Die ersten 100 Tage

Die ersten 100 Tage im Job

Mit dem ersten Arbeitstag wird alles anders:

Vorbei die Studienzeit, in der man das Arbeitspensum überwiegend selbst bestimmen konnte. Nun gibt es Vorgesetzte, Kollegen, geregelte Arbeitszeiten und eine Menge neuer Aufgaben. Die ersten hundert Tage im neuen Job können ziemlich anstrengend sein, denn in dieser Zeit steht man unter besonderer Beobachtung. Während der Probezeit kann ein Arbeitgeber ohne Angabe von Gründen das Arbeitsverhältnis wieder kündigen. Doch kein Grund zur Sorge: Wer einige ungeschriebene Regeln beachtet, übersteht die Bewährungsprobe ohne Probleme.

Die Einarbeitung

Normalerweise genießen Berufsanfänger eine Art „Welpenschutz“. Dass Sie noch nicht alles können und wissen, gesteht Ihnen jeder Arbeitgeber zu. Im Gegenzug erwartet man von Ihnen, dass Sie alles dafür tun, um die Einarbeitungsphase kurz zu halten.

Erste wichtige Regel: Werden Sie selbst aktiv. Sie dürfen nicht darauf warten, dass Ihnen ein Kollege alle relevanten DIN-Normen, Gesetze und sonstige Literatur fein säuberlich kopiert auf den Schreibtisch legt. Gehen Sie selbst in die Bibliothek oder ins Internet und besorgen sich die notwendige Fachliteratur. Die zweite Regel könnte aus der Sesamstraße stammen: Das Motto „Wer nicht fragt, bleibt dumm“ sollten sich Berufsanfänger zu eigen machen. Wenn Sie etwas nicht richtig verstanden haben, haken Sie nach. Fragen ist kein Zeichen von Dummheit. Es zeigt, dass Sie Interesse haben und dass es Ihnen wichtig ist, Ihre Aufgaben sorgfältig zu erledigen. Das können Sie nur, wenn Ihnen alle Zusammenhänge klar sind.

Fragen ist elementar, aber fragen Sie so, dass Sie Ihren Chef oder Ihre Kollegen nicht nerven. Manchmal ist es besser, alle Unklarheiten, die einem während der Arbeit begegnen, zu sammeln und später gebündelt zu klären. Wer wegen Kleinigkeiten zum zehnten Mal beim Nachbarn anklopft, handelt sich schnell den Ruf einer Nervensäge ein. Einen guten Eindruck hinterlassen Sie besonders dann, wenn Sie zeigen, dass Sie sich selbst um die Beantwortung einer Frage bemüht haben. Wenn Sie beispielsweise ein Leistungsverzeichnis für eine Bauleistung aufstellen sollen und bei der Formulierung des Leistungstextes nicht weiter wissen, dann rufen Sie doch einfach mal beim Produkthersteller an und lassen sich beraten. Die Firmen stellen Ihnen Produktkataloge zur Verfügung, die meist auch entsprechende Leistungstexte enthalten. Doch Vorsicht: Das darf nicht zu lange dauern. Es kommt nicht gut an, wenn Sie stundenlang telefonieren, um hinterher festzustellen, dass ein Kollege die Frage in zwei Minuten beantwortet hätte.

Schreiben Sie mit!

Einige Gewohnheiten, die Sie noch aus der Uni oder aus der Schule kennen, sollten Sie im Berufsleben fortführen. Dazu gehört das Mitschreiben. Sie werden täglich telefonieren oder an Baubesprechungen teilnehmen. Um stets den Überblick zu behalten, sollten Sie kurze Gesprächsnotizen anfertigen, aus denen das Datum, der Gesprächspartner und wichtige Details des Gesprächs hervorgehen. Ob Sie das am PC oder handschriftlich machen, bleibt Ihnen überlassen. Hauptsache, es geht schnell. Bauleiter sind sogar verpflichtet, ein Bautagebuch zu führen, in dem alle Bauleistungen und Geschehnisse des Tages dokumentiert werden.

 

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Telefonieren – aber richtig!

