Ausritt in die Architektur des Geldes

Der DAX ein Tier? Der Immobilienfonds eine hausgemachte Bratensoße? Die meisten Menschen verstehen von der Finanzwelt so wenig wie ein Bär von der Baisse. Trotzdem sollen wir fürs Alter sparen, sagen die Politiker. Als TALIS-Autorin Ute Schroeter vor 15 Jahren in den Beruf einstieg, fühlte sie sich verloren zwischen Riester, Rürup und Rendite. Ein Beitrag für alle, denen es genauso geht.

Auf einen Blick: Finanztipps für Berufsanfänger

  • Reihenfolge beachten: Erst versichern, dann vorsorgen
  • Strikte Trennung: Versichern bei der Versicherung, Sparen bei der Bank
  • Schlau machen: Unabhängigen Berater suchen (zu finden bei den Verbraucherzentralen und bei Stiftung Warentest)
  • Kostenlose Beratung gibt es nicht: Wachsamkeit bei Bank- und Versicherungsberatern
  • Einfache Faustregeln: Je höher die Rendite, umso riskanter ist ein Produkt
  • Niemals nur auf ein Pferd setzen: Wer sichere und renditeträchtige Produkte mischt, mindert das Risiko und erhöht die Chancen auf eine gute Rendite
  • Pläne schmieden: Was will ich? Wie risikobereit bin ich?
  • Als verbraucherfreundliche Finanzprodukte für die Altersvorsorge gelten Riesterbanksparpläne und ETFs

Schon damals, als ich mit 24 in einem Ingenieurbüro anfing, flötete es von allen Seiten: „Fürs Alter sparen. Versichern. Riester. Rürup. Fondsparen. Altersarmut…“ Ein Leben ohne Bausparvertrag muss böse enden, sagte mir mein Gefühl. Da sich mein Finanzwissen auf die Funktion eines Sparbuchs beschränkte, ließ ich sie eintreten in meine Kleinsparerwelt: die Finanz- und Versicherungsberater. Die meinen es gut mit dir, glaubte ich. Schließlich gehöre ich als Bauschaffende selbst einem Beruf an, der anderen Ratschläge gibt, von denen sie – wenn wir unseren Job gut machen – profitieren. Also vertraute ich jenen, die mir immer freundlich lächelnd Fragen zu Kontostand und Vermögen stellten, die meine Akten mit bereits geschlossenen Lebens-, Riester- und Haftpflichtversicherungen durchwühlten, um mir mit sorgenvoller Miene zu eröffnen, dass noch diese oder jene Lücke geschlossen werden muss, sonst..! Lange spielte ich mit beim Spiel mit der Angst um meine Zukunft. Ich unterschrieb und zahlte, Monat für Monat und trotzdem blieb eine bange Frage: Was passiert da eigentlich mit meinem Geld? Ich wusste es nicht. Auf Nachfragen bekam ich Antworten wie diese: „Derivate sind von der Wertentwicklung von Futures, Optionen oder Swaps abhängig.“ Aha…

Heute, mit 41, bin ich wieder Alleinherrscherin über mein Geld. Meine Macht speist sich aus Wissen. Mittlerweile landet der Wirtschaftsteil der Süddeutschen Zeitung nicht mehr ungelesen im Papierkorb, hier habe ich schon so manchen guten Geldtipp gefunden. Ich kaufe nur noch Produkte, die ich verstehe. Rat hole ich mir von denen, die den Titel Berater tatsächlich verdienen, ich habe sie bei Stiftung Warentest und bei der Verbraucherzentrale gefunden. Finanzberater von Versicherungen und Banken zähle ich nicht dazu, die nennt man in Wirklichkeit Verkäufer. Mein Tipp: Kümmern Sie sich – und nur Sie – um Ihr Geld! Dafür brauchen Sie kein BWL-Studium, sondern Wissen!

Die Finanzwelt auf Pferdisch

Der Markt bietet eine Fülle von Finanzprodukten für die Altersvorsorge – von der Riester- über die Rüruprente, von Investmentfonds bis zu Staatsanleihen, Zertifikaten und Aktien. Es gibt riskante und sichere, renditestarke und -schwache, teure und kostenlose Produkte. Wie soll man sich in diesem Wust zurechtfinden?

Im ersten Schritt müssen Sie die Wesenszüge der einzelnen Finanzprodukte verstehen. Stellen Sie sich eine Herde Pferde vor, ein jedes läuft mit einem Bündel Geld auf dem Rücken einen Berg hinauf und steigert damit den Wert Ihres Vermögens. Jedes Pferd hat ein eigenes Temperament und Tempo. Die Sparbücher, Tagesgeldkonten, Sparbriefe und Festgelder sind die gemütlichen Brauereipferde, die so gut wie nichts umhauen kann. Allen Turbulenzen an den Börsen zum Trotz trotten sie nach oben.

Langsam aber stabil: Die gemütlichen Ackergäule verhalten sich wie Sparbücher, Festgeld- oder Tagesgeldkonten.  Foto: Pixabay

Langsam aber stabil: Die gemütlichen Ackergäule verhalten sich wie Sparbücher, Festgeld- oder Tagesgeldkonten.
Foto: Pixabay

Da wir uns derzeit in einer Niedrigzinsphase befinden, laufen die Sparbuchpferde allerdings extrem langsam, mehr als ein Prozent Zinsen pro Jahr für Tagesgeldkonten ist im Moment nicht drin, für Festgelder, die wie der Name schon sagt, mehrere Jahre festgelegt sind, gibt es im besten Fall zwei Prozent. Es kann sogar zu einer Rückwärtsbewegung kommen. Allen Pferdchen bläst stets ein mehr oder weniger kräftiger Gegenwind ins Gesicht und der heißt Inflation. Die Inflationsrate, die den Kaufkraftverlust widerspiegelt, liegt in Deutschland derzeit bei 1,3 Prozent. Es gab Zeiten, da lag sie bei vier Prozent. Wenn nun die Inflationsrate die Sparzinsen übersteigt, sinkt der Wert des Geldes und das Pferd geht rückwärts. In der Vergangenheit wechselten Niedrig- und Hochzinsphasen einander ab, es ist also sehr wahrscheinlich, dass die Sparbuchpferde schon bald wieder schneller laufen. Ihre Stärke ist eindeutig ihre Stabilität und Sicherheit, außerdem ist ihre Anschaffung in der Regel kostenlos. Deutsche Spareinlagen sind gesetzlich geschützt, im Falle einer Bankenpleite bekämen Sparer 100.000 Euro über den Einlagensicherungsfonds zurück. Viele Banken in der Eurozone haben Sicherungssysteme über noch höhere Beträge.

