung beantragen. Kleinunternehmer können aber auch freiwillig erklären, dass sie zur Umsatzsteuer herangezogen werden wollen, auch wenn sie unter der Umsatzgrenze liegen. Freiwillig Steuern zahlen – ist das denn ratsam? Was die Umsatzsteuer angeht: ja. Selbständige haben in der Regel finanzielle Vorteile, wenn sie umsatzsteuerpflichtig sind.

Umsatzsteuer: Wie geht das? 

Jeder Unternehmer schlägt Mehrwertsteuer auf seine Rechnungen drauf, bei Architekten- und Ingenieurleistungen sind es zurzeit 19 Prozent. Diese Beträge müssen an das Finanzamt abgeführt werden, denn das Geld gehört dem Staat. Aber nicht in voller Höhe: Vorher dürfen Unternehmer davon die Mehrwertsteuer abziehen, die sie für Einkäufe, die den Betrieb betreffen, gezahlt haben. Denn im Preis dieser Waren ist ja auch immer Mehrwertsteuer enthalten. Abgeführt wird also nur die Steuer auf den „Mehrwert“, den das Unternehmen erwirtschaftet hat, weshalb diese Art von Umsatzsteuer auch Mehrwertsteuer heißt. Und damit niemand zu rätseln anfängt: Gemeint ist mit „Umsatzsteuer“ und „Mehrwertsteuer“ immer dasselbe. Ein Beispiel: Mal angenommen, ein Selbständiger hat mit seinem Auftraggeber ein Honorar über 100 Euro vereinbart. Nun schreibt er eine Rechnung. Da er umsatzsteuerpflichtig ist, schlägt er 19 Prozent Mehrwertsteuer zusätzlich auf den Betrag auf. Auf seinem Konto gehen also 119 Euro brutto ein. 19 Euro davon muss er als Umsatzsteuer an das Finanzamt abführen. Über die Umsatzsteuerregelung will der Staat die Unternehmen entlasten, und zwar so: Wenn der besagte Selbständige einen Bleistift kauft, dann legt er – mal angenommen – 1,19 Euro auf den Tisch. Darin enthalten sind auch 19 Prozent Mehrwertsteuer, also 19 Cent. Diesen Betrag holt er sich vom Finanzamt zurück, indem er dem Staat nun nicht mehr die kompletten 19 Euro überweist, die da als eingenommene Umsatzsteuer auf seinem Konto schlummern, sondern nur noch 18,81 Euro. In Wahrheit hat ihn der Bleistift nur den Nettobetrag, also 1,00 Euro, gekostet.

Die Befreiung bietet auch Vorteile 

Der Vorteil einer Befreiung von der Umsatzsteuer liegt darin, dass man keine Umsatzsteuervoranmeldung abgeben muss. Am Anfang der Selbständigkeit verlangt das Finanzamt die monatliche Abgabe auf elektronischem Wege, wobei eine Dauerfristverlängerung zur Abgabe beantragt werden kann. Dann hat der Unternehmer einen Monat mehr Zeit, die Umsatzsteuervoranmeldung beim Finanzamt einzureichen. Eine Befreiung kann einem außerdem einen gewissen Preiswettbewerbsvorteil bringen, und zwar dann, wenn man ausschließlich für Nicht-Unternehmer arbeitet, also für öffentliche oder private Auftraggeber. Diese sind selbst nämlich auch nicht umsatzsteuerpflichtig, bekommen die Mehrwertsteuer also nicht vom Finanzamt zurück. Für sie ist die Mehrwertsteuer eine echte Mehrausgabe. Wer von der Umsatzsteuerpflicht befreit ist, kann diesen Kunden daher 19 Prozent günstigere Preise anbieten als jemand, der Umsatzsteuer abführen muss.