„Ans Telefon zu gehen ist doch kinderleicht“, werden Sie jetzt vermutlich denken. Der professionelle Umgang mit dem Kommunikationsmittel Nummer eins ist aber gar nicht so einfach. Die Art und Weise, wie Sie beispielsweise einem Auftraggeber am Telefon begegnen, wirkt sich direkt auf das Image der Firma aus. Freundlichkeit allein genügt nicht, um einen positiven Eindruck beim Anrufer zu hinterlassen. Die professionelle Begrüßung besteht aus drei Teilen: dem Firmennamen, dem eigenen Vor- und Zunamen und dem Tagesgruß. Beispiel: „Architekturbüro Müller, Schmidt und Partner. Elisabeth Krüger. Guten Tag.“Niemand verlangt von Ihnen, dass Sie, wenn Sie selbst angerufen werden, auf jede Frage sofort eine Antwort parat haben. Allerdings müssen Sie Ihrem Gesprächspartner aktive Hilfe anbieten. Sagen Sie nicht: „Da kann ich Ihnen auch nicht weiterhelfen.“ Entweder Sie leiten den Anrufer an eine zuständige Person weiter oder schlagen einen Rückruf vor, zum Beispiel, wenn Sie erst passende

Unterlagen raussuchen müssen. Gleiche Spielregeln gelten bei der Vertretung eines Kollegen. Die Mitteilung, dass dieser unterwegs ist, nützt dem Anrufer wenig. Sagen Sie lieber:
„Herr Schmidt ist morgen wieder im Hause. Kann ich Ihnen helfen?“  Ein solches Angebot bleibt mit Sicherheit in positiver Erinnerung, selbst wenn Sie keine endgültige Lösung anbieten können. Fertigen Sie eine kurze Gesprächsnotiz mit Datum, Uhrzeit und Grund des Anrufes an, damit sich Ihr Kollege nach seiner Rückkehr um die Angelegenheit kümmern kann. Seien Sie diesbezüglich unbedingt zuverlässig.

Außerdem: Sprechen Sie niemals über firmeninterne Schwierigkeiten, wenn sich beispielsweise ein Auftraggeber bei Ihnen beschwert. Das gilt im Übrigen generell, nicht nur für das Telefon. Zeigen Sie sich Ihrem Arbeitgeber gegenüber unbedingt loyal. Aussagen wie „Bei uns herrscht Chaos“, „Unser Computer ist abgestürzt“ oder „Der neue Praktikant hat Mist gebaut“ schaden dem Ansehen der Firma und damit auch Ihnen, selbst wenn es tatsächlich so war.

Die professionelle Begrüßung

besteht aus drei Teilen:

  •  Firmennamen,
  • dem eigenen Vor- und Zunamen
  • und dem Tagesgruß.
Qualitätsmanagement (QM)

Viele größere Architektur- und Ingenieurbüros, der öffentliche Dienst oder Bauunternehmen verfügen über ein Qualitätsmanagementsystem, zum Beispiel das nach DIN EN ISO 9001 zertifizierte System oder ein vergleichbares. Das Ziel eines QM-Systems liegt darin, die Wirtschaftlichkeit des Unternehmens zu verbessern, indem zum Beispiel Arbeitsabläufe effizienter gestaltet werden. Das Zertifikat wird von einer Prüfstelle vergeben, zum Beispiel vom Technischen Überwachungsdienst (TÜV). Bei international tätigen Firmen ist das Qualitätszertifikat mittlerweile ein Muss. Aber auch bei deutschlandweit agierenden Firmen setzt sich die Einhaltung der Norm mehr und mehr durch. Das wichtigste Utensil eines Qualitätsmanagementsystems ist das QM-Handbuch, in dem das QM-System beschrieben wird. Neue Mitarbeiter finden hierin wichtige Informationen.