Tipp
Es gibt eine einfache Methode, um das Risiko der verschiedenen Fi­nanz­pro­dukte mit einem Blick ab­zu­schätzen: Je mehr Ren­dite, umso höher ist in der Re­gel das Ri­siko. Bei Zins­ver­spre­chen von mehr als drei Prozent soll­ten Sie die Zü­gel anziehen, in der der­zei­tigen Nie­drig­zinsphase ste­cken da­hinter mit großer Wahr­schein­lich­keit riskante Wendemanöver.

Die kapitalbildenden Lebensversicherungen, Riester- und Rüruprenten gehören ebenfalls der Gattung der Brauereipferde an. Sie heißen Versicherung, weil sie Ihnen einen bestimmten Betrag im Alter garantieren, wie hoch dieser Betrag ausfällt, aber ist ungewiss. Abgesehen von der Sicherheit, dass in der Zukunft ein Betrag x ausgezahlt wird, sind Lebensversicherungen nichts weiter als Sparprodukte mit bestimmtem Zinssatz. Die Riesterrente wird durch staatliche Zuschüsse gefördert, bei der Rüruprente winken Steuervorteile. Die Lebensversicherer haben aufgrund der niedrigen Zinsen momentan enorme Probleme, den Versicherten die Garantie-Summen auszuzahlen. Großes Manko der Versicherungspferde: Sie sind unberechenbar, die meisten von ihnen teuer. Neben der Inflation rauben Gebühren und Abschlussprovisionen dem Pferdchen die Kraft.

Fonds: Die Wertpapier-Fertigmischung der Börse

Zu den Renn- und Springpferden zählen Wertpapiere, die dem Auf- und Ab der Börse unterliegen, zum Beispiel Aktien und alle Arten von Investmentfonds. Sie können, wenn es an der Börse gut läuft, hohe Sprünge machen und damit eine hübsche Rendite erwirtschaften, doch es besteht immer die Gefahr, dass sie stolpern oder sich sogar die Beine brechen. Allerdings gibt es auch unter den Rennpferden solche und solche. Aktien können an einem Tag zehn Prozent steigen oder fallen. Es geht auch noch schlimmer: Die einst so vielbeworbene Telekom-Aktie verlor zwei Drittel ihres ursprünglichen Wertes. Bei Investmentfonds sind die Schwankungen geringer, auch ein Total-Absturz ist sehr unwahrscheinlich. Das Risiko ist begrenzt, weil Investmentfonds Fertigmischungen aus Brauerei-, Renn- und Springpferden sind. Die Brauereipferde, beispielsweise in Form von sicheren Staatsanleihen, stabilisieren die Herde, sie mildern den Sturz von gestrauchelten Kandidaten. Die Renn- und Springpferde wiederum treiben die Gruppe zur Eile.

geld anlage aktien risiko1

Springpferde machen hohe Sprünge, können sich dabei aber die Beine brechen. Ähnlich verhalten sich Aktien oder Fonds, die zwar mehr Rendite, dafür aber auch Verluste einfahren können.
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Man unterscheidet zwischen aktiv und passiv gemanagten Fonds. Aktiv bedeutet, dass ein Fondsmanager die Herde zusammen stellt und wie ein Dompteur regelmäßig schwache gegen stärkere Pferde austauscht. Der Fondsmanager lässt sich seine Dienste bezahlen, für aktiv gemanagte Fonds fallen meist fünf Prozent des Kaufpreises als Ausgabeaufschlag an, darüber hinaus sind jährliche Gebühren zu zahlen, manchmal auch Erfolgsprämien. Beim passiv gemanagten Fonds, auch ETF (Exchange Trades Funds) genannt, kann sich die Fondsgesellschaft, die den ETF herausgibt, den Dompteur sparen, sie muss sich nämlich nur hinsetzen und abschreiben.

Tipp
Die große Stärke von Fonds ist na­tür­lich die Si­cher­heit. Ein Einzel­fonds kann über 50 An­tei­le verschiedener Unternehmen oder Branchen in sich vereinen. Nach­teil da­bei ist: Sie wissen nicht, was mit Ih­rem Geld passiert. Wer­den damit Waf­fen fi­nan­ziert oder Roh­stof­fe unter men­schen­un­wür­digen Be­din­gungen ge­wonnen? Das lässt sich bei Fonds kaum kon­trol­lieren. Eine Ein­zel­aktie kann zwar in negativer als auch positiver Rich­tung stark schwan­ken, je­doch: Ak­tio­näre sind im Bil­de, wo ihr Geld liegt und sie können es ihren persönlichen Wert­vor­stel­lungen entsprechend steuern. Allerdings muss man sich Aktien leisten können. Fi­nanz­ex­perten raten, min­des­tens 2.500 Euro pro Ein­zel­aktie zu investieren.

