Wichtige Versicherungen für Selbständige

von Ute Schroeter

Von der Berufsunfähigkeits- über die Kranken- bis zur Rentenversicherung – man kann sich gegen eine Fülle von Risiken absichern. Aber welche davon brauchen selbständige Architekten und Bauingenieure wirklich? Welche sind verpflichtend, welche freiwillig, aber trotzdem sinnvoll?

Versicherungen schützen wie ein Bauhelm vorm Absturz

Foto: pixabay.com

Teilweise Pflicht: Berufshaftpflichtversicherung

Der Abschluss einer Berufshaftpflichtversicherung ist für selbständige Architekten und Ingenieure – sofern sie einer Architekten- oder Ingenieurkammer angehören – gesetzlich vorgeschrieben, abgesehen davon würde es einem beruflichen Selbstmord gleichen, allen Risiken ungeschützt ausgeliefert zu sein. Denn: Menschen, die arbeiten, machen Fehler – Menschen, die nicht arbeiten, machen keine Fehler. Der Spruch gilt in hohem Maße für Planer und andere am Bau Beteiligte. Jeder Architekt, jeder Bauingenieur übernimmt die volle Haftung für seine Planung. Eine falsche Formulierung im Ausschreibungstext oder ein winziger Rechenfehler kann einen Haftungsfall zur Folge haben, der oft bis vor Gericht geht und das Ende einer Karriere bedeuten kann. Ein allein arbeitender Architekt muss eine Berufshaftpflichtversicherung von mindestens 1.500.000 Euro für Personenschäden und für sonstige Schäden von 300.000 Euro unterhalten.

Da das Risiko enorm hoch ist, haben sich viele Versicherungsgesellschaften aus dem Haftpflichtversicherungsgeschäft für den Baubereich zurückgezogen. Übrig geblieben sind Versicherer wie HDI (www.hdi.de/freieberufe), VHV, Allianz oder Markel. Die Prämien sind zum Teil recht hoch. Es gibt einige Möglichkeiten, sie auf ein erträgliches Maß zu senken, zum Beispiel mit einer erhöhten Selbstbeteiligung für den Schadensfall, ähnlich wie bei einer Autoversicherung. Eventuell kommt auch eine objektbezogene, zeitlich begrenzte Versicherung in Frage. Ratsam ist es, sich von einem auf Architekten und Ingenieure spezialisierten Versicherungsmakler beraten zu lassen (zum Beispiel www.pisa-versicherungsmakler.de). Makler haben einen guten Marktüberblick und helfen, unter der Fülle an Möglichkeiten das sicherste, aber auch günstigste Versicherungspaket zusammenzuschnüren.

Pflicht: Kranken- und Pflegeversicherung 

Seit dem 1. April 2007 gibt es in Deutschland eine Krankenversicherungspflicht, das heißt, alle Bürger müssen in einer privaten oder gesetzlichen Krankenversicherung versichert sein. Auch die Pflegeversicherung ist gesetzlich vorgeschrieben. Als Existenzgründer können Sie zwischen privaten Anbietern und der freiwilligen Versicherung in der gesetzlichen Krankenkasse wählen. Für Letztere gelten jedoch bestimmte Bedingungen, beispielsweise dass Sie innerhalb der letzten fünf Jahre mindestens 24 Monate lang gesetzlich versichert waren. Bei Absolventen ist das überwiegend der Fall.

Die Beiträge zur privaten Krankenversicherung klingen zunächst sehr verlockend, immer mehr Existenzgründer entscheiden sich aber trotzdem für die gesetzliche Variante. Mit dem Alter ziehen die Beiträge bei den privaten Kassen stark an, außerdem müssen Familienmitglieder gesondert versichert werden. Bei den gesetzlichen Kassen können der Partner und die Kinder über eine Familienversicherung mitversichert werden. Es steht einem frei, zusätzliche Leistungen, zum Beispiel Chefarztbehandlung in der Klinik, neben der gesetzlichen Versicherung gesondert über einen privaten Anbieter abzuschließen.

Existenzgründer haben drei Monate Zeit, ehe sie sich für eine Versicherungsvariante entscheiden müssen. Wer eine freiwillige, gesetzliche Weiterversicherung plant, muss dies der Krankenkasse spätestens drei Monate nach Beginn der selbständigen Tätigkeit mitteilen. Nach dieser Frist bleibt nur noch die private Krankenversicherung. Der Wechsel zurück zur gesetzlichen Versicherung ist schwierig und funktioniert in der Regel nur über eine längere Angestelltentätigkeit.

