„Hosen runter und Kante zeigen!“

„Hosen runter und Kante zeigen!“

von Ute Schroeter

Wer sich bewirbt, möchte sich von seiner besten Seite präsentieren. Doch das Motto „Mehr Schein als Sein“ führt nach Erfahrungen von Dr. Bernd Slaghuis selten zum Erfolg. Der Kölner Karrierecoach plädiert schon seit vielen Jahren für mehr Ehrlichkeit auf beiden Seiten im Bewerbungsprozess. Wir fragten ihn inmitten der Corona-Krise, warum Bewerber „Kante zeigen“ sollten.


Dr. Bernd Slaghuis, Karrierecoach

Kontakt: www.bernd-slaghuis.de

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Herr Dr. Slaghuis, während wir miteinander telefonieren, hat ein kleiner Winzling namens „Corona“ das Arbeitsleben im Griff. Lohnt es sich derzeit überhaupt, sich zu bewerben?

Dr. Bernd Slaghuis: Die Unternehmen führen durchaus Bewerbungsgespräche, trotz Corona-Krise, zwar nicht persönlich, aber doch über Video-Call. Einige meiner Klienten haben erst während der Krise angefangen, sich zu bewerben und berichten mir von positiven Vorstellungsgesprächen, einzelne haben jetzt schon einen Arbeitsvertrag in der Tasche. Es lohnt sich also, weiterhin in Stellenportalen nach interessanten Angeboten zu suchen und sich zu bewerben. Ich höre allerdings auch von Fällen, bei denen der Bewerbungsprozess auf Eis gelegt wurde und sich Arbeitgeber überlegen, die Stelle vielleicht gar nicht mehr zu besetzen.

Sie beraten seit über neun Jahren Klienten bei der Bewerbung und beruflichen Neuorientierung. Ist das Interesse mit der Krise an diesen Themen gestiegen?

Dr. Bernd Slaghuis: In den ersten Wochen der Krise sind die Anfragen fast auf null heruntergegangen, doch seit Ostern beobachte ich einen massiven Anstieg, teilweise höher als im Januar, der mit den Neujahrsvorsätzen erfahrungsgemäß immer ein hohes Interesse an diesen Themen bewirkt. Ich sehe, dass jetzt im Homeoffice viele zur Ruhe gekommen sind und sich bewusst gemacht haben, was im Beruf und im Leben wirklich zählt. Für viele fühlt es sich plötzlich fremd an, nach wochenlangem Arbeiten im Homeoffice wieder ins Büro zu gehen und wieder inmitten der alten Routinen zu sein. Und dem einen oder anderen kommen dabei Zweifel, ob der aktuelle Job für die Zukunft noch passt. Einige spielen sogar mit der Idee einer Kündigung, was man sich allerdings in der derzeitigen Situation gut überlegen sollte.

Wird das Virus den Bewerbungsprozess verändern?

Dr. Bernd Slaghuis: Vorstellungsgespräche über Video-Calls waren auch schon vor der Krise üblich, gerade bei größeren Unternehmen und Konzernen. Dort gehört auch das Telefoninterview vorab häufig zum Standardprozess. Meines Erachtens wird es immer normaler, sich auf diese Weise zum ersten Mal zu beschnuppern. Ich bin jedoch der Meinung, dass auch in Zukunft wieder persönliche Gespräche geführt werden sollten, um auf beiden Seiten einen echten Eindruck zu bekommen. Schließlich lässt sich im Video-Call durch das kleine Bildschirmfenster nicht immer alles so transportieren, wie es im direkten Kontakt möglich ist. Daher hoffe ich doch sehr, dass persönliche Gespräche bald wieder stattfinden können.

Um das Thema Bewerbung ranken sich viele Mythen. Welche begegnen Ihnen in Ihrer Praxis immer wieder?

Dr. Bernd Slaghuis: Es sind vor allem formale Vorschriften, die Bewerber meinen erfüllen zu müssen, zum Beispiel dass ein Lebenslauf nur maximal zwei Seiten lang sein darf oder sie sich nur auf Jobs bewerben dürfen, die zu hundert Prozent auf ihr Profil passen. Auch im Vorstellungsgespräch bis zum Ende warten zu müssen, bis man Fragen stellen darf, ist ein Mythos, der so heute nicht mehr gilt. Viele glauben, dass sie bestimmten Erwartungen gerecht werden müssen, und vergessen dabei, auf sich selbst zu schauen. Mein Motto lautet ja „Bewerber, zeigt Kante“. In meinem Blog habe ich es mal etwas plastischer mit „Bewerber, lasst die Hosen runter“ dargestellt. Ich habe diesen Grundsatz selbst lange hinterfragt und spüre jedes Mal im Coaching harten Gegenwind von Bewerbern: „Ist das nicht zu gefährlich?“, fragen mich viele. Doch meine Erfahrungen über die Jahre zeigen eindeutig, dass es genau diese Klarheit ist, die die Einladungsquote von Bewerbern erhöht. Je greifbarer sie sich gegenüber Arbeitgebern und ihren Recruitern machen, umso größer die Chance, dass es am Ende wirklich passt, und umso entspannter sind die Gespräche. Schließlich ist „Hosen runter lassen“ auch ein erster Vertrauensbeweis. Aus diesem Grund bin ich ein totaler Verfechter des Anschreibens, von dem ja auch viele glauben, dass es überflüssig sei. Sowohl Bewerber als auch Arbeitgeber würden sich keinen Gefallen tun, das Anschreiben abzuschaffen. Jeder Lebenslauf ist Vergangenheit, erst das Anschreiben kann Klarheit über eine gemeinsame gute und gesunde Zukunft schaffen.

Was muss ich tun, um mich zeitgemäß zu bewerben?

Dr. Bernd Slaghuis: Im ersten Schritt sollten Sie für sich selbst Klarheit schaffen. Was ist Ihnen im Job wirklich wichtig? Was sind Ihre Ziele, sowohl im Privatleben als auch im Beruf? Welche Ihrer persönlichen Werte müssen erfüllt sein und was ist für Sie ein passendes Arbeitsumfeld bei einem Arbeitgeber? Erst wer diese eigene Klarheit hat, kann auch mit der Bewerbung Klarheit schaffen und sich greifbar machen. Nach dieser wichtigen Vorarbeit lässt sich sehr viel leichter der Lebenslauf ausarbeiten und eine gute Story mit dem Anschreiben vermitteln. Dabei finde ich es wichtig, dass der Leser den Lebenslauf schnell erfassen und sich ein gutes Bild von dem beruflichen Werdegang der letzten Jahre machen kann. Neben der Aufzählung von beruflichen Stationen sollte der Lebenslauf auch Erfahrungswissen enthalten, also über die Darstellung der operativen Tätigkeiten hinausgehen.

Was meinen Sie genau mit „Erfahrungswissen“?

Dr. Bernd Slaghuis: Ich meine damit zum Beispiel die Beschreibung von Sonderthemen, die man beim alten Arbeitgeber bearbeitet hat. Wichtig ist auch zu verdeutlichen, auf welchen Ebenen man sich bewegt hat, also ruhig auch reinschreiben, wer mit einem am Tisch gesessen hat. Es ist ein entscheidender Unterschied, ob ein Projektmanager das Bild vermittelt, einsam im Büro Exceltabellen bearbeitet zu haben, oder ob klar wird, dass derjenige hin und wieder auf Geschäftsführerebene Themen präsentiert oder bei Entscheidungsprozessen einbezogen worden ist. Neulich habe ich einen Klienten – einen Mathematiker – darauf hingewiesen, dass ich beim Lesen seines Lebenslaufes kein Wort verstanden habe und, was noch schlimmer ist, kein Bild im Kopf hatte. Ich habe ihm geraten, den Lebenslauf so zu schreiben, dass ich ihn dort arbeiten sehen kann. Mit dem Umstellen des Lebenslaufes hat er es geschafft, ein konkreteres Bild zu vermitteln.

Wie geht man am besten mit Lücken bzw. problematischen Stationen im Lebenslauf um?

Dr. Bernd Slaghuis: Natürlich macht es auf den ersten Blick keinen guten Eindruck, wenn man die Probezeit dreimal nicht geschafft hat, so wie es bei einer meiner Klientinnen der Fall war. Wer aber mit sich und seinem Lebenslauf im Reinen ist und sich eingesteht, dreimal den falschen Arbeitgeber ausgewählt zu haben, wird beim nächsten Mal besser aufpassen. Ein offener und souveräner Umgang mit so einem Makel zahlt sich meiner Erfahrung nach dahingehend aus, dass dies im persönlichen Gespräch mit dem Arbeitgeber plötzlich gar kein Thema mehr ist. Auch meine Klientin hat auf diese Weise wieder eine Stelle gefunden. Die Haltung entscheidet darüber, ob ich als kleiner Bittsteller oder als starker, selbstbewusster Mensch wahrgenommen werde, der so frei ist, sich seinen Arbeitgeber selbst auszusuchen.

Welche Rolle spielt in Deutschland das Foto in einer Bewerbung?

