Interview: Als Architekt früh selbstständig

Interview: Als Architekt früh selbstständig

von Özlem Özdemir

Bastian Sevilgen, Nikolas Savić und Maximilian Niggl sind ihr eigener Chef, doch bei der Gründung des Architekturbüros „dreigegeneinen“ hatten sie noch nicht einmal die Bauvorlageberechtigung von der Architektenkammer. Ihr Beispiel zeigt, dass es dennoch klappen kann mit der frühen Selbstständigkeit.


Die Drei von dreigegeneinen: Bastian Sevilgen, Maximilian Niggl und Nikolas Savić (v.l.)

Foto: dreigegeneinen

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Museum der bayerischen Geschichte
dreigegeneinen für wörner traxler richter, Frankfurt (Main) 

Foto: dreigegeneinen

Sie haben sich bereits im Studium an der Bauhaus Universität, ein Jahr vor Ihrem Diplom (2010), selbstständig gemacht. War das schon immer Ihr Traum gewesen

Bastian Sevilgen: Max und ich hatten sogar vorher schon unter einem anderen Label zusammengearbeitet, womit wir unsere Studentenentwürfe gekennzeichnet haben (Idealstand_ART, Anm. d. A.). An der Bauhaus Uni gibt es auch diese “Kultur”, dass recht viele Produkt- und Graphikdesigner ihre Firmen schon im Studium gründen. Es war dort also relativ normal, dass manche Studenten aus anderen Studiengängen im 8. oder 10. Semester oder zumindest nach dem Diplom eine Firma hatten. Bei den Architekten war und ist das aber eher die Ausnahme.

Wie betrachten Sie den Standort Deutschland für die frühe Selbstständigkeit?

Bastian Sevilgen: Von der Gründung her ist es in Deutschland sehr gut. Es gibt Förderprogramme und man wird ernst genommen. Ich glaube nur in Österreich ist es noch einfacher.
Nikolas Savić: Dort hatten wir auch Praktika gemacht und einige Büros kennengelernt, die sich aus dem Studium heraus gegründet haben. Das war noch zusätzlich inspirierend.

Stichwort Förderprogramme, was haben Sie in der Richtung in Anspruch genommen?

Maximilian Niggl: Den Existenzgründungszusschuss z.B., das gibt es für jedes Bundesland. Dabei gab es zu unserer Zeit 7000 € für ein Jahr, wenn man eine Firma gegründet hat. Das war für die Anfangsbasis sehr wichtig. Wir konnten uns davon einen Rechner kaufen, eine Kreissäge für Modelle und weitere Büroausstattung.
Bastian Sevilgen: Außerdem bietet die IHK Beratungen für Gründer an und wir hatten von der GFAW, der Gesellschaft für Arbeits- und Wirtschaftsförderung des Freistaates Thüringen, zusätzlich einen Existenzgründerpass für Beratungen, z.B. im Bereich Webdesign. In Deutschland rennt man offene Türen ein, wenn man sagt, dass man eine Firma gründen will.

Eine Unterstützung ganz anderer Art sind ja Mentoren. Sie hatten schon während des Studiums eine solche Förderung genossen. Wie wichtig war das für Sie?

Nikolas Savić: Ja, bei uns war das damals ein Assistent an der Bauhaus Universität, Jürgen Hauck, der heute Professor an der FH in Giessen ist (auch Geschäftsführer bei hjp architekten, einer der Partnerbüros von 3G1, Anm. d. A.). Er hat uns den Start in die Selbstständigkeit ermöglicht. Ein weiterer Mentor ist unser Diplomprofessor Walter Stamm-Teske, mit dem wir auch heute noch in Kontakt stehen.

Würden Sie Studierenden dazu raten, solche unterstützenden Leute zu finden?

Maximilian Niggl: Absolut, das ist existentiell! Anders geht’s nicht.

Sie arbeiten oft für andere Büros. Wie entstehen eigentlich solche Kontakte?

Nikolas Savić: Wenn man es bis zum Ende zurückverfolgt, steht bei uns am Anfang immer irgendetwas mit Weimar. Auch den Kontakt zu wörner traxler richter fanden wir über Weimar und Jürgen Hauck.

In den letzten vier Jahren waren Sie bei etwa 50 Wettbewerben dabei und haben diverse 1. und 2. Preise und Anerkennungen bekommen. Trotzdem sagt man, dass Wettbewerbe gerade für junge Büros ein Leidensweg ist. Wie sehen Sie das?

Maximilian Niggl: Bei den Wettbewerben gibt es oftmals 20-40 Teilnehmer und da muss man erst einmal dazu gehören, was für ein junges Büro fast unmöglich ist, weil die Referenzen fehlen. Wenn man aber das Glück hat und trotzdem daran teilnehmen darf, arbeitet man zwei Monate zu dritt an einem Wettbewerb, der nicht bezahlt wird. Nur wenn man gewinnt bekommt man einen adäquaten Lohn. Aber genau deshalb haben wir noch nicht so viele Wettbewerbe unter eigenem Namen gemacht. Wir können uns das nicht leisten. Die Wettbewerbe in Partnerschaften hingegen werden ja vergütet, selbst wenn wir nicht gewinnen. Ansonsten hätten wir auch gar nicht so viele machen können.

Im Zusammenhang mit Ihrer Arbeitsweise stößt man auf den Begriff Subunternehmen. Identifizieren Sie sich damit?

Maximilian Niggl: Also grundsätzlich ist es schon ein Subunternehmen. Man ist gerade in den ersten Jahren abhängig davon, da man ja noch nicht einmal in der Architektenkammer ist und an Wettbewerben gar nicht erst teilnehmen kann. Was macht man also? Man muss im Endeffekt für jemanden arbeiten, der den Architektentitel hat.

Ist man dann nicht einfach eine Art von Freelance-Team für Architekturbüros?

Bastian Sevilgen: Es ist viel freier und autarker als bei Freelancern, die z.T. in den Büros sitzen, Anweisungen bekommen und den Stil des Büros treffen müssen …

Maximilian Niggl: Was wir eben nicht tun. Die Leute, die mit uns arbeiten, die wollen den Stil, den wir machen.

Sammeln sich über diese Wettbewerbsarbeiten neben dem Entwurf auch Erfahrungen an, die Sie bei späteren Bewerbungen für Wettbewerbe als Referenzen angeben können?

Bastian Sevilgen: Die Partnerschaften gehen ja auch weiter. Die Projekte, die wir gewonnen haben, bei denen es – für den Auftraggeber – einen ersten Preis gab, die bearbeiten wir bis in die höheren Leistungsphasen. Wenn wir uns in einer ArGe für einen Wettbewerb bewerben und den gewinnen, dann bauen wir ihn natürlich in unserem Namen. Oder wir bearbeiten eigene kleine Sachen, solche Um- und Ausbauprojekte wie unser OS’ Kitchen . So bekommen wir auch eigene Referenzen.

Maximilian Niggl: Vor allem mit unserem Partner hjp architekten führen wir die Entwürfe weiter. Da kommt es vor, dass man Projektleiter ist und damit dieses Projekt die ganze Zeit betreut. Auch diese Projekte können wir in Zukunft als Referenz angeben.


Besucherzentrum Römerforum in Waldgirmes |
dreigegeneinen mit hjp-architekten, Grafenrheinfeld

Foto: dreigegeneinen


OS’Kitchen – moderne arabische Küche, ein arabisches Restaurant in Neukölln |
dreigegeneinen mit Maximilian Schmahl, Fabian Schnippering + Christine Lange

Foto: Maximilian Schmahl

Wann die Gewerblichkeitsfalle zuschnappt

Es ist steuerlich von erheblicher Relevanz, ob eine Personengesellschaft freiberufliche oder gewerbliche Einkünfte erzielt. Wird eine Personengesellschaft aus Freiberuflern von dem Finanzamt als gewerblich eingestuft, ist der gesamte Gewinn der Personengesellschaft gewerbesteuerpflichtig. Oft entsteht die Gewerblichkeit einer Freiberufler-Personengesellschaft ungewollt durch „Abfärbung“. Deshalb ist es für Sie wichtig, nicht in die „Gewerblichkeitsfalle“ zu tappen. Diese kann durch verschiedene Szenarien „zuschnappen“

Falle 1: Delegation von Aufgaben an angestellte Mitarbeiter durch den Freiberufler

Schließen sich mehrere Angehörige eines freien Berufs zu einer Personengesellschaft zusammen, kann die Personengesellschaft entweder insgesamt freiberuflich oder insgesamt gewerbliche Einkünfte erzielen, wobei die Voraussetzungen für die Freiberuflichkeit von jedem einzelnen Mitunternehmer erfüllt werden müssen. Zur Mitwirkung von fachlich qualifizierten Mitarbeitern   führt der Bundesfinanzhof i, Urteil vom 03.11.2015, VIII R 62/13, aus:

„Nach § 18 Abs. 1 Nr. 1 Satz 3 EStG ist ein Angehöriger eines freien Berufs auch dann noch freiberuflich tätig, wenn er sich der Mithilfe fachlich vorgebildeter Arbeitskräfte bedient, die die Arbeit des Berufsträgers jedenfalls in Teilbereichen ersetzt und nicht nur von untergeordneter Bedeutung ist. … Bedient sich der Angehörige eines freien Berufs einer entsprechenden Mithilfe, muss er aufgrund eigener Fachkenntnisse leitend und eigenverantwortlich tätig werden.“

Im Urteil vom 16.07.2014, VIII R 41/12,  präzisiert der Bundesfinanzhof die Anforderungen an eine solche leitende und eigenverantwortliche Tätigkeit wie folgt:

