Finanzierung: Fundament für die Selbständigkeit

von Ines Becker

Geld macht nicht glücklich, aber es verschafft eine Sorge weniger beim Einstieg ins eigene Kleinunternehmen. Für Investitionen, aber auch um die erste Durststrecke zu überbrücken, brauchen die meisten Existenzgründer ein kleines Startkapital. Das kann man sich beim Staat, aber auch in der Privatwirtschaft besorgen.

 

Wie viel Startkapital?

Ehe Sie sich auf die Suche nach einer Finanzierungsmöglichkeit für Ihr Vorhaben machen, müssen Sie Ihren Finanzbedarf klären. Denn egal ob Sie den Existenzgründungszuschuss oder das Einstiegsgeld beantragen, einen Verwandten anpumpen oder die Bank – jeder Geldgeber möchte natürlich wissen, welche Summen im Raum stehen und wofür Sie das Geld brauchen. Fragen Sie sich daher: Wie viel Geld brauche ich zum Leben? Benötigen Sie für Ihre Tätigkeit einen neuen PC, neue Software? Haben Sie den Platz und die Möglichkeit, ein Home-Office einzurichten, oder müssen Sie ein separates Büro anmieten? Diese Fragen sind zur Klärung Ihres Finanzierungsbedarfs elementar – wie viel Geld wird mindestens benötigt?

Ist die finanzielle Aufwendung geklärt, entscheidet sich meist schon hier, wer der richtige Ansprechpartner ist oder ob Sie sich auf die Suche nach mehreren Investoren begeben müssen. All diese Erkenntnisse fließen in Ihren Businessplan ein. Er ist notwendige Voraussetzung für die Beantragung fast aller Finanzierungen. Zudem hilft er ganz persönlich bei der Präsentation der eigenen Gründung und Argumentation des Finanzierungsbedarfs. Wichtiger Bestandteil des schriftlichen Geschäftskonzeptes ist die Ertragsvorschau für drei Jahre, die sogenannte Umsatz- und Rentabilitätsvorschau. Hier werden die prognostizierten Einnahmen den laufenden Betriebskosten (Kfz, Miete, Bürobedarf etc.) gegenübergestellt. Als Faustregel wird meist angegeben, dass im dritten Geschäftsjahr zwischen 15.000 und 20.000 Euro als Reingewinn (Einnahmen minus Betriebskosten) erwirtschaftet werden sollten, damit die Gründung perspektivisch tragfähig erscheint. Liegen Sie mit Ihren Prognosen weit darunter, sollten Sie sich genau überlegen, ob alle Ihre Ausgaben wirklich notwendig sind. Alternativ überdenken Sie, welche Leistungen Sie noch anbieten können, und erweitern Ihr Portfolio.

Zuschüsse: Geld ohne Risiko

Geld, das man nicht zurückzahlen muss, sollte bei Ihren Finanzierungsüberlegungen oberste Priorität haben. Bei der Bundesagentur für Arbeit kann man diese beiden Arten von Zuschüssen beantragen:

Gründungszuschuss

Über den Gründungszuschuss können Sie Ihren Lebensunterhalt in der Startphase der Existenzgründung absichern. Diesen können jedoch nur diejenigen beantragen, die sich in einem Angestelltenverhältnis befanden und damit in die gesetzliche Arbeitslosenversicherung eingezahlt haben, also alle, denen das Arbeitslosengeld I zusteht. Wichtig: Der Antrag für den Gründungszuschuss muss vor der Gründung und Aufnahme der Selbständigkeit gestellt werden. Der Gründungszuschuss erfolgt in zwei Phasen. In der ersten Phase werden sechs Monate lang zu der Summe des sonst bezogenen Arbeitslosengeldes weitere 300 Euro monatlich gezahlt. Nach anschließender Prüfung der aktuellen Entwicklung des Unternehmens durch die Agentur und dem positiven Entscheid kann eine Aufbauförderung gewährt werden. Für weitere neun Monate werden zur sozialen Absicherung 300 Euro ausgezahlt.

Einstiegsgeld

Ein Großteil der Uni-Absolventen wird sich aber direkt an die Jobcenter wenden, da ihnen die Beschäftigungszeit als Angestellte fehlt und sie zu den ALG-II-Empfängern gehören. Diese Gruppe wird durch die speziellen Fallmanager für Selbständigkeit und Existenzgründungen betreut. Ihr Lebensunterhalt wird mit dem sogenannten „Hartz IV“ abgesichert. Zudem haben sie die Möglichkeit, finanzielle Unterstützung für Beratungsdienstleistungen wie Existenzgründerseminare, Anwalt oder Steuerberater zu beantragen. Nach eingehender Prüfung des Geschäftskonzeptes kann außerdem ein Einstiegsgeld die nötige finanzielle Unterstützung bieten. Hier können maximal für 24 Monate 100 Prozent – meistens aber nur 50 Prozent – der Regelleistung (Hartz-IV-Geld) ausgezahlt werden.