Teilweise Pflicht: Rentenversicherung 

Um sich vor Altersarmut zu schützen, ist es wichtig, schon in jungen Jahren vorzusorgen. Grundsätzlich sind Selbständige nicht verpflichtet, sich gesetzlich oder privat rentenzuversichern. Der Gesetzgeber zwingt jedoch immer mehr Berufszweige, vor allem Geringverdiener, in die Rentenversicherung. Bei Architekten ist in vielen Bundesländern die
Eintragung in die Architektenrolle an eine Pflichtmitgliedschaft in den berufsständischen Versorgungswerken gekoppelt. In den meisten Bundesländern, zum Beispiel in Niedersachsen, können junge Architekten bereits freiwilliges Mitglied beim Versorgungswerk der Kammer werden, auch wenn sie noch nicht in der Architektenliste eingetragen sind.

Da die Kammern keine Vertriebsprovisionen wie die privaten Versicherer zahlen und auch bei den Verwaltungskosten niedriger liegen, bieten sie recht günstige Konditionen. Die Versorgungswerke der Kammern sind ein Ersatz für die gesetzliche Rentenversicherung. Damit Sie nur für einen Vertrag zahlen müssen, können Sie sich über einen Antrag an die Deutsche Rentenversicherung von der gesetzlichen Rentenversicherungspflicht befreien lassen.

Freiwillig: Unfallversicherung 

Bei der Frage nach einer Unfallversicherung kommen die Berufsgenossenschaften ins Spiel. Sie sind Träger der gesetzlichen Unfallversicherung. Darüber sind alle Arbeitnehmer gegen Unfälle am Arbeitsplatz versichert. Berufsgenossenschaften gibt es für verschiedene Bereiche, wie Landwirtschaft, Bau oder Verwaltung. Für die Freien Berufe ist die Verwaltungsberufsgenossenschaft (VBG) in Hamburg zuständig. Jeder Arbeitgeber ist verpflichtet, seine Mitarbeiter und Angestellten hier anzumelden und alljährlich Beiträge für sie abzuführen. Das gilt auch für Aushilfskräfte. Selbständigen ohne eigene Mitarbeiter ist es freigestellt, ob sie Mitglied werden wollen. Sie können sich freiwillig versichern und genießen damit den gleichen Versicherungsschutz wie Arbeitnehmer. Da die Beiträge verhältnismäßig gering sind, ist der Beitritt durchaus eine Überlegung wert (Mehr Infos: www.vbg.de).

Freiwillig: Arbeitslosenversicherung für Selbständige 

Eine gute Sache, von der jedoch leider nur Existenzgründer profitieren, die vorher in einem Angestelltenverhältnis standen und Anspruch auf Arbeitslosengeld haben oder einmal hatten. Sie können sich bei der Bundesagentur für Arbeit freiwillig gegen Arbeitslosigkeit versichern. Sie müssen jedoch mindestens zwölf Monate lang einer sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung nachgegangen sein, die nicht länger als 24 Monate zurückliegt. Falls Sie zu einem früheren Zeitpunkt Beiträge in die Arbeitslosenversicherung eingezahlt haben, zum Beispiel während der Lehre, fragen Sie bei der Bundesagentur für Arbeit nach, ob Sie eventuell trotzdem in den Genuss der Arbeitslosenversicherung für Selbständige kommen. Es gibt hierzu einige Sonderregelungen. Der Beitragssatz ist zum Jahr 2011 stark angehoben worden, in Ostdeutschland müssen geringere Beträge als in den alten Bundesländern gezahlt werden. Nach einem Jahr freiwilliger Beitragszahlung erwerben freiwillig versicherte Selbständige einen Anspruch auf sechs Monate Arbeitslosengeld, nach zwei Jahren auf zwölf Monate. Als arbeitslos im Sinne des Gesetzes gilt man, wenn sich die Auftragslage so verschlechtert, dass die selbständige Tätigkeit in einem Umfang von weniger als 15 Stunden wöchentlich ausgeübt werden kann. Die Höhe des Arbeitslosengeldes wird in der Regel fiktiv bemessen. Dabei werden die Antragsteller nach ihrer beruflichen Qualifikation in mehrere Stufen eingeteilt. Akademiker bekommen den Höchstsatz. Dieser beträgt monatlich 1.365 Euro (arbeitslos mit Kind, Steuerklasse III).