„… Dafür reicht es aber aus, dass sie(die freiberuflichen Gesellschafter) aufgrund ihrer Fachkenntnisse durch regelmäßige und eingehende Kontrolle maßgeblich auf die Tätigkeit ihres angestellten Fachpersonals – patientenbezogen – Einfluss nehmen, so dass die Leistung den „Stempel der Persönlichkeit“ des Steuerpflichtigen trägt.“

Hier zwei Fälle aus der Praxis hierzu:

a) Das Finanzgericht Sachsen nahm die Gewerblichkeit einer Gesellschaft von Prüfingenieuren, die Hauptuntersuchungen für Kfz durchführten, mit dem Argument an, dass die angestellten Prüfingenieure über 85% der gesamten Prüfungen in dem maßgeblichen Veranlagungszeitraum durchführen, ohne dass die Freiberufler direkt einbezogen waren; eine lediglich stichprobenartige Überprüfung durch die Freiberufler reiche nicht aus. Vielmehr müsse die Arbeitsleistung den „Stempel der Persönlichkeit“ des Freiberuflers tragen. Der Fall ist allerdings noch nicht rechtskräftig entschieden, da die Prüfingenieure Revision beim BFH eingelegt haben (BFH, anhängiges Verfahren, Az. III R 7/16).

b) In einem weiteren, dem Bundesfinanzhof (BFH) vorgelegten Fall ging es um eine Praxis für Anästhesie. Das Finanzamt unterstellte hier, dass die Inhaber ihre ärztliche Mitarbeiterin nicht ausreichend kontrollierten und anleiteten. Dagegen wehrten sich die Inhaber der Praxis vor dem BFH. Der BFH stellt darauf ab, ob der/die Freiberufler „durch regelmäßige und eingehende Kontrolle maßgeblich auf die Tätigkeit ihres angestellten Fachpersonals – patientenbezogen – Einfluss nehmen“. Ist das nicht der Fall, üben sie ihre Tätigkeit gegenüber dem Patienten nicht mehr eigenverantwortlich aus und werden gewerblich tätig. Im konkreten Fall gelang den Inhabern der Praxis jedoch der Nachweis, dass sie jeden Patienten vorab selbst untersuchten, den Behandlungsplan vorgaben und schwierige Fälle ausschließlich selbst behandelten.

 

Was bedeutet das für Sie?

Für ein Architekten-bzw. Ingenieurbüro bedeutet dies, dass die Gesellschafter zumindest alle wesentlichen Entscheidungen bei einem Projekt  persönlich treffen und die Arbeiten ihrer Mitarbeiter kontrollieren müssen. Das sollte auch dokumentiert werden. Je höher die Zahl der angestellten Mitarbeiter ist, desto mehr Vorsicht ist geboten.

Prüfen Sie daher, ob Sie durch Änderungen in der Dokumentation und Organisation das Risiko der Gewerblichkeit ggf. minimieren können. Gerne stellen wir zusammen mit Ihnen Ihre Arbeitsorganisation auf den Prüfstand bzw. legen gegen entsprechende Bescheide der Finanzverwaltung Einspruch ein.

 

Falle 2: Der sog. „Nullgesellschafter“ als verdeckter Arbeitnehmer

In zwei Urteilen vom 03.11.2015 (Az. VIII R 63/13 bzw. VIII R 62/13) hat sich der BFH kürzlich zu den Merkmalen eines Mitunternehmers im Sinne des Einkommensteuergesetz geäußert. Diese Urteile dürften von erheblicher Auswirkung auf die gesellschaftsrechtliche Gestaltung von Verträgen über Berufsausübungsgemeinschaften von Freiberuflern mit einem sog. „Nullgesellschafter“ sein.

In dem entschiedenen Fall ging es um die Frage, ob eine Ärztin Mitunternehmerin einer in der Rechtsform einer GbR betriebenen Gemeinschaftspraxis war. In dem Gesellschaftsvertrag über die Errichtung der ärztlichen Gemeinschaftspraxis war u. a. geregelt, dass die Ärztin „zu Null“ an dem materiellen Wert der Praxis beteiligt war. Als Gewinnbeteiligung erhielt sie einen bestimmten Prozentsatz ihres eigenen Honorarumsatzes; an den Betriebs- und Finanzierungskosten der Praxis war die Ärztin nicht beteiligt. Auch besaß sie keine Verfügungsmacht über die Praxiskonten. Für den Fall des Ausscheidens eines Gesellschafters sah der Gesellschaftsvertrag keine Abfindungszahlungen vor.

Das Finanzamt sah die Ärztin nicht als Mitunternehmerin der GbR an, da sie kein Mitunternehmerrisiko trage; vielmehr seien ihre Einkünfte wie die einer Angestellten im Rahmen ihrer Einkommensteuerveranlagung zu berücksichtigen. Die Einkünfte der GbR unterwarf das Finanzamt der Gewerbesteuer. Alle hiergegen eingelegten Rechtsmittel waren erfolglos.

Der BFH entschied, dass die Ärztin zwar eine Stellung als zivilrechtliche Gesellschafterin habe, jedoch steuerlich nicht als Mitunternehmerin anzusehen sei. Die Mitunternehmereigenschaft setze eine Mitunternehmerinitiative und ein Mitunternehmerrisiko voraus. Da die Ärztin nicht am Gewinn der GbR, sondern nur an ihrem eigenen Honorarumsatz beteiligt war, am Verlust der GbR nur begrenzt teilnahm und von der Teilhabe an den stillen Reserven der GbR ausgeschlossen war (da sie im Falle ihres Ausscheidens keine Abfindung für den Patientenstamm erhalten hätte), habe sie nur ein geringes Mitunternehmerrisiko getragen; dieses sei auch nicht durch eine besonders ausgeprägte Mitunternehmerinitiative ausgeglichen worden.

In dem zweiten Urteil vom selben Tag (Az. VIII R 62/13) hatte der BFH die Einkünfte derselben Ärzte-GbR, die auch Kläger des dargestellten Verfahrens war, insgesamt als solche aus Gewerbebetrieb angesehen, da die GbR auch Vergütungen aus ärztlichen Leistungen erzielt habe, die in nicht unerheblichem Umfang ohne leitende bzw. eigenverantwortliche Beteiligung der Mitunternehmer-Gesellschafter erbracht worden waren. Die Ärzte-GbR sei nicht in vollem Umfang freiberuflich tätig gewesen, weil die von der „Nullgesellschafterin“ erzielten Einkünfte nicht von lediglich untergeordneter Bedeutung waren und es an einer Überwachung der Ärztin gefehlt habe. Daher waren die gesamten Einkünfte in solche aus Gewerbebetrieb umzuqualifizieren (sog. Abfärbewirkung).

 

Was bedeutet das für Sie?

Es ist zu erwarten, dass die Finanzämter künftig Berufsausübungsgemeinschaften von Freiberuflern, die vergleichbare Regelungen zum sog. „Nullgesellschafter“ in ihren Gesellschaftsverträgen vereinbart haben, noch genauer darauf hin überprüfen werden, ob eine echte Mitunternehmerstellung aller Gesellschafter vorliegt. Außerdem besteht das nicht zu unterschätzende Risiko, dass die gesamten Einkünfte von Gesellschaften mit „Nullgesellschaftern“ mit der Gewerbesteuer „infiziert“ werden.

Die Nullbeteiligung wird oft für eine Art „Probezeit“ mit neuen jüngeren Gesellschaftern gewählt. Sie birgt jedoch ein hohes steuerliches Risiko. Betroffene Gesellschaften sollten daher unbedingt ihre Gesellschaftsverträge überprüfen und ggf. überarbeiten lassen. Hier stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung.

 

Falle 3: Keine „Bagatellgrenze“ bei gewerblichen Beteiligungen einer Personengesellschaft

Erzielt ein Mitunternehmer auch gewerbliche Einkünfte, bedeutet das zwar noch nicht per se, dass die gesamten Einkünfte der Freiberufler-Personengesellschaft gewerblich werden. Nach der vom BFH entwickelten sog. Bagatellregelung tritt eine Umqualifizierung der freiberuflichen Einkünfte in gewerbliche Einkünfte nicht ein, wenn die originär gewerblichen Nettoumsatzerlöse nicht mehr als 3% der Gesamtnettoumsätze und nicht mehr als € 24.500 pro Jahr betragen.

 

Beispiel:

Betragen die Jahreseinnahmen eines Architekturbüros € 1.000.000, der Gewinn € 200.000 und die gewerblichen Einkünfte € 30.000, so ist der gesamte Gewinn gewerbesteuerpflichtig.

Keine Gewebesteuerpflicht bestünde, wenn die gewerblichen Einkünfte nur € 20.000 betragen hätten.

  • Achtung: Bei gewerblichen Beteiligungen der Personengesellschaft greift die Bagatellgrenze nicht! Bei der Anwendung der „Abfärberegelung“ ist das Finanzamt streng, wie der nachfolgende Sachverhalt verdeutlicht:

 

Fall:

Eine Freiberufler-KG erzielte Einkünfte von knapp € 500.000. Ein Mitunternehmer übertrug der KG eine 2,5%-ige Beteiligung an einem Flugzeugfonds, aus dem die KG gewerbliche Einkünfte von nur knapp € 450 erzielte. Das FG Baden-Württemberg schloss sich überraschend deutlich dem Finanzamt an: Wegen der erzielten knapp € 450 gewerblicher Einkünfte seien auch die restlichen € 500.000 der KG gewerblich; die Bagatellgrenze greife bei gewerblichen Einkünfte nicht.

Hier ist allerdings das letzte Wort noch nicht gesprochen, da beim BFH ein Revisionsverfahren anhängig ist. In vergleichbaren Fällen sollten Sie daher Einspruch einlegen und um Ruhen des Verfahrens bitten.

