Vorhang auf – Bühne frei

von Ute Schroeter

Wer eine Einladung zum Vorstellungsgespräch erhält, kann sich schon mal kräftig auf die Schulter klopfen. Nach einer Studie des Staufenbiel Instituts aus dem Jahr 2016 führen 12 Prozent der eingegangenen Bewerbungen zu einem Vorstellungsgespräch. Diese Zahlen sollen Ihnen Mut machen. Denn Sie brauchen jetzt vor allem zweierlei: Selbstvertrauen und Gelassenheit.

Die Einladung

Es dauert in der Regel eine bis zwei Wochen, bis Sie eine Reaktion auf Ihre Bewerbungsunterlagen erhalten, bei größeren Unternehmen meist in Form einer schriftlichen Mitteilung, dass die Unterlagen angekommen sind. Bei kleineren Unternehmen tauscht man sich aber auch telefonisch oder per E-Mail aus. Nach weiteren zwei bis drei Wochen werden Sie erneut Post im Briefkasten oder E-Mail-Postfach vorfinden. Entweder handelt es sich um eine Absage oder um die Einladung zum Vorstellungsgespräch. Den Termin sollten Sie umgehend telefonisch oder schriftlich bestätigen. Setzen Sie alle Hebel in Bewegung, um ihn wahrzunehmen. Eine Verschiebung wird man nur aus einem sehr wichtigen Grund akzeptieren, etwa wegen Krankheit oder einer Operation. Wer sich bereits in dieser frühen Phase schwierig anstellt, macht sich unbeliebt.

Wie die andere Seite denkt

Vorstellungsgespräche sind nicht nur für den Bewerber eine aufregende und anstrengende Sache. Die andere Seite ist ähnlich nervös wie Sie. Personalchefs stehen mächtig unter Druck, die richtige Entscheidung zu treffen. Ein Mitarbeiter, der sich später doch nicht als zuverlässig erweist, Bauherren vergrault oder sogar gravierende Fehler macht, kann eine Firma in den Ruin treiben. Daher investieren Arbeitgeber viel Zeit und Geld für die Rekrutierung von neuen Mitarbeitern. Da werden Anzeigen – meist online – aufgegeben, stundenlang Bewerbungen ausgedruckt und geprüft, Absagen und Zusagen geschrieben, sogar Headhunter angesetzt, um Führungskräfte zu gewinnen. Die Vorstellungsgespräche laufen manchmal über mehrere Tage. In dieser Zeit können sich Personalchefs und Geschäftsführer kaum um andere Dinge kümmern – jedenfalls nicht ums Geldverdienen. Glauben Sie ja nicht, dass der Chef im Anschluss an diese Plackerei jedes Mal ein wohliges Gefühl in der Magengegend hat. Es kommt oft vor, dass eine Stelle leer bleibt, einfach weil „keine echte Perle“ dabei war. Die eine zu blass, der andere zu arrogant, eine dritte eine echte Fachfrau, die sich dann aber für eine andere Stelle entscheidet, und der Letzte hat zwar ein Superzeugnis, macht aber leider einen so unsympathischen Eindruck, dass man ihn unmöglich auf Kunden und Auftraggeber loslassen kann. Ihr Gegenüber hat es in Sachen Aufwand und Stress mindestens ebenso schwer wie Sie. In der Fußballsprache gesprochen: Es steht 1:1 unentschieden.

Die Vorbereitung

Ein Vorstellungsgespräch kommt den meisten vor wie eine Prüfung. Es gibt Fragen und Antworten, man möchte einen guten Eindruck, sprich eine gute „Zensur“, machen, möchte auch gutes Geld verdienen. Alles in allem sind es negative Gefühle, die wir mit einem Vorstellungsgespräch verbinden. Versuchen Sie es mal von einer anderen, positiven Seite zu betrachten. Nicht umsonst werden Sie zum Vorstellungsgespräch „eingeladen“. Das ist eine sehr freundliche Geste. Man möchte Sie kennen lernen, man hat Interesse an Ihnen und will Sie in keinem Fall vorführen oder lächerlich machen. In der Tat gibt es Stressinterviews, in denen Bewerber bewusst in die Enge getrieben werden. Sollte Ihnen so etwas widerfahren, dann haken Sie es unter Negativerfahrung ab und überlegen Sie sich gut, ob Sie für eine Firma, die derart rüde mit ihren künftigen Mitarbeitern umgeht, arbeiten wollen. In der Regel begegnet man Ihnen aufgeschlossen und freundlich, vor allem interessiert man sich für Sie. Die einzige Parallele zu einer Prüfung, die Sie ziehen sollten, ist die intensive Vorbereitung. Sicherlich werden Sie bei einem Vorstellungsgespräch auf Fragen antworten müssen, nur gibt es im Gegensatz zu einer Prüfung kein Richtig oder Falsch. Der Einstieg „Erzählen Sie mal ein bisschen was über sich“ müsste in Wahrheit lauten: „Sind Sie in der Lage, mit Menschen ins Gespräch zu kommen, oder muss man Ihnen alles aus der Nase ziehen?“ Wichtig ist an dieser Stelle, dass man Ihnen gut zuhören kann und dass Ihre kleine Selbstpräsentation nicht öde und langweilig ist. Nur große Schauspieltalente schaffen das ohne Vorbereitung. Nehmen Sie sich also nochmals Ihren Lebenslauf vor und überlegen Sie sich, welche Ereignisse für Ihr Gegenüber interessant sein könnten. Natürlich kennt Ihr Gesprächspartner Ihren Werdegang, das sollte Sie trotzdem nicht zu der Bemerkung verleiten: „Das hab ich doch schon alles geschrieben.“