Es enthält beispielsweise genaue Arbeitsanweisungen für jeden Bereich, dieFestlegung von Verantwortungen, bestimmte Ordner- und Ablagestrukturen (auch für den PC), Vorgaben für die Ordnerbeschriftung oder Listen für den Qualitätscheck. Falls Sie in einem QM-zertifizierten Unternehmen arbeiten, müssen Sie sich an die Vorgaben der Norm halten und sollten sich keine eigene Ordnung schaffen. Die Einhaltung der Qualitätsstandards wird in regelmäßigen Abständen von der externen Prüfstelle kontrolliert. Verstöße gegen die Norm können zum Verlust des Zertifikats führen. Da das Verfahren recht aufwendig ist, sind die kleineren Architektur- oder Ingenieurbüros häufig nicht zertifiziert. Allerdings gibt es mittlerweile auch für diese Gruppe ein leicht handelbares Qualitätsmanagementsystem und zwar das TÜV-geprüfte „QualitätsZertifikat Planer am Bau“, mit dem sich im Gegensatz zu der allgemeinen Industrie-Norm ein speziell auf die Bedürfnisse

 

 

von Bauplanern zugeschnittener Qualitätsstandard herstellen lässt. Dieser wird nicht nur von öffentlichen, sondern auch von halböffentlichen Auftraggebern, wie zum Beispiel der Bahn, und natürlich auch von privaten Bauherrn anerkannt. Auch wenn kein Zertifikat im Unternehmen vorhanden ist, so gibt es in jedem Büro gewisse Ordnungsregeln, zum Beispiel ein bestimmtes Ablagesystem, dem sich neue Mitarbeiter anpassen sollten. Ordnung ist eine wichtige Grundlage für den beruflichen Erfolg. Führen Sie Ihre Unterlagen immer so, dass auch andere damit arbeiten können. Wenn Sie krank sind und Ihre Kollegen die Vertretung übernehmen, müssen sich diese anhand Ihrer Notizen problemlos einen Überblick über den Stand Ihres Projektes verschaffen können.

 

Zeitmanagement:  In der Ruhe liegt die Kraft

Stress und Hektik sind im Berufsleben an der Tagesordnung, vor allem wenn ein Abgabetermin näherrückt. Neulinge stehen unter dem besonderen Druck, die Probezeit zu überstehen, und werden daher häufig von Stresssymptomen heimgesucht. „Wie soll ich das bloß alles schaffen?“, schießt es einem beim Anblick des riesigen Berges an Arbeit durch den Kopf. Eines ist sicher: In Panik zu geraten und sich ohne Sinn und Verstand in die Arbeit zu stürzen, hilft Ihnen nicht weiter, macht Sie schlimmstenfalls sogar krank. „Wenn du es eilig hast, gehe langsam“, so lautet der Titel eines Buches von Prof. Lothar Seiwert, einem anerkannten Fachmann auf dem Gebiet des Zeitmanagements. Im Klartext heißt das: Machen Sie einen Schritt nach dem anderen. Lenken Sie den Blick nicht nach oben, sondern immer nur auf den nächsten Schritt. Andernfalls passiert nämlich das, was Beppo der Straßenkehrer aus Michael Endes Kinderbuch „Momo“ treffend beschreibt: „Manchmal hat man eine sehr lange Straße vor sich. Man denkt, die ist so schrecklich lang, das kann man niemals schaffen, denkt man. Und dann fängt man an, sich zu eilen. Und man eilt sich immer mehr. Jedes Mal, wenn man aufblickt, sieht man, dass es gar nicht weniger wird, was vor einem liegt. Und man strengt sich noch mehr an, man kriegt es mit der Angst, und am Schluss ist man außer Puste und kann nicht mehr. Und die Straße liegt immer noch vor einem. So darf man es nicht machen.“ Vielen Menschen geht die Puste vor allem deswegen aus, weil sie nicht in der Lage sind,

wichtige von unwichtigen Aufgaben zu unterscheiden. Sie „verzetteln“ sich im wahrsten Sinne des Wortes.

