Ordnung ist das halbe Berufsleben

Ordnung ist das halbe Berufsleben

von Ute Schroeter und Nicole Puscz

Die meisten Architekten und Bauingenieure starten als Angestellte ins Berufsleben. Damit bleibt ihnen – anders als bei Selbständigen – ziemlich viel Bürokratie erspart. Dennoch müssen auch Angestellte den einen oder anderen „Papierkram“ meistern.

Aufräumen!

Foto: Marisa_Sias/pixabay.com

ORDNUNG

Die Verzettelungsgefahr ist groß, denn das Finanzamt, die Bundesagentur für Arbeit oder die Versicherungen schicken wichtige Unterlagen immer noch auf Papier per Post. Auch die monatlichen Gehaltsabrechnungen, die man unbedingt aufbewahren sollte, um beispielsweise Rentenansprüche nachweisen zu können, werden in Papierform an Angestellte und Mitarbeiter ausgehändigt. Anfangs mögen die Stapel an unsortierten Bescheiden und Policen noch wenig Eindruck erwecken, können aber spätestens beim Erstellen der ersten Einkommensteuererklärung zum unbezwingbaren Gegner werden. Wo ist der Versicherungsschein für die Berufsunfähigkeit und wo verflixt der letzte Bescheid vom Finanzamt, aus dem die Steuernummer hervorgeht? Deshalb: Halten Sie Ordnung, und zwar konsequent von Anfang an. Ordnung halten ist eigentlich ganz einfach und fällt vielen von uns dennoch schwer: Jeder Zettel, jedes Dokument braucht seinen Platz. Die erste Herausforderung besteht darin, jedem Stück Papier einen solchen Platz zuzuweisen, und zwar so, dass man alle Dokumente später schnell wiederfindet. Bewährt haben sich ordnende Systeme, wie Aktenordner mit Trennblättern. Im Ordner „Versicherungen“ können Sie beispielsweise sämtliche Versicherungsunterlagen abheften. Da Sie es mit ziemlich vielen Versicherungen zu tun bekommen werden, sollten Sie jeden Vorgang mit beschrifteten Trennblättern unterteilen, auch dann, wenn Sie bei einem Anbieter mehrere Verträge haben. Achten Sie auf einen übersichtlich beschrifteten Ordnerrücken mit Angaben zu Inhalt und Jahreszahl. Beschriften Sie ruhig mit der Hand – das geht schneller als gedruckt. Wer dazu immer denselben Stift verwendet und die Beschriftung immer gleich anordnet, schafft auch rein äußerlich einen ordentlichen Eindruck im heimischen Regal.

Die zweite Herausforderung liegt darin, sich die Zeit zum Aufräumen zu nehmen. Nach der Arbeit hat man verständlicherweise wenig Lust, Papierberge zu bändigen. Am besten lassen sich diese zähmen, wenn man sie erst gar nicht wachsen lässt. Briefe also immer sofort öffnen, gegebenenfalls den Vorgang erledigen und danach gleich abheften.

VERSICHERUNGEN

Krankenversicherung

In Deutschland gilt Krankenversicherungspflicht, das heißt, jeder – egal ob abhängig beschäftigt oder selbständig – muss sich selbst ausreichend krankenversichern. Das ist gesetzlich
vorgeschrieben. Die studentische Krankenversicherung endet mit dem Ende des Semesters, in dem man exmatrikuliert wurde. Dann meldet sich normalerweise die Krankenversicherung und bietet eine „freiwillige Versicherung“ an. Der Beitrag errechnet sich grundsätzlich aus den aktuellen Einnahmen. Hat der Betroffene keine oder nur geringe Einnahmen, wird der Beitrag nach der sogenannten Mindestbemessungsgrenze berechnet, die jedes Jahr vom Gesetzgeber einheitlich für alle Krankenkassen festgesetzt wird.

Wer in einem Anstellungsverhältnis steht, wird normalerweise gesetzlich versichert. Die Wahl zwischen gesetzlicher und privater Krankenversicherung haben nur Beamte, Selbständige – Freiberufler oder Gewerbetreibende – und Angestellte, deren Einkommen über der „Versicherungspflichtgrenze“ von 52.200 Euro im Jahr liegt. Für die anderen, die „Pflichtversicherten“, ist grundsätzlich die gesetzliche Krankenkasse zuständig. Den Anbieter darf man selbst auswählen, Sie müssen nur Ihren Arbeitgeber über Ihre Wahl in Kenntnis setzen. Den Beitrag teilen sich Arbeitgeber und Arbeitnehmer. Die Höhe richtet sich nach Ihrem Bruttogehalt, momentan liegt der Arbeitnehmeranteil zur Krankenversicherung bei 7,3 Prozent.

Da die gesetzlichen Krankenversicherungen in der Gestaltung der Leistungen an das Sozialgesetzbuch gebunden sind, fallen rund 95 Prozent der Leistungen bei allen Kassen gleich aus, dazu zählen unter anderem Behandlungen im Krankenhaus, Behandlungen beim Zahnarzt, Leistungen für Kinder sowie Heilmittel und Hilfsmittel. Seit 2015 erheben die Krankenkassen einen Zusatzbeitrag zwischen 0 und 1,3 Prozent. Die Höhe darf jede Kasse selbst festlegen. An dieser Stelle stehen die Kassen also im Wettbewerb, daher lohnt sich ein Vergleich auch bei der gesetzlichen Versicherung. Denn der Arbeitgeber muss sich lediglich am gesetzlichen Krankenkassenbeitrag von 14,6 Prozent zur Hälfte beteiligen. Für den Zusatzbeitrag kommt der Versicherte selbst auf.

Haftpflichtversicherung

Bei der Haftpflichtversicherung muss man unterscheiden zwischen der privaten und der Berufshaftpflichtversicherung. Die private Haftpflichtversicherung zahlt, wenn der Versicherte einen anderen schädigt. Fachleute halten sie für absolut notwendig, weil beispielsweise die Kosten eines Personenschadens den Verursacher finanziell ruinieren können: Schmerzensgeld, Behandlungs- und Pflegekosten sowie der behindertengerechte Umbau einer Wohnung können sich auf Millionen summieren. Die Stiftung Warentest rät dringend zur privaten Haftpflichtversicherung mit einer Versicherungssumme von mindestens drei Millionen Euro pauschal für Personen- und Sachschäden. Die Berufshaftpflichtversicherung für Architekten und Ingenieure ist nur für Selbständige relevant. Angestellte sind automatisch über ihren Arbeitgeber mitversichert, müssen sich also darum nicht kümmern. Ein Sonderthema, das für viele Absolventen eine Rolle spielen kann, ist die „freie Mitarbeit“. Sonderklauseln, dass freie Mitarbeiter unter die Versicherung des Büros „unterschlüpfen“ können, existieren zwar, bergen aber auch Gefahren. Wenn Sie eine freie Mitarbeit planen, lesen Sie dazu unbedingt unser Kapitel „Existenzgründung“.

Unfallschutz

Ein Teil des deutschen Sozialversicherungssystems ist die gesetzliche Unfallversicherung – getragen durch die verschiedenen Berufsgenossenschaften. Angestellte sind über ihren Betrieb automatisch in der Berufsgenossenschaft pflichtversichert. Sie sind dann bei allen betrieblichen Tätigkeiten gegen die Folgen von Arbeitsunfällen, Wegeunfällen (auf dem Weg von und zur Arbeit) und Berufskrankheiten abgesichert. Behandlungskosten nach einem Unfall werden von der Krankenversicherung bezahlt, aber nicht alle Maßnahmen übernehmen die Krankenkassen, im Gegensatz zu den Berufsgenossenschaften, die normalerweise alle medizinisch nötigen Behandlungen und Rehabilitationsmaßnahmen tragen. Im schlimmsten Fall zahlen die Berufsgenossenschaften auch Invaliditäts- bzw. Hinterbliebenenrente. Sie decken allerdings ausschließlich Unfälle und Erkrankungen ab, die direkt mit der Arbeit zusammenhängen – Freizeitunfälle natürlich nicht.

