Wie arbeitet es sich in den Niederlanden, Herr Schupp?

TALIS fragte Manuel Schupp, Geschäftsführender Gesellschafter bei Wilford Schupp Architekten, Zürich, wie es sich als Architekt in den Niederlanden arbeiten lässt.

Wie sind Sie auf die Idee gekommen, ins Ausland zu gehen?

Manuel Schupp: Wir sind ein deutsch-englisches Architekturbüro und haben daher schon immer internationale Projekte realisiert. Interessante Projekte in aller Welt reizen uns, da sie den persönlichen Horizont erweitern und zeigen, dass in der Welt mit sehr unterschiedlichen Herangehensweisen geplant und gebaut wird.

Warum haben Sie sich gerade die Niederlande ausgesucht, um dort zu arbeiten?

Manuel Schupp: Es gibt viele Gemeinsamkeiten zwischen den Niederländern und uns. Insbesondere sind die hohen Erwartungen an ausgeprägte architektonische Qualität etwas, das die generelle gebaute Qualität in diesem Land sehr hoch macht. Nach dem Wettbewerbserfolg für die Erweiterung des „Friedenspalasts“ in Den Haag war dies ein besonderer Ort, mit einer besonderen Aufgabe, die eine außergewöhnliche Architektur erlaubte.

Was gefällt Ihnen besonders an den Niederlanden?

Manuel Schupp: Hohes Qualitätsbewusstsein gepaart mit einer hohen Innovationskraft. Die Niederlande scheinen mir eines der modernsten und tolerantesten Länder in Europa zu sein, die zudem den Blick für die Zukunft nie aus den Augen verlieren.

Woran mussten Sie sich erst gewöhnen?

Manuel Schupp: Dass uns in den Niederlanden ähnlich wie in England und Polen erst einmal nicht die größten Sympathien entgegengebracht werden. Dies ist begründet in unserer Geschichte, hat aber bis heute noch emotionale Auswirkungen, die man nicht unterschätzen darf. Es bedarf deshalb besonderer Diplomatie, im Planungsprozess zu führen, ohne besserwisserisch deutsch dazustehen.

Welchen Tipp geben Sie jungen Architekten, die in den Niederlanden arbeiten möchten?

Manuel Schupp: Offen zu sein für die Denkweise der anderen und zu bemerken, dass es auch Unterschiede in der Ausbildung zwischen beiden Ländern gibt. Die jungen Kollegen dort sind wesentlich experimenteller und unabhängiger von Sachzwängen. ■

www.wilfordschupp.de

Arbeiten in den Niederlanden

Klicktipp

Manuel Schupp Niederlande architektArchitekt Manuel Schupp erzählt, wie es sich als Deutscher in den Niederlanden arbeiten lässt.

Auch an den Niederlanden ist die Wirtschafts- und Finanzkrise nicht spurlos vorübergegangen. Dennoch wurde der Arbeitsmarkt dank hohen Kündigungsschutzes und flexibler Arbeitszeitreglungen weitaus geringer in Mitleidenschaft gezogen als in anderen Ländern. Die Arbeitslosenquote lag im Februar 2010 mit vier Prozent (7,3 Prozent bei den Jugendlichen) auf dem niedrigsten Stand aller EU-Länder. Obwohl sich der Wohnungsbausektor nur langsam von der Krise erholt, mangelt es der Bauwirtschaft an qualifizierten Fachkräften. Insofern sind die Niederlande für arbeitssuchende Architekten und Bauingenieure ein lohnendes Ziel, zumal der Mangel an heimischen Absolventen in den technischen Studiengängen die Nachfrage in den kommenden Jahren weiter verstärken dürfte. Auch die Karrierechancen für Frauen sind hier besser als in vielen anderen Ländern.
Die Lebenshaltungskosten und Gehälter liegen in etwa auf deutschem Niveau, dafür sind deutlich weniger Steuern und staatliche Abgaben abzuführen. Allerdings unterliegen die Verdienstmöglichkeiten starken regionalen Schwankungen: In den Ballungsgebieten um die Großstädte Amsterdam, Den Haag und Rotterdam sind die Bezüge überdurchschnittlich. Hier finden sich auch die meisten freien Stellen.

Jobsuche
Printmedien

Einen Blick in den Stellenteil der großen niederländischen Tages­zeitungen sollte man in jedem Fall werfen. Einige verfügen über eigene Jobbörsen im Internet oder arbeiten mit großen Online-Anbietern zusammen.

