Die lieben Steuern: Leichter als gedacht

Die lieben Steuern: Leichter als gedacht

von Ute Schroeter

Nicht sonderlich beliebt, aber ein wichtiges Thema für Existenzgründer: Mit welchen Steuerarten habe ich es zu tun? Kann ich meine Buchführung selbst machen? Was ist eine Einnahmenüberschussrechnung? Die Selbständigkeit hat ohne Zweifel ihre Vorzüge, wenn da nicht das ganze Drumherum wäre. Wer sich selbständig macht, dem bleibt nichts anderes übrig, als mit den Steuern Freundschaft zu schließen. Und so schwer, wie es immer scheint, ist das auch gar nicht.

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Beispiele für Betriebsausgaben

  • Bürobedarf (Papier, Aktenordner)
  • Porto
  • Büromöbel (Regal, Schreibtisch, Schreibtischstuhl)
  • Reisekosten (Übernachtung, Bahnfahrkarten)
  • Pkw-Kosten (das Finanzamt erkennt 30 Cent pro Kilometer an)
  • Telefon, Internet, Mobiltelefon
  • Miete für Büroräume
  • Häusliches Arbeitszimmer
  • Software (CAD-Programme, Ausschreibungsprogramme, Office-Software)
  • Hardware (PC, Notebook)
  • Fortbildungskosten
  • Existenzgründung
  • Steuern

beträgt der aktuelle Mehrwertsteuersatz, den Unternehmer für Einkäufe, die den Betrieb betreffen, abziehen dürfen.

Mit diesen Steuern haben Freiberufler zu tun:

Einkommensteuer: Während bei Angestellten die Ein- kommensteuer in der Regel durch die Lohnsteuer abgegolten ist, müssen Selbständige ihre Einkommensteuer durch Voraus- zahlungen und die Pflichtabgabe einer Einkommensteuer- erklärung abführen. Alle Einnahmen müssen im Rahmen der Einkommensteuererklärung versteuert werden. Betriebsaus- gaben, wie Papier, Bleistifte etc., können von der Steuer abge- setzt werden. Anhand Ihrer Angaben im „Fragebogen zur steuerlichen Erfassung“ schätzt das Finanzamt die Steuerschuld für die kommenden Jahre und verlangt meist
Vorauszahlungen.

Kirchensteuer: Wenn Sie Mitglied der evangelischen oder ka- tholischen Kirche sind, müssen Sie mit Ihrer Einkommensteu- er auch Kirchensteuer abführen.

Umsatzsteuer: Jeder Unternehmer muss Umsatzsteuer zahlen. Es gibt jedoch Ausnahmen. Befreit sind alle Kleinunter- nehmer, deren Umsatz im Gründungsjahr nicht höher als 17.500 Euro war oder voraussichtlich sein wird und im laufen- den Jahr 50.000 Euro voraussichtlich nicht überschreiten wird.

Lohnsteuer: Fällt nur an, wenn Sie Angestellte haben. Sie als Arbeitgeber sind dann für die korrekte Abführung der Lohnsteuer Ihrer Arbeitnehmer an das Finanzamt verpflichtet. Die Lohnsteuer wird vom Bruttogehalt abgezogen, somit vom Arbeitnehmer gezahlt, jedoch vom Arbeitgeber überwiesen.

Der Freie Beruf 

Wussten Sie eigentlich, dass Sie einen „Freien Beruf“ gewählt haben? Architekten und Bauingenieure sitzen im gleichen Boot wie Ärzte, Rechtsanwälte, Notare, Journalisten, Dolmetscher oder Übersetzer. Sie gehören zu den sogenannten Katalogberufen nach § 18 Abs. 1 Einkommensteuergesetz. Selbständigen bringt die Zugehörigkeit zu dieser Gruppe steuerliche Vorteile. Das Finanzamt behandelt einen freiberuflich Tätigen anders als einen Gewerbetreibenden, wie zum Beispiel einen Bauträger oder einen Versicherungsmakler. Diese müssen nämlich Gewerbesteuer zahlen, ein Freiberufler muss das nicht. Doch Vorsicht: Es kommt auf die Art der Leistungen an, die Sie anbieten. Bei Planungsleistungen ist die Sachlage eindeutig. Ein Bauingenieur jedoch, der beispielsweise ausschließlich Bauleitungsaufgaben übernimmt, könnte eventuell als Gewerbetreibender eingestuft werden.

Eine eindeutige Definition für den Freien Beruf gibt es nicht. Der Gesetzgeber hat es im Partnerschaftsgesellschaftsgesetz folgendermaßen formuliert: „Die Freien Berufe haben im Allgemeinen auf der Grundlage besonderer beruflicher Qualifikation oder schöpferischer Begabung die persönliche, eigenverantwortliche und fachlich unabhängige Erbringung von Dienstleistungen höherer Art im Interesse der Auftraggeber und der Allgemeinheit zum Inhalt.“

Buchführung: Mit den Steuern im Reinen 

Wozu braucht man eigentlich eine Buchführung? Ganz einfach: Alle Selbständigen sind dazu verpflichtet, Einnahmen und Ausgaben so zu dokumentieren, dass das Finanzamt den Geschäftsverlauf nachvollziehen und damit die Einkommensteuer berechnen kann, die ihm der Unternehmer schuldet. Die Höhe der Einkommensteuer richtet sich nach dem Gewinn, der in einem Jahr erwirtschaftet wurde. Eine Buchführung hat außerdem den Vorteil, dass man den Überblick über sein Geschäft behält. Freiberufler haben es dabei noch relativ leicht. Sie müssen dem Finanzamt nur eine Einnahmenüberschussrechnung (EÜR) vorlegen. Gewerbetreibende müssen ab dem Überschreiten bestimmter Schwellenwerte (Umsatz größer 500.000 Euro und Gewinn größer 50.000 Euro) bilanzieren und eine sogenannte doppelte Buchführung vorlegen, das ist ohne Steuerberater so gut wie nicht zu meistern.

Die EÜR funktioniert im Grunde ganz simpel: Sie sammeln alle Belege mit Einnahmen und Ausgaben, die den Betrieb betreffen. Alles, was ein Selbständiger für die Ausübung seiner Tätigkeit braucht und gleichzeitig seinen Gewinn schmälert, zählt zu den Betriebsausgaben, beispielsweise Bürobedarf, Reisekosten, Telefon. Am Jahresende ermittelt man seinen Gewinn, indem man die Ausgaben von den Einnahmen abzieht. Dafür gibt es im Übrigen zahlreiche Softwareprogramme, in die man sich schnell einarbeiten kann. Gute Erfahrungen haben wir mit dem Onlineanbieter Collmex (www.collmex.de) gemacht. Dieser hat sich auf Kleinunternehmer spezialisiert und bietet ein übersichtliches Online-Buchungsprogramm an, das für eine geringe monatliche Gebühr genutzt werden kann.