Falle 4: Einsatz von Subunternehmern

In einer aktuellen Betriebsprüfung vertritt der Prüfer die Auffassung, dass die Untervergabe von Architekten- und Ingenieurleistungen an ein anderes Büro zur Gewerblichkeit der beauftragenden Berufsausübungsgemeinschaft führe. Dies folgert der Prüfer aus dem Grundsatz, dass die leitende und eigenverantwortliche Tätigkeit der Berufsträger (Architekt bzw. Ingenieur) sich auf die Gesamttätigkeit ihrer Berufspraxis erstrecken muss. Das sei nicht mehr der Fall, wenn wesentliche Aufgaben fremdvergeben werden, also Subunternehmer beauftragt werden. Dadurch werde die Gesamttätigkeit der Gesellschaft infiziert, so dass insgesamt gewerbliche Einkünfte vorliegen.

Diese Auffassung des Prüfers ist von großer praktischer Bedeutung, da die Untervergabe von Teilen der Leistungen durch Architekten- und Ingenieurbüros gängige Praxis ist.

Im Fall einer solchen Untervergabe beraten wir Sie gerne, welche Maßnahmen und Dokumentationen erforderlich sind, damit die Arbeitsteilung auch bei einer Betriebsprüfung „hält“.

 

Falle 5: Mitwirkung an Planungswettbewerben

 In einem weiteren aktuellen Fall vertritt das Finanzamt die Auffassung, dass das Leistungsbild einer Wettbewerbsbetreuung auch zahlreiche organisatorische Aufgaben und Managementdienstleistungen umfasse. Für diese sei keine Qualifikation als Berufsträger erforderlich, deshalb führe ein solcher Auftrag zur Gewerblichkeit, wenn durch ihn die oben genannte Bagatellgrenze überschritten wird.

Wir halten diese Auffassung für falsch, da die Richtlinien für Planungswettbewerbe ausdrücklich die Berufsqualifikation des Architekten, Stadtplaners oder Ingenieurs fordern.

Auswirkungen einer Gewerblichkeit

 Gewerbesteuer

 Um Sie für die negativen Auswirkungen der Gewerblichkeit zu sensibilisieren, zur Verdeutlichung noch nachfolgende Beispiele:

Eine Personengesellschaft hat zwei Gesellschafter, der steuerliche Gewinn beträgt € 324.500,00, der Hebesatz der Gemeinde soll 490 betragen (München). Wie hoch ist die Gewerbesteuer?

 Lösung:

Die Höhe der Gewerbesteuer wird von den Gemeinden über den Hebesatz festgelegt und von diesen vereinnahmt. Der Besteuerung unterliegen praktisch alle Gewerbebetriebe, wobei je nach Rechtsform unterschiedliche Freibeträge gelten. Während der jährliche Freibetrag bei Einzelunternehmen und Personengesellschaften € 24.500 beträgt, gibt es für Kapitalgesellschaften keinen Freibetrag.

Der Hebesatz wird von den Gemeinden festgelegt und beträgt mindestens 200 %. Vor allem größere Städte haben meist einen Hebesatz von mindestens 400 %. München hat einen Hebesatz von 490.

Einzelunternehmer und Gesellschafter von Personengesellschaften bekommen seit 2008 bis zum 3,8-fachen des Gewerbesteuermessbetrags auf die Einkommensteuer angerechnet, d.h. für diese Gruppe stellt die Gewerbesteuer bei einem Hebesatz von bis zu 380 % keine zusätzliche Belastung dar.

Gewerbeertrag                                                               324.500,00 EUR

+ Hinzurechnungsbetrag                                             0,00 EUR

./. Kürzungsbetrag                                                         0,00 EUR

./. Freibetrag                                                       24.500,00 EUR

Verbleibender Gewerbeertrag                                300.000,00 EUR

Abgerundet auf volle Hundert EUR       300.000,00 EUR

*Gewerbesteuer-Messzahl                  3,50 %

= Steuermessbetrag                     10.500,00 EUR

*Hebesatz der Gemeinde                 490 %

= Gewerbesteuer                                          51.450,00 EUR

./. EKSt.-Ermäßigung gem. § 35 EStG:     39.900,00 EUR

= Effektive Gewerbesteuerbelastung  11.550,00 EUR

Noch teurer wird es bei disquotaler Vorabvergütungen der Gesellschafter, denn ab dem VZ 2001 ist die Gewerbesteuer nicht nur als Betriebsausgabe abziehbar; vielmehr kann sie auch auf die Einkommensteuer angerechnet werden. Bei Mitunternehmerschaften wird der Anteil des Mitunternehmers am Gewerbesteuermessbetrag nach Maßgabe des allgemeinen Gewinnverteilungsschlüssels einheitlich und gesondert festgestellt. Da Vorabgewinne und Sondervergütungen keine Berücksichtigung erfahren, führt dies deshalb häufig zu Anrechnungsüberhängen und/oder Überkompensationen. Der dem jeweiligen Gesellschafter zuzurechnende Gewinn entspricht in der Regel nicht dem ihm zuzurechnenden anteiligen Gewerbesteuermessbetrag.

 

Beispiel:

Die AB-Partnerschaft erzielt einen gewerblichen Gewinn von € 200.000. Gesellschafter A erhält einen Vorabgewinn i.H.v. € 50.000, der verbleibende Gewinn wird gemäß dem Gesellschaftsvertrag hälftig auf die Gesellschafter A und B verteilt.  Der Gewerbesteuer-Messbetrag wird je zu 50 % auf A und B aufgeteilt, obwohl auf A insgesamt € 125.000 entfallen, also 62,5 %. B hat also einen erheblichen steuerlichen Vorteil.

 

Lösung:

Die Gesellschafter können die Rechtsfolge der anteiligen Zurechnung des anteiligen Gewerbesteuer-Messbetrags nach dem allgemeinen Gewinnverteilungsschlüssel nicht abändern. Sie können aber einen internen Ausgleich vereinbaren. Hierzu beraten wir Sie gerne.

 

  1. Weitere Auswirkungen

 

Zusätzlich zur Gewerbesteuer drohen  weitere negative Folgen wie:

  • die Bilanzierungspflicht bei Überschreitung bestimmter Umsatz- oder Gewinngrenzen mit der Folge der vorzeitigen Versteuerung der Forderungen.
  • die Soll- statt der Istversteuerung bei der Umsatzsteuer mit der Folge, dass Sie die Umsatzsteuer auf Ihre Leistungen bereits bei Rechnungsstellung an das Finanzamt zahlen müssen, nicht erst bei Zahlungseingang.
  • Unabhängig von der Möglichkeit einer Anrechnung der Gewerbesteuer fallen Zinsen in nHöhe von 6 % p.a. auf die Steuernachforderungen an.

 

Zusammen mit der Gewebesteuerbelastung kann dies erhebliche Liquiditätsprobleme zur Folge haben.

Sie sehen, das Thema Gewerblichkeit rückt immer mehr in den Fokus des Finanzamts bei der Prüfung freiberuflicher Berufsausübungsgemeinschaften. Gerne unterstützen wir Sie in einer Auseinandersetzung mit der Betriebsprüfung zu dieser Thematik und noch lieber präventiv zur Vermeidung derartiger Steuerrisiken (RA Markus Zenetti, FASP Finck Sigl & Partner Rechtsanwälte Steuerberater mbB, www.fasp.de)

 

Architektur „in June“

Architektur „in June“

von Özlem Özdemir

Die junge Architektin Merle Zadeh hat nicht lange gefackelt. Nach kurzem Intermezzo bei Arbeitgebern in Hamburg und Frankfurt hat sie sich mit „june architects“ selbständig gemacht. TALIS-Autorin Özlem Özdemir sprach mit ihr über ihren Werdegang und ihre Erfahrungen mit Geschäftshasen älteren Kalibers.


Merle Zadeh, Architektin

Foto: © Romy Geßner

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Wohnungsumbau in Hamburg.

Entwurf und Abbildung: Merle Zadeh


Modellstudie von Merle Zadeh.

Foto: Merle Zadeh

Frau Zadeh, was steckt hinter dem Büronamen „june architects“?

Merle Zahdeh: Ich wollte von Anfang an ein zu Hause für ein Netzwerk schaffen, wo mehrere Namen unter einem Dach tätig sein können. Mein eigener Name sollte nicht im Vordergrund stehen. Ich mag den Klang und für mich steht der Monat Juni für eine Zeit, in der das Neue erblüht. Ich finde es aber auch nicht schlimm, wenn jeder seine eigenen Assoziationen dazu hat.

Vor dem Architekturstudium haben Sie ein Jahr lang Kulturwirtschaft studiert. Was macht man da eigentlich?

Merle Zahdeh: Es gab die unterschiedlichsten Fächer wie Geschichte und Soziologie, mehrere Sprachen, BWL, VWL, Controlling … Es hat Spaß gemacht, aber mein Herzblut war nicht darin. Archi­tektur und das Gestalten an sich, das hat mich schon immer interessiert, aber auch Menschen. Es ist vielleicht kein Zufall, dass in Passau mein Lieblingsfach Soziologie war. Diese Schnitt­stelle ist es auch, die mich heute noch am meisten interessiert. Also die Frage, wie wir unsere Umwelt gestalten und zwar sowohl in ästhetischer als auch in gesellschaftlicher Hinsicht.

Ist von Ihren damaligen wirtschaftlichen Fächern etwas hängen geblieben für die spätere Praxis?