• NRC Handelsblad, www.nrccarriere.nl
• De Volkskrant, www.vkbanen.nl
• De Telegraaf, http://vacaturekrant.nl
• Algemeen Dagblad, arbeitet zusammen mit www.jobtrack.nl

Die Wochenzeitschrift „Intermediair“ richtet sich gezielt an Hoch­schul­ab­sol­venten und enthält neben vielen Stellen­anzeigen auch Artikel zu Be­wer­bungs­themen und Gehalts­übersichten (www.intermediair.nl).

Die Möglichkeiten zur Suche nach einem geeigneten Arbeits­platz sind in den Nieder­landen außerordentlich vielfältig. Die öffentliche Arbeits­vermittlung UWV WERKbedrijf (www.werk.nl) bietet ein umfangreiches Stellen­angebot in nieder­ländischer Sprache. Daneben stehen über 200 lokale Arbeits­ämter (arbeidsbureaus) mit regional aus­gerichtetem Angebot zur Ver­fügung (www.nederland-web.nl/r/Arbeidsbureaus/). Zusätzlich gibt es vor Ort weitere 18 „Jobcenters“ sowie so genannte „Topcenters“ speziell für Hochschulabsolventen.
Der Zeitarbeitsmarkt spielt in den Niederlanden eine wesentlich größere Rolle als bei uns. Entsprechend groß sind die Angebote der „Uitzendbureaus“, die selbst als Arbeitgeber in Erscheinung treten und ihre Mitarbeiter an andere Unternehmen ausleihen (www.uitzendbureau.nl). Ebenfalls im Zeitarbeitssektor tätig sind die so genannten „Bemiddelingsbureaus“, die als reine Vermittlungsagenturen auftreten.
Basierend auf dem Netzwerkgedanken werden an den Hochschulen gegenwärtig die „Careers Services“ stark ausgebaut. So organisiert die Studentenorganisation AIESEC (www.aiesec.nl) jedes Jahr zwischen Dezember und April Firmenkontaktmessen in verschiedenen Städten. Auch der „Intermediair Carrieredag“ (im Februar/März in Amsterdam) der Wochenzeitschrift „Intermediair“ bietet gute Möglichkeiten, berufliche Kontakte zu knüpfen (www.intermediair.nl).
Um keine böse Überraschung zu erleben, sollte man vor Beginn der Jobsuche prüfen lassen, ob das deutsche Diplom in den Niederlanden voll anerkannt wird. Auskunft erteilt unter anderem die Netherlands Organization for International Cooperation in Higher Education (www.nuffic.nl).

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Foto: pixabay/PublicDomainPictures

Praktika

In den Niederlanden sind Praktika außerhalb der Berufs- beziehungsweise Hochschulausbildung eher unüblich. Trotzdem ist es mit entsprechender Eigeninitiative möglich, eine entsprechende Stelle zu ergattern. Wertvolle Hilfe leistet dabei das Portal http://stage.startpagina.nl: Es bietet einen zentralen Zugang zu über 30 niederländischen Praktikumsdatenbanken und Unternehmen, die regelmäßig Praktikumsplätze anbieten. Für besonders qualifizierte Fachkräfte gibt es auch Praktikumsangebote unter www.roc.nl.

Bewerbung
Jobbörsen

(Stellenangebote überwiegend in niederländischer Sprache):
www.askjim.nl
www.internetvac.nl
www.backinjob.nl
www.jobstoday.nl

Viele Unternehmen und Institutionen veröffentlichen zudem Stellenanzeigen auf ihren Websites.

Die Niederlande sind eines der wenigen Länder, in denen man auch ohne Kenntnisse der Landessprache gute Chancen auf dem Arbeitsmarkt hat, da in größeren Unternehmen meist Englisch als Arbeitssprache gepflegt wird. Entsprechend ist auch die Bewerbung nicht unbedingt auf Niederländisch abzufassen, sondern in (korrektem) Englisch.
Eine Reihe von Tipps zur Bewerbung im Ausland hat die Bundesagentur für Arbeit unter www.ba-auslandsvermittlung.de in der Rubrik „Arbeitnehmer“ zusammengestellt.

