Die ersten 100 Tage

Die ersten 100 Tage im Job

Mit dem ersten Arbeitstag wird alles anders:

Vorbei die Studienzeit, in der man das Arbeitspensum überwiegend selbst bestimmen konnte. Nun gibt es Vorgesetzte, Kollegen, geregelte Arbeitszeiten und eine Menge neuer Aufgaben. Die ersten hundert Tage im neuen Job können ziemlich anstrengend sein, denn in dieser Zeit steht man unter besonderer Beobachtung. Während der Probezeit kann ein Arbeitgeber ohne Angabe von Gründen das Arbeitsverhältnis wieder kündigen. Doch kein Grund zur Sorge: Wer einige ungeschriebene Regeln beachtet, übersteht die Bewährungsprobe ohne Probleme.

Die Einarbeitung

Normalerweise genießen Berufsanfänger eine Art „Welpenschutz“. Dass Sie noch nicht alles können und wissen, gesteht Ihnen jeder Arbeitgeber zu. Im Gegenzug erwartet man von Ihnen, dass Sie alles dafür tun, um die Einarbeitungsphase kurz zu halten.

Erste wichtige Regel: Werden Sie selbst aktiv. Sie dürfen nicht darauf warten, dass Ihnen ein Kollege alle relevanten DIN-Normen, Gesetze und sonstige Literatur fein säuberlich kopiert auf den Schreibtisch legt. Gehen Sie selbst in die Bibliothek oder ins Internet und besorgen sich die notwendige Fachliteratur. Die zweite Regel könnte aus der Sesamstraße stammen: Das Motto „Wer nicht fragt, bleibt dumm“ sollten sich Berufsanfänger zu eigen machen. Wenn Sie etwas nicht richtig verstanden haben, haken Sie nach. Fragen ist kein Zeichen von Dummheit. Es zeigt, dass Sie Interesse haben und dass es Ihnen wichtig ist, Ihre Aufgaben sorgfältig zu erledigen. Das können Sie nur, wenn Ihnen alle Zusammenhänge klar sind.

Fragen ist elementar, aber fragen Sie so, dass Sie Ihren Chef oder Ihre Kollegen nicht nerven. Manchmal ist es besser, alle Unklarheiten, die einem während der Arbeit begegnen, zu sammeln und später gebündelt zu klären. Wer wegen Kleinigkeiten zum zehnten Mal beim Nachbarn anklopft, handelt sich schnell den Ruf einer Nervensäge ein. Einen guten Eindruck hinterlassen Sie besonders dann, wenn Sie zeigen, dass Sie sich selbst um die Beantwortung einer Frage bemüht haben. Wenn Sie beispielsweise ein Leistungsverzeichnis für eine Bauleistung aufstellen sollen und bei der Formulierung des Leistungstextes nicht weiter wissen, dann rufen Sie doch einfach mal beim Produkthersteller an und lassen sich beraten. Die Firmen stellen Ihnen Produktkataloge zur Verfügung, die meist auch entsprechende Leistungstexte enthalten. Doch Vorsicht: Das darf nicht zu lange dauern. Es kommt nicht gut an, wenn Sie stundenlang telefonieren, um hinterher festzustellen, dass ein Kollege die Frage in zwei Minuten beantwortet hätte.

Schreiben Sie mit!

Einige Gewohnheiten, die Sie noch aus der Uni oder aus der Schule kennen, sollten Sie im Berufsleben fortführen. Dazu gehört das Mitschreiben. Sie werden täglich telefonieren oder an Baubesprechungen teilnehmen. Um stets den Überblick zu behalten, sollten Sie kurze Gesprächsnotizen anfertigen, aus denen das Datum, der Gesprächspartner und wichtige Details des Gesprächs hervorgehen. Ob Sie das am PC oder handschriftlich machen, bleibt Ihnen überlassen. Hauptsache, es geht schnell. Bauleiter sind sogar verpflichtet, ein Bautagebuch zu führen, in dem alle Bauleistungen und Geschehnisse des Tages dokumentiert werden.

 

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Telefonieren – aber richtig!

„Ans Telefon zu gehen ist doch kinderleicht“, werden Sie jetzt vermutlich denken. Der professionelle Umgang mit dem Kommunikationsmittel Nummer eins ist aber gar nicht so einfach. Die Art und Weise, wie Sie beispielsweise einem Auftraggeber am Telefon begegnen, wirkt sich direkt auf das Image der Firma aus. Freundlichkeit allein genügt nicht, um einen positiven Eindruck beim Anrufer zu hinterlassen. Die professionelle Begrüßung besteht aus drei Teilen: dem Firmennamen, dem eigenen Vor- und Zunamen und dem Tagesgruß. Beispiel: „Architekturbüro Müller, Schmidt und Partner. Elisabeth Krüger. Guten Tag.“Niemand verlangt von Ihnen, dass Sie, wenn Sie selbst angerufen werden, auf jede Frage sofort eine Antwort parat haben. Allerdings müssen Sie Ihrem Gesprächspartner aktive Hilfe anbieten. Sagen Sie nicht: „Da kann ich Ihnen auch nicht weiterhelfen.“ Entweder Sie leiten den Anrufer an eine zuständige Person weiter oder schlagen einen Rückruf vor, zum Beispiel, wenn Sie erst passende

Unterlagen raussuchen müssen. Gleiche Spielregeln gelten bei der Vertretung eines Kollegen. Die Mitteilung, dass dieser unterwegs ist, nützt dem Anrufer wenig. Sagen Sie lieber:
„Herr Schmidt ist morgen wieder im Hause. Kann ich Ihnen helfen?“  Ein solches Angebot bleibt mit Sicherheit in positiver Erinnerung, selbst wenn Sie keine endgültige Lösung anbieten können. Fertigen Sie eine kurze Gesprächsnotiz mit Datum, Uhrzeit und Grund des Anrufes an, damit sich Ihr Kollege nach seiner Rückkehr um die Angelegenheit kümmern kann. Seien Sie diesbezüglich unbedingt zuverlässig.

Außerdem: Sprechen Sie niemals über firmeninterne Schwierigkeiten, wenn sich beispielsweise ein Auftraggeber bei Ihnen beschwert. Das gilt im Übrigen generell, nicht nur für das Telefon. Zeigen Sie sich Ihrem Arbeitgeber gegenüber unbedingt loyal. Aussagen wie „Bei uns herrscht Chaos“, „Unser Computer ist abgestürzt“ oder „Der neue Praktikant hat Mist gebaut“ schaden dem Ansehen der Firma und damit auch Ihnen, selbst wenn es tatsächlich so war.

Die professionelle Begrüßung

besteht aus drei Teilen:

  •  Firmennamen,
  • dem eigenen Vor- und Zunamen
  • und dem Tagesgruß.
Qualitätsmanagement (QM)

Viele größere Architektur- und Ingenieurbüros, der öffentliche Dienst oder Bauunternehmen verfügen über ein Qualitätsmanagementsystem, zum Beispiel das nach DIN EN ISO 9001 zertifizierte System oder ein vergleichbares. Das Ziel eines QM-Systems liegt darin, die Wirtschaftlichkeit des Unternehmens zu verbessern, indem zum Beispiel Arbeitsabläufe effizienter gestaltet werden. Das Zertifikat wird von einer Prüfstelle vergeben, zum Beispiel vom Technischen Überwachungsdienst (TÜV). Bei international tätigen Firmen ist das Qualitätszertifikat mittlerweile ein Muss. Aber auch bei deutschlandweit agierenden Firmen setzt sich die Einhaltung der Norm mehr und mehr durch. Das wichtigste Utensil eines Qualitätsmanagementsystems ist das QM-Handbuch, in dem das QM-System beschrieben wird. Neue Mitarbeiter finden hierin wichtige Informationen.

Es enthält beispielsweise genaue Arbeitsanweisungen für jeden Bereich, dieFestlegung von Verantwortungen, bestimmte Ordner- und Ablagestrukturen (auch für den PC), Vorgaben für die Ordnerbeschriftung oder Listen für den Qualitätscheck. Falls Sie in einem QM-zertifizierten Unternehmen arbeiten, müssen Sie sich an die Vorgaben der Norm halten und sollten sich keine eigene Ordnung schaffen. Die Einhaltung der Qualitätsstandards wird in regelmäßigen Abständen von der externen Prüfstelle kontrolliert. Verstöße gegen die Norm können zum Verlust des Zertifikats führen. Da das Verfahren recht aufwendig ist, sind die kleineren Architektur- oder Ingenieurbüros häufig nicht zertifiziert. Allerdings gibt es mittlerweile auch für diese Gruppe ein leicht handelbares Qualitätsmanagementsystem und zwar das TÜV-geprüfte „QualitätsZertifikat Planer am Bau“, mit dem sich im Gegensatz zu der allgemeinen Industrie-Norm ein speziell auf die Bedürfnisse

 

 

von Bauplanern zugeschnittener Qualitätsstandard herstellen lässt. Dieser wird nicht nur von öffentlichen, sondern auch von halböffentlichen Auftraggebern, wie zum Beispiel der Bahn, und natürlich auch von privaten Bauherrn anerkannt. Auch wenn kein Zertifikat im Unternehmen vorhanden ist, so gibt es in jedem Büro gewisse Ordnungsregeln, zum Beispiel ein bestimmtes Ablagesystem, dem sich neue Mitarbeiter anpassen sollten. Ordnung ist eine wichtige Grundlage für den beruflichen Erfolg. Führen Sie Ihre Unterlagen immer so, dass auch andere damit arbeiten können. Wenn Sie krank sind und Ihre Kollegen die Vertretung übernehmen, müssen sich diese anhand Ihrer Notizen problemlos einen Überblick über den Stand Ihres Projektes verschaffen können.