Foto: Daniel Kummer

Umsatzsteuerpflichtig oder nicht? 

Jeder, der selbständig tätig ist, muss Mehrwert- oder – richtigerweise muss man sagen – Umsatzsteuer zahlen. Einzige Ausnahme: Von der Umsatzsteuerpflicht befreit sind alle Kleinunternehmer. Das sind diejenigen, deren Umsatz im letzten Jahr beziehungsweise im Gründungsjahr nicht höher als 17.500 Euro war oder voraussichtlich sein wird und im laufenden Jahr 50.000 Euro voraussichtlich nicht überschreiten wird. Die meisten Existenzgründer können diese Befreiung in Anspruch nehmen. Sie müssen dies im steuerlichen Fragebogen bei der Existenzgründung beantragen. Kleinunternehmer können aber auch freiwillig erklären, dass sie zur Umsatzsteuer herangezogen werden wollen, auch wenn sie unter der Umsatzgrenze liegen. Freiwillig Steuern zahlen – ist das denn ratsam? Was die Umsatzsteuer angeht: ja. Selbständige haben in der Regel finanzielle Vorteile, wenn sie umsatzsteuerpflichtig sind.

Umsatzsteuer: Wie geht das? 

Jeder Unternehmer schlägt Mehrwertsteuer auf seine Rechnungen drauf, bei Architekten- und Ingenieurleistungen sind es zurzeit 19 Prozent. Diese Beträge müssen an das Finanzamt abgeführt werden, denn das Geld gehört dem Staat. Aber nicht in voller Höhe: Vorher dürfen Unternehmer davon die Mehrwertsteuer abziehen, die sie für Einkäufe, die den Betrieb betreffen, gezahlt haben. Denn im Preis dieser Waren ist ja auch immer Mehrwertsteuer enthalten. Abgeführt wird also nur die Steuer auf den „Mehrwert“, den das Unternehmen erwirtschaftet hat, weshalb diese Art von Umsatzsteuer auch Mehrwertsteuer heißt. Und damit niemand zu rätseln anfängt: Gemeint ist mit „Umsatzsteuer“ und „Mehrwertsteuer“ immer dasselbe. Ein Beispiel: Mal angenommen, ein Selbständiger hat mit seinem Auftraggeber ein Honorar über 100 Euro vereinbart. Nun schreibt er eine Rechnung. Da er umsatzsteuerpflichtig ist, schlägt er 19 Prozent Mehrwertsteuer zusätzlich auf den Betrag auf. Auf seinem Konto gehen also 119 Euro brutto ein. 19 Euro davon muss er als Umsatzsteuer an das Finanzamt abführen. Über die Umsatzsteuerregelung will der Staat die Unternehmen entlasten, und zwar so: Wenn der besagte Selbständige einen Bleistift kauft, dann legt er – mal angenommen – 1,19 Euro auf den Tisch. Darin enthalten sind auch 19 Prozent Mehrwertsteuer, also 19 Cent. Diesen Betrag holt er sich vom Finanzamt zurück, indem er dem Staat nun nicht mehr die kompletten 19 Euro überweist, die da als eingenommene Umsatzsteuer auf seinem Konto schlummern, sondern nur noch 18,81 Euro. In Wahrheit hat ihn der Bleistift nur den Nettobetrag, also 1,00 Euro, gekostet.

Die Befreiung bietet auch Vorteile 

Der Vorteil einer Befreiung von der Umsatzsteuer liegt darin, dass man keine Umsatzsteuervoranmeldung abgeben muss. Am Anfang der Selbständigkeit verlangt das Finanzamt die monatliche Abgabe auf elektronischem Wege, wobei eine Dauerfristverlängerung zur Abgabe beantragt werden kann. Dann hat der Unternehmer einen Monat mehr Zeit, die Umsatzsteuervoranmeldung beim Finanzamt einzureichen. Eine Befreiung kann einem außerdem einen gewissen Preiswettbewerbsvorteil bringen, und zwar dann, wenn man ausschließlich für Nicht-Unternehmer arbeitet, also für öffentliche oder private Auftraggeber. Diese sind selbst nämlich auch nicht umsatzsteuerpflichtig, bekommen die Mehrwertsteuer also nicht vom Finanzamt zurück. Für sie ist die Mehrwertsteuer eine echte Mehrausgabe. Wer von der Umsatzsteuerpflicht befreit ist, kann diesen Kunden daher 19 Prozent günstigere Preise anbieten als jemand, der Umsatzsteuer abführen muss.

Steuern einkalkulieren 

Das Finanzamt verlangt für die Einkommen- und Umsatzsteuern Vorauszahlungen. Die Einkommensteuer-Vorauszahlungen sind im vierteljährlichen Turnus, die Umsatzsteuer-Vorauszahlungen monatlich zu entrichten. Je nach Einnahmesituation kann die Umsatzsteuer-Vorauszahlung auch quartalsweise erfolgen. Für die Umsatzsteuer müssen Sie dazu eine sogenannte Umsatzsteuervoranmeldung erstellen. Unternehmer sind mittlerweile dazu verpflichtet, diese auf elektronischem Weg an das Finanzamt zu übermitteln. Dafür wird ein sogenanntes „Elster-Zertifikat“ benötigt, im Grunde nichts anderes als eine Datei, die man auf seinem Rechner installieren muss. Das Zertifikat ist online unter www.elster.de erhältlich. Die Höhe der Vorauszahlungen der Einkommensteuer hängt bei Existenzgründern davon ab, welche zu erwartenden Einkünfte sie im steuerlichen Erfassungsbogen angegeben haben. Seien Sie an dieser Stelle besonders wachsam, denn zu hohe, aber auch zu niedrige Angaben können für böse Überraschungen sorgen. Wer als Lediger für das erste Jahr Einnahmen angibt, die über der Einkommensteuer-Freigrenze von mehr als 8.820 Euro liegen, muss Einkommensteuern vorauszahlen. Dazu schickt Ihnen das Finanzamt einen Vorauszahlungsbescheid, dem Sie aber auch dann Folge leisten müssen, wenn Sie die zu erwartenden Einkünfte nicht erzielen, weil Sie zum Beispiel einen bestimmten Auftrag nicht bekommen haben oder das Architekturbüro, das Sie als freien Mitarbeiter engagiert hat, pleitegeht oder – was leider oft vorkommt – Auftraggeber nicht pünktlich zahlen. Die umgekehrte Situation – Sie erzielen Einkünfte, leisten aber keine Vorauszahlungen – kann genauso böse enden, nämlich dann, wenn Sie den Betrag für die Einkommensteuer anderweitig ausgeben. Deshalb: Bei einem saftigen Betrag auf dem Konto immer den Anteil für die Steuern zur Seite legen, entweder aufs Tagegeldkonto oder sich auf dem Geschäftskonto eine Marke setzen, die Sie nicht unterschreiten. So bleiben Sie liquide, auch wenn die Einkommen und Umsatzsteuern wieder mal zuschlagen.

