Baumaßnahmen im öffentlichen Straßenraum verändern bestehende Verkehrsabläufe oft über mehrere Wochen oder Monate. Fahrstreifen entfallen, Gehwege werden verlegt oder Kreuzungsbereiche können zeitweise nur eingeschränkt genutzt werden. Bereits vor Baubeginn wird untersucht, welche Auswirkungen Sperrungen und Einengungen auf den Straßenraum haben. Die Aufgaben eines Verkehrspanungsbüros reichen von der Analyse und Betrachtung des Straßenraums bis zur Ausarbeitung vollständiger Planunterlagen. Dort entstehen Unterlagen, die sowohl den Anforderungen der zuständigen Behörden als auch den örtlichen Gegebenheiten entsprechen, um die einzelnen Bauphasen verkehrlich abzusichern. Die Planung umfasst dabei weit mehr als das Einzeichnen einiger Verkehrszeichen. Stattdessen werden Bauabläufe und verfügbare Verkehrsflächen festgelegt.
Kurzfassung
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Planungsaufgaben beginnen vor dem ersten Absperrelement
Noch bevor eine Baustelle eingerichtet wird, muss feststehen, welche Flächen während der einzelnen Bauphasen tatsächlich genutzt werden. Daraus ergibt sich, welche Fahrstreifen entfallen, ob Parkflächen gesperrt werden müssen oder an welcher Stelle Ersatzwege für den Fußverkehr eingerichtet werden. Zu den Aufgaben eines Verkehrsplanungsbüros gehört zunächst die Aufnahme des vorhandenen Straßenraums.
Innerhalb geschlossener Ortschaften unterscheiden sich die Anforderungen häufig deutlich von Arbeiten auf Bundes- oder Landstraßen. Während in Wohngebieten Grundstückszufahrten, Bushaltestellen oder Schulwege in die Planung einbezogen werden müssen, stehen auf überörtlichen Straßen Fahrgeschwindigkeit, Sichtweiten und frühzeitige Vorankündigungen im Vordergrund. Aus diesen Randbedingungen ergibt sich die spätere Verkehrsführung.
Bauphasen bestimmen den Aufbau der Verkehrsführung
Größere Bauvorhaben verlaufen meist in mehreren Abschnitten. Jede Bauphase verändert die verfügbare Verkehrsfläche und verändert die Verkehrsführung für den jeweiligen Bauabschnitt. Bereits geringe Verschiebungen des Baufeldes können dazu führen, dass Verkehrszeichen umgesetzt, Absperreinrichtungen verändert oder Fahrstreifen neu markiert werden müssen.
Ein praktisches Beispiel liefert die Erneuerung einer innerstädtischen Wasserleitung. Während zunächst nur ein Gehweg betroffen ist, verlagern sich die Arbeiten später auf einen Fahrstreifen. Anschließend wird eine Kreuzung geöffnet, wodurch Abbiegebeziehungen zeitweise entfallen. Für jede dieser Bauphasen entstehen eigene Verkehrszeichenpläne, damit Verkehrsteilnehmer jederzeit erkennen können, welche Wege aktuell freigegeben oder gesperrt sind.
Verkehrszeichenpläne enthalten mehr als einzelne Schilder
Verkehrszeichenpläne bilden die Grundlage für die spätere Einrichtung einer Baustelle, indem sie festlegen, welche Verkehrszeichen an welchen Positionen aufgestellt und welche zusätzlichen Sicherungseinrichtungen eingesetzt werden. Dazu gehören unter anderem Leitbaken, Absperrschranken, Warnleuchten oder Fahrbahnmarkierungen.
Auch werden vorhandene Verkehrszeichen berücksichtigt. Manche Schilder müssen während der Bauzeit vorübergehend außer Kraft gesetzt und abgedeckt werden, damit keine widersprüchlichen Anordnungen entstehen.