Darlehen von der Arbeitsagentur

Außerdem ist es möglich, dass Darlehen zur Eingliederung von Selbständigen gewährt werden. Diese können für die Beschaffung von Sachgütern gezahlt werden, soweit sie für die Ausübung der selbständigen Tätigkeit erforderlich sind. Die Zuschüsse betragen maximal 5.000 Euro. Ein Darlehen kann den Höchstbetrag für Zuschüsse übersteigen. Unter Umständen können Zuschüsse und Darlehen kombiniert werden. Sachmittel können sein: Betriebs- und Geschäftsausstattungen (PC und Software, Telefonanlage, Kopierer, Mobiliar oder Ähnliches), marketing- und vertriebunterstützende Investitionen (Erstellung Homepage, Werbemittel …), Fahrzeuge, Maschinen, Werkzeuge und so weiter.

Zuschüsse der Länder

Der Weg in die Selbständigkeit ist auch ein alternativer Weg aus der Arbeitslosigkeit. Die Arbeitslosigkeit zu bekämpfen und damit die Beschäftigungsfähigkeit der Menschen zu verbessern, war das Ziel der Initiatoren des Europäischen Sozialfonds (ESF). Seit 1957 unterstützt die EU mit den Geldern des ESF unter anderem die Existenzgründer in ihren Ländern – so auch in Deutschland – in Milliardenhöhe. Dabei entscheidet jedes Bundesland, wie es seine Jungunternehmer fördert und zu welchem Anteil ESF-Gelder fließen. Es lohnt sich daher immer, im jeweiligen Wirtschaftsministerium nachzufragen. Gute Chancen haben auf alle Fälle Existenzgründer der neuen Bundesländer, da hier der Arbeitsmarkt besonders intensiv gefördert wird. So gibt es beispielsweise bei der Gesellschaft für Arbeits- und Wirtschaftsförderung des Freistaats Thüringen mbH (GfAW), welche die ESF-Mittel für das Land Thüringen verwaltet, verschiedene Möglichkeiten der Förderung. Besonders interessant ist der Existenzgründerzuschuss, bei dem im ersten Geschäftsjahr monatlich bis zu 600 Euro ausgezahlt werden – steuerfrei und ohne Anrechnung auf die Sozialleistungen, die bei der Gemeinde beantragt wurden.

Das ist gerade für diejenigen ideal, die am Anfang viele Anschaffungskosten haben. Aber Achtung: Gefördert wird nur das erste Geschäftsjahr und damit auch nur die Abschreibung der Güter für diesen Zeitraum. Planen Sie dagegen mit vielen kleinen Investitionen, sogenannten geringwertigen Wirtschaftsgütern (je maximal 410 Euro), können Sie diese im Jahr des Kaufs abschreiben und sich damit auch in voller Höhe über die ESF-Gelder fördern lassen. Dieser Existenzgründerzuschuss ist gerade für die Beschaffung aller Arbeitsmittel eine ideale Finanzierungsmöglichkeit. Er muss vor der Gründung beantragt werden und setzt die Meldung als arbeitslos voraus.

Nützliche Links

Kredite:

Geld, das Geld kostet

Falls alle bisher vorgestellten Finanzierungsmöglichkeiten für Sie nicht ausreichen, sollten Sie je nach Umfang Ihres Geschäftskonzeptes doch noch einmal Ihren Businessplan prüfen und im Zweifelsfalle den Rotstift zücken. Denn neben dem Aufwand für Beantragung und Nachweis der Verwendung der Gelder gehen Sie mit den zuvor genannten Finanzierungskonzepten keine weiteren Verpflichtungen ein. Sie müssen die Gelder nicht zurückzahlen, keine Zinsen begleichen oder Bürgschaften bringen und sind nicht gezwungen, innerhalb gesetzter Frist einen messbaren Erfolg nachzuweisen.

Bedenken Sie: Bei einem Kredit ist das Geld nur geborgt. Wenn Sie nach kurzer Zeit merken, dass Ihnen ein Angestelltenverhältnis besser liegt als die Selbständigkeit, Sie ein lukratives Jobangebot bekommen oder schlichtweg mit Ihrem Konzept scheitern, stehen Sie trotzdem für Ihre eingegangenen finanziellen Verpflichtungen gerade. Sie können keine Bank im Nachhinein dazu zwingen, die Zinsen, die Laufzeit und die Abschlagsraten zu verringern und damit Ihrer veränderten Lebenssituation anzupassen.