Dr. Bernd Slaghuis: Das Foto ist in Deutschland größtenteils noch Standard, auch hier gab es Überlegungen, es abzuschaffen. Ein Verzicht widerspricht jedoch meinem Ansatz, Klarheit zu schaffen und Kante zu zeigen. Da gehört ein gutes Foto einfach dazu. Wichtig ist, sich zu überlegen, welche Botschaft das Foto übermitteln soll. Will ich wie ein knickeriger Spießer rüberkommen oder will ich eine gewisse Dynamik ausstrahlen? Mein Tipp ist, sich immer einen guten Fotografen zu suchen. Lassen Sie sich in verschiedenen Outfits fotografieren, um für verschiedene Arbeitgeber ein paar Fotos in der Hinterhand zu haben. Bei einem Start-up würde ein steif-konservatives Foto etwas komisch rüberkommen, anders als bei der Deutschen Bank. Sehr hilfreich ist auch, eine vertraute Person zum Fotografen mitzunehmen, die einen gut kennt. Beim Anblick des Bildes müssen Sie sich sagen: „Ja, das bin ich.“ Viele Bewerber lassen sich extrem verbiegen. Ich erlebe das oft bei Frauen, die sich mit verschränkten Armen vorm Körper ablichten lassen und sich dann aber im Gespräch total locker und zugänglich geben. Ich denke mir dann immer: „Die auf dem Foto, das ist sie ja gar nicht.“

Ist Ihrer Meinung nach die sogenannte „dritte Seite“ noch zeitgemäß?

Dr. Bernd Slaghuis: Die dritte Seite ist selten geworden, bei vielen Bewerbungen wird ein Deckblatt mit einer floskelhaften Kurzzusammenfassung à la „Ich bin jung, dynamisch und erfolgreich“ verwendet. Ich würde auf beides verzichten, da die Gefahr besteht, dass man früh in eine Schublade gesteckt wird. Besser ist es, den Lebenslauf ganz klassisch mit Foto oben rechts oder links – je nach Blickrichtung – zu gestalten. Für die eigene Motivation, Werte und Ziele haben wir das Anschreiben. Wichtig ist nur, dass das Anschreiben gegenüber dem Lebenslauf einen echten Mehrwert schafft und der Leser Lust bekommt, diesen Menschen hinter der Bewerbung kennenzulernen.

Wie wichtig ist das Gehalt im Berufsleben?

Dr. Bernd Slaghuis: Ich spreche mit meinen Klienten oft über das Thema Werte und stelle fest, dass Geld dabei nicht an oberster Stelle steht. Natürlich ist das Gehalt wichtig, um sich einen gewissen Lebensstandard zu sichern. Die Entscheidung für oder gegen einen Arbeitgeber machen viele Jobwechsler jedoch nicht an 3.000 Euro mehr oder weniger Jahresgehalt fest. Viel mehr Kopfzerbrechen bereitet es meinen Klienten, wie sie mit der Frage nach der Gehaltsangabe in der Bewerbung umgehen sollen. Meiner Meinung nach sind solche Gehaltsangaben im Anschreiben viel zu früh, da die Beschreibung der Stelle, ihrer Aufgaben sowie des Verantwortungsbereichs in der Ausschreibung oft zu rudimentär ist. Trotzdem sollten Bewerber das Spiel mitspielen, wenn nach dem Gehaltswunsch gefragt wird. Ich kenne Personaler, die Bewerbungen rigoros aussortieren, wenn diese Angabe fehlt. Mein Tipp also: Nennen Sie einen Wert plus eventuell variabler Anteile, den Sie vorher gut recherchiert haben. Die Position, der Verantwortungsbereich und die Region spielen bei der Höhe des Gehalts auch eine große Rolle.

Woran erkennen Bewerber einen guten Arbeitgeber?

Dr. Bernd Slaghuis: Daran, dass ihre Werte und Ziele in einer Position und bei diesem Arbeitgeber weitgehend und dauerhaft erfüllt sind. Eigentlich ganz einfach und doch so schwer: Denn wir müssen uns erst einmal darüber bewusst werden, was uns in den nächsten Jahren wichtig ist, mit welcher Art Menschen wir zusammenarbeiten möchten, wie wir geführt werden wollen und unter welchen Bedingungen sowie in welchem Umfeld wir unsere Stärken in vollem Umfang einbringen können. Diese ganze Vorarbeit ist wichtig für die eigene Klarheit, einen Arbeitgeber bewerten und als „gut“ erkennen zu können. Die meisten wünschen sich Gestaltungsmöglichkeiten und Freiheiten, um bei der Arbeit glücklich zu sein. Es ist ganz wichtig, diesen Aspekt schon im Anschreiben dem Arbeitgeber mitzugeben.

Unter den TALIS-Leserinnen und -Lesern sind viele Berufsanfänger, die sich zum ersten Mal im Leben bewerben. Wie stellt man sich mental auf ein Vorstellungsgespräch ein?

Dr. Bernd Slaghuis: Wer sich zum ersten Mal bei einem Arbeitgeber vorstellt, ist natürlich unsicher und ängstlich. Ich habe es auf meinem Blog einmal so formuliert, dass ein Vorstellungsgespräch ein Gespräch über gegenseitige Vorstellungen ist, also bitte keine Bittstellerposition einnehmen, sondern sagen: O. k., ich darf Fragen stellen, die mir wichtig sind, auch wenn einen der Personaler erst einmal schräg anguckt. Und in der Vorbereitung sollte man alles tun, was einem Sicherheit gibt, sich zum Beispiel Antworten auf Standardfragen überlegen oder Informationen über das Unternehmen sammeln. Allerdings meine ich, dass man bei Letzterem nicht allzu sehr ins Detail gehen sollte. Manche lernen Fakten oder Zahlen auswendig. Ich finde alles Auswendiggelernte im Vorstellungsgespräch schlecht.

Worauf sollte man bei einem Vorstellungsgespräch per Video-Call achten?

Dr. Bernd Slaghuis: Bei der Vorbereitung gibt es keine Unterschiede. Allerdings ist der Video-Call ein anderes Format und da ich dem Gesprächspartner nicht persönlich gegenübersitze, kann ich dessen Körpersprache weniger gut wahrnehmen. Auch das In-die-Augen-Schauen fällt weg, da als Blickrichtung ja nur die Kamera oder der Bildschirm bleiben. In Videokonferenzen muss man außerdem mehr Pausen machen, und es dürfen nicht alle durcheinanderreden. Mehrere Konferenzteilnehmer sollten sich mit Namen ansprechen, damit jeder weiß, wer nun gemeint ist. Viele Bewerber machen in der Videosituation den Fehler, ihr Gegenüber ungefragt „vollzutexten“, in der Hoffnung, damit ein gutes Bild abzugeben. Das macht keinen guten Eindruck, besser darauf achten, dass es ein gutes Gespräch wird. Wer am Schluss sagen kann: „Wir haben uns gut unterhalten, es war ein guter Austausch“, hat sein Ziel erreicht.

Sie plädieren für Ehrlichkeit und Hosen runter. Hat die Ehrlichkeit im Vorstellungsgespräch auch Grenzen?

Dr. Bernd Slaghuis: Natürlich. Es gibt Fragen, die nicht gestellt werden dürfen und die der Bewerber nicht beantworten muss. Bestes Beispiel ist die Frage nach der Familienplanung: „Sagen Sie mal, wie sieht denn das aus, mit Mitte dreißig?“ Auf der anderen Seite steckt hinter jeder Frage eine bestimmte Motivation, so abgedroschen sie auch sein mag, zum Beispiel die nach den größten drei Stärken und Schwächen. Keiner mag diese Frage mehr hören, aber sie kommt trotzdem. Wer an dieser Stelle mit Floskeln aus Bewerbungsratebern nach dem Motto „Ich bin ungeduldig, perfektionistisch und hab einen Hang für Schokolade“ antwortet, hat die Intention der Frage nicht verstanden. In Wahrheit möchte ein Arbeitgeber wissen, wie fit man schon für die Aufgabe ist und was man noch lernen muss. Es gibt aus meiner Sicht keine Schwächen, die Bewerber in einem Vorstellungsgespräch nicht zugeben dürfen.

Gibt es Besonderheiten bei der Bewerbung von Architekten und Bauingenieuren?

Dr. Bernd Slaghuis: Von dieser Zielgruppe wird akkurate und sorgfältige Arbeit erwartet. Diesen Ansatz sollten Architekten und Bauingenieure in ihrer Bewerbung transportieren, sie geben im Grunde schon eine erste Arbeitsprobe ab. Bei Architekten spielt auch das Design der Bewerbung eine große Rolle. Ich habe ab und zu Architekten hier in der Beratung, die oft in inhabergeführten, kleinen Büros arbeiten. Hier besteht eine sehr enge Zusammenarbeit und es gilt daher, besonders intensiv zu prüfen, ob das Umfeld stimmt. Bei Architekten kann auch eine Initiativbewerbung sinnvoll sein, wenn Sie etwa wissen, dass ein Büro ein neues Projekt gewonnen hat oder dort bestimmte Kenntnisse fehlen, die Sie mitbringen.