Allgemein richten sich niederländische Bewerbungsunterlagen eher nach amerikanischem Vorbild, das heißt ein kurzes, schnörkelloses Anschreiben, in dem das Interesse an der ausgeschriebenen Stelle bekundet wird, sowie ein maximal zweiseitiger Lebenslauf ohne Datum und Unterschrift. Zeugnisse und Bewerbungsfotos werden üblicherweise nicht verlangt. Das Anschreiben kann ruhig etwas lockerer formuliert sein, allerdings nicht zu flapsig. Im Lebenslauf werden detaillierte Angaben zum Ausbildungsverlauf (auch besondere Kurse, Zusatzqualifikationen, spezielle Kenntnisse und Fähigkeiten) erwartet. Auf die Nennung von Hobbys und Freizeitaktivitäten wird großer Wert gelegt. Bewirbt man sich um einen höher qualifizierten Posten, sollten Referenzen beigefügt werden.
Oft geht der Einladung zum Bewerbungsgespräch ein telefonisches Interview voraus. Im eigentlichen Gespräch will man nämlich lieber testen, wie aktiv sich der Bewerber einbringt. Rückfragen sind gerne gesehen und auch sinnvoll, zum Beispiel wenn es um die betriebliche Altersvorsorge geht, die angesichts der niedrigen gesetzlichen Renten in den Niederlanden eine wichtige Rolle spielt.

Einreiseformalitäten

Bundesbürger unterliegen als Angehörige eines EU-Staates keinerlei Beschränkungen auf dem niederländischen Arbeitsmarkt, eine Arbeitserlaubnis wird automatisch erteilt. Will man in den Niederlanden auch wohnen, ist gleich nach der Einreise eine Registrierung bei der niederländischen Fremdenpolizei (Vreemdelingenpolitie) erforderlich. Eine Aufenthaltsberechtigung kann, auch wenn sie nicht zwingend benötigt wird, in bestimmten Fällen von Nutzen sein: Manchmal fragen Arbeitgeber danach, bevor sie einen Vertrag mit einem Arbeitnehmer abschließen, aber auch Banken, wenn ein Konto eröffnet werden soll. Sie kann bei der Einwanderungsbehörde des Bürgeramtes (Burgerzaken) der Wohngemeinde beantragt werden.

Die niederländische „Architektenkammer“
Nützliche Links

• Portal der niederländischen Botschaft
in Berlin, www.niederlandeweb.de
• Deutsch-niederländische Industrie- und
Handelskammer, www.dnhk.org
• Niederländische „Architektenkammer“,
www.bna.nl
• Königlich-Niederländischer Ingenieur-
verein KIVI NIRIA, www.kiviniria.net

Der „Bond van Nederlandse Architecten (BNA)“ (www.bna.nl) fungiert ähnlich wie der BDA als Interessenverband der niederländischen Architekten und übernimmt eine wichtige Rolle bei den Tarifverhandlungen. Aufnahmevoraussetzung ist ein gebührenpflichtiger Eintrag in das Architektenregister (www.architectenregister.nl). Dieser lohnt sich schon deshalb, weil nur registrierte Architekten bei öffentlichen Bauaufträgen berücksichtigt werden.
Ungeachtet dessen hat in den Niederlanden jeder Bürger das Recht, einen Bauplan einzureichen, um ihn baupolizeilich prüfen und genehmigen zu lassen, wobei zahllose Interessenvertreter ein Mitbestimmungsrecht besitzen und Architekten bei der Ausführung ihrer Entwürfe vergleichsweise wenig Einflussmöglichkeiten haben. Planungssicherheit wie in Deutschland ist daher eher die Ausnahme.

Der Königlich-Niederländische Ingenieurverein KIVI NIRIA

Mehr als 25.000 Ingenieure und Ingenieurstudenten sind im „Koninklijk Instituut Van Ingenieurs (KIVI NIRIA)“ (www.kiviniria.net) zusammengeschlossen. Der Berufsverband ist in 38 technische Abteilungen untergliedert sowie in eine Abteilung für Jungingenieure, eine für Studenten und 16 Regionalgruppen. Die Mitgliedschaft in bis zu zwei Abteilungen ist kostenlos und eröffnet zahlreiche Möglichkeiten zur Netzwerkbildung, unter anderem bei einer der über 600 jährlichen Veranstaltungen und Tagungen des Vereins. Außerdem bietet KIVI NIRIA Beratung und Hilfe für ausländische Ingenieure, die sich in den Niederlanden beruflich orientieren möchten. Dank eines Partnerschaftsabkommens können auch Mitglieder des VDI die Angebote des Königlich-Niederländischen Ingenieurvereins in vollem Umfang nutzen.■

Arbeiten in Finnland

Finnland gilt vielen noch immer als Musterland in Europa, ob in der Bildung (Stichwort: PISA-Studie) oder in der Wirtschaft, die sich nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion als wichtigstem Handelspartner mit bewundernswerter Disziplin erneuert hat. Die weltweite Wirtschafts- und Finanzkrise hat allerdings auch in Finnland ihre Spuren hinterlassen, wenngleich der Arbeitsmarkt davon weitaus geringer in Mitleidenschaft gezogen wurde als in anderen Ländern: Die Arbeitslosenquote lag im März 2012 mit 7,5 % deutlich unter dem EU-Schnitt. Auch die Jugendarbeitslosigkeit lag mit 19,5 % vergleichsweise niedrig und dürfte sich weiter rückläufig entwickeln, weil in den nächsten Jahren die geburtenstarken Jahrgänge in Rente gehen.

