Ingenieurbüro: schlaich bergermann und partner

Sind Sie der richtige Kandidat für ein Ingenieurbüro? Michael Werwigk schlaich bergermann und partner (SBP) verrät, welche Kriterien Bewerber erfüllen müssen.

Das Zeltdach des Münchner Olympiastadions gilt als die Keimzelle von schlaich bergermann und partner (SBP). Zwar wurde das Stuttgarter Ingenieurbüro erst 1980, einige Jahre nach Fertigstellung des Münchner Olympia-
stadions, gegründet, doch es war das erste große Projekt, das Jörg Schlaich und Rudolf Bergermann als Angestellte des Büros Leonhardt, Andrä und Partner gemeinsam betreuten. Heute ist SBP untrennbar mit dem Stadionbau verbunden. Zu den weltweit fast 30 geplanten und realisierten Arenen gehören das Stuttgarter Stadion, das als eines der ersten mit einem Ringseildach überspannt wurde, oder die vier größten Stadien der WM 2010 in Südafrika – Durban, Kapstadt, Johannesburg und Port Elisabeth. Die Ingenieure arbeiten meist mit renommierten Architekturbüros zusammen, beim Stadionbau etwa mit gmp. Derzeitiges Gemeinschaftsprojekt beider Büros ist die Errichtung der Spielstätten für die EM 2012 in Polen und der Ukraine. Auch bei den Stadien für die WM 2014 in Brasilien ist SBP wieder tragwerksplanerisch mit von der Partie.

Schlaich Bergermann und Partner – SBP
schlaich bergermann und partner (SBP) sind unabhängige beratende Ingenieure im Bauwesen. Das 1980 von Jörg Schlaich und Rudolf Ber­ger­mann in Stutt­gart gegründete Büro ent­wirft und kon­struiert Dach­tragwerke, Brücken und Türme, die meist Leich­tigkeit ausstrahlen. Auch die ar­chi­tek­to­nische Leistung des In­genieurteams ist anerkannt. Be­kann­te Pro­jekte sind die Hoogly-Brücke in Indien, das Cape-­Town-­Stadion in Süd­afrika und der Kil­les­berg­turm in Stutt­gart. Darüber hinaus entwickelt und projektiert SBP so­lar­thermische An­lagen zur Strom­pro­duktion. In Stuttgart und den Au­ßen­bü­ros in Berlin und New York werden 110 Mitarbeiter beschäftigt.www.sbp.de

Doch auch in anderen Fachbereichen spielt das Büro in der ersten Liga. Das Portfolio umfasst Messehallen, Aussichtstürme, Verwaltungs- und Produktionsgebäude, Bibliotheken oder Verkehrsbauwerke auf vier Kontinenten. SBP führte die Tragwerksplanung des Berliner Hauptbahnhofs durch oder zeichnet beim Flughafenneubau Berlin Brandenburg International für Entwurf, Ausführungsplanung und ingenieurtechnische Kontrolle des Terminals verantwortlich. Ein weiterer Eckpfeiler ist der Brückenbau. Als Schlüsselprojekt gilt die 1992 fertiggestellte Hoogly-Bridge in Kalkutta, seinerzeit die größte Schrägseilbrücke der Welt. Weitere Brückenprojekte sind die Ting-Kau-Brücke in Hongkong oder die derzeit entstehende Brücke zur berühmten Klosterinsel Mont Saint Michel in der Normandie. Für seine Konstruktionen wurde das Büro vielfach ausgezeichnet – zuletzt mit dem Deutschen Stahlbau-Preis für das Cape-Town-Stadion und dem Deutschen Brückenbau-Preis für die Fußgängerbrücke in Sassnitz.
Das Unternehmen gliedert sich in die Bereiche Bauen und Sonne (solare Energieerzeugung) und beschäftigt heute mehr als 110 Mitarbeiter an den Standorten Stuttgart, Berlin, New York und Sao Paulo. Geleitet wird es seit 2002 von Knut Göppert, Andreas Keil, Sven Plieninger und Jörg Schlaichs Sohn Mike. Darüber hinaus besteht eine vierköpfige erweiterte Geschäftsführung. Ihr gehört Michael Werwigk an, der zusätzlich zu seiner Ingenieurtätigkeit das Personalwesen im Stuttgarter Büro verantwortet.

Kongresse sind Kontaktbörsen

„Weil unsere Anforderungsprofile sehr unterschiedlich sind, gibt es keinen generellen Weg, wie wir uns an Bewerber richten“, sagt Werwigk. Je nachdem, ob die Stelle eines Stahlbaukonstrukteurs, eines Bauingenieurs oder eines Forschungs- und Entwicklungsingenieurs zu besetzen ist, werden neben der Veröffentlichung auf der Firmen-Website Anzeigen in Tageszeitungen, der Fachpresse oder Jobbörsen wie Stepstone geschaltet.