Berufsunfähigkeitsversicherung

Wer aufgrund einer beruflich bedingten Krankheit oder eines Unfalls berufsunfähig wird und in der Berufsgenossenschaft (freiwillig) versichert ist, bekommt eine Invaliditätsrente. Die Erwerbsminderungsrente aus der gesetzlichen Rentenversicherung kommt nur in ganz seltenen Fällen zum Tragen und reicht meistens kaum aus, um den Lebensstandard zu halten. Berufsunfähigkeit ist über die gesetzliche Rentenversicherung seit 2001 gar nicht mehr abgedeckt. Private Versicherungsunternehmen bieten Berufsunfähigkeitsversicherungen an, die unabhängig vom Grund der Berufsunfähigkeit, also beispielsweise auch nach Freizeitunfällen, zahlen. Sie sind für Angestellte wie für Selbständige interessant. Eine Berufsunfähigkeitsversicherung greift, wenn man nicht mehr im erlernten oder vorwiegend ausgeübten Beruf arbeiten kann, und das unabhängig davon, ob in einem anderen Beruf gearbeitet wird – es sei denn, im Vertrag gibt es eine Klausel über die „abstrakte Verweisung“, denn das würde bedeuten, dass die Versicherung die Leistungen verweigern kann, wenn man in einem anderen Beruf arbeitet. Nur noch wenige Versicherungen haben diese – für den Versicherungsnehmer ungünstige – Klausel, die Vertragsbedingungen sollten also genau gelesen werden. Die Höhe der Leistungen kann individuell festgelegt werden, hat aber Auswirkungen auf die Beitragshöhe, die auch risiko- und altersabhängig ist. Weil die Beitragshöhe sich auch nach dem Eintrittsalter richtet, ist es besonders für junge Menschen sinnvoll, eine Berufsunfähigkeitsversicherung abzuschließen. Sie sollte so abgeschlossen werden, dass im Schadensfall die Rente bis zum Eintritt in das Rentenalter gezahlt wird. Auch hier ist es sinnvoll, vergleichbare Angebote verschiedener Versicherungsunternehmen einzuholen und zu vergleichen.

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Die Berufshaftpflichtversicherung ist ein wichtiger Baustein für Ihre Karriere. Wir unterstützen Sie von Beginn an mit dem höchsten Berufseinsteiger-Bonus und langsam anpassenden Beiträgen. Wir geben Ihnen aber noch weitere wichtige Hilfestellungen.

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DIE ERSTE STEUERERKLÄRUNG

Müssen Arbeitnehmer eine Steuererklärung abgeben? In vielen Fällen sind sie nicht dazu verpflichtet, es sei denn, sie gehören beispielsweise einer bestimmten Steuerklasse an oder beziehen Nebeneinkünfte wie Mieten oder Honorare. Selbständige müssen grundsätzlich eine Steuererklärung abgeben. Aber auch Arbeitnehmer, Studenten oder Jobsuchende sollten sich freiwillig die Mühe machen, denn häufig winkt eine Rückerstattung vom Finanzamt, natürlich nur, wenn man bereits Steuern gezahlt hat. Wer Einkünfte unter dem gesetzlichen Freibetrag erzielt hat (2017: 8.820 EUR), bekommt bereits gezahlte Steuern auf jeden Fall zurück. Höhere Einkünfte können durch Abzug von beispielsweise Werbungskosten gesenkt werden. Wichtig: Sie müssen dem Finanzamt gegenüber belegen können, dass Ihnen die Rückerstattung zusteht. Deshalb gewöhnen Sie sich gleich zu Anfang des Berufslebens an, relevante Belege zu sammeln, um sie beim Finanzamt einreichen zu können.

Über „Elster“ (www.elster.de), das offizielle Programm der Finanzverwaltung von Bund und Ländern, erhalten Sie sämtliche Formulare. Sie können Ihre Steuererklärung nach Registrierung bei Elster auch elektronisch abgeben, meist wird diese sogar schneller bearbeitet. Mittlerweile gibt es auch vereinfachte Steuererklärungsbögen für Arbeitnehmer. Bei der ersten Steuererklärung das Feld „Steuernummer“ freilassen. Die Steueridentifikationsnummer finden Sie später auf dem Lohnsteuerbescheid. Zur Erstellung Ihrer Steuererklärung brauchen Sie:

  • Persönliche Daten: Name, Adresse, Geburtsort,
  • Steuernummer, Steueridentifikationsnummer etc.
  • Einkommensnachweise (Lohnsteuerbescheinigung,
  • Bescheinigung über Arbeitslosengeld, Kindergeld,
  • Elterngeld, Abfindungen, Insolvenzausfallgeld etc.)
  • Eventuell Bescheinigungen für Anlage Kind (Schulgeld,
  • Kinderbetreuungskosten, Kranken- und Pflegeversicherungs- beiträge, Ausbildungsbescheinigung, BAföG-Bescheid etc.)
  • Belege für Werbungskosten (Fortbildung, Arbeitsmaterial,
  • Reise- und Umzugskosten, Bewerbungskosten etc.)
  • Belege für Sonderausgaben (Unfall-, Haftpflicht-, Lebens- und Rentenversicherungsbeiträge, Kranken- und
  • Pflegeversicherung, Spenden etc.)
  • Belege für außergewöhnliche Belastungen
  • (Krankheitskosten, Haushaltshilfe etc.)

Diese Kosten lassen sich absetzen:

Werbungskosten:

Alle Kosten, die mit dem Beruf oder der Ausbildung zusammenhängen, von Kosten für Bewerbung über Fahrtkosten und Umzugskosten bis hin zu Fortbildungen. Vom Finanzamt werden jährlich 1.000 Euro automatisch als Arbeitnehmerpauschbetrag berücksichtigt. Bei höheren Kosten lohnt es sich, die entsprechenden Belege zu sammeln und einzureichen.

Sonderausgaben:

Dazu zählen Beiträge für die Altersvorsorge, Beiträge zu der gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherung, zur Rentenversicherung, aber auch Spenden. Wenn Sie keine genauen Angaben zu der Höhe der Ausgaben machen, rechnet das Finanzamt pauschal 36 Euro an.

Außergewöhnliche Belastung:

Krankheitskosten (Arztkosten, Zuzahlung für Medikamente, Brille etc.), Unterhaltskosten und Katastrophenschäden fallen unter den Begriff der außergewöhnlichen Belastung. Wie viel davon angerechnet wird, hängt von der Höhe des Einkommens, dem Familienstand und der Anzahl der Kinder ab.

Steuerermäßigungen:

bekommen Sie für alle Handwerksarbeiten und Dienstleistungen, die rund um den Haushalt anfallen. Dazu gehören beispielsweise Kosten für Maler, Heizungswartung, aber auch Kosten für Haushaltshilfen. Bei einem Umzug summieren sich die Kosten für Handwerker und Dienstleistungen enorm. Hier also unbedingt die entsprechenden Nachweise sammeln.

Interview: Als Architekt früh selbstständig

Interview: Als Architekt früh selbstständig

von Özlem Özdemir

Bastian Sevilgen, Nikolas Savić und Maximilian Niggl sind ihr eigener Chef, doch bei der Gründung des Architekturbüros „dreigegeneinen“ hatten sie noch nicht einmal die Bauvorlageberechtigung von der Architektenkammer. Ihr Beispiel zeigt, dass es dennoch klappen kann mit der frühen Selbstständigkeit.


Die Drei von dreigegeneinen: Bastian Sevilgen, Maximilian Niggl und Nikolas Savić (v.l.)

Foto: dreigegeneinen

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Der Schindler Global Award zieht nach Mumbai

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Museum der bayerischen Geschichte
dreigegeneinen für wörner traxler richter, Frankfurt (Main) 

Foto: dreigegeneinen

Sie haben sich bereits im Studium an der Bauhaus Universität, ein Jahr vor Ihrem Diplom (2010), selbstständig gemacht. War das schon immer Ihr Traum gewesen

Bastian Sevilgen: Max und ich hatten sogar vorher schon unter einem anderen Label zusammengearbeitet, womit wir unsere Studentenentwürfe gekennzeichnet haben (Idealstand_ART, Anm. d. A.). An der Bauhaus Uni gibt es auch diese “Kultur”, dass recht viele Produkt- und Graphikdesigner ihre Firmen schon im Studium gründen. Es war dort also relativ normal, dass manche Studenten aus anderen Studiengängen im 8. oder 10. Semester oder zumindest nach dem Diplom eine Firma hatten. Bei den Architekten war und ist das aber eher die Ausnahme.

Wie betrachten Sie den Standort Deutschland für die frühe Selbstständigkeit?

Bastian Sevilgen: Von der Gründung her ist es in Deutschland sehr gut. Es gibt Förderprogramme und man wird ernst genommen. Ich glaube nur in Österreich ist es noch einfacher.
Nikolas Savić: Dort hatten wir auch Praktika gemacht und einige Büros kennengelernt, die sich aus dem Studium heraus gegründet haben. Das war noch zusätzlich inspirierend.

Stichwort Förderprogramme, was haben Sie in der Richtung in Anspruch genommen?

Maximilian Niggl: Den Existenzgründungszusschuss z.B., das gibt es für jedes Bundesland. Dabei gab es zu unserer Zeit 7000 € für ein Jahr, wenn man eine Firma gegründet hat. Das war für die Anfangsbasis sehr wichtig. Wir konnten uns davon einen Rechner kaufen, eine Kreissäge für Modelle und weitere Büroausstattung.
Bastian Sevilgen: Außerdem bietet die IHK Beratungen für Gründer an und wir hatten von der GFAW, der Gesellschaft für Arbeits- und Wirtschaftsförderung des Freistaates Thüringen, zusätzlich einen Existenzgründerpass für Beratungen, z.B. im Bereich Webdesign. In Deutschland rennt man offene Türen ein, wenn man sagt, dass man eine Firma gründen will.