Daher: Planen Sie die einzelnen Schritte, die zur Bewältigung eines Projektes notwendig sind. Die erste Frage des Tages muss lauten: Was liegt heute an? Was ist besonders dringlich und muss zuerst bearbeitet werden? Was kann auch später erledigt oder delegiert werden? Hilfreich sind so genannte „To-do-Listen“, auf denen Sie alle anstehenden Aufgaben nach Prioritäten geordnet aufführen und nach und nach abarbeiten können. Viele Menschen behaupten, sie hätten zu viel zu tun, um zu planen. Das ist zu kurz gedacht, denn es kostet nur wenige Minuten, um eine Prioritätenliste aufzustellen. Eine gute Planung spart nicht nur Zeit und steigert die Qualität der Arbeit. Auch der „Spaß-Faktor“ bleibt erhalten, vorausgesetzt man macht es wie Beppo der Straßenkehrer, der zu seiner Freundin Momo sagt: „Man darf nie an die ganze Straße auf einmal denken, verstehst du? Man muss nur an den nächsten Schritt denken, an den nächsten Atemzug, an den nächsten Besenstrich. Und immer wieder nur an den nächsten. Dann macht es Freude, das ist wichtig, dann macht man seine Sache gut. Und so soll es sein […] Auf einmal merkt man, dass man Schritt für Schritt die ganze Straße gemacht hat. Man hat gar nicht gemerkt wie, und man ist nicht aus der Puste.“

… Last but not least

 

Achten Sie auf sich!

Es mag banal klingen, aber vergessen Sie nicht, auf Ihre Gesundheit Acht zu geben, auch bei der größten Hektik. Durch negativen Stress ausgelöste Krankheiten wie Tinnitus, Hörsturz, Rückenschmerzen oder Magenbeschwerden nehmen unter jungen Menschen zu. Dabei ist es ein Leichtes, ein Anti-Stress-Programm ganz nebenbei während der Arbeit zu fahren: Trinken Sie über den Tag verteilt mindestens zwei Liter Flüssigkeit, am besten stilles Wasser. Regelmäßige Mahlzeiten, ausreichend Schlaf und die Vermeidung von übermäßigem Alkohol- und Nikotingenuss verstehen sich von selbst. Kontrollieren Sie immer mal wieder Ihre Haltung. Sitzen Sie aufrecht oder „lümmeln“ Sie vorm PC rum? Ein krummer Rücken staucht die inneren Organe, besonders die Lungen, dadurch kann die Atmung nicht optimal ablaufen. Ziehen Sie Kleidung an, die bequem sitzt. Der wichtigste Atemmuskel, das Zwerchfell, sitzt in Bauchnähe und darf nicht eingezwängt werden. Gut für die Atmung und fürs Wohlbefinden ist herzhaftes Gähnen, Rekeln und Strecken. Das sollten Sie besonders bei sitzenden Tätigkeiten regelmäßig tun, vielleicht nicht unbedingt, wenn ein Vorgesetzter in der Nähe ist. Sorgen Sie außerdem für Ruhepausen, vor allem wenn Sie das Gefühl haben, nicht weiterzukommen. Nach einem kurzen Spaziergang lösen sich Denkblockaden meist recht schnell.

 

Und wenn Sie am Ende eines Tages doch völlig gerädert nach Hause kommen, obwohl Sie eigentlich die ganze Zeit am Schreibtisch gesessen haben, dann hilft nur eins: Bewegung. Stress ist eigentlich eine positive Reaktion des Körpers. Den Urmenschen sicherte er das Überleben. Stress bedeutet nichts anderes als die erhöhte Ausschüttung von Adrenalin und anderen Hormonen. Das wiederum sorgt für Spannung in der Muskulatur und Optimierung der Sauerstoffversorgung, beste Voraussetzungen für die Jagd auf Mammuts. Im Gegensatz zu unserer zivilisierten Welt haben die Urmenschen Stress in Bewegung umgesetzt, sie waren sogar dazu gezwungen, der Beute nachzustellen, sonst wäre die Küche kalt geblieben. Da wir keinen Mammuts mehr hinterherjagen, müssen wir uns eine Alternative suchen, um Stress abzubauen. Das kann jede Art der Bewegung sein, zum Beispiel Joggen, Fitness oder Fußball. Optimal wäre eine Sportart, die Ihnen Spaß macht. Auf diese Weise haben Sie am nächste Tag wieder genug Puste, um Schritt für Schritt die anstehenden Aufgaben zu lösen. 