Ein ETF ist die Kopie einer bereits existierenden Herde, das kann zum Beispiel der Deutsche Aktien Index DAX sein. Zur 30 PS starken DAX-Herde gehören Zugpferde wie Siemens, Telekom oder HeidelbergCement. Ein ETF, der sich am DAX orientiert, kopiert die Herde, indem er mit dem Geld der Anleger gleichmäßig Anteile aller 30 im DAX vertretenen Unternehmen kauft. Ein ETF reitet auf der Welle seiner Kopiervorlage mit. Er steigt, wenn der DAX steigt und umgekehrt. Wegen des geringen Aufwands für die Fondsgesellschaft sind ETFs günstig zu haben. Die Stiftung Warentest hält sie für ein sehr verbraucherfreundliches Produkt, wegen der niedrigen Kosten schneiden sie oft sogar besser ab als aktiv gemanagte Fonds. Weiterer Vorteil: Alle Arten von Investmentfonds unterliegen zwar den Schwankungen der Börse, aber das Geld der Anleger ist als Sondervermögen bei der Bank geschützt, es ist im Falle einer Bankenpleite also nicht komplett weg. Bei Zertifikaten und Anleihen ist das anders. Beim Crash der Lehman-Brother-Bank hatten einige deutsche Sparer ihre komplette Altersvorsorge in Zertifikate gesteckt, viele sahen davon nichts wieder.

Wollen Sie Miteigentümer oder Gläubiger sein?

Sparer können entscheiden, ob sie ihr Geld verleihen oder investieren wollen. Auf „Pferdisch“ übersetzt heißt das: Bei Aktien oder Investmentfonds kaufen Sie Anteile von Unternehmen. Ihnen gehört sozusagen ein Teil vom Ohr oder vom Schwanz des Pferdes. Neben einer möglichen Wertsteigerung Ihrer Anteile werden Sie am Gewinn des Unternehmens beteiligt und zwar in Form von so genannten Dividenden, die mal mehr oder weniger hoch ausfallen, in schlechten Jahren auch gar nicht gezahlt werden.
Bei Sparbüchern, Anleihen oder Zertifikaten spielen Sie die Rolle des Gläubigers: Sie leihen dem Pferdebesitzer Geld – das kann eine Bank, ein Unternehmen oder ein Staat sein. Als Gegenleistung erhalten Sie Zinsen. Im Fall einer Pleite sehen Sie Ihr Geld meist nicht wieder, Ausnahmen bilden natürlich Festgelder oder Sparbücher. Daher müssen Sie sich gut überlegen, wem Sie Geld leihen. Es ist recht unwahrscheinlich, dass der deutsche Staat Pleite geht, bei griechischen Anleihen sollte man sich da nicht so sicher sein.

Eine starke Herde besteht aus langsamen und sicheren und schnellen sprunghaften Pferden. Gleiche Regel gilt bei der Altersvorsorge. Foto: Pixabay

Eine starke Herde besteht aus langsamen und sicheren und schnellen sprunghaften Pferden. Gleiche Regel gilt für´s Geld.
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Reihenfolge beachten: Erst versichern, dann sparen

Experten sind sich einig, dass die gesetzliche Altersvorsorge nicht reichen wird, um im Alter sorgenfrei leben zu können. Das ist sicherlich richtig, für Berufseinsteiger aber gilt: Erst versichern, dann vorsorgen. Investieren Sie Ihr erstes selbst verdientes Geld also nicht in einen Riestervertrag, sondern in Versicherungen, die Ihre Existenz, die Ihres Ehepartners und Ihrer Kinder schützen, dazu gehört die Berufsunfähigkeits- und die Haftpflichtversicherung. Im zweiten Schritt sollten Sie sparen, zunächst bis zu drei Nettomonatsgehälter, um flüssig zu sein, wenn das Auto oder die Waschmaschine kaputt geht. Als Verwahrort unbedingt ein sicheres Produkt wählen, zum Beispiel ein Tagesgeldkonto, das die meisten Banken kostenlos anbieten und für das es im Gegensatz zum Girokonto Zinsen gibt. Ist dann noch ein Hunderter übrig, kann die Altersvorsorge dran kommen. Wenn nicht, bloß nicht drängeln lassen. Sie haben Zeit.

Guter Rat ist nicht teuer – schlechter aber schon

Lassen Sie sich nicht blenden von den „kostenfreien“ Beratungsangeboten bei Banken und Versicherungen, die sind alles andere als umsonst. Wenn Sie Pech haben, fressen Ihnen die Abschlussgebühren die Förderbeiträge aus einer Riester-Förderung und Renditen der ersten Jahre komplett weg, das kann locker ein vierstelliger Betrag sein. Besser ist es, sich unabhängigen Rat zu holen. Bei den Verbraucherzentralen nimmt sich ein Finanzexperte eine bis anderthalb Stunden Zeit, um Ihre Situation zu beleuchten und Ihnen passende Produkte zu empfehlen. Ob Sie diese dann kaufen oder nicht, macht für einen unabhängigen Berater keinen Unterschied, daher wird er Sie nicht zu einer Entscheidung drängen. Dass eine unabhängige Beratung Geld kostet, werden Architekten und Bauingenieure gut nachvollziehen können, ihr Know-how ist ja schließlich auch nicht zum Nulltarif zu haben. Die Verbraucherzentralen nehmen um die 100 Euro pro Gespräch. Ein guter Ratgeber ist auch die Stiftung Warentest, die anhand ihrer Vergleichstests überteuerte Finanzprodukte und Versicherungen gnadenlos entlarvt.