Steuern einkalkulieren 

Das Finanzamt verlangt für die Einkommen- und Umsatzsteuern Vorauszahlungen. Die Einkommensteuer-Vorauszahlungen sind im vierteljährlichen Turnus, die Umsatzsteuer-Vorauszahlungen monatlich zu entrichten. Je nach Einnahmesituation kann die Umsatzsteuer-Vorauszahlung auch quartalsweise erfolgen. Für die Umsatzsteuer müssen Sie dazu eine sogenannte Umsatzsteuervoranmeldung erstellen. Unternehmer sind mittlerweile dazu verpflichtet, diese auf elektronischem Weg an das Finanzamt zu übermitteln. Dafür wird ein sogenanntes „Elster-Zertifikat“ benötigt, im Grunde nichts anderes als eine Datei, die man auf seinem Rechner installieren muss. Das Zertifikat ist online unter www.elster.de erhältlich. Die Höhe der Vorauszahlungen der Einkommensteuer hängt bei Existenzgründern davon ab, welche zu erwartenden Einkünfte sie im steuerlichen Erfassungsbogen angegeben haben. Seien Sie an dieser Stelle besonders wachsam, denn zu hohe, aber auch zu niedrige Angaben können für böse Überraschungen sorgen. Wer als Lediger für das erste Jahr Einnahmen angibt, die über der Einkommensteuer-Freigrenze von mehr als 8.820 Euro liegen, muss Einkommensteuern vorauszahlen. Dazu schickt Ihnen das Finanzamt einen Vorauszahlungsbescheid, dem Sie aber auch dann Folge leisten müssen, wenn Sie die zu erwartenden Einkünfte nicht erzielen, weil Sie zum Beispiel einen bestimmten Auftrag nicht bekommen haben oder das Architekturbüro, das Sie als freien Mitarbeiter engagiert hat, pleitegeht oder – was leider oft vorkommt – Auftraggeber nicht pünktlich zahlen. Die umgekehrte Situation – Sie erzielen Einkünfte, leisten aber keine Vorauszahlungen – kann genauso böse enden, nämlich dann, wenn Sie den Betrag für die Einkommensteuer anderweitig ausgeben. Deshalb: Bei einem saftigen Betrag auf dem Konto immer den Anteil für die Steuern zur Seite legen, entweder aufs Tagegeldkonto oder sich auf dem Geschäftskonto eine Marke setzen, die Sie nicht unterschreiten. So bleiben Sie liquide, auch wenn die Einkommen und Umsatzsteuern wieder mal zuschlagen.

Versicherungen für Selbständige

Wichtige Versicherungen für Selbständige

von Ute Schroeter

Von der Berufsunfähigkeits- über die Kranken- bis zur Rentenversicherung – man kann sich gegen eine Fülle von Risiken absichern. Aber welche davon brauchen selbständige Architekten und Bauingenieure wirklich? Welche sind verpflichtend, welche freiwillig, aber trotzdem sinnvoll?

Versicherungen schützen wie ein Bauhelm vorm Absturz

Foto: pixabay.com

Teilweise Pflicht: Berufshaftpflichtversicherung

Der Abschluss einer Berufshaftpflichtversicherung ist für selbständige Architekten und Ingenieure – sofern sie einer Architekten- oder Ingenieurkammer angehören – gesetzlich vorgeschrieben, abgesehen davon würde es einem beruflichen Selbstmord gleichen, allen Risiken ungeschützt ausgeliefert zu sein. Denn: Menschen, die arbeiten, machen Fehler – Menschen, die nicht arbeiten, machen keine Fehler. Der Spruch gilt in hohem Maße für Planer und andere am Bau Beteiligte. Jeder Architekt, jeder Bauingenieur übernimmt die volle Haftung für seine Planung. Eine falsche Formulierung im Ausschreibungstext oder ein winziger Rechenfehler kann einen Haftungsfall zur Folge haben, der oft bis vor Gericht geht und das Ende einer Karriere bedeuten kann. Ein allein arbeitender Architekt muss eine Berufshaftpflichtversicherung von mindestens 1.500.000 Euro für Personenschäden und für sonstige Schäden von 300.000 Euro unterhalten.

