Einstiegsgehalt von Architekten und Bauingenieuren

Wie stark die Einstiegsgehälter in der Architektur- und Baubranche schwanken, möchten wir anhand von vier Beispielbewerbern demonstrieren. Die Lebensläufe von Marie Muster, Gerald Probe,
Julius Bauer und Antje Maurer sind unserer Phantasie entsprungen, die jeweiligen Einstiegsgehälter stammen jedoch aus einer Gehaltsdatenbank des Finanzdienstleisters MLP, die sich an deutschlandweit real gezahlten Einstiegsgehältern orientiert. Das Unternehmen bietet unter www.mlp.de kostenlose, individuelle Gehaltsanalysen für Absolventen an.

Marie Muster ist 25 Jahre alt, sie schließt im Sommer 2014 ihr Architekturstudium an der Fachhochschule Aachen mit einem Master in Facility Management ab. Ein Semester verbrachte sie in Frankreich. Nun hat sie sich in zwei kleineren Architekturbüros mit weniger als 25 Mitarbeitern beworben, einmal in Nordrhein-Westfalen, einmal in Brandenburg. Auch eine Tätigkeit als Facility Managerin kann sie sich gut vorstellen. Daher hat sie sich in der Immobilienwirtschaft beworben und zwar in Niedersachsen und in Frankfurt/Main.
Gehaltsanalyse: Am meisten könnte Marie Muster in Frankfurt/Main als Facility Managerin verdienen, in Metropolregionen werden Berufseinsteiger in dieser Branche mit 31.000 bis 36.000 Euro bedacht. In Niedersachsen würde sie für den gleichen Job im Schnitt ca. 28.500 Euro verdienen. Die kleineren Architekturbüros in NRW und Brandenburg zahlen im besten Fall 30.800, im schlechtesten Fall unter 25.000 Euro als Einstiegsgehalt im Jahr.
Einstieg-gehalt-Marie-Muster-Architektin

Der 29-jährige Gerald Probe hat Architektur an der Hochschule in München studiert und mit einem Master in Stadtentwicklung abgeschlossen. Er möchte in jedem Fall in die Planung gehen und hat sich daher bei zwei größeren Architekturbüros in München und Hamburg mit bis zu 100 Mitarbeitern und bei zwei kleineren in Hessen und Sachsen-Anhalt mit bis zu 25 Mitarbeitern beworben.
Gehaltsanalyse: Gerald Probe verdient in München und Hamburg erwartungsgemäß am meisten, Minimum: ca. 32.000 Euro, maximal 36.000 Euro. Die Höhe des Gehalts wird durch die Größe der Büros und die Nähe zur Großstadt bestimmt. Würde er bei kleineren Büros in Hessen oder Sachsen-Anhalt anfangen, läge sein Gehalt gleichauf mit dem von Marie Muster bei durchschnittlich 27.500 Euro. Der Vergleich der beiden Bewerber lässt vermuten, dass Arbeitgeber einen Fachhochschul- und Universitäts-Masterabschluss als gleichwertig betrachten.
Einstiegsgehalt Gerald Probe Architekt Muenchen Hamburg Hessen Sachsen Anhalt

Julius Bauer (25) hat soeben sein Bauingenieurstudium an der Fachhochschule Mainz mit einem Master in Baubetrieb abgeschlossen. Er hat diverse Praktika bei Bauunternehmen absolviert. Trotzdem ist er noch unschlüssig, ob er lieber als Bauleiter oder als Planer in einem Ingenieurbüro arbeiten möchte. Deshalb hat er sich bei zwei mittelständischen Bauunternehmen in Sachsen und Rheinland-Pfalz als Bauleiter beworben und seine Bewerbungsunterlagen zudem bei zwei kleineren Ingenieurbüros in Berlin und Hannover eingereicht.
Gehaltsanalyse: Das Baugewerbe, gerade beim Mittelstand, zahlt deutlich höhere Gehälter als Planungsbüros. Als Bauleiter in Sachsen bekäme Julius Bauer zwischen knapp 30.000 und 37.000 Euro, in Rheinland-Pfalz noch einmal rund 4.000 mehr. Kleinere Planungsbüros in Berlin und Hannover würden durchschnittlich um die 28.000 Euro bezahlen.
Einstiegsgehalt Julius Bauer Bauingenieur Berlin Sachsen Rheinland Pfalz Hannover