Freiwillig: Berufsunfähigkeitsversicherung 

Gerade für junge Arbeitnehmer sowie für Existenzgründer, die noch ihr ganzes Berufsleben vor sich haben, ist der Abschluss einer Berufsunfähigkeitsversicherung durchaus sinnvoll. Sie tritt ein, wenn Sie Ihren Beruf als Architekt oder Bauingenieur nicht mehr ausüben können. Im Gegensatz zur Unfallversicherung besteht auch bei Krankheiten wie Rückenleiden oder bei psychischen Erkrankungen Versicherungsschutz. Meist ist die Berufsunfähigkeitsversicherung an eine Lebens-, Renten- oder Risikolebensversicherung gekoppelt.

Freiwillig: Tagegeld-/Krankentagegeldversicherung 

Überprüfen Sie außerdem, ob eine Krankentagegeldversicherung für Sie sinnvoll ist. Dabei handelt es sich um eine Verdienstausfallversicherung. Sie schützt vor Einkommensverlusten bei krankheits- oder unfallbedingter Arbeitsunfähigkeit. Sowohl die gesetzlichen als auch die privaten Krankenkassen bieten Verträge über Krankengeld beziehungsweise Krankentagegeld an. Wann und in welcher Höhe die Mittel fließen, hängt vom Vertrag ab. Je früher die Zahlung einsetzt, desto höher sind die Beiträge. Der Unterschied zur Berufsunfähigkeitsversicherung besteht darin, dass Leistungen nur für einen bestimmten Zeitraum gezahlt werden, meist anderthalb bis zwei Jahre.

Auf die Frage „Was will ich eigentlich?“ wissen viele, übrigens nicht nur junge Menschen, keine Antwort. Entweder sie haben schlicht und einfach kein Ziel oder trauen sich nicht, eines zu definieren, aus Angst, es nie erreichen zu können. Bevor Sie auf Stellensuche gehen, nehmen Sie sich ein Beispiel an erfolgreichen Menschen. Was Churchill, Gandhi, Mandela und Co. eint: Sie alle hatten eine Vision, ein Ziel, das sie nicht aus den Augen verloren, auch wenn sie stolperten. Und sie gingen Umwege, wenn die Hürden zu hoch wurden. Im Berufsleben werden Ihre Ziele der Motor sein, der Sie morgens aus dem Bett zur Baustelle oder ins Büro treibt.

Michael Twittmann

Versicherungsexperte

Interview

HAFTPFLICHTVERSICHERUNG: NICHT FÜR JEDEN PFLICHT – TROTZDEM EIN MUSS

Michael Twittmann ist Geschäftsführer der pisa Versicherungmakler GmbH, einem auf die Absicherung von Architekten und Ingenieuren spezialisierten Versicherungsmakler. Wir sprachen mit ihm über Berufshaftpflichtversicherungen für Existenzgründer.

Ist jeder freischaffende Architekt bzw. Ingenieur verpflichtet, eine Berufshaftpflichtversicherung abzuschließen?
Michael Twittmann: Nein, grundsätzlich müssen sich nur verkammerte Architekten und Ingenieure aufgrund berufsrechtlicher Zulassungsvoraussetzungen der einzelnen Architekten- und Ingenieurkammern versichern. Die Kammerorganisationen regeln, dass jeder freischaffende Architekt oder Ingenieur bzw. eine Architekten- oder Ingenieur-GmbH ausreichenden Versicherungsschutz nachweisen muss. Auch die in letzter Zeit zunehmenden Partnerschaftsgesellschaften mit beschränkter Berufshaftung (PartGmbB) benötigen eine Berufshaftpflicht. Hierbei werden von den Kammerorganisationen Mindestdeckungssummen für den Personenschadenbereich und auch den Bereich der sonstigen Schäden, also Sach- und Vermögensschäden, vorgegeben. Da diese aber regelmäßig der Höhe nach aufgrund der unbegrenzten Haftung von Planern nicht ausreichend sind, sollten risikobezogen höhere Deckungssummen eingekauft werden. Bei den verkammerten Architekten und Ingenieuren kann also von einer Pflichtdeckung ausgegangen werden.