Eine Unterstützung ganz anderer Art sind ja Mentoren. Sie hatten schon während des Studiums eine solche Förderung genossen. Wie wichtig war das für Sie?

Nikolas Savić: Ja, bei uns war das damals ein Assistent an der Bauhaus Universität, Jürgen Hauck, der heute Professor an der FH in Giessen ist (auch Geschäftsführer bei hjp architekten, einer der Partnerbüros von 3G1, Anm. d. A.). Er hat uns den Start in die Selbstständigkeit ermöglicht. Ein weiterer Mentor ist unser Diplomprofessor Walter Stamm-Teske, mit dem wir auch heute noch in Kontakt stehen.

Würden Sie Studierenden dazu raten, solche unterstützenden Leute zu finden?

Maximilian Niggl: Absolut, das ist existentiell! Anders geht’s nicht.

Sie arbeiten oft für andere Büros. Wie entstehen eigentlich solche Kontakte?

Nikolas Savić: Wenn man es bis zum Ende zurückverfolgt, steht bei uns am Anfang immer irgendetwas mit Weimar. Auch den Kontakt zu wörner traxler richter fanden wir über Weimar und Jürgen Hauck.

In den letzten vier Jahren waren Sie bei etwa 50 Wettbewerben dabei und haben diverse 1. und 2. Preise und Anerkennungen bekommen. Trotzdem sagt man, dass Wettbewerbe gerade für junge Büros ein Leidensweg ist. Wie sehen Sie das?

Maximilian Niggl: Bei den Wettbewerben gibt es oftmals 20-40 Teilnehmer und da muss man erst einmal dazu gehören, was für ein junges Büro fast unmöglich ist, weil die Referenzen fehlen. Wenn man aber das Glück hat und trotzdem daran teilnehmen darf, arbeitet man zwei Monate zu dritt an einem Wettbewerb, der nicht bezahlt wird. Nur wenn man gewinnt bekommt man einen adäquaten Lohn. Aber genau deshalb haben wir noch nicht so viele Wettbewerbe unter eigenem Namen gemacht. Wir können uns das nicht leisten. Die Wettbewerbe in Partnerschaften hingegen werden ja vergütet, selbst wenn wir nicht gewinnen. Ansonsten hätten wir auch gar nicht so viele machen können.

Im Zusammenhang mit Ihrer Arbeitsweise stößt man auf den Begriff Subunternehmen. Identifizieren Sie sich damit?

Maximilian Niggl: Also grundsätzlich ist es schon ein Subunternehmen. Man ist gerade in den ersten Jahren abhängig davon, da man ja noch nicht einmal in der Architektenkammer ist und an Wettbewerben gar nicht erst teilnehmen kann. Was macht man also? Man muss im Endeffekt für jemanden arbeiten, der den Architektentitel hat.

Ist man dann nicht einfach eine Art von Freelance-Team für Architekturbüros?

Bastian Sevilgen: Es ist viel freier und autarker als bei Freelancern, die z.T. in den Büros sitzen, Anweisungen bekommen und den Stil des Büros treffen müssen …

Maximilian Niggl: Was wir eben nicht tun. Die Leute, die mit uns arbeiten, die wollen den Stil, den wir machen.

Sammeln sich über diese Wettbewerbsarbeiten neben dem Entwurf auch Erfahrungen an, die Sie bei späteren Bewerbungen für Wettbewerbe als Referenzen angeben können?

Bastian Sevilgen: Die Partnerschaften gehen ja auch weiter. Die Projekte, die wir gewonnen haben, bei denen es – für den Auftraggeber – einen ersten Preis gab, die bearbeiten wir bis in die höheren Leistungsphasen. Wenn wir uns in einer ArGe für einen Wettbewerb bewerben und den gewinnen, dann bauen wir ihn natürlich in unserem Namen. Oder wir bearbeiten eigene kleine Sachen, solche Um- und Ausbauprojekte wie unser OS’ Kitchen . So bekommen wir auch eigene Referenzen.

Maximilian Niggl: Vor allem mit unserem Partner hjp architekten führen wir die Entwürfe weiter. Da kommt es vor, dass man Projektleiter ist und damit dieses Projekt die ganze Zeit betreut. Auch diese Projekte können wir in Zukunft als Referenz angeben.


Besucherzentrum Römerforum in Waldgirmes |
dreigegeneinen mit hjp-architekten, Grafenrheinfeld

Foto: dreigegeneinen


OS’Kitchen – moderne arabische Küche, ein arabisches Restaurant in Neukölln |
dreigegeneinen mit Maximilian Schmahl, Fabian Schnippering + Christine Lange

Foto: Maximilian Schmahl

Die ersten 100 Tage

Die ersten 100 Tage im Job

Mit dem ersten Arbeitstag wird alles anders:

Vorbei die Studienzeit, in der man das Arbeitspensum überwiegend selbst bestimmen konnte. Nun gibt es Vorgesetzte, Kollegen, geregelte Arbeitszeiten und eine Menge neuer Aufgaben. Die ersten hundert Tage im neuen Job können ziemlich anstrengend sein, denn in dieser Zeit steht man unter besonderer Beobachtung. Während der Probezeit kann ein Arbeitgeber ohne Angabe von Gründen das Arbeitsverhältnis wieder kündigen. Doch kein Grund zur Sorge: Wer einige ungeschriebene Regeln beachtet, übersteht die Bewährungsprobe ohne Probleme.

Die Einarbeitung

Normalerweise genießen Berufsanfänger eine Art „Welpenschutz“. Dass Sie noch nicht alles können und wissen, gesteht Ihnen jeder Arbeitgeber zu. Im Gegenzug erwartet man von Ihnen, dass Sie alles dafür tun, um die Einarbeitungsphase kurz zu halten.

Erste wichtige Regel: Werden Sie selbst aktiv. Sie dürfen nicht darauf warten, dass Ihnen ein Kollege alle relevanten DIN-Normen, Gesetze und sonstige Literatur fein säuberlich kopiert auf den Schreibtisch legt. Gehen Sie selbst in die Bibliothek oder ins Internet und besorgen sich die notwendige Fachliteratur. Die zweite Regel könnte aus der Sesamstraße stammen: Das Motto „Wer nicht fragt, bleibt dumm“ sollten sich Berufsanfänger zu eigen machen. Wenn Sie etwas nicht richtig verstanden haben, haken Sie nach. Fragen ist kein Zeichen von Dummheit. Es zeigt, dass Sie Interesse haben und dass es Ihnen wichtig ist, Ihre Aufgaben sorgfältig zu erledigen. Das können Sie nur, wenn Ihnen alle Zusammenhänge klar sind.

Fragen ist elementar, aber fragen Sie so, dass Sie Ihren Chef oder Ihre Kollegen nicht nerven. Manchmal ist es besser, alle Unklarheiten, die einem während der Arbeit begegnen, zu sammeln und später gebündelt zu klären. Wer wegen Kleinigkeiten zum zehnten Mal beim Nachbarn anklopft, handelt sich schnell den Ruf einer Nervensäge ein. Einen guten Eindruck hinterlassen Sie besonders dann, wenn Sie zeigen, dass Sie sich selbst um die Beantwortung einer Frage bemüht haben. Wenn Sie beispielsweise ein Leistungsverzeichnis für eine Bauleistung aufstellen sollen und bei der Formulierung des Leistungstextes nicht weiter wissen, dann rufen Sie doch einfach mal beim Produkthersteller an und lassen sich beraten. Die Firmen stellen Ihnen Produktkataloge zur Verfügung, die meist auch entsprechende Leistungstexte enthalten. Doch Vorsicht: Das darf nicht zu lange dauern. Es kommt nicht gut an, wenn Sie stundenlang telefonieren, um hinterher festzustellen, dass ein Kollege die Frage in zwei Minuten beantwortet hätte.

Schreiben Sie mit!

Einige Gewohnheiten, die Sie noch aus der Uni oder aus der Schule kennen, sollten Sie im Berufsleben fortführen. Dazu gehört das Mitschreiben. Sie werden täglich telefonieren oder an Baubesprechungen teilnehmen. Um stets den Überblick zu behalten, sollten Sie kurze Gesprächsnotizen anfertigen, aus denen das Datum, der Gesprächspartner und wichtige Details des Gesprächs hervorgehen. Ob Sie das am PC oder handschriftlich machen, bleibt Ihnen überlassen. Hauptsache, es geht schnell. Bauleiter sind sogar verpflichtet, ein Bautagebuch zu führen, in dem alle Bauleistungen und Geschehnisse des Tages dokumentiert werden.

 

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Telefonieren – aber richtig!