Was muss man Ihrer Meinung nach tun, um im Beruf erfolgreich und zufrieden zu sein?

Dr. Bernd Slaghuis: Um es kurz zu machen: Das Wichtigste ist, Eigenverantwortung zu übernehmen und sich immer wieder bewusst zu fragen: Wie kann ich als Chef meines eigenen Lebens zu mehr Zufriedenheit beitragen und in meinem Umfeld etwas positiv verändern? Viele Arbeitnehmer sind heute zu fremdgesteuert unterwegs oder fühlen sich als Opfer der Umstände. Wer sein Leben in die Hand nimmt, wird überrascht sein, was alles geht. Und mein Tipp für junge Berufseinsteiger: Vernetzt euch, tauscht euch in und außerhalb eures Umfelds aus und probiert Dinge aus. Verstärkt, was gut läuft und verändert, was euch nicht guttut.

Vielen Dank für das Gespräch und bleiben Sie gesund!

Kontakt zu Karriercoach Dr. Bernd Slaghuis: www.bernd-slaghuis.de

Generalprobe fürs Vorstellungsgespräch

Generalprobe fürs Vorstellungsgespräch

von Ute Schroeter

Ein schönes Gefühl, wenn man eine Einladung zum Vorstellungsgespräch bekommt. Dann steigt aber auch die Aufregung vor dem großen Auftritt. Mit unseren Tipps können Sie ganz locker bleiben.

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Warum Sie mit diesen Fragen rechnen müssen:

„Haben Sie gut hergefunden?“
Hintergrund: Eröffnung eines Smalltalks, Sie sollen sich willkommen fühlen. Steigen Sie auf jeden Fall darauf ein und berichten Sie kurz
vom Stau auf der Autobahn oder vom überfüllten Bahnhof.

„Erzählen Sie uns etwas über sich.“
Hintergrund: Mit dieser Frage möchte man herausfinden, ob Sie ein interessanter Gesprächspartner sind, der sich selbstbewusst
präsentieren kann. Überlegen Sie sich also vorher, was Sie zu solch einer Frage sagen möchten. Sie können beispielsweise schildern,
warum Sie Architektur bzw. Bauingenieurwesen studiert haben.

„Warum haben Sie sich bei uns beworben?“
Hintergrund: Ein Arbeitgeber möchte wissen, welche Motivation hinter der Bewerbung steckt und ob er gezielt ausgesucht wurde.
Gibt es Punkte in der Stellenausschreibung, in denen Sie besonders gut sind oder die Ihnen besonders viel Spaß machen?
Stellen Sie anhand dieser Details Ihre Motivation dar.

„Wissen Sie, was wir machen?“
Hintergrund: Achtung – Stolperfalle. Wer diese Frage mit „Nein“ beantwortet, legt die Karten für mangelnde Vorbereitung auf den
Tisch. Deshalb: Schauen Sie nach, welche Leistungsphasen das Büro anbietet oder welche Projekte das Bauunternehmen bearbeitet hat.

„Warum sollen wir ausgerechnet Sie einstellen?“
Hintergrund: Ein Arbeitgeber erwartet für das Gehalt, das er Ihnen zahlt, entsprechende Gegenleistungen. Mit dieser Frage klopft er
ab, welchen Nutzen Sie der Firma bieten. Stellen Sie an dieser Stelle Ihre Stärken dar, beispielsweise Ihr Organisationstalent, Ihre Genauigkeit
oder besondere Computerkenntnisse.

„Wo liegen Ihre Schwächen?“
Hintergrund: Wer seine Stärken schildern kann, muss auch in der Lage sein, zu seinen Schwächen Stellung zu beziehen. An dieser Stelle
aber keinen Seelen-Striptease hinlegen. Denken Sie sich eine kleine Schwäche aus, die Sie wiederum sympathisch wirken lässt.

„Wo liegen Ihre beruflichen Ziele, was möchten Sie in unserer Firma erreichen?“
Hintergrund: Jeder erfolgreiche Mensch hat ein Ziel, das er anstrebt, ganz gleich, ob es weit in der Ferne oder sehr nah liegt. Wer kein
Ziel hat, rennt planlos in die Zukunft. Es kommt also gut bei Arbeitgebern an, wenn Sie wissen, was Sie wollen. Schildern Sie ruhig völlig
utopische Träume nach dem Motto: „Die nächste Elbphilharmonie entwerfe ich.“

„Was tun Sie in Ihrer Freizeit?“
Hintergrund: Auf den ersten Blick haben Ihre Hobbys nichts mit Ihrer Arbeit zu tun. Und doch sagen sie viel über Ihre Persönlichkeit
aus, die für den Arbeitgeber eine hohe Aussagekraft hat. Sportler beispielsweise kommen zielstrebig rüber.

„Haben Sie schon mal etwas von der VOB, dem Gesetz XY oder der Verordnung Z gehört?“
Hintergrund: Mit diesen und anderen Fragen wird Ihr Fachwissen getestet. Es kann durchaus vorkommen, dass Ihnen eine Frage zu
einem Praxisbeispiel gestellt wird oder Sie eine Rechenaufgabe lösen sollen. Hier zählt weniger das Ergebnis, sondern eher die
Herangehensweise an bestimmte Problemfälle.

Es dauert in der Regel eine bis zwei Wochen, bis Sie eine Reaktion auf Ihre Bewerbungsunterlagen erhalten, bei größeren Unternehmen meist in Form einer schriftlichen Mitteilung, dass die Unterlagen angekommen sind. Bei kleineren Unternehmen tauscht man sich aber auch telefonisch oder per E-Mail aus. Wenn dann nach weiteren zwei bis drei Wochen eine Einladung zum Vorstellungsgespräch folgt, heißt es, sich gut vorzubereiten.

Was ziehe ich an?

Korrekte Kleidung ist immer ein Zeichen der Wertschätzung, deshalb ist eine gepflegte Garderobe ein absolutes Muss, wenn man sich einem potenziellen Arbeitgeber präsentiert. Beim ersten Vorstellungsgespräch sollte man daher überlegen, ob man sich neue Kleidung anschafft. Wer sich das nicht leisten kann, sollte auf Feinheiten wie aufgetrennte Nähte achten und sich unbedingt von hinten im Spiegel betrachten, bevor es zum Vorstellungsgespräch geht. Eine gepflegte Frisur sowie saubere Hände und geputzte Schuhe sind natürlich eine Selbstverständlichkeit.

Arbeitgeber stellen gerne Leute ein, die zu ihnen passen. Aus diesem Grund sollten sich beide Berufsgruppen am Stil des Unternehmens orientieren und die Kleidung danach auswählen. Auf der Homepage finden sich meist Fotos der Geschäftsführer. Allein die Art und Weise, wie die Homepage gestaltet ist, lässt Rückschlüsse zu, ob die Firma zum Beispiel eine eher klassisch-konservative oder kreative Linie fährt. Da kann man sich ruhig auf sein Gefühl verlassen. Allerdings sollte man sich unbedingt treu bleiben. Sich absolut anzupassen, wäre im Vorstellungsgespräch kein gutes Signal.

Outfit für Architekten

Da im Architekturbereich allgemein Kreativität gefragt ist, könnte man schnell auf die Idee kommen, dies durch die Kleidung im Vorstellungsgespräch zum Ausdruck zu bringen. Nur bitte nicht in Form von Gag-Motiven à la Micky Maus auf der Krawatte. Stattdessen könnten Architekten gerne mutiger in Sachen Form und Farbe sein. Erfahrungsgemäß ist die Berufsgruppe meist komplett schwarz gekleidet. Es fällt angenehm auf, wenn zum Beispiel das Hemd in einer Modefarbe getragen wird. Generell sollte die Basisgarderobe, also das Jackett und die Hose, in gedeckten, dunkleren Farben wie Dunkelblau, Anthrazit, Dunkelbraun oder Olivgrün getragen werden. Für das Kombiteil wie Hemd oder Bluse kann ruhig eine hellere Farbe gewählt werden.

Foto: Daniel Kummer

Outfit für Bauingenieure

Bei Bauingenieuren verhält es sich etwas anders: Als Führungskraft bewegen sie sich im späteren Berufsleben überwiegend auf Baustellen. In einer praxisorientierten Branche gilt das Motto: Weniger ist mehr. Wer sich mit Hochglanzschuhen und Armani bei einer Baufirma vorstellt, signalisiert, dass er seine zukünftige Aufgabe offenbar nicht verstanden hat. Das heißt wiederum nicht, sich nachlässig zu kleiden. Eine Führungskraft sollte sich – auch auf einer Baustelle – von den Mitarbeitern dadurch unterscheiden, dass die Kleidung nicht nur praxistauglich, sondern ebenfalls repräsentativ ist. Empfehlenswert sind pragmatische und pflegeleichte Sachen, die man nicht dauernd zur Reinigung bringen muss. Im Vorstellungsgespräch ist man beispielsweise mit einem Jackett gut beraten. Dieses Kleidungsstück steht wie kein zweites für Sachlichkeit und Professionalität. Dazu würden eine gute dunkle Jeans – ohne Löcher – sowie ein Hemd, auch ohne Krawatte, oder ein Polopullover passen.