Moses Mabhida Stdion, Durban. Foto: Knut Göppert - SBP

Moses Mabhida Stdion, Durban.
Foto: Knut Göppert – SBP

Zunehmend wird das Unternehmen bei der Mitarbeitersuche jedoch auch selbst aktiv: „Als bekanntes Büro spüren wir zwar noch keinen Rückgang bei den Bewerbungen, aber um die guten Leute muss man sich kümmern. Man darf nicht darauf hoffen, dass sie von selbst kommen.“ Natürlich spreche Geschäftsführer Mike Schlaich im Rahmen seiner Professur an der TU Berlin Studenten oder Doktoranden an, deren Arbeit ihm gefällt, und auch ehemalige Mitarbeiter, die eine universitäre Laufbahn eingeschlagen haben, würden gute Nachwuchskräfte empfehlen. Als Kontaktbörsen hätten sich zudem die vielen internationalen Kongresse herausgestellt, an denen SBP-Mitarbeiter teilnehmen oder selbst Vorträge halten. Ein guter Weg, sich dem Unternehmen zu präsentieren, sei schließlich auch ein Praktikum im Rahmen des Studiums. „Hier kann ich die Entwicklung genau verfolgen“, erläutert Werwigk. Überzeugende Praktikanten bittet er, sich mit Abschluss des Studiums wieder bei ihm zu melden.
Der Großteil der Bewerbungen geht inzwischen per E-Mail ein, die Bewerbungsmappe ist auf dem Rückzug. Werwigk hat diesbezüglich keine Präferenzen, denkt aber, dass eine Mappe dem Bewerber mehr Möglichkeiten bietet, auf sich aufmerksam zu machen und sich von anderen Bewerbern abzuheben. „Sicherlich erinnert man sich auch eher an den tollen Einband einer Mappe als an die E-Mail vom 12. März.“ Eine schöne Verpackung schade nicht, wirklich wichtig sei allerdings der Inhalt der Bewerbung und die beginnt nach Ansicht des Personalverantwortlichen mit dem Anschreiben. „Wenn ich das Gefühl habe, dass es gleichlautend an 20 andere Personalchefs gegangen ist und nur Firmennamen und Ansprechpartner ausgewechselt wurden, wird es zur Seite gelegt“, beschreibt Werwigk. Er möchte im ersten Absatz eine persönliche Begründung dafür finden, warum sich der Kandidat gerade bei SBP bewirbt und warum er sich als Verstärkung für das Unternehmen einschätzt. Es muss frühzeitig eine hohe Identifikation mit den Projekten und Zielen von SBP erkennbar sein.

Ehrlichkeit siegt
Michael Werwigk Mitglied der erweiterten Geschäftsführung bei schlaich bergermann und partner Foto: Michael Zimmermann - SBP

Michael Werwigk
Mitglied der erweiterten Geschäftsführung bei schlaich bergermann und partner
Foto: Michael Zimmermann – SBP

Darüber hinaus müsse die Bewerbung vollständig sein, Zeugnisse und Entwürfe beinhalten. Im Lebenslauf zu tricksen oder Lücken zu kaschieren, lohne sich nicht. Zum einen falle das auf, zum anderen gebe es meist Gründe für die Lücken und manchmal sei ein vermeintlicher Makel sogar eine Qualifikation. „Wenn jemand ein Jahr auf Reisen in Australien verbracht hat, dann weiß ich, dass er sich im Ausland bewegen kann und fließend Englisch spricht“, sagt Werwigk und benennt ein weiteres Beispiel: „Wer keine Unterstützung erhält und während des Studiums arbeiten muss, der braucht natürlich länger bis zum Abschluss, beweist aber gleichzeitig, dass er belastbar ist.“ Richtig bei SBP sei, wer neben einer guten Ausbildung Spaß an der Entwicklung von Tragwerken,
ihrem Erscheinungsbild und ihren Details habe. Wenn ein Bewerber durch seine Unterlagen den Eindruck vermittelt, über den Tellerrand hinauszublicken, während des Studiums vielleicht schon an Entwurfs-Wettbewerben teilgenommen hat, längere Auslandsaufenthalte aufweisen kann oder auch neben Englisch eine zweite Fremdsprache spricht, kommt er schnell in die engere Wahl. Weitere Pluspunkte seien eine zusätzlich zum Studium abgeschlossene (Handwerks-)Ausbildung oder auch ein ehrenamtliches Engagement. Letzteres sei ein Indiz für soziale Kompetenz des Bewerbers.

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Ting-Kau-Brücke, Hongkong.
Foto: Alan Cook