Nach einem krisenbedingten Einbruch ist die finnische Bauwirtschaft zuletzt gewachsen. Die Bauinvestitionen stiegen 2011 um real 3,4 %. Vor allem im Tiefbau wird mit einem weiteren Anstieg gerechnet. Berufliche Perspektiven für Architekten und Bauingenieure eröffnen sich daneben beim Bau neuer Stadtviertel, bei Großprojekten im Verkehrswesen, im Energiesektor und bei Gewerbeobjekten.

Im dünn besiedelten Finnland befinden sich fast 80 % der Architekten- und Ingenieurbüros im wirtschaftlich starken Großraum Helsinki. Die Löhne und Gehälter liegen auf den ersten Blick etwa auf deutschem Niveau, dies relativiert sich aber angesichts hoher Steuern und Sozialabgaben. Zudem liegen die Lebenshaltungskosten in Finnland um bis zu 20 % über denen in Deutschland. Vor allem das Wohnen ist teuer. Dagegen bietet Finnland für berufstätige Frauen eine Menge Vorteile: Dank eines gesetzlich garantierten Anspruchs auf Kinderbetreuungsangebote wird es ihnen dort besonders leicht gemacht, Beruf und Familie in Einklang zu bringen. Gleichberechtigung wird in allen Bereichen der Gesellschaft großgeschrieben, was vielleicht auch daran liegt, dass die finnische Sprache keine Geschlechter kennt. Mit ihren insgesamt 15 grammatikalischen Fällen gilt sie als eine der schwierigsten der Welt. Man kann sich allerdings fast überall problemlos mit Englisch verständigen. Viele Finnen sprechen auch Deutsch, das vor dem Fall des Eisernen Vorhangs als zweite Fremdsprache unterrichtet wurde.

Printmedien

Tageszeitungen spielen auch in Finnland eine wichtige Rolle bei der Jobsuche. Die beiden wichtigsten sind:

  • Helsingin Sanomat, www.hs.fi
    (Rubrik Teemat/Työelämä, sonst
    Beilage in der Sonntagsausgabe)
  • Aamulehti, www.aamulehti.fi
    (für den Raum Turku,
    Rubrik Työpaikat)
  • Das finnische Arbeitsamt
    (www.mol.fi) veröffentlicht zweimal wöchentlich die Zeitung Työmarkkinat (Arbeitsmarkt) mit vielen Stellenanzeigen.

Finnland ist das Land der Sauna – und das mit gutem Grund. Wer schon in Deutschland die sommerlichen Temperaturen vermisst, ist mit Finnland schlecht beraten. Empfindlichen Gemütern macht im Winter zudem die lange Dunkelheit zu schaffen. Dafür beschert der (kurze) Sommer den Finnen endlos lange und oft auch angenehm sonnige Tage, die in einer Hütte am See verbracht für die langen Winter entschädigen.Jobsuche

Das finnische Arbeitsamt (Työvoimatoimisto) ist die wichtigste Informationsquelle für Jobsuchende: Etwa 70 % aller freien Stellen werden hierüber vermittelt. Sein Online-Angebot unter www.mol.fi steht auch in englischer Sprache zur Verfügung. Über EURES (http://ec.europa.eu/eures), das Portal für berufliche Mobilität in Europa, erhält man ebenfalls Stellenangebote, aber auch Informationen über das Leben und Arbeiten in Finnland. Darüber hinaus findet sich im Internet eine Vielzahl teilweise kostenpflichtiger Jobbörsen und privater Personaldienstleister. Besonders interessant ist die Seite www.aarresaari.net, ein Karriereportal von 19 finnischen Universitäten, wo nicht nur nützliche Tipps und Hinweise für arbeitsuchende Akademiker zu finden sind, sondern auch konkrete Stellenangebote. Für die Freunde von Facebook gibt es unter www.facebook.com/JobsInFinland eine eigene Gruppe, in der regelmäßig englischsprachige Job­angebote aus allen möglichen Branchen gepostet werden.

Nützliche Infos für ausländische Arbeitssuchende in verschiedenen Sprachen finden sich unter www.infopankki.fi. Die Webseite Enterprise Finland www.yrityssuomi.fi bietet im Gegenzug nützliche Hinweise für alle, die sich in Finnland selbständig machen möchten.