Antje Maurer ist 28 Jahre alt und hat an der Leibnizuniversität Hannover Bauingenieurwesen studiert. Die Masterabsolventin hätte Lust, als Bauleiterin zu arbeiten, ist jedoch auch offen für eine Position in der Planung. Sie hat sich bei mittelgroßen Ingenieurbüros in Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern beworben. Zwei großen Bauunternehmen in Düsseldorf und im Raum Sachsen haben ebenfalls ihre Bewerbungsunterlagen erhalten.
Gehaltsanalyse: Bei Antje Maurer sind die regionalen Gehaltsunterschiede deutlich zu erkennen. In Düsseldorf könnte sie als Bauleiterin rund 5.000 Euro mehr verdienen als im Raum Sachsen, als Planerin in Niedersachsen etwa 2.000 Euro mehr als in Mecklenburg-Vorpommern. Zwischen Bauleitung und Planung kann der Gehaltssprung bis zu 10.000 Euro betragen.

Einstieg-gehalt-Antje Maurer-Bauingenieurin

Tarifgehalt für Architekten und Bauingenieure

Berufseinsteiger, die nach Tarif bezahlt werden, können sich glücklich schätzen, denn Tarif-Einstiegsgehälter liegen oft deutlich über den frei verhandelten Gehältern. Nur wenige Arbeitgeber, hierzu zählen der öffentliche Dienst oder große Bauunternehmen, sind jedoch an Tarifverträge gebunden. Der Vertrag regelt neben der Höhe des Gehalts auch den Urlaubsanspruch, Kündigungsfristen und Sonderzahlungen. Besonders im Architekturbereich werden die Gehälter in der Regel frei verhandelt. Trotzdem sollten Sie sich in Sachen Tarifgehälter schlau machen, denn viele nicht-tarifgebundene Arbeitgeber, auch Planungsbüros, orientieren sich an ihnen. In manchen Stellenausschreibungen heißt es „Wir zahlen nach Tarif“ oder sogar „übertariflich“. Auch zeigen Sie Ihrem potenziellen Arbeitgeber, dass Sie recherchiert und Ihre Gehaltsforderungen an real gezahlten Gehältern ausgerichtet haben.

Die deutsche Tariflandschaft ist unübersichtlich und verwirrend, es gibt hierzulande 73.000 Tarifverträge. Man unterscheidet zwischen Flächentarifverträgen, die für die Beschäftigten ganzer Branchen gelten, und Firmen- bzw. Haustarifverträgen für Mitarbeiter in großen Unternehmen. Konzerne wie die Deutsche Bahn haben zum Beispiel einen Haustarifvertrag. Tarifverträge werden zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern geschlossen. Am Verhandlungstisch sitzen in der Regel Gewerkschaften als Vertreter der Arbeitnehmer, für die Arbeitgeber spricht meist ein spezieller Arbeitgeberverband. Jeder will für seine Partei das Beste herausholen, daher ziehen sich Tarifvertragsverhandlungen manchmal über Monate hinweg. Am Ende eines zähen Gerangels steht ein Kompromiss, der beiden Seiten einigermaßen gerecht wird – auch wenn die jeweiligen Verhandlungsführer natürlich das Gegenteil behaupten.

Tarifverträge für Architekten und Bauingenieure

Der „Tarifvertrag für Architektur-, Ingenieur- und Planungsbüros“ wurde zwischen dem Arbeitgeberverband selbständiger Ingenieure und Architekten (ASIA) und der Gewerkschaft Verdi geschlossen. Der jüngste Gehaltstarifvertrag ist seit dem 1. Mai 2018 gültig. Berufseinsteiger in der Gehaltsklasse T4 bekämen danach im ersten Jahr knapp 37.330 Euro. Gehaltsklasse T3 ist eigentlich für Mitarbeiter ohne Hochschulabschluss, damit würden Berufsanfänger gut 31.600 Euro pro Jahr verdienen. Zulagen wie Weihnachts- und Urlaubsgeld kommen noch hinzu. In diesem Tarifvertrag ist beispielsweise eine Sondervergütung von 30 Prozent bei mindestens elfmonatiger Betriebszugehörigkeit vereinbart.