No-Goes für weibliche Führungskräfte

Wenngleich die Tendenz steigend ist – Frauen sind in der Baubranche nach wie vor rar gesät. In einer männerdominierten Branche sollten sie ganz besonders darauf achten, durch ihre Kleidung ihre Professionalität zu unterstreichen und nicht ihre Weiblichkeit. Frauen, die mit tiefem Ausschnitt, Minirock oder bauchfrei zur Arbeit gehen, dürfen sich nicht wundern, wenn sie nicht ernst genommen werden. Auch schulterfreie Tops im Sommer können der Karriere schaden, denn unbedeckte Achselhöhlen gehören in den Privatbereich, nicht ins Geschäftsleben. Das heißt nicht, dass sich Architektinnen und Bauingenieurinnen kleiden und geben müssen wie ihre männlichen Kollegen. Es sollte aber alles in einem professionellen Rahmen bleiben.

Die richtige Vorbereitung fürs Vorstellungsgespräch

Ein Vorstellungsgespräch kommt den meisten vor wie eine Prüfung. Es gibt Fragen und Antworten, man möchte einen guten Eindruck, sprich eine gute „Zensur“, machen, möchte auch gutes Geld verdienen. Alles in allem sind es negative Gefühle, die wir mit einem Vorstellungsgespräch verbinden. Versuchen Sie es mal von einer anderen, positiven Seite zu betrachten. Nicht umsonst werden Sie zum Vorstellungsgespräch „eingeladen“. Das ist eine sehr freundliche Geste. Man möchte Sie kennen lernen und will Sie in keinem Fall vorführen oder lächerlich machen. In der Tat gibt es Stressinterviews, in denen Bewerber bewusst in die Enge getrieben werden. Sollte Ihnen so etwas widerfahren, dann haken Sie es unter Negativerfahrung ab und überlegen Sie sich gut, ob Sie für eine Firma, die derart rüde mit ihren künftigen Mitarbeitern umgeht, arbeiten wollen. Die einzige Parallele zu einer Prüfung, die Sie ziehen sollten, ist die intensive Vorbereitung. Sicherlich werden Sie bei einem Vorstellungsgespräch auf Fragen antworten müssen, nur gibt es im Gegensatz zu einer Prüfung kein Richtig oder Falsch. Der Einstieg „Erzählen Sie mal ein bisschen was über sich“ müsste in Wahrheit lauten: „Sind Sie in der Lage, mit Menschen ins Gespräch zu kommen, oder muss man Ihnen alles aus der Nase ziehen?“ Wichtig ist an dieser Stelle, dass man Ihnen gut zuhören kann und dass Ihre kleine Selbstpräsentation nicht öde und langweilig ist.

Lernen Sie Ihren Vortrag nicht auswendig. Es macht nichts, wenn Sie mal ins Stocken geraten oder kurz überlegen müssen, um den roten Faden wieder aufzunehmen. Auch wenn Sie eine Generalprobe machen, erzählen Sie immer in Ihren Worten, was Sie bisher gemacht haben, als ob Sie es einem Freund erzählen würden. Ihr Gesprächspartner muss später das Gefühl haben, dass Sie einen Dialog mit ihm führen und nicht einen einstudierten Text herunterrattern.

Zu einer optimalen Vorbereitung gehört, möglichst viel über den Arbeitgeber, bei dem Sie sich vorstellen werden, zu wissen. Selbst kleine Büros sind im Internet vertreten, insofern haben Sie leichtes Spiel, an Informationen zu kommen. Diese Vorarbeit wird von Ihnen erwartet. „Was wissen Sie über uns?“ ist eine häufig gestellte Frage. Ihre Antwort zeigt, ob Sie recherchiert haben und wirklich an der Firma interessiert sind.

Architekten und Bauingenieure müssen zudem immer mit Fachfragen rechnen. Auch hier geht es weniger um die richtige Antwort. Man möchte herausfinden, wie intensiv Sie sich mit dem jeweiligen Fachgebiet schon beschäftigt haben, ob Sie beispielsweise bestimmte Normen kennen oder schon mal etwas von der VOB, der Vergabe- und Vertragsordnung für Bauleistungen, gehört haben. Bleiben Sie in jedem Fall ehrlich. Die gängige Literatur kennen Sie aus dem Studium, und den Mumm, zuzugeben, dass Sie von einer Sache keine Ahnung haben, aber selbstverständlich bereit sind, sich fehlende Informationen anzueignen, wird man Ihnen hoch anrechnen.

Bühne frei: Ihr Auftritt kann beginnen

In der Regel werden Sie vor dem Raum, in dem das Vorstellungsgespräch stattfindet, eine Weile Platz nehmen. Je nachdem, wie groß die Firma ist, bei der Sie sich vorstellen, erwarten Sie meist eine bis drei Personen. Einzig im öffentlichen Dienst ist der Kreis größer. Das Anfangsprozedere ist häufig gleich: Sie werden aufgerufen, es folgt die Begrüßung.

Im deutschen Geschäftsleben ist folgendes Ritual allgemein üblich: Der Eintretende grüßt die anwesenden Personen immer zuerst und zwar mit dem in Deutschland gängigen Tagesgruß wie „Guten Tag“. Danach folgen die Anrede, gegebenenfalls der Titel und der Name der Person, die das Gespräch leitet. Der Name des Ansprechpartners muss unbedingt vorher recherchiert werden. Schließlich stellt sich der Bewerber selbst vor, und zwar mit Vor- und Zunamen. Besonders wichtig ist: Lächeln. Das ist nicht nur sympathisch, sondern auch professionell. Ein Willkommensgruß in Form eines Händedrucks geht immer vom Ranghöheren aus. Daher sollten Bewerber ihrem Gesprächspartner nie mit ausgestreckter Hand entgegengehen und den Händedruck nur dann erwidern, wenn er als Geschenk angeboten wird.

Nach der Begrüßung wird man Ihnen einen Platz sowie eventuell ein Getränk anbieten. Sie können ruhig etwas trinken, sollten nur darauf achten, dass Sie nichts verschütten. Nehmen Sie eine präsente Haltung ein, das heißt nicht stocksteif, aber aufrecht, auf keinen Fall rumlümmeln wie im Fernsehsessel. Machen Sie sich ansonsten bitte keine Gedanken über Ihre Körpersprache. Manche Bewerbungsratgeber meinen, es sei sinnvoll, eine bestimmte Handhaltung einzustudieren. Wir halten das schlichtweg für Quatsch – geben Sie sich lieber so, wie Sie sind. Reden Sie gerne mit den Händen, dann tun Sie es. Durch Ihre Körpersprache zeigen Sie Ihrem Gegenüber einen Teil Ihrer Persönlichkeit, und das ist gut und richtig so.

Die Gesprächsleitung übernimmt Ihr Interviewpartner, er wird Ihnen Fragen stellen. Meist bittet er Sie zunächst, sich vorzustellen und Ihren Werdegang zu schildern. Sie sind ja bestens vorbereitet, es kann also gar nichts schiefgehen. Nur noch mal zur Erinnerung: Führen Sie keinen Monolog, sprechen Sie Ihr Gegenüber direkt an. Alle weiteren Fragen lassen Sie einfach auf sich zukommen. Vertrauen Sie sich. Es wird Ihnen zu jeder Frage etwas einfallen, genauso wie bei jeder anderen Unterhaltung auch. Zum Schluss bekommen Sie die Gelegenheit, Fragen zu stellen. Es wird positiv gewertet, wenn Sie diese Möglichkeit nutzen. Ihre vorherige Recherche schützt Sie davor, unkluge Fragen zu stellen. „Was macht die Firma eigentlich so?“ wird mit Sicherheit Stirnrunzeln bei Ihrem Gesprächspartner verursachen, denn das hätten Sie im Internet nachschauen können. Fragen zu Ihren künftigen Aufgaben oder ob es Weiterbildungsmöglichkeiten gibt, sind hingegen erlaubt. 

Die lieben Steuern: Leichter als gedacht

Die lieben Steuern: Leichter als gedacht

von Ute Schroeter

Nicht sonderlich beliebt, aber ein wichtiges Thema für Existenzgründer: Mit welchen Steuerarten habe ich es zu tun? Kann ich meine Buchführung selbst machen? Was ist eine Einnahmenüberschussrechnung? Die Selbständigkeit hat ohne Zweifel ihre Vorzüge, wenn da nicht das ganze Drumherum wäre. Wer sich selbständig macht, dem bleibt nichts anderes übrig, als mit den Steuern Freundschaft zu schließen. Und so schwer, wie es immer scheint, ist das auch gar nicht.