 

Zeitmanagement:  In der Ruhe liegt die Kraft

Stress und Hektik sind im Berufsleben an der Tagesordnung, vor allem wenn ein Abgabetermin näherrückt. Neulinge stehen unter dem besonderen Druck, die Probezeit zu überstehen, und werden daher häufig von Stresssymptomen heimgesucht. „Wie soll ich das bloß alles schaffen?“, schießt es einem beim Anblick des riesigen Berges an Arbeit durch den Kopf. Eines ist sicher: In Panik zu geraten und sich ohne Sinn und Verstand in die Arbeit zu stürzen, hilft Ihnen nicht weiter, macht Sie schlimmstenfalls sogar krank. „Wenn du es eilig hast, gehe langsam“, so lautet der Titel eines Buches von Prof. Lothar Seiwert, einem anerkannten Fachmann auf dem Gebiet des Zeitmanagements. Im Klartext heißt das: Machen Sie einen Schritt nach dem anderen. Lenken Sie den Blick nicht nach oben, sondern immer nur auf den nächsten Schritt. Andernfalls passiert nämlich das, was Beppo der Straßenkehrer aus Michael Endes Kinderbuch „Momo“ treffend beschreibt: „Manchmal hat man eine sehr lange Straße vor sich. Man denkt, die ist so schrecklich lang, das kann man niemals schaffen, denkt man. Und dann fängt man an, sich zu eilen. Und man eilt sich immer mehr. Jedes Mal, wenn man aufblickt, sieht man, dass es gar nicht weniger wird, was vor einem liegt. Und man strengt sich noch mehr an, man kriegt es mit der Angst, und am Schluss ist man außer Puste und kann nicht mehr. Und die Straße liegt immer noch vor einem. So darf man es nicht machen.“ Vielen Menschen geht die Puste vor allem deswegen aus, weil sie nicht in der Lage sind,

wichtige von unwichtigen Aufgaben zu unterscheiden. Sie „verzetteln“ sich im wahrsten Sinne des Wortes.

Daher: Planen Sie die einzelnen Schritte, die zur Bewältigung eines Projektes notwendig sind. Die erste Frage des Tages muss lauten: Was liegt heute an? Was ist besonders dringlich und muss zuerst bearbeitet werden? Was kann auch später erledigt oder delegiert werden? Hilfreich sind so genannte „To-do-Listen“, auf denen Sie alle anstehenden Aufgaben nach Prioritäten geordnet aufführen und nach und nach abarbeiten können. Viele Menschen behaupten, sie hätten zu viel zu tun, um zu planen. Das ist zu kurz gedacht, denn es kostet nur wenige Minuten, um eine Prioritätenliste aufzustellen. Eine gute Planung spart nicht nur Zeit und steigert die Qualität der Arbeit. Auch der „Spaß-Faktor“ bleibt erhalten, vorausgesetzt man macht es wie Beppo der Straßenkehrer, der zu seiner Freundin Momo sagt: „Man darf nie an die ganze Straße auf einmal denken, verstehst du? Man muss nur an den nächsten Schritt denken, an den nächsten Atemzug, an den nächsten Besenstrich. Und immer wieder nur an den nächsten. Dann macht es Freude, das ist wichtig, dann macht man seine Sache gut. Und so soll es sein […] Auf einmal merkt man, dass man Schritt für Schritt die ganze Straße gemacht hat. Man hat gar nicht gemerkt wie, und man ist nicht aus der Puste.“

… Last but not least

 

Achten Sie auf sich!

Es mag banal klingen, aber vergessen Sie nicht, auf Ihre Gesundheit Acht zu geben, auch bei der größten Hektik. Durch negativen Stress ausgelöste Krankheiten wie Tinnitus, Hörsturz, Rückenschmerzen oder Magenbeschwerden nehmen unter jungen Menschen zu. Dabei ist es ein Leichtes, ein Anti-Stress-Programm ganz nebenbei während der Arbeit zu fahren: Trinken Sie über den Tag verteilt mindestens zwei Liter Flüssigkeit, am besten stilles Wasser. Regelmäßige Mahlzeiten, ausreichend Schlaf und die Vermeidung von übermäßigem Alkohol- und Nikotingenuss verstehen sich von selbst. Kontrollieren Sie immer mal wieder Ihre Haltung. Sitzen Sie aufrecht oder „lümmeln“ Sie vorm PC rum? Ein krummer Rücken staucht die inneren Organe, besonders die Lungen, dadurch kann die Atmung nicht optimal ablaufen. Ziehen Sie Kleidung an, die bequem sitzt. Der wichtigste Atemmuskel, das Zwerchfell, sitzt in Bauchnähe und darf nicht eingezwängt werden. Gut für die Atmung und fürs Wohlbefinden ist herzhaftes Gähnen, Rekeln und Strecken. Das sollten Sie besonders bei sitzenden Tätigkeiten regelmäßig tun, vielleicht nicht unbedingt, wenn ein Vorgesetzter in der Nähe ist. Sorgen Sie außerdem für Ruhepausen, vor allem wenn Sie das Gefühl haben, nicht weiterzukommen. Nach einem kurzen Spaziergang lösen sich Denkblockaden meist recht schnell.

 

Und wenn Sie am Ende eines Tages doch völlig gerädert nach Hause kommen, obwohl Sie eigentlich die ganze Zeit am Schreibtisch gesessen haben, dann hilft nur eins: Bewegung. Stress ist eigentlich eine positive Reaktion des Körpers. Den Urmenschen sicherte er das Überleben. Stress bedeutet nichts anderes als die erhöhte Ausschüttung von Adrenalin und anderen Hormonen. Das wiederum sorgt für Spannung in der Muskulatur und Optimierung der Sauerstoffversorgung, beste Voraussetzungen für die Jagd auf Mammuts. Im Gegensatz zu unserer zivilisierten Welt haben die Urmenschen Stress in Bewegung umgesetzt, sie waren sogar dazu gezwungen, der Beute nachzustellen, sonst wäre die Küche kalt geblieben. Da wir keinen Mammuts mehr hinterherjagen, müssen wir uns eine Alternative suchen, um Stress abzubauen. Das kann jede Art der Bewegung sein, zum Beispiel Joggen, Fitness oder Fußball. Optimal wäre eine Sportart, die Ihnen Spaß macht. Auf diese Weise haben Sie am nächste Tag wieder genug Puste, um Schritt für Schritt die anstehenden Aufgaben zu lösen. 

Karriere als Bauingenieur im Ingenieurbüro

Arbeiten im Ingenieurbüro

Welche Aufgaben haben Bauingenieure im Ingenieurbüro? Welche Karrieremöglichkeiten und Aufstiegschancen hat man bei der Planung von Bauwerken? Und welche Chancen ergeben sich für Berufseinsteiger?

Aufgaben: Während Architekturbüros überwiegend im Entwurf von Hochbauten tätig sind, wickeln Ingenieurbüros meist Leistungen im Konstruieren von Ingenieurbauten im Hoch- und Tiefbau, im Wasserbau, in der Wasserwirtschaft und im Verkehrswesen ab. Neben Gutachter- und Beratungstätigkeiten bietet ein Großteil der Büros Planungsleistungen an, das heißt, deren Auftraggeber sind private oder öffentliche Bauherren, die den Entwurf, die Ausführungsplanung, Ausschreibung und manchmal auch die Bauüberwachung eines Bauwerkes oder von Anlagen sonstiger Art nicht selbst in die Hand nehmen, sondern die Leistungen fremdvergeben. Wer in einem Planungsbüro arbeitet, wird mit Sicherheit den Begriffen „Leistungsphasen 1 bis 9“ und „Honorarzonen“ begegnen. Letzteres ist eine Art Aufgabenkatalog für die Abwicklung eines Bauprojektes – von den Vorplanungen bis zur Dokumentation des fertigen Objektes. Welche Leistungen im Einzelnen zu erledigen sind, kann in der HOAI (Honorarordnung für Architekten und Ingenieure) nachgelesen werden.

Kompetenzen: Planungsingenieure müssen gut im Team arbeiten können und brauchen vor allem Organisationstalent und die Fähigkeit, mit einer Fülle an Informationen umzugehen, ohne dabei den Überblick zu verlieren. Eine gute Planung setzt voraus, dass man sich über jedes Detail bis zur letzten Türklinke Gedanken macht, verschiedene Produkte und Preise vergleicht und dabei eine technisch saubere sowie für den Bauherrn wirtschaftliche und dauerhafte Lösung findet. Wichtig ist außerdem ein gutes Ausdrucksvermögen. Präzise Formulierungen sind bei Ausschreibungstexten wichtig, um Missverständnisse und Streitigkeiten zu vermeiden.

Aufgabengebiet Umweltschutz: Der Umweltschutz ist im Verkehrswesen, Abwasserwesen und in der Abfalltechnik wichtig, da die Öffentlichkeit auf sauberes Wasser, saubere Luft, Lärmverminderung und störungsfreie Abfallentsorgung angewiesen ist. Einzelne Planungsbüros haben sich darauf spezialisiert und führen Umweltverträglichkeitsprüfungen durch. Es ist aber vorteilhaft, wenn man bei Auftragsmangel in diesem Gebiet auch in anderen Ingenieurbereichen eingesetzt werden kann.