Tarifgehalt für Architekten und Bauingenieure

Tarifgehälter für Architekten und Bauingenieure

von Ute Schroeter

Berufseinsteiger, die nach Tarif bezahlt werden, können sich glücklich schätzen, denn Tarif-Einstiegsgehälter liegen oft deutlich über den frei verhandelten Gehältern. Nur wenige Arbeitgeber, hierzu zählen der öffentliche Dienst oder große Bauunternehmen, sind jedoch an Tarifverträge gebunden. Der Vertrag regelt neben der Höhe des Gehalts auch den Urlaubsanspruch, Kündigungsfristen und Sonderzahlungen. Besonders im Architekturbereich werden die Gehälter in der Regel frei verhandelt.

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Die deutsche Tariflandschaft ist unübersichtlich und verwirrend, es gibt hierzulande 73.000 Tarifverträge. Man unterscheidet zwischen Flächentarifverträgen, die für die Beschäftigten ganzer Branchen gelten, und Firmen- bzw. Haustarifverträgen für Mitarbeiter in großen Unternehmen. Konzerne wie die Deutsche Bahn haben zum Beispiel einen Haustarifvertrag. Tarifverträge werden zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern geschlossen. Am Verhandlungstisch sitzen in der Regel Gewerkschaften als Vertreter der Arbeitnehmer, für die Arbeitgeber spricht meist ein spezieller Arbeitgeberverband. Jeder will für seine Partei das Beste herausholen, daher ziehen sich Tarifvertragsverhandlungen manchmal über Monate hinweg. Am Ende eines zähen Gerangels steht ein Kompromiss, der beiden Seiten einigermaßen gerecht wird – auch wenn die jeweiligen Verhandlungsführer natürlich das Gegenteil behaupten.

Tarifverträge für Architekten und Bauingenieure

Der „Tarifvertrag für Architektur-, Ingenieur- und Planungsbüros“ wurde zwischen dem Arbeitgeberverband selbständiger Ingenieure und Architekten (ASIA) und der Gewerkschaft Verdi geschlossen. Der jüngste Gehaltstarifvertrag ist seit dem 1. Mai 2018 gültig. Berufseinsteiger in der Gehaltsklasse T4 bekämen danach im ersten Jahr knapp 37.330 Euro. Gehaltsklasse T3 ist eigentlich für Mitarbeiter ohne Hochschulabschluss, damit würden Berufsanfänger gut 31.600 Euro pro Jahr verdienen. Zulagen wie Weihnachts- und Urlaubsgeld kommen noch hinzu. In diesem Tarifvertrag ist beispielsweise eine Sondervergütung von 30 Prozent bei mindestens elfmonatiger Betriebszugehörigkeit vereinbart.

Der zweite wichtige Tarifvertrag ist der „Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst TVöD“, in dem auch die Gehälter der technischen Angestellten festgelegt sind. Es gibt keine regionalen Unterschiede, auch nicht zwischen West und Ost, dafür beeinflusst der Studienabschluss die Höhe des Gehalts. Absolventen mit Masterabschluss werden in der Regel in Entgeltgruppe 13 eingeordnet und verdienen nach dem geltenden Tarifvertrag von 2018 knapp 45.400 Euro im ersten Jahr, Bachelorabsolventen müssen sich mit Entgeltgruppe 10 begnügen und erhalten knapp 38.200 Euro.

Gehälter für Bauleiter sind unter anderem im „Tarifvertrag für Angestellte und Poliere des Baugewerbes TV Gehalt/West“ festgelegt. Er gilt nur für die alten Bundesländer (außer für Bayern und Berlin) und wurde zwischen dem Zentralverband des Deutschen Baugewerbes und dem Hauptverband der Deutschen Bauindustrie sowie der Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt geschlossen. Berufsanfänger in Tarifgruppe A5 mit Bachelorabschluss erhalten knapp 43.000 Euro, in Tarifgruppe A6 mit Masterabschluss verdient man rund 47.500 Euro.

 

 

Gut gekleidet ins Vorstellungsgespräch

Gut gekleidet ins Vorstellungsgespräch

von Ute Schroeter

Foto: Free-Photos/pixabay.com

Der erste Eindruck zählt – zu diesem Schluss kam schon der amerikanische Psychologe Albert Mehrabian im Jahr 1971. Der Tonfall, die Stimme und nicht zuletzt das äußere Erscheinungsbild spielen beim Vorstellungsgespräch eine wichtige Rolle. Wir haben Stil- und Imageberaterin
Eva Ruppert gefragt, welche Kleidung für Architekten und Bauingenieure angemessen ist.

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Beim ersten Vorstellungsgespräch drängt sich zwangsläufig die Frage auf: Was ziehe ich an? Wer sich um eine Arbeitsstelle bemüht, sollte sich bei der Antwort Zeit lassen. „Korrekte Kleidung ist immer ein Zeichen der Wertschätzung, deshalb ist eine gepflegte Garderobe ein absolutes Muss, wenn man sich einem potenziellen Arbeitgeber präsentiert“, betont Eva Ruppert. Sie rät beim ersten Vorstellungsgespräch zu einer Neuanschaffung; so kann man sicher sein, dass Farbe und Form tadellos in Ordnung sind. Wer sich keine neue Garderobe leisten kann, sollte auf Feinheiten wie aufgetrennte Nähte achten und sich unbedingt von hinten im Spiegel betrachten, bevor es zum Vorstellungsgespräch geht. Wichtig ist außerdem eine gute Passform, in der man sich bequem bewegen kann, denn zu kurze oder zu lange Ärmel wirken unbeholfen. Gleiches gilt für eine schlecht sitzende Schulterpartie. Es lohnt sich, Zeit und Geduld zu investieren, um etwas Passendes für sich zu finden. Eine gepflegte Frisur sowie saubere Hände und geputzte Schuhe sollten eine Selbstverständlichkeit sein.

Kleidungsstil: Dunkler Anzug oder lockere Jeans?