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Beispiele für Betriebsausgaben

  • Bürobedarf (Papier, Aktenordner)
  • Porto
  • Büromöbel (Regal, Schreibtisch, Schreibtischstuhl)
  • Reisekosten (Übernachtung, Bahnfahrkarten)
  • Pkw-Kosten (das Finanzamt erkennt 30 Cent pro Kilometer an)
  • Telefon, Internet, Mobiltelefon
  • Miete für Büroräume
  • Häusliches Arbeitszimmer
  • Software (CAD-Programme, Ausschreibungsprogramme, Office-Software)
  • Hardware (PC, Notebook)
  • Fortbildungskosten
  • Existenzgründung
  • Steuern

beträgt der aktuelle Mehrwertsteuersatz, den Unternehmer für Einkäufe, die den Betrieb betreffen, abziehen dürfen.

Mit diesen Steuern haben Freiberufler zu tun:

Einkommensteuer: Während bei Angestellten die Ein- kommensteuer in der Regel durch die Lohnsteuer abgegolten ist, müssen Selbständige ihre Einkommensteuer durch Voraus- zahlungen und die Pflichtabgabe einer Einkommensteuer- erklärung abführen. Alle Einnahmen müssen im Rahmen der Einkommensteuererklärung versteuert werden. Betriebsaus- gaben, wie Papier, Bleistifte etc., können von der Steuer abge- setzt werden. Anhand Ihrer Angaben im „Fragebogen zur steuerlichen Erfassung“ schätzt das Finanzamt die Steuerschuld für die kommenden Jahre und verlangt meist
Vorauszahlungen.

Kirchensteuer: Wenn Sie Mitglied der evangelischen oder ka- tholischen Kirche sind, müssen Sie mit Ihrer Einkommensteu- er auch Kirchensteuer abführen.

Umsatzsteuer: Jeder Unternehmer muss Umsatzsteuer zahlen. Es gibt jedoch Ausnahmen. Befreit sind alle Kleinunter- nehmer, deren Umsatz im Gründungsjahr nicht höher als 17.500 Euro war oder voraussichtlich sein wird und im laufen- den Jahr 50.000 Euro voraussichtlich nicht überschreiten wird.

Lohnsteuer: Fällt nur an, wenn Sie Angestellte haben. Sie als Arbeitgeber sind dann für die korrekte Abführung der Lohnsteuer Ihrer Arbeitnehmer an das Finanzamt verpflichtet. Die Lohnsteuer wird vom Bruttogehalt abgezogen, somit vom Arbeitnehmer gezahlt, jedoch vom Arbeitgeber überwiesen.

Der Freie Beruf 

Wussten Sie eigentlich, dass Sie einen „Freien Beruf“ gewählt haben? Architekten und Bauingenieure sitzen im gleichen Boot wie Ärzte, Rechtsanwälte, Notare, Journalisten, Dolmetscher oder Übersetzer. Sie gehören zu den sogenannten Katalogberufen nach § 18 Abs. 1 Einkommensteuergesetz. Selbständigen bringt die Zugehörigkeit zu dieser Gruppe steuerliche Vorteile. Das Finanzamt behandelt einen freiberuflich Tätigen anders als einen Gewerbetreibenden, wie zum Beispiel einen Bauträger oder einen Versicherungsmakler. Diese müssen nämlich Gewerbesteuer zahlen, ein Freiberufler muss das nicht. Doch Vorsicht: Es kommt auf die Art der Leistungen an, die Sie anbieten. Bei Planungsleistungen ist die Sachlage eindeutig. Ein Bauingenieur jedoch, der beispielsweise ausschließlich Bauleitungsaufgaben übernimmt, könnte eventuell als Gewerbetreibender eingestuft werden.

Eine eindeutige Definition für den Freien Beruf gibt es nicht. Der Gesetzgeber hat es im Partnerschaftsgesellschaftsgesetz folgendermaßen formuliert: „Die Freien Berufe haben im Allgemeinen auf der Grundlage besonderer beruflicher Qualifikation oder schöpferischer Begabung die persönliche, eigenverantwortliche und fachlich unabhängige Erbringung von Dienstleistungen höherer Art im Interesse der Auftraggeber und der Allgemeinheit zum Inhalt.“

Buchführung: Mit den Steuern im Reinen 

Wozu braucht man eigentlich eine Buchführung? Ganz einfach: Alle Selbständigen sind dazu verpflichtet, Einnahmen und Ausgaben so zu dokumentieren, dass das Finanzamt den Geschäftsverlauf nachvollziehen und damit die Einkommensteuer berechnen kann, die ihm der Unternehmer schuldet. Die Höhe der Einkommensteuer richtet sich nach dem Gewinn, der in einem Jahr erwirtschaftet wurde. Eine Buchführung hat außerdem den Vorteil, dass man den Überblick über sein Geschäft behält. Freiberufler haben es dabei noch relativ leicht. Sie müssen dem Finanzamt nur eine Einnahmenüberschussrechnung (EÜR) vorlegen. Gewerbetreibende müssen ab dem Überschreiten bestimmter Schwellenwerte (Umsatz größer 500.000 Euro und Gewinn größer 50.000 Euro) bilanzieren und eine sogenannte doppelte Buchführung vorlegen, das ist ohne Steuerberater so gut wie nicht zu meistern.

Die EÜR funktioniert im Grunde ganz simpel: Sie sammeln alle Belege mit Einnahmen und Ausgaben, die den Betrieb betreffen. Alles, was ein Selbständiger für die Ausübung seiner Tätigkeit braucht und gleichzeitig seinen Gewinn schmälert, zählt zu den Betriebsausgaben, beispielsweise Bürobedarf, Reisekosten, Telefon. Am Jahresende ermittelt man seinen Gewinn, indem man die Ausgaben von den Einnahmen abzieht. Dafür gibt es im Übrigen zahlreiche Softwareprogramme, in die man sich schnell einarbeiten kann. Gute Erfahrungen haben wir mit dem Onlineanbieter Collmex (www.collmex.de) gemacht. Dieser hat sich auf Kleinunternehmer spezialisiert und bietet ein übersichtliches Online-Buchungsprogramm an, das für eine geringe monatliche Gebühr genutzt werden kann.

Foto: Daniel Kummer

Umsatzsteuerpflichtig oder nicht? 

Jeder, der selbständig tätig ist, muss Mehrwert- oder – richtigerweise muss man sagen – Umsatzsteuer zahlen. Einzige Ausnahme: Von der Umsatzsteuerpflicht befreit sind alle Kleinunternehmer. Das sind diejenigen, deren Umsatz im letzten Jahr beziehungsweise im Gründungsjahr nicht höher als 17.500 Euro war oder voraussichtlich sein wird und im laufenden Jahr 50.000 Euro voraussichtlich nicht überschreiten wird. Die meisten Existenzgründer können diese Befreiung in Anspruch nehmen. Sie müssen dies im steuerlichen Fragebogen bei der Existenzgründung beantragen. Kleinunternehmer können aber auch freiwillig erklären, dass sie zur Umsatzsteuer herangezogen werden wollen, auch wenn sie unter der Umsatzgrenze liegen. Freiwillig Steuern zahlen – ist das denn ratsam? Was die Umsatzsteuer angeht: ja. Selbständige haben in der Regel finanzielle Vorteile, wenn sie umsatzsteuerpflichtig sind.

Umsatzsteuer: Wie geht das? 

Jeder Unternehmer schlägt Mehrwertsteuer auf seine Rechnungen drauf, bei Architekten- und Ingenieurleistungen sind es zurzeit 19 Prozent. Diese Beträge müssen an das Finanzamt abgeführt werden, denn das Geld gehört dem Staat. Aber nicht in voller Höhe: Vorher dürfen Unternehmer davon die Mehrwertsteuer abziehen, die sie für Einkäufe, die den Betrieb betreffen, gezahlt haben. Denn im Preis dieser Waren ist ja auch immer Mehrwertsteuer enthalten. Abgeführt wird also nur die Steuer auf den „Mehrwert“, den das Unternehmen erwirtschaftet hat, weshalb diese Art von Umsatzsteuer auch Mehrwertsteuer heißt. Und damit niemand zu rätseln anfängt: Gemeint ist mit „Umsatzsteuer“ und „Mehrwertsteuer“ immer dasselbe. Ein Beispiel: Mal angenommen, ein Selbständiger hat mit seinem Auftraggeber ein Honorar über 100 Euro vereinbart. Nun schreibt er eine Rechnung. Da er umsatzsteuerpflichtig ist, schlägt er 19 Prozent Mehrwertsteuer zusätzlich auf den Betrag auf. Auf seinem Konto gehen also 119 Euro brutto ein. 19 Euro davon muss er als Umsatzsteuer an das Finanzamt abführen. Über die Umsatzsteuerregelung will der Staat die Unternehmen entlasten, und zwar so: Wenn der besagte Selbständige einen Bleistift kauft, dann legt er – mal angenommen – 1,19 Euro auf den Tisch. Darin enthalten sind auch 19 Prozent Mehrwertsteuer, also 19 Cent. Diesen Betrag holt er sich vom Finanzamt zurück, indem er dem Staat nun nicht mehr die kompletten 19 Euro überweist, die da als eingenommene Umsatzsteuer auf seinem Konto schlummern, sondern nur noch 18,81 Euro. In Wahrheit hat ihn der Bleistift nur den Nettobetrag, also 1,00 Euro, gekostet.