Da das Risiko enorm hoch ist, haben sich viele Versicherungsgesellschaften aus dem Haftpflichtversicherungsgeschäft für den Baubereich zurückgezogen. Übrig geblieben sind Versicherer wie HDI (www.hdi.de/freieberufe), VHV, Allianz oder Markel. Die Prämien sind zum Teil recht hoch. Es gibt einige Möglichkeiten, sie auf ein erträgliches Maß zu senken, zum Beispiel mit einer erhöhten Selbstbeteiligung für den Schadensfall, ähnlich wie bei einer Autoversicherung. Eventuell kommt auch eine objektbezogene, zeitlich begrenzte Versicherung in Frage. Ratsam ist es, sich von einem auf Architekten und Ingenieure spezialisierten Versicherungsmakler beraten zu lassen (zum Beispiel www.pisa-versicherungsmakler.de). Makler haben einen guten Marktüberblick und helfen, unter der Fülle an Möglichkeiten das sicherste, aber auch günstigste Versicherungspaket zusammenzuschnüren.

Pflicht: Kranken- und Pflegeversicherung 

Seit dem 1. April 2007 gibt es in Deutschland eine Krankenversicherungspflicht, das heißt, alle Bürger müssen in einer privaten oder gesetzlichen Krankenversicherung versichert sein. Auch die Pflegeversicherung ist gesetzlich vorgeschrieben. Als Existenzgründer können Sie zwischen privaten Anbietern und der freiwilligen Versicherung in der gesetzlichen Krankenkasse wählen. Für Letztere gelten jedoch bestimmte Bedingungen, beispielsweise dass Sie innerhalb der letzten fünf Jahre mindestens 24 Monate lang gesetzlich versichert waren. Bei Absolventen ist das überwiegend der Fall.

Die Beiträge zur privaten Krankenversicherung klingen zunächst sehr verlockend, immer mehr Existenzgründer entscheiden sich aber trotzdem für die gesetzliche Variante. Mit dem Alter ziehen die Beiträge bei den privaten Kassen stark an, außerdem müssen Familienmitglieder gesondert versichert werden. Bei den gesetzlichen Kassen können der Partner und die Kinder über eine Familienversicherung mitversichert werden. Es steht einem frei, zusätzliche Leistungen, zum Beispiel Chefarztbehandlung in der Klinik, neben der gesetzlichen Versicherung gesondert über einen privaten Anbieter abzuschließen.

Existenzgründer haben drei Monate Zeit, ehe sie sich für eine Versicherungsvariante entscheiden müssen. Wer eine freiwillige, gesetzliche Weiterversicherung plant, muss dies der Krankenkasse spätestens drei Monate nach Beginn der selbständigen Tätigkeit mitteilen. Nach dieser Frist bleibt nur noch die private Krankenversicherung. Der Wechsel zurück zur gesetzlichen Versicherung ist schwierig und funktioniert in der Regel nur über eine längere Angestelltentätigkeit.

Teilweise Pflicht: Rentenversicherung 

Um sich vor Altersarmut zu schützen, ist es wichtig, schon in jungen Jahren vorzusorgen. Grundsätzlich sind Selbständige nicht verpflichtet, sich gesetzlich oder privat rentenzuversichern. Der Gesetzgeber zwingt jedoch immer mehr Berufszweige, vor allem Geringverdiener, in die Rentenversicherung. Bei Architekten ist in vielen Bundesländern die
Eintragung in die Architektenrolle an eine Pflichtmitgliedschaft in den berufsständischen Versorgungswerken gekoppelt. In den meisten Bundesländern, zum Beispiel in Niedersachsen, können junge Architekten bereits freiwilliges Mitglied beim Versorgungswerk der Kammer werden, auch wenn sie noch nicht in der Architektenliste eingetragen sind.