Arbeitgeber stellen gerne Leute ein, die zu ihnen passen. Aus diesem Grund sollten sich beide Berufsgruppen am Stil des Unternehmens orientieren und die Kleidung danach auswählen. „Ein Eindruck vom Stil der Firma lässt sich relativ unkompliziert im Internet recherchieren“, erklärt die Imageberaterin. Auf der Homepage finden sich meist Fotos der Geschäftsführer. Allein die Art und Weise, wie die Homepage gestaltet ist, lässt Rückschlüsse zu, ob die Firma zum Beispiel eine eher klassisch-konservative oder kreative Linie fährt. Da kann man sich ruhig auf sein Gefühl verlassen. Allerdings sollte man sich unbedingt treu bleiben. Sich absolut anzupassen, wäre im Vorstellungsgespräch kein gutes Signal. Da im Architekturbereich allgemein Kreativität gefragt ist, könnte man schnell auf die Idee kommen, dies durch die Kleidung im Vorstellungsgespräch zum Ausdruck zu bringen. Eva Ruppert dazu: „Es bietet sich durchaus an, bei der Wahl der Kleidung kreativ zu sein. Nur bitte nicht in Form von Gag-Motiven à la Micky Maus auf der Krawatte.“ In der Regel braucht unser Gegenüber nur sieben Sekunden, um sich einen Eindruck von uns zu machen. Was in dieser kurzen Zeit auf jeden Fall wahrgenommen wird, ist die Micky Maus. Wenn man Pech hat, verbindet der Arbeitgeber damit aber nicht die von uns gewünschte Kreativität, sondern Albernheit und Unzuverlässigkeit. Dieses Image lässt sich nur schwer revidieren.

Stattdessen könnten Architekten gerne mutiger in Sachen Form und Farbe sein, meint die Expertin. Erfahrungsgemäß ist die Berufsgruppe meist komplett schwarz gekleidet. Es fällt angenehm auf, wenn zum Beispiel das Hemd in einer Modefarbe getragen wird. Generell sollte die Basisgarderobe, also das Jackett und die Hose, in gedeckten, dunkleren Farben wie Dunkelblau, Anthrazit, Dunkelbraun oder Olivgrün getragen werden. Für das Kombiteil wie Hemd oder Bluse kann ruhig eine hellere Farbe gewählt werden.

Dresscode auf Baustellen

Viele Bauingenieure fangen als Bauleiter an. Als Führungskraft bewegen sie sich im späteren Berufsleben überwiegend auf Baustellen. Welche Kleidung ist hier angemessen? Eva Ruppert: „In einer praxisorientierten Branche gilt das Motto: Weniger ist mehr. Wer sich mit Hochglanzschuhen und Armani bei einer Baufirma vorstellt, signalisiert, dass er seine zukünftige Aufgabe offenbar nicht verstanden hat.“ Das heißt wiederum nicht, sich nachlässig zu kleiden. Eine Führungskraft sollte sich – auch auf einer Baustelle – von den Mitarbeitern dadurch unterscheiden, dass die Kleidung nicht nur praxistauglich, sondern ebenfalls repräsentativ ist. Empfehlenswert sind pragmatische und pflegeleichte Sachen, die man nicht dauernd zur Reinigung bringen muss. Im Vorstellungsgespräch ist man beispielsweise mit einem Jackett gut beraten. Dieses Kleidungsstück steht wie kein zweites für Sachlichkeit und Professionalität. Dazu würden eine gute dunkle Jeans – ohne Löcher – sowie ein Hemd, auch ohne Krawatte, oder ein Polopullover passen.

Verhaltensregeln im Vorstellungsgespräch

Bewerber sind natürlich aufgeregt, wenn sie den Raum betreten. Trotzdem – es ist wichtig, schon beim Eintreten auf seine Körperhaltung zu achten. „Ein aufrechter Gang mit locker herunterhängenden Armen zeugt von Selbstbewusstsein“, so der Tipp unserer Expertin.

Nicht zu vergessen ist natürlich die Begrüßung. Im deutschen Geschäftsleben ist folgendes Ritual allgemein üblich: Der Eintretende grüßt die anwesenden Personen immer zuerst und zwar mit dem in Deutschland gängigen Tagesgruß wie „Guten Tag“. Danach folgen die Anrede, gegebenenfalls der Titel und der Name der Person, die das Gespräch leitet. Der Name des Ansprechpartners muss unbedingt vorher recherchiert werden. Schließlich stellt sich der Bewerber selbst vor, und zwar mit Vor- und Zunamen. Sagen Sie auf keinen Fall: „Ich bin die Frau oder der Herr Müller.“ Besonders wichtig ist: Lächeln. Das ist nicht nur sympathisch, sondern auch professionell. Ein Willkommensgruß in Form eines Händedrucks geht immer vom Ranghöheren aus. Daher sollten Bewerber ihrem Gesprächspartner nie mit ausgestreckter Hand entgegengehen und den Händedruck nur dann erwidern, wenn er als Geschenk angeboten wird.

Nach dem Begrüßungsritual bleibt der Bewerber so lange stehen, bis ihm ein Platz angeboten wird. Im weiteren Verlauf des Gesprächs sollte man immer wieder die Körperhaltung kontrollieren, deutlich sprechen und ein angemessenes Sprechtempo anschlagen. Diese ungemein wichtigen Feinheiten lernt man nicht von heute auf morgen. Daher rät Eva Ruppert dazu, solche Dinge vorher zu üben, sonst kann es passieren, dass die Selbstpräsentation steif wirkt.

Wie sich Frauen professionell kleiden

„Frauen sollten durch ihre Kleidung in erster Linie ihre Professionalität unterstreichen, nicht ihre Weiblichkeit“, betont Eva Ruppert. Das sei gerade in der männerdominierten Baubranche wichtig. Frauen, die mit tiefem Ausschnitt, Minirock oder bauchfrei zur Arbeit gehen, dürfen sich nicht wundern, wenn sie nicht ernst genommen werden. Auch schulterfreie Tops im Sommer können der Karriere schaden, denn unbedeckte Achselhöhlen gehören in den Privatbereich, nicht ins Geschäftsleben. Das heißt nicht, dass sich Architektinnen und Bauingenieurinnen kleiden und geben müssen wie ihre männlichen Kollegen. Es sollte aber alles in einem professionellen Rahmen bleiben.

Welche Soft Skills Arbeitgeber fordern

Welche Soft Skills Arbeitgeber fordern

von Ute Schroeter

Unser Recherchedienst stellt Stellenangebote für junge Architekten und Bauingenieure zusammen. Dazu durchforsten wir täglich zahlreiche Jobbörsen nach Jobs für Berufsanfänger und veröffentlichen diese auf unserer Homepage. Und damit keine Langeweile aufkommt, haben wir einfach mal ein bisschen mitgelesen.