Die Befreiung bietet auch Vorteile 

Der Vorteil einer Befreiung von der Umsatzsteuer liegt darin, dass man keine Umsatzsteuervoranmeldung abgeben muss. Am Anfang der Selbständigkeit verlangt das Finanzamt die monatliche Abgabe auf elektronischem Wege, wobei eine Dauerfristverlängerung zur Abgabe beantragt werden kann. Dann hat der Unternehmer einen Monat mehr Zeit, die Umsatzsteuervoranmeldung beim Finanzamt einzureichen. Eine Befreiung kann einem außerdem einen gewissen Preiswettbewerbsvorteil bringen, und zwar dann, wenn man ausschließlich für Nicht-Unternehmer arbeitet, also für öffentliche oder private Auftraggeber. Diese sind selbst nämlich auch nicht umsatzsteuerpflichtig, bekommen die Mehrwertsteuer also nicht vom Finanzamt zurück. Für sie ist die Mehrwertsteuer eine echte Mehrausgabe. Wer von der Umsatzsteuerpflicht befreit ist, kann diesen Kunden daher 19 Prozent günstigere Preise anbieten als jemand, der Umsatzsteuer abführen muss.

Steuern einkalkulieren 

Das Finanzamt verlangt für die Einkommen- und Umsatzsteuern Vorauszahlungen. Die Einkommensteuer-Vorauszahlungen sind im vierteljährlichen Turnus, die Umsatzsteuer-Vorauszahlungen monatlich zu entrichten. Je nach Einnahmesituation kann die Umsatzsteuer-Vorauszahlung auch quartalsweise erfolgen. Für die Umsatzsteuer müssen Sie dazu eine sogenannte Umsatzsteuervoranmeldung erstellen. Unternehmer sind mittlerweile dazu verpflichtet, diese auf elektronischem Weg an das Finanzamt zu übermitteln. Dafür wird ein sogenanntes „Elster-Zertifikat“ benötigt, im Grunde nichts anderes als eine Datei, die man auf seinem Rechner installieren muss. Das Zertifikat ist online unter www.elster.de erhältlich. Die Höhe der Vorauszahlungen der Einkommensteuer hängt bei Existenzgründern davon ab, welche zu erwartenden Einkünfte sie im steuerlichen Erfassungsbogen angegeben haben. Seien Sie an dieser Stelle besonders wachsam, denn zu hohe, aber auch zu niedrige Angaben können für böse Überraschungen sorgen. Wer als Lediger für das erste Jahr Einnahmen angibt, die über der Einkommensteuer-Freigrenze von mehr als 8.820 Euro liegen, muss Einkommensteuern vorauszahlen. Dazu schickt Ihnen das Finanzamt einen Vorauszahlungsbescheid, dem Sie aber auch dann Folge leisten müssen, wenn Sie die zu erwartenden Einkünfte nicht erzielen, weil Sie zum Beispiel einen bestimmten Auftrag nicht bekommen haben oder das Architekturbüro, das Sie als freien Mitarbeiter engagiert hat, pleitegeht oder – was leider oft vorkommt – Auftraggeber nicht pünktlich zahlen. Die umgekehrte Situation – Sie erzielen Einkünfte, leisten aber keine Vorauszahlungen – kann genauso böse enden, nämlich dann, wenn Sie den Betrag für die Einkommensteuer anderweitig ausgeben. Deshalb: Bei einem saftigen Betrag auf dem Konto immer den Anteil für die Steuern zur Seite legen, entweder aufs Tagegeldkonto oder sich auf dem Geschäftskonto eine Marke setzen, die Sie nicht unterschreiten. So bleiben Sie liquide, auch wenn die Einkommen und Umsatzsteuern wieder mal zuschlagen.

Tarifgehalt für Architekten und Bauingenieure

Tarifgehälter für Architekten und Bauingenieure

von Ute Schroeter

Berufseinsteiger, die nach Tarif bezahlt werden, können sich glücklich schätzen, denn Tarif-Einstiegsgehälter liegen oft deutlich über den frei verhandelten Gehältern. Nur wenige Arbeitgeber, hierzu zählen der öffentliche Dienst oder große Bauunternehmen, sind jedoch an Tarifverträge gebunden. Der Vertrag regelt neben der Höhe des Gehalts auch den Urlaubsanspruch, Kündigungsfristen und Sonderzahlungen. Besonders im Architekturbereich werden die Gehälter in der Regel frei verhandelt.

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Die deutsche Tariflandschaft ist unübersichtlich und verwirrend, es gibt hierzulande 73.000 Tarifverträge. Man unterscheidet zwischen Flächentarifverträgen, die für die Beschäftigten ganzer Branchen gelten, und Firmen- bzw. Haustarifverträgen für Mitarbeiter in großen Unternehmen. Konzerne wie die Deutsche Bahn haben zum Beispiel einen Haustarifvertrag. Tarifverträge werden zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern geschlossen. Am Verhandlungstisch sitzen in der Regel Gewerkschaften als Vertreter der Arbeitnehmer, für die Arbeitgeber spricht meist ein spezieller Arbeitgeberverband. Jeder will für seine Partei das Beste herausholen, daher ziehen sich Tarifvertragsverhandlungen manchmal über Monate hinweg. Am Ende eines zähen Gerangels steht ein Kompromiss, der beiden Seiten einigermaßen gerecht wird – auch wenn die jeweiligen Verhandlungsführer natürlich das Gegenteil behaupten.

Tarifverträge für Architekten und Bauingenieure

Der „Tarifvertrag für Architektur-, Ingenieur- und Planungsbüros“ wurde zwischen dem Arbeitgeberverband selbständiger Ingenieure und Architekten (ASIA) und der Gewerkschaft Verdi geschlossen. Der jüngste Gehaltstarifvertrag ist seit dem 1. Mai 2018 gültig. Berufseinsteiger in der Gehaltsklasse T4 bekämen danach im ersten Jahr knapp 37.330 Euro. Gehaltsklasse T3 ist eigentlich für Mitarbeiter ohne Hochschulabschluss, damit würden Berufsanfänger gut 31.600 Euro pro Jahr verdienen. Zulagen wie Weihnachts- und Urlaubsgeld kommen noch hinzu. In diesem Tarifvertrag ist beispielsweise eine Sondervergütung von 30 Prozent bei mindestens elfmonatiger Betriebszugehörigkeit vereinbart.

Der zweite wichtige Tarifvertrag ist der „Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst TVöD“, in dem auch die Gehälter der technischen Angestellten festgelegt sind. Es gibt keine regionalen Unterschiede, auch nicht zwischen West und Ost, dafür beeinflusst der Studienabschluss die Höhe des Gehalts. Absolventen mit Masterabschluss werden in der Regel in Entgeltgruppe 13 eingeordnet und verdienen nach dem geltenden Tarifvertrag von 2018 knapp 45.400 Euro im ersten Jahr, Bachelorabsolventen müssen sich mit Entgeltgruppe 10 begnügen und erhalten knapp 38.200 Euro.

Gehälter für Bauleiter sind unter anderem im „Tarifvertrag für Angestellte und Poliere des Baugewerbes TV Gehalt/West“ festgelegt. Er gilt nur für die alten Bundesländer (außer für Bayern und Berlin) und wurde zwischen dem Zentralverband des Deutschen Baugewerbes und dem Hauptverband der Deutschen Bauindustrie sowie der Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt geschlossen. Berufsanfänger in Tarifgruppe A5 mit Bachelorabschluss erhalten knapp 43.000 Euro, in Tarifgruppe A6 mit Masterabschluss verdient man rund 47.500 Euro.

 

 

Gut gekleidet ins Vorstellungsgespräch

Gut gekleidet ins Vorstellungsgespräch

von Ute Schroeter

Foto: Free-Photos/pixabay.com

Der erste Eindruck zählt – zu diesem Schluss kam schon der amerikanische Psychologe Albert Mehrabian im Jahr 1971. Der Tonfall, die Stimme und nicht zuletzt das äußere Erscheinungsbild spielen beim Vorstellungsgespräch eine wichtige Rolle. Wir haben Stil- und Imageberaterin
Eva Ruppert gefragt, welche Kleidung für Architekten und Bauingenieure angemessen ist.

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Beim ersten Vorstellungsgespräch drängt sich zwangsläufig die Frage auf: Was ziehe ich an? Wer sich um eine Arbeitsstelle bemüht, sollte sich bei der Antwort Zeit lassen. „Korrekte Kleidung ist immer ein Zeichen der Wertschätzung, deshalb ist eine gepflegte Garderobe ein absolutes Muss, wenn man sich einem potenziellen Arbeitgeber präsentiert“, betont Eva Ruppert. Sie rät beim ersten Vorstellungsgespräch zu einer Neuanschaffung; so kann man sicher sein, dass Farbe und Form tadellos in Ordnung sind. Wer sich keine neue Garderobe leisten kann, sollte auf Feinheiten wie aufgetrennte Nähte achten und sich unbedingt von hinten im Spiegel betrachten, bevor es zum Vorstellungsgespräch geht. Wichtig ist außerdem eine gute Passform, in der man sich bequem bewegen kann, denn zu kurze oder zu lange Ärmel wirken unbeholfen. Gleiches gilt für eine schlecht sitzende Schulterpartie. Es lohnt sich, Zeit und Geduld zu investieren, um etwas Passendes für sich zu finden. Eine gepflegte Frisur sowie saubere Hände und geputzte Schuhe sollten eine Selbstverständlichkeit sein.