Der zweite wichtige Tarifvertrag ist der „Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst TVöD“, in dem auch die Gehälter der technischen Angestellten festgelegt sind. Es gibt keine regionalen Unterschiede, auch nicht zwischen West und Ost, dafür beeinflusst der Studienabschluss die Höhe des Gehalts. Absolventen mit Masterabschluss werden in der Regel in Entgeltgruppe 13 eingeordnet und verdienen nach dem geltenden Tarifvertrag von 2018 knapp 45.400 Euro im ersten Jahr, Bachelorabsolventen müssen sich mit Entgeltgruppe 10 begnügen und erhalten knapp 38.200 Euro.

Gehälter für Bauleiter sind unter anderem im „Tarifvertrag für Angestellte und Poliere des Baugewerbes TV Gehalt/West“ festgelegt. Er gilt nur für die alten Bundesländer (außer für Bayern und Berlin) und wurde zwischen dem Zentralverband des Deutschen Baugewerbes und dem Hauptverband der Deutschen Bauindustrie sowie der Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt geschlossen. Berufsanfänger in Tarifgruppe A5 mit Bachelorabschluss erhalten knapp 43.000 Euro, in Tarifgruppe A6 mit Masterabschluss verdient man rund 47.500 Euro.

Gehaltvolle Bewerbung

Erfolgreich in die Gehaltsverhandlung

Verdienen, was man verdient – dieses Ziel zu erreichen, ist alles andere als einfach. Denn das individuelle Gehalt hängt von vielen Faktoren ab. Im Internet finden sich lediglich Durchschnittswerte, die Bewerbern wegen der zu großen Spannweite wenig nutzen. Den Grund dafür verrät Ihnen dieser Beitrag.

Einflussfaktoren auf das Gehalt von Architekten und Bauingenieuren

Faktoren: eigene Berechnungen, Datengrundlage Firmengröße/Berufserfahrung: Personalmarkt.de, Arbeitgeber: Hommerich Forschung, Abschluss/Region: Berufsstart.de

Bevor es um Zahlen geht, eine wichtige Info vorweg: Wenn Sie mit Ihrem Arbeitgeber über das Gehalt reden, geht es immer um das Jahresgehalt. Warum? Wenn Sie ein Auto kaufen, möchten Sie den Preis erfahren. So geht es einem Arbeitgeber auch. Das Jahresgehalt spiegelt den „Preis“ Ihrer Arbeitskraft am besten wider. Es enthält sämtliche Bestandteile, aus denen sich Ihr jährliches Arbeitseinkommen zusammensetzt. Dazu zählen ein fester Anteil aus Steuern, Versicherungen und Nettogehalt sowie ein möglicher variabler Anteil aus Sonderzahlungen wie ein 13. Monatsgehalt, Arbeitnehmersparzulagen, Urlaubsgeld, Dienstwagen, Firmenbeteiligungen und andere geldwerte Vorteile. Im sogenannten Monatsgehalt ist kein variabler Anteil enthalten, daher eignet es sich nicht für die Gehaltsverhandlung. Bitte auch niemals ein Nettogehalt angeben. Da es von Ihren persönlichen Lebensumständen abhängt, hat es für die Gehaltsverhandlung keine Aussagekraft. Bei den im Folgenden genannten Gehältern handelt es sich um Jahresgehälter, in denen der variable Anteil bereits enthalten ist. Eine Ausnahme bilden die Angaben zu den Tarifgehältern. Diese sind aus den Monatsgehältern ohne Zulagen errechnet. Wer sich an Tarifgehältern orientieren möchte, kann also noch eine Schippe für Zulagen drauflegen.

Welche Faktoren das Gehalt beeinflussen

Laut Gehaltsanalysedatenbank des Gehaltsspezialisten Personalmarkt.de erhalten Architekten in den ersten Berufsjahren ein Jahresgehalt von durchschnittlich knapp 31.000 Euro, Bauingenieure bekommen fast 39.000 Euro. Die Gehälter für Berufseinsteiger im Planungs- und Bauwesen schwanken zwischen 24.000 und über 34.000 Euro im Jahr. Bewerber, die sich auf dieser Bandbreite nicht richtig einzuordnen wissen, verkaufen sich entweder unter Wert oder werden als realitätsfern abgestempelt. Wer das richtige Maß finden will, muss die Einflussfaktoren auf die Höhe des Gehalts kennen. Die wichtigsten sind: Berufserfahrung, die Größe der Firma, der Arbeitgeber – also Baugewerbe oder Planungsbüro – und die Region.