„Ans Telefon zu gehen ist doch kinderleicht“, werden Sie jetzt vermutlich denken. Der professionelle Umgang mit dem Kommunikationsmittel Nummer eins ist aber gar nicht so einfach. Die Art und Weise, wie Sie beispielsweise einem Auftraggeber am Telefon begegnen, wirkt sich direkt auf das Image der Firma aus. Freundlichkeit allein genügt nicht, um einen positiven Eindruck beim Anrufer zu hinterlassen. Die professionelle Begrüßung besteht aus drei Teilen: dem Firmennamen, dem eigenen Vor- und Zunamen und dem Tagesgruß. Beispiel: „Architekturbüro Müller, Schmidt und Partner. Elisabeth Krüger. Guten Tag.“Niemand verlangt von Ihnen, dass Sie, wenn Sie selbst angerufen werden, auf jede Frage sofort eine Antwort parat haben. Allerdings müssen Sie Ihrem Gesprächspartner aktive Hilfe anbieten. Sagen Sie nicht: „Da kann ich Ihnen auch nicht weiterhelfen.“ Entweder Sie leiten den Anrufer an eine zuständige Person weiter oder schlagen einen Rückruf vor, zum Beispiel, wenn Sie erst passende

Unterlagen raussuchen müssen. Gleiche Spielregeln gelten bei der Vertretung eines Kollegen. Die Mitteilung, dass dieser unterwegs ist, nützt dem Anrufer wenig. Sagen Sie lieber:
„Herr Schmidt ist morgen wieder im Hause. Kann ich Ihnen helfen?“  Ein solches Angebot bleibt mit Sicherheit in positiver Erinnerung, selbst wenn Sie keine endgültige Lösung anbieten können. Fertigen Sie eine kurze Gesprächsnotiz mit Datum, Uhrzeit und Grund des Anrufes an, damit sich Ihr Kollege nach seiner Rückkehr um die Angelegenheit kümmern kann. Seien Sie diesbezüglich unbedingt zuverlässig.

Außerdem: Sprechen Sie niemals über firmeninterne Schwierigkeiten, wenn sich beispielsweise ein Auftraggeber bei Ihnen beschwert. Das gilt im Übrigen generell, nicht nur für das Telefon. Zeigen Sie sich Ihrem Arbeitgeber gegenüber unbedingt loyal. Aussagen wie „Bei uns herrscht Chaos“, „Unser Computer ist abgestürzt“ oder „Der neue Praktikant hat Mist gebaut“ schaden dem Ansehen der Firma und damit auch Ihnen, selbst wenn es tatsächlich so war.

Die professionelle Begrüßung

besteht aus drei Teilen:

  •  Firmennamen,
  • dem eigenen Vor- und Zunamen
  • und dem Tagesgruß.
Qualitätsmanagement (QM)

Viele größere Architektur- und Ingenieurbüros, der öffentliche Dienst oder Bauunternehmen verfügen über ein Qualitätsmanagementsystem, zum Beispiel das nach DIN EN ISO 9001 zertifizierte System oder ein vergleichbares. Das Ziel eines QM-Systems liegt darin, die Wirtschaftlichkeit des Unternehmens zu verbessern, indem zum Beispiel Arbeitsabläufe effizienter gestaltet werden. Das Zertifikat wird von einer Prüfstelle vergeben, zum Beispiel vom Technischen Überwachungsdienst (TÜV). Bei international tätigen Firmen ist das Qualitätszertifikat mittlerweile ein Muss. Aber auch bei deutschlandweit agierenden Firmen setzt sich die Einhaltung der Norm mehr und mehr durch. Das wichtigste Utensil eines Qualitätsmanagementsystems ist das QM-Handbuch, in dem das QM-System beschrieben wird. Neue Mitarbeiter finden hierin wichtige Informationen.

Es enthält beispielsweise genaue Arbeitsanweisungen für jeden Bereich, dieFestlegung von Verantwortungen, bestimmte Ordner- und Ablagestrukturen (auch für den PC), Vorgaben für die Ordnerbeschriftung oder Listen für den Qualitätscheck. Falls Sie in einem QM-zertifizierten Unternehmen arbeiten, müssen Sie sich an die Vorgaben der Norm halten und sollten sich keine eigene Ordnung schaffen. Die Einhaltung der Qualitätsstandards wird in regelmäßigen Abständen von der externen Prüfstelle kontrolliert. Verstöße gegen die Norm können zum Verlust des Zertifikats führen. Da das Verfahren recht aufwendig ist, sind die kleineren Architektur- oder Ingenieurbüros häufig nicht zertifiziert. Allerdings gibt es mittlerweile auch für diese Gruppe ein leicht handelbares Qualitätsmanagementsystem und zwar das TÜV-geprüfte „QualitätsZertifikat Planer am Bau“, mit dem sich im Gegensatz zu der allgemeinen Industrie-Norm ein speziell auf die Bedürfnisse

 

 

von Bauplanern zugeschnittener Qualitätsstandard herstellen lässt. Dieser wird nicht nur von öffentlichen, sondern auch von halböffentlichen Auftraggebern, wie zum Beispiel der Bahn, und natürlich auch von privaten Bauherrn anerkannt. Auch wenn kein Zertifikat im Unternehmen vorhanden ist, so gibt es in jedem Büro gewisse Ordnungsregeln, zum Beispiel ein bestimmtes Ablagesystem, dem sich neue Mitarbeiter anpassen sollten. Ordnung ist eine wichtige Grundlage für den beruflichen Erfolg. Führen Sie Ihre Unterlagen immer so, dass auch andere damit arbeiten können. Wenn Sie krank sind und Ihre Kollegen die Vertretung übernehmen, müssen sich diese anhand Ihrer Notizen problemlos einen Überblick über den Stand Ihres Projektes verschaffen können.

 

Zeitmanagement:  In der Ruhe liegt die Kraft

Stress und Hektik sind im Berufsleben an der Tagesordnung, vor allem wenn ein Abgabetermin näherrückt. Neulinge stehen unter dem besonderen Druck, die Probezeit zu überstehen, und werden daher häufig von Stresssymptomen heimgesucht. „Wie soll ich das bloß alles schaffen?“, schießt es einem beim Anblick des riesigen Berges an Arbeit durch den Kopf. Eines ist sicher: In Panik zu geraten und sich ohne Sinn und Verstand in die Arbeit zu stürzen, hilft Ihnen nicht weiter, macht Sie schlimmstenfalls sogar krank. „Wenn du es eilig hast, gehe langsam“, so lautet der Titel eines Buches von Prof. Lothar Seiwert, einem anerkannten Fachmann auf dem Gebiet des Zeitmanagements. Im Klartext heißt das: Machen Sie einen Schritt nach dem anderen. Lenken Sie den Blick nicht nach oben, sondern immer nur auf den nächsten Schritt. Andernfalls passiert nämlich das, was Beppo der Straßenkehrer aus Michael Endes Kinderbuch „Momo“ treffend beschreibt: „Manchmal hat man eine sehr lange Straße vor sich. Man denkt, die ist so schrecklich lang, das kann man niemals schaffen, denkt man. Und dann fängt man an, sich zu eilen. Und man eilt sich immer mehr. Jedes Mal, wenn man aufblickt, sieht man, dass es gar nicht weniger wird, was vor einem liegt. Und man strengt sich noch mehr an, man kriegt es mit der Angst, und am Schluss ist man außer Puste und kann nicht mehr. Und die Straße liegt immer noch vor einem. So darf man es nicht machen.“ Vielen Menschen geht die Puste vor allem deswegen aus, weil sie nicht in der Lage sind,

wichtige von unwichtigen Aufgaben zu unterscheiden. Sie „verzetteln“ sich im wahrsten Sinne des Wortes.

Daher: Planen Sie die einzelnen Schritte, die zur Bewältigung eines Projektes notwendig sind. Die erste Frage des Tages muss lauten: Was liegt heute an? Was ist besonders dringlich und muss zuerst bearbeitet werden? Was kann auch später erledigt oder delegiert werden? Hilfreich sind so genannte „To-do-Listen“, auf denen Sie alle anstehenden Aufgaben nach Prioritäten geordnet aufführen und nach und nach abarbeiten können. Viele Menschen behaupten, sie hätten zu viel zu tun, um zu planen. Das ist zu kurz gedacht, denn es kostet nur wenige Minuten, um eine Prioritätenliste aufzustellen. Eine gute Planung spart nicht nur Zeit und steigert die Qualität der Arbeit. Auch der „Spaß-Faktor“ bleibt erhalten, vorausgesetzt man macht es wie Beppo der Straßenkehrer, der zu seiner Freundin Momo sagt: „Man darf nie an die ganze Straße auf einmal denken, verstehst du? Man muss nur an den nächsten Schritt denken, an den nächsten Atemzug, an den nächsten Besenstrich. Und immer wieder nur an den nächsten. Dann macht es Freude, das ist wichtig, dann macht man seine Sache gut. Und so soll es sein […] Auf einmal merkt man, dass man Schritt für Schritt die ganze Straße gemacht hat. Man hat gar nicht gemerkt wie, und man ist nicht aus der Puste.“

… Last but not least

 

Achten Sie auf sich!