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Rund 300 Jobangebote pro Monat finden wir bei unserer Recherchereise durch die einschlägigen Stellenportale. Allen ist gemeinsam, dass sie eine besondere Einladung an Absolventen, Berufseinsteiger oder -anfänger enthalten. Teilweise ist das Wort „Absolvent“ bereits im Anzeigentitel eingeschlossen, teilweise heißt es aber auch sinngemäß im Text:

„Wir interessieren uns auch für Bewerbungen von Berufsanfängern.“ Ein wichtiges Stichwort für Architekten ist die Abkürzung AIP (Architekt im Praktikum). Mit diesem Begriff, der nicht verwechselt werden darf mit einem Architekturpraktikum, ist die zweijährige Praxiszeit nach dem Studium gemeint, um sich danach in die Architektenrolle eintragen lassen zu können. Bei unseren Recherchen fiel uns auf, dass sich in Baden-Württemberg überdurchschnittlich viele Stellenangebote an AIPs richten, in Nordrhein-Westfalen aber nicht ein einziges. Wir fragten also bei der Architektenkammer Nordrhein-Westfalen nach und erhielten die Auskunft, dass es diesen Begriff in NRW nicht gibt. Dort spricht man eher von Praxiszeit oder richtet die Stellenanzeige an „Absolventen“. Wichtig ist es nur, zu wissen: Wenn ein Arbeitgeber nach einem AIP sucht, dann sind damit Berufsanfänger ohne oder mit wenig Berufserfahrung gemeint.

Mappe oder E-Mail?

Unseren Recherchen zufolge bevorzugen rund drei Viertel aller Arbeitgeber in Architektur- und Bauingenieurwesen die Onlinebewerbung. Knapp 10 Prozent wünschen ausdrücklich die postalisch übersandte Mappe, der Großteil davon sind Architekturbüros. Die restlichen 15 Prozent stellen es dem Bewerber frei. Größere Unternehmen richten eigene Bewerbungsportale ein, die Bewerber auf jeden Fall nutzen sollten. Bei solchen Unternehmen gehen täglich Hunderte Bewerbungen ein, eine gesondert verschickte Mappe oder E-Mail würde möglicherweise gar nicht erst erfasst werden.

Wer sucht?

Dass die meisten Jobangebote für Berufsanfänger, nämlich knapp 80 Prozent, aus Architektur- oder Ingenieurbüros stammen, ist nicht weiter verwunderlich. Denn Planung gehört ja nun mal zu den klassischen Aufgaben von Architekten und Bauingenieuren. Platz 2, mit 11 Prozent, nehmen Bauunternehmen ein, die meist Bauingenieure als Bauleiter suchen, hin und wieder aber werden auch explizit Architekten für die Bauleitung angefragt. Schlusslicht bildet der Vertrieb, also die Bauzulieferindustrie, die ohnehin nur ein begrenztes Arbeitsgebiet für diese Berufsgruppe bereitstellt, bei der eine Stellensuche aber durchaus ins Kalkül gezogen werden kann.

Was steht drin?

In nahezu jeder Stellenanzeige für Berufseinsteiger werden Kompetenzen im Umgang mit CAD-Programmen und anderer Software gefordert. Sehr oft wird in den Stellenausschreibungen sogar der Name der Software aufgeführt, die der Arbeitgeber bei sich einsetzt. MS Office sollten unseren Auswertungen zufolge beide Berufsgruppen beherrschen, Architekten sollten darüber hinaus Design-Programme (häufigste Nennung: Indesign/Adobe) bedienen können. Ausschreibungsprogramme, sogenannte AVA-Software, werden im Planungsbereich, aber auch in der Bauleitung eingesetzt. Bei Ausschreibungsprogrammen wurde die Orca AVA Software am häufigsten genannt, gefolgt von Arriba/iTWO aus dem Hause RIB Software AG.

Bei den CAD-Programmen ergaben sich im Beobachtungszeitraum für das Programm Autocad von Autodesk die meisten Nennungen (über 30 Prozent), das wiederum zur Nemetschek Group gehört. Ebenfalls sehr verbreitet sind die Software Archicad von Graphisoft sowie die Programme Vectorworks und Allplan. Weniger häufig fanden wir das von Bentley entwickelte Microstation. In 8 Prozent der ausgewerteten Anzeigen wurden andere Programme genannt oder nicht näher beschrieben. Immer häufiger findet sich der Begriff BIM (Building Information Modeling) in Stellenausschreibungen, vor allem größere Büros fordern Kenntnisse im Umgang mit Revit, einer von Autodesk entwickelten BIM-Software.

Die meisten Hersteller bieten kostenlose Studenten- oder Testversionen ihrer Software an. Berufsanfänger sind gut beraten, einfach mal ein bisschen mit den unterschiedlichen Programmen „herumzuspielen“. Mit guten Software-Kenntnissen lässt sich auch mangelnde Berufserfahrung wieder wettmachen.

 

Was heißt hier engagiert?

Ein Stellenangebot hat ein bisschen was von einer Partnervermittlungsanzeige, nur mit dem Unterschied, dass Arbeitgeber „engagierte“ statt „romantische“ Partner bevorzugen. Beide aber, sowohl Heiratswillige als auch Arbeitgeber, versuchen den Richtigen oder die Passende über eine Anzeige zu finden. Wohl deshalb wimmelt es in Stellenanzeigen vor positiv besetzten Adjektiven, schließlich möchte jeder „verantwortungsbewusste, strukturierte, kreative, zielorientierte und kommunikative“ Mitarbeiter finden. Verwunderlich nur, dass sich oft ausschließlich Personen bewerben, die genau das nicht sind und Bewerber mit diesen Eigenschaften sich nicht angesprochen fühlen.

Das Problem bei der Sache sind die Adjektive. Anders als Verben lösen Adjektive sehr individuelle Bilder in uns aus. Der eine meint, mit dem pünktlichen Erscheinen im Büro sei dem Thema Zuverlässigkeit ausreichend Rechnung getragen, ein anderer findet, Engagement äußere sich in der völligen Selbstaufgabe, sprich arbeiten bis zum Burnout. Während ein Dritter mit Kommunikationsfähigkeit Smalltalk und lockere Sprüche verbindet, erwartet ein anderer stets bestens vorbereitete PowerPoint-Präsentationen, selbst bei einer Zweierunterredung. Tätigkeitsbeschreibungen, also Texte mit zahlreichen Verben, schaffen es eher, sowohl beim Sender als auch beim Empfänger ein einheitlicheres Bild auszulösen. „In Konfliktsituationen bleiben Sie sachlich, Sie berufen sich auf Fakten und lassen Emotionen aus dem Spiel.“ Ein solcher Satz beschreibt, welches Verhalten ein Arbeitgeber von einer konfliktfähigen Person erwartet. Das ist leichter nachvollziehbar, als wenn einfach nur Konfliktfähigkeit gewünscht wird. Leider sind die adjektivlastigen Stellenanzeigen immer noch in der Überzahl. Nur einzelne der von uns analysierten Anzeigen beschreiben, was sich die Personalentscheider unter einem „verantwortungsbewussten“ oder „engagierten“ Mitarbeiter vorstellen. Im Rahmen der TALIS-Jobrecherche analysierten wir die Anzahl der gewünschten Eigenschaften. Im Folgenden stellen wir die wichtigsten vor und wagen einen Übersetzungsversuch:

Platz 1: Engagiert, motiviert, fleißig

Natürlich stehen Fleiß und Engagement hoch im Kurs bei Arbeitgebern, schließlich bringen einen untätige Mitarbeiter nicht weiter. Doch reicht es aus, immer brav alles zu machen, was einem gesagt wird? Genügt es, auf Arbeitsanweisungen zu warten? Engagierte Menschen warten nicht, sie kümmern sich um die Sache, um die es geht. Sie denken mit, stellen Fragen, recherchieren oder lesen nach, immer mit dem Ziel, eine Lösung oder zumindest einen Teil davon zu finden. Wer sich engagiert, ist zwangsläufig fleißig, denn Engagement erfordert Zeit.