Faktor Firmengröße 

Mit zunehmender Firmengröße steigt das Gehalt für Architekten und Bauingenieure, wie eine Auswertung von Personalmarkt.de zeigt. Mittelgroße Firmen mit bis zu 1.000 Mitarbeitern zahlen für Bauingenieure fast 15 Prozent, Großunternehmen sogar ein Drittel mehr als kleine Firmen mit weniger als 100 Mitarbeitern. Bei Architekten ist der Unterschied noch gravierender – sie können in mittelgroßen Firmen fast ein Drittel, in Großkonzernen sogar gut die Hälfte mehr verdienen als in Kleinunternehmen.

Faktor Berufserfahrung 

Ähnlich verhält es sich mit der Berufserfahrung. Nach drei Jahren erhöht sich das Durchschnittsgehalt bei beiden Berufsgruppen um ca. 15 Prozent. Nach zehn Jahren verdienen Bauingenieure etwa ein Drittel mehr als am Anfang, bei Architekten schlägt die Berufserfahrung mit 40 Prozent Gehaltssteigerung zu Buche. Je mehr Berufserfahrung Sie vorweisen können, umso wertvoller ist Ihre Arbeitskraft. Der Job als Werkstudent im Ingenieurbüro ist also echt Gold wert.

Faktor Arbeitgeber 

Das Forschungsinstitut Hommerich hat 2012 Mitglieder aller deutschen Architektenkammern nach ihrer Vergütung befragt. Am Beispiel Bayern zeigt sich, wie unterschiedlich die verschiedenen Arbeitgeber ihre Angestellten vergüten. Am wenigsten kann man demnach in Architektur- und Planungsbüros verdienen, der öffentliche Dienst bietet ein Viertel mehr, Spitzengehälter zahlt die gewerbliche Wirtschaft. Bauleiter in einem Bauunternehmen können 50 Prozent mehr verdienen als die Kollegen im Planungsbüro.

Faktor Region 

Laut Hommerich gelten die Abstufungen bezüglich des Arbeitgebers für alle Bundesländer, wobei es starke regionale Gehaltsunterschiede gibt. Nach seinen Berechnungen verdienen Architekten in einem Planungsbüro in Hamburg, Rheinland-Pfalz oder Hessen ein Drittel mehr als in Sachsen-Anhalt, im Saarland oder in Brandenburg. Auf Grundlage von Ingenieureinstiegsgehältern nennt die Internetseite berufsstart.de ein Gehaltsgefälle zwischen Mecklenburg-Vorpommern und Bayern von fast 50 Prozent, auch in Niedersachsen und Baden-Württemberg wird 40 Prozent mehr verdient als in den neuen Bundesländern.

Faktor Studienabschluss 

Nach einer Auswertung von berufsstart.de erhalten Absolventen mit einem Masterabschluss knapp 15 Prozent mehr Gehalt als mit Bachelorabschluss, der öffentliche Dienst legt für einen Master sogar 20 Prozent drauf. Zwischen Master und Diplom unterscheiden Arbeitgeber offenbar kaum noch, der Gehaltsunterschied beträgt gerade einmal zwei Prozent; genauso wenig scheint sich ein Universitätsmaster gegenüber einem Fachhochschulmaster gehaltssteigernd auszuwirken. Hinsichtlich guter Zensuren sprechen manche Studien von 15 Prozent mehr Gehalt bei einem Superzeugnis. Da viele Arbeitgeber gar nicht auf Noten, sondern rein auf Berufserfahrung schauen, sollte man den Faktor allerdings nicht überbewerten. Sie können ihn aber im Verhandlungsgespräch als Trumpf benutzen; Gleiches gilt für eine kurze Studiendauer.