Im Vorstellungsgespräch werden fachliche Aspekte abgefragt, der Kandidat sollte aber auch auf Fragen zum Unternehmen vorbereitet sein, etwa welche SBP-Bauwerke er kennt oder bei welchem Projekt er gern mitgearbeitet hätte. Oft präsentiert der Bewerber einen eigenen Brücken-Entwurf, Pläne oder eine Abschlussarbeit, wozu Werwigk Fragen stellt: „Dabei erkenne ich, ob jemand in der Lage ist, Dinge schnell und präzise zu erklären oder eher dazu neigt, sich zu verzetteln.“ Einige Antworten ließen zudem Rückschlüsse da-
rauf zu, ob der Bewerber ein Teamspieler ist oder wie er sich gegenüber Kollegen und Auftraggebern verhält. Gerade wenn ein Mitarbeiter gesucht wird, der viele Außenkontakte hat, sei es wichtig, dass er ein wacher, aufmerksamer Typ sei, der Sympathie, Interesse und Sachverstand ausstrahlt. Werwigk erinnert sich an einen Kandidaten, der in seiner Bewerbung sehr offensiv für sich geworben hatte, im Vorstellungsgespräch aber zusammengesackt in der Ecke saß und den Mund kaum aufbekam. Dieser Bewerber habe nicht den Eindruck erweckt, sein Anschreiben selbst verfasst zu haben. Generell gelte: „Wer nicht vernünftig ‚Guten Tag‘ sagen kann, der ist hier falsch, da hilft auch die beste Qualifikation nicht.“ Den ersten Teil des Bewerbungsgesprächs führt Werwigk in der Regel allein, beim zweiten Teil oder einem zweiten Gespräch kommt Geschäftsführer Andreas Keil hinzu. Die Entscheidung, ob es zu einer Einstellung kommt, treffen beide gemeinsam.

Verantwortung übernehmen

Die Probezeit dauert sechs Monate. Nach drei Monaten findet ein Zwischengespräch statt, in dem besprochen wird, wie die bisherige Einarbeitung verlaufen ist, welche positiven wie auch negativen Erfahrungen gemacht wurden und ob es Dinge gibt, die verbesserungswürdig sind.
Zur Politik des Büros gehört, dass neuen Mitarbeitern relativ schnell Verantwortung übertragen wird. „Zunächst stehen zwei, drei Projekte unter der Obhut eines Projektleiters an. Wenn sie gut gelaufen sind, erreicht der Mitarbeiter die nächste Stufe und macht sein erstes eigenverantwortliches Projekt“, beschreibt Werwigk. Dieses frühe Loslassen wirkt sich seiner Einschätzung nach sehr positiv auf die Motivation der Angestellten aus. Wer die Herausforderung annimmt, dem stünden bei SBP viele Türen offen, sagt Werwigk und berichtet von einer jungen Konstrukteurin, die seit vier Jahren im Unternehmen tätig ist. In dieser Zeit hat sie bereits Projekte in Südafrika und China begleitet und ist momentan an das New Yorker Büro ausgeliehen. „Mit gerade 30 in all diesen Ländern gearbeitet zu haben, das kann sich durchaus sehen lassen“, verdeutlicht er. Etwa gleichaltrig sei ein junger Ingenieur, der selbständig die Montage der Dächer beim Stadionneubau betreut und auch weltweit im Einsatz ist.
Werwigk selbst hat nach einer Zimmererausbildung in Stuttgart und Calgary (Kanada) Bauingenieurwesen studiert, arbeitete anschließend ein halbes Jahr in Island und ging dann zu SBP, wo er seit nunmehr 19 Jahren tätig ist. Dort stieg er zum Projektleiter und Großprojektleiter auf und verantwortete nach einigen Jahren zusätzlich die Einstellung und Betreuung der Praktikanten. Mit Aufnahme in die erweiterte Geschäftsführung wurde ihm schließlich die Verantwortung für den kompletten Personalbereich am Standort Stuttgart übertragen. Somit ist auch Werwigks Vita ein gutes Beispiel dafür, welche Karrierechancen SBP seinen Mitarbeitern bietet. ■

Ingenieurbüro: Knippers Helbig

TALIS besuchte das Ingenieurbüro Knippers Helbig Advanced Engineering und sprach mit den Geschäftsführern über die erfolgreiche Bewerbung bei einem Ingenieurbüro. 2001 wurde Knippers Helbig Advanced Engineering, ein Ingenieurbüro für Tragwerksplanung, in Stuttgart gegründet. Die Firma bestand zunächst ausschließlich aus den beiden Namensgebern Prof. Dr. Jan Knippers und Thorsten Helbig. Anfang 2002 stellten sie ihren ersten Mitarbeiter ein, Boris Peter, der als Bauingenieur in den USA gearbeitet hatte und gerade nach Deutschland zurückgekehrt war. Gleich diese erste Personalie verdeutlicht, welche Entwicklungsmöglichkeiten das Büro seinen Mitarbeitern bieten kann: Peter wurde 2010 dritter Geschäftsführer in dem heute 35 Mitarbeiter starken Büro.

Thorsten Helbig (l.) und Boris Peter (r.), zwei von drei Geschäftsführern von Knippers Helbig Advanced Engineering.Foto: David Spoo


Thorsten Helbig (l.) und Boris Peter (r.), zwei von drei Geschäftsführern von Knippers Helbig Advanced Engineering.
Foto: David Spoo

Von Beginn an bestand großes Interesse, international zu arbeiten. „Wir haben nie darauf geschaut, in welchem Markt sich Projekte abspielen, sondern ob sie interessant für uns sind. Grenzen haben dabei keine Behinderung dargestellt“, berichtet Thorsten Helbig. Im Gegenteil: Aufgrund von VOF-Verfahren und diverser Regularien sei es – etwas überspitzt formuliert – für das junge Büro einfacher gewesen, „in China einen Flughafen zu bauen, als in Deutschland eine Turnhalle“. Bereits 2003 betreute Knippers Helbig die Universität Toronto bis zur Phase des vertieften Entwurfs, 2005 folgte die Teilnahme an der Planung des Flughafens Dubai.