Da die Kammern keine Vertriebsprovisionen wie die privaten Versicherer zahlen und auch bei den Verwaltungskosten niedriger liegen, bieten sie recht günstige Konditionen. Die Versorgungswerke der Kammern sind ein Ersatz für die gesetzliche Rentenversicherung. Damit Sie nur für einen Vertrag zahlen müssen, können Sie sich über einen Antrag an die Deutsche Rentenversicherung von der gesetzlichen Rentenversicherungspflicht befreien lassen.

Freiwillig: Unfallversicherung 

Bei der Frage nach einer Unfallversicherung kommen die Berufsgenossenschaften ins Spiel. Sie sind Träger der gesetzlichen Unfallversicherung. Darüber sind alle Arbeitnehmer gegen Unfälle am Arbeitsplatz versichert. Berufsgenossenschaften gibt es für verschiedene Bereiche, wie Landwirtschaft, Bau oder Verwaltung. Für die Freien Berufe ist die Verwaltungsberufsgenossenschaft (VBG) in Hamburg zuständig. Jeder Arbeitgeber ist verpflichtet, seine Mitarbeiter und Angestellten hier anzumelden und alljährlich Beiträge für sie abzuführen. Das gilt auch für Aushilfskräfte. Selbständigen ohne eigene Mitarbeiter ist es freigestellt, ob sie Mitglied werden wollen. Sie können sich freiwillig versichern und genießen damit den gleichen Versicherungsschutz wie Arbeitnehmer. Da die Beiträge verhältnismäßig gering sind, ist der Beitritt durchaus eine Überlegung wert (Mehr Infos: www.vbg.de).

Freiwillig: Arbeitslosenversicherung für Selbständige 

Eine gute Sache, von der jedoch leider nur Existenzgründer profitieren, die vorher in einem Angestelltenverhältnis standen und Anspruch auf Arbeitslosengeld haben oder einmal hatten. Sie können sich bei der Bundesagentur für Arbeit freiwillig gegen Arbeitslosigkeit versichern. Sie müssen jedoch mindestens zwölf Monate lang einer sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung nachgegangen sein, die nicht länger als 24 Monate zurückliegt. Falls Sie zu einem früheren Zeitpunkt Beiträge in die Arbeitslosenversicherung eingezahlt haben, zum Beispiel während der Lehre, fragen Sie bei der Bundesagentur für Arbeit nach, ob Sie eventuell trotzdem in den Genuss der Arbeitslosenversicherung für Selbständige kommen. Es gibt hierzu einige Sonderregelungen. Der Beitragssatz ist zum Jahr 2011 stark angehoben worden, in Ostdeutschland müssen geringere Beträge als in den alten Bundesländern gezahlt werden. Nach einem Jahr freiwilliger Beitragszahlung erwerben freiwillig versicherte Selbständige einen Anspruch auf sechs Monate Arbeitslosengeld, nach zwei Jahren auf zwölf Monate. Als arbeitslos im Sinne des Gesetzes gilt man, wenn sich die Auftragslage so verschlechtert, dass die selbständige Tätigkeit in einem Umfang von weniger als 15 Stunden wöchentlich ausgeübt werden kann. Die Höhe des Arbeitslosengeldes wird in der Regel fiktiv bemessen. Dabei werden die Antragsteller nach ihrer beruflichen Qualifikation in mehrere Stufen eingeteilt. Akademiker bekommen den Höchstsatz. Dieser beträgt monatlich 1.365 Euro (arbeitslos mit Kind, Steuerklasse III).

Freiwillig: Berufsunfähigkeitsversicherung 

Gerade für junge Arbeitnehmer sowie für Existenzgründer, die noch ihr ganzes Berufsleben vor sich haben, ist der Abschluss einer Berufsunfähigkeitsversicherung durchaus sinnvoll. Sie tritt ein, wenn Sie Ihren Beruf als Architekt oder Bauingenieur nicht mehr ausüben können. Im Gegensatz zur Unfallversicherung besteht auch bei Krankheiten wie Rückenleiden oder bei psychischen Erkrankungen Versicherungsschutz. Meist ist die Berufsunfähigkeitsversicherung an eine Lebens-, Renten- oder Risikolebensversicherung gekoppelt.

