Generalprobe fürs Vorstellungsgespräch

von Ute Schroeter

Ein schönes Gefühl, wenn man eine Einladung zum Vorstellungsgespräch bekommt. Dann steigt aber auch die Aufregung vor dem großen Auftritt. Mit unseren Tipps können Sie ganz locker bleiben.

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Warum Sie mit diesen Fragen rechnen müssen:

„Haben Sie gut hergefunden?“
Hintergrund: Eröffnung eines Smalltalks, Sie sollen sich willkommen fühlen. Steigen Sie auf jeden Fall darauf ein und berichten Sie kurz
vom Stau auf der Autobahn oder vom überfüllten Bahnhof.

„Erzählen Sie uns etwas über sich.“
Hintergrund: Mit dieser Frage möchte man herausfinden, ob Sie ein interessanter Gesprächspartner sind, der sich selbstbewusst
präsentieren kann. Überlegen Sie sich also vorher, was Sie zu solch einer Frage sagen möchten. Sie können beispielsweise schildern,
warum Sie Architektur bzw. Bauingenieurwesen studiert haben.

„Warum haben Sie sich bei uns beworben?“
Hintergrund: Ein Arbeitgeber möchte wissen, welche Motivation hinter der Bewerbung steckt und ob er gezielt ausgesucht wurde.
Gibt es Punkte in der Stellenausschreibung, in denen Sie besonders gut sind oder die Ihnen besonders viel Spaß machen?
Stellen Sie anhand dieser Details Ihre Motivation dar.

„Wissen Sie, was wir machen?“
Hintergrund: Achtung – Stolperfalle. Wer diese Frage mit „Nein“ beantwortet, legt die Karten für mangelnde Vorbereitung auf den
Tisch. Deshalb: Schauen Sie nach, welche Leistungsphasen das Büro anbietet oder welche Projekte das Bauunternehmen bearbeitet hat.

„Warum sollen wir ausgerechnet Sie einstellen?“
Hintergrund: Ein Arbeitgeber erwartet für das Gehalt, das er Ihnen zahlt, entsprechende Gegenleistungen. Mit dieser Frage klopft er
ab, welchen Nutzen Sie der Firma bieten. Stellen Sie an dieser Stelle Ihre Stärken dar, beispielsweise Ihr Organisationstalent, Ihre Genauigkeit
oder besondere Computerkenntnisse.

„Wo liegen Ihre Schwächen?“
Hintergrund: Wer seine Stärken schildern kann, muss auch in der Lage sein, zu seinen Schwächen Stellung zu beziehen. An dieser Stelle
aber keinen Seelen-Striptease hinlegen. Denken Sie sich eine kleine Schwäche aus, die Sie wiederum sympathisch wirken lässt.

„Wo liegen Ihre beruflichen Ziele, was möchten Sie in unserer Firma erreichen?“
Hintergrund: Jeder erfolgreiche Mensch hat ein Ziel, das er anstrebt, ganz gleich, ob es weit in der Ferne oder sehr nah liegt. Wer kein
Ziel hat, rennt planlos in die Zukunft. Es kommt also gut bei Arbeitgebern an, wenn Sie wissen, was Sie wollen. Schildern Sie ruhig völlig
utopische Träume nach dem Motto: „Die nächste Elbphilharmonie entwerfe ich.“

„Was tun Sie in Ihrer Freizeit?“
Hintergrund: Auf den ersten Blick haben Ihre Hobbys nichts mit Ihrer Arbeit zu tun. Und doch sagen sie viel über Ihre Persönlichkeit
aus, die für den Arbeitgeber eine hohe Aussagekraft hat. Sportler beispielsweise kommen zielstrebig rüber.

„Haben Sie schon mal etwas von der VOB, dem Gesetz XY oder der Verordnung Z gehört?“
Hintergrund: Mit diesen und anderen Fragen wird Ihr Fachwissen getestet. Es kann durchaus vorkommen, dass Ihnen eine Frage zu
einem Praxisbeispiel gestellt wird oder Sie eine Rechenaufgabe lösen sollen. Hier zählt weniger das Ergebnis, sondern eher die
Herangehensweise an bestimmte Problemfälle.