Merle Zahdeh: Das, was ich jetzt weiß über Unternehmensführung, habe ich mir alles in den letzten anderthalb Jahren selbst beigebracht. Im Studium war das zu abstrakt und sehr allgemein. Nur an eine Sache im Fach Controlling erinnere ich mich noch gut. Da gab es neben den Konten für Geldeingänge und Ausgänge noch ein Konto für „Unvorhergesehene betriebliche Ausgaben“ … das habe ich mir gemerkt. Und das ist auch das, was ich tue, Geld zurücklegen für Unvorhergesehenes, was natürlich immer passieren kann.

Nach dem Studium hatten Sie nicht viele Bürostationen …

Merle Zahdeh: Nein, das ist richtig. Ich habe während des Studiums in Berlin ein Praktikum gemacht, bei Kersten Kopp Architekten und in Paris bei Dominique Perrault und ansonsten viel als Tutorin gearbeitet. Danach war ich zwei Jahre bei Turkali Architekten in Frankfurt und dann in Hamburg bei einem Projektentwickler.

Zu Ihrer Zeit als Angestellte berichten Sie in einem Interview über eine Versammlung, bei der einer der männlichen Teilnehmer Ihnen einen Mantel in die Hand gedrückt hat. Das ist eine vielsagende Geste …

Merle Zahdeh: Ich glaube, dass keine böse Absicht dahintersteckte, aber es zeigt einfach, was für eine Vorstellung manche älteren Geschäftshasen von jungen Architektinnen, und vielleicht auch Architekten, haben. Es geht dabei viel um Erwartungshaltungen, also darum was man denkt, wie jemand in diesem Beruf aussehen müsste. Ich habe oft erlebt, dass ich erst mal unterschätzt wurde und dass man dann im Gespräch total erstaunt war …

Darüber, dass Sie auch was zu sagen hatten …

Merle Zahdeh: Genau! Also das ist, glaube ich, ziemlich verbreitet.

Speziell gegenüber den Damen?

Merle Zahdeh: Ja … ich habe zwar nie erlebt, dass das jemand so offen gesagt hätte, aber ich glaube, da geht es tatsächlich um tiefsitzende Bilder. Das ändert sich erst dann, wenn es mehr Bilder gibt, die die alten ersetzen können. Ich kenne Leute, die Frauen nur im Backoffice oder am Empfang haben – da muss man erstmal diese alten Vorstellungen aufbrechen.

Wie haben Sie Ihren Übergang in die Selbstständigkeit erlebt?

Merle Zahdeh: Ich bin mitten hineingesprungen. Ich hatte das schon lange im Hinterkopf, ganz vage. Das war auch ein Grund dafür, dass ich in Hamburg in einem Büro für Projektentwicklung gearbeitet habe. Weil ich gerne sehen wollte, wie die auf der anderen Seite „ticken“, also auf der Bauherrenseite. Dort wurden Konzepte entworfen, die Finanzierung organisiert, Wettbewerbe ausgeschrieben und die Gewinnerentwürfe auch umgesetzt. In der Bauherrenvertretung habe ich gelernt, worauf man da so achtet. Aber als ich mich dann selbstständig gemacht habe, da war alles „drauflos und kopfüber“ und ganz ohne Strategie. Ich war aber auch nicht völlig blauäugig, sondern hatte etwas gespart die Jahre davor und wusste, es ist nicht schlimm, wenn das erste Projekt nicht sofort da ist. Dass ich mich selbstständig gemacht habe, lag aber auch an meiner Umgebung, ich habe damals schon im Hamburger Betahaus gearbeitet.

Noch während der Projektentwicklungssache?

Merle Zahdeh: Genau. Da habe ich reduziert gearbeitet. Nebenbei habe ich daheim angefangen zu promovieren, aber als mir dort irgendwann die Decke auf den Kopf gefallen ist, habe ich mich umgeguckt nach Orten, wo ich mit anderen Leuten zusammen in einem Raum arbeiten kann. So bin ich zum Betahaus gekommen und da liegt natürlich Gründergeist in der Luft. Da arbeiten Grafiker, Designer, Programmierer, Übersetzer und Journalisten, Start-Ups werden gegründet usw. Ein Ort also voller Energie, wo total viel passiert. Das hat mich inspiriert. Ich habe mir gesagt, ok, ich probiere das jetzt auch einfach mal!

Waren Sie ganz allein, als Sie Januar 2015 Ihr Büro im Betahaus gegründet haben?

Merle Zahdeh: Genau. Ich habe das Büro gegründet, und dann ergab es sich, dass ich relativ schnell ein Projekt hatte.

Wie kam das?

Merle Zahdeh: Ja, da zeigt es sich, dass es sich manchmal lohnt, einfach Dinge zu tun … meine Selbstständigkeit blieb nämlich nicht unentdeckt – eine Bekannte hatte über einen Bekannten davon gehört. Sie hatte ehrenamtlich ein Projekt angestoßen, bei dem es um Unterkünfte für Flüchtlinge ging, und da sie in einem Vollzeitjob war, konnte sie das nicht weitermachen.  Also hat sie jemanden gesucht, der das weiterführen kann. Ich fand das ganz toll und sie hat mir dann vorgeschlagen, dass ich mich bei der Stadt vorstelle. Das habe ich getan und so wurde ich damit beauftragt. Im Betahaus habe ich dann etwa ein Jahr später meine Kollegin, Stephanie Monteiro Kisslinger, kennengelernt.

Dieses Projekt nennt sich ja „New Shores – Wohnhaus für Geflüchtete“ und wurde ausgestellt bei der Architektur-Biennale in Venedig. Erzählen Sie uns etwas mehr dazu?

Merle Zahdeh: Die Stadt brauchte Platz für geflüchtete Menschen und hatte zunächst überlegt, auf einem Grundstück, das sie sich ausgesucht hatten, Container hinzustellen. Doch im Rathaus gab es Leute, die meinten, lasst uns doch überlegen ob wir nicht vielleicht etwas Permanentes machen, weil das nachhaltiger ist und am Ende gar nicht mehr kostet, sondern vielleicht sogar weniger – die Mieten für diese Container sind nämlich sehr hoch. Am Ende wurde entschieden, dass doch ein dauerhaft städtischer Wohnraum entstehen soll, der auch umgenutzt werden kann für Studenten.  Und da wurde ich dazu angeregt – von dieser Bekannten meines Bekannten – mich mit meinen Referenzen und Ideen bei der Stadt vorzustellen.

Es gab da also keine Ausschreibung. Jemand kam zu Ihnen und hat vorgeschlagen, schlagen Sie doch mal was vor …

Merle Zahdeh: Richtig und weil das Projekt noch unter einem bestimmten Volumen lag, gab es keine Ausschreibungen. Nur so konnte ich direkt damit beauftragt werden.

Hätten Sie diese Person, die an Sie herangetreten ist, nicht gekannt wäre es also dazu nie gekommen?

Merle Zahdeh: Genau das meinte ich vorhin. Es kommt manchmal darauf an, einfach anzufangen mit etwas und von sich zu erzählen. Man muss irgendwie schaffen, sichtbar zu werden mit dem was man tut. Erst dann besteht die Möglichkeit, dass jemand das mitkriegt und einen anspricht. Glück gehört aber natürlich auch dazu.

Was ist Ihnen wichtig an „New Shores“?

Merle Zahdeh: Das Projekt ist ein städtischer Wohnungsbau in Holzmodulbauweise. Das Besondere an dem Projekt ist, dass es ein ganz reguläres Wohnhaus ist. Meistens denken die Leute, dass ich Übergangswohnheime planen würde, was nicht der Fall ist. Ich plane da einen Wohnraum für Menschen. Ich glaube, es gibt ganz universelle Bedürfnisse, was Wohnen und Leben angeht, und dass man darauf eingehen muss und das haben wir gemacht. Das sollte eigentlich selbst­verständlich sein, aber es ist tatsächlich das, was es unterscheidet von anderen Projekten, die mehr wie „irgendwelche“ Unterbringungsmöglichkeiten konzipiert sind.

Die Fertigstellung soll im Dezember 2016 sein?

Merle Zahdeh: Ja. Die Ausführungsplanung ist fertig und die Vergabe ist erfolgt. Jetzt beginnt das Bau­unternehmen, das Gebäude vor Ort zu errichten. Spannend an dieser Holzmodulbauweise ist ja, dass relativ viel im Werk vorgefertigt wird. Ganze Wandmodule werden dort erstellt und möglichst viel vormontiert. Dann werden die als Platten auf die Baustelle gefahren und – natürlich nachdem die Gründung erfolgt ist usw. – wird alles nur noch draufgesetzt und montiert. Die Bauphase vor Ort ist sehr kurz und das war das, was auch die Stadt gern wollte.

Haben Sie die Ausführungsplanung zu zweit gemacht?

Merle Zahdeh: Ich habe noch einen freien Mitarbeiter auf Honorarbasis dazu geholt. So haben wir das zu dritt fertiggemacht. Das war super knapp, weil es gab zwischendurch ein Bürgerbegehren gegen die Bebauung.

Wegen der Flüchtlingsthematik?

Merle Zahdeh: Ja… auch wenn es nicht so formuliert wurde. Stattdessen hieß es „für den Erhalt der Grün­fläche“. Und das, obwohl es sich bei dem Standort um keine öffentlich genutzte Grünfläche handelt. Dort stehen ein paar Bäume, und die bleiben ja in unserem Entwurf mit Innenhof erhalten.

Abschließend die Frage: Was ist Ihr Tipp, um an Projekte zu kommen?

Merle Zahdeh: Natürlich stimmt es, dass man über eine Website viele Leute erreicht und die wird jetzt gerade bei mir aufgebaut … aber was mir viel wichtiger ist – ich spreche gerne direkt mit den Leuten. Ich telefoniere auch viel lieber, als dass ich Emails schreibe. Ich glaube einfach ganz stark an persönliche Begegnungen.