Zum zehnjährigen Jubiläum konnten die Geschäftsführer auf eine Vielzahl erfolgreich umgesetzter Projekte rund um den Globus zurückblicken. Darunter finden sich nationale Projekte, wie die Geh- und Radwegbrücke Schwerin, bei der mit dem Einsatz des glasfaserverstärkten Kunststoffs GFK Pionierarbeit geleistet wurde, oder das Jugend- und Familienzentrum Bad-Cannstatt. Die Integration des Haustechnikkonzepts stellte aufgrund der thermischen Aktivierung der Stahlbetondecken eine große Herausforderung dar. Für die Expo 2010 in Shanghai entwarf das Büro eines der weltweit größten Membrandächer, für das Lincoln Center for the Performing Arts in New York wurden zwei auskragende Vordächer in Glas-Stahl-Bauweise auf Y-Stützen entwickelt. Viele Projekte entstanden in Zusammenarbeit mit weltweit renommierten Architekturbüros wie Renzo Piano, Massimiliano Fuksas, Nicholas Grimshaw oder Stefan Behnisch.

Auslandspräsenz als Kontaktbörse

„Wir sehen uns als kreatives Büro, das sich dort am besten entfalten kann, wo es eine lebendige Architektur- und Kulturszene gibt“, sagt Boris Peter. 2009 wurde ein zweites Büro in New York eröffnet. Dabei ging es eher um das Knüpfen neuer Kontakte als um den amerikanischen Markt. Ein ganz neues Projekt, das gemeinsam mit Disney in China bearbeitet wird, wäre ohne die Präsenz in den USA womöglich nicht zustande gekommen.

Das aktuell wichtigste Projekt ist die Erweiterung des Shenzhen Bao’an International Airport, dem viertgrößten Flughafen Chinas. Die Bauaufgabe umfasste die Tragwerks- und Fassadenentwicklung für ca. 300 000 m2 doppelschalige Dachkonstruktion mit bis zu 80 m Spannweite. Freie Formen und variierende Öffnungsgrade für 60 000 Fassadenelemente erforderten eine parametrische Entwicklung der Geometrien. Bis zu acht Mitarbeiter waren wegen der großen Herausforderungen teils mehrere Monate im Projektbüro in Shenzhen im Einsatz. „Nicht zuletzt aufgrund dieses Projekts haben wir den Bereich Fassadentechnologie und Fassadenengineering weiter vertieft“, erläutert Helbig und schließt an: „Diese weitere Spezialisierung trägt Früchte, daraus sind inzwischen Projekte in Indien, Wien und Belgrad entstanden.“

Knippers Helbig Advanced
Engineering

Knippers Helbig Advanced Engineering ist ein international tätiges In­gen­ieur­bü­ro mit Sitz in Stuttgart und New York. Das 2001 von Prof. Dr. Jan Knippers und Dipl.-Ing. Thorsten Helbig ge­grün­dete Un­ter­nehmen bietet ein um­fas­sendes Lei­stungs­spek­trum für die Trag­werks- und Fas­sa­den­pla­nung archi­tektonisch an­spruchs­voller Bau­ten in den Be­rei­chen Hoch­bau, Brücken­bau und Son­der­kon­struk­tionen.
35 Mitarbeiter sind für das Un­ter­neh­men tätig, das mit weltweit renommierten Architekten wie Renzo Piano, Massimiliano Fuksas, Nicholas Grimshaw oder Stefan Behnisch zusammenarbeitet. Bei der von Fuksas geplanten Erweiterung des Shenzhen Bao’an International Airport trugen Knippers Helbig die Verantwortung für Tragwerk, Fassade und Parametric Design. Weitere bekannte Projekte sind die Membranüberdachung des zentralen Eingangsbereichs der Expo Shanghai oder das Palaisquartier in Frankfurt.

www.khing.de

Im Gespräch mit TALIS fallen immer wieder die Wörter „Begeisterung“ und „Interesse“. Die Begeisterung an der eigenen Arbeit ist Thorsten Helbig und Boris Peter deutlich anzumerken, als sie von einem aktuellen Forschungsprojekt berichten. Gemeinsam mit Materialforschern, Architekten und dem baden-württembergischen Ministerium für ländlichen Raum untersucht das Ingenieurbüro den Einsatz von Holz im Brückenbau. Das älteste bekannte Baumaterial wird praktisch nicht mehr eingesetzt, weil sich die Ansicht durchgesetzt hat, dass Holz fault. „Nach unserem Dafürhalten liegt das an einem falschen Einsatz. Wir schlagen nun einen Weg vor, wie man Holzbrücken bauen kann, die robust und dauerhaft sind“, berichten die Geschäftsführer. Ein wichtiger Nebeneffekt sei, dass Holz CO2 speichert – im Falle einer solchen Brücke sogar mehr, als bei deren Herstellung gebraucht werde.