Jobbörsen

Praktika

In Finnland ist die Entlohnung von Praktikumstätigkeiten staatlich vorgeschrieben, entsprechend erwarten die Anbieter von den Praktikanten Erfahrungen und berufliche Kenntnisse, die ihnen auch von Nutzen sind. Sehr gute Englischkenntnisse sind überall Pflicht. Über das Portal jobXchange der Deutsch-Finnischen Handelskammer (www.dfhk.fi) werden auch Praktikumsstellen vermittelt.

Die Finnen fördern den internationalen Austausch sehr, gerade auf akademischer Ebene. 1991 wurde das Centre for International Mobility (CIMO) ins Leben gerufen. Unter www.cimo.fi ist ein breites Informationsangebot zu Austausch-, Praktikums- und Fortbildungsprogrammen zu finden.

Bewerbung

Der hohe Stellenwert der IT-Branche hat sich auch auf die Bewerbungsgepflogenheiten in Finnland ausgewirkt. Bewerbungsunterlagen werden nur noch selten in schriftlicher Form eingereicht, stattdessen sind Bewerbungen per E-Mail oder Hinweise auf eine eigene Bewerbungshomepage an der Tagesordnung. Manche Arbeitgeber stellen auf ihren Internetseiten auch ein Online-Bewerbungsformular bereit. Das bedeutet allerdings nicht, dass beim Ausfüllen des Formulars oder bei der E-Mail-Bewerbung weniger Sorgfalt an den Tag gelegt werden darf als bei herkömmlichen Bewerbungen. Zu den üblichen Bewerbungsunterlagen gehören Anschreiben und Lebenslauf. Zeugnisse werden dagegen selten verlangt, da das Ausbildungsniveau in Finnland generell hoch liegt. Auch Passfotos sind eher unüblich.

S85_Talis_2013_MG_7149_LeniCow_RGBDas Anschreiben sollte kurz gehalten werden und die wichtigsten Angaben zu Person und Motivation enthalten. Bescheidenheit ist in Finnland immer noch eine Tugend, von daher sollten besondere Qualifikationen zwar erwähnt, aber nicht übermäßig hervorgehoben werden. Auch der tabellarische Lebenslauf sollte eher nüchtern gehalten sein. Er wird mit Datum und Unterschrift versehen. Wer eine Initiativbewerbung plant, findet Adressen potenzieller Arbeitgeber in den finnischen Gelben Seiten (im Internet erreichbar über www.fonecta.fi) oder über die Deutsch-Finnische Handelskammer (www.dfhk.fi). Dort kann man sich auch in die Online-Bewerberdatenbank jobXchange eintragen, wo für interessierte Unternehmen alle Daten zu Lebenslauf, Qualifikationen und Gehaltswunsch abrufbar sind.

Auch beim Bewerbungsgespräch ist Bescheidenheit Trumpf. Das Gehalt steht in Finnland oft nur bei höheren Positionen zur Verhandlung. Meist weiß der Arbeitgeber schon vorher genau, wie viel er für den neuen Mitarbeiter zu zahlen bereit ist. Die Nennung eigener (unter Umständen überhöhter) Gehaltsvorstellungen führt daher selten zum Ziel und kann sogar zum Ausschlusskriterium werden. Oft werden Arbeitsverträge in Finnland zunächst nur mündlich geschlossen. Spätestens nach einem Monat muss der Arbeitgeber aber eine schriftliche Ausfertigung der Vertragsvereinbarungen vorlegen.

Einreiseformalitäten

Bundesbürger unterliegen als Angehörige eines EU-Staates keinerlei Beschränkungen auf dem finnischen Arbeitsmarkt. Wer sich mehr als drei Monate in Finnland aufhalten will, muss allerdings auch als EU-Bürger eine Aufenthaltserlaubnis beantragen. Der Antrag kann bei jeder Polizeidienststelle in Finnland eingereicht werden, erforderlich sind ein gültiger Personalausweis oder Reisepass, ein Passfoto und eine Arbeitsbescheinigung des Arbeitgebers. Selbständige müssen eine Bescheinigung über die Gewerbeanmeldung oder einen vergleichbaren Nachweis vorlegen.

Welche Formalitäten für die Übersiedlung nach Finnland erledigt werden müssen, erklärt ausführlich die extra hierfür eingerichtete Webseite www.migri.fi des finnischen Einwanderungsservice Maahanmuuttovirasto.

