Welche Soft Skills Arbeitgeber fordern

von Ute Schroeter

Unser Recherchedienst stellt Stellenangebote für junge Architekten und Bauingenieure zusammen. Dazu durchforsten wir täglich zahlreiche Jobbörsen nach Jobs für Berufsanfänger und veröffentlichen diese auf unserer Homepage. Und damit keine Langeweile aufkommt, haben wir einfach mal ein bisschen mitgelesen.

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Rund 300 Jobangebote pro Monat finden wir bei unserer Recherchereise durch die einschlägigen Stellenportale. Allen ist gemeinsam, dass sie eine besondere Einladung an Absolventen, Berufseinsteiger oder -anfänger enthalten. Teilweise ist das Wort „Absolvent“ bereits im Anzeigentitel eingeschlossen, teilweise heißt es aber auch sinngemäß im Text:

„Wir interessieren uns auch für Bewerbungen von Berufsanfängern.“ Ein wichtiges Stichwort für Architekten ist die Abkürzung AIP (Architekt im Praktikum). Mit diesem Begriff, der nicht verwechselt werden darf mit einem Architekturpraktikum, ist die zweijährige Praxiszeit nach dem Studium gemeint, um sich danach in die Architektenrolle eintragen lassen zu können. Bei unseren Recherchen fiel uns auf, dass sich in Baden-Württemberg überdurchschnittlich viele Stellenangebote an AIPs richten, in Nordrhein-Westfalen aber nicht ein einziges. Wir fragten also bei der Architektenkammer Nordrhein-Westfalen nach und erhielten die Auskunft, dass es diesen Begriff in NRW nicht gibt. Dort spricht man eher von Praxiszeit oder richtet die Stellenanzeige an „Absolventen“. Wichtig ist es nur, zu wissen: Wenn ein Arbeitgeber nach einem AIP sucht, dann sind damit Berufsanfänger ohne oder mit wenig Berufserfahrung gemeint.

Mappe oder E-Mail?

Unseren Recherchen zufolge bevorzugen rund drei Viertel aller Arbeitgeber in Architektur- und Bauingenieurwesen die Onlinebewerbung. Knapp 10 Prozent wünschen ausdrücklich die postalisch übersandte Mappe, der Großteil davon sind Architekturbüros. Die restlichen 15 Prozent stellen es dem Bewerber frei. Größere Unternehmen richten eigene Bewerbungsportale ein, die Bewerber auf jeden Fall nutzen sollten. Bei solchen Unternehmen gehen täglich Hunderte Bewerbungen ein, eine gesondert verschickte Mappe oder E-Mail würde möglicherweise gar nicht erst erfasst werden.

Wer sucht?

Dass die meisten Jobangebote für Berufsanfänger, nämlich knapp 80 Prozent, aus Architektur- oder Ingenieurbüros stammen, ist nicht weiter verwunderlich. Denn Planung gehört ja nun mal zu den klassischen Aufgaben von Architekten und Bauingenieuren. Platz 2, mit 11 Prozent, nehmen Bauunternehmen ein, die meist Bauingenieure als Bauleiter suchen, hin und wieder aber werden auch explizit Architekten für die Bauleitung angefragt. Schlusslicht bildet der Vertrieb, also die Bauzulieferindustrie, die ohnehin nur ein begrenztes Arbeitsgebiet für diese Berufsgruppe bereitstellt, bei der eine Stellensuche aber durchaus ins Kalkül gezogen werden kann.

Was steht drin?

In nahezu jeder Stellenanzeige für Berufseinsteiger werden Kompetenzen im Umgang mit CAD-Programmen und anderer Software gefordert. Sehr oft wird in den Stellenausschreibungen sogar der Name der Software aufgeführt, die der Arbeitgeber bei sich einsetzt. MS Office sollten unseren Auswertungen zufolge beide Berufsgruppen beherrschen, Architekten sollten darüber hinaus Design-Programme (häufigste Nennung: Indesign/Adobe) bedienen können. Ausschreibungsprogramme, sogenannte AVA-Software, werden im Planungsbereich, aber auch in der Bauleitung eingesetzt. Bei Ausschreibungsprogrammen wurde die Orca AVA Software am häufigsten genannt, gefolgt von Arriba/iTWO aus dem Hause RIB Software AG.

Bei den CAD-Programmen ergaben sich im Beobachtungszeitraum für das Programm Autocad von Autodesk die meisten Nennungen (über 30 Prozent), das wiederum zur Nemetschek Group gehört. Ebenfalls sehr verbreitet sind die Software Archicad von Graphisoft sowie die Programme Vectorworks und Allplan. Weniger häufig fanden wir das von Bentley entwickelte Microstation. In 8 Prozent der ausgewerteten Anzeigen wurden andere Programme genannt oder nicht näher beschrieben. Immer häufiger findet sich der Begriff BIM (Building Information Modeling) in Stellenausschreibungen, vor allem größere Büros fordern Kenntnisse im Umgang mit Revit, einer von Autodesk entwickelten BIM-Software.

Die meisten Hersteller bieten kostenlose Studenten- oder Testversionen ihrer Software an. Berufsanfänger sind gut beraten, einfach mal ein bisschen mit den unterschiedlichen Programmen „herumzuspielen“. Mit guten Software-Kenntnissen lässt sich auch mangelnde Berufserfahrung wieder wettmachen.

 

Was heißt hier engagiert?