Unterschiedliche Verkehrsarten benötigen eigene Betrachtungen
Eine Baustelle betrifft selten ausschließlich den Kraftfahrzeugverkehr, da auch Radwege, Gehwege, Bushaltestellen und Grundstückszufahrten weiterhin nutzbar bleiben oder vorübergehend ersetzt werden müssen. Aus diesem Grund muss jede Verkehrsart einzeln betrachtet werden.
Muss beispielsweise ein Gehweg gesperrt werden, reicht es nicht aus, Fußgänger auf die gegenüberliegende Straßenseite zu verweisen. Vor der Sperrung wird geprüft, ob sichere Querungsmöglichkeiten vorhanden sind oder ob zusätzliche Absperrungen und Übergänge eingerichtet werden müssen. Ähnliche Überlegungen gelten für den Radverkehr, wenn bestehende Radwege zeitweise entfallen oder gemeinsam mit dem Kraftfahrzeugverkehr geführt werden.
Ausschreibungsunterlagen bauen auf der Verkehrsplanung auf
Die Planung einer Verkehrsführung endet nicht mit dem fertigen Verkehrszeichenplan. Vor der Vergabe der Verkehrssicherungsleistungen müssen sämtliche vorgesehenen Maßnahmen eindeutig beschrieben werden. Dazu gehören unter anderem Verkehrszeichen, Absperreinrichtungen, Markierungen sowie die einzelnen Bauphasen. Aus diesen Angaben entstehen Leistungsverzeichnisse. Stimmen Planung und Leistungsbeschreibung nicht überein, entstehen während der Bauausführung häufig Rückfragen oder Anpassungen. Deshalb müssen beide Planungsbestandteile inhaltlich aufeinander abgestimmt sein.
Verkehrszählungen und Signaltechnik als Planungsbestandteil
Nicht jede Baustelle lässt sich allein anhand eines Lageplans beurteilen. Vor-Ort-Erhebungen und Verkehrszählungen erfassen über Fahrtrichtungen, Abbiegevorgänge oder die Auslastung einzelner Fahrstreifen. Diese Daten helfen dabei, Bauphasen so festzulegen, dass stark belastete Verkehrsbeziehungen möglichst berücksichtigt werden.
Verändert eine Baustelle den bisherigen Straßenverlauf, müssen häufig auch Fahrbahnmarkierungen angepasst werden. Kommen transportable Lichtsignalanlagen zum Einsatz, werden zusätzlich Signalzeiten und Freigabephasen auf die geänderte Verkehrsführung abgestimmt. Markierungs- und Signalzeitenpläne ergänzen daher die Verkehrszeichenpläne und legen fest, dass sämtliche Regelungen aufeinander abgestimmt sind.
Änderungen während der Bauausführung
Vor Beginn einer Baumaßnahme werden Verkehrszeichenpläne und weitere Unterlagen bei der zuständigen Behörde eingereicht. Erst nach der verkehrsrechtlichen Anordnung dürfen die vorgesehenen Sicherungsmaßnahmen eingerichtet werden. Während der Bauzeit können sich jedoch Änderungen ergeben, etwa wenn zusätzliche Leitungsarbeiten erforderlich werden oder Bauabschnitte früher beziehungsweise später abgeschlossen werden als ursprünglich vorgesehen.
In solchen Fällen werden einzelne Bauphasen oder Verkehrsführungen angepasst und die Unterlagen entsprechend aktualisiert. Planung und Bauausführung bleiben dadurch während des gesamten Projekts eng miteinander verknüpft.
Fazit
Die Tätigkeit eines Verkehrsplanungsbüros für temporäre Verkehrsführungen umfasst Verkehrszeichenpläne, Bauphasenplanung, Leistungsverzeichnisse, Verkehrszählungen sowie signaltechnische Unterlagen. Sämtliche Planungsbestandteile beziehen sich auf den vorhandenen Straßenraum und die jeweilige Bauphase. Dadurch entstehen Unterlagen, die während der Planung und Durchführung einer Baustelle als Arbeitsgrundlage dienen.