Platz 2: Teamfähig

Teamfähigkeit ist ein arg strapazierter Begriff und meint deutlich mehr als nur die Zusammenarbeit mit anderen Menschen. Zweifelsohne lassen sich Projekte niemals im Alleingang realisieren. Doch wirklich gut funktionierende Teams sind selten. Auch in Planungsbüros oder Bauunternehmen verzettelt man sich oft in stundenlange, ergebnislose Meetings. Echte Teamplayer lassen andere ausreden und geben fremden Ideen Raum. Es geht ihnen nicht um sich selbst, im Mittelpunkt steht die Aufgabe. Als Berufsanfänger müssen Sie in ein bestehendes Team erst hineinwachsen. Als teamfähig erweisen Sie sich, wenn Sie sich zunächst einmal nur von der Gruppe inspirieren lassen, um sich nach und nach selbst einzubringen.

Platz 3: Strukturierte Arbeitsweise

Das Genie beherrscht das Chaos? Mag sein, aber bei 99,99 Prozent von uns Nicht-Genies hilft eine strukturierte Arbeitsweise, damit Chaos gar nicht erst entsteht. Ein Durcheinander auf dem Schreibtisch führt zwangsläufig zu Strukturlosigkeit im Kopf. Deshalb sei auch allen Genies gesagt: Gebt eurer Tätigkeit Struktur und Ordnung – nicht alles auf einmal, alles Schritt für Schritt. Nur so erwachsen aus genialen Ideen auch geniale Lösungen.

Platz 4: Begeisterungsfähig, Freude bei der Arbeit

Nichts ist schlimmer als ein Dauernörgler mit Dreitage-Regenwetter-Gesicht am Nachbarschreibtisch. Begeisterungsfähige Mitarbeiter, die mit Spaß und Freude an neue Aufgaben herangehen, stehen hoch im Kurs. Man erkennt sie daran, dass sie lieber von „Herausforderungen“ als von „Problemen“ sprechen, dass sie Hürden sportlich nehmen und sich auch von der Begeisterung anderer leicht anstecken lassen.

Platz 5: Selbständig, eigenverantwortlich

Wer selbständig oder eigenverantwortlich handelt, kann sich selbst gut organisieren. Chefs, die Aufgaben in die Hände selbständiger Mitarbeiter legen, können sich entspannt zurücklehnen, denn diese kümmern sich von Anfang bis Ende um die ihnen anvertrauten Angelegenheiten. Wenn sie nicht weiterwissen, organisieren sie sich selbständig Unterstützung und schlagen rechtzeitig Alarm, wenn ein Projekt zu scheitern droht.

 

 

Betonwüsten aus Wüstensand

Betonwüsten aus Wüstensand

von Ute Schroeter

Foto: Pexels/pixabay.com

Die Erkenntnis, dass es zwar jede Menge Sand auf der Welt gibt, dieser aber nicht als Baumaterial geeignet ist, wurde bereits in vielen Fernsehdokumentationen deutlich. Demnach sind 95 % unserer Sandvorkommen weltweit nicht für den industriellen Einsatz geeignet. Bisher galt auch die Herstellung von Beton aus Wüstensand als nicht realisierbar. Zwei Deutsche haben nun eine Idee, wie sich das ändern lässt.

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Eric geht den Dingen auf den Grund. Vor laufender Kamera macht er für seine jungen Zuschauer in der ZDF-Fernsehsendung pur+ allerlei Experimente. Einmal geht er der Frage nach, warum man Beton nicht aus Wüstensand herstellen kann. Unterstützt von einem Experten stellt er verschiedene Betonmischungen mit unterschiedlichen Zuschlagstoffen her, genauer gesagt Glasscherben, Wüstensand und Bausand. Beim Druckfestigkeitsversuch zeigt sich sehr eindrucksvoll, wie der Wüstensand-Beton als erster „schlapp“ macht. Der Experte in der Sendung erklärt den Grund: „Die Sandkörner sind zu rund und zu glatt, um sich mit dem Zement zu verbinden. Die Stabilität kommt erst zustande, wenn dem Beton scharfkantiges Material zugesetzt wird.“ Darum liegt der Glasscherben-Beton beim pur+-Experiment hinsichtlich seiner Druckfestigkeit im Mittelfeld, der „eckige“ Bausand schneidet am besten ab. Die Erkenntnis, dass es zwar jede Menge Sand auf der Welt gibt, dieser aber nicht als Baumaterial geeignet ist, wurde bereits in vielen Fernsehdokumentationen deutlich. Demnach sind 95 % unserer Sandvorkommen weltweit nicht für den industriellen Einsatz geeignet.

Griffiger Wüstensand

Die deutschen Unternehmer Helmut Rosenlöcher und Leopold Halser haben nun eine Idee, wie man Beton auch mit Wüstensand Griffigkeit verleihen kann. In der Zeitung „Die Welt“ gibt der Chemiker Rosenlöcher an, er sei vor zwei Jahren auf den Gedanken gekommen, Feinsand aus der Wüste oder anderen Quellen noch feiner aufzumahlen, um ein Steinmehl herzustellen, das sich zusammen mit mineralischen Bindemitteln zu Pellets pressen lässt. Spezielle Hochgeschwindigkeitsmischer mit 1.500 Umdrehungen könnten die Pellets unter Zusatz von Zement und Wasser zu Beton verarbeiten. Rosenlöcher und Halser haben die Münchner Firma Mulitcon gegründet, die sich auf die Entwicklung neuer Betontechnologien spezialisiert hat. Durch die intensive Beanspruchung im Mischer würden sich Bindemittel, Additive und Zuschlagstoffen besser miteinander verbinden, erklären die Unternehmer. Das daraus resultierende Baumaterial sei sogar druckfester als herkömmlicher Beton.