Tarifgehälter:

Eine gute Orientierungshilfe

Berufseinsteiger, die nach Tarif bezahlt werden, können sich glücklich schätzen, denn Tarif-Einstiegsgehälter liegen oft deutlich über den frei verhandelten Gehältern. Nur wenige Arbeitgeber, hierzu zählen der öffentliche Dienst oder große Bauunternehmen, sind jedoch an Tarifverträge gebunden. Der Vertrag regelt neben der Höhe des Gehalts auch den Urlaubsanspruch, Kündigungsfristen und Sonderzahlungen. Besonders im Architekturbereich werden die Gehälter in der Regel frei verhandelt. Trotzdem sollten Sie sich in Sachen Tarifgehälter schlau machen, denn viele nicht-tarifgebundene Arbeitgeber, auch Planungsbüros, orientieren sich an ihnen. In manchen Stellenausschreibungen heißt es „Wir zahlen nach Tarif“ oder sogar „übertariflich“. Auch zeigen Sie Ihrem potenziellen Arbeitgeber, dass Sie recherchiert und Ihre Gehaltsforderungen an real gezahlten Gehältern ausgerichtet haben.

Die deutsche Tariflandschaft ist unübersichtlich und verwirrend, es gibt hierzulande 73.000 Tarifverträge. Man unterscheidet zwischen Flächentarifverträgen, die für die Beschäftigten ganzer Branchen gelten, und Firmen- bzw. Haustarifverträgen für Mitarbeiter in großen Unternehmen. Konzerne wie die Deutsche Bahn haben zum Beispiel einen Haustarifvertrag. Tarifverträge werden zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern geschlossen. Am Verhandlungstisch sitzen in der Regel Gewerkschaften als Vertreter der Arbeitnehmer, für die Arbeitgeber spricht meist ein spezieller Arbeitgeberverband. Jeder will für seine Partei das Beste herausholen, daher ziehen sich Tarifvertragsverhandlungen manchmal über Monate hinweg. Am Ende eines zähen Gerangels steht ein Kompromiss, der beiden Seiten einigermaßen gerecht wird – auch wenn die jeweiligen Verhandlungsführer natürlich das Gegenteil behaupten.

Tarifverträge für Architekten und Bauingenieure 

Der „Tarifvertrag für Architektur-, Ingenieur- und Planungsbüros“ wurde zwischen dem Arbeitgeberverband selbständiger Ingenieure und Architekten (ASIA) und der Gewerkschaft Verdi geschlossen. Der jüngste Gehaltstarifvertrag ist seit dem 1. Mai 2018 gültig. Berufseinsteiger in der Gehaltsklasse T4 bekämen danach im ersten Jahr knapp 37.330 Euro. Gehaltsklasse T3 ist eigentlich für Mitarbeiter ohne Hochschulabschluss, damit würden Berufsanfänger gut 31.600 Euro pro Jahr verdienen. Zulagen wie Weihnachts- und Urlaubsgeld kommen noch hinzu. In diesem Tarifvertrag ist beispielsweise eine Sondervergütung von 30 Prozent bei mindestens elfmonatiger Betriebszugehörigkeit vereinbart.

Der zweite wichtige Tarifvertrag ist der „Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst TVöD“, in dem auch die Gehälter der technischen Angestellten festgelegt sind. Es gibt keine regionalen Unterschiede, auch nicht zwischen West und Ost, dafür beeinflusst der Studienabschluss die Höhe des Gehalts. Absolventen mit Masterabschluss werden in der Regel in Entgeltgruppe 13 eingeordnet und verdienen nach dem geltenden Tarifvertrag von 2018 knapp 45.400 Euro im ersten Jahr, Bachelorabsolventen müssen sich mit Entgeltgruppe 10 begnügen und erhalten knapp 38.200 Euro.

Gehälter für Bauleiter sind unter anderem im „Tarifvertrag für Angestellte und Poliere des Baugewerbes TV Gehalt/West“ festgelegt. Er gilt nur für die alten Bundesländer (außer für Bayern und Berlin) und wurde zwischen dem Zentralverband des Deutschen Baugewerbes und dem Hauptverband der Deutschen Bauindustrie sowie der Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt geschlossen. Berufsanfänger in Tarifgruppe A5 mit Bachelorabschluss erhalten knapp 43.000 Euro, in Tarifgruppe A6 mit Masterabschluss verdient man rund 47.500 Euro.

Gleiches Gehalt für Männer und Frauen?

Foto: geralt/pixabay

Was Sie sonst noch wissen sollten …

WENIGER GELD FÜR FRAUEN?