Kleidungsstil: Dunkler Anzug oder lockere Jeans?

Arbeitgeber stellen gerne Leute ein, die zu ihnen passen. Aus diesem Grund sollten sich beide Berufsgruppen am Stil des Unternehmens orientieren und die Kleidung danach auswählen. „Ein Eindruck vom Stil der Firma lässt sich relativ unkompliziert im Internet recherchieren“, erklärt die Imageberaterin. Auf der Homepage finden sich meist Fotos der Geschäftsführer. Allein die Art und Weise, wie die Homepage gestaltet ist, lässt Rückschlüsse zu, ob die Firma zum Beispiel eine eher klassisch-konservative oder kreative Linie fährt. Da kann man sich ruhig auf sein Gefühl verlassen. Allerdings sollte man sich unbedingt treu bleiben. Sich absolut anzupassen, wäre im Vorstellungsgespräch kein gutes Signal. Da im Architekturbereich allgemein Kreativität gefragt ist, könnte man schnell auf die Idee kommen, dies durch die Kleidung im Vorstellungsgespräch zum Ausdruck zu bringen. Eva Ruppert dazu: „Es bietet sich durchaus an, bei der Wahl der Kleidung kreativ zu sein. Nur bitte nicht in Form von Gag-Motiven à la Micky Maus auf der Krawatte.“ In der Regel braucht unser Gegenüber nur sieben Sekunden, um sich einen Eindruck von uns zu machen. Was in dieser kurzen Zeit auf jeden Fall wahrgenommen wird, ist die Micky Maus. Wenn man Pech hat, verbindet der Arbeitgeber damit aber nicht die von uns gewünschte Kreativität, sondern Albernheit und Unzuverlässigkeit. Dieses Image lässt sich nur schwer revidieren.

Stattdessen könnten Architekten gerne mutiger in Sachen Form und Farbe sein, meint die Expertin. Erfahrungsgemäß ist die Berufsgruppe meist komplett schwarz gekleidet. Es fällt angenehm auf, wenn zum Beispiel das Hemd in einer Modefarbe getragen wird. Generell sollte die Basisgarderobe, also das Jackett und die Hose, in gedeckten, dunkleren Farben wie Dunkelblau, Anthrazit, Dunkelbraun oder Olivgrün getragen werden. Für das Kombiteil wie Hemd oder Bluse kann ruhig eine hellere Farbe gewählt werden.

Dresscode auf Baustellen

Viele Bauingenieure fangen als Bauleiter an. Als Führungskraft bewegen sie sich im späteren Berufsleben überwiegend auf Baustellen. Welche Kleidung ist hier angemessen? Eva Ruppert: „In einer praxisorientierten Branche gilt das Motto: Weniger ist mehr. Wer sich mit Hochglanzschuhen und Armani bei einer Baufirma vorstellt, signalisiert, dass er seine zukünftige Aufgabe offenbar nicht verstanden hat.“ Das heißt wiederum nicht, sich nachlässig zu kleiden. Eine Führungskraft sollte sich – auch auf einer Baustelle – von den Mitarbeitern dadurch unterscheiden, dass die Kleidung nicht nur praxistauglich, sondern ebenfalls repräsentativ ist. Empfehlenswert sind pragmatische und pflegeleichte Sachen, die man nicht dauernd zur Reinigung bringen muss. Im Vorstellungsgespräch ist man beispielsweise mit einem Jackett gut beraten. Dieses Kleidungsstück steht wie kein zweites für Sachlichkeit und Professionalität. Dazu würden eine gute dunkle Jeans – ohne Löcher – sowie ein Hemd, auch ohne Krawatte, oder ein Polopullover passen.

Verhaltensregeln im Vorstellungsgespräch

Bewerber sind natürlich aufgeregt, wenn sie den Raum betreten. Trotzdem – es ist wichtig, schon beim Eintreten auf seine Körperhaltung zu achten. „Ein aufrechter Gang mit locker herunterhängenden Armen zeugt von Selbstbewusstsein“, so der Tipp unserer Expertin.

Nicht zu vergessen ist natürlich die Begrüßung. Im deutschen Geschäftsleben ist folgendes Ritual allgemein üblich: Der Eintretende grüßt die anwesenden Personen immer zuerst und zwar mit dem in Deutschland gängigen Tagesgruß wie „Guten Tag“. Danach folgen die Anrede, gegebenenfalls der Titel und der Name der Person, die das Gespräch leitet. Der Name des Ansprechpartners muss unbedingt vorher recherchiert werden. Schließlich stellt sich der Bewerber selbst vor, und zwar mit Vor- und Zunamen. Sagen Sie auf keinen Fall: „Ich bin die Frau oder der Herr Müller.“ Besonders wichtig ist: Lächeln. Das ist nicht nur sympathisch, sondern auch professionell. Ein Willkommensgruß in Form eines Händedrucks geht immer vom Ranghöheren aus. Daher sollten Bewerber ihrem Gesprächspartner nie mit ausgestreckter Hand entgegengehen und den Händedruck nur dann erwidern, wenn er als Geschenk angeboten wird.

Nach dem Begrüßungsritual bleibt der Bewerber so lange stehen, bis ihm ein Platz angeboten wird. Im weiteren Verlauf des Gesprächs sollte man immer wieder die Körperhaltung kontrollieren, deutlich sprechen und ein angemessenes Sprechtempo anschlagen. Diese ungemein wichtigen Feinheiten lernt man nicht von heute auf morgen. Daher rät Eva Ruppert dazu, solche Dinge vorher zu üben, sonst kann es passieren, dass die Selbstpräsentation steif wirkt.

Wie sich Frauen professionell kleiden

„Frauen sollten durch ihre Kleidung in erster Linie ihre Professionalität unterstreichen, nicht ihre Weiblichkeit“, betont Eva Ruppert. Das sei gerade in der männerdominierten Baubranche wichtig. Frauen, die mit tiefem Ausschnitt, Minirock oder bauchfrei zur Arbeit gehen, dürfen sich nicht wundern, wenn sie nicht ernst genommen werden. Auch schulterfreie Tops im Sommer können der Karriere schaden, denn unbedeckte Achselhöhlen gehören in den Privatbereich, nicht ins Geschäftsleben. Das heißt nicht, dass sich Architektinnen und Bauingenieurinnen kleiden und geben müssen wie ihre männlichen Kollegen. Es sollte aber alles in einem professionellen Rahmen bleiben.

Welche Soft Skills Arbeitgeber fordern

Welche Soft Skills Arbeitgeber fordern

von Ute Schroeter

Unser Recherchedienst stellt Stellenangebote für junge Architekten und Bauingenieure zusammen. Dazu durchforsten wir täglich zahlreiche Jobbörsen nach Jobs für Berufsanfänger und veröffentlichen diese auf unserer Homepage. Und damit keine Langeweile aufkommt, haben wir einfach mal ein bisschen mitgelesen.

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Rund 300 Jobangebote pro Monat finden wir bei unserer Recherchereise durch die einschlägigen Stellenportale. Allen ist gemeinsam, dass sie eine besondere Einladung an Absolventen, Berufseinsteiger oder -anfänger enthalten. Teilweise ist das Wort „Absolvent“ bereits im Anzeigentitel eingeschlossen, teilweise heißt es aber auch sinngemäß im Text:

„Wir interessieren uns auch für Bewerbungen von Berufsanfängern.“ Ein wichtiges Stichwort für Architekten ist die Abkürzung AIP (Architekt im Praktikum). Mit diesem Begriff, der nicht verwechselt werden darf mit einem Architekturpraktikum, ist die zweijährige Praxiszeit nach dem Studium gemeint, um sich danach in die Architektenrolle eintragen lassen zu können. Bei unseren Recherchen fiel uns auf, dass sich in Baden-Württemberg überdurchschnittlich viele Stellenangebote an AIPs richten, in Nordrhein-Westfalen aber nicht ein einziges. Wir fragten also bei der Architektenkammer Nordrhein-Westfalen nach und erhielten die Auskunft, dass es diesen Begriff in NRW nicht gibt. Dort spricht man eher von Praxiszeit oder richtet die Stellenanzeige an „Absolventen“. Wichtig ist es nur, zu wissen: Wenn ein Arbeitgeber nach einem AIP sucht, dann sind damit Berufsanfänger ohne oder mit wenig Berufserfahrung gemeint.

Mappe oder E-Mail?