Die Beiträge zur Arbeitslosenversicherung werden in Finnland nicht vom Arbeitgeber einbehalten, sondern ausbezahlt. Da die staatliche Grundversorgung für Arbeitslose recht gering ist, sollte man sofort bei Jobantritt in eine Gewerkschaft eintreten und in deren Arbeitslosenkasse einzahlen. Nach zehn Monaten erwirbt man dann einen Anspruch auf Arbeitslosengeld von der Gewerkschaft.

Der Architekten- und Bau­ingenieursberuf in Finnland

Nützliche Links: leben und arbeiten in Finnland

Angesichts des hohen Stellenwerts, den die Architektur in Finnland genießt, verwundert es, dass weder der Titel Architekt (Arkkitehti) noch der Beruf des Bauingenieurs dort geschützt sind. Jeder ist dazu berechtigt, Architekten- und Ingenieursdienstleistungen anzubieten und Baugenehmigungen einzureichen. Als Qualifikationsnachweis dient lediglich der akademische Titel. Für die Anerkennung deutscher Abschlüsse ist in Zweifelsfällen die Technische Hochschule in Helsinki zuständig (www.aalto.fi). Wer als selbständiger Architekt in Finnland ein Büro betreiben will, braucht also nur eine Eintragung ins Handelsregister. Die kommunale Baubehörde stellt dann bei Einreichung der Genehmigungsplanung fest, ob man für den entsprechenden Gebäudetyp qualifiziert ist.

Die Mitgliedschaft im Verband Finnischer Architekten (Suomen Arkkitehtilitto/Finlands Arkitektenförbund, SAFA – www.safa.fi), einem gemeinnützigen Berufsverband, der allen Architekten mit finnischem oder europaweit anerkanntem Architekturdiplom offensteht, ist freiwillig und unabhängig davon, ob der Beruf tatsächlich ausgeübt wird.

Neben dem SAFA gibt es viele weitere Verbände auf freiwilliger Basis, für Bauingenieure etwa die Tekniikan Akateemiset (www.tek.fi). ■

Arbeiten in Brasilien

Nicht nur wegen seiner Traumstrände und des allzeit schönen Wetters ist Brasilien für Architekten und Bauingenieure von großem Interesse. Die konjunkturelle Entwicklung der vergangenen Jahre hat die Heimat von Architektenikone Oscar Niemeyer auf Platz sechs der weltgrößten Wirtschaftsmächte hinauf­katapultiert. Die Finanzkrise zeigte kaum Auswirkungen auf den brasilianischen Binnenmarkt und der anhaltende Boom schlägt sich auch im Bausektor nieder.

Durch die explosionsartige Bevölkerungsentwicklung in den vergangenen 30 Jahren (die Einwohnerzahl hat sich in dieser Zeit auf 195 Millionen fast verdreifacht) war der brasilianische Arbeitsmarkt lange Zeit übersättigt. Mittlerweile liegt die Arbeitslosenquote bei historisch niedrigen 5,3 Prozent (Stand: August 2012). Dennoch sind die bürokratischen Hürden für arbeitsuchende Ausländer hoch, viele ausländische Diplome werden nicht anerkannt und nur wenige Unternehmen sind bereit, die umständliche Prozedur für die Erteilung einer Arbeitserlaubnis auf sich zu nehmen, ohne die kein Arbeitsvisum ausgestellt wird.

Typisch brasilianisch: langes Warten im Berufsverkehr. Foto: Ute Schroeter

Typisch brasilianisch: langes Warten im Berufsverkehr. Foto: Ute Schroeter

Auf den zweiten Blick stehen die Chancen für junge Architekten und Bauingenieure aus Deutschland allerdings gar nicht so schlecht, da qualifizierte Arbeitskräfte dringend benötigt werden. Die Ausbildung an deutschen Universitäten genießt ein hohes Ansehen, vor allem Spezialwissen in den Bereichen Nachhaltigkeit sowie neuartige Konstruktions- und Baustoff-Technologien wird stark nachgefragt.

Als größte Hürde dürfte sich die portugiesische Sprache erweisen, ohne die in Brasilien nichts geht. Spanisch wird zwar verstanden und kann am Anfang den Einstieg erleichtern, mit Englisch kommt man dagegen kaum weiter. Das Arbeitsklima ist in der Regel deutlich lockerer als in den meisten europäischen Ländern. Es ist üblich, Vorgesetzte mit dem Vornamen anzureden oder mit Kollegen über private Dinge zu sprechen. Trotz aller Lockerheit wird Leistung großgeschrieben: Die gesetzliche Arbeitszeit beträgt bis zu 44 Stunden wöchentlich – Pausen nicht mitgerechnet. Gegenwärtig ist Brasilien vor allem für Selbständige attraktiv, weil es kaum bürokratische oder finanzielle Hürden für die Eröffnung eines eigenen Büros gibt. Bauanträge können allerdings nur durch einen brasilianischen Kontaktarchitekten eingereicht werden.