Weit mehr als nur ein Job

Für Helbig und Peter ist das, was sie tun, weit mehr als ein Job und folgerichtig erwarten sie auch von den Mitarbeitern, „dass sie Interesse an spannenden und herausfordernden Projekten haben“. Wer einfach nur einen Job suche oder seine Bewerbung nach dem angenehmsten Arbeitsweg ausrichte, der sei falsch bei Knippers Helbig.

Gelegentlich richtet sich das Unternehmen über Jobbörsen im Internet oder auch die eigene Website an potenzielle Mitarbeiter, Anzeigen in Tagungszeitungen werden aufgrund ihrer Regionalität gar nicht geschaltet. Gesucht werden Mitarbeiter, die ein spezifisches Interesse an Knippers Helbig haben, genau in diesem Büro arbeiten wollen. Daher sind Initiativbewerbungen gern gesehen. „Wir erhalten sie stetig, meist sind es gut 20 pro Monat“, sagt Peter. Die letzten Bewerbungen kamen aus Osteuropa, Spanien, Italien, den Vereinigen Emiraten und aus Dubai – „der Anteil der deutschen Bewerbungen liegt unter 50 %“, berichtet Helbig. Er bevorzugt die Online-Bewerbung. „Ich kann schnell erkennen, ob das Profil derzeit zu uns passt. Falls nicht, kann ich das dem Bewerber schnell per E-Mail mitteilen. Das spart beiden Seiten viel Aufwand.“ Ist die Bewerbung aber vielversprechend, lassen sich die Geschäftsführer gern ein ausführliches Portfolio zusenden. In seinem Anschreiben sollte der Bewerber darlegen, womit er sich während des Studiums beschäftigt hat, ob es bereits Vertiefungen in bestimmten Bereichen gab und warum er bei Knippers Helbig arbeiten möchte. Aus der schriftlichen Bewerbung und ihrer Form sollte auch hervorgehen, dass der Bewerber den Willen hat, Dinge zu gestalten. „Hierbei ist weniger meist mehr. Ich schätze Leute, die anhand von wenigen prägnanten Dokumenten zeigen können, wer sie sind und worum es ihnen geht“, erläutert Peter.

Die Brücke Margaretengürtel in Wien soll aus Holz-Brettschichtlagen bestehen. Foto: Knippers Helbig

Die Brücke Margaretengürtel in Wien soll aus Holz-Brettschichtlagen bestehen. Foto: Knippers Helbig

Die drei Geschäftsführer kümmern sich selbst um die Auswahl neuer Mitarbeiter. „Wir wollen wissen, mit wem wir täglich viele Stunden zusammenarbeiten“, sagt Helbig. Beim Vorstellungsgespräch sind meist zwei der drei Geschäftsführer anwesend. Hier geht es darum, sich gegenseitig kennen zu lernen und herauszufiltern, ob der Bewerber Interesse und soziale Kompetenz mitbringt. „Er stellt sich vor, sagt, was er gemacht hat und was er erreichen will, und wir erzählen ihm, wo wir herkommen und wo wir hinwollen. Das ist ganz wichtig, denn er muss diesen Weg ja mitgehen wollen“, erläutert Helbig. Ein wesentlicher Programmpunkt ist die Büroführung. Hier kann sich der Kandidat ein Bild von der Arbeitsatmosphäre machen und auch sehen, dass die zukünftigen Kollegen in einem offenen Raum sitzen. Wer Schwierigkeiten mit Teamarbeit hat oder lieber im stillen Kämmerlein zeichnet, der merkt selbst, dass er hier nicht gut aufgehoben wäre.

Ohne Englisch geht es nicht

Da die Projekte des Unternehmens weltweit stattfinden, wird Reisefreudigkeit vorausgesetzt, gute englische Sprachkenntnisse sind Pflicht. „Wir haben hier Bauzeichner aus den USA, aus Taiwan, einen Praktikanten aus Indien – die sprechen englisch miteinander. Auch wir tun das, wenn wir bürointern ein Projekt vorstellen oder mit unserem New Yorker Büro telefonieren. Da sitzen derzeit Amerikaner, Deutsche und Franzosen“, so Helbig. „Aber Bewerber sollten sich hier nicht verkrampfen; wenn man Spaß an der Arbeit hat, kommt man schnell in die Sprache rein“, ergänzt Peter.