Anders sieht es bei Planern aus, die sich keiner Kammerorganisation anschließen. Diese Planungsbüros unterliegen keinen versicherungsrechtlichen Vorgaben, sollten aber losgelöst hiervon unbedingt auf die Absicherung ihrer berufsspezifischen Risiken im Rahmen einer Berufshaftpflicht achten. Nur so können die Risiken aus der Berufsausübung vernünftig getragen werden. In der Regel verlangen ja auch die Auftraggeber bereits den Nachweis entsprechender Versicherungsdeckungen.

Müssen sich auch freie Mitarbeiter berufshaftpflichtversichern?
Michael Twittmann: Auch die freien Mitarbeiter sind rechtlich gesehen freischaffende Architekten oder Ingenieure. Sofern sie verkammert sind, besteht ja die bereits besagte Versicherungsvorgabe durch die Architekten- oder Ingenieurkammer. Falls keine Verkammerung vorliegt, ist der Abschluss einer Berufshaftpflichtversicherung wieder freigestellt.

In der Regel sind die freien Mitarbeiter auch in den Berufshaftpflichtversicherungen ihrer Auftraggeber mitversichert, sofern diese die Honorare der freien Mitarbeiter bei ihrer Berufshaftpflichtversicherung mit angeben. Über die Mitversicherung sollte aber Klarheit im Verhältnis Auftraggeber und freier Mitarbeiter erzielt werden und der freie Mitarbeiter sollte sich die Mitversicherung schriftlich bestätigen lassen.

Losgelöst davon, dass die Mitversicherung in der Police des Auftraggebers möglich ist, empfehlen wir die Absicherung über eine eigenständige und ausreichende Berufshaftpflicht. Nach unserem Kenntnisstand ist die Existenz einer eigenständigen Berufshaftpflicht auch ein Indiz dafür, dass keine Scheinselbständigkeit vorliegt, und wird von den zuständigen Stellen – insbesondere dem Zoll – bei entsprechenden Betriebs- und Sozialversicherungsprüfungen abgefragt.

Gibt es spezielle Berufshaftpflichtversicherungen für freie Mitarbeiter, die noch keine Bauvorlageberechtigung haben?
Michael Twittmann: Es gibt bei manchen Versicherern Existenzgründerrabatte, so dass hier die Versicherungsprämie in den ersten ein bis zwei Jahren gespart werden kann. Hiernach sollte der Ansprechpartner beim Versicherer explizit gefragt werden. Qualifizierte Versicherungsmakler berücksichtigen dies ohnehin.

Was kosten diese und was muss man beachten?
Michael Twittmann: Die Prämien sind von verschiedenen Parametern abhängig wie Honorarumsatz, Deckungssummen, Selbstbehaltsvarianten. Einsteigerprämien fangen bei ca. 800 Euro an.

Was muss eine gute Berufshaftpflichtversicherung „können“?
Michael Twittmann: Zuallererst ausreichenden Versicherungsschutz in Bezug auf das zu versichernde Berufsbild zur Verfügung zu stellen. Der Versicherer sollte also wissen, was sein Kunde als Architekt/Ingenieur für Tätigkeiten erbringt und diese weitestgehend absichern. Aufgabe ist es dann, bei einem vorgeworfenen Schaden zu prüfen, ob die Schadenersatzansprüche berechtigt sind. Unberechtigte Ansprüche muss er abwehren, dies geschieht mit eigenen Mitarbeitern aus seiner Schadenabteilung, bei gerichtlichen Auseinandersetzungen unter Hinzuziehung von externen Rechtsanwälten. Ist der Schadenersatzanspruch berechtigt, muss er natürlich den Schaden erstatten. Wichtig ist, dass der Versicherer zunächst nur gesetzliche Haftungsansprüche versichert, darüber hinausgehende sind nicht Gegenstand des Versicherungsvertrages.

Die Versicherungsprämien sind zum Teil sehr hoch. Wie lassen sich Kosten senken?
Michael Twittmann: Sicher durch einen Vergleich der verschiedenen Anbieter, hierbei ist aber unbedingt auch auf die Vertragsinhalte der einzelnen Versicherer zu achten. Es gibt schon einige Unterschiede in den Versicherungsbedingungen, aber auch im Regulierungsverhalten der jeweiligen Versicherungsgesellschaften. Ein qualifizierter Berater wird entsprechende Hilfestellung geben. Ist der Anbieter ausgewählt, kann über die Selbstbeteiligung nochmals die Prämie reduziert werden.

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