Aufgabengebiet Verkehrswege/Verkehrsanlagen: Hierzu zählen Anlagen und Bauwerke des Straßen-, Schienen-, Flug- und Wasserverkehrs sowie Anlagen zum Transport von Gütern in Rohrleitungen, zum Beispiel Gas, Mineralöl oder Fernwärme. Hierbei ist eine Zusammenarbeit unter anderem mit Fachleuten des Städtebaus, der Raumordnung, Landschaftspflege und des Naturschutzes erforderlich.

Chancen: In Planungsbüros wenden Sie alle Instrumente an, um ein Bauprojekt vom Plan in die Praxis zu übertragen. Sie werden sich manchmal wie ein Informations-Dompteur vorkommen, der den ganzen Tag mit Lösungen und Herausforderungen jongliert. Nehmen Sie das als Chance wahr; mit steigender Berufserfahrung sinkt die Übermacht der Informationsflut. Wenn ein Unternehmerherz in Ihnen schlägt, suchen Sie sich lieber ein kleineres Büro für den Einstieg, denn so haben Sie engeren Kontakt mit dem Büroinhaber. Schauen Sie sich so viel wie möglich bei ihm ab: Wie akquiriert Ihr Chef Aufträge? Wie kommuniziert er mit Auftraggebern? Wie führt er seine Mitarbeiter? Die Antworten dazu bilden einen guten Grundstein für ein eigenes Büro.

Aufgabengebiet Konstruktiver Ingenieurbau: Tragwerksplaner sind für die Sicherheit der Baukonstruktion verantwortlich. Daher sind genaues Arbeiten sowie gute EDV- und Mathematikkenntnisse erforderlich. Beim Hoch- und Wohnungsbau arbeiten Architekten und Tragwerksplaner eng zusammen, wobei der Tragwerksplaner eine Beratungsfunktion übernimmt. Beim Brücken- und Industriebau, bei Türmen und Antennen, Windkraftanlagen, Schornsteinen und ähnlichen Hochbauten kommt dem Tragwerksplaner und Konstrukteur die führende Rolle zu, der Architekt ist dagegen der Berater.  

Aufgabengebiet Wasserwirtschaft, Wasserbau: Dazu gehören Planung und Bau von Wasserversorgungsanlagen, Brunnen, Wasserwerken, Behältern, Rohrnetzen, Kanalisationen, Kläranlagen, Abfallanlagen, Wasserkraftanlagen, Schifffahrtskanälen, Schleusen, Häfen, Hochwasserschutzanlagen sowie Talsperren. Wichtig sind hierbei gute Grundlagen in Wasserbiologie, Wasserchemie und mathematischer Statistik. Bauingenieure arbeiten in diesem Bereich häufig mit Geologen, Wasserbiologen, Wasserchemikern, Umweltschutzingenieuren, Verfahrenstechnikern, Juristen für Wasserrecht, Landwirten und auch Meteorologen zusammen.  

PROZENT

der Stellenangebote für Architekten kommen von Architektur- und Ingenieurbüros.

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HAGEMEISTER
Die Klinker-Architekten

Wohin soll es eigentlich gehen?

Auf die Frage „Was will ich eigentlich?“ wissen viele, übrigens nicht nur junge Menschen, keine Antwort. Entweder sie haben schlicht und einfach kein Ziel oder trauen sich nicht, eines zu definieren, aus Angst, es nie erreichen zu können. Bevor Sie auf Stellensuche gehen, nehmen Sie sich ein Beispiel an erfolgreichen Menschen. Was Churchill, Gandhi, Mandela und Co. eint: Sie alle hatten eine Vision, ein Ziel, das sie nicht aus den Augen verloren, auch wenn sie stolperten. Und sie gingen Umwege, wenn die Hürden zu hoch wurden. Im Berufsleben werden Ihre Ziele der Motor sein, der Sie morgens aus dem Bett zur Baustelle oder ins Büro treibt. Da Sie nur mit einem starken Antrieb vorwärts kommen, brauchen Sie starke Ziele. Daher: Haben Sie den Mut für große Träume. Der eine will ein eigenes Architekturbüro, der andere berühmt werden, der Nächste möchte einfach nur zufrieden sein, der Übernächste die Welt verändern.

Zwischen Vision und Realität

Einer unserer Gesprächspartner, der deutsche Architekt Thomas Rau, hat nie einen staatlich anerkannten Abschluss in Architektur gemacht. Er war der Meinung, das klassische Architekturstudium vermittle ihm nicht das richtige Handwerkszeug, um wirklich bewegende Architektur zu machen. So zimmerte er sich seine eigene Ausbildung, unter anderem in Tanz und Bildhauerei. Heute führt Rau ein erfolgreiches Architekturbüro in den Niederlanden. Was Sie sich von Rau hinsichtlich Ihrer Ziele abschauen sollten: Begreifen Sie jede Erfahrung, jede Arbeitsstelle, jede Weiterbildung als Schritt auf Ihrem Weg zum großen Ganzen.

Selbst wenn Ihr Ziel lautet, einmal viel Geld verdienen zu wollen, lassen Sie sich beim Berufseinstieg nicht von Verdienstmöglichkeiten leiten, sondern beantworten Sie für sich immer die Frage: Was kann ich mitnehmen? Was lerne ich hier? Wenn Sie beispielsweise, wie so viele Architekten, das große Ziel Entwurfsarchitekt anstreben, dort aber wegen Überfüllung keine passende Stelle finden, dann schauen Sie, welche anderen Posten Sie voranbringen könnten. Als Bauleiter beispielsweise lernen Sie das Bauen zu begreifen. Dieses Wissen kann beim Entwerfen nur förderlich sein. Jede Tätigkeit birgt Chancen, egal ob im Ingenieurbüro oder auf der Baustelle.

Architektur „in June“

Architektur „in June“

von Özlem Özdemir

Die junge Architektin Merle Zadeh hat nicht lange gefackelt. Nach kurzem Intermezzo bei Arbeitgebern in Hamburg und Frankfurt hat sie sich mit „june architects“ selbständig gemacht. TALIS-Autorin Özlem Özdemir sprach mit ihr über ihren Werdegang und ihre Erfahrungen mit Geschäftshasen älteren Kalibers.


Merle Zadeh, Architektin

Foto: © Romy Geßner

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Agrob Buchtal

TILE AWARD: Internationaler Wettbewerb für Architekten und Innenarchitekten unter 38 Jahren

www.tile-award.com


Wohnungsumbau in Hamburg.

Entwurf und Abbildung: Merle Zadeh


Modellstudie von Merle Zadeh.

Foto: Merle Zadeh

Frau Zadeh, was steckt hinter dem Büronamen „june architects“?

Merle Zahdeh: Ich wollte von Anfang an ein zu Hause für ein Netzwerk schaffen, wo mehrere Namen unter einem Dach tätig sein können. Mein eigener Name sollte nicht im Vordergrund stehen. Ich mag den Klang und für mich steht der Monat Juni für eine Zeit, in der das Neue erblüht. Ich finde es aber auch nicht schlimm, wenn jeder seine eigenen Assoziationen dazu hat.

Vor dem Architekturstudium haben Sie ein Jahr lang Kulturwirtschaft studiert. Was macht man da eigentlich?

Merle Zahdeh: Es gab die unterschiedlichsten Fächer wie Geschichte und Soziologie, mehrere Sprachen, BWL, VWL, Controlling … Es hat Spaß gemacht, aber mein Herzblut war nicht darin. Archi­tektur und das Gestalten an sich, das hat mich schon immer interessiert, aber auch Menschen. Es ist vielleicht kein Zufall, dass in Passau mein Lieblingsfach Soziologie war. Diese Schnitt­stelle ist es auch, die mich heute noch am meisten interessiert. Also die Frage, wie wir unsere Umwelt gestalten und zwar sowohl in ästhetischer als auch in gesellschaftlicher Hinsicht.

Ist von Ihren damaligen wirtschaftlichen Fächern etwas hängen geblieben für die spätere Praxis?

Merle Zahdeh: Das, was ich jetzt weiß über Unternehmensführung, habe ich mir alles in den letzten anderthalb Jahren selbst beigebracht. Im Studium war das zu abstrakt und sehr allgemein. Nur an eine Sache im Fach Controlling erinnere ich mich noch gut. Da gab es neben den Konten für Geldeingänge und Ausgänge noch ein Konto für „Unvorhergesehene betriebliche Ausgaben“ … das habe ich mir gemerkt. Und das ist auch das, was ich tue, Geld zurücklegen für Unvorhergesehenes, was natürlich immer passieren kann.

Nach dem Studium hatten Sie nicht viele Bürostationen …

Merle Zahdeh: Nein, das ist richtig. Ich habe während des Studiums in Berlin ein Praktikum gemacht, bei Kersten Kopp Architekten und in Paris bei Dominique Perrault und ansonsten viel als Tutorin gearbeitet. Danach war ich zwei Jahre bei Turkali Architekten in Frankfurt und dann in Hamburg bei einem Projektentwickler.