Es mag banal klingen, aber vergessen Sie nicht, auf Ihre Gesundheit Acht zu geben, auch bei der größten Hektik. Durch negativen Stress ausgelöste Krankheiten wie Tinnitus, Hörsturz, Rückenschmerzen oder Magenbeschwerden nehmen unter jungen Menschen zu. Dabei ist es ein Leichtes, ein Anti-Stress-Programm ganz nebenbei während der Arbeit zu fahren: Trinken Sie über den Tag verteilt mindestens zwei Liter Flüssigkeit, am besten stilles Wasser. Regelmäßige Mahlzeiten, ausreichend Schlaf und die Vermeidung von übermäßigem Alkohol- und Nikotingenuss verstehen sich von selbst. Kontrollieren Sie immer mal wieder Ihre Haltung. Sitzen Sie aufrecht oder „lümmeln“ Sie vorm PC rum? Ein krummer Rücken staucht die inneren Organe, besonders die Lungen, dadurch kann die Atmung nicht optimal ablaufen. Ziehen Sie Kleidung an, die bequem sitzt. Der wichtigste Atemmuskel, das Zwerchfell, sitzt in Bauchnähe und darf nicht eingezwängt werden. Gut für die Atmung und fürs Wohlbefinden ist herzhaftes Gähnen, Rekeln und Strecken. Das sollten Sie besonders bei sitzenden Tätigkeiten regelmäßig tun, vielleicht nicht unbedingt, wenn ein Vorgesetzter in der Nähe ist. Sorgen Sie außerdem für Ruhepausen, vor allem wenn Sie das Gefühl haben, nicht weiterzukommen. Nach einem kurzen Spaziergang lösen sich Denkblockaden meist recht schnell.

 

Und wenn Sie am Ende eines Tages doch völlig gerädert nach Hause kommen, obwohl Sie eigentlich die ganze Zeit am Schreibtisch gesessen haben, dann hilft nur eins: Bewegung. Stress ist eigentlich eine positive Reaktion des Körpers. Den Urmenschen sicherte er das Überleben. Stress bedeutet nichts anderes als die erhöhte Ausschüttung von Adrenalin und anderen Hormonen. Das wiederum sorgt für Spannung in der Muskulatur und Optimierung der Sauerstoffversorgung, beste Voraussetzungen für die Jagd auf Mammuts. Im Gegensatz zu unserer zivilisierten Welt haben die Urmenschen Stress in Bewegung umgesetzt, sie waren sogar dazu gezwungen, der Beute nachzustellen, sonst wäre die Küche kalt geblieben. Da wir keinen Mammuts mehr hinterherjagen, müssen wir uns eine Alternative suchen, um Stress abzubauen. Das kann jede Art der Bewegung sein, zum Beispiel Joggen, Fitness oder Fußball. Optimal wäre eine Sportart, die Ihnen Spaß macht. Auf diese Weise haben Sie am nächste Tag wieder genug Puste, um Schritt für Schritt die anstehenden Aufgaben zu lösen. 

Karriere als Bauingenieur im Ingenieurbüro

Arbeiten im Ingenieurbüro

Welche Aufgaben haben Bauingenieure im Ingenieurbüro? Welche Karrieremöglichkeiten und Aufstiegschancen hat man bei der Planung von Bauwerken? Und welche Chancen ergeben sich für Berufseinsteiger?

Aufgaben: Während Architekturbüros überwiegend im Entwurf von Hochbauten tätig sind, wickeln Ingenieurbüros meist Leistungen im Konstruieren von Ingenieurbauten im Hoch- und Tiefbau, im Wasserbau, in der Wasserwirtschaft und im Verkehrswesen ab. Neben Gutachter- und Beratungstätigkeiten bietet ein Großteil der Büros Planungsleistungen an, das heißt, deren Auftraggeber sind private oder öffentliche Bauherren, die den Entwurf, die Ausführungsplanung, Ausschreibung und manchmal auch die Bauüberwachung eines Bauwerkes oder von Anlagen sonstiger Art nicht selbst in die Hand nehmen, sondern die Leistungen fremdvergeben. Wer in einem Planungsbüro arbeitet, wird mit Sicherheit den Begriffen „Leistungsphasen 1 bis 9“ und „Honorarzonen“ begegnen. Letzteres ist eine Art Aufgabenkatalog für die Abwicklung eines Bauprojektes – von den Vorplanungen bis zur Dokumentation des fertigen Objektes. Welche Leistungen im Einzelnen zu erledigen sind, kann in der HOAI (Honorarordnung für Architekten und Ingenieure) nachgelesen werden.

Kompetenzen: Planungsingenieure müssen gut im Team arbeiten können und brauchen vor allem Organisationstalent und die Fähigkeit, mit einer Fülle an Informationen umzugehen, ohne dabei den Überblick zu verlieren. Eine gute Planung setzt voraus, dass man sich über jedes Detail bis zur letzten Türklinke Gedanken macht, verschiedene Produkte und Preise vergleicht und dabei eine technisch saubere sowie für den Bauherrn wirtschaftliche und dauerhafte Lösung findet. Wichtig ist außerdem ein gutes Ausdrucksvermögen. Präzise Formulierungen sind bei Ausschreibungstexten wichtig, um Missverständnisse und Streitigkeiten zu vermeiden.

Aufgabengebiet Umweltschutz: Der Umweltschutz ist im Verkehrswesen, Abwasserwesen und in der Abfalltechnik wichtig, da die Öffentlichkeit auf sauberes Wasser, saubere Luft, Lärmverminderung und störungsfreie Abfallentsorgung angewiesen ist. Einzelne Planungsbüros haben sich darauf spezialisiert und führen Umweltverträglichkeitsprüfungen durch. Es ist aber vorteilhaft, wenn man bei Auftragsmangel in diesem Gebiet auch in anderen Ingenieurbereichen eingesetzt werden kann.

Aufgabengebiet Verkehrswege/Verkehrsanlagen: Hierzu zählen Anlagen und Bauwerke des Straßen-, Schienen-, Flug- und Wasserverkehrs sowie Anlagen zum Transport von Gütern in Rohrleitungen, zum Beispiel Gas, Mineralöl oder Fernwärme. Hierbei ist eine Zusammenarbeit unter anderem mit Fachleuten des Städtebaus, der Raumordnung, Landschaftspflege und des Naturschutzes erforderlich.

Chancen: In Planungsbüros wenden Sie alle Instrumente an, um ein Bauprojekt vom Plan in die Praxis zu übertragen. Sie werden sich manchmal wie ein Informations-Dompteur vorkommen, der den ganzen Tag mit Lösungen und Herausforderungen jongliert. Nehmen Sie das als Chance wahr; mit steigender Berufserfahrung sinkt die Übermacht der Informationsflut. Wenn ein Unternehmerherz in Ihnen schlägt, suchen Sie sich lieber ein kleineres Büro für den Einstieg, denn so haben Sie engeren Kontakt mit dem Büroinhaber. Schauen Sie sich so viel wie möglich bei ihm ab: Wie akquiriert Ihr Chef Aufträge? Wie kommuniziert er mit Auftraggebern? Wie führt er seine Mitarbeiter? Die Antworten dazu bilden einen guten Grundstein für ein eigenes Büro.

Aufgabengebiet Konstruktiver Ingenieurbau: Tragwerksplaner sind für die Sicherheit der Baukonstruktion verantwortlich. Daher sind genaues Arbeiten sowie gute EDV- und Mathematikkenntnisse erforderlich. Beim Hoch- und Wohnungsbau arbeiten Architekten und Tragwerksplaner eng zusammen, wobei der Tragwerksplaner eine Beratungsfunktion übernimmt. Beim Brücken- und Industriebau, bei Türmen und Antennen, Windkraftanlagen, Schornsteinen und ähnlichen Hochbauten kommt dem Tragwerksplaner und Konstrukteur die führende Rolle zu, der Architekt ist dagegen der Berater.  

Aufgabengebiet Wasserwirtschaft, Wasserbau: Dazu gehören Planung und Bau von Wasserversorgungsanlagen, Brunnen, Wasserwerken, Behältern, Rohrnetzen, Kanalisationen, Kläranlagen, Abfallanlagen, Wasserkraftanlagen, Schifffahrtskanälen, Schleusen, Häfen, Hochwasserschutzanlagen sowie Talsperren. Wichtig sind hierbei gute Grundlagen in Wasserbiologie, Wasserchemie und mathematischer Statistik. Bauingenieure arbeiten in diesem Bereich häufig mit Geologen, Wasserbiologen, Wasserchemikern, Umweltschutzingenieuren, Verfahrenstechnikern, Juristen für Wasserrecht, Landwirten und auch Meteorologen zusammen.  

PROZENT

der Stellenangebote für Architekten kommen von Architektur- und Ingenieurbüros.

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Die Klinker-Architekten

Wohin soll es eigentlich gehen?