Alles abgesichert?

Während des Studiums sind üblicherweise noch die meisten Versicherungsfragen geklärt, das ändert sich nach dem Abschluss allerdings schlagartig. Was ist nötig und was nicht? Ein Überblick.

Krankenversicherung

In Deutschland gilt Krankenversicherungspflicht, das heißt, wer nicht ohnehin als abhängig Beschäftigter, Familienangehöriger oder Student versichert, sondern selbständig tätig ist, muss sich selbst ausreichend krankenversichern. Das ist gesetzlich vorgeschrieben. Die studentische Krankenversicherung endet mit dem Ende des Semesters, in dem man exmatrikuliert wurde. Dann meldet sich normalerweise die Krankenversicherung und bietet eine „freiwillige Versicherung“ an. Der Beitrag errechnet sich grundsätzlich aus den aktuellen Einnahmen. Hat der Betroffene keine oder nur geringe Einnahmen, wird der Beitrag nach der sogenannten Mindestbemessungsgrenze berechnet, die jedes Jahr vom Gesetzgeber festgesetzt wird und 2013 (einheitlich für alle gesetzlichen Krankenkassen) bei 898,33 Euro monatlich liegt. Der Beitrag liegt dann bei 133,85 Euro im Monat, plus Pflegeversicherung: Das sind normalerweise 20,66 Euro, für Versicherte mit Kind 18,42 Euro.

Gesetzlich oder privat?

Die Wahl zwischen gesetzlicher und privater Krankenversicherung haben nur Beamte, Selbständige – Freiberufler oder Gewerbetreibende – und Angestellte, deren Einkommen über der „Versicherungspflichtgrenze“ von 52.200 Euro im Jahr liegt. Für die anderen, die „Pflichtversicherten“, ist grundsätzlich die gesetzliche Krankenkasse zuständig. Wer sich allerdings einmal gegen die gesetzliche Krankenversicherung entschieden hat, kann nur unter bestimmten Voraussetzungen wieder hinein.

Für junge Leute mag die private Krankenversicherung zunächst vor allem wegen zusätzlicher Leistungen günstiger erscheinen. Aber Vorsicht: Die Beiträge steigen im Laufe des (Versicherungs-)Lebens an, unabhängig vom Einkommen, das man erzielt – oder eben auch nicht. Außerdem decken nicht alle privaten Versicherungen auch wirklich mehr Leistungen ab als die gesetzliche. So warnte das Magazin „Stern“ im Oktober 2012: „Die Tarife weisen vielfach gefährliche Lücken auf.“ Und: „Die meisten Tarife bieten sogar schlechtere Leistungen als die gesetzliche Krankenversicherung, besonders auffällig im Bereich der Heil- und Hilfsmittel.“ Das kann im Ernstfall richtig teuer werden.

Unabhängige Fachleute wie die der Stiftung Warentest stellen einhellig fest, dass sich die private Krankenversicherung vor allem für Beamte lohnt, denen der Arbeitgeber Beihilfe zahlt, und für junge, gesunde Versicherte, die keine Familienmitglieder mit absichern müssen – und das auch in Zukunft nicht vorhaben. Die Entscheidung sollte also gut durchdacht sein, immerhin kann sie durchaus für das ganze Leben sein, denn nur wer als Angestellter (wieder) unter der Versicherungspflichtgrenze liegt, darf in die gesetzliche Krankenversicherung zurückkehren. Wer als Selbständiger einfach nur (zu) wenig verdient, darf das nicht.

Vor- und Nachteile der privaten Krankenversicherung

Bei der privaten Versicherung hat der Versicherte ein Leben lang Anspruch auf die individuell vertraglich vereinbarten Leistungen. Dafür ändert sich der Beitrag: Stiftung Warentest nennt die Faustregel: „Nach 30 Jahren hat sich der Beitrag mindestens verdreifacht.“ Deshalb sollten privat versicherte Nicht-Beamte jeden Monat rund 200 Euro zurücklegen, um sicherzustellen, dass sie auch im Alter ihre private Krankenversicherung bezahlen können.