Zu Ihrer Zeit als Angestellte berichten Sie in einem Interview über eine Versammlung, bei der einer der männlichen Teilnehmer Ihnen einen Mantel in die Hand gedrückt hat. Das ist eine vielsagende Geste …

Merle Zahdeh: Ich glaube, dass keine böse Absicht dahintersteckte, aber es zeigt einfach, was für eine Vorstellung manche älteren Geschäftshasen von jungen Architektinnen, und vielleicht auch Architekten, haben. Es geht dabei viel um Erwartungshaltungen, also darum was man denkt, wie jemand in diesem Beruf aussehen müsste. Ich habe oft erlebt, dass ich erst mal unterschätzt wurde und dass man dann im Gespräch total erstaunt war …

Darüber, dass Sie auch was zu sagen hatten …

Merle Zahdeh: Genau! Also das ist, glaube ich, ziemlich verbreitet.

Speziell gegenüber den Damen?

Merle Zahdeh: Ja … ich habe zwar nie erlebt, dass das jemand so offen gesagt hätte, aber ich glaube, da geht es tatsächlich um tiefsitzende Bilder. Das ändert sich erst dann, wenn es mehr Bilder gibt, die die alten ersetzen können. Ich kenne Leute, die Frauen nur im Backoffice oder am Empfang haben – da muss man erstmal diese alten Vorstellungen aufbrechen.

Wie haben Sie Ihren Übergang in die Selbstständigkeit erlebt?

Merle Zahdeh: Ich bin mitten hineingesprungen. Ich hatte das schon lange im Hinterkopf, ganz vage. Das war auch ein Grund dafür, dass ich in Hamburg in einem Büro für Projektentwicklung gearbeitet habe. Weil ich gerne sehen wollte, wie die auf der anderen Seite „ticken“, also auf der Bauherrenseite. Dort wurden Konzepte entworfen, die Finanzierung organisiert, Wettbewerbe ausgeschrieben und die Gewinnerentwürfe auch umgesetzt. In der Bauherrenvertretung habe ich gelernt, worauf man da so achtet. Aber als ich mich dann selbstständig gemacht habe, da war alles „drauflos und kopfüber“ und ganz ohne Strategie. Ich war aber auch nicht völlig blauäugig, sondern hatte etwas gespart die Jahre davor und wusste, es ist nicht schlimm, wenn das erste Projekt nicht sofort da ist. Dass ich mich selbstständig gemacht habe, lag aber auch an meiner Umgebung, ich habe damals schon im Hamburger Betahaus gearbeitet.

Noch während der Projektentwicklungssache?

Merle Zahdeh: Genau. Da habe ich reduziert gearbeitet. Nebenbei habe ich daheim angefangen zu promovieren, aber als mir dort irgendwann die Decke auf den Kopf gefallen ist, habe ich mich umgeguckt nach Orten, wo ich mit anderen Leuten zusammen in einem Raum arbeiten kann. So bin ich zum Betahaus gekommen und da liegt natürlich Gründergeist in der Luft. Da arbeiten Grafiker, Designer, Programmierer, Übersetzer und Journalisten, Start-Ups werden gegründet usw. Ein Ort also voller Energie, wo total viel passiert. Das hat mich inspiriert. Ich habe mir gesagt, ok, ich probiere das jetzt auch einfach mal!

Waren Sie ganz allein, als Sie Januar 2015 Ihr Büro im Betahaus gegründet haben?

Merle Zahdeh: Genau. Ich habe das Büro gegründet, und dann ergab es sich, dass ich relativ schnell ein Projekt hatte.

Wie kam das?

Merle Zahdeh: Ja, da zeigt es sich, dass es sich manchmal lohnt, einfach Dinge zu tun … meine Selbstständigkeit blieb nämlich nicht unentdeckt – eine Bekannte hatte über einen Bekannten davon gehört. Sie hatte ehrenamtlich ein Projekt angestoßen, bei dem es um Unterkünfte für Flüchtlinge ging, und da sie in einem Vollzeitjob war, konnte sie das nicht weitermachen.  Also hat sie jemanden gesucht, der das weiterführen kann. Ich fand das ganz toll und sie hat mir dann vorgeschlagen, dass ich mich bei der Stadt vorstelle. Das habe ich getan und so wurde ich damit beauftragt. Im Betahaus habe ich dann etwa ein Jahr später meine Kollegin, Stephanie Monteiro Kisslinger, kennengelernt.

Dieses Projekt nennt sich ja „New Shores – Wohnhaus für Geflüchtete“ und wurde ausgestellt bei der Architektur-Biennale in Venedig. Erzählen Sie uns etwas mehr dazu?

Merle Zahdeh: Die Stadt brauchte Platz für geflüchtete Menschen und hatte zunächst überlegt, auf einem Grundstück, das sie sich ausgesucht hatten, Container hinzustellen. Doch im Rathaus gab es Leute, die meinten, lasst uns doch überlegen ob wir nicht vielleicht etwas Permanentes machen, weil das nachhaltiger ist und am Ende gar nicht mehr kostet, sondern vielleicht sogar weniger – die Mieten für diese Container sind nämlich sehr hoch. Am Ende wurde entschieden, dass doch ein dauerhaft städtischer Wohnraum entstehen soll, der auch umgenutzt werden kann für Studenten.  Und da wurde ich dazu angeregt – von dieser Bekannten meines Bekannten – mich mit meinen Referenzen und Ideen bei der Stadt vorzustellen.

Es gab da also keine Ausschreibung. Jemand kam zu Ihnen und hat vorgeschlagen, schlagen Sie doch mal was vor …

Merle Zahdeh: Richtig und weil das Projekt noch unter einem bestimmten Volumen lag, gab es keine Ausschreibungen. Nur so konnte ich direkt damit beauftragt werden.

Hätten Sie diese Person, die an Sie herangetreten ist, nicht gekannt wäre es also dazu nie gekommen?

Merle Zahdeh: Genau das meinte ich vorhin. Es kommt manchmal darauf an, einfach anzufangen mit etwas und von sich zu erzählen. Man muss irgendwie schaffen, sichtbar zu werden mit dem was man tut. Erst dann besteht die Möglichkeit, dass jemand das mitkriegt und einen anspricht. Glück gehört aber natürlich auch dazu.

Was ist Ihnen wichtig an „New Shores“?

Merle Zahdeh: Das Projekt ist ein städtischer Wohnungsbau in Holzmodulbauweise. Das Besondere an dem Projekt ist, dass es ein ganz reguläres Wohnhaus ist. Meistens denken die Leute, dass ich Übergangswohnheime planen würde, was nicht der Fall ist. Ich plane da einen Wohnraum für Menschen. Ich glaube, es gibt ganz universelle Bedürfnisse, was Wohnen und Leben angeht, und dass man darauf eingehen muss und das haben wir gemacht. Das sollte eigentlich selbst­verständlich sein, aber es ist tatsächlich das, was es unterscheidet von anderen Projekten, die mehr wie „irgendwelche“ Unterbringungsmöglichkeiten konzipiert sind.

Die Fertigstellung soll im Dezember 2016 sein?

Merle Zahdeh: Ja. Die Ausführungsplanung ist fertig und die Vergabe ist erfolgt. Jetzt beginnt das Bau­unternehmen, das Gebäude vor Ort zu errichten. Spannend an dieser Holzmodulbauweise ist ja, dass relativ viel im Werk vorgefertigt wird. Ganze Wandmodule werden dort erstellt und möglichst viel vormontiert. Dann werden die als Platten auf die Baustelle gefahren und – natürlich nachdem die Gründung erfolgt ist usw. – wird alles nur noch draufgesetzt und montiert. Die Bauphase vor Ort ist sehr kurz und das war das, was auch die Stadt gern wollte.

Haben Sie die Ausführungsplanung zu zweit gemacht?

Merle Zahdeh: Ich habe noch einen freien Mitarbeiter auf Honorarbasis dazu geholt. So haben wir das zu dritt fertiggemacht. Das war super knapp, weil es gab zwischendurch ein Bürgerbegehren gegen die Bebauung.

Wegen der Flüchtlingsthematik?

Merle Zahdeh: Ja… auch wenn es nicht so formuliert wurde. Stattdessen hieß es „für den Erhalt der Grün­fläche“. Und das, obwohl es sich bei dem Standort um keine öffentlich genutzte Grünfläche handelt. Dort stehen ein paar Bäume, und die bleiben ja in unserem Entwurf mit Innenhof erhalten.

Abschließend die Frage: Was ist Ihr Tipp, um an Projekte zu kommen?

Merle Zahdeh: Natürlich stimmt es, dass man über eine Website viele Leute erreicht und die wird jetzt gerade bei mir aufgebaut … aber was mir viel wichtiger ist – ich spreche gerne direkt mit den Leuten. Ich telefoniere auch viel lieber, als dass ich Emails schreibe. Ich glaube einfach ganz stark an persönliche Begegnungen.

 

Erfolgreich bewerben im Bauunternehmen

Erfolgreich bewerben im Bauunternehmen

von David Spoo

Wer Erfahrungen in der Bauleitung vorweisen kann, hat als Bauingenieur und vor allem auch als Architekt wunderbare Aufstiegschancen in allen Bereichen – von der Planung bis zum Management. Obwohl Bauleitung viel Erfahrungen voraussetzt, geben Bauunternehmen häufig Absolventen und Einsteigern die Chance, sich in diese verantwortungsvolle Position einzuarbeiten. Sechs Personalchefs aus verschiedenen Bauunternehmen erklären, was sie von jungen Bewerbern erwarten.