Auf die Frage „Was will ich eigentlich?“ wissen viele, übrigens nicht nur junge Menschen, keine Antwort. Entweder sie haben schlicht und einfach kein Ziel oder trauen sich nicht, eines zu definieren, aus Angst, es nie erreichen zu können. Bevor Sie auf Stellensuche gehen, nehmen Sie sich ein Beispiel an erfolgreichen Menschen. Was Churchill, Gandhi, Mandela und Co. eint: Sie alle hatten eine Vision, ein Ziel, das sie nicht aus den Augen verloren, auch wenn sie stolperten. Und sie gingen Umwege, wenn die Hürden zu hoch wurden. Im Berufsleben werden Ihre Ziele der Motor sein, der Sie morgens aus dem Bett zur Baustelle oder ins Büro treibt. Da Sie nur mit einem starken Antrieb vorwärts kommen, brauchen Sie starke Ziele. Daher: Haben Sie den Mut für große Träume. Der eine will ein eigenes Architekturbüro, der andere berühmt werden, der Nächste möchte einfach nur zufrieden sein, der Übernächste die Welt verändern.

Zwischen Vision und Realität

Einer unserer Gesprächspartner, der deutsche Architekt Thomas Rau, hat nie einen staatlich anerkannten Abschluss in Architektur gemacht. Er war der Meinung, das klassische Architekturstudium vermittle ihm nicht das richtige Handwerkszeug, um wirklich bewegende Architektur zu machen. So zimmerte er sich seine eigene Ausbildung, unter anderem in Tanz und Bildhauerei. Heute führt Rau ein erfolgreiches Architekturbüro in den Niederlanden. Was Sie sich von Rau hinsichtlich Ihrer Ziele abschauen sollten: Begreifen Sie jede Erfahrung, jede Arbeitsstelle, jede Weiterbildung als Schritt auf Ihrem Weg zum großen Ganzen.

Selbst wenn Ihr Ziel lautet, einmal viel Geld verdienen zu wollen, lassen Sie sich beim Berufseinstieg nicht von Verdienstmöglichkeiten leiten, sondern beantworten Sie für sich immer die Frage: Was kann ich mitnehmen? Was lerne ich hier? Wenn Sie beispielsweise, wie so viele Architekten, das große Ziel Entwurfsarchitekt anstreben, dort aber wegen Überfüllung keine passende Stelle finden, dann schauen Sie, welche anderen Posten Sie voranbringen könnten. Als Bauleiter beispielsweise lernen Sie das Bauen zu begreifen. Dieses Wissen kann beim Entwerfen nur förderlich sein. Jede Tätigkeit birgt Chancen, egal ob im Ingenieurbüro oder auf der Baustelle.

Architektur „in June“

Architektur „in June“

von Özlem Özdemir

Die junge Architektin Merle Zadeh hat nicht lange gefackelt. Nach kurzem Intermezzo bei Arbeitgebern in Hamburg und Frankfurt hat sie sich mit „june architects“ selbständig gemacht. TALIS-Autorin Özlem Özdemir sprach mit ihr über ihren Werdegang und ihre Erfahrungen mit Geschäftshasen älteren Kalibers.


Merle Zadeh, Architektin

Foto: © Romy Geßner

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Wohnungsumbau in Hamburg.

Entwurf und Abbildung: Merle Zadeh


Modellstudie von Merle Zadeh.

Foto: Merle Zadeh

Frau Zadeh, was steckt hinter dem Büronamen „june architects“?

Merle Zahdeh: Ich wollte von Anfang an ein zu Hause für ein Netzwerk schaffen, wo mehrere Namen unter einem Dach tätig sein können. Mein eigener Name sollte nicht im Vordergrund stehen. Ich mag den Klang und für mich steht der Monat Juni für eine Zeit, in der das Neue erblüht. Ich finde es aber auch nicht schlimm, wenn jeder seine eigenen Assoziationen dazu hat.

Vor dem Architekturstudium haben Sie ein Jahr lang Kulturwirtschaft studiert. Was macht man da eigentlich?

Merle Zahdeh: Es gab die unterschiedlichsten Fächer wie Geschichte und Soziologie, mehrere Sprachen, BWL, VWL, Controlling … Es hat Spaß gemacht, aber mein Herzblut war nicht darin. Archi­tektur und das Gestalten an sich, das hat mich schon immer interessiert, aber auch Menschen. Es ist vielleicht kein Zufall, dass in Passau mein Lieblingsfach Soziologie war. Diese Schnitt­stelle ist es auch, die mich heute noch am meisten interessiert. Also die Frage, wie wir unsere Umwelt gestalten und zwar sowohl in ästhetischer als auch in gesellschaftlicher Hinsicht.

Ist von Ihren damaligen wirtschaftlichen Fächern etwas hängen geblieben für die spätere Praxis?

Merle Zahdeh: Das, was ich jetzt weiß über Unternehmensführung, habe ich mir alles in den letzten anderthalb Jahren selbst beigebracht. Im Studium war das zu abstrakt und sehr allgemein. Nur an eine Sache im Fach Controlling erinnere ich mich noch gut. Da gab es neben den Konten für Geldeingänge und Ausgänge noch ein Konto für „Unvorhergesehene betriebliche Ausgaben“ … das habe ich mir gemerkt. Und das ist auch das, was ich tue, Geld zurücklegen für Unvorhergesehenes, was natürlich immer passieren kann.

Nach dem Studium hatten Sie nicht viele Bürostationen …

Merle Zahdeh: Nein, das ist richtig. Ich habe während des Studiums in Berlin ein Praktikum gemacht, bei Kersten Kopp Architekten und in Paris bei Dominique Perrault und ansonsten viel als Tutorin gearbeitet. Danach war ich zwei Jahre bei Turkali Architekten in Frankfurt und dann in Hamburg bei einem Projektentwickler.

Zu Ihrer Zeit als Angestellte berichten Sie in einem Interview über eine Versammlung, bei der einer der männlichen Teilnehmer Ihnen einen Mantel in die Hand gedrückt hat. Das ist eine vielsagende Geste …

Merle Zahdeh: Ich glaube, dass keine böse Absicht dahintersteckte, aber es zeigt einfach, was für eine Vorstellung manche älteren Geschäftshasen von jungen Architektinnen, und vielleicht auch Architekten, haben. Es geht dabei viel um Erwartungshaltungen, also darum was man denkt, wie jemand in diesem Beruf aussehen müsste. Ich habe oft erlebt, dass ich erst mal unterschätzt wurde und dass man dann im Gespräch total erstaunt war …

Darüber, dass Sie auch was zu sagen hatten …

Merle Zahdeh: Genau! Also das ist, glaube ich, ziemlich verbreitet.

Speziell gegenüber den Damen?

Merle Zahdeh: Ja … ich habe zwar nie erlebt, dass das jemand so offen gesagt hätte, aber ich glaube, da geht es tatsächlich um tiefsitzende Bilder. Das ändert sich erst dann, wenn es mehr Bilder gibt, die die alten ersetzen können. Ich kenne Leute, die Frauen nur im Backoffice oder am Empfang haben – da muss man erstmal diese alten Vorstellungen aufbrechen.

Wie haben Sie Ihren Übergang in die Selbstständigkeit erlebt?

Merle Zahdeh: Ich bin mitten hineingesprungen. Ich hatte das schon lange im Hinterkopf, ganz vage. Das war auch ein Grund dafür, dass ich in Hamburg in einem Büro für Projektentwicklung gearbeitet habe. Weil ich gerne sehen wollte, wie die auf der anderen Seite „ticken“, also auf der Bauherrenseite. Dort wurden Konzepte entworfen, die Finanzierung organisiert, Wettbewerbe ausgeschrieben und die Gewinnerentwürfe auch umgesetzt. In der Bauherrenvertretung habe ich gelernt, worauf man da so achtet. Aber als ich mich dann selbstständig gemacht habe, da war alles „drauflos und kopfüber“ und ganz ohne Strategie. Ich war aber auch nicht völlig blauäugig, sondern hatte etwas gespart die Jahre davor und wusste, es ist nicht schlimm, wenn das erste Projekt nicht sofort da ist. Dass ich mich selbstständig gemacht habe, lag aber auch an meiner Umgebung, ich habe damals schon im Hamburger Betahaus gearbeitet.

Noch während der Projektentwicklungssache?

Merle Zahdeh: Genau. Da habe ich reduziert gearbeitet. Nebenbei habe ich daheim angefangen zu promovieren, aber als mir dort irgendwann die Decke auf den Kopf gefallen ist, habe ich mich umgeguckt nach Orten, wo ich mit anderen Leuten zusammen in einem Raum arbeiten kann. So bin ich zum Betahaus gekommen und da liegt natürlich Gründergeist in der Luft. Da arbeiten Grafiker, Designer, Programmierer, Übersetzer und Journalisten, Start-Ups werden gegründet usw. Ein Ort also voller Energie, wo total viel passiert. Das hat mich inspiriert. Ich habe mir gesagt, ok, ich probiere das jetzt auch einfach mal!

Waren Sie ganz allein, als Sie Januar 2015 Ihr Büro im Betahaus gegründet haben?