Arbeit an verschiedenen Lösungen

Experimente mit Feinsand im Beton gibt es schon länger. Dr. Gerhard Dust, Geschäftsführer von Polycare Research Technology, verwendet in seinem Produkt Polyesterharz statt Zement, um die Wüstensandkörnchen zu binden. Aus diesem Polymerbeton stellt seine Firma eine Art Legostein her, mit dem sich recht schnell und einfach Häuser bauen lassen. Diese Unterkünfte mögen zwar klein und wenig komfortabel erscheinen, doch sie bieten Menschen ein stabiles Zuhause, die in Zelten oder sonstigen Notunterkünften leben müssen.
Polymerbeton hat gegenüber normalem Beton eine höhere Tragkraft und ist zugfester. Es ist ein in der Baubranche gängiges Baumaterial, allerdings bisher noch ohne Wüstensand.

 

Der Linie treu geblieben

Der Linie treu geblieben

von Ute Schroeter

Mit Hingabe konstruierte Walter Muck als kleiner Junge Windmühlen aus Lego. Schon damals wusste er: „Bauen, das ist was für mich.“ Heute führt er ein erfolgreiches Ingenieurbüro in Ingolstadt und zählt zu den wenigen Tragwerksplanern in Deutschland, die das Building Information Modeling (BIM) in seiner eigentlichen Funktion anwenden. Wir sprachen mit ihm über intelligente Linien sowie über die Freuden und Tücken des Planer-Alltags.


Bauingenieur aus Leidenschaft: Walter Muck vor einem seiner Projekte – dem Verwaltungsgebäude des E.on-Kraftwerkes Zolling.

Foto: Muckingenieure

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Herr Muck, als die Welt 1989 noch im Internet-Dornröschenschlaf lag, schrieben Sie an einem C64 das Konzept für Ihr Büro 2000. Wovon träumten Sie damals?

Walter Muck: Nach meinem Bauingenieurstudium an der FH München arbeitete ich zwei Jahre lang bei Professor Nemetschek und entdeckte dort meine Neigung zur Software. Planen hieß in den 80er Jahren Zeichnen am Zeichenbrett und Schreiben mit der Schreibmaschine. Meine Vision damals, die ich Büro 2000 nannte, war es, Informationen, die wir für das Planen brauchen, schnell abrufbar zu machen und Planungsschritte miteinander zu verknüpfen. Ich wollte mich in der Zukunft auf das eigentliche Planen und auf die Wünsche meiner Kunden konzentrieren, statt mich mit der Datenverwaltung herumzuplagen. Das sollte Sache der Software sein. In den Achtzigern kam gerade der Commodore C64 auf den Markt, den mir ein Kollege auslieh und an dem ich meine handschriftlichen Notizen zum Konzept niederschrieb. Der Papierstapel war 15 Zentimeter hoch.

Was wurde aus Ihrer Vision?

Walter Muck: Erst einmal nichts. Nach meiner Zeit bei Nemetschek fing ich in einem Ingenieurbüro an und trug als Filialleiter sehr schnell Verantwortung. Schließlich wurde mir eine Partnerschaft angeboten, was mich sehr beflügelt hat und für die ich auch das Konzept Büro 2000 schrieb. Doch irgendwie ging es damit nicht richtig weiter, und nachdem ich privat auch in einer schwierigen Phase steckte, wollte ich neu anfangen und machte mich mit einem Kollegen selbständig. Als ich aber ein Netzwerk einrichten wollte – aus heutiger Sicht eine Banalität –, kam es zur Trennung. Mein Kollege und ich waren einfach nicht auf einer Linie, was Softwarelösungen betraf. 1996 habe ich dann „Muckingenieure“ gegründet.

Wir schreiben das Jahr 2017, ist Büro 2000 überholt?

Walter Muck: Nein, noch lange nicht, wobei ich mittlerweile nicht mehr von Büro 2000, sondern von „Walter-Muck-Denke“ – kurz WMD – spreche. Ich glaube, der Weg, den wir gehen, wird nie zu Ende sein. Wir haben, was die Zeichnungen betrifft, einen Stand erreicht, der momentan kaum zu übertreffen ist. Jetzt arbeiten wir auch an der Statik aus einem Guss.
Wie erklären Sie einem Laien die Besonderheit des Building Information Modeling (BIM)?

Walter Muck: Wenn ich Vorträge halte über das Thema Tragwerksplanung 4.0, versuche ich die Unterschiede zwischen einem 2-D, 3-D- und einem BIM-Plan zu vermitteln. Ich zeige zuerst einen Film, in dem jemand einen Tuschestrich auf ein Blatt Papier zieht. Dann frage ich die Zuhörer, welche Intelligenz dieser Strich hat. Aufmerksame Beobachter, meist älteren Semesters, sagen dann: „Das war ein Tuschestrich mit der Strichstärke 0.7“, weil sie den blauen Ring am Stift erkennen. Und das ist es dann auch schon: Ein Tuschestrich hat die Intelligenz von „Ich bin ein Strich von 0.7 und gehe von A nach B“. Beim 3-D-Plan sind wir schon einen Schritt weiter. Hier sagt die Linie: „Ich bin ein Körper, so breit, so dick, so hoch.“ BIM kann noch viel mehr. Hier sagen mir die Linien: „Ich bin ein Körper, ich bin aus diesem Beton, ich habe jenen Stahlgehalt, ich bin so breit, so hoch, so tief und da oben ist eine Aussparung.“

Was nutzen mir solche Informationen?

Walter Muck: Um eine Stahlmassenschätzung aufzustellen, habe ich früher ellenlange Excel-Tabellen geschrieben. Die Maße haben wir mit dem Maßstab aus dem Plan gezogen. Wie man sich denken kann, hat das lange gedauert und war sehr fehlerträchtig. Heute reicht ein Klick am 3-D-Modell und das Programm rechnet die Massen aus. Manche Kunden haben uns schon gefragt, ob wir ihnen die Massen für das Rohbau-Leistungsverzeichnis zur Verfügung stellen können. Mit einer passenden Schnittstelle zum entsprechenden Ausschreibungsprogramm ist das für uns nun problemlos machbar, gehört für uns als Tragwerksplaner jedoch nicht zu unserem originären Leistungsspektrum. BIM hilft uns aber auch, Problempunkte zu klären. Wir hatten mal den Fall, dass ein technischer Gebäudeausrüster eine Aussparung direkt unter unserer Stütze vorgesehen hatte. Da er selbst nicht in 3-D geplant hatte, konnten wir ihm das Problem an unserem Modell zeigen, so dass er es gut nachvollziehen konnte. Wir sind dann dazu übergegangen, in unseren Plänen „No-go-Areas“ farbig zu markieren. So wissen alle Beteiligten, wo keinesfalls Aussparungen eingeplant werden dürfen. Über Farben vergeben wir jedem Bauteil einen gewissen Status, beispielsweise „freigegeben“ oder „in der Prüfung“. Das hat große Vorteile, wenn jemand aus dem Team krank ist und sich ein anderer einen Überblick über den Stand der Arbeiten verschaffen muss.