Während der Recherche für diesen Artikel haben wir mit Personalverantwortlichen der Bauunternehmen und Baudienstleister Hochtief, Max Bögl, Wolff & Müller, Goldbeck, der Bauer Gruppe und BAM Deutschland gesprochen. In allen diesen Unternehmen wird heute ausschließlich die Onlinebewerbung gewünscht. Dass die eher als konservativ geltende Branche die moderne Variante bevorzugt, ist nicht so verwunderlich, wie es auf den ersten Blick scheint, sondern hauptsächlich der Masse der eingehenden Bewerbungen bei den großen Firmen geschuldet. „Bei ca. 8.000 Bewerbungen jährlich ist inzwischen nur noch so eine vernünftige, effiziente Bearbeitung möglich“, verdeutlicht Alexander Huber, Leiter der Personalbeschaffung bei Bauer.

Die meisten Bauunternehmen haben ein Bewerberportal auf ihrer Website eingerichtet. Teilweise beinhalten die Karriereportale sowohl aktuelle Stellenangebote als auch Reiter für Initiativbewerbungen – gegliedert nach Studenten, Absolventen und Berufserfahrenen. „Interessenten können ihre Daten direkt eingeben, Dokumente elektronisch anhängen und schließlich immer den aktuellen Status ihrer Bewerbung verfolgen“, erklärt Martina Steffen, Leiterin der Konzernabteilung Personal/Corporate Department Human Resources der Hochtief AG. Die elektronische Bewerbung spare dem Bewerber Zeit und Geld, das Unternehmen hingegen könne schneller Kontakt mit dem Bewerber aufnehmen, die Bewerbung zügig in die Fachbereiche geben und den Bewerbungsprozess somit beschleunigen.

Diese Variante unterscheide sich letztlich gar nicht so sehr von der per Post eingehenden Mappe, sagt Michael Dombrowski, Leiter Personalwesen bei der Wolff & Müller Holding GmbH & Co. KG: „Es ist im Grunde die klassische Bewerbungsmappe, nur in digitaler Form, am besten als PDF.“ Ähnlich äußert sich Martina Steffen: „Die Informationen in einer Onlinebewerbung sollten sich nicht von einer klassischen Bewerbung unterscheiden. Der Bewerber sollte sich genauso viel Mühe und Gedanken mit seiner Onlinebewerbung machen.“

Bewerbungsschreiben: Zeigen was man will

„Kurz und bündig“ wünscht sich Max Fries vom Zentralbereich Personal für Angestellte bei Max Bögl die Bewerbung. „Durch ein kurzes Anschreiben, in dem Bezug auf die ausgeschriebene Stelle genommen wird, den Lebenslauf und Zertifikate können wir uns ein erstes Bild machen – um mehr geht es ja zunächst nicht.“ Sein Kollege Kurt Walther, der das Kompetenzzentrum Bau bei Max Bögl leitet sowie gewerbliche und kaufmännische Auszubildende und Hochschulpraktikanten betreut, rät zur Präzision: „Ein Bewerber muss zeigen, was er will, wo seine Interessen liegen und – wenn es sich um eine Initiativbewerbung handelt – in welchem Unternehmensbereich er arbeiten möchte. Wer uns nicht sagt, was er bei uns machen will, der macht es uns sehr schwer, etwas für ihn zu tun.“

Gern lassen uns die Personalverantwortlichen wissen, wie das Bewerbungspaket gestaltet sein sollte. Gregor Röseler, verantwortlich für Aus- und Weiterbildung sowie Recruiting bei der BAM Deutschland AG, sagt: „Ein gutes Bewerbungsschreiben sollte klar strukturiert und übersichtlich dargestellt sein. Besonders gerne lesen wir ein individuelles Schreiben, in dem der Bewerber seine Motivation darstellt.“

Das Anschreiben sollte sich auf die angestrebte Stelle beziehen und die Erfahrungen und Qualifikationen des Bewerbers herausstellen, die auf das Anforderungsprofil der Stelle passen, erläutert Michael Dombrowski und schließt an: „Bei Absolventen aus den Bereichen Architektur und Bauingenieurwesen spielen für uns neben dem Fachwissen ganz besonders die Fähigkeiten im Prozess- und Projektmanagement eine große Rolle.“

Besonders gerne lesen wir ein individuelles Schreiben, in dem der Bewerber seine Motivation darstellt.

Gregor Röseler

BAM Deutschland AG

Gesundes Selbstbewusstsein an den Tag legen

Kathrin Strehlau, die in der Personalentwicklung der Goldbeck GmbH tätig ist, achtet besonders auf die Dauer der bisherigen Anstellungen und einen lückenlosen Lebenslauf. „Des Weiteren benötigen wir alle relevanten Schul- und Ausbildungs- sowie Praktikums- oder Arbeitszeugnisse. Für Positionen in der Planung, der Bau- oder Projektleitung sind außerdem Arbeitsproben bzw. eine Projektliste hilfreich.“ Zusammengefasst lässt sich also feststellen, dass kompakte Bewerbungen gewünscht werden, in denen Bezug auf die konkrete Stelle genommen wird, Zahlen und Fakten chronologisch und damit lesefreundlich aufgearbeitet wurden und die relevanten sowie geforderten Anlagen enthalten sind. Alexander Huber hebt den Stellenwert des Anschreibens als „erste Arbeitsprobe“ hervor, die selbstverständlich frei von Rechtschreib- und Grammatikfehlern sein sollte.
Wie viele Bewerber zum Vorstellungsgespräch eingeladen werden, ist ganz unterschiedlich und auch bezüglich vorab geführter Telefoninterviews ist keine eindeutige Linie zu erkennen. Max Fries hält wenig von diesen Telefonaten: „Wenn ich jemanden unerwartet anrufe, ist er nicht auf ein Gespräch vorbereitet. Wir wollen aber niemanden in die Ecke drängen.“ Bei Max Bögl werden im Regelfall drei bis fünf Kandidaten zum Vorstellungsgespräch eingeladen. Ihnen gegenüber sitzen ein Vertreter aus dem Bereich Personal, meist Fries, sowie ein oder zwei Vertreter des Fachbereichs, der aktuell Personal anfordert. Zu Beginn des Gesprächs stellt sich die Firmenseite vor, danach erhält der Bewerber Gelegenheit, sich zu präsentieren. In Zeiten des Internets erwartet Fries, dass eine Beschäftigung mit dem Unternehmen erfolgt ist: „Wenn wir über uns und die Stelle sprechen, möchte ich nicht bei null anfangen, sondern schon etwas in die Tiefe gehen.“ Im Einzelfall werden konkrete Situationen oder besondere Herausforderungen der Tätigkeit angesprochen.

Stärken zeigen, Schwächen zugeben

„Ein Bewerber sollte schon ein gesundes Selbstbewusstsein an den Tag legen, ohne dabei überheblich zu wirken“, sagt Martina Steffen. Der Kandidat sollte deutlich zeigen, dass er neugierig auf den Job ist, und erklären können, warum gerade er dafür geeignet ist. Als positiv empfindet sie es, wenn der Bewerber eine ausgeprägte Selbstreflexion zeige. Er beweise damit ein gutes Gefühl und Wissen um seine eigenen Stärken und auch Schwächen. „Es ist kein Problem, wenn ein Bewerber zugibt, bestimmte Dinge noch nicht zu können. Wichtig ist, dass er an diesen Punkten arbeitet“, erläutert Steffen. Darüber hinaus gibt sie Bewerbern den Tipp, im Gespräch immer authentisch zu sein: „Wir suchen schließlich keine Schauspieler.“

Begeisterung fürs Bauen und Teamgeist – diese beiden Dinge sollte ein Bewerber nach Ansicht von Michael Dombrowski im Vorstellungsgespräch vermitteln. „Er sollte offen, interessiert und kommunikativ sein. Das sehen wir zum Beispiel daran, ob er aufmerksam zuhört, Blickkontakt sucht und hält, Fragen stellt und alle Gesprächsteilnehmer einbezieht.“ Wer andere ständig unterbricht, der erweckt nicht den Eindruck, sich integrieren zu können und Entscheidungen anderer zu akzeptieren. „Es gibt kein Patentrezept, die Teamfähigkeit eines Bewerbers zu ergründen“, sagt Max Fries. Man könne nur versuchen, Tendenzen herauszuhören, ob jemand eher ein Einzelgänger ist oder sich gern in eine Gemeinschaft eingliedert. Kurt Walther ergänzt, dass es neben der Frage nach der Teamfähigkeit auch darum gehe, ob der Bewerber in diejenige Gruppe passt, die verstärkt werden soll.

Die meisten der großen Baufirmen waren Familienunternehmen oder befinden sich noch heute in Familienbesitz. Dies hat Auswirkungen auf die Unternehmenskultur und das Wertesystem: „Wir sind ein Familienunternehmen mit mittelständischen Werten und Stärken: Bodenständigkeit und Partnerschaftlichkeit, aber auch Innovationskraft und Effektivität. Ein Bewerber passt zu uns, wenn er diese Werte teilt“, berichtet Michael Dombrowski.