 

Wozu Architekten und Bauingenieure eine Webseite brauchen

Wozu Architekten und Bauingenieure eine Webseite brauchen

von Eric Sturm

Von der Planung bis zur Bauleitung, vom Vertrieb bis zum Architekturbüro: Es gibt momentan so viele Einstiegsmöglichkeiten für junge Architekten und Bauingenieure, dass man leicht den Überblick verliert. Bevor Sie sich im Dickicht der Möglichkeiten verlieren, fragen Sie erst einmal: Wohin soll es eigentlich gehen?

Eine eigene Website hilft beim Start in den Beruf, egal ob bei der Jobsuche oder bei den ersten Schritten in die Selbständigkeit. Auch Facebook & Co. lassen sich karrierefördernd einsetzen. Doch viele scheuen den Aufwand mit einer eigenen Homepage. Unser Autor hat sich auf Internet für Architekten und andere Bauschaffende spezialisiert und macht Netzneulingen Mut, sich das Projekt Webseite lieber früher als später anzugehen.

Stellenangebote gibt es viele, ebenso steht der Schritt in die Selbständigkeit – zumindest theoretisch – jedem offen. Aber: Die meisten guten Jobs und Aufträge werden an Leute vergeben werden, die man kennt. Wer sich als Absolvent erstmalig auf dem Arbeitsmarkt umschaut, hat dabei gegenüber den „alten Hasen“ im Geschäft – also langjährig tätigen Architekten und Ingenieuren – einen entscheidenden Nachteil: Als Berufsanfänger hat man meist kein Netzwerk, kennt also wenige Leute in der Branche und ist mehr oder weniger ein „unbeschriebenes Blatt“. Doch mit der richtigen Marketing-Strategie in eigener Sache lässt sich das ändern. Und das Internet ist dabei eine große Hilfe.

Dreh- und Angelpunkt der Selbstdarstellung im Netz

In den zurückliegenden Jahren an der Hochschule haben Sie sich wertvolles Wissen angeeignet, in Projekten und Praktika bewiesen, dass sie es anwenden können und kreativ sind. Doch ein Diplom-Zeugnis spricht nicht für sich. Sie müssen potentiellen Arbeitgebern oder Auftraggebern zeigen, was sie können. Das geht optimal mit einer eigenen Website. Sie ist der Dreh- und Angelpunkt der Selbstdarstellung im Netz.

Am Rande bemerkt: „Selbstdarstellung“ klingt für manche zwar nach Angeberei, doch darum geht es nicht. Selbstdarstellung bedeutet, das eigene Profil (Wer bin ich? Was kann ich?) und die eigenen Projekte zu präsentieren, sowie sachlich und informierend über die eigene Arbeit zu berichten. Für alle Kreativen – vom Schmuckdesigner bis zum Werbefilmproduzenten, und natürlich auch für Planer – gehört diese Art der Öffentlichkeitsarbeit in eigener Sache zur professionellen Ausübung ihres Berufs.

 

Bei der Selbstdarstellung im Netz übernimmt Ihre Website drei wichtige Aufgaben:

  • Die Person vorstellen: Die Besucher, z. B. potentielle Arbeitgeber, sehen auf der Website eines Architektur-Absolventen die wichtigsten Projekte aus Studium, die Computer-Kenntnisse und die bisherigen beruflichen Stationen.
  • Über Aktuelles berichten: Da sich moderne Website-Systeme auch ohne Programmierkenntnisse leicht bedienen lassen (siehe unten), können Sie auf Ihrer Website ohne großen Aufwand regelmäßig von Ihren Projekten oder über Wissenswertes aus der Branche berichten. Damit geben Sie Aussenstehenden einen sehr glaubwürdigen Einblick in Ihre Arbeit, stellen Ihre Fachkompetenz unter Beweis und bringen sich ins Gespräch.
  • Kontaktmöglichkeiten bieten: Über die Website kann sie ein Arbeitgeber oder Interessent per Telefon, per E-Mail, Skype oder Soziale Medien bequem kontaktieren. Bei Selbständigen mit fester Büroadresse macht natürlich auch ein Lageplan einen guten Eindruck.

Wer bin ich?

...was kann ich?

Bevor Sie mit der Einrichtung der eigenen Website oder mit den (be­ruf­lichen) Seiten in den So­zi­a­len Netz­werken beginnen, sollten Sie sich ein paar grundlegende Gedanken machen, wie Sie sich präsentieren möchten und wen Sie ansprechen. Nehmen Sie einfach Papier und Stift und schreiben Sie die Antworten auf diese Fragen auf, die z. B. so lauten könnten:

 

  • Was kann ich besonders gut? Wo liegen meine Stärken?
  • Wie kann ich das am besten zeigen
  • In welchem Umfeld / für wen möchte ich arbeiten?

Aus diesen Grundüberlegungen kön­nen Sie wichtige Prinzipien für Ihre Selbstdarstellung im Netz ableiten. Hier drei Beispiele dazu:

 

  • Wer im Ausland Fuß fassen möchte, sollte z. B. seine Website mindestens auf Deutsch und auf Englisch anbieten, in den Sozialen Netzwerken eher englisch kom­munizieren und statt auf dem deutsch­spra­chigen Business-Netzwerk XING lieber ein Profil auf der internationaler aus­ge­rich­teten Platt­form LinkedIn ein­rich­ten usw.
  • Wenn Sie sich für Denkmalschutz und Sanierung interessieren, ü­ber­zeu­gen Sie potentielle Ar­beit­geber am ehesten mit konkreten Arbeitsproben aus diesem Bereich, aber auch mit Fotos oder Hand­zeich­nungen z. B. von historischen Gebäuden, wenn sie auf der Website gut präsentiert sind.
  • Möchten Sie im Bereich 3D-­Vi­sualisierung tätig werden, sollte Ihre Website entsprechende Arbeitsproben und natürlich In­for­ma­tionen über Ihre konkreten Software-Kenntnisse bereithalten. Auch ein eigenes Blog, in dem Sie über aktuelle Vi­su­a­li­sie­rungs­trends berichten, würde Ihr Profil als 3D-Spezialist stärken.

Vorteile einer Webseite

Plattform für Job-Bewerber und Selbständige

Die Website als Basis für Bewerbungen ermöglicht Ihnen, alle relevanten Informationen, die ein potentieller Arbeitgeber über Sie benötigt, zentral bereitzustellen. Die Bewerbungs-Homepage umfasst also einen Lebenslauf mit Überblick über Ihre Fähigkeiten (Computer, CAD, Sprachen …), ausgewählte Projekte aus dem Studium oder früheren Büro-Jobs.

Natürlich ist eine Website auch eine wichtige Unterstützung beim Schritt in die Selbständigkeit. Wenn Sie vorhaben, sich Auftraggebern als externer Dienstleister anzubieten, ist es besonders wichtig, mit der Website Vertrauen zu schaffen und einen seriösen Eindruck zu hinterlassen. Ein professionelles, sachliches Design, aussagekräftige Texte und hochwertige Arbeitsproben sind hier besonders wichtig. Ideal ist, wenn Sie schon das ein oder anderen Kundenprojekt realisiert haben und sie die Zufriedenheit Ihrer bisherigen Aufttraggeber in Form von „Kundenstimmen“ auf der Website abbilden können.

 

Weniger ist mehr!

Egal, für welchen Zweck Sie Ihre Website einsetzen: Versuchen Sie, nur die wirklich wichtigen Informationen bereitzustellen und nur die besten Projekte zu zeigen. Ein Besucher Ihrer Website schaut sich davor und danach meist noch viele andere Internetseiten an und verbringt maximal ein paar Minuten auf Ihren Seiten. Es reicht also beispielsweise vollkommen aus, wenn der Lebenslauf mit dem Abitur beginnt und wenn drei oder vier Projekte aus dem Studium Ihre Fähigkeiten illustrieren.

Ihre Projektfotos sprechen nicht für sich!

Im Netz ist es wichtig, Informationen knapp und präzise zu vermitteln. In der kurzen Zeit, die ein Besucher Ihren Inhalten widmet, dürfen keine Missverständnisse auftreten. Versuchen Sie daher, Ihre Projekte, Arbeitsproben etc. immer „idiotensicher“ zu präsentieren. So muss z. B. bei einem Semesterprojekt aus dem Studium sofort ersichtlich sein, a) worum es ging (Thema, Aufgabe, Ort), b) dass Sie es im Studium gemacht haben, b) in welchem Fach, c) bei welchem Professor. Dadurch wird Ihre Website übrigens auch bei Suchmaschinen „beliebter“, denn je mehr relevante Begriffe auf einer Seite auftauchen, desto häufiger wird sie bei passenden Suchanfragen aufgelistet.

Videos, Broschüren und Präsentationen

Neben Bildern und Texten kann eine Website heutzutage natürlich auch andere Medien beherbergen. Ein paar Beispiele: Videos können zu Youtube oder Vimeo hochgeladen und von dort aus – mit Hilfe des sogenannten „Embed Codes“ direkt in die Website eingebettet werden. Nach dem gleichen Prinzip kann man auch Powerpoint-Präsentationen (via SlideShare), Broschüren (mit Issuu) oder Pläne (über Scribd) in die eigenen Internetseiten integrieren.