Unseren Recherchen zufolge bevorzugen rund drei Viertel aller Arbeitgeber in Architektur- und Bauingenieurwesen die Onlinebewerbung. Knapp 10 Prozent wünschen ausdrücklich die postalisch übersandte Mappe, der Großteil davon sind Architekturbüros. Die restlichen 15 Prozent stellen es dem Bewerber frei. Größere Unternehmen richten eigene Bewerbungsportale ein, die Bewerber auf jeden Fall nutzen sollten. Bei solchen Unternehmen gehen täglich Hunderte Bewerbungen ein, eine gesondert verschickte Mappe oder E-Mail würde möglicherweise gar nicht erst erfasst werden.

Wer sucht?

Dass die meisten Jobangebote für Berufsanfänger, nämlich knapp 80 Prozent, aus Architektur- oder Ingenieurbüros stammen, ist nicht weiter verwunderlich. Denn Planung gehört ja nun mal zu den klassischen Aufgaben von Architekten und Bauingenieuren. Platz 2, mit 11 Prozent, nehmen Bauunternehmen ein, die meist Bauingenieure als Bauleiter suchen, hin und wieder aber werden auch explizit Architekten für die Bauleitung angefragt. Schlusslicht bildet der Vertrieb, also die Bauzulieferindustrie, die ohnehin nur ein begrenztes Arbeitsgebiet für diese Berufsgruppe bereitstellt, bei der eine Stellensuche aber durchaus ins Kalkül gezogen werden kann.

Was steht drin?

In nahezu jeder Stellenanzeige für Berufseinsteiger werden Kompetenzen im Umgang mit CAD-Programmen und anderer Software gefordert. Sehr oft wird in den Stellenausschreibungen sogar der Name der Software aufgeführt, die der Arbeitgeber bei sich einsetzt. MS Office sollten unseren Auswertungen zufolge beide Berufsgruppen beherrschen, Architekten sollten darüber hinaus Design-Programme (häufigste Nennung: Indesign/Adobe) bedienen können. Ausschreibungsprogramme, sogenannte AVA-Software, werden im Planungsbereich, aber auch in der Bauleitung eingesetzt. Bei Ausschreibungsprogrammen wurde die Orca AVA Software am häufigsten genannt, gefolgt von Arriba/iTWO aus dem Hause RIB Software AG.

Bei den CAD-Programmen ergaben sich im Beobachtungszeitraum für das Programm Autocad von Autodesk die meisten Nennungen (über 30 Prozent), das wiederum zur Nemetschek Group gehört. Ebenfalls sehr verbreitet sind die Software Archicad von Graphisoft sowie die Programme Vectorworks und Allplan. Weniger häufig fanden wir das von Bentley entwickelte Microstation. In 8 Prozent der ausgewerteten Anzeigen wurden andere Programme genannt oder nicht näher beschrieben. Immer häufiger findet sich der Begriff BIM (Building Information Modeling) in Stellenausschreibungen, vor allem größere Büros fordern Kenntnisse im Umgang mit Revit, einer von Autodesk entwickelten BIM-Software.

Die meisten Hersteller bieten kostenlose Studenten- oder Testversionen ihrer Software an. Berufsanfänger sind gut beraten, einfach mal ein bisschen mit den unterschiedlichen Programmen „herumzuspielen“. Mit guten Software-Kenntnissen lässt sich auch mangelnde Berufserfahrung wieder wettmachen.

 

Was heißt hier engagiert?

Ein Stellenangebot hat ein bisschen was von einer Partnervermittlungsanzeige, nur mit dem Unterschied, dass Arbeitgeber „engagierte“ statt „romantische“ Partner bevorzugen. Beide aber, sowohl Heiratswillige als auch Arbeitgeber, versuchen den Richtigen oder die Passende über eine Anzeige zu finden. Wohl deshalb wimmelt es in Stellenanzeigen vor positiv besetzten Adjektiven, schließlich möchte jeder „verantwortungsbewusste, strukturierte, kreative, zielorientierte und kommunikative“ Mitarbeiter finden. Verwunderlich nur, dass sich oft ausschließlich Personen bewerben, die genau das nicht sind und Bewerber mit diesen Eigenschaften sich nicht angesprochen fühlen.

Das Problem bei der Sache sind die Adjektive. Anders als Verben lösen Adjektive sehr individuelle Bilder in uns aus. Der eine meint, mit dem pünktlichen Erscheinen im Büro sei dem Thema Zuverlässigkeit ausreichend Rechnung getragen, ein anderer findet, Engagement äußere sich in der völligen Selbstaufgabe, sprich arbeiten bis zum Burnout. Während ein Dritter mit Kommunikationsfähigkeit Smalltalk und lockere Sprüche verbindet, erwartet ein anderer stets bestens vorbereitete PowerPoint-Präsentationen, selbst bei einer Zweierunterredung. Tätigkeitsbeschreibungen, also Texte mit zahlreichen Verben, schaffen es eher, sowohl beim Sender als auch beim Empfänger ein einheitlicheres Bild auszulösen. „In Konfliktsituationen bleiben Sie sachlich, Sie berufen sich auf Fakten und lassen Emotionen aus dem Spiel.“ Ein solcher Satz beschreibt, welches Verhalten ein Arbeitgeber von einer konfliktfähigen Person erwartet. Das ist leichter nachvollziehbar, als wenn einfach nur Konfliktfähigkeit gewünscht wird. Leider sind die adjektivlastigen Stellenanzeigen immer noch in der Überzahl. Nur einzelne der von uns analysierten Anzeigen beschreiben, was sich die Personalentscheider unter einem „verantwortungsbewussten“ oder „engagierten“ Mitarbeiter vorstellen. Im Rahmen der TALIS-Jobrecherche analysierten wir die Anzahl der gewünschten Eigenschaften. Im Folgenden stellen wir die wichtigsten vor und wagen einen Übersetzungsversuch:

Platz 1: Engagiert, motiviert, fleißig

Natürlich stehen Fleiß und Engagement hoch im Kurs bei Arbeitgebern, schließlich bringen einen untätige Mitarbeiter nicht weiter. Doch reicht es aus, immer brav alles zu machen, was einem gesagt wird? Genügt es, auf Arbeitsanweisungen zu warten? Engagierte Menschen warten nicht, sie kümmern sich um die Sache, um die es geht. Sie denken mit, stellen Fragen, recherchieren oder lesen nach, immer mit dem Ziel, eine Lösung oder zumindest einen Teil davon zu finden. Wer sich engagiert, ist zwangsläufig fleißig, denn Engagement erfordert Zeit.

Platz 2: Teamfähig

Teamfähigkeit ist ein arg strapazierter Begriff und meint deutlich mehr als nur die Zusammenarbeit mit anderen Menschen. Zweifelsohne lassen sich Projekte niemals im Alleingang realisieren. Doch wirklich gut funktionierende Teams sind selten. Auch in Planungsbüros oder Bauunternehmen verzettelt man sich oft in stundenlange, ergebnislose Meetings. Echte Teamplayer lassen andere ausreden und geben fremden Ideen Raum. Es geht ihnen nicht um sich selbst, im Mittelpunkt steht die Aufgabe. Als Berufsanfänger müssen Sie in ein bestehendes Team erst hineinwachsen. Als teamfähig erweisen Sie sich, wenn Sie sich zunächst einmal nur von der Gruppe inspirieren lassen, um sich nach und nach selbst einzubringen.

Platz 3: Strukturierte Arbeitsweise

Das Genie beherrscht das Chaos? Mag sein, aber bei 99,99 Prozent von uns Nicht-Genies hilft eine strukturierte Arbeitsweise, damit Chaos gar nicht erst entsteht. Ein Durcheinander auf dem Schreibtisch führt zwangsläufig zu Strukturlosigkeit im Kopf. Deshalb sei auch allen Genies gesagt: Gebt eurer Tätigkeit Struktur und Ordnung – nicht alles auf einmal, alles Schritt für Schritt. Nur so erwachsen aus genialen Ideen auch geniale Lösungen.

Platz 4: Begeisterungsfähig, Freude bei der Arbeit

Nichts ist schlimmer als ein Dauernörgler mit Dreitage-Regenwetter-Gesicht am Nachbarschreibtisch. Begeisterungsfähige Mitarbeiter, die mit Spaß und Freude an neue Aufgaben herangehen, stehen hoch im Kurs. Man erkennt sie daran, dass sie lieber von „Herausforderungen“ als von „Problemen“ sprechen, dass sie Hürden sportlich nehmen und sich auch von der Begeisterung anderer leicht anstecken lassen.

Platz 5: Selbständig, eigenverantwortlich

Wer selbständig oder eigenverantwortlich handelt, kann sich selbst gut organisieren. Chefs, die Aufgaben in die Hände selbständiger Mitarbeiter legen, können sich entspannt zurücklehnen, denn diese kümmern sich von Anfang bis Ende um die ihnen anvertrauten Angelegenheiten. Wenn sie nicht weiterwissen, organisieren sie sich selbständig Unterstützung und schlagen rechtzeitig Alarm, wenn ein Projekt zu scheitern droht.