Vor- und Nachteile der gesetzlichen Krankenversicherung

In der gesetzlichen Krankenversicherung richten sich die Beiträge nach dem Einkommen. Wer also wenig verdient, zahlt auch wenig. Außerdem werden Familienangehörige, also Kinder und Ehepartner ohne eigenes Einkommen, kostenlos mitversichert. Dafür können die Leistungen der gesetzlichen Versicherung jederzeit durch politische Entscheidungen geändert werden. In den letzten Jahren wurden beispielsweise die Zuschüsse für Zahnersatz gekürzt und die Erstattung für Brillen gestrichen.

Andere Versicherungen

Es gibt jede Menge Versicherungen, die man abschließen kann, aber nicht muss. Ausnahme hiervon ist neben der gesetzlich vorgeschriebenen Krankenversicherung die Kfz-Haftpflichtversicherung, die für Besitzer von Autos, Motorrädern oder anderen Kraftfahrzeugen Pflicht ist. Alles andere ist Entscheidungssache. Eine Versicherung halten Fachleute allerdings für unentbehrlich.

Ein Muss: die private Haftpflichtversicherung

Die private Haftpflichtversicherung zahlt, wenn der Versicherte einen anderen schädigt. Fachleute halten sie für absolut notwendig, weil beispielsweise die Kosten eines Personenschadens den Verursacher finanziell ruinieren können: Schmerzensgeld, Behandlungs- und Pflegekosten sowie der behindertengerechte Umbau einer Wohnung können sich auf Millionen summieren. „Deshalb benötigt jeder unbedingt eine private Haftpflichtversicherung – mit einer Versicherungssumme von mindestens drei Millionen Euro pauschal für Personen- und Sachschäden“, so Stiftung Warentest.

Berufshaftpflicht für Architekten und Bauingenieure

Eine Berufshaftpflichtversicherung für Architekten und Bauingenieure abzuschließen, ist keine Pflicht – aber sehr zu empfehlen: „Man spielt mit seiner eigenen Insolvenz, wenn man keine Versicherung hat“, warnt Markus Prause, Rechtsreferent der Architektenkammer Niedersachsen. Die Berufshaftpflicht versichert das Berufsbild des Architekten (oder des Bauingenieurs), und das ist ein Privileg: „Die Architekten können versichern, dass sie Mist bauen“, so Prause. Planungsfehler wie übersehene Grenzabstände, eine im Detail nicht richtig geplante Abdichtung oder nicht richtig berücksichtigte Grundwasserverhältnisse – das sind Fehler, die Architekten unterlaufen können und aus denen ein Schaden entsteht. Eine Schadenssumme von 10.000 Euro ist nicht ungewöhnlich, es können aber auch leicht deutlich mehr werden. Wer keine Berufshaftpflichtversicherung hat, muss dann selber zahlen, denn die Privathaftpflichtversicherung ist nicht zuständig. Allerdings können nur selbständige Architekten oder Bauingenieure eine Berufshaftpflichtversicherung abschließen, Angestellte sind über den Arbeitgeber versichert.

Versicherungsschutz ab dem ersten Auftrag

Wer sich selbständig machen will, sollte sich schon im Vorfeld nach der passenden Berufshaftpflichtversicherung umschauen, damit sie beim ersten Auftrag sofort abgeschlossen werden kann. Nicht jedes Versicherungsunternehmen bietet eine Berufshaftpflichtversicherung für Architekten und Bauingenieure an. Von den verschiedenen Anbietern sollte man sich vergleichbare Angebote einholen und danach entscheiden. Vorher überlegen: Welche Deckungssummen möchte ich haben? Welche Selbstbeteiligung? Die meisten Anbieter bieten ähnliche Grundbedingungen, dann entscheidet der Preis. Aber einige Details sind außerdem zu beachten.