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PlasticsEurope

Kunststoff – Wegweisender Werkstoff

www.plasticseurope.org

 

Eigene Website: Aufwand und Kosten

Wer schnell und kostengünstig eine einfache Website ins Netz stellen möchte, braucht heute eigentlich keine HTML-Kenntnisse mehr und muss auch nicht für ein paar Tausend Euro einen Webdesigner engagieren. Mit einem Website-Baukasten können sich Berufsanfänger oder Existenzgründer ohne Programmierkenntnisse eine ansehnliche Bewerbungs-Website oder ein Online-Portfolio „im Eigenbau“ zusammenbauen.

Die Basisversionen der genannten Systeme sind gratis nutzbar. Einziger Nachteil: Man hat keine normale Webadresse, die Seiten sind dann unter einer sog. „Subdomain“ erreichbar, z. B. sebastianmarkdorf.jimdo.com – das geht zwar Anfang (und ist zum Testen wunderbar geeignet!), wirkt aber auf Dauer unprofessionell. Daher sollten Sie, wenn Sie sich für ein System entschieden haben, die „Premium“- oder „Business“-Variante buchen, dann können Sie Ihre Website unter einer eigenen Domain nutzen (Kosten: ca. 50-60 EUR/Jahr).

Social Media: Netzwerken leicht gemacht

Wie oben beschrieben, sollte Ihre Website im Mittelpunkt aller Online-Aktivitäten stehen, egal ob sie eine Festanstellung in einem Architekturbüro suchen, als Freelancer von Büro zu Büro wechseln oder die eigene Selbständigkeit anpeilen.

Daneben, quasi als „Satelliten“ zur eigenen Website, kann es für die Karriere äußerst hilfreich sein, auch die Sozialen Medien zu nutzen – beruflich, versteht sich. Was heisst das konkret?

Ein Muss für Berufseinsteiger sind die Business-Netzwerke XING und LinkedIn. Wenigstens in einem der beiden sollten Sie sich ein kostenloses Profil anlegen, relevante Inhalte (Was kann ich, was suche ich, was habe ich bisher gemacht usw.) einpflegen und Kontakte aus dem „echten Leben“ auch auf der Plattform abbilden. Dabei eignet sich XING eher für das Netzwerken im deutschsprachigen Raum, wer internationaler unterwegs ist, sollte LinkedIn nutzen.
Über beide Plattformen können Sie ohne viel Aufwand mit ehemaligen Kommilitonen, Kollegen oder Arbeits- bzw. Auftraggebern in Kontakt bleiben und erhöhen die Chance, beruflich interessanten Leuten früher oder später wieder „über den Weg zu laufen“ beträchtlich.

Wenn Sie beim Branchenriesen Facebook ein Personenprofil haben, sollten Sie zunächst überlegen, ob dies die eigene Person in beruflicher Hinsicht vorteilhaft präsentiert. Im Klartext: Was sieht ein potentieller Arbeitgeber hier von Ihnen? Unpassende Fotos etc. sollten Sie also entweder rechtzeitig löschen oder sich ein zweites Personenprofil für die rein berufliche Nutzung anlegen. Für Existenzgründer bietet sich darüber hinaus an, eine sogenannte „Fan Page“ anzulegen, also eine Facebook-Unternehmensseite für das eigene (wenn auch kleine) Büro.

Neben Facebook können Sie natürlich andere Social Networks für die berufliche Selbstdarstellung nutzen: Twitter wird viel von (Fach-)Journalisten genutzt und eignet sich bestens für die Öffentlichkeitsarbeit in eigener Sache, via Instagram oder Pinterest kann man sich mit Architekturfotos, 3D-Visualisierungen etc. hervorragend in Szene setzen. Wichtig: Wenn Sie sich für ein Netzwerk entscheiden, nutzen Sie es regelmäßig und veröffentlichen Sie dort Inhalte, die zu ihrem beruflichen Profil passen.

Welche Arten von Website-Baukästen gibt es?

 

  • Online-Portfolios und Web-­Vi­si­ten­kar­ten richten sich vor allem an Freelancer oder Be­rufs­an­fänger auf Jobsuche: mit ihnen kann bequem man das ei­ge­ne Port­folio im Netz, also eine Art digitale Bewerbungsmappe herstellen.
    Anbieter-Tipps:
    Dunked.com, Squarespace.com
  • Die klassischen Web­site-Bau­käs­ten wie Jimdo (Tipp!) oder MyWebsite von 1&1 eignen sich für klassische Büro-Websites (z.B. von Existenzgründern) am besten.
  • Wer häufig eigene, aktuelle Bei­träge (Blog Posts) veröffentlicht, sollte sich Blog­sys­teme wie WordPress.com oder Tumblr genauer ansehen.

Große Architektur im Kleinen

Selbständig – direkt nach dem Studium? Viele denken, das ginge nicht. Die junge Berliner Architektin Katharina Löser überzeugt vom Gegenteil. Özlem Özdemir hat mir ihr gesprochen – über Projekte, Wettbewerbe und die ganz normalen Alltagssorgen junger Planer.

Frau Löser, im Oktober 2013 wurde Ihnen vom Bund Deutscher Architekten BDA Berlin der Hans-Schaefers-Preis an junge Architekten für vorbildliche planerische Leistungen verliehen. Ausgezeichnet wurde Ihr realisiertes Projekt Duett in Warnemünde. Warum haben Sie dieses Projekt eingereicht?

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Duett in Warnemünde.
Foto: Stefan Müller

Das „Duett” in Warnemünde war eines der ersten Projekte direkt nach dem Studium, das ich planen konnte. Es war zu dem Zeitpunkt gerade fertig und das markanteste Projekt, an dem ich bisher gearbeitet hatte. Das Spannende daran ist: Zwei Häuser, ähnlich zweieiigen Zwillingen, bilden eine Symbiose innerhalb eines Warnemünder Straßenzuges. Durch eine schmale hohe Fuge erscheinen sie verbunden und getrennt zugleich. Der Grund dafür liegt in einem interessanten städtebaulichen Merkmal, der sogenannten „Tüsche”. Der Begriff kommt aus dem plattdeutschen Wort „tüschen” („zwischen”). In Warnemünde wird er verwendet, um die ortstypische schmale Fuge zwischen zwei Häusern zu beschreiben. Überlieferungen sprechen davon, dass eine Tüsche so breit sein musste, dass eine Kuh hindurch passte. (lacht) Diesen hohen schluchtartigen Raum haben wir inszeniert. Hier werden die beiden Baukörper über eingehängte Treppen und Podeste miteinander verwoben.

Sie haben sich schon im Jahr Ihres Diploms, also 2008, selbstständig gemacht – ein recht untypischer Weg.

Ja, ich habe damals in Berlin begonnen, an dem Entwurf für die Häuser in Warnemünde zu arbeiten. Das Projekt ist in Zusammenarbeit mit dem im Erzgebirge ansässigen Büro und der Baufirma meines Vaters entstanden. Ohne diese Zusammenarbeit wäre eine Umsetzung der ersten Projekte natürlich nicht möglich gewesen.

Und dann entstand 2011 „Löser Lott Architekten“.

Ich kenne meinen Partner Johannes Lott seit unserem gemeinsamen Studium in Dresden. Damals hat man schon immer davon geträumt, später einmal ein eigenes Büro zu haben. Herr Lott hat einige Jahre in dem Berliner Büro Müller Reimann Architekten gearbeitet und dort viele Erfahrungen im Umgang mit Wettbewerben gesammelt. Im Sommer 2011 bei einem Bier haben wir dann unser gemeinsames Büro Löser Lott Architekten in Berlin gegründet. Seitdem entwickeln wir unsere Projekte im Dialog und versuchen auch verstärkt an Wettbewerben teilzunehmen.

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Katharina Löser und Johannes Lott.
Foto: Löser Lott Architekten

Ihr Vater ist aber immer noch mit dabei, oder?

Viele unserer gebauten Projekte entstehen in enger Zusammenarbeit mit der Baufirma meines Vaters. Auf diese Weise haben wir die Möglichkeit, starke architektonische Ideen in die Realität umzusetzen. Im Studium entwickelt man abstrakte „radikale“ Ideen für fiktive Aufgaben. In der Realität muss man diese mit Bauherrenwünschen, Budget und technischer Machbarkeit in Einklang bringen. Architektur zu denken und zu bauen ist ein komplexer Prozess. In unserer Zusammenarbeit verbinden sich „junge“ Ideen mit einem langjährigen praktischen Erfahrungsschatz.

Waldhaus. Foto: Löser Lott Architekten

Waldhaus.
Foto: Löser Lott Architekten

Gibt es in Berlin für junge Architekten, die sich selbstständig machen wollen, nicht viel zu viel Konkurrenz?

Die Konkurrenz ist recht groß, und wir würden uns natürlich freuen weitere Projekte in Berlin zu realisieren. Aber zum Glück sind unsere Auftraggeber deutschlandweit verstreut. Wir bauen viel im sächsischen Raum, ein Projekt in der Schweiz und zwei Projekte oben an der Ostsee. Direkt in Berlin haben wir bisher eine Doppelhaushälfte aus dem Jahr 1926 denkmalgerecht saniert. In der gleichen Siedlung am Grunewald planen wir aktuell eine kleine Hauserweiterung.

Wie sind Sie zu dem Projekt „Duett in Warnemünde“ überhaupt gekommen?

Viele unserer bisherigen Aufträge entspringen unserem Freundes-, Familien- und Bekanntenkreis. Beim „Duett“ handelt es sich um ein selbstentwickeltes Projekt. Wir waren auf Besuch bei einem befreundeten Architekten in Warnemünde und haben diese letzte klaffende Lücke in der Friedrich-Franz-Straße entdeckt. (lacht) Das Grundstück lag schon einige Jahrzehnte brach und wurde als „Blechwiese“, also als Parkplatz, genutzt. Was als „Spinnerei” begann, wurde zu einem Projekt. Meine Familie konnte das Grundstück erwerben und ich hatte einen Auftrag.