Freiwillig: Tagegeld-/Krankentagegeldversicherung 

Überprüfen Sie außerdem, ob eine Krankentagegeldversicherung für Sie sinnvoll ist. Dabei handelt es sich um eine Verdienstausfallversicherung. Sie schützt vor Einkommensverlusten bei krankheits- oder unfallbedingter Arbeitsunfähigkeit. Sowohl die gesetzlichen als auch die privaten Krankenkassen bieten Verträge über Krankengeld beziehungsweise Krankentagegeld an. Wann und in welcher Höhe die Mittel fließen, hängt vom Vertrag ab. Je früher die Zahlung einsetzt, desto höher sind die Beiträge. Der Unterschied zur Berufsunfähigkeitsversicherung besteht darin, dass Leistungen nur für einen bestimmten Zeitraum gezahlt werden, meist anderthalb bis zwei Jahre.

Auf die Frage „Was will ich eigentlich?“ wissen viele, übrigens nicht nur junge Menschen, keine Antwort. Entweder sie haben schlicht und einfach kein Ziel oder trauen sich nicht, eines zu definieren, aus Angst, es nie erreichen zu können. Bevor Sie auf Stellensuche gehen, nehmen Sie sich ein Beispiel an erfolgreichen Menschen. Was Churchill, Gandhi, Mandela und Co. eint: Sie alle hatten eine Vision, ein Ziel, das sie nicht aus den Augen verloren, auch wenn sie stolperten. Und sie gingen Umwege, wenn die Hürden zu hoch wurden. Im Berufsleben werden Ihre Ziele der Motor sein, der Sie morgens aus dem Bett zur Baustelle oder ins Büro treibt.

Michael Twittmann

Versicherungsexperte

Interview

HAFTPFLICHTVERSICHERUNG: NICHT FÜR JEDEN PFLICHT – TROTZDEM EIN MUSS

Michael Twittmann ist Geschäftsführer der pisa Versicherungmakler GmbH, einem auf die Absicherung von Architekten und Ingenieuren spezialisierten Versicherungsmakler. Wir sprachen mit ihm über Berufshaftpflichtversicherungen für Existenzgründer.

Ist jeder freischaffende Architekt bzw. Ingenieur verpflichtet, eine Berufshaftpflichtversicherung abzuschließen?
Michael Twittmann: Nein, grundsätzlich müssen sich nur verkammerte Architekten und Ingenieure aufgrund berufsrechtlicher Zulassungsvoraussetzungen der einzelnen Architekten- und Ingenieurkammern versichern. Die Kammerorganisationen regeln, dass jeder freischaffende Architekt oder Ingenieur bzw. eine Architekten- oder Ingenieur-GmbH ausreichenden Versicherungsschutz nachweisen muss. Auch die in letzter Zeit zunehmenden Partnerschaftsgesellschaften mit beschränkter Berufshaftung (PartGmbB) benötigen eine Berufshaftpflicht. Hierbei werden von den Kammerorganisationen Mindestdeckungssummen für den Personenschadenbereich und auch den Bereich der sonstigen Schäden, also Sach- und Vermögensschäden, vorgegeben. Da diese aber regelmäßig der Höhe nach aufgrund der unbegrenzten Haftung von Planern nicht ausreichend sind, sollten risikobezogen höhere Deckungssummen eingekauft werden. Bei den verkammerten Architekten und Ingenieuren kann also von einer Pflichtdeckung ausgegangen werden.

Anders sieht es bei Planern aus, die sich keiner Kammerorganisation anschließen. Diese Planungsbüros unterliegen keinen versicherungsrechtlichen Vorgaben, sollten aber losgelöst hiervon unbedingt auf die Absicherung ihrer berufsspezifischen Risiken im Rahmen einer Berufshaftpflicht achten. Nur so können die Risiken aus der Berufsausübung vernünftig getragen werden. In der Regel verlangen ja auch die Auftraggeber bereits den Nachweis entsprechender Versicherungsdeckungen.

