Sicher planen: Was Berufseinsteiger wissen müssen

von Rechtsanwalt Sascha Ludwig, AIA AG – Versicherungsspezialist für Architekten und Ingenieure

Als Hochschulabsolvent und Berufsanfänger macht man sich in der Regel noch keine großen Gedanken darüber, was im Beruf schieflaufen kann. Im Berufsleben angekommen, verlässt man sich dann oft einfach auf die Berufshaftpflichtversicherung. Es gibt jedoch zahlreiche Konstellationen, in denen der Architekt bzw. Ingenieur für eigene Fehler haftet, aber auch für die Fehler anderer mithaftet. Einige davon werden im Folgenden beispielhaft besprochen.

In der Baubranche kann viel schiefgehen. Architekten und Ingenieure müssen dafür gerade stehen.

Foto: lutz6078/pixabay.com

Planungsfehler 

Besteht der Auftrag des Architekten bzw. Ingenieurs in der Erstellung einer Planung, so ist dieser verantwortlich für die Richtigkeit der Pläne. Sind die Pläne dagegen unvollständig oder falsch, sei es durch eine bloße Unachtsamkeit oder Außerachtlassen der Vorgaben des Bauherrn, können aus dieser falschen Planung bei der Realisierung des Bauvorhabens Schäden auftreten. Denkbar sind beispielsweise Fälle, in denen Dachfenster aufgrund einer falschen Maßangabe nicht den Anforderungen an einen Fluchtweg genügen oder in denen z.B. Fensterrahmen in einem Farbton geplant werden, der zwar baurechtlich nicht zu beanstanden ist, jedoch dem Farbwunsch des Bauherrn nicht entspricht. In solchen Fällen haftet der Planersteller für den Schaden und muss dem Bauherrn diesen ersetzen. Im Fall der falschen Farbwahl kann der Schaden deutlich höher sein als auf den ersten Blick gedacht. Nimmt man als Beispiel ein Mehrfamilienhaus, in dem sämtliche Fenster ausgetauscht werden müssen, kann schnell ein sechsstelliger Betrag als Schaden herauskommen.

Eine Haftung kann auch für einen fehlerhaften Plan bestehen, den zwar ein anderer erstellt hat, der Architekt bzw. Ingenieur diesen allerdings zur weiteren Grundlage der eigenen Planung macht. In dem Fall ist der Architekt verpflichtet, den Ursprungsplan zumindest grob zu prüfen, und darf jedenfalls offensichtliche Fehler nicht einfach so in die eigene Planung übernehmen.

TIPP: Auch fremde Pläne sollten also immer sorgfältig überprüft werden.

Bauleitungsfehler 

Ist der Architekt mit der Objektüberwachung beauftragt, haftet er bei Bauausführungsfehlern als Bauleiter in der Regel gesamtschuldnerisch mit den ausführenden Unternehmern. Dichtet der Dachdecker das Dach nicht nach den anerkannten Regeln der Technik ab und kommt es dadurch zu einem Feuchteschaden, ist natürlich zunächst einmal der Dachdecker für den Schaden verantwortlich, schließlich hat dieser seine Arbeit nicht ordnungsgemäß ausgeführt. Der bauleitende Architekt hat jedoch die Aufgabe, die Arbeiten der jeweiligen Unternehmer zu überwachen, und gegenüber dem Bauherrn die Verantwortung für das mängelfreie Entstehen des Bauvorhabens. Dies stellt im konkreten Fall den Dachdecker zwar nicht von der Pflicht frei, ordnungsgemäß zu arbeiten, jedoch wird davon ausgegangen, dass der Architekt den Fehler hätte bemerken müssen und mit entsprechendem Hinweis den später entstehenden Feuchteschaden hätte verhindern können. Daher trifft den Architekten eine Mitschuld und löst eine sogenannte gesamtschuldnerische Haftung aus.

TIPP: Es sollte darüber nachgedacht werden, ob Aufträge, die nur die Bauleitung umfassen, angenommen werden. Vergütet wird in dem Fall vom Bauherrn nur die Leistungsphase 8, die Objektüberwachung. Die Haftung erstreckt sich unter Umständen aber auf alle Leistungsphasen.

Gesamtschuldnerische Haftung

Gesamtschuldnerische Haftung bedeutet, dass für einen Schaden mehrere Personen gemeinsam haften. Im obigen Beispiel mit dem Feuchteschaden haften der Unternehmer und der Architekt. Die rechtliche Besonderheit ist, dass der Gläubiger, also derjenige, der Schadensersatz verlangt, sich aussuchen kann, von welchem Gesamtschuldner er den Schadensersatz haben möchte. Der Bauherr kann den Feuchteschaden also entweder nur gegenüber dem Dachdecker, nur gegenüber dem Architekten oder gegenüber beiden geltend machen.

Wählt er nur einen der beiden Gesamtschuldner, kann er von diesem unabhängig davon, wer von beiden eine größere Schuld an dem Schaden trägt, die gesamte Schadensumme verlangen. Zwar hat der in Anspruch genommene Gesamtschuldner die Möglichkeit, seinerseits vom anderen Gesamtschuldner Schadensersatz zu verlangen, ist dieser aber zum Beispiel insolvent, bleibt er allein auf dem Schaden sitzen.