Verhandeln
Foto: fotomek_fotolia.com

Vergleichen lohnt sich.
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Viele Versicherer bieten Rabatte für Existenzgründer – wenn sie das nicht von vornherein selbst erwähnen, sollte man danach fragen. Rabatte gibt es vielfach auch für längere Laufzeiten. „Man denkt häufig, die Versicherungen bieten ein Paket an, und das kann man dann nehmen oder nicht“, weiß Prause und betont: „Aber man kann mit Versicherungen auch handeln und reden.“ Wer beispielsweise fast nur Sachverständigentätigkeit mache, sollte darüber mit dem Versicherungsunternehmen reden, denn das sei oft günstiger. Grundsätzlich gilt: Fragen kostet nichts! Nicht fragen hingegen möglicherweise schon.

Freie Mitarbeiter

Ein Sonderthema, das für viele Absolventen eine Rolle spielen kann, ist die „freie Mitarbeit“. Freie Mitarbeiter haben im Regelfall keinen direkten Kontakt zum Bauherrn, sondern arbeiten für verschiedene Büros – das aber gerade nicht als Angestellter. Sie können allerdings in die Versicherung des Büros mit einbezogen werden. Sonderklauseln, dass freie Mitarbeiter unter die Versicherung des Büros „unterschlüpfen“ können, existieren bei fast jeder Versicherung. Der freie Mitarbeiter sollte diese Frage aber ausdrücklich mit dem Büro klären, denn automatisch geschieht das nicht und das Büro kann auch ablehnen, den freien Mitarbeiter mit zu versichern. Der sollte dann eine eigene Berufshaftpflichtversicherung haben, weil er als Subunternehmer selbständig ist.

Die Prämien sind normalerweise an den Umsatz gekoppelt, für einen Einzelarchitekten geht es bei 1.200 bis 1.500 Euro im Jahr los. Die Summen kann man bei Bedarf aufstocken, aber auch eine Korrektur nach unten ist meist problemlos möglich. Einige Versicherer bieten sogar Kleinversicherungskonzepte an, beispielsweise, wenn jemand in Elternzeit geht und nur wenig nebenbei verdient. Das haben aber nicht alle Versicherer im Programm – hier lohnt es sich womöglich, das Thema in die Versicherungswahl miteinzubeziehen und es im Vorfeld konkret abzufragen.

Welche Tätigkeiten?

Worauf noch zu achten ist: Welche Arbeitsfelder werden individuell bearbeitet – und sind die auch im Versicherungsschutz enthalten? Von der Berufshaftpflicht explizit ausgeschlossen ist baugewerbliche Betätigung, also wenn der Architekt auch gleichzeitig Bauträger ist, der die Planung und bauliche Ausführung in einer Hand hat. Gedacht ist die Berufshaftpflichtversicherung für selbständige, freischaffende Architekten, die Architektenleistungen wie Planung, Ausschreibung und Bauleitung anbieten. Aber nicht nur diese klassischen Aufgabenbereiche werden abgedeckt, sondern auch „Randbereiche“ wie Sachverständigentätigkeit oder Energieberatung. Versichert ist das Berufsbild des Architekten, und das wandelt sich. Deshalb lohnt es sich, wenn man etwas macht, was nicht „klassisch“ ist, in die Vertragsbedingungen zu schauen, ob es womöglich schon aufgenommen ist, oder beim Versicherer konkret zu fragen, ob man für dieses Feld auch Deckungsschutz bekommt – und sich das notfalls auch schriftlich geben zu lassen. Energieberatung, Sachverständigentätigkeit oder Gesundheitsschutzkoordination sind inzwischen oft bereits aufgenommen. Abfragen sollte man gegebenenfalls die Deckung von Auslandstätigkeiten, Projektentwicklung und -steuerung oder auch die Tätigkeit als Baumediator. „Wenn man ohnehin eine Versicherung hat“, rät Rechtsreferent Prause, „würde ich immer empfehlen, solche etwas am Rande liegenden Berufsfelder auf jeden Fall zu klären.“