Altersvorsorge: Sparen ist oft besser

Sparen und Versichern wird oft mit einander verquickt, in Form von kapitalbildenden Lebensversicherungen zum Beispiel. Mischprodukte sind meistens teuer. Deshalb: Wenn Sie sparen wollen, wählen Sie ein Sparprodukt, wenn Sie Risiken absichern wollen, schließen Sie eine Versicherung ab. So einfach ist das.
Wer fürs Alter vorsorgen will, sollte lieber Sparen anstatt sich zu versichern, raten Verbraucherschützer, denn mit einer Rentenversicherung gehen Sie die Wette auf ein langes Leben ein. Die Rentenversicherung garantiert zwar einen bestimmten monatlichen Betrag im Alter, gewonnen haben Sie aber nur, wenn Sie mindestens Neunzig werden. Wenn nicht, bekommt bestenfalls Ihr Ehepartner ein Teil als Rente – Ihre Kinder gehen leer aus. Schlägt das Schicksal böse zu, können Sie das Vermögen, das in Wertpapieren angelegt ist, beliebig verwenden – auch für eine Weltreise. Viele wissen nicht, dass sie die Entscheidung für eine lebenslange Rente auch erst in der Zukunft treffen können. Wenn Sie mit 65 die Gene einer Galapagos-Schildkröte in sich spüren, können Sie Ihr bis dahin angespartes Vermögen bei einer Versicherung in eine Sofortrente investieren. Das sagt Ihnen nur keiner…

Pferde brauchen Futter und Pflege. Bei der Geldanlage sollten Sie sich Wissen anfuttern - damit Sie die Zügel in der Hand behalten. Foto: Pixabay

Pferde brauchen Futter und Pflege. Bei der Geldanlage sollten Sie sich Wissen anfuttern – damit Sie die Zügel in der Hand behalten.
Foto: Pixabay

Geheimtipps: Riesterbanksparplan und ETFs

Viele Angestellte „riestern“ heutzutage, die meisten über eine Riester-Rentenversicherung. Auch ich schloss eine Förderrente ab, im festen Glauben, dass es gar keine Alternativen dazu gibt. Irrtum. Es gibt Riesterbanksparpläne, die so gut wie kostenlos und äußerst flexibel sind. Kein Wunder, dass ich davon nichts wusste, denn das Produkt ist so verbraucherfreundlich, dass die Banken dafür keine Werbung machen. Da sich kaum etwas mit Riesterbanksparplänen verdienen lässt, werden sie nur von sehr wenigen Geldinstituten angeboten. Welche das sind, erfahren Sie bei der Stiftung Warentest (www.test.de). Den Einwand, es gäbe darauf ja nur mickrige Zinsen, können Sie getrost vergessen. Gute Riesterbanksparpläne passen sich dem aktuellen Zinsniveau an. Ihre Einzahlungen sowie die Förderbeiträge von bis zu 154 Euro pro Jahr für Kinderlose (pro Kind gibt es 300 Euro pro Jahr dazu) werden auf einem Sparbuch gut geschrieben. Ihr Geld ist sicher angelegt, trotzdem können Sie es jederzeit abrufen, für eine Immobilie verwenden oder in ein lukrativeres Produkt investieren. Wenn Sie das Vermögen nicht für die Altersvorsorge verwenden, müssen Sie allerdings die Förderbeiträge zurückbezahlen.
Finanzexperten sind sich einig, dass gerade junge Menschen bei der Altersvorsorge risikoreichere Produkte einkalkulieren sollten, da sie über lange Sicht eine bessere Rendite bringen. Eines aber darf man niemals tun: Sein Geld nur auf ein Pferd setzen. Die oben beschriebenen ETFs halten Verbraucherschützer für eine gute Möglichkeit, auch als Kleinanleger vom Börsenaufwind zu profitieren. Bei Direktbanken, die ihr Geschäft größtenteils online abwickeln, sind ETF-Sparpläne mit monatlichen Sparraten von 25 Euro aufwärts erhältlich. Über geeignete ETFs informiert die Stiftung Warentest. Wichtig bei allem aber ist und bleibt: Sie entscheiden. Mit solidem Wissen über die fremde Welt der Finanzen können Sie darauf vertrauen, das Richtige zu tun. ■

Schutzschild vom Boss mit Pferdefüßen

Die Berufsunfähigkeitsversicherung gilt als eine der wichtigsten Versicherungen für Arbeitnehmer, denn sie schützen vor dem Risiko, nicht mehr arbeitsfähig zu sein. Auch Architekten und Bauingenieure, die den Gefahren auf Baustellen ausgeliefert sind, sollten eine solche Police abschließen. Bei Vorerkrankungen ist das jedoch schwierig – entweder die Versicherungen schließen bestimmte Erkrankungen aus oder die Beiträge steigen in schwindelerregende Höhen. Nun soll ein von der Zurich Versicherung vorgestelltes Modell diese Lücke schließen. Ohne Gesundheitsprüfung könnten Arbeitnehmer gegen Berufsunfähigkeit versichert werden – und zwar vom eigenen Arbeitgeber. Für den sind die Konditionen recht günstig. Die Beiträge sollen 25 bis 50 Prozent unterhalb privat abgeschlossener Verträge liegen, die Versicherung kann jährlich gekündigt werden. Kling alles recht gut, ist es aber nach Angaben von Timo Voss, Bund deutscher Versicherungen, nicht. Seiner Meinung nach sei der Verzicht auf eine Gesundheitsprüfung zwar gut, aber der Arbeitnehmer müsse im Falle eines Firmenwechsels eine Rentenversicherung abschließen, wenn er den Berufsunfähigkeitsschutz privat weiterführen möchte. Außerdem versichert die Zurich keine Selbständigen und nur Belegschaften ab 100 Mitarbeitern, womit Handwerksbetriebe oder Architektur- und Ingenieurbüros wieder ohne den wichtigen Versicherungsschutz dastehen.

Versicherungen für Selbständige

Versicherungen sind in alle Munde. Ein Überblick aller Versicherungen, die für gründungswillige Architekten und Bauingenieure wichtig sind.

Berufshaftpflichtversicherung

Wer als Freiberufler Planungsleistungen anbietet, kommt um den Abschluss einer Berufshaftpflichtversicherung nicht herum. Jeder Architekt, jeder Bauingenieur übernimmt die volle Haftung für seine Planung. Dabei passieren Fehler schneller als gedacht. Das Risiko ist enorm hoch, daher haben sich viele Versicherungsgesellschaften aus dem Haftpflichtversicherungsgeschäft zurückgezogen. Die Prämien sind zum Teil recht hoch. Es gibt einige Möglichkeiten, sie auf ein erträgliches Maß zu senken, zum Beispiel mit einer erhöhten Selbstbeteiligung für den Schadensfall, ähnlich wie bei einer Autoversicherung. Eventuell kommt auch eine objektbezogene, zeitlich begrenzte Versicherung in Frage. Ein Kontaktgespräch mit einem Versicherungsvertreter ist in jedem Fall ratsam.