Macht BIM schönere Architektur?

Walter Muck: BIM ist ja nur ein Hilfsmittel, aber ein Tragwerk lässt sich tatsächlich besser visualisieren. Wie wirkt es denn, wenn der Unterzug da rausschaut, oder ist das wirklich so schön, wenn da keine Stütze ist? Darüber kann man sich mit dem Architekten viel besser und schneller abstimmen. Früher wurden Pläne mit der Post geschickt, heute per E-Mail oder man trifft sich zu einer Teamsitzung im Internet und schaut von verschiedenen Standorten aus gemeinsam auf das Modell. So lässt sich auch über Änderungen aus ästhetischen Gründen besser diskutieren.

Für Infrastrukturprojekte soll 2020 die Anwendung von BIM zur Pflicht werden. Ist das aus Ihrer Sicht zu schaffen?

Walter Muck: Der Weg ist richtig, aber das bis 2020 umzusetzen, ist schon sehr sportlich. In Deutschland ist BIM, anders als in Großbritannien oder in den Benelux-Ländern, kaum verbreitet. Viele deutsche Büros arbeiten mittlerweile in 3-D und sagen, es sei BIM. Es gibt aber noch große Unterschiede zwischen der Darstellung eines Tunnels in 3-D und der Modellierung mit BIM. Ich sehe für kleinere Büros gute Chancen, mit BIM ihre Wettbewerbsfähigkeit zu verbessern, denn zum einen spart man viel Zeit und zum anderen ist es ja ein gutes Hilfsmittel, um sich mit mehreren Büros zusammenzutun und gemeinsam an Projekten zu arbeiten.

Sie sagen selbst, dass Sie sich mit dem Ziel, Bauingenieur zu werden, einen Lebenstraum erfüllt haben. Was lieben Sie so an diesem Beruf?

Walter Muck: Ich mag die Vielfalt und die täglichen, neuen Herausforderungen. Kein Tag ist wie der andere. Natürlich gibt es auch bei uns


Das Dach der BMW-Welt in München: Die Werkstattplanung der Stahlkonstruktion stammt aus Muck’s Feder.

Foto: designerpoint/pixabay


Gruppenbild mit Chef: Walter Muck (Mitte) und sein Team.

Foto: Muckingenieure

Wiederholungen – Keller müssen geschalt, Wände müssen bewehrt werden. Und doch ist jedes Haus individuell und muss immer wieder neu erfunden werden. Wenn ich mit meiner Frau durch Eichstätt oder Ingolstadt fahre, wo wir viel mitgebaut haben, erinnere ich mich gern an die Besonderheiten eines jeden Bauwerkes. Das macht einen schon stolz, etwas entstehen zu sehen, was man selbst geplant hat.

Und was geht Ihnen auf die Nerven?

Walter Muck: Planungsänderungen.

Wirklich? Trotz BIM?

Walter Muck: Ja, selbst mit BIM bedeuten Änderungen Aufwand. Wir haben einmal mit einem Architekten zusammengearbeitet, der hat im hohen Alter angefangen, statt mit der Hand mit CAD zu zeichnen. Da er nicht mehr mit der Rasierklinge hantieren musste, meinte er nun, munter bis kurz vor der Betonage ändern zu können. Oder ich denke mit Schrecken an einen Bauträger zurück, der die Wohnungen nach dem Gusto der Käufer verkauft hat und noch während der Bauphase ständig die Wände, vor allem auch tragende Wände, verschob. Wenn Wände einfach mir nichts dir nichts versetzt werden, kann das riesige Konsequenzen für unser Tragwerk haben. Das willkürliche Ändern, das nervt schon. Manchmal fühle ich mich wie ein Schwamm: Auf der einen Seite der Bauherr und sein Architekt, wo noch kurz vor Ausführung geändert wird, auf der anderen Seite die Baufirma, die anfangen will. Und wir, die als Erste die Pläne liefern müssen, sitzen dazwischen. Der eine drückt von links, der andere von rechts und bei uns spritzt Blut … (lacht). Diesen Zustand kenne ich aber schon seit Beginn meines Berufslebens. Ich glaube, das ist das Los der Tragwerksplaner. Mit der modernen Technik wird der Termindruck, fürchte ich, sogar noch zunehmen, weil jeder meint, da geht doch schnell noch was. Ich habe oft große Mühe, das meinen Mitarbeitern zu vermitteln.

Welche Erinnerungen haben Sie an die Anfänge Ihres Berufslebens?

Walter Muck: Mir wurde schnell Verantwortung übertragen, darauf war ich stolz. Ich hatte ja nur zwei Jahre Erfahrung als Programmierer und durfte im Anschluss gleich ein Büro führen und Baustellen übernehmen. Allerdings wurde ich auch von Alpträumen heimgesucht …

Oh je, warum?

Walter Muck: Ich war einfach noch unsicher, weil mir die praktische Erfahrung fehlte. Ich habe einmal in meinem Heimatort eine Stahlhalle gebaut und war zu Besuch bei meiner Schwester. Als ich aus dem Auto ausstieg, vernahm ich plötzlich einen riesigen, dumpfen Schlag, und da dachte ich: Jetzt ist deine Halle eingefallen. Ich bin sofort zur Baustelle gefahren, da stand natürlich noch alles so da, wie es war. Oder als ich zum ersten Mal eine Decke nach der FEM-Methode berechnet habe, träumte ich, dass diese Decke wie nasse Waschlappen herunterhing. So wie eben ein FEM-Programm die Durchbiegung der Decke überhöht darstellen kann. Auch da war ich dann am nächsten Tag gleich auf der Baustelle und habe nachgeschaut, ob alles noch hält. Heute lächelt man darüber. Wo ich früher eine Garage noch ganz genau gezeichnet und berechnet habe und trotzdem nachts nicht schlafen konnte, sage ich heute einfach: Decke 20 Zentimeter dick, 5 Durchmesser 14 im Unterzug.

Welchen Tipp geben Sie jungen Tragwerksplanern für den Berufseinstieg?

Walter Muck: Die jungen Ingenieure wachsen ja bereits mit PC-Programmen und Internet auf und sind bei der Anwendung der Programme im Allgemeinen sehr stark. Nur beim Beurteilen der Ergebnisse haben sie am Anfang ihre Probleme. Die Herausforderung besteht darin, das Bauchgefühl zu trainieren und sich zu fragen: Kann das Ergebnis des Computers stimmen? Habe ich die richtigen Eingaben gemacht? Man muss lernen, die Technik sinnvoll einzusetzen und dabei den Kopf einzuschalten. Aber keine Sorge: Das ist alles nur eine Frage der Erfahrung.

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