Unfallschutz

Unfallschutz ist kein Bestandteil der Berufshaftpflicht. Aber ein Teil des deutschen Sozialversicherungssystems ist die gesetzliche Unfallversicherung – getragen durch die verschiedenen Berufsgenossenschaften. Angestellte sind über ihren Betrieb in der Berufsgenossenschaft (pflicht)versichert. Selbständige Architekten und Bauingenieure können sich aber freiwillig über die Berufsgenossenschaft versichern: Für sie ist in der Regel die Verwaltungs-Berufsgenossenschaft in Hamburg zuständig (www.vbg.de). Eröffnen sie ein Büro, sind sie sogar verpflichtet, das bei der zuständigen Berufsgenossenschaft zu melden. Freiwillig Versicherte können die Versicherungssumme innerhalb festgesetzter Grenzen frei wählen. Je höher die Versicherungssumme, desto höher sind auch die Leistungen im Falle eines Arbeitsunfalls – und auch die Beiträge, die zu zahlen sind. Wer sich freiwillig versichert, ist dann bei allen betrieblichen Tätigkeiten gegen die Folgen von Arbeitsunfällen, Wegeunfällen (auf dem Weg von und zur Arbeit) und Berufskrankheiten im Rahmen der gewählten Versicherungssumme abgesichert. Behandlungskosten nach einem Unfall werden von der Krankenversicherung bezahlt, aber nicht alle teuren Rehabilitationsmaßnahmen übernehmen die Krankenkassen, im Gegensatz zu den Berufsgenossenschaften, die normalerweise alle medizinisch nötigen Behandlungen und Rehabilitationsmaßnahmen übernehmen. Im schlimmsten Fall zahlen die Berufsgenossenschaften auch Invaliditäts- bzw. Hinterbliebenenrente. Die Informationsseite www.versicherungszentrum.de sieht in den Berufsgenossenschaften „selbst für freiwillig versicherte Selbständige eine günstige Alternative zu vielen privaten Unfallversicherungen“. Sie decken allerdings ausschließlich Unfälle und Erkrankungen ab, die direkt mit der Arbeit zusammenhängen – Freizeitunfälle natürlich nicht.

Berufsunfähigkeitsversicherung

Wer aufgrund einer beruflich bedingten Krankheit oder eines Unfalls berufsunfähig wird und in der Berufsgenossenschaft (freiwillig) versichert ist, bekommt eine Invaliditätsrente. Die Erwerbsminderungsrente aus der gesetzlichen Rentenversicherung kommt nur in ganz seltenen Fällen zum Tragen und reicht meistens kaum aus, den Lebensstandard zu halten – Berufsunfähigkeit ist über die gesetzliche Rentenversicherung seit 2001 gar nicht mehr abgedeckt. Private Versicherungsunternehmen bieten Berufsunfähigkeitsversicherungen an, die unabhängig vom Grund der Berufsunfähigkeit, also beispielsweise auch nach Freizeitunfällen, zahlen.

Schutzschild vom Boss

Mit einer von der Zurich vorgestellten Versicherung können Arbeitgeber ihre Arbeitnehmer gegen Berufsunfähigkeit versichern. …mehr

Sie sind für Angestellte wie für Selbständige interessant. Eine Berufsunfähigkeitsversicherung greift, wenn man nicht mehr im erlernten oder vorwiegend ausgeübten Beruf arbeiten kann, und das unabhängig davon, ob in einem anderen Beruf gearbeitet wird – außer im Vertrag gibt es eine Klausel über die „abstrakte Verweisung“, denn das würde bedeuten, dass die Versicherung die Leistungen verweigern kann, wenn in einem anderen Beruf gearbeitet werden kann. Nur noch wenige Versicherungen haben diese – für den Versicherungsnehmer ungünstige – Klausel, die Vertragsbedingungen sollten also genau gelesen werden. Die Höhe der Leistungen kann individuell festgelegt werden, hat aber Auswirkungen auf die Beitragshöhe, die auch risiko- und altersabhängig ist. Weil die Beitragshöhe sich auch nach dem Eintrittsalter richtet, ist es besonders für junge Menschen sinnvoll, eine Berufsunfähigkeitsversicherung abzuschließen. Sie sollte so abgeschlossen werden, dass im Schadensfall die Rente bis zum Eintritt in das Rentenalter gezahlt wird. Auch hier ist es sinnvoll, vergleichbare Angebote verschiedener Versicherungsunternehmen einzuholen und zu vergleichen. ■

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