Arbeitslosenversicherung für Selbständige

Eine gute Sache, von der jedoch leider nur Existenzgründer profitieren, die vorher in einem Angestelltenverhältnis standen und Anspruch auf Arbeitslosengeld haben oder einmal hatten. Sie können sich seit dem 1. Februar 2006 bei der Bundesagentur für Arbeit freiwillig gegen Arbeitslosigkeit versichern. Sie müssen jedoch mindestens zwölf Monate lang einer sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung nachgegangen sein, die nicht länger als 24 Monate zurückliegt. Falls Sie zu einem früheren Zeitpunkt Beiträge in die Arbeitslosenversicherung eingezahlt haben, zum Beispiel während der Lehre, fragen Sie bei der Bundesagentur für Arbeit nach, ob Sie eventuell trotzdem in den Genuss der Arbeitslosenversicherung für Selbständige kommen. Es gibt hierzu einige Sonderregelungen. Der Beitragssatz ist zum Jahr 2011 stark angehoben worden, in Ostdeutschland müssen geringere Beträge als in den alten Bundesländern gezahlt werden. Nach einem Jahr freiwilliger Beitragszahlung erwerben freiwillig versicherte Selbständige einen Anspruch auf sechs Monate Arbeitslosengeld, nach zwei Jahren auf zwölf Monate. Als arbeitslos im Sinne des Gesetzes gilt man, wenn sich die Auftragslage so verschlechtert, dass die selbständige Tätigkeit in einem Umfang von weniger als 15 Stunden wöchentlich ausgeübt werden kann. Die Höhe des Arbeitslosengeldes wird in der Regel fiktiv bemessen. Dabei werden die Antragsteller nach ihrer beruflichen Qualifikation in mehrere Stufen eingeteilt. Akademiker bekommen den Höchstsatz. Dieser beträgt monatlich 1.365 Euro (arbeitslos mit Kind, Steuerklasse III).

Unfallversicherung

Bei der Frage nach einer Unfallversicherung kommen die Berufsgenossenschaften ins Spiel. Sie sind Träger der gesetzlichen Unfallversicherung. Darüber sind alle Arbeitnehmer gegen Unfälle am Arbeitsplatz versichert. Berufsgenossenschaften gibt es für verschiedene Bereiche, wie Landwirtschaft, Bau oder Verwaltung. Für die Freien Berufe ist die Verwaltungsberufsgenossenschaft (VBG) in Hamburg zuständig. Jeder Arbeitgeber ist verpflichtet, seine Mitarbeiter und Angestellten hier anzumelden und alljährlich Beiträge für sie abzuführen. Das gilt auch für Aushilfskräfte. Selbständigen ohne eigene Mitarbeiter ist es freigestellt, ob sie Mitglied werden wollen oder nicht. Sie können sich freiwillig versichern und genießen damit den gleichen Versicherungsschutz wie Arbeitnehmer. Da die Beiträge verhältnismäßig gering sind, ist der Beitritt durchaus eine Überlegung wert. Die VBG kann Ihnen detaillierte Informationen über die Mitgliedschaft und die Beitragshöhe geben. Sie ist im Internet unter www.vbg.de erreichbar.

Sozialversicherungen

Grundsätzlich sind selbständige Freiberufler nicht sozialversicherungspflichtig, das heißt, sie müssen sich nicht in der gesetzlichen Renten-, Kranken-, Pflege- oder Unfallversicherung versichern. Für die so genannten verkammerten Freiberufler, zu denen auch Architekten und Bauingenieure gehören, gibt es Ausnahmen, was die Rentenversicherungspflicht angeht. In manchen Bundesländern, zum Beispiel in Baden-Württemberg, ist die Mitgliedschaft in der Kammer an eine Pflichtmitgliedschaft in den berufsständischen Versorgungswerken gekoppelt. Dies gilt als Ersatz für die gesetzliche Rentenversicherung. Auskünfte erteilt die zuständige Kammer des jeweiligen Bundeslandes. Bei der Krankenversicherung haben Sie die Möglichkeit, in eine private Kasse zu wechseln oder sich freiwillig in der gesetzlichen Krankenkasse weiter versichern zu lassen. Für die gesetzliche Weiterversicherung gibt es jedoch bestimmte Voraussetzungen, zum Beispiel, dass Sie innerhalb der letzten fünf Jahre mindestens 24 Monate lang gesetzlich versichert waren. Bei Absolventen ist das überwiegend der Fall. Ob privat oder gesetzlich die bessere Variante ist, lässt sich nicht pauschal sagen. Wenn Sie beispielsweise eine Familie haben, entpuppt sich die gesetzliche Versicherung bei genauerem Hinsehen oftmals als günstiger. Für alleinstehende Existenzgründer sind die Beiträge in der privaten Versicherung meist wesentlich niedriger als in den gesetzlichen Versicherungen. Bedenken Sie jedoch, dass das nicht so bleibt und die Kosten mit dem Alter steigen. Zusätzliche Leistungen, wie eine bessere Unterbringung im Krankenhaus, bedeuten höhere Beiträge.

Existenzgründer haben drei Monate Zeit, ehe sie sich für eine Versicherungsvariante entscheiden müssen. Wer eine freiwillige gesetzliche Weiterversicherung plant, muss dies der Krankenkasse spätestens drei Monate nach Beginn der selbständigen Tätigkeit mitteilen. Nach dieser Frist bleibt nur noch der Wechsel in die private Krankenversicherung.