Es dauert in der Regel eine bis zwei Wochen, bis Sie eine Reaktion auf Ihre Bewerbungsunterlagen erhalten, bei größeren Unternehmen meist in Form einer schriftlichen Mitteilung, dass die Unterlagen angekommen sind. Bei kleineren Unternehmen tauscht man sich aber auch telefonisch oder per E-Mail aus. Wenn dann nach weiteren zwei bis drei Wochen eine Einladung zum Vorstellungsgespräch folgt, heißt es, sich gut vorzubereiten.

Was ziehe ich an?

Korrekte Kleidung ist immer ein Zeichen der Wertschätzung, deshalb ist eine gepflegte Garderobe ein absolutes Muss, wenn man sich einem potenziellen Arbeitgeber präsentiert. Beim ersten Vorstellungsgespräch sollte man daher überlegen, ob man sich neue Kleidung anschafft. Wer sich das nicht leisten kann, sollte auf Feinheiten wie aufgetrennte Nähte achten und sich unbedingt von hinten im Spiegel betrachten, bevor es zum Vorstellungsgespräch geht. Eine gepflegte Frisur sowie saubere Hände und geputzte Schuhe sind natürlich eine Selbstverständlichkeit.

Arbeitgeber stellen gerne Leute ein, die zu ihnen passen. Aus diesem Grund sollten sich beide Berufsgruppen am Stil des Unternehmens orientieren und die Kleidung danach auswählen. Auf der Homepage finden sich meist Fotos der Geschäftsführer. Allein die Art und Weise, wie die Homepage gestaltet ist, lässt Rückschlüsse zu, ob die Firma zum Beispiel eine eher klassisch-konservative oder kreative Linie fährt. Da kann man sich ruhig auf sein Gefühl verlassen. Allerdings sollte man sich unbedingt treu bleiben. Sich absolut anzupassen, wäre im Vorstellungsgespräch kein gutes Signal.

Outfit für Architekten

Da im Architekturbereich allgemein Kreativität gefragt ist, könnte man schnell auf die Idee kommen, dies durch die Kleidung im Vorstellungsgespräch zum Ausdruck zu bringen. Nur bitte nicht in Form von Gag-Motiven à la Micky Maus auf der Krawatte. Stattdessen könnten Architekten gerne mutiger in Sachen Form und Farbe sein. Erfahrungsgemäß ist die Berufsgruppe meist komplett schwarz gekleidet. Es fällt angenehm auf, wenn zum Beispiel das Hemd in einer Modefarbe getragen wird. Generell sollte die Basisgarderobe, also das Jackett und die Hose, in gedeckten, dunkleren Farben wie Dunkelblau, Anthrazit, Dunkelbraun oder Olivgrün getragen werden. Für das Kombiteil wie Hemd oder Bluse kann ruhig eine hellere Farbe gewählt werden.

Foto: Daniel Kummer

Outfit für Bauingenieure

Bei Bauingenieuren verhält es sich etwas anders: Als Führungskraft bewegen sie sich im späteren Berufsleben überwiegend auf Baustellen. In einer praxisorientierten Branche gilt das Motto: Weniger ist mehr. Wer sich mit Hochglanzschuhen und Armani bei einer Baufirma vorstellt, signalisiert, dass er seine zukünftige Aufgabe offenbar nicht verstanden hat. Das heißt wiederum nicht, sich nachlässig zu kleiden. Eine Führungskraft sollte sich – auch auf einer Baustelle – von den Mitarbeitern dadurch unterscheiden, dass die Kleidung nicht nur praxistauglich, sondern ebenfalls repräsentativ ist. Empfehlenswert sind pragmatische und pflegeleichte Sachen, die man nicht dauernd zur Reinigung bringen muss. Im Vorstellungsgespräch ist man beispielsweise mit einem Jackett gut beraten. Dieses Kleidungsstück steht wie kein zweites für Sachlichkeit und Professionalität. Dazu würden eine gute dunkle Jeans – ohne Löcher – sowie ein Hemd, auch ohne Krawatte, oder ein Polopullover passen.