Bevor Sie den Kontakt zu der Hausbank suchen, lohnt es sich, den Verwandten- und Bekanntenkreis zu sondieren. Gibt es hier vielleicht die Möglichkeit, um einen zinslosen Privatkredit zu bitten? Wenn Sie tatsächlich einen Protegé finden, legen Sie gemeinsam in einem schriftlichen Vertrag genau die Summe und die Auszahlungs- und Rückzahlungsmodalitäten fest. Das vermeidet späteren Zwist und sichert das gegenseitige Vertrauen. Professionelle Unterstützung beim Aufsetzen eines solchen Schriftstückes erhalten Sie vom Rechtsanwalt oder bei gemeinnützigen Rechtsberatungen. So haben Sie bei einem guten Verhältnis zueinander noch eher die Möglichkeit, auch nach Vertragsabschluss Abweichungen zu verhandeln, sollte sich bei Ihrer Gründung etwas ändern.

Den passenden Kreditgeber aufspüren

Die Suche nach einem geneigten und optimalen Kreditgeber erfordert viel Laufleistung und Klinkenputzen. Kein Kreditinstitut verleiht aus reiner Gutmütigkeit Geld. Jede Bank prüft das Geschäftskonzept auf Herz und Nieren, verlangt Sicherheiten und möchte nachweisbare Erfolge sehen. Ein Kredit erweitert zwar Ihren finanziellen Rahmen, kann aber Ihren Aktionsradius enorm einschränken. Sicherheiten können beispielsweise Sparbücher, Anlagevermögen, Bürgschaften, Lebensversicherung, Immobilien und vieles mehr sein. Hüten Sie sich aber davor, Ihre Altersvorsorge als Sicherheit anzugeben. Auf die sind Sie gerade als selbständiger Unternehmer mehr denn je angewiesen.

Ebenso sollten Sie – wenn möglich – Bürgschaften ausschließen. Es wird zudem sehr schwierig werden, in Ihrem Familien- und Bekanntenkreis jemanden als Bürgen zu gewinnen. Zu Recht. Denn sollten Sie einmal nicht in der Lage sein, Ihren finanziellen Verpflichtungen nachzukommen, muss der Bürge dafür aufkommen. Im Zweifelsfalle mit allen Werten, die er besitzt. Sie sollten sich daher wirklich gut überlegen, ob Sie diese zusätzliche Verantwortung und den damit verbundenen Druck auch noch auf sich nehmen wollen.

Es gibt unzählige Kreditmöglichkeiten und -konditionen. Manche Gründungen brauchen einen Millionenbetrag, um anzulaufen. Anderen wiederum genügt ein sogenanntes Mikrodarlehen, da ihr Investitionsbedarf die Summe von 25.000 Euro nicht überschreitet. Je geringer die Kreditsumme, desto leichter wird es sein, den passenden Geldgeber zu finden. Bekannte Geldgeber sind die KfW Mittelstandsbank, die viele Absolventen als Studienkreditgeber bereits kennen, und sogenannte Mikrofinanzinstitute (s. Kasten).

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Stichwort: Mikrofinanzinstitute

Als Mikrofinanz-Institutionen werden Organisationen bezeichnet, die finanzielle Basisdienstleistungen wie Kredite auch solchen Kunden zur Verfügung stellen, die von herkömmlichen Banken aus verschiedenen Gründen nicht bedient werden. Sie müssen beim DMI (Deutsches Mikrofinanz Institut e. V.) akkreditiert sein und empfehlen die Vergabe von Krediten über die GLS-Bank. Ebenso haften sie für 20 Prozent der Kreditausfälle. Es gibt in jedem Bundesland Mikrofinanzinstitute, die überall die gleichen Konditionen anbieten. Beim ersten Kredit werden bis zu 10.000 Euro ausgezahlt, beim zweiten bis zu 15.000 Euro und beim dritten und weiteren bis 20.000 Euro. Die Auszahlung der Gelder ist an die Zahlung der monatlichen Raten gebunden, außerdem ist es wichtig, dass der Kreditnehmer das Institut frühzeitig über mögliche Zahlungsschwierigkeiten informiert.

Diese Unterlagen sind erforderlich:
  •  Businessplan
  •  Betriebswirtschaftliche Auswertung (bei Bestands-
    unternehmen)
  •  Planung der nächsten zwei Jahre
  •  Aufstellung über andere Kredite
  •  Schufa-Auskunft
  •  Lebenslauf
  •  Einnahmen-Ausgaben-Übersicht

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