Im Profil: Katharina Löser

Katharina Löser wollte ursprünglich Kunst studieren, da sie aber aus einer Familie kommt, die viel mit Bauen zu tun hat, begann sie 2001 ein Ar­chi­tek­tur­stu­dium an der TU in Dresden.

Während ihres Studiums in Dresden lernte sie Johannes Lott kennen, mit dem sie 2011 das Büro Löser Lott Architekten in Berlin gründete. Nach einer Zwischenstation in Barcelona und einem Praktikum bei Wiel Arets in Maas­tricht hat sie ihr Diplom an der UDK in Berlin abgelegt. Schon wäh­rend des Studiums plante sie zwei re­a­li­sierte Projekte – ein kleines Büro­gebäude und ein Wohnhausumbau.

www.loeserlott.de

Beim Hans-Schaefers-Preis beschäftigen sich die meisten eingereichten Projekte mit dem Wohnungsbau und dem Bauen im Bestand. Gibt es keine anderen Bereiche für junge Architekten?

Ich glaube, dass Wohnungsbauten, Sanierungen und Umbauten bis zu einer gewissen Größe, aber auch Projekte aus dem Bereich des Innenausbaus häufig von privaten Auftraggebern kommen. Vermutlich bekommen so einige junge Architekten ihren ersten Auftrag von einem privaten Bauherrn aus dem Familien-, Freundes- oder Bekanntenkreis. Klassische Beispiele sind die Planung des Eigenheims der Schwester oder die Sanierung einer Altbauwohnung für einen Freund. Bei größeren Wohnungsbauprojekten oder bei öffentlichen Gebäuden, wie Schulen, Museen, Bürogebäuden handelt es sich meist um öffentliche Auftraggeber oder Investorenprojekte, die über Wettbewerbe vergeben werden. Es gibt es relativ wenige offene Wettbewerbsverfahren, hier aber ist die Teilnehmerzahl entsprechend hoch und die Konkurrenz extrem groß. Viele Wettbewerbe sind jedoch beschränkte Verfahren. Dabei werden erfahrene oder lokale Büros gesetzt und die restlichen Teilnehmer direkt oder über ein Losverfahren ausgewählt. Die Wettbewerbsteilnehmer stellen meist ein Portfolio mit gebauten Projekten, anderen Wettbewerbserfolgen oder erlangten Preisen zusammen. Die meisten jungen Büros können natürlich keine entsprechenden Referenzbauten nachweisen. Wer hat in dem Alter schon einen Campus oder ein Museum gebaut? (lacht) Leider werden bei diesen Auslobungen nur wenige junge Büros zugelassen oder zugelost. Es gibt Wettbewerbe, bei denen von zwanzig Teilnehmern nur ein einziges junges Büro teilnehmen darf. Es ist ein Glücksspiel, und es erschwert jungen und kleinen Büros, an öffentliche Aufträge zu kommen.

Reihenhäuser in Dresden. Foto: Löser Lott Architekten

Reihenhäuser in Dresden.
Foto: Löser Lott Architekten

Ganz zu Anfang arbeiten viele selbständige Architekten noch von zu Hause aus, aber zu dritt oder zu viert braucht man größere Räume. Wie klappt die Finanzierung?

Dank Internet und Notebook kann man tatsächlich von überall, auch von zu Hause aus arbeiten. In Berlin gibt es durch die zahlreichen Bürogemeinschaften und Coworking spaces (z.B. „coworking“ bei www.raumstation-berlin.net, Anm.d.A.) viele Möglichkeiten, für relativ wenig Geld einen guten Arbeitsplatz, einen Schreibtisch mit einem Regal, zu mieten. Viele Freiberufler, z.B. auch Grafiker und Designer, nutzen diese flexible Struktur, die es hier gibt. Je nach Größe, Ausstattung, vorhandenem Besprechungsraum und so weiter kostet ein guter Arbeitsplatz schätzungsweise um die 200 Euro monatlich. In unserem Fall war es so, dass ich irgendwann diese schön sanierte Remise im zweiten Hinterhof gefunden hatte. Auch wir teilen uns die Räumlichkeiten mit anderen Architekten und Grafikern, so entstehen Möglichkeiten der Zusammenarbeit und wir finanzieren die Räume gemeinsam.

Wie sieht die Arbeitsteilung bei Ihnen aus?

Im Prinzip macht bei uns jeder alles. Meist arbeiten wir an zwei drei Projekte parallel. Pro Projekt gibt es jeweils einen Projektverantwortlichen, der die Fäden zusammenhält. Grundlegende Entscheidungen, was die Entwürfe und allgemeine Bürofragen betrifft, werden zusammen getroffen. Wir sind viel am Probieren, wie wir eine kreative und gleichzeitig effektive Bürostruktur entwickeln können. Wir sind in einem permanenten Prozess. Gute Architektur zu entwickeln ist das eine, ein Büro am Laufen zu halten das andere. Dinge, mit denen man im Studium wenig Berührung hatte, wie Akquise, Wirtschaftlichkeit, Effektivität, Buchhaltung, Kommunikation nehmen viel Raum im Büroalltag ein, ohne dass man auch nur einen Strich gemacht hat. Für mich persönlich ist das eine der größten Herausforderungen, kreativ und gleichzeitig effektiv und wirtschaftlich zu sein.

Villa Küssnacht am Rigi. Foto: Löser Lott Architekten

Villa Küssnacht am Rigi. Foto: Löser Lott Architekten

Peter Zumthor sagte einmal: „Derzeit arbeiten rund 30 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an 15 Projekten parallel. Wir wollen das Büro aber nicht aufblasen, wir wollen kein Dienstleistungsbüro werden, denn wir könnten darin unsere hohen Qualitätsansprüche nicht mehr erfüllen.“ Was sagen Sie dazu?

Das kann ich sehr gut nachvollziehen. 15 Projekte und 30 Mitarbeiter sind für uns momentan eine andere Dimension. Im Vergleich zu Büros, die weit mehr als 100 Leute haben, ist dieses natürlich immer noch relativ klein. Für mich ist es auch so, dass ich eher in einer kleinen Bürostruktur arbeiten mag, wo eine gewisse Atelieratmosphäre erhalten bleibt. Ich träume perspektivisch nicht von einer riesigen Büromaschine, aber klar, hätte man ein größeres Projekt, würde man an der Aufgabe wachsen. Das Büro Studio Mumbai aus Indien finde ich faszinierend. Das gesamte Team, ob Zeichner, Modellbauer oder Handwerker, arbeitet in einem werkstattartigen Umfeld halb im Freien, umgeben von unzähligen Materialproben und Modellen. Jedes Detail scheint handgefertigt, bis zum Fenstergriff gefeilt und geschnitzt. In dieser Form ist das hier kaum möglich. Handwerk und „echte“ Materialien sind rar und teuer geworden. Die enge und direkte Zusammenarbeit mit den Handwerkern spielt bei Löser Lott eine wichtige Rolle. Beispielsweise haben wir mehrere Details beim „Duett“ wie Fensterläden und Balkongeländer gemeinsam mit den Handwerkern in Form von 1:1 Modellen in der Werkstatt entwickelt.

Woran arbeiten Sie zurzeit?

Ich persönlich bin momentan in Elternzeit und kümmere mich in erster Linie um meinen kleinen Sohn. Neben dem Haus in der Schweiz befindet sich ein Ferienhaus auf dem Fischland Darß an der Ostsee gerade kurz vor der Fertigstellung, ebenso ein Einfamilienhaus im Erzgebirge. Ein Reihenhaus in Dresden wird gerade gebaut. Aktuell arbeiten wir wieder an einem kleinen Projekt in Berlin und an Wettbewerben, wo das Losglück auf unserer Seite war.

Ein letztes Wort zu Ihrer gerade fertiggestellten Villa in Küssnacht am Rigi?

Das war genaugenommen ein Umbau für eine fünfköpfige Familie. Da wir das alte Haus jedoch so stark transformiert haben, ist es fast ein Neubau geworden. Diesen Auftrag haben wir beispielsweise über einen Kontakt unseres Tischlers, mit dem wir häufig zusammen arbeiten, bekommen. Er hat einen Bekannten, der in der Schweiz lebt und für den er auch einmal Möbel gebaut hatte. Dieser Bekannte suchte nun also einen Architekten und so waren wir im Gespräch. So entstehen Aufträge.

Frau Löser, ich wünsche Ihnen weiterhin ganz viel Glück und bedanke mich für dieses Interview!

Ich danke Ihnen.■

„Ich bin 24 Stunden am Tag die Firma“

Schon als Berufsanfängerin wusste Tatjana Sabljo, dass sie eines Tages in ihrem eigenen 
Architekturbüro arbeiten würde. Im Gespräch mit TALIS erzählt sie von ihren Erfahrungen und Ängsten als Selbständige und vom Gegner Zeit.