Berufsunfähigkeitsversicherung

Gerade für junge Arbeitnehmer sowie für Existenzgründer, die noch ihr ganzes Berufsleben vor sich haben, ist der Abschluss einer Berufsunfähigkeitsversicherung durchaus sinnvoll. Sie tritt ein, wenn Sie Ihren Beruf als Architekt oder Bauingenieur nicht mehr ausüben können. Im Gegensatz zur Unfallversicherung besteht auch bei Krankheiten wie Rückenleiden oder psychischen Erkrankungen Versicherungsschutz. Meist ist die Berufsunfähigkeitsversicherung an eine Lebens-, Renten- oder Risikolebensversicherung gekoppelt.

Tagegeld-/Krankentagegeldversicherung

Überprüfen Sie außerdem, ob eine Krankentagegeldversicherung für Sie sinnvoll ist. Dabei handelt es sich um eine Verdienstausfallversicherung. Sie schützt vor Einkommensverlusten bei krankheits- oder unfallbedingter Arbeitsunfähigkeit. Sowohl die gesetzlichen als auch die privaten Krankenkassen bieten Verträge über Krankengeld beziehungsweise Krankentagegeld an. Wann und in welcher Höhe die Mittel fließen, hängt vom Vertrag ab. Je früher die Zahlung einsetzt, desto höher sind die Beiträge. Der Unterschied zur Berufsunfähigkeitsversicherung besteht darin, dass Leistungen nur für einen bestimmten Zeitraum gezahlt werden, meist anderthalb bis zwei Jahre.

Alles abgesichert?

Während des Studiums sind üblicherweise noch die meisten Versicherungsfragen geklärt, das ändert sich nach dem Abschluss allerdings schlagartig. Was ist nötig und was nicht? Ein Überblick.

Krankenversicherung

In Deutschland gilt Krankenversicherungspflicht, das heißt, wer nicht ohnehin als abhängig Beschäftigter, Familienangehöriger oder Student versichert, sondern selbständig tätig ist, muss sich selbst ausreichend krankenversichern. Das ist gesetzlich vorgeschrieben. Die studentische Krankenversicherung endet mit dem Ende des Semesters, in dem man exmatrikuliert wurde. Dann meldet sich normalerweise die Krankenversicherung und bietet eine „freiwillige Versicherung“ an. Der Beitrag errechnet sich grundsätzlich aus den aktuellen Einnahmen. Hat der Betroffene keine oder nur geringe Einnahmen, wird der Beitrag nach der sogenannten Mindestbemessungsgrenze berechnet, die jedes Jahr vom Gesetzgeber festgesetzt wird und 2013 (einheitlich für alle gesetzlichen Krankenkassen) bei 898,33 Euro monatlich liegt. Der Beitrag liegt dann bei 133,85 Euro im Monat, plus Pflegeversicherung: Das sind normalerweise 20,66 Euro, für Versicherte mit Kind 18,42 Euro.

Gesetzlich oder privat?

Die Wahl zwischen gesetzlicher und privater Krankenversicherung haben nur Beamte, Selbständige – Freiberufler oder Gewerbetreibende – und Angestellte, deren Einkommen über der „Versicherungspflichtgrenze“ von 52.200 Euro im Jahr liegt. Für die anderen, die „Pflichtversicherten“, ist grundsätzlich die gesetzliche Krankenkasse zuständig. Wer sich allerdings einmal gegen die gesetzliche Krankenversicherung entschieden hat, kann nur unter bestimmten Voraussetzungen wieder hinein.

Für junge Leute mag die private Krankenversicherung zunächst vor allem wegen zusätzlicher Leistungen günstiger erscheinen. Aber Vorsicht: Die Beiträge steigen im Laufe des (Versicherungs-)Lebens an, unabhängig vom Einkommen, das man erzielt – oder eben auch nicht. Außerdem decken nicht alle privaten Versicherungen auch wirklich mehr Leistungen ab als die gesetzliche. So warnte das Magazin „Stern“ im Oktober 2012: „Die Tarife weisen vielfach gefährliche Lücken auf.“ Und: „Die meisten Tarife bieten sogar schlechtere Leistungen als die gesetzliche Krankenversicherung, besonders auffällig im Bereich der Heil- und Hilfsmittel.“ Das kann im Ernstfall richtig teuer werden.

Unabhängige Fachleute wie die der Stiftung Warentest stellen einhellig fest, dass sich die private Krankenversicherung vor allem für Beamte lohnt, denen der Arbeitgeber Beihilfe zahlt, und für junge, gesunde Versicherte, die keine Familienmitglieder mit absichern müssen – und das auch in Zukunft nicht vorhaben. Die Entscheidung sollte also gut durchdacht sein, immerhin kann sie durchaus für das ganze Leben sein, denn nur wer als Angestellter (wieder) unter der Versicherungspflichtgrenze liegt, darf in die gesetzliche Krankenversicherung zurückkehren. Wer als Selbständiger einfach nur (zu) wenig verdient, darf das nicht.

Vor- und Nachteile der privaten Krankenversicherung

Bei der privaten Versicherung hat der Versicherte ein Leben lang Anspruch auf die individuell vertraglich vereinbarten Leistungen. Dafür ändert sich der Beitrag: Stiftung Warentest nennt die Faustregel: „Nach 30 Jahren hat sich der Beitrag mindestens verdreifacht.“ Deshalb sollten privat versicherte Nicht-Beamte jeden Monat rund 200 Euro zurücklegen, um sicherzustellen, dass sie auch im Alter ihre private Krankenversicherung bezahlen können.

Vor- und Nachteile der gesetzlichen Krankenversicherung

In der gesetzlichen Krankenversicherung richten sich die Beiträge nach dem Einkommen. Wer also wenig verdient, zahlt auch wenig. Außerdem werden Familienangehörige, also Kinder und Ehepartner ohne eigenes Einkommen, kostenlos mitversichert. Dafür können die Leistungen der gesetzlichen Versicherung jederzeit durch politische Entscheidungen geändert werden. In den letzten Jahren wurden beispielsweise die Zuschüsse für Zahnersatz gekürzt und die Erstattung für Brillen gestrichen.