No-Goes für weibliche Führungskräfte

Wenngleich die Tendenz steigend ist – Frauen sind in der Baubranche nach wie vor rar gesät. In einer männerdominierten Branche sollten sie ganz besonders darauf achten, durch ihre Kleidung ihre Professionalität zu unterstreichen und nicht ihre Weiblichkeit. Frauen, die mit tiefem Ausschnitt, Minirock oder bauchfrei zur Arbeit gehen, dürfen sich nicht wundern, wenn sie nicht ernst genommen werden. Auch schulterfreie Tops im Sommer können der Karriere schaden, denn unbedeckte Achselhöhlen gehören in den Privatbereich, nicht ins Geschäftsleben. Das heißt nicht, dass sich Architektinnen und Bauingenieurinnen kleiden und geben müssen wie ihre männlichen Kollegen. Es sollte aber alles in einem professionellen Rahmen bleiben.

Die richtige Vorbereitung fürs Vorstellungsgespräch

Ein Vorstellungsgespräch kommt den meisten vor wie eine Prüfung. Es gibt Fragen und Antworten, man möchte einen guten Eindruck, sprich eine gute „Zensur“, machen, möchte auch gutes Geld verdienen. Alles in allem sind es negative Gefühle, die wir mit einem Vorstellungsgespräch verbinden. Versuchen Sie es mal von einer anderen, positiven Seite zu betrachten. Nicht umsonst werden Sie zum Vorstellungsgespräch „eingeladen“. Das ist eine sehr freundliche Geste. Man möchte Sie kennen lernen und will Sie in keinem Fall vorführen oder lächerlich machen. In der Tat gibt es Stressinterviews, in denen Bewerber bewusst in die Enge getrieben werden. Sollte Ihnen so etwas widerfahren, dann haken Sie es unter Negativerfahrung ab und überlegen Sie sich gut, ob Sie für eine Firma, die derart rüde mit ihren künftigen Mitarbeitern umgeht, arbeiten wollen. Die einzige Parallele zu einer Prüfung, die Sie ziehen sollten, ist die intensive Vorbereitung. Sicherlich werden Sie bei einem Vorstellungsgespräch auf Fragen antworten müssen, nur gibt es im Gegensatz zu einer Prüfung kein Richtig oder Falsch. Der Einstieg „Erzählen Sie mal ein bisschen was über sich“ müsste in Wahrheit lauten: „Sind Sie in der Lage, mit Menschen ins Gespräch zu kommen, oder muss man Ihnen alles aus der Nase ziehen?“ Wichtig ist an dieser Stelle, dass man Ihnen gut zuhören kann und dass Ihre kleine Selbstpräsentation nicht öde und langweilig ist.

Lernen Sie Ihren Vortrag nicht auswendig. Es macht nichts, wenn Sie mal ins Stocken geraten oder kurz überlegen müssen, um den roten Faden wieder aufzunehmen. Auch wenn Sie eine Generalprobe machen, erzählen Sie immer in Ihren Worten, was Sie bisher gemacht haben, als ob Sie es einem Freund erzählen würden. Ihr Gesprächspartner muss später das Gefühl haben, dass Sie einen Dialog mit ihm führen und nicht einen einstudierten Text herunterrattern.

Zu einer optimalen Vorbereitung gehört, möglichst viel über den Arbeitgeber, bei dem Sie sich vorstellen werden, zu wissen. Selbst kleine Büros sind im Internet vertreten, insofern haben Sie leichtes Spiel, an Informationen zu kommen. Diese Vorarbeit wird von Ihnen erwartet. „Was wissen Sie über uns?“ ist eine häufig gestellte Frage. Ihre Antwort zeigt, ob Sie recherchiert haben und wirklich an der Firma interessiert sind.