Merle Zahdeh: Genau. Ich habe das Büro gegründet, und dann ergab es sich, dass ich relativ schnell ein Projekt hatte.

Wie kam das?

Merle Zahdeh: Ja, da zeigt es sich, dass es sich manchmal lohnt, einfach Dinge zu tun … meine Selbstständigkeit blieb nämlich nicht unentdeckt – eine Bekannte hatte über einen Bekannten davon gehört. Sie hatte ehrenamtlich ein Projekt angestoßen, bei dem es um Unterkünfte für Flüchtlinge ging, und da sie in einem Vollzeitjob war, konnte sie das nicht weitermachen.  Also hat sie jemanden gesucht, der das weiterführen kann. Ich fand das ganz toll und sie hat mir dann vorgeschlagen, dass ich mich bei der Stadt vorstelle. Das habe ich getan und so wurde ich damit beauftragt. Im Betahaus habe ich dann etwa ein Jahr später meine Kollegin, Stephanie Monteiro Kisslinger, kennengelernt.

Dieses Projekt nennt sich ja „New Shores – Wohnhaus für Geflüchtete“ und wurde ausgestellt bei der Architektur-Biennale in Venedig. Erzählen Sie uns etwas mehr dazu?

Merle Zahdeh: Die Stadt brauchte Platz für geflüchtete Menschen und hatte zunächst überlegt, auf einem Grundstück, das sie sich ausgesucht hatten, Container hinzustellen. Doch im Rathaus gab es Leute, die meinten, lasst uns doch überlegen ob wir nicht vielleicht etwas Permanentes machen, weil das nachhaltiger ist und am Ende gar nicht mehr kostet, sondern vielleicht sogar weniger – die Mieten für diese Container sind nämlich sehr hoch. Am Ende wurde entschieden, dass doch ein dauerhaft städtischer Wohnraum entstehen soll, der auch umgenutzt werden kann für Studenten.  Und da wurde ich dazu angeregt – von dieser Bekannten meines Bekannten – mich mit meinen Referenzen und Ideen bei der Stadt vorzustellen.

Es gab da also keine Ausschreibung. Jemand kam zu Ihnen und hat vorgeschlagen, schlagen Sie doch mal was vor …

Merle Zahdeh: Richtig und weil das Projekt noch unter einem bestimmten Volumen lag, gab es keine Ausschreibungen. Nur so konnte ich direkt damit beauftragt werden.

Hätten Sie diese Person, die an Sie herangetreten ist, nicht gekannt wäre es also dazu nie gekommen?

Merle Zahdeh: Genau das meinte ich vorhin. Es kommt manchmal darauf an, einfach anzufangen mit etwas und von sich zu erzählen. Man muss irgendwie schaffen, sichtbar zu werden mit dem was man tut. Erst dann besteht die Möglichkeit, dass jemand das mitkriegt und einen anspricht. Glück gehört aber natürlich auch dazu.

Was ist Ihnen wichtig an „New Shores“?

Merle Zahdeh: Das Projekt ist ein städtischer Wohnungsbau in Holzmodulbauweise. Das Besondere an dem Projekt ist, dass es ein ganz reguläres Wohnhaus ist. Meistens denken die Leute, dass ich Übergangswohnheime planen würde, was nicht der Fall ist. Ich plane da einen Wohnraum für Menschen. Ich glaube, es gibt ganz universelle Bedürfnisse, was Wohnen und Leben angeht, und dass man darauf eingehen muss und das haben wir gemacht. Das sollte eigentlich selbst­verständlich sein, aber es ist tatsächlich das, was es unterscheidet von anderen Projekten, die mehr wie „irgendwelche“ Unterbringungsmöglichkeiten konzipiert sind.

Die Fertigstellung soll im Dezember 2016 sein?

Merle Zahdeh: Ja. Die Ausführungsplanung ist fertig und die Vergabe ist erfolgt. Jetzt beginnt das Bau­unternehmen, das Gebäude vor Ort zu errichten. Spannend an dieser Holzmodulbauweise ist ja, dass relativ viel im Werk vorgefertigt wird. Ganze Wandmodule werden dort erstellt und möglichst viel vormontiert. Dann werden die als Platten auf die Baustelle gefahren und – natürlich nachdem die Gründung erfolgt ist usw. – wird alles nur noch draufgesetzt und montiert. Die Bauphase vor Ort ist sehr kurz und das war das, was auch die Stadt gern wollte.

Haben Sie die Ausführungsplanung zu zweit gemacht?

Merle Zahdeh: Ich habe noch einen freien Mitarbeiter auf Honorarbasis dazu geholt. So haben wir das zu dritt fertiggemacht. Das war super knapp, weil es gab zwischendurch ein Bürgerbegehren gegen die Bebauung.

Wegen der Flüchtlingsthematik?

Merle Zahdeh: Ja… auch wenn es nicht so formuliert wurde. Stattdessen hieß es „für den Erhalt der Grün­fläche“. Und das, obwohl es sich bei dem Standort um keine öffentlich genutzte Grünfläche handelt. Dort stehen ein paar Bäume, und die bleiben ja in unserem Entwurf mit Innenhof erhalten.

Abschließend die Frage: Was ist Ihr Tipp, um an Projekte zu kommen?

Merle Zahdeh: Natürlich stimmt es, dass man über eine Website viele Leute erreicht und die wird jetzt gerade bei mir aufgebaut … aber was mir viel wichtiger ist – ich spreche gerne direkt mit den Leuten. Ich telefoniere auch viel lieber, als dass ich Emails schreibe. Ich glaube einfach ganz stark an persönliche Begegnungen.

 

Erfolgreich bewerben im Bauunternehmen

Erfolgreich bewerben im Bauunternehmen

von David Spoo

Wer Erfahrungen in der Bauleitung vorweisen kann, hat als Bauingenieur und vor allem auch als Architekt wunderbare Aufstiegschancen in allen Bereichen – von der Planung bis zum Management. Obwohl Bauleitung viel Erfahrungen voraussetzt, geben Bauunternehmen häufig Absolventen und Einsteigern die Chance, sich in diese verantwortungsvolle Position einzuarbeiten. Sechs Personalchefs aus verschiedenen Bauunternehmen erklären, was sie von jungen Bewerbern erwarten.

Während der Recherche für diesen Artikel haben wir mit Personalverantwortlichen der Bauunternehmen und Baudienstleister Hochtief, Max Bögl, Wolff & Müller, Goldbeck, der Bauer Gruppe und BAM Deutschland gesprochen. In allen diesen Unternehmen wird heute ausschließlich die Onlinebewerbung gewünscht. Dass die eher als konservativ geltende Branche die moderne Variante bevorzugt, ist nicht so verwunderlich, wie es auf den ersten Blick scheint, sondern hauptsächlich der Masse der eingehenden Bewerbungen bei den großen Firmen geschuldet. „Bei ca. 8.000 Bewerbungen jährlich ist inzwischen nur noch so eine vernünftige, effiziente Bearbeitung möglich“, verdeutlicht Alexander Huber, Leiter der Personalbeschaffung bei Bauer.

Die meisten Bauunternehmen haben ein Bewerberportal auf ihrer Website eingerichtet. Teilweise beinhalten die Karriereportale sowohl aktuelle Stellenangebote als auch Reiter für Initiativbewerbungen – gegliedert nach Studenten, Absolventen und Berufserfahrenen. „Interessenten können ihre Daten direkt eingeben, Dokumente elektronisch anhängen und schließlich immer den aktuellen Status ihrer Bewerbung verfolgen“, erklärt Martina Steffen, Leiterin der Konzernabteilung Personal/Corporate Department Human Resources der Hochtief AG. Die elektronische Bewerbung spare dem Bewerber Zeit und Geld, das Unternehmen hingegen könne schneller Kontakt mit dem Bewerber aufnehmen, die Bewerbung zügig in die Fachbereiche geben und den Bewerbungsprozess somit beschleunigen.