Andere Versicherungen

Es gibt jede Menge Versicherungen, die man abschließen kann, aber nicht muss. Ausnahme hiervon ist neben der gesetzlich vorgeschriebenen Krankenversicherung die Kfz-Haftpflichtversicherung, die für Besitzer von Autos, Motorrädern oder anderen Kraftfahrzeugen Pflicht ist. Alles andere ist Entscheidungssache. Eine Versicherung halten Fachleute allerdings für unentbehrlich.

Ein Muss: die private Haftpflichtversicherung

Die private Haftpflichtversicherung zahlt, wenn der Versicherte einen anderen schädigt. Fachleute halten sie für absolut notwendig, weil beispielsweise die Kosten eines Personenschadens den Verursacher finanziell ruinieren können: Schmerzensgeld, Behandlungs- und Pflegekosten sowie der behindertengerechte Umbau einer Wohnung können sich auf Millionen summieren. „Deshalb benötigt jeder unbedingt eine private Haftpflichtversicherung – mit einer Versicherungssumme von mindestens drei Millionen Euro pauschal für Personen- und Sachschäden“, so Stiftung Warentest.

Berufshaftpflicht für Architekten und Bauingenieure

Eine Berufshaftpflichtversicherung für Architekten und Bauingenieure abzuschließen, ist keine Pflicht – aber sehr zu empfehlen: „Man spielt mit seiner eigenen Insolvenz, wenn man keine Versicherung hat“, warnt Markus Prause, Rechtsreferent der Architektenkammer Niedersachsen. Die Berufshaftpflicht versichert das Berufsbild des Architekten (oder des Bauingenieurs), und das ist ein Privileg: „Die Architekten können versichern, dass sie Mist bauen“, so Prause. Planungsfehler wie übersehene Grenzabstände, eine im Detail nicht richtig geplante Abdichtung oder nicht richtig berücksichtigte Grundwasserverhältnisse – das sind Fehler, die Architekten unterlaufen können und aus denen ein Schaden entsteht. Eine Schadenssumme von 10.000 Euro ist nicht ungewöhnlich, es können aber auch leicht deutlich mehr werden. Wer keine Berufshaftpflichtversicherung hat, muss dann selber zahlen, denn die Privathaftpflichtversicherung ist nicht zuständig. Allerdings können nur selbständige Architekten oder Bauingenieure eine Berufshaftpflichtversicherung abschließen, Angestellte sind über den Arbeitgeber versichert.

Versicherungsschutz ab dem ersten Auftrag

Wer sich selbständig machen will, sollte sich schon im Vorfeld nach der passenden Berufshaftpflichtversicherung umschauen, damit sie beim ersten Auftrag sofort abgeschlossen werden kann. Nicht jedes Versicherungsunternehmen bietet eine Berufshaftpflichtversicherung für Architekten und Bauingenieure an. Von den verschiedenen Anbietern sollte man sich vergleichbare Angebote einholen und danach entscheiden. Vorher überlegen: Welche Deckungssummen möchte ich haben? Welche Selbstbeteiligung? Die meisten Anbieter bieten ähnliche Grundbedingungen, dann entscheidet der Preis. Aber einige Details sind außerdem zu beachten.

Verhandeln
Foto: fotomek_fotolia.com

Vergleichen lohnt sich.
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Viele Versicherer bieten Rabatte für Existenzgründer – wenn sie das nicht von vornherein selbst erwähnen, sollte man danach fragen. Rabatte gibt es vielfach auch für längere Laufzeiten. „Man denkt häufig, die Versicherungen bieten ein Paket an, und das kann man dann nehmen oder nicht“, weiß Prause und betont: „Aber man kann mit Versicherungen auch handeln und reden.“ Wer beispielsweise fast nur Sachverständigentätigkeit mache, sollte darüber mit dem Versicherungsunternehmen reden, denn das sei oft günstiger. Grundsätzlich gilt: Fragen kostet nichts! Nicht fragen hingegen möglicherweise schon.

Freie Mitarbeiter

Ein Sonderthema, das für viele Absolventen eine Rolle spielen kann, ist die „freie Mitarbeit“. Freie Mitarbeiter haben im Regelfall keinen direkten Kontakt zum Bauherrn, sondern arbeiten für verschiedene Büros – das aber gerade nicht als Angestellter. Sie können allerdings in die Versicherung des Büros mit einbezogen werden. Sonderklauseln, dass freie Mitarbeiter unter die Versicherung des Büros „unterschlüpfen“ können, existieren bei fast jeder Versicherung. Der freie Mitarbeiter sollte diese Frage aber ausdrücklich mit dem Büro klären, denn automatisch geschieht das nicht und das Büro kann auch ablehnen, den freien Mitarbeiter mit zu versichern. Der sollte dann eine eigene Berufshaftpflichtversicherung haben, weil er als Subunternehmer selbständig ist.

Die Prämien sind normalerweise an den Umsatz gekoppelt, für einen Einzelarchitekten geht es bei 1.200 bis 1.500 Euro im Jahr los. Die Summen kann man bei Bedarf aufstocken, aber auch eine Korrektur nach unten ist meist problemlos möglich. Einige Versicherer bieten sogar Kleinversicherungskonzepte an, beispielsweise, wenn jemand in Elternzeit geht und nur wenig nebenbei verdient. Das haben aber nicht alle Versicherer im Programm – hier lohnt es sich womöglich, das Thema in die Versicherungswahl miteinzubeziehen und es im Vorfeld konkret abzufragen.

Welche Tätigkeiten?