Nach dem Kennenlernen, bei dem meist die Entscheidung für einen Bewerber gefallen ist, haben beide Seiten Zeit, das Gespräch sacken zu lassen. In einem zweiten Gespräch werden dann weitergehende Dinge wie das Gehalt, die Organisation des Büros oder der Arbeitszeiten thematisiert. Der Arbeitsvertrag ist mit einer DIN-A4-Seite ganz kurz gehalten. Darüber hinaus erhält der neue Mitarbeiter einen Richtlinien-Katalog. „Das ist nichts von oben Verordnetes, sondern eine von den Mitarbeitern selbst entwickelte und immer wieder modifizierte Richtlinie. Darin sind die Bedingungen fixiert, unter denen die Kollegen arbeiten und arbeiten wollen“, fasst Helbig zusammen. „Vieles darin geht weit über das Gesetzliche hinaus“, weiß Peter. Er nennt etwa das Thema Weiterbildung und sagt: „Wer sich weiter qualifizieren möchte, der rennt bei uns offene Türen ein.“

Bao’an International Airport, Shenzhen. Foto: Massimilano Fuksas

Bao’an International Airport, Shenzhen. Foto: Massimilano Fuksas

Das Unternehmen pflegt eine Kultur von Fordern und Fördern. „Bei uns herrscht wenig Standard. Die Mitarbeiter befinden sich nicht in einer Endlosschleife, in der sich ständig alles wiederholt. Im Gegenteil: Sie machen ständig Neues“, so Peter. Gerade deshalb sei ein stetiger Austausch untereinander vonnöten. Natürlich besteht bei Problemen immer die Möglichkeit, Kollegen zu fragen; darüber hinaus wurden bei Knippers Helbig zwei weitere Austausch-Plattformen etabliert: Im Drei-Wochen-Turnus geben Mitarbeiter, die sich mit einer Thematik besonders auseinandergesetzt haben, ihr Wissen im Rahmen einer Abendveranstaltung an interessierte Kollegen weiter und ein feststehender Termin ist die tägliche Kaffeepause um 15.00 Uhr. Hier kommt die Belegschaft zehn, 15 Minuten zusammen und es findet ein Abgleich statt. Mitarbeiter, die wüssten, was um sie herum passiert, und die das Handeln der Geschäftsleitung nicht als Geheimnis wahrnehmen würden, gingen ihrer Arbeit letztlich mit mehr Freude und Engagement nach, ist Helbig überzeugt.■

Ingenieurbüro Bollinger + Grohmann Ingenieure

Wer eignet sich für einen Posten im Ingenieurbüro? Ulrich Storck und Martin Opel, Bollinger +  Grohmann Ingenieure erählen, was sie von Bewerbern erwarten.

Wer aus dem lichtdurchfluteten Büro von Bollinger + Grohmann Ingenieure im Westhafentower die Aussicht auf Main und Frankfurter Skyline genießt, dessen Blick verharrt in östlicher Richtung unweigerlich bei einem gewaltigen Bauprojekt. Auf dem Gelände der ehemaligen Großmarkthalle wird bis 2014 der neue Sitz der Europäischen Zentralbank (EZB) errichtet (s.o. Foto: Bollinger+Grohmann/Enrico Satnifaller) . Das spektakuläre Gebäude mit den beiden polygonalen Türmen wurde vom Wiener Architekturbüro Coop Himmelb(l)au entworfen, für die Tragwerksplanung zeichnen Bollinger + Grohmann verantwortlich. „Es ist natürlich eine Ehre, ein solch europaweit einzigartiges Projekt begleiten zu dürfen, zumal wenn es vor der eigenen Haustür entsteht“, sagt Ulrich Storck, Mitglied der Geschäftsführung und dort auch für das Personalwesen zuständig.
Das Spektrum des 1983 von Klaus Bollinger und Manfred Grohmann in Darmstadt gegründeten Büros reicht von der Tragwerks- und Fassadenplanung über Geometrie-Entwicklung bis zur Bauphysik. Bearbeitet werden alle Bauaufgaben, seien es Wohnungs-, Sozial- und Bürogebäude, Ausstellungs- und Veranstaltungsbauten oder Brücken, Dächer und Türme. Immer wieder kommt es zur Zusammenarbeit mit weltweit renommierten Architekten. Neben Coop Himmelb(l)au fallen Namen wie Renzo Piano, Dominique Perrault, Boris Podrecca, Frank Gehry oder Zaha Hadid. Aber auch in der regionalen und der nationalen Architekturszene finden sich viele Kooperationspartner. „Ja, das liest sich schon wie ein `who is who´ der Architektur-Szene“, bestätigt Storck. Dass einige aktuelle Projekte in den Himmel wachsen – die EZB mit 185 Metern, der Donau City Tower, das höchste Gebäude Österreichs, das mit 220 Metern momentan in Wien entsteht, oder gleich mehrere, jeweils 320 Meter hohe Wolkenkratzer im südkoreanischen Seoul – ist kein Zufall. Das Unternehmen sei, sagt Storck, „einer der führenden Kompetenzträger im Hochhausbau“.