Da hinter einem Architekten oder Ingenieur in der Regel eine Versicherung steht, wird dieser als Gesamtschuldner in eigentlich allen Fällen, in denen der Bauherr die Möglichkeit hat, neben dem ausführenden Unternehmer in Anspruch genommen.

Haftung für Andere

Beauftragt der Architekt oder Ingenieur für einen Teil seiner Leistungen einen Subunternehmer, so ist zunächst zu prüfen, ob dies die Vertragsbeziehung zwischen Bauherr und Architekt überhaupt erlaubt. Ist diese Konstellation nicht vertraglich ausgeschlossen, muss sich der Architekt im Klaren darüber sein, dass er auch für Fehler des Subunternehmers haftet. In einem Fall aus der Praxis hat der Architekt die Rechnungsprüfung an einen Subunternehmer ausgelagert. Dieser hat in betrügerischer Absicht zu hohe Rechnungen freigegeben. Da es sich um ein großes Projekt handelte, war der Schaden entsprechend hoch, es stehen ca. 800.000 EUR im Raum. Der Subunternehmer hat mittlerweile Insolvenz angemeldet. Es bleibt nur der Architekt übrig, weil der Bauherr den Subunternehmer mangels Vertrag gar nicht direkt in Anspruch nehmen könnte und der Architekt mangels Liquidität den Schaden nicht vom Subunternehmer ersetzt bekommen wird.

Haftungssummen

Solche Schäden können für den Architekten existenzbedrohend sein. Denn zu beachten ist stets: Eine Versicherung deckt nur bestimmte Haftungssummen ab. Oft sind nur die geforderten Mindestsummen versichert. Diese sind von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich und hängen darüber hinaus von der gewählten Gesellschaftsform (z.B. Einzelarchitekt oder Partnerschaftsgesellschaft) ab. Bei Einzelarchitekten liegen die Deckungssummen z.B. in Nordrhein-Westfalen für Sachschäden bei 250.000 EUR pro Jahr, für Personenschäden bei 1,5 Mio. EUR pro Jahr. In Bayern dagegen betragen die Deckungssummen für Sachschäden lediglich 200.000 EUR pro Jahr.

In obigem Beispiel hat der Architekt mit Mindesthaftungssumme ein Problem: Selbst wenn die Versicherung eintritt, wird diese, sofern der Architekt aus Nordrhein-Westfalen stammt, lediglich 250.000 EUR bezahlen. Die restlichen 550.000 EUR muss der Architekt aus eigener Tasche zahlen.

Sofern Zweifel an der Forderung des Bauherrn bestehen, genießt der Architekt jedoch in jedem Fall Abwehrschutz durch den Versicherer. Das bedeutet, die Anwalts- und Prozesskosten werden vom Versicherer getragen, so dass der Architekt sich nicht selbst um seine Verteidigung kümmern muss.

Es ist also wichtig, sich mit dem Risiko der übernommenen Projekte auseinanderzusetzen. Hierbei unterstützt der entsprechende Versicherungspartner. Für Berufsanfänger reichen die Mindestdeckungssummen in den allermeisten Fällen aus. Einige Versicherungspartner, wie z.B. die AIA AG, bieten Berufsanfängern hohe Rabatte für den Einstieg an.

RA Sascha Ludwig

Foto: AIA AG

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LIEBER DEN EXPERTEN FRAGEN

Auch wenn der Architekt gegenüber dem Bauherrn auch rechtlich beraten darf, sollte im Zweifelsfall lieber einmal mehr als einmal weniger auf die Beratung eines Rechtsanwaltes hingewirkt werden. Ein rechtliches Grundwissen ist jedoch stets von Vorteil. Hierfür werden Seminare und Fortbildungsveranstaltungen angeboten, die auf die Bedürfnisse von Architekten bzw. Ingenieuren zugeschnitten sind.

Als Selbständiger oder Freiberufler kommt man um Verträge nicht herum. Zu Beginn eines jeden Auftrages mit dem Bauherrn wird ein Architekten- oder Ingenieurvertrag geschlossen. Dabei kann und sollte – sofern auf anwaltliche Beratung verzichtet wird – auf Musterverträge aus geeigneten Quellen zurückgegriffen werden, die an den aktuellen Stand der Rechtsprechung angepasst sind. Wird ein Vertrag vom Bauherrn vorgelegt, kann dieser auf versicherungsrechtliche und haftungsrechtliche Probleme überprüft werden. Solch eine Prüfung ist wichtig, damit keine Vereinbarungen getroffen werden, die den Versicherungsschutz gefährden.

Services wie Musterverträge, Vertragsprüfungen oder Seminarveranstaltungen werden von verschiedenen Experten, wie z.B. der AIA AG (www.aia.de), zur Verfügung gestellt. Gerade in der Anfangszeit sind diese für Ihre berufliche Zukunft essentiell.

Fazit

Nach alledem können aus unserer Erfahrung viele Fehler schon durch sorgfältige Vorbereitung und Sensibilisierung im Vorfeld verhindert werden. Der Versicherungspartner unterstützt den Kunden dabei von Beginn an. Einem erfolgreichen und schadenfreien Berufsstart steht damit nichts im Wege.

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