Hannover piu bar Tatjana Sabljo Architektin Kieferstein

Piu Bar in Hannover. Foto: Kieferstein +Sabljo

Der Weg zu Keferstein+Sabljo Architekten führt durch kaum befahrene Straßen mit den für Hannover so typischen rotgeklinkerten Häuserzeilen aus den 20er Jahren. In diesem Wohnviertel soll tatsächlich ein Architekturbüro sein? Erleichtert entdecken wir schließlich das Klingelschild an dem unauffälligen Mehrfamilienhaus in der Nachtigalstraße. Weniger erleichtert sind wir über seine Position, die auf ausgiebiges Treppensteigen hindeutet. Schnaufend erreichen wir den fünften Stock, wo uns Irina Keferstein erwartet: „Meine Kollegin ist noch bei einem Aufmaßtermin“, informiert sie uns freundlich und bietet Kaffee an. Nur Augenblicke später kommt Tatjana Sabljo nicht minder schnaufend durch die Tür, unter dem Arm ein Baguette und andere Picknickzutaten. Doch das Frühstück muss warten, wir wollen nämlich gleich wissen, wie es zur Gründung des Büros in dieser kleinen Maisonette-Wohnung gekommen ist. „Am Anfang saßen wir mit unseren Rechnern zu zweit an einem Tisch – ansonsten stand hier alles leer“, erinnert sich Tatjana Sabljo lachend. Ursprünglich sollte der Dachboden des Mehrfamilienhauses als Wohnraum ausgebaut werden, doch als sich die Architektin 2008 entschloss, den Traum von der Selbständigkeit zu verwirklichen, wurden die Räumlichkeiten kurzerhand zum Büro umfunktioniert – mit schicker Dachterrasse und Blick über die Dächer der Südstadt.

Selbständigkeit auf Raten

... ist die Selbständigkeit auch mit Spaß verbunden.  Foto: Nicole Puscz

… ist die Selbständigkeit auch mit Spaß verbunden.
Foto: Nicole Puscz

Tatjana-Sabljo-Architektin-Kieferstein

Für die Architektin Tatjana Sabljo…
Foto: Nicole Puscz

Schon als Tatjana Sabljo in den Architektenberuf startete, hatte sie im Hinterkopf die Vorstellung, sich eines Tages selbständig zu machen: „Irgendwann dachte ich mir, jetzt habe ich genug Erfahrung, jetzt könnte ich es eigentlich wagen“, erzählt sie. Zumal auch der Wunsch immer stärker wurde, eigene berufliche Vorstellungen zu verwirklichen. Doch als Angestellte war sie den Anweisungen des federführenden Architekten unterworfen: „Gerade in der Architektur werden viele Entscheidungen eher subjektiv getroffen, und dann wird unter Umständen genau der Vorschlag herausgepickt, den man selbst nicht so gerne verwirklichen möchte. Ich hatte dann das Gefühl, ich hätte den Bauherrn anders betreut, eben auf meine Art und Weise“, erklärt Tatjana Sabljo. Dieses Gefühl teilte sie mit der befreundeten Architektin Irina Keferstein. Eines Tages ergab sich dann für beide die Gelegenheit, den Traum vom eigenen Büro Realität werden zu lassen. Stein des Anstoßes war die Umgestaltung einer italienischen Trattoria und Espressobar. Zunächst überlegte Tatjana Sabljo, den Auftrag in das Büro ihres Arbeitgebers zu holen, doch dann wagte sie den Entschluss, das Projekt in Eigenregie zu realisieren. Dennoch vollzog sich der Schritt in die Selbständigkeit nicht von heute auf morgen: „Am Anfang arbeitete ich drei bis vier Tage im Büro und nahm mir einen Tag frei für unser eigenes Projekt.“ Doch dann nahm die Arbeit an der Trattoria immer mehr die Wochenenden in Beschlag, bis schließlich eine Entscheidung gefällt werden musste: „Wir dachten, wir versuchen es jetzt, und wenn’s nicht klappt, sind wir immer noch jung genug, um uns wieder einstellen zu lassen“, erzählt die Architektin.

Auslands- und Fernseherfahrungen

Dabei war die Karriere von Tatjana Sabljo bis zu diesem Zeitpunkt alles andere als lang-
weilig verlaufen. Nach dem Studium in Hannover und ersten Erfahrungen in ortsansässigen Büros ergab sich für die kroatischstämmige Architektin die Gelegenheit, an einem Projekt des renommierten Architektenbüros Njiric + arhitekti in Zagreb zu arbeiten: „Auf einer Veranstaltung in Deutschland habe ich Hrvoje Njiric angesprochen, einen der führenden Architekten Kroatiens, und ihn gefragt, ob ich eine Zeitlang bei ihm arbeiten könnte, um die Arbeitsweise dort kennen zu lernen. Ich kannte das Land bis zu diesem Zeitpunkt nur aus dem Urlaub“, gesteht Tatjana Sabljo. Vier Monate blieb sie in Zagreb, doch das eigentliche Projekt kam nicht zustande. Als Njiric sie nach ihrer Rückkehr einige Zeit später wieder nach Kroatien holen will, ist die Architektin bereits wieder angestellt. Ihre Kontakte in die Heimat ihrer Eltern pflegt sie bis heute. Doch die nächste spannende Episode lässt nicht lange auf sich warten: 2007 wird Tatjana Sabljo Moderatorin und kreativer Kopf der NDR-Einrichtungssendung „Alles neu! Die Einrichtungsprofis“: Gemeinsam mit Fernsehliebling Frank „Tüte“ Tuinmann darf die junge Architektin öffentliche Einrichtungen wie Kindergärten oder Jugendzentren verschönern. Dem Ausflug in die Welt des Fernsehens folgen schließlich weitere Festanstellungen bei verschiedenen Architekturbüros in Hannover.

Mit der Existenzangst leben

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Innenarchitektur à la K+S. Foto: Kieferstein+Sabljo

Den Schritt in die Selbständigkeit hat die Architektin bislang noch keinen Augenblick bereut, auch wenn er ihr Leben gründlich auf den Kopf gestellt hat: „Man gewöhnt sich daran, mit einer ganz bestimmten Art von Angst zu leben. Als Angestellter hat man nach acht Uhr auch im Kopf Feierabend, jetzt ist man 24 Stunden am Tag die Firma.“ Da Tatjana Sabljo für die Selbständigkeit ihre Festanstellung kündigte, konnte sie nur mit minimalen Fördermitteln rechnen. Hilfe erhielt sie vor allem aus der Familie, die ihr bis heute ein wichtiger Halt ist. Ihr Vater unterstützt sie tatkräftig beim schrittweisen Ausbau des Büros. Die Empore wartet zwar noch immer auf ihre Fertigstellung, doch gut Ding will Weile haben. „Als Allererstes haben wir beim Mediamarkt ein Multifunktionsgerät mit Scanner, Drucker und Fax besorgt, damit wir überhaupt arbeiten konnten. Nach und nach kamen dann Fachliteratur, Messgeräte und Mobiliar dazu“, erinnert sich die Architektin. „Später haben wir dann immer, wenn ein bisschen Geld übrig war, weitere Einrichtungen wie zum Beispiel den Server angeschafft.“

Netzwerken mit Gleichgesinnten

Für die beiden Frauen war der erste Auftrag eine glückliche Fügung, der ihnen den Sprung ins oftmals recht kalte Wasser des Selbständigendaseins deutlich erleichtert hat. Und auch die guten beruflichen Kontakte, die Irina Keferstein mit ins Büro brachte, waren ein wertvolles Startkapital. Günstige Ausgangsvoraussetzungen ändern jedoch nichts daran, dass die ersten Schritte ins Selbständigendasein generell schwierig sind. Oft fühlt man sich allein und weiß nicht, an wen man sich bei Fragen und Schwierigkeiten wenden kann. Aus diesem Grund hat Tatjana Sabljo gemeinsam mit der Architektenkammer Niedersachsen das Projekt „NewKammer“ ins Leben gerufen, wo sich Berufsanfänger in regelmäßigen Abständen mit Gleichgesinnten austauschen können und Ansprechpartner finden. Noch ist das Netzwerk erst im Aufbau, doch langfristig sind Vortragsreihen oder auch ein Mentorenprogramm geplant, bei dem Architekten im Ruhestand ihr Fachwissen und ihre Lebenserfahrung an junge Kollegen weitergeben. Nachfrage ist offensichtlich da: Der Andrang bei den ersten Treffen überraschte sowohl die Kammer als auch die Initiatorin. Mehr lesen über NewKammer…

Eine andere Motivation

Um sich als Architekt selbständig zu machen, muss eine besondere Liebe zum Beruf vorhanden sein, glaubt Tatjana Sabljo: „Man muss dazu bereit sein, auch mal keinen Feierabend zu machen, und auch sonst eine Menge von sich selbst abfordern. Viele haben mich am Anfang gefragt, wie ich mich motiviere, schon morgens ab sieben Uhr am Schreibtisch zu sitzen. Aber die Motivation ist einfach da, weil ich es will.“ Das Büro besitzt für die Architektin oberste Priorität, da muss auch mal das private Umfeld zurückstecken. „Zeit empfinde ich als größeren Gegner als früher“, gesteht Tatjana Sabljo, würde ihre Selbständigkeit aber dennoch nicht wieder gegen ein Angestelltenverhältnis eintauschen: Zu interessant und abwechslungs-
reich ist die Arbeit mit Kollegin Irina Keferstein, die ebenso wie Tatjana Sabljo Ansprechpartnerin für alles ist. Natürlich musste das Duo auch Rückschläge verkraften: „Als uns die erste Zusammenarbeit aufgekündigt wurde, das hat sich schon komisch angefühlt. Aber die Chemie mit dem Bauherrn stimmte einfach nicht. Und von einigen Projekten mussten wir uns auch aus Kapazitätsgründen verabschieden“, bedauert Sabljo. Doch aufgewogen werden diese Erfahrungen durch die Glücksmomente, wenn man vor der Realisierung des eigenen Entwurfs steht: „Als unser erstes eigenes Projekt fertiggestellt war, das war schon ein schönes Gefühl. Etwas, das vorher nur schwarze Striche auf dem Papier waren, steht plötzlich 1:1 vor einem. Das ist auch mit das Besondere an unserem Beruf.“ ■

Kontakt: www.k-s-architektur.com

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Tatjana Sabljo Architektin Kieferstein