Lernen Sie Ihren Vortrag nicht auswendig. Es macht nichts, wenn Sie mal ins Stocken geraten oder kurz überlegen müssen, um den roten Faden wieder aufzunehmen. Auch wenn Sie eine Generalprobe machen, erzählen Sie immer in Ihren Worten, was Sie bisher gemacht haben, als ob Sie es einem Freund erzählen würden. Ihr Gesprächspartner muss später das Gefühl haben, dass Sie einen Dialog mit ihm führen und nicht einen einstudierten Text herunterrattern.

Wissen ist Macht

Zu einer optimalen Vorbereitung gehört, möglichst viel über den Arbeitgeber, bei dem Sie sich vorstellen werden, zu wissen. Selbst kleine Büros sind im Internet vertreten, insofern haben Sie leichtes Spiel, an Informationen zu kommen. Diese Vorarbeit wird von Ihnen erwartet. „Was wissen Sie über uns?“ ist eine häufig gestellte Frage. Ihre Antwort zeigt, ob Sie recherchiert haben und wirklich an der Firma interessiert sind.

Andererseits sollten Sie nicht mit Ihrem Wissen prahlen. Um es Ihnen ein bisschen leichter zu machen, erzählen viele Arbeitgeber erst einmal etwas über sich. Hören Sie aufmerksam zu und sagen Sie nicht: „Das weiß ich schon.“ Auch den Namen Ihres Ansprechpartners müssen Sie kennen. Es gehört zu einem höflichen Umgang, sein Gegenüber bei der Begrüßung mit Namen anzureden.

Architekten und Bauingenieure müssen zudem immer mit Fachfragen rechnen. Auch hier geht es weniger um die richtige Antwort. Man möchte herausfinden, wie intensiv Sie sich mit dem jeweiligen Fachgebiet schon beschäftigt haben, ob Sie beispielsweise bestimmte Normen kennen oder schon mal etwas von der VOB, der Vergabe- und Vertragsordnung für Bauleistungen, gehört haben. Bleiben Sie in jedem Fall ehrlich. Die gängige Literatur kennen Sie aus dem Studium, und den Mumm, zuzugeben, dass Sie von einer Sache keine Ahnung haben, aber selbstverständlich bereit sind, sich fehlende Informationen anzueignen, wird man Ihnen hoch anrechnen. Durch scheinheilige Ausflüchte sammeln Sie keine Pluspunkte.

Richtige Antworten gibt es nicht

Eine intensive Vorbereitung ist die Voraussetzung für ein erfolgreiches Vorstellungsgespräch. Lassen Sie sich jedoch nicht dazu verleiten, „richtige“ Antworten auf bestimmte Fragen zu finden. Richtig ist nur das, was echt ist.

Legen Sie sich also keine brillante Begründung für Ihre Berufswahl zurecht nach dem Motto: „Eines Nachts hatte ich einen Traum, dieser Traum hat mich niemals losgelassen.“ Es ist vollkommen in Ordnung, wenn ein Bekannter oder Verwandter Ihr Interesse geweckt hat oder wenn Ihnen die naturwissenschaftlich-technischen Fächer in der Schule Spaß gemacht haben oder Sie schon immer gut zeichnen konnten – Hauptsache, es war wirklich so.

Auch bei unangenehmen Fragen wirken Sie überzeugender, wenn Sie bei der Wahrheit bleiben. Sie dürfen jedoch Dinge verschweigen, schließlich sind Sie nicht vor Gericht. Hat Ihr Studium länger gedauert als der Durchschnitt, dann sollten Sie lieber nicht erwähnen, dass es vorm Fernseher einfach bequemer als im Vorlesungssaal war. Erklären Sie stattdessen, warum Sie den Anschluss verpasst haben, vielleicht weil Sie sich Ihr Studium selbst finanzieren mussten.