Ist es zu einer Einstellung gekommen, dann punktet der neue Mitarbeiter bei Goldbeck, wenn er Eigeninitiative entwickelt und offen auf die Kollegen zugeht. „Wir geben Mitarbeitern sehr früh Verantwortung und die Möglichkeit, sich im Unternehmen einzubringen. Wenn das genutzt wird, profitieren beide“, weiß Kathrin Strehlau. Dass ein neuer Mitarbeiter wissbegierig ist und Strukturen und Prozesse hinterfragt, dies erwartet Michael Dombrowski: „Was ist anders als beim vorherigen Arbeitgeber? Was ist aus seiner Sicht gut, was könnte man verbessern?“ Dies erfordere natürlich etwas Mut und Selbstbewusstsein, doch nur so würden Dinge in Gang gesetzt, „und es ist eine gute Gelegenheit, sich zu positionieren und das eigene Potenzial aufzuzeigen“. Bei Bauer wurde bereits vor längerer Zeit unser betriebliches Vorschlagswesen eingeführt, „da das aktive Mitwirken und Sich-Einbringen aller Mitarbeiter nur von Vorteil für das gesamte Unternehmen sein kann“, berichtet Alexander Huber. Wolff & Müller bietet mit der hauseigenen Akademie ein umfangreiches Schulungs- und Weiterbildungsprogramm und veranstaltet Expertenworkshops sowie Diskussionsrunden. „Wer diese Angebote aktiv nutzt und zeigt, dass er sich weiterentwickeln möchte, macht auf sich aufmerksam“, schließt Michael Dombrowski.

Die Firmengruppe Max Bögl investiert viel Zeit und Geld, um die Nachwuchskräfte fit für Führungspositionen zu machen, und ist daher selbstverständlich an einer langfristigen Mitarbeiter-Bindung interessiert. „Nach drei bis fünf Jahren können wir den Mitarbeitern Baustellen zur eigenständigen Abwicklung übergeben, später warten Aufgaben in der Projektleitung und schließlich schult der ehemalige Neuling als Führungskraft selbst junge Bauleiter“, zeigt Max Fries einen möglichen Weg auf. Tatsächlich sind viele Schlüsselpositionen des Unternehmens bis hin zur Geschäftsführung mit Eigengewächsen besetzt.

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Wer uns nicht sagt, was er bei uns machen will, der macht es uns sehr schwer, etwas für ihn zu tun.

Kurt Walther

Max Bögl

Es ist kein Problem, wenn ein Bewerber zugibt, bestimmte Dinge noch nicht zu können. Wichtig ist, dass er an diesen Punkten arbeitet.

Martina Steffen

Hochtief AG

Erfolgreich bewerben im Architekturbüro

Erfolgreich bewerben im Architekturbüro

von David Spoo

In den letzten zehn TALIS-Jahren haben wir mit zahlreichen Personalverantwortlichen aus Architekturbüros gesprochen. Fakt ist: Architekturbüros bekommen viele Bewerbungen. Wie junge Architekten aus der Masse hervorstechen.

Rund 500 Mitarbeiter des Architekturbüros gmp setzen an weltweit 14 Standorten jährlich mehr als 100 Projekte um. Mit Lingang New City entsteht bei Shanghai eine ganze Stadt nach den Plänen des Unternehmens. Hier sollen bis 2020 rund 800.000 Bewohner leben. Keine Frage: gmp ist ein attraktiver Arbeitgeber. Stellenausschreibungen werden in den Print- und Internetausgaben der bekannten Branchenmedien veröffentlicht, dennoch gehen allein im Berliner Büro täglich über 20 Initiativbewerbungen ein. Die Zeit, sich mit Bewerbungen auseinanderzusetzen, ist knapp. Ein Bewerber muss es also schaffen, dass Jochen Köhn, assoziierter gmp-Partner am Berliner Standort, auf den ersten Blick Lust verspürt, bei dieser Bewerbung zu verharren. „Wir Architekten sind stark bildorientiert“, beschreibt er, „daher schaue ich neben der Gestaltung des Anschreibens zunächst in die Mappen.“ Bereits in diesem Moment würden sehr viele Bewerbungen aussortiert.

Auch Gerhard G. Feldmeyer ist ein Freund der klassischen Bewerbungsmappe. „Aus ihr spricht für mich am stärksten die persönliche Handschrift, da dem Bewerber damit weitaus größere Spielräume zur Darstellung seiner Architekturauffassung sowie seines gestalterischen Talents geboten werden. Anmutung, Inhalt, Format, Haptik, all das sind Aspekte, die online nur sehr viel schwerer zu transportieren sind“, sagt er. Seit zehn Jahren ist der Architekt zusammen mit seinem Partner Joachim H.Faust als geschäftsführender Gesellschafter für die Unternehmensführung bei HPP Architekten verantwortlich. Das Büro mit Hauptsitz in Düsseldorf beschäftigt weltweit 330 Mitarbeiter und zeichnet verantwortlich für Stadien wie „AufSchalke“ oder die „BayArena“ oder die Planung des Expo Village in Shanghai. Feldmeyer rät Bewerbern, auf Floskeln zu verzichten: „Es gibt nichts Schlimmeres als Allgemeinplätze. Ich möchte in einer Bewerbung etwas Einzigartiges, Individuelles finden.“

Hanns Ziegler schätzt Bewerbungsmappen wegen ihrer einfachen Handhabe. Bereits als jobbender Student hat er sein Herz an Staab Architekten verloren. Seit er 1995 sein Diplom gemacht hatte, ist er kontinuierlich für das Büro in Berlin-Kreuzberg tätig. 2008 wurde er in die seither vierköpfige Geschäftsführung aufgenommen. Das Büro beschäftigt 90 Mitarbeiter und ist aktuell beispielsweise mit Sanierung und Erweiterung des Jüdischen Museums in Frankfurt betraut. Ziegler sagt, ein gutes Anschreiben solle nicht den Eindruck erwecken, gleichlautend an zehn weitere Büros gegangen zu sein, sondern vielmehr aufzeigen, warum der Bewerber gerade für Staab Architekten arbeiten will. „Es ist ein sehr guter Ansatz, wenn wir erkennen, dass jemand Dinge wertschätzt und mit eigenen Worten ausdrückt.“ Wer einfach nur die Stellenbeschreibung wiedergebe und seinen Namen daruntersetze, der erwecke nicht den Eindruck, gut formulieren und analysieren zu können.

Sicherlich ist das Interesse an Bewerbungsmappen in der Architektur stärker ausgebildet als in anderen Branchen, dies gilt allerdings nicht für alle Arbeitgeber: „Wir bevorzugen die Onlinebewerbung. Die Vorteile sind die schnellere Bearbeitung und eine bessere Übersicht, ob die Bewerbungsunterlagen vollständig sind“, sagt Dr. Georg Schumacher, Head of Human Resources bei ATP architekten ingenieure. Das Büro mit Hauptsitz in Innsbruck beschäftigt weltweit 550 Mitarbeiter und ist in Deutschland mit zwei Standorten vertreten. Zu den bekanntesten Bauwerken zählt der Millennium Tower in Wien, der 1999, zu seiner Bauzeit, das höchste Bürogebäude Österreichs war.

In unserer Branche gehen wir sehr kollegial, meist freundschaftlich miteinander um, das Du ist weit verbreitet. Dennoch gibt es Hierarchien.

Jochen Köhn

Architekt, Assoziierter Partner, gmp

Einen Master sollte ein Bewerber schon mitbringen, weil wir dies als eine vollwertige Ausbildung sehen.

Hanns Ziegler

Mitglied der Geschäftsführung, Staab Architekten

Eigene Stärken hervorheben

Die Vollständigkeit der Unterlagen sprechen alle vier TALIS-Gesprächspartner an, sie hat Signalwirkung auf die potenziellenArbeitgeber. Es versteht sich von selbst, dass ein Bewerber, der Architektur-Standards wie Entwürfe nicht beifügt – obwohl sie ausdrücklich gefordert sind –, kaum den Eindruck erweckt, wirklich an einer Einstellung interessiert zu sein oder besonders akribisch zu arbeiten.

Sich bewerben bedeutet für sich werben – enorm wichtig ist also, eigene Stärken hervorzuheben. Wer sich in bestimmten Bereichen überdurchschnittlich entwickeln konnte, der sollte dies nicht für sich behalten, sondern die Fähigkeit gezielt präsentieren, um sich von anderen Bewerbern abzuheben. „Wir wollen Mitarbeiter, die in ihrem Bereich Spitzenleistungen erbringen“, sagt Jochen Köhn. Diese Aussage beinhaltet auch, dass es ratsam ist, sich nur dann zu bewerben, wenn die beschriebenen Erwartungen erfüllt werden können – seien es Kenntnisse bestimmter Fachdisziplinen oder spezieller Programme. Geht aus der Ausschreibung klipp und klar hervor, dass ein abgeschlossenes Masterstudium gefordert ist, dann sollte Bachelorabsolventen klar sein, dass es sehr guter Argumente bedarf, damit die Bewerbung nicht umgehend auf dem Ablehnungsstapel landet.

Selbst wenn alle Anforderungen erfüllt werden können, kann es gute Gründe geben, sich nicht auf eine Stelle zu bewerben. Betreut ein Unternehmen etwa Projekte rund um den Globus oder weist es in Stellenanzeigen explizit auf wechselnde Einsatzorte hin, dann ist Reiselust mitzubringen. Wem die wöchentliche Doppelkopfrunde in Dortmund über alles geht, der wird nicht glücklich sein, wenn er monatelang in Dubai oder Shenzhen arbeiten muss. Wenig Sinn macht es zudem, sich ernsthaft auf eine international ausgerichtete Tätigkeit zu bewerben, wenn die Fremdsprachenkenntnisse schwach ausgeprägt sind – es sei denn, man spricht dieses Manko offen an. Sollte ein Bewerber nämlich die anderen geforderten Qualitäten mitbringen, lässt sich die Finanzierung eines Englisch-Crash-Kurses locker verschmerzen. Viele Unternehmen sind gern bereit, in die Qualifizierung vielversprechender Mitarbeiter zu investieren.