Jobbörsen

Eine kleine Jobbörse findet sich auch auf den Seiten der deutsch-brasilianischen Industrie- und  Handelskammer unter www.ahkbrasil.com/bolsa_empregos/

Jobsuche

Eine zentrale Arbeitsvermittlungsagentur wie in Deutschland gibt es in Brasilien nicht, jeder Bundesstaat hat eigene Strukturen. Auch das Stellenvermittlungsportal des brasilianischen Arbeitsministeriums http://maisemprego.mte.gov.br ist nur nach vorheriger Registrierung zugänglich, für die eine Sozialversicherungsnummer erforderlich ist. Es gibt allerdings eine Reihe von Jobbörsen im Internet, bei denen man sich auf die Suche nach geeigneten Stellen bzw. nach Adressen für Blindbewerbungen machen kann. Hilfreich ist dabei auch das Online-Dienstleistungsverzeichnis www.brazilbiz.com.br.

Praktika

Ein Praktikumsvisum (Vitem I) zu erhalten ist unproblematisch. Die Modalitäten für die Beantragung finden sich auf der Webseite der brasilianischen Botschaft in Berlin (http://berlim.itamaraty.gov.br/de/praktikum_zur_beruflichen_weiterbildung.xml). Praktika in Brasilien vermittelt unter anderem die Europäisch-Lateinamerikanische Gesellschaft (www.elg-online.de). Da die Praktikumssuche in Brasilien auf eigene Faust nicht ganz einfach ist, tummeln sich im Internet zahlreiche Vermittlungsagenturen unterschiedlicher Seriosität. Hier sollte man sich gründlich informieren, bevor man sich auf ein Angebot einlässt.

Bewerbung

Am vielversprechendsten ist eine Bewerbung bei einem deutschen Unternehmen mit Niederlassung in Brasilien. Allerdings darf nur maximal ein Drittel der Stellen mit ausländischen Arbeitskräften besetzt werden. Wer sich auf eine Stelle in den Ballungsgebieten Rio de Janeiro und vor allem São Paulo bewirbt, muss sich auf Fahrtzeiten zum Arbeitsplatz von bis zu zwei Stunden einstellen. Grundsätzlich wird von den Arbeitnehmern ein hohes Maß an Flexibilität erwartet, häufige Wechsel von Arbeitsplatz und Wohnsitz sind üblich. Arbeitsverträge sind in Brasilien eher die Ausnahme, Anstellungsverhältnis, Gehalt, Krankheits- und Urlaubstage werden stattdessen in einem speziellen Ausweis, der „Carteira de Trabalho e Previdência Social“ festgehalten und vom Arbeitgeber regelmäßig aktualisiert.

Die Brasilianer essen viel Fleisch. Foto: Ute Schroeter

Die Brasilianer essen viel Fleisch. Foto: Ute Schroeter

Für die Bewerbung gelten die gleichen Maßstäbe an Sorgfalt und Formulierung wie in Deutschland (antichronologischer Lebenslauf, kurzes Anschreiben). Allerdings sollte sie, sofern im Stellenangebot nicht ausdrücklich etwas anderes steht, stets auf Portugiesisch abgefasst sein. Zeugnisse und Referenzen werden nur auf ausdrückliche Nachfrage in beglaubigter Übersetzung eingereicht. Ein Foto wird üblicherweise nicht verlangt, persönliche Angaben wie Nationalität und Familienstand sind dagegen Pflicht. Das Bewerbungsgespräch verläuft meist in sehr lockerer Atmosphäre, dennoch wird konservative Kleidung erwartet. Ein bescheidenes Auftreten wird geschätzt, über Gehaltsfragen spricht man erst zu einem späteren Zeitpunkt. Die Gehälter für qualifizierte Fachkräfte bewegen sich auf deutschem Niveau.

Einreiseformalitäten

Wie bereits erwähnt, muss für jede berufliche Tätigkeit in Brasilien ein Visum beantragt werden, das ohne gültigen Arbeits- oder Praktikumsvertrag nicht ausgestellt wird. Das Arbeitsvisum ist also immer an das konkrete Arbeitsverhältnis gebunden. Ausführliche Informationen zu den erforderlichen Unterlagen gibt es auf der Seite des brasilianischen Generalkonsulats in Frankfurt am Main unter http://frankfurt.itamaraty.gov.br.