Diese Variante unterscheide sich letztlich gar nicht so sehr von der per Post eingehenden Mappe, sagt Michael Dombrowski, Leiter Personalwesen bei der Wolff & Müller Holding GmbH & Co. KG: „Es ist im Grunde die klassische Bewerbungsmappe, nur in digitaler Form, am besten als PDF.“ Ähnlich äußert sich Martina Steffen: „Die Informationen in einer Onlinebewerbung sollten sich nicht von einer klassischen Bewerbung unterscheiden. Der Bewerber sollte sich genauso viel Mühe und Gedanken mit seiner Onlinebewerbung machen.“

Bewerbungsschreiben: Zeigen was man will

„Kurz und bündig“ wünscht sich Max Fries vom Zentralbereich Personal für Angestellte bei Max Bögl die Bewerbung. „Durch ein kurzes Anschreiben, in dem Bezug auf die ausgeschriebene Stelle genommen wird, den Lebenslauf und Zertifikate können wir uns ein erstes Bild machen – um mehr geht es ja zunächst nicht.“ Sein Kollege Kurt Walther, der das Kompetenzzentrum Bau bei Max Bögl leitet sowie gewerbliche und kaufmännische Auszubildende und Hochschulpraktikanten betreut, rät zur Präzision: „Ein Bewerber muss zeigen, was er will, wo seine Interessen liegen und – wenn es sich um eine Initiativbewerbung handelt – in welchem Unternehmensbereich er arbeiten möchte. Wer uns nicht sagt, was er bei uns machen will, der macht es uns sehr schwer, etwas für ihn zu tun.“

Gern lassen uns die Personalverantwortlichen wissen, wie das Bewerbungspaket gestaltet sein sollte. Gregor Röseler, verantwortlich für Aus- und Weiterbildung sowie Recruiting bei der BAM Deutschland AG, sagt: „Ein gutes Bewerbungsschreiben sollte klar strukturiert und übersichtlich dargestellt sein. Besonders gerne lesen wir ein individuelles Schreiben, in dem der Bewerber seine Motivation darstellt.“

Das Anschreiben sollte sich auf die angestrebte Stelle beziehen und die Erfahrungen und Qualifikationen des Bewerbers herausstellen, die auf das Anforderungsprofil der Stelle passen, erläutert Michael Dombrowski und schließt an: „Bei Absolventen aus den Bereichen Architektur und Bauingenieurwesen spielen für uns neben dem Fachwissen ganz besonders die Fähigkeiten im Prozess- und Projektmanagement eine große Rolle.“

Besonders gerne lesen wir ein individuelles Schreiben, in dem der Bewerber seine Motivation darstellt.

Gregor Röseler

BAM Deutschland AG

Gesundes Selbstbewusstsein an den Tag legen

Kathrin Strehlau, die in der Personalentwicklung der Goldbeck GmbH tätig ist, achtet besonders auf die Dauer der bisherigen Anstellungen und einen lückenlosen Lebenslauf. „Des Weiteren benötigen wir alle relevanten Schul- und Ausbildungs- sowie Praktikums- oder Arbeitszeugnisse. Für Positionen in der Planung, der Bau- oder Projektleitung sind außerdem Arbeitsproben bzw. eine Projektliste hilfreich.“ Zusammengefasst lässt sich also feststellen, dass kompakte Bewerbungen gewünscht werden, in denen Bezug auf die konkrete Stelle genommen wird, Zahlen und Fakten chronologisch und damit lesefreundlich aufgearbeitet wurden und die relevanten sowie geforderten Anlagen enthalten sind. Alexander Huber hebt den Stellenwert des Anschreibens als „erste Arbeitsprobe“ hervor, die selbstverständlich frei von Rechtschreib- und Grammatikfehlern sein sollte.
Wie viele Bewerber zum Vorstellungsgespräch eingeladen werden, ist ganz unterschiedlich und auch bezüglich vorab geführter Telefoninterviews ist keine eindeutige Linie zu erkennen. Max Fries hält wenig von diesen Telefonaten: „Wenn ich jemanden unerwartet anrufe, ist er nicht auf ein Gespräch vorbereitet. Wir wollen aber niemanden in die Ecke drängen.“ Bei Max Bögl werden im Regelfall drei bis fünf Kandidaten zum Vorstellungsgespräch eingeladen. Ihnen gegenüber sitzen ein Vertreter aus dem Bereich Personal, meist Fries, sowie ein oder zwei Vertreter des Fachbereichs, der aktuell Personal anfordert. Zu Beginn des Gesprächs stellt sich die Firmenseite vor, danach erhält der Bewerber Gelegenheit, sich zu präsentieren. In Zeiten des Internets erwartet Fries, dass eine Beschäftigung mit dem Unternehmen erfolgt ist: „Wenn wir über uns und die Stelle sprechen, möchte ich nicht bei null anfangen, sondern schon etwas in die Tiefe gehen.“ Im Einzelfall werden konkrete Situationen oder besondere Herausforderungen der Tätigkeit angesprochen.

Stärken zeigen, Schwächen zugeben

„Ein Bewerber sollte schon ein gesundes Selbstbewusstsein an den Tag legen, ohne dabei überheblich zu wirken“, sagt Martina Steffen. Der Kandidat sollte deutlich zeigen, dass er neugierig auf den Job ist, und erklären können, warum gerade er dafür geeignet ist. Als positiv empfindet sie es, wenn der Bewerber eine ausgeprägte Selbstreflexion zeige. Er beweise damit ein gutes Gefühl und Wissen um seine eigenen Stärken und auch Schwächen. „Es ist kein Problem, wenn ein Bewerber zugibt, bestimmte Dinge noch nicht zu können. Wichtig ist, dass er an diesen Punkten arbeitet“, erläutert Steffen. Darüber hinaus gibt sie Bewerbern den Tipp, im Gespräch immer authentisch zu sein: „Wir suchen schließlich keine Schauspieler.“

Begeisterung fürs Bauen und Teamgeist – diese beiden Dinge sollte ein Bewerber nach Ansicht von Michael Dombrowski im Vorstellungsgespräch vermitteln. „Er sollte offen, interessiert und kommunikativ sein. Das sehen wir zum Beispiel daran, ob er aufmerksam zuhört, Blickkontakt sucht und hält, Fragen stellt und alle Gesprächsteilnehmer einbezieht.“ Wer andere ständig unterbricht, der erweckt nicht den Eindruck, sich integrieren zu können und Entscheidungen anderer zu akzeptieren. „Es gibt kein Patentrezept, die Teamfähigkeit eines Bewerbers zu ergründen“, sagt Max Fries. Man könne nur versuchen, Tendenzen herauszuhören, ob jemand eher ein Einzelgänger ist oder sich gern in eine Gemeinschaft eingliedert. Kurt Walther ergänzt, dass es neben der Frage nach der Teamfähigkeit auch darum gehe, ob der Bewerber in diejenige Gruppe passt, die verstärkt werden soll.

Die meisten der großen Baufirmen waren Familienunternehmen oder befinden sich noch heute in Familienbesitz. Dies hat Auswirkungen auf die Unternehmenskultur und das Wertesystem: „Wir sind ein Familienunternehmen mit mittelständischen Werten und Stärken: Bodenständigkeit und Partnerschaftlichkeit, aber auch Innovationskraft und Effektivität. Ein Bewerber passt zu uns, wenn er diese Werte teilt“, berichtet Michael Dombrowski.

Ist es zu einer Einstellung gekommen, dann punktet der neue Mitarbeiter bei Goldbeck, wenn er Eigeninitiative entwickelt und offen auf die Kollegen zugeht. „Wir geben Mitarbeitern sehr früh Verantwortung und die Möglichkeit, sich im Unternehmen einzubringen. Wenn das genutzt wird, profitieren beide“, weiß Kathrin Strehlau. Dass ein neuer Mitarbeiter wissbegierig ist und Strukturen und Prozesse hinterfragt, dies erwartet Michael Dombrowski: „Was ist anders als beim vorherigen Arbeitgeber? Was ist aus seiner Sicht gut, was könnte man verbessern?“ Dies erfordere natürlich etwas Mut und Selbstbewusstsein, doch nur so würden Dinge in Gang gesetzt, „und es ist eine gute Gelegenheit, sich zu positionieren und das eigene Potenzial aufzuzeigen“. Bei Bauer wurde bereits vor längerer Zeit unser betriebliches Vorschlagswesen eingeführt, „da das aktive Mitwirken und Sich-Einbringen aller Mitarbeiter nur von Vorteil für das gesamte Unternehmen sein kann“, berichtet Alexander Huber. Wolff & Müller bietet mit der hauseigenen Akademie ein umfangreiches Schulungs- und Weiterbildungsprogramm und veranstaltet Expertenworkshops sowie Diskussionsrunden. „Wer diese Angebote aktiv nutzt und zeigt, dass er sich weiterentwickeln möchte, macht auf sich aufmerksam“, schließt Michael Dombrowski.

Die Firmengruppe Max Bögl investiert viel Zeit und Geld, um die Nachwuchskräfte fit für Führungspositionen zu machen, und ist daher selbstverständlich an einer langfristigen Mitarbeiter-Bindung interessiert. „Nach drei bis fünf Jahren können wir den Mitarbeitern Baustellen zur eigenständigen Abwicklung übergeben, später warten Aufgaben in der Projektleitung und schließlich schult der ehemalige Neuling als Führungskraft selbst junge Bauleiter“, zeigt Max Fries einen möglichen Weg auf. Tatsächlich sind viele Schlüsselpositionen des Unternehmens bis hin zur Geschäftsführung mit Eigengewächsen besetzt.

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Wer uns nicht sagt, was er bei uns machen will, der macht es uns sehr schwer, etwas für ihn zu tun.

Kurt Walther

Max Bögl

Es ist kein Problem, wenn ein Bewerber zugibt, bestimmte Dinge noch nicht zu können. Wichtig ist, dass er an diesen Punkten arbeitet.

Martina Steffen

Hochtief AG

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