Ulrich Storck (l.) und Martin Opel, Bollinger + Grohmann Ingenieure Foto: David Spoo

Ulrich Storck (l.) und Martin Opel, Bollinger + Grohmann Ingenieure. Foto: David Spoo

In den vergangenen Jahren war ein stetiges Wachstum zu verzeichnen, 70 Mitarbeiter werden heute in Frankfurt, dem größten Standort, beschäftigt. Auf die vier weiteren selbständigen Standorte verteilen sich noch einmal gut 50 Mitarbeiter. Die Dependancen in Wien und Paris wurden 2003 und 2007 eröffnet, noch im Aufbau befinden sich die seit 2010 bestehenden Büros in Melbourne und Oslo. „Die vier Mitarbeiter in Norwegen beschäftigen sich mit interessanten Projekten wie der Neugestaltung von Oslos ehemaligem Hafenviertel oder den vorbereitenden Maßnahmen für das Edvard Munch-Museum. Es ist ganz wichtig, dort vor Ort zu sein“, berichtet der Kaufmännische Leiter Martin Opel. Die Auslastung der Mitarbeiter sei an allen Standorten sehr zufriedenstellend.

Vorsprung durch eine zweite Fremdsprache

Insofern verwundert es nicht, dass Bollinger + Grohmann neue Mitarbeiter suchen. Das verrät auch ein Blick auf das Stellenportal der Unternehmens-Website. Dies ist der zentrale Anlaufpunkt für Bewerber, denn Stellenanzeigen in Tageszeitungen oder der Fachpresse bilden inzwischen die Ausnahme. Gesucht werden hauptsächlich Ingenieure und Konstrukteure, nur wenige Architekten sind im Bereich der 3D- oder Wettbewerbsbearbeitung für Architekturbüros tätig. Bewerber und künftige Mitarbeiter sollten mindestens einen Master-Abschluss haben und Englisch sprechen. Eine zweite Fremdsprache – Französisch, Russisch oder etwa eine asiatische Sprache – ist aufgrund der internationalen Ausrichtung mehr als nur gern gesehen.
Obwohl viele Bewerbungen mittlerweile per E-Mail eingehen, setzt der größere Teil der arbeitsuchenden Ingenieure noch immer auf die klassische Bewerbungsmappe. Storck ist das recht, er blättert gern in dem Dokument, in dem seiner Ansicht nach Form und Stil einen hohen Stellenwert haben. Dadurch bestehe aber kein Vorsprung gegenüber der Online-Bewerbung, denn „letztlich entscheidet nicht das Wie, sondern das Was“. Dazu fallen vor allem die Stichworte Teamfähigkeit und soziale Kompetenz. „Wir funktionieren bei unseren Projekten nur, wenn wir miteinander reden, uns austauschen, keine Wissensherrschaft leben, sondern offen und kreativ miteinander umgehen. Das ist geradezu überlebensnotwendig“, sagt Storck.
Ob der Kandidat entsprechend gepolt ist, lasse sich durch Formulierungen im Anschreiben ergründen, durch Fragen beim Vorstellungsgespräch oder während der Büroführung, die genereller Bestandteil des Gesprächs ist. „Dabei bieten wir dem Bewerber die Möglichkeit, sich die Arbeit an laufenden Projekten anzusehen, und stellen ihm die Struktur des Büros vor. Wir arbeiten im Großraumbüro, teamorientiert und projektbezogen, möglichst so, dass die Projektteams zusammensitzen. Wenn es Probanden gibt, die darüber erschrocken sind, abgeschlossene Wände um sich herum vermissen, dann sehen wir das über ihre Reaktion und die Körpersprache“, erläutert Martin Opel. Der Rundgang dient auch dazu, die Qualifikation des Bewerbers zu ergründen – etwa ob er die Problematik nachvollziehen kann, an der gerade getüftelt wird, oder ob ihm das Computerprogramm bekannt ist, das zum Einsatz kommt.
Feste Regeln oder einen Fahrplan für das Bewerbungsgespräch, an dem neben Storck meist Opel und, wenn es sich einrichten lässt, auch die Herren Bollinger und Grohmann teilnehmen, gibt es nicht. Der Verlauf hängt beispielsweise davon ab, wie der Bewerber sich präsentiert, ob er von sich aus erzählt oder lieber auf Fragen antwortet. Konkrete Arbeitssituationen werden mit Berufsanfängern aber eher nicht besprochen: „Das wäre unfair, denn wer noch nicht über entsprechende Erfahrungen verfügt, müsste sich eine Antwort ausdenken, und das hilft beiden Seiten nicht“, sagt Storck. Er wünscht sich vor allem, dass die Ingenieure, die gemeinhin als introvertiert gelten, beim Vorstellungsgespräch selbstbewusst und auch locker auftreten: „Angst vor dem Namen Bollinger + Grohmann oder den großen Projekten ist nicht angebracht, denn niemand, der bei uns beginnt, plant gleich eine EZB. Wir bearbeiten ja auch eine Vielzahl kleinerer Projekte.“ Wichtig sei, dass der Bewerber erkennt, dass Statik für Bollinger + Grohmann kein Selbstzweck ist, sondern das Tragwerk dazu dient, den Architekturentwurf zu stärken, dessen Wirtschaftlichkeit zu optimieren und letztlich dem Bauherrenwunsch zu entsprechen.