Wenn Hanns Ziegler 30 bis 50 Bewerbungen erhält, dann werden meist drei Kandidaten zum Gespräch eingeladen. Die anderen Personalverantwortlichen nennen ähnliche Zahlen. Dass mehr als 90 Prozent der Bewerber die zweite Runde nicht erreichen, verdeutlicht, wie wichtig es ist, an einer gut gemachten Bewerbung zu feilen.

Feste Gesprächsabläufe gibt es nicht. „Beide Seiten sollten die Möglichkeit haben, situativ zu reagieren, was das Gespräch meistens belebt. Ein größerer Spielraum ergibt außerdem die Möglichkeit, ein umfassenderes Bild vom Bewerber zu erhalten“, erläutert Gerhard G. Feldmeyer. Um zu zeigen, dass er keinen Fragenkatalog abarbeitet, hat Jochen Köhn ein leeres Blatt Papier vor sich liegen. Meist schaut er sich die Entwürfe des Bewerbers an. Aus einem lockeren Gespräch heraus ergeben sich dann die Dinge, die ihn interessieren.

Und wie sollen sich Bewerber nach Ansicht der Personalverantwortlichen im Vorstellungsgespräch darstellen? „Authentisches Auftreten wird von uns geschätzt, Natürlichkeit und Fachkompetenz überzeugen in den meisten Fällen“, antwortet Dr. Georg Schumacher. Besonderes Augenmerk richtet Hanns Ziegler auf das Ausdrucksvermögen des Bewerbers: „Wir leben eine nicht hierarchisch geprägte Wettbewerbskultur. Dafür brauchen wir Mitarbeiter, die für eigene Ideen werben und im Gespräch starke Bilder entwickeln können.“ Wer ein Konzept vor Augen habe, der müsse es anderen auch präsentieren können.

Auf zu viel Lockerheit verzichten

Im Blickpunkt stehen auch die Verhaltensmuster des Bewerbers. Jochen Köhn warnt beispielsweise vor zu viel Lockerheit: „In unserer Branche gehen wir sehr kollegial, meist freundschaftlich miteinander um, das Du ist weit verbreitet. Dennoch gibt es Hierarchien.“ Manche Bewerber kämen herein, als sei man seit Jahren befreundet und fläzten sich auf den Stuhl wie in einer Kneipe. „Wenn ich einen Architekten, der sich so verhält, zu einem Bauherrn schicken würde, dann hätte ich den Auftrag wohl verloren“, erläutert er.

Als weitere schwerwiegende Fehler werden arrogantes Auftreten, Besserwisserei oder unentschuldigtes Zu-spät-Kommen genannt. Wer sich mit fremden Federn schmücke, disqualifiziere sich selbst. „Wir kennen alle wichtigen Projekte und auch deren Entwurfsarchitekten“, sagt Köhn. Ein fataler Bewerberfehler sei beispielsweise, Gebäude als Referenz zu nennen ohne zu wissen, dass dies gmp-Projekte sind.

Fester Bestandteil eines Vorstellungsgesprächs bei Staab Architekten ist die Büroführung, bei der die Bewerber sehen, dass die gesamte Belegschaft und auch die Geschäftsführung in einem Großraumbüro arbeiten. Ein derartiges Bürokonzept setzt Kommunikationsfreudigkeit und Teamfähigkeit voraus. Die Kommunikationsfähigkeit ist laut Hanns Ziegler relativ leicht zu ergründen, in Bezug auf die Teamfähigkeit sei es schwieriger: „Es zeigt sich häufig erst während der Probezeit, ob wir mit unserer Einschätzung richtig lagen.“

Um sich ein Gesamtbild verschaffen zu können, stellt Gerhard G. Feldmeyer innerhalb des gesetzlichen Rahmens auch Fragen zu persönlichen Themen oder Hobbys wie Musik, Kultur oder Sport. Natürlich gebe es Gradmesser, ob ein Bewerber teamfähig sei, berichtet er: „Wer im Studium niemals eine Gruppenarbeit absolviert hat, ist möglicherweise kein Teamplayer. Letztlich bewerten wir solche Aspekte jedoch nicht über.“ Vor einer Überinterpretation warnt auch Hanns Ziegler: „Ob jemand Tennis oder Volleyball spielt, sagt wenig über seine Teamfähigkeit aus.“

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Wer im Studium niemals eine Gruppenarbeit absolviert hat, ist möglicherweise kein Teamplayer. Letztlich bewerten wir solche Aspekte jedoch nicht über.

Gerhard G. Feldmeyer

Geschäfts­führender Gesellschafter, HPP Architekten

Eine 08/15-Bewerbung überzeugt uns nicht. Individuelle Bewerbungen, die sich hervorheben und pfiffig geschrieben sind, lassen auf eine interessante Persönlichkeit schließen.

Dr. Georg Schumacher

Head of Human Resources, ATP architekten ingenieure

Wozu Architekten und Bauingenieure eine Webseite brauchen

Wozu Architekten und Bauingenieure eine Webseite brauchen

von Eric Sturm

Von der Planung bis zur Bauleitung, vom Vertrieb bis zum Architekturbüro: Es gibt momentan so viele Einstiegsmöglichkeiten für junge Architekten und Bauingenieure, dass man leicht den Überblick verliert. Bevor Sie sich im Dickicht der Möglichkeiten verlieren, fragen Sie erst einmal: Wohin soll es eigentlich gehen?

Eine eigene Website hilft beim Start in den Beruf, egal ob bei der Jobsuche oder bei den ersten Schritten in die Selbständigkeit. Auch Facebook & Co. lassen sich karrierefördernd einsetzen. Doch viele scheuen den Aufwand mit einer eigenen Homepage. Unser Autor hat sich auf Internet für Architekten und andere Bauschaffende spezialisiert und macht Netzneulingen Mut, sich das Projekt Webseite lieber früher als später anzugehen.

Stellenangebote gibt es viele, ebenso steht der Schritt in die Selbständigkeit – zumindest theoretisch – jedem offen. Aber: Die meisten guten Jobs und Aufträge werden an Leute vergeben werden, die man kennt. Wer sich als Absolvent erstmalig auf dem Arbeitsmarkt umschaut, hat dabei gegenüber den „alten Hasen“ im Geschäft – also langjährig tätigen Architekten und Ingenieuren – einen entscheidenden Nachteil: Als Berufsanfänger hat man meist kein Netzwerk, kennt also wenige Leute in der Branche und ist mehr oder weniger ein „unbeschriebenes Blatt“. Doch mit der richtigen Marketing-Strategie in eigener Sache lässt sich das ändern. Und das Internet ist dabei eine große Hilfe.

Dreh- und Angelpunkt der Selbstdarstellung im Netz

In den zurückliegenden Jahren an der Hochschule haben Sie sich wertvolles Wissen angeeignet, in Projekten und Praktika bewiesen, dass sie es anwenden können und kreativ sind. Doch ein Diplom-Zeugnis spricht nicht für sich. Sie müssen potentiellen Arbeitgebern oder Auftraggebern zeigen, was sie können. Das geht optimal mit einer eigenen Website. Sie ist der Dreh- und Angelpunkt der Selbstdarstellung im Netz.

Am Rande bemerkt: „Selbstdarstellung“ klingt für manche zwar nach Angeberei, doch darum geht es nicht. Selbstdarstellung bedeutet, das eigene Profil (Wer bin ich? Was kann ich?) und die eigenen Projekte zu präsentieren, sowie sachlich und informierend über die eigene Arbeit zu berichten. Für alle Kreativen – vom Schmuckdesigner bis zum Werbefilmproduzenten, und natürlich auch für Planer – gehört diese Art der Öffentlichkeitsarbeit in eigener Sache zur professionellen Ausübung ihres Berufs.

 

Bei der Selbstdarstellung im Netz übernimmt Ihre Website drei wichtige Aufgaben:

  • Die Person vorstellen: Die Besucher, z. B. potentielle Arbeitgeber, sehen auf der Website eines Architektur-Absolventen die wichtigsten Projekte aus Studium, die Computer-Kenntnisse und die bisherigen beruflichen Stationen.
  • Über Aktuelles berichten: Da sich moderne Website-Systeme auch ohne Programmierkenntnisse leicht bedienen lassen (siehe unten), können Sie auf Ihrer Website ohne großen Aufwand regelmäßig von Ihren Projekten oder über Wissenswertes aus der Branche berichten. Damit geben Sie Aussenstehenden einen sehr glaubwürdigen Einblick in Ihre Arbeit, stellen Ihre Fachkompetenz unter Beweis und bringen sich ins Gespräch.
  • Kontaktmöglichkeiten bieten: Über die Website kann sie ein Arbeitgeber oder Interessent per Telefon, per E-Mail, Skype oder Soziale Medien bequem kontaktieren. Bei Selbständigen mit fester Büroadresse macht natürlich auch ein Lageplan einen guten Eindruck.

Wer bin ich?

...was kann ich?

Bevor Sie mit der Einrichtung der eigenen Website oder mit den (be­ruf­lichen) Seiten in den So­zi­a­len Netz­werken beginnen, sollten Sie sich ein paar grundlegende Gedanken machen, wie Sie sich präsentieren möchten und wen Sie ansprechen. Nehmen Sie einfach Papier und Stift und schreiben Sie die Antworten auf diese Fragen auf, die z. B. so lauten könnten:

 

  • Was kann ich besonders gut? Wo liegen meine Stärken?
  • Wie kann ich das am besten zeigen
  • In welchem Umfeld / für wen möchte ich arbeiten?