Ein Stellenangebot hat ein bisschen was von einer Partnervermittlungsanzeige, nur mit dem Unterschied, dass Arbeitgeber „engagierte“ statt „romantische“ Partner bevorzugen. Beide aber, sowohl Heiratswillige als auch Arbeitgeber, versuchen den Richtigen oder die Passende über eine Anzeige zu finden. Wohl deshalb wimmelt es in Stellenanzeigen vor positiv besetzten Adjektiven, schließlich möchte jeder „verantwortungsbewusste, strukturierte, kreative, zielorientierte und kommunikative“ Mitarbeiter finden. Verwunderlich nur, dass sich oft ausschließlich Personen bewerben, die genau das nicht sind und Bewerber mit diesen Eigenschaften sich nicht angesprochen fühlen.

Das Problem bei der Sache sind die Adjektive. Anders als Verben lösen Adjektive sehr individuelle Bilder in uns aus. Der eine meint, mit dem pünktlichen Erscheinen im Büro sei dem Thema Zuverlässigkeit ausreichend Rechnung getragen, ein anderer findet, Engagement äußere sich in der völligen Selbstaufgabe, sprich arbeiten bis zum Burnout. Während ein Dritter mit Kommunikationsfähigkeit Smalltalk und lockere Sprüche verbindet, erwartet ein anderer stets bestens vorbereitete PowerPoint-Präsentationen, selbst bei einer Zweierunterredung. Tätigkeitsbeschreibungen, also Texte mit zahlreichen Verben, schaffen es eher, sowohl beim Sender als auch beim Empfänger ein einheitlicheres Bild auszulösen. „In Konfliktsituationen bleiben Sie sachlich, Sie berufen sich auf Fakten und lassen Emotionen aus dem Spiel.“ Ein solcher Satz beschreibt, welches Verhalten ein Arbeitgeber von einer konfliktfähigen Person erwartet. Das ist leichter nachvollziehbar, als wenn einfach nur Konfliktfähigkeit gewünscht wird. Leider sind die adjektivlastigen Stellenanzeigen immer noch in der Überzahl. Nur einzelne der von uns analysierten Anzeigen beschreiben, was sich die Personalentscheider unter einem „verantwortungsbewussten“ oder „engagierten“ Mitarbeiter vorstellen. Im Rahmen der TALIS-Jobrecherche analysierten wir die Anzahl der gewünschten Eigenschaften. Im Folgenden stellen wir die wichtigsten vor und wagen einen Übersetzungsversuch:

Platz 1: Engagiert, motiviert, fleißig

Natürlich stehen Fleiß und Engagement hoch im Kurs bei Arbeitgebern, schließlich bringen einen untätige Mitarbeiter nicht weiter. Doch reicht es aus, immer brav alles zu machen, was einem gesagt wird? Genügt es, auf Arbeitsanweisungen zu warten? Engagierte Menschen warten nicht, sie kümmern sich um die Sache, um die es geht. Sie denken mit, stellen Fragen, recherchieren oder lesen nach, immer mit dem Ziel, eine Lösung oder zumindest einen Teil davon zu finden. Wer sich engagiert, ist zwangsläufig fleißig, denn Engagement erfordert Zeit.

Platz 2: Teamfähig

Teamfähigkeit ist ein arg strapazierter Begriff und meint deutlich mehr als nur die Zusammenarbeit mit anderen Menschen. Zweifelsohne lassen sich Projekte niemals im Alleingang realisieren. Doch wirklich gut funktionierende Teams sind selten. Auch in Planungsbüros oder Bauunternehmen verzettelt man sich oft in stundenlange, ergebnislose Meetings. Echte Teamplayer lassen andere ausreden und geben fremden Ideen Raum. Es geht ihnen nicht um sich selbst, im Mittelpunkt steht die Aufgabe. Als Berufsanfänger müssen Sie in ein bestehendes Team erst hineinwachsen. Als teamfähig erweisen Sie sich, wenn Sie sich zunächst einmal nur von der Gruppe inspirieren lassen, um sich nach und nach selbst einzubringen.

Platz 3: Strukturierte Arbeitsweise

Das Genie beherrscht das Chaos? Mag sein, aber bei 99,99 Prozent von uns Nicht-Genies hilft eine strukturierte Arbeitsweise, damit Chaos gar nicht erst entsteht. Ein Durcheinander auf dem Schreibtisch führt zwangsläufig zu Strukturlosigkeit im Kopf. Deshalb sei auch allen Genies gesagt: Gebt eurer Tätigkeit Struktur und Ordnung – nicht alles auf einmal, alles Schritt für Schritt. Nur so erwachsen aus genialen Ideen auch geniale Lösungen.

Platz 4: Begeisterungsfähig, Freude bei der Arbeit

Nichts ist schlimmer als ein Dauernörgler mit Dreitage-Regenwetter-Gesicht am Nachbarschreibtisch. Begeisterungsfähige Mitarbeiter, die mit Spaß und Freude an neue Aufgaben herangehen, stehen hoch im Kurs. Man erkennt sie daran, dass sie lieber von „Herausforderungen“ als von „Problemen“ sprechen, dass sie Hürden sportlich nehmen und sich auch von der Begeisterung anderer leicht anstecken lassen.

Platz 5: Selbständig, eigenverantwortlich

Wer selbständig oder eigenverantwortlich handelt, kann sich selbst gut organisieren. Chefs, die Aufgaben in die Hände selbständiger Mitarbeiter legen, können sich entspannt zurücklehnen, denn diese kümmern sich von Anfang bis Ende um die ihnen anvertrauten Angelegenheiten. Wenn sie nicht weiterwissen, organisieren sie sich selbständig Unterstützung und schlagen rechtzeitig Alarm, wenn ein Projekt zu scheitern droht.

 

 

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