Worauf noch zu achten ist: Welche Arbeitsfelder werden individuell bearbeitet – und sind die auch im Versicherungsschutz enthalten? Von der Berufshaftpflicht explizit ausgeschlossen ist baugewerbliche Betätigung, also wenn der Architekt auch gleichzeitig Bauträger ist, der die Planung und bauliche Ausführung in einer Hand hat. Gedacht ist die Berufshaftpflichtversicherung für selbständige, freischaffende Architekten, die Architektenleistungen wie Planung, Ausschreibung und Bauleitung anbieten. Aber nicht nur diese klassischen Aufgabenbereiche werden abgedeckt, sondern auch „Randbereiche“ wie Sachverständigentätigkeit oder Energieberatung. Versichert ist das Berufsbild des Architekten, und das wandelt sich. Deshalb lohnt es sich, wenn man etwas macht, was nicht „klassisch“ ist, in die Vertragsbedingungen zu schauen, ob es womöglich schon aufgenommen ist, oder beim Versicherer konkret zu fragen, ob man für dieses Feld auch Deckungsschutz bekommt – und sich das notfalls auch schriftlich geben zu lassen. Energieberatung, Sachverständigentätigkeit oder Gesundheitsschutzkoordination sind inzwischen oft bereits aufgenommen. Abfragen sollte man gegebenenfalls die Deckung von Auslandstätigkeiten, Projektentwicklung und -steuerung oder auch die Tätigkeit als Baumediator. „Wenn man ohnehin eine Versicherung hat“, rät Rechtsreferent Prause, „würde ich immer empfehlen, solche etwas am Rande liegenden Berufsfelder auf jeden Fall zu klären.“

Unfallschutz

Unfallschutz ist kein Bestandteil der Berufshaftpflicht. Aber ein Teil des deutschen Sozialversicherungssystems ist die gesetzliche Unfallversicherung – getragen durch die verschiedenen Berufsgenossenschaften. Angestellte sind über ihren Betrieb in der Berufsgenossenschaft (pflicht)versichert. Selbständige Architekten und Bauingenieure können sich aber freiwillig über die Berufsgenossenschaft versichern: Für sie ist in der Regel die Verwaltungs-Berufsgenossenschaft in Hamburg zuständig (www.vbg.de). Eröffnen sie ein Büro, sind sie sogar verpflichtet, das bei der zuständigen Berufsgenossenschaft zu melden. Freiwillig Versicherte können die Versicherungssumme innerhalb festgesetzter Grenzen frei wählen. Je höher die Versicherungssumme, desto höher sind auch die Leistungen im Falle eines Arbeitsunfalls – und auch die Beiträge, die zu zahlen sind. Wer sich freiwillig versichert, ist dann bei allen betrieblichen Tätigkeiten gegen die Folgen von Arbeitsunfällen, Wegeunfällen (auf dem Weg von und zur Arbeit) und Berufskrankheiten im Rahmen der gewählten Versicherungssumme abgesichert. Behandlungskosten nach einem Unfall werden von der Krankenversicherung bezahlt, aber nicht alle teuren Rehabilitationsmaßnahmen übernehmen die Krankenkassen, im Gegensatz zu den Berufsgenossenschaften, die normalerweise alle medizinisch nötigen Behandlungen und Rehabilitationsmaßnahmen übernehmen. Im schlimmsten Fall zahlen die Berufsgenossenschaften auch Invaliditäts- bzw. Hinterbliebenenrente. Die Informationsseite www.versicherungszentrum.de sieht in den Berufsgenossenschaften „selbst für freiwillig versicherte Selbständige eine günstige Alternative zu vielen privaten Unfallversicherungen“. Sie decken allerdings ausschließlich Unfälle und Erkrankungen ab, die direkt mit der Arbeit zusammenhängen – Freizeitunfälle natürlich nicht.

Berufsunfähigkeitsversicherung

Wer aufgrund einer beruflich bedingten Krankheit oder eines Unfalls berufsunfähig wird und in der Berufsgenossenschaft (freiwillig) versichert ist, bekommt eine Invaliditätsrente. Die Erwerbsminderungsrente aus der gesetzlichen Rentenversicherung kommt nur in ganz seltenen Fällen zum Tragen und reicht meistens kaum aus, den Lebensstandard zu halten – Berufsunfähigkeit ist über die gesetzliche Rentenversicherung seit 2001 gar nicht mehr abgedeckt. Private Versicherungsunternehmen bieten Berufsunfähigkeitsversicherungen an, die unabhängig vom Grund der Berufsunfähigkeit, also beispielsweise auch nach Freizeitunfällen, zahlen.

Schutzschild vom Boss

Mit einer von der Zurich vorgestellten Versicherung können Arbeitgeber ihre Arbeitnehmer gegen Berufsunfähigkeit versichern. …mehr

Sie sind für Angestellte wie für Selbständige interessant. Eine Berufsunfähigkeitsversicherung greift, wenn man nicht mehr im erlernten oder vorwiegend ausgeübten Beruf arbeiten kann, und das unabhängig davon, ob in einem anderen Beruf gearbeitet wird – außer im Vertrag gibt es eine Klausel über die „abstrakte Verweisung“, denn das würde bedeuten, dass die Versicherung die Leistungen verweigern kann, wenn in einem anderen Beruf gearbeitet werden kann. Nur noch wenige Versicherungen haben diese – für den Versicherungsnehmer ungünstige – Klausel, die Vertragsbedingungen sollten also genau gelesen werden. Die Höhe der Leistungen kann individuell festgelegt werden, hat aber Auswirkungen auf die Beitragshöhe, die auch risiko- und altersabhängig ist. Weil die Beitragshöhe sich auch nach dem Eintrittsalter richtet, ist es besonders für junge Menschen sinnvoll, eine Berufsunfähigkeitsversicherung abzuschließen. Sie sollte so abgeschlossen werden, dass im Schadensfall die Rente bis zum Eintritt in das Rentenalter gezahlt wird. Auch hier ist es sinnvoll, vergleichbare Angebote verschiedener Versicherungsunternehmen einzuholen und zu vergleichen. ■

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