Aus diesen Grundüberlegungen kön­nen Sie wichtige Prinzipien für Ihre Selbstdarstellung im Netz ableiten. Hier drei Beispiele dazu:

 

  • Wer im Ausland Fuß fassen möchte, sollte z. B. seine Website mindestens auf Deutsch und auf Englisch anbieten, in den Sozialen Netzwerken eher englisch kom­munizieren und statt auf dem deutsch­spra­chigen Business-Netzwerk XING lieber ein Profil auf der internationaler aus­ge­rich­teten Platt­form LinkedIn ein­rich­ten usw.
  • Wenn Sie sich für Denkmalschutz und Sanierung interessieren, ü­ber­zeu­gen Sie potentielle Ar­beit­geber am ehesten mit konkreten Arbeitsproben aus diesem Bereich, aber auch mit Fotos oder Hand­zeich­nungen z. B. von historischen Gebäuden, wenn sie auf der Website gut präsentiert sind.
  • Möchten Sie im Bereich 3D-­Vi­sualisierung tätig werden, sollte Ihre Website entsprechende Arbeitsproben und natürlich In­for­ma­tionen über Ihre konkreten Software-Kenntnisse bereithalten. Auch ein eigenes Blog, in dem Sie über aktuelle Vi­su­a­li­sie­rungs­trends berichten, würde Ihr Profil als 3D-Spezialist stärken.

Vorteile einer Webseite

Plattform für Job-Bewerber und Selbständige

Die Website als Basis für Bewerbungen ermöglicht Ihnen, alle relevanten Informationen, die ein potentieller Arbeitgeber über Sie benötigt, zentral bereitzustellen. Die Bewerbungs-Homepage umfasst also einen Lebenslauf mit Überblick über Ihre Fähigkeiten (Computer, CAD, Sprachen …), ausgewählte Projekte aus dem Studium oder früheren Büro-Jobs.

Natürlich ist eine Website auch eine wichtige Unterstützung beim Schritt in die Selbständigkeit. Wenn Sie vorhaben, sich Auftraggebern als externer Dienstleister anzubieten, ist es besonders wichtig, mit der Website Vertrauen zu schaffen und einen seriösen Eindruck zu hinterlassen. Ein professionelles, sachliches Design, aussagekräftige Texte und hochwertige Arbeitsproben sind hier besonders wichtig. Ideal ist, wenn Sie schon das ein oder anderen Kundenprojekt realisiert haben und sie die Zufriedenheit Ihrer bisherigen Aufttraggeber in Form von „Kundenstimmen“ auf der Website abbilden können.

 

Weniger ist mehr!

Egal, für welchen Zweck Sie Ihre Website einsetzen: Versuchen Sie, nur die wirklich wichtigen Informationen bereitzustellen und nur die besten Projekte zu zeigen. Ein Besucher Ihrer Website schaut sich davor und danach meist noch viele andere Internetseiten an und verbringt maximal ein paar Minuten auf Ihren Seiten. Es reicht also beispielsweise vollkommen aus, wenn der Lebenslauf mit dem Abitur beginnt und wenn drei oder vier Projekte aus dem Studium Ihre Fähigkeiten illustrieren.

Ihre Projektfotos sprechen nicht für sich!

Im Netz ist es wichtig, Informationen knapp und präzise zu vermitteln. In der kurzen Zeit, die ein Besucher Ihren Inhalten widmet, dürfen keine Missverständnisse auftreten. Versuchen Sie daher, Ihre Projekte, Arbeitsproben etc. immer „idiotensicher“ zu präsentieren. So muss z. B. bei einem Semesterprojekt aus dem Studium sofort ersichtlich sein, a) worum es ging (Thema, Aufgabe, Ort), b) dass Sie es im Studium gemacht haben, b) in welchem Fach, c) bei welchem Professor. Dadurch wird Ihre Website übrigens auch bei Suchmaschinen „beliebter“, denn je mehr relevante Begriffe auf einer Seite auftauchen, desto häufiger wird sie bei passenden Suchanfragen aufgelistet.

Videos, Broschüren und Präsentationen

Neben Bildern und Texten kann eine Website heutzutage natürlich auch andere Medien beherbergen. Ein paar Beispiele: Videos können zu Youtube oder Vimeo hochgeladen und von dort aus – mit Hilfe des sogenannten „Embed Codes“ direkt in die Website eingebettet werden. Nach dem gleichen Prinzip kann man auch Powerpoint-Präsentationen (via SlideShare), Broschüren (mit Issuu) oder Pläne (über Scribd) in die eigenen Internetseiten integrieren.

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PlasticsEurope

Kunststoff – Wegweisender Werkstoff

www.plasticseurope.org

 

Eigene Website: Aufwand und Kosten

Wer schnell und kostengünstig eine einfache Website ins Netz stellen möchte, braucht heute eigentlich keine HTML-Kenntnisse mehr und muss auch nicht für ein paar Tausend Euro einen Webdesigner engagieren. Mit einem Website-Baukasten können sich Berufsanfänger oder Existenzgründer ohne Programmierkenntnisse eine ansehnliche Bewerbungs-Website oder ein Online-Portfolio „im Eigenbau“ zusammenbauen.

Die Basisversionen der genannten Systeme sind gratis nutzbar. Einziger Nachteil: Man hat keine normale Webadresse, die Seiten sind dann unter einer sog. „Subdomain“ erreichbar, z. B. sebastianmarkdorf.jimdo.com – das geht zwar Anfang (und ist zum Testen wunderbar geeignet!), wirkt aber auf Dauer unprofessionell. Daher sollten Sie, wenn Sie sich für ein System entschieden haben, die „Premium“- oder „Business“-Variante buchen, dann können Sie Ihre Website unter einer eigenen Domain nutzen (Kosten: ca. 50-60 EUR/Jahr).

Social Media: Netzwerken leicht gemacht

Wie oben beschrieben, sollte Ihre Website im Mittelpunkt aller Online-Aktivitäten stehen, egal ob sie eine Festanstellung in einem Architekturbüro suchen, als Freelancer von Büro zu Büro wechseln oder die eigene Selbständigkeit anpeilen.

Daneben, quasi als „Satelliten“ zur eigenen Website, kann es für die Karriere äußerst hilfreich sein, auch die Sozialen Medien zu nutzen – beruflich, versteht sich. Was heisst das konkret?

Ein Muss für Berufseinsteiger sind die Business-Netzwerke XING und LinkedIn. Wenigstens in einem der beiden sollten Sie sich ein kostenloses Profil anlegen, relevante Inhalte (Was kann ich, was suche ich, was habe ich bisher gemacht usw.) einpflegen und Kontakte aus dem „echten Leben“ auch auf der Plattform abbilden. Dabei eignet sich XING eher für das Netzwerken im deutschsprachigen Raum, wer internationaler unterwegs ist, sollte LinkedIn nutzen.
Über beide Plattformen können Sie ohne viel Aufwand mit ehemaligen Kommilitonen, Kollegen oder Arbeits- bzw. Auftraggebern in Kontakt bleiben und erhöhen die Chance, beruflich interessanten Leuten früher oder später wieder „über den Weg zu laufen“ beträchtlich.

Wenn Sie beim Branchenriesen Facebook ein Personenprofil haben, sollten Sie zunächst überlegen, ob dies die eigene Person in beruflicher Hinsicht vorteilhaft präsentiert. Im Klartext: Was sieht ein potentieller Arbeitgeber hier von Ihnen? Unpassende Fotos etc. sollten Sie also entweder rechtzeitig löschen oder sich ein zweites Personenprofil für die rein berufliche Nutzung anlegen. Für Existenzgründer bietet sich darüber hinaus an, eine sogenannte „Fan Page“ anzulegen, also eine Facebook-Unternehmensseite für das eigene (wenn auch kleine) Büro.

Neben Facebook können Sie natürlich andere Social Networks für die berufliche Selbstdarstellung nutzen: Twitter wird viel von (Fach-)Journalisten genutzt und eignet sich bestens für die Öffentlichkeitsarbeit in eigener Sache, via Instagram oder Pinterest kann man sich mit Architekturfotos, 3D-Visualisierungen etc. hervorragend in Szene setzen. Wichtig: Wenn Sie sich für ein Netzwerk entscheiden, nutzen Sie es regelmäßig und veröffentlichen Sie dort Inhalte, die zu ihrem beruflichen Profil passen.

Welche Arten von Website-Baukästen gibt es?

 

  • Online-Portfolios und Web-­Vi­si­ten­kar­ten richten sich vor allem an Freelancer oder Be­rufs­an­fänger auf Jobsuche: mit ihnen kann bequem man das ei­ge­ne Port­folio im Netz, also eine Art digitale Bewerbungsmappe herstellen.
    Anbieter-Tipps:
    Dunked.com, Squarespace.com
  • Die klassischen Web­site-Bau­käs­ten wie Jimdo (Tipp!) oder MyWebsite von 1&1 eignen sich für klassische Büro-Websites (z.B. von Existenzgründern) am besten.
  • Wer häufig eigene, aktuelle Bei­träge (Blog Posts) veröffentlicht, sollte sich Blog­sys­teme wie WordPress.com oder Tumblr genauer ansehen.

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