Nicht gerecht, aber eine Tatsache: Frauen bekommen weniger Gehalt als Männer. Laut einer Studie der Hans-Böckler-Stiftung liegt das Einkommen von Ingenieurinnen um 17 Prozent niedriger als bei männlichen Kollegen. Das Gehaltsgefälle lasse sich nicht durch die Vereinbarkeitsproblematik oder durch Unterschiede in Verantwortung oder Aufgabenstellung erklären, betonen die Forscher. Verglichen wurden nur Vollzeittätigkeiten mit gleichwertiger Qualifikation und Berufserfahrung. Gibt es ihn also – den Frauenabschlagsfaktor? Ein hoher Vertreter vom Hauptverband der deutschen Bauindustrie ließ noch vor wenigen Jahren in einem Interview mit TALIS wissen, dass man „notfalls“ auch Frauen einstellen würde, wenn keine Männer verfügbar seien. Der Tonfall klang nach Restaurantbesuch, bei dem man eben das labberige Schnitzel bestellt, wenn das Hüftsteak gerade aus ist. Sicherlich gibt es sie noch – die konservativen Knochen, die einem Bauleiter mehr als einer Bauleiterin zutrauen und sie deshalb unterschiedlich entlohnen. Sie sind jedoch stark vom Aussterben bedroht. Die Annahme, Arbeitgeber in der Bauwirtschaft würden ihren Mitarbeiterinnen weniger Gehalt zahlen, nur weil sie Frauen sind, lässt sich ohnehin nicht beweisen und führt zudem kaum zu mehr Einkommensgerechtigkeit.

Frauen sagt man nach, sie seien bescheidener und weniger fordernd als Männer. Darin liegt vermutlich der Schlüssel für die ungleichen Gehälter. Gehaltsverhandlungen sind eine Art Pokerspiel, man kann gewinnen und verlieren. Verlieren nehmen Männer sportlich, Frauen persönlich. Daher unser Rat an alle Architektinnen und Bauingenieurinnen: Pokern Sie mit, und zwar immer vom obersten Limit herab. Recherchieren Sie, welche Gehälter wer wo zahlt. Nehmen Sie immer das Maximum als Verhandlungsbasis oder versuchen Sie es mit Tarifgehältern, die oft höher liegen als der Durchschnitt. Natürlich wird man versuchen, Ihr Gehalt herunterzuhandeln. Das ist Teil des Spiels. Habgier aber – vor diesem Vorwurf fürchten sich viele Frauen – kann man Ihnen mit diesen Zahlen nicht unterstellen, denn Sie stützen Ihre Gehaltsforderungen auf tatsächlich gezahlte Gehälter.

Nicht nur aufs Geld schauen

Natürlich möchte jeder für gute Leistungen auch entsprechendes Geld verdienen. Als Berufsanfänger aber sollten Sie sich weniger an Ihrem Kontostand, vielmehr am persönlichen und beruflichen Fortkommen orientieren. Fragen Sie daher: Was lerne ich hier? Welche Angebote bekomme ich, die mein Gehalt zwar rein zahlenmäßig nicht in die Höhe treiben, aber dennoch wertvoller sind als Geld? Erhalte ich die Möglichkeit, mich weiterzubilden? Bringt mir mein Vorgesetzter Respekt entgegen? Werde ich solide eingearbeitet? Wichtig auch: Wie sicher ist mein Arbeitsplatz? Ein hohes Gehalt nützt Ihnen wenig, wenn Sie nach einem halben Jahr wieder gehen müssen. Welchen Stellenwert genießt Ihr Privatleben? Kann Ihr Arbeitgeber akzeptieren, dass es Feierabend und Urlaub ohne Arbeit gibt und dass Familie und Beruf einander nicht ausschließen? Welchen Wert Sie diesen einzelnen Faktoren beimessen, müssen allein Sie entscheiden. Es lohnt sich jedoch, sie einzukalkulieren. Sie können sich sicher sein, dass ein vernünftiger Arbeitgeber Sie bei guten Leistungen nicht ziehen lassen wird. Vor diesem Hintergrund ist es oft nur eine Frage der Zeit, bis sich der Lohn für gute Arbeit auch auf den Kontostand auswirkt.

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