Transparenz statt Kleingedrucktes

Bollinger + Grohmann Ingenieure

Die Bauingenieure Klaus Bollinger und Manfred Grohmann gründeten 1983 das Büro Bollinger + Grohmann Ingenieure für Tragwerks- und Fassadenplanung, Geometrie-Entwicklung und Bauphysik. Unternehmenssitz und größter Standort ist Frankfurt/Main mit 70 Mitarbeitern, auf die Dependancen Wien, Paris, Oslo und Melbourne verteilen sich weitere 50 Mitarbeiter. Das vielfach ausgezeichnete Büro hat rund um den Globus Projekte mit den renommiertesten Architekten umgesetzt. Eines der aktuellen Großprojekte ist der Neubau der Europäischen Zentralbank.

www.bollinger-grohmann.de

Wer im Vorstellungsgespräch erfolgreich war und Mitarbeiter des Unternehmens wird, dem wird ein recht dünner Arbeitsvertrag ausgehändigt. „Manche Mitbewerber listen 36 Seiten lang ihre AGB auf, wir konzentrieren uns auf das Wesentliche und zeigen damit auch, dass es bei uns kein Kleingedrucktes gibt“, erläutert Opel, der Transparenz als wesentliche Unternehmenssäule nennt. Auch im Integrationsablauf gibt es deutliche Unterschiede zur Konkurrenz. Während der Nachwuchs anderswo langwierige Qualifizierungsprogramme durchläuft, streben die Frankfurter Ingenieure eine zügige Arbeitsaufnahme an.
Ins kalte Wasser geworfen wird selbstverständlich niemand. Wer ins Unternehmen eintritt, dem wird ein erfahrener Kollege zur Seite gestellt. Dieser Pate kümmert sich federführend um ihn und hilft dabei, Anfangsfehler zu vermeiden. In den montags stattfindenden Projektleiterrunden wird dem Neuen die Möglichkeit geboten, sich vorzustellen, womit ein schnelles Ankommen auch auf menschlicher Ebene gewährleistet wird. Nach Einführung in das Computersystem und die internen Abläufe sowie dem Einlesen in das Projekthandbuch wird der neue Mitarbeiter schon bald in ein Projektteam eingegliedert. Dann heißt es Initiative ergreifen und sich einbringen. „Wir wünschen uns offensive Mitarbeiter, die nicht das mögliche Scheitern im Blick haben, sondern Dinge ausprobieren. Wenn sie dann an Grenzen stoßen, kann mit erfahrenen Kollegen die Problemlösung diskutiert werden“, erläutert Storck. Neue Mitarbeiter werden geradezu ermuntert, eigene Vorschläge zu machen oder auch akquisitorisch zu denken – auch unter Umgehung von Hierarchien.
Auffällig ist der hohe Frauenanteil bei Bollinger + Grohmann. Während er im Ingenieurstudium noch immer unter 15 Prozent liegt, ist hier mehr als ein Drittel der Belegschaft weiblich. Ein Grund dafür liegt sicher in den umfassenden Sozialleistungen. „Wir bieten qualifizierten Bewerberinnen einen finanziellen Anreiz, indem wir beispielsweise die Kindergarten-Kosten übernehmen“, berichtet Opel. Dass sich das Unternehmen in den letzten Jahren stark vergrößert habe und mehr Umsatz und Gewinn generiert werden konnte, sei vor allem ein Verdienst der Angestellten – folgerichtig hätten sie durch Zahlung von freiwilligen zusätzlichen Entgelten daran partizipiert. Der kaufmännische Leiter weist auch auf die Vernetzung innerhalb des Unternehmens hin. So bietet sich auch die Möglichkeit, zeitweilig an den anderen Standorten zu arbeiten. „Dabei achten wir darauf, dass Altersvorsorgeverträge, die in Paris geschlossen sind, auch in Deutschland übernehmbar sind.“ Schließlich solle niemand wegen seines Engagements und seiner Flexibilität benachteiligt werden.

Langfristiges Engagement wird angestrebt

„Wir empfinden die Mitarbeiter nicht als Ballast, sondern als unser Kapital“, bekräftigt Storck. Daher genießt auch die Weiterbildung einen hohen Stellenwert. „Wir haben einen Kollegen, der Ansprechpartner für Seminare ist. Wer mehr über Vertragswesen lernen will oder bezüglich einer neuen Norm sein Wissen vertiefen möchte, wendet sich direkt an ihn. Wir werden dann entsprechend aktiv.“ Ein solch deutliches Investment in die Belegschaft lässt darauf schließen, dass die Geschäftsleitung an langfristigen Arbeitsverhältnissen interessiert ist. „Ja, es gibt eine ganze Reihe von Mitarbeitern, die dem Unternehmen schon sehr lange die Treue halten“, bestätigt Storck, „und dieses Jahr wird bei uns erstmalig ein Kollege als Rentner ausscheiden.“ Auch auf die Frage nach Beispielen für Aufstiegsmöglichkeiten muss Storck nicht lange suchen. Er selbst trat vor 22 Jahren in das Unternehmen ein. Über die Projektbearbeitung und die Projektleitung wuchs sein Verantwortungsbereich kontinuierlich, bis er vor einigen Jahren in die Geschäftsleitung berufen wurde. ■