Bühne frei: Das Vorstellungsgespräch kann beginnen

Sie sind bestens präpariert, haben allen Verkehrsstaus und Zugverspätungen zum Trotz genug Zeit eingeplant, um pünktlich beim Vorstellungsgespräch zu erscheinen. Pünktlich heißt, nicht: eine halbe Stunde früher. In diesem Fall sollten Sie eine Extra-Runde um den Block drehen. Ihr Erscheinungsbild ist sauber, ordentlich und gepflegt. Dazu an anderer Stelle mehr. Nur so viel: Sorgen Sie dafür, dass der Bund nicht zu eng sitzt. Sie brauchen an diesem Tag mehr denn je Ihre Stimme, die umso besser klingt, wenn das Zwerchfell locker agieren kann. Das ist der wichtigste Einatemmuskel, der zwischen Brust- und Bauchhöhle sitzt. Viele Menschen, vor allem Frauen, atmen ausschließlich mit der Brust, weil sie sich in zu enge Jeans und Röcke zwängen und das Zwerchfell damit kaum Chancen hat, sich zu senken und zu heben. Das führt wiederum zu schrillen, piepsigen Stimmen, denen man wenig Durchsetzungsvermögen zutraut.

In der Regel werden Sie vor dem Raum, in dem das Vorstellungsgespräch stattfindet, eine Weile Platz nehmen. Aufregung und Lampenfieber sind normal. Achten Sie dabei mal auf Ihre Atmung. Wir neigen dazu, in Stresssituationen viel zu viel Luft zu holen und die Schultern zu heben. Das alles ist Gift für die Stimme und macht uns in keinem Fall ruhiger. Ein probates Gegenmittel ist bewusstes Ausatmen, am besten mit einem „SCH-Laut“, wenn Sie unbeobachtet sind. Halten Sie nach dem Ausatmen auch ruhig mal zwei Sekunden die Luft an. Danach locker weiter ein- und ausatmen. Diese Übung können Sie bereits vor Ihrer Abreise machen, falls Sie der Gedanke an das Bevorstehende dann schon nervös macht. Je nachdem, wie groß die Firma ist, bei der Sie sich vorstellen, erwarten Sie meist eine bis drei Personen. Einzig im öffentlichen Dienst ist der Kreis größer. Das Anfangsprozedere ist häufig gleich: Sie werden aufgerufen, es folgt die Begrüßung und man wird Ihnen einen Platz sowie eventuell ein Getränk anbieten. Sie können ruhig etwas trinken, sollten nur darauf achten, dass Sie nichts verschütten. Das kann schnell passieren, wenn Sie Ihre Entwürfe zur Erläuterung ausbreiten. Nehmen Sie eine präsente Haltung ein, das heißt nicht stocksteif, aber aufrecht, auf keinen Fall rumlümmeln wie im Fernsehsessel. Machen Sie sich ansonsten bitte keine Gedanken über Ihre Körpersprache. Manche Bewerbungsratgeber meinen, es sei sinnvoll, eine bestimmte Handhaltung einzustudieren. Wir halten das schlichtweg für Quatsch – geben Sie sich lieber so, wie Sie sind. Reden Sie gerne mit den Händen, dann tun Sie es. Durch Ihre Körpersprache zeigen Sie Ihrem Gegenüber einen Teil Ihrer Persönlichkeit und das ist gut und richtig so.

Die Gesprächsleitung übernimmt Ihr Interviewpartner, er wird Ihnen Fragen stellen. Meist bittet er Sie zunächst, sich vorzustellen und Ihren Werdegang zu schildern. Sie sind ja bestens vorbereitet, es kann also gar nichts schiefgehen. Nur noch mal zur Erinnerung: Führen Sie keinen Monolog, sprechen Sie Ihr Gegenüber direkt an. Alle weiteren Fragen lassen Sie einfach auf sich zukommen. Vertrauen Sie sich. Es wird Ihnen zu jeder Frage etwas einfallen, genauso wie bei jeder anderen Unterhaltung auch. Zum Schluss bekommen Sie die Gelegenheit, Fragen zu stellen. Es wird positiv gewertet, wenn Sie diese Möglichkeit nutzen. Ihre vorherige Recherche schützt Sie davor, unkluge Fragen zu stellen. „Was macht die Firma eigentlich so?“ wird mit Sicherheit Stirnrunzeln bei Ihrem Gesprächspartner verursachen, denn das hätten Sie im Internet nachschauen können. Fragen zu Ihren künftigen Aufgaben oder ob es Weiterbildungsmöglichkeiten gibt, sind hingegen erlaubt.