Müssen sich auch freie Mitarbeiter berufshaftpflichtversichern?
Michael Twittmann: Auch die freien Mitarbeiter sind rechtlich gesehen freischaffende Architekten oder Ingenieure. Sofern sie verkammert sind, besteht ja die bereits besagte Versicherungsvorgabe durch die Architekten- oder Ingenieurkammer. Falls keine Verkammerung vorliegt, ist der Abschluss einer Berufshaftpflichtversicherung wieder freigestellt.

In der Regel sind die freien Mitarbeiter auch in den Berufshaftpflichtversicherungen ihrer Auftraggeber mitversichert, sofern diese die Honorare der freien Mitarbeiter bei ihrer Berufshaftpflichtversicherung mit angeben. Über die Mitversicherung sollte aber Klarheit im Verhältnis Auftraggeber und freier Mitarbeiter erzielt werden und der freie Mitarbeiter sollte sich die Mitversicherung schriftlich bestätigen lassen.

Losgelöst davon, dass die Mitversicherung in der Police des Auftraggebers möglich ist, empfehlen wir die Absicherung über eine eigenständige und ausreichende Berufshaftpflicht. Nach unserem Kenntnisstand ist die Existenz einer eigenständigen Berufshaftpflicht auch ein Indiz dafür, dass keine Scheinselbständigkeit vorliegt, und wird von den zuständigen Stellen – insbesondere dem Zoll – bei entsprechenden Betriebs- und Sozialversicherungsprüfungen abgefragt.

Gibt es spezielle Berufshaftpflichtversicherungen für freie Mitarbeiter, die noch keine Bauvorlageberechtigung haben?
Michael Twittmann: Es gibt bei manchen Versicherern Existenzgründerrabatte, so dass hier die Versicherungsprämie in den ersten ein bis zwei Jahren gespart werden kann. Hiernach sollte der Ansprechpartner beim Versicherer explizit gefragt werden. Qualifizierte Versicherungsmakler berücksichtigen dies ohnehin.

Was kosten diese und was muss man beachten?
Michael Twittmann: Die Prämien sind von verschiedenen Parametern abhängig wie Honorarumsatz, Deckungssummen, Selbstbehaltsvarianten. Einsteigerprämien fangen bei ca. 800 Euro an.

Was muss eine gute Berufshaftpflichtversicherung „können“?
Michael Twittmann: Zuallererst ausreichenden Versicherungsschutz in Bezug auf das zu versichernde Berufsbild zur Verfügung zu stellen. Der Versicherer sollte also wissen, was sein Kunde als Architekt/Ingenieur für Tätigkeiten erbringt und diese weitestgehend absichern. Aufgabe ist es dann, bei einem vorgeworfenen Schaden zu prüfen, ob die Schadenersatzansprüche berechtigt sind. Unberechtigte Ansprüche muss er abwehren, dies geschieht mit eigenen Mitarbeitern aus seiner Schadenabteilung, bei gerichtlichen Auseinandersetzungen unter Hinzuziehung von externen Rechtsanwälten. Ist der Schadenersatzanspruch berechtigt, muss er natürlich den Schaden erstatten. Wichtig ist, dass der Versicherer zunächst nur gesetzliche Haftungsansprüche versichert, darüber hinausgehende sind nicht Gegenstand des Versicherungsvertrages.

Die Versicherungsprämien sind zum Teil sehr hoch. Wie lassen sich Kosten senken?
Michael Twittmann: Sicher durch einen Vergleich der verschiedenen Anbieter, hierbei ist aber unbedingt auch auf die Vertragsinhalte der einzelnen Versicherer zu achten. Es gibt schon einige Unterschiede in den Versicherungsbedingungen, aber auch im Regulierungsverhalten der jeweiligen Versicherungsgesellschaften. Ein qualifizierter Berater wird entsprechende Hilfestellung geben. Ist der Anbieter ausgewählt, kann über die Selbstbeteiligung nochmals die Prämie reduziert werden.

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