Architekten und Bauingenieure müssen zudem immer mit Fachfragen rechnen. Auch hier geht es weniger um die richtige Antwort. Man möchte herausfinden, wie intensiv Sie sich mit dem jeweiligen Fachgebiet schon beschäftigt haben, ob Sie beispielsweise bestimmte Normen kennen oder schon mal etwas von der VOB, der Vergabe- und Vertragsordnung für Bauleistungen, gehört haben. Bleiben Sie in jedem Fall ehrlich. Die gängige Literatur kennen Sie aus dem Studium, und den Mumm, zuzugeben, dass Sie von einer Sache keine Ahnung haben, aber selbstverständlich bereit sind, sich fehlende Informationen anzueignen, wird man Ihnen hoch anrechnen.

Bühne frei: Ihr Auftritt kann beginnen

In der Regel werden Sie vor dem Raum, in dem das Vorstellungsgespräch stattfindet, eine Weile Platz nehmen. Je nachdem, wie groß die Firma ist, bei der Sie sich vorstellen, erwarten Sie meist eine bis drei Personen. Einzig im öffentlichen Dienst ist der Kreis größer. Das Anfangsprozedere ist häufig gleich: Sie werden aufgerufen, es folgt die Begrüßung.

Im deutschen Geschäftsleben ist folgendes Ritual allgemein üblich: Der Eintretende grüßt die anwesenden Personen immer zuerst und zwar mit dem in Deutschland gängigen Tagesgruß wie „Guten Tag“. Danach folgen die Anrede, gegebenenfalls der Titel und der Name der Person, die das Gespräch leitet. Der Name des Ansprechpartners muss unbedingt vorher recherchiert werden. Schließlich stellt sich der Bewerber selbst vor, und zwar mit Vor- und Zunamen. Besonders wichtig ist: Lächeln. Das ist nicht nur sympathisch, sondern auch professionell. Ein Willkommensgruß in Form eines Händedrucks geht immer vom Ranghöheren aus. Daher sollten Bewerber ihrem Gesprächspartner nie mit ausgestreckter Hand entgegengehen und den Händedruck nur dann erwidern, wenn er als Geschenk angeboten wird.

Nach der Begrüßung wird man Ihnen einen Platz sowie eventuell ein Getränk anbieten. Sie können ruhig etwas trinken, sollten nur darauf achten, dass Sie nichts verschütten. Nehmen Sie eine präsente Haltung ein, das heißt nicht stocksteif, aber aufrecht, auf keinen Fall rumlümmeln wie im Fernsehsessel. Machen Sie sich ansonsten bitte keine Gedanken über Ihre Körpersprache. Manche Bewerbungsratgeber meinen, es sei sinnvoll, eine bestimmte Handhaltung einzustudieren. Wir halten das schlichtweg für Quatsch – geben Sie sich lieber so, wie Sie sind. Reden Sie gerne mit den Händen, dann tun Sie es. Durch Ihre Körpersprache zeigen Sie Ihrem Gegenüber einen Teil Ihrer Persönlichkeit, und das ist gut und richtig so.

Die Gesprächsleitung übernimmt Ihr Interviewpartner, er wird Ihnen Fragen stellen. Meist bittet er Sie zunächst, sich vorzustellen und Ihren Werdegang zu schildern. Sie sind ja bestens vorbereitet, es kann also gar nichts schiefgehen. Nur noch mal zur Erinnerung: Führen Sie keinen Monolog, sprechen Sie Ihr Gegenüber direkt an. Alle weiteren Fragen lassen Sie einfach auf sich zukommen. Vertrauen Sie sich. Es wird Ihnen zu jeder Frage etwas einfallen, genauso wie bei jeder anderen Unterhaltung auch. Zum Schluss bekommen Sie die Gelegenheit, Fragen zu stellen. Es wird positiv gewertet, wenn Sie diese Möglichkeit nutzen. Ihre vorherige Recherche schützt Sie davor, unkluge Fragen zu stellen. „Was macht die Firma eigentlich so?“ wird mit Sicherheit Stirnrunzeln bei Ihrem Gesprächspartner verursachen, denn das hätten Sie im Internet nachschauen können. Fragen zu Ihren künftigen Aufgaben oder ob es Weiterbildungsmöglichkeiten gibt, sind hingegen erlaubt.