Umgang mit Absagen

Ein Arbeitsvertrag wäre natürlich der krönende Abschluss für ein Vorstellungsgespräch. Aber selbst eine Absage macht Sie nicht zu einem Verlierer – im Gegenteil. Bei der Entscheidung für oder gegen einen Bewerber spielen viele Faktoren eine Rolle. Einiges lässt sich einfach nicht beeinflussen: zum Beispiel, dass es immer Mitbewerber geben kann, die besser qualifiziert sind. Sie können jedoch gewiss sein, dass mit jedem Vorstellungsgespräch Ihr Erfahrungsschatz wächst, sich optimal zu präsentieren. Das sind die besten Voraussetzungen, eine passende Stelle zu finden.

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PROZENT

der eingegangenen Bewerbungen führen nach einer Studie des Staufenbiel Instituts zu einem Vorstellungsgespräch.

Warum Sie mit diesen Fragen rechnen müssen:

„Haben Sie gut hergefunden?“

Hintergrund: Eröffnung eines Smalltalks, Sie sollen sich willkommen fühlen. Steigen Sie auf jeden Fall darauf ein und berichten Sie kurz vom Stau auf der Autobahn oder vom überfüllten Bahnhof.

„Erzählen Sie uns etwas über sich.“

Hintergrund: Mit dieser Frage möchte man herausfinden, ob Sie ein interessanter Gesprächspartner sind, der sich selbstbewusst präsentieren kann. Überlegen Sie sich also vorher, was Sie zu solch einer Frage sagen möchten. Sie können beispielsweise schildern,
warum Sie Architektur bzw. Bauingenieurwesen studiert haben.

„Warum haben Sie sich bei uns beworben?“

Hintergrund: Ein Arbeitgeber möchte wissen, welche Motivation hinter der Bewerbung steckt und ob er gezielt ausgesucht wurde. Gibt es Punkte in der Stellenausschreibung, in denen Sie besonders gut sind oder die Ihnen besonders viel Spaß machen? Stellen Sie anhand dieser Details Ihre Motivation dar.

„Wissen Sie, was wir machen?“

Hintergrund: Achtung – Stolperfalle. Wer diese Frage mit „Nein“ beantwortet, legt die Karten für mangelnde Vorbereitung auf den Tisch. Deshalb: Schauen Sie nach, welche Leistungsphasen das Büro anbietet oder welche Projekte das Bauunternehmen bearbeitet hat.

„Warum sollen wir ausgerechnet Sie einstellen?“

Hintergrund: Ein Arbeitgeber erwartet für das Gehalt, dass er Ihnen zahlt, entsprechende Gegenleistungen. Mit dieser Frage klopft er ab, welchen Nutzen Sie der Firma bieten. Stellen Sie an dieser Stelle Ihre Stärken dar, beispielsweise Ihr Organisationstalent, Ihre Genauigkeit oder besondere Computerkenntnisse.

„Wo liegen Ihre Schwächen?“

Hintergrund: Wer seine Stärken schildern kann, muss auch in der Lage sein, zu seinen Schwächen Stellung zu beziehen. An dieser Stelle aber keinen Seelen-Striptease hinlegen. Denken Sie sich eine kleine Schwäche aus, die Sie wiederum sympathisch wirken lässt.

„Wo liegen Ihre beruflichen Ziele, was möchten Sie in unserer Firma erreichen?“

Hintergrund: Jeder erfolgreiche Mensch hat ein Ziel, das er anstrebt, ganze gleich, ob es weit in der Ferne oder ganz nah liegt. Wer kein
Ziel hat, rennt planlos in die Zukunft. Es kommt also gut bei Arbeitgebern an, wenn Sie wissen, was Sie wollen. Schildern Sie ruhig völlig
utopische Träume nach dem Motto: „Die nächste Elbphilharmonie entwerfe ich.“

„Was tun Sie in Ihrer Freizeit?“

Hintergrund: Auf den ersten Blick haben Ihre Hobbys nichts mit Ihrer Arbeit zu tun. Und doch sagen sie viel über Ihre Persönlichkeit aus, die für den Arbeitgeber eine hohe Aussagekraft hat. Sportler beispielsweise kommen zielstrebig rüber.

„Haben Sie schon mal etwas von der VOB, dem Gesetz XY oder der Verordnung Z gehört?“

Hintergrund: Mit diesen und anderen Fragen wird Ihr Fachwissen getestet. Es kann durchaus vorkommen, dass Ihnen eine Frage zu einem Praxisbeispiel gestellt wird oder Sie eine Rechenaufgabe lösen sollen. Hier zählt weniger das Ergebnis, sondern eher die Herangehensweise an bestimmte Problemfälle.