Deutsche müssen in Brasilien nur geringe Sozialabgaben zahlen, doch die Leistungen sind auch dementsprechend niedrig. Es empfiehlt sich daher, eine zusätzliche private Krankenversicherung abzuschließen. Eine der ersten Pflichten eines ausländischen Arbeitnehmers ist die Anmeldung beim Finanzamt. Die Einkommensteuer liegt mit rund 28 Prozent (im ungünstigsten Fall) deutlich niedriger als in Deutschland. Die Unternehmen übernehmen den größeren Anteil der Sozialabgaben sowie andere zusätzliche Leistungen wie Überbrückungsgeld im Falle eines Arbeitsplatzverlustes.

Nützliche Links: leben und arbeiten in Brasilien

Portal der brasilianischen Botschaft in Berlin, http://berlim.itamaraty.gov.br/de/

Interessenvertretungen von Architekten und Bauingenieuren in Brasilien

Eine Architektenkammer nach deutschem Vorbild gibt es in Brasilien nicht. Das mag daran liegen, dass der Architekt im Planungsprozess eine vorwiegend künstlerisch-kreative Rolle spielt und die gesamte Planung, Ausführung und Überwachung in den Händen des Bauingenieurs liegt. Im Gegenzug gibt es gleich mehrere Interessenvereinigungen brasilianischer Architekten und Bauingenieure. Die 1973 gegründete Associação Brasileira dos Escritórios de Arquitetura (www.asbea.org.br) vertritt die Interessen von über 300 registrierten Architektenbüros und setzt sich gemeinsam mit dem Sindicato Nacional das Empresas de Arquitetura e Engenharia Consultiva (www.sinaenco.com.br) für die Belange von Architekten und Bauingenieuren in allen gesellschaftlich relevanten Bereichen ein. Älteste und mit fast 100 000 Mitgliedern größte Interessenvertretung der Architekten ist das 1921 gegründete Istituto do Arquitetos do Brasil (www.iab.org.br). Berufsständische Aufgaben übernimmt die Federação Nacional dos Arquitetos e Urbanistas (www.fna.org.br). Da Bauanträge nur durch Architekten eingereicht werden können, die in Brasilien studiert haben und über eine Berufslizenz (Crea) verfügen, ist die Mitgliedschaft in keiner dieser Institutionen zwingend. ■

Arbeiten in China

Die chinesische Wirtschaft boomt wie kaum eine andere: Trotz der weltweiten Wirtschafts- und Finanzkrise erwartet der Internationale Währungsfonds für 2013 ein Wachstum des chinesischen Bruttoinlandsprodukts um 8,2 %. Die Arbeitslosenquote liegt seit 2010 bei konstant 4,1 %. Das ist auch eine Chance für deutsche Architekten und Bauingenieure, denn die wachsende Verstädterung bringt eine anhaltend hohe Nachfrage nach Wohnraum mit sich. Wer in China arbeiten möchte, muss sich jedoch gegen zunehmend gut ausgebildete Chinesen durchsetzen und herausragende Qualifikationen mitbringen.

Auch die psychologischen Hürden liegen hoch. Die chinesische Amtssprache Mandarin (in Hongkong auch Kantonesisch) zu erlernen erfordert ein hohes Maß an Disziplin und stellt für sprachlich unbegabte Menschen eine fast unüberwindliche Hürde dar. Ohne Sprachkenntnisse wird man in China schnell an den einfachsten Alltagsverrichtungen scheitern – und man sollte sich nicht darauf verlassen, dass das Gegenüber Englisch versteht, auch nicht in den großen Metropolen Peking und Shanghai. Nicht zuletzt erleichtert die Beherrschung der Landessprache auch das in China besonders wichtige Netzwerken.

Nützliche Links: leben und arbeiten in China

  • Chinesische Botschaft in Berlin, www.china-botschaft.de
  • Deutsche Außenhandelskammer in China, http://china.ahk.de
  • Eine interessante Übersicht über die Situation der chinesischen Bauwirtschaft gibt es bei Germany Trade & Invest in der Reihe „Branche kompakt“ unter www.gtai.de.

Darüber hinaus sollte man die Bereitschaft mitbringen, sich unvoreingenommen auf die nationalen Gepflogenheiten einzulassen. Die chinesische Mentalität weist gegenüber der europäischen deutliche Unterschiede auf – und die können unter Umständen eine große Belastung sein. So ist das direkte Ansprechen von Problemen in China ein absolutes Tabu. Niemals darf der Gesprächspartner das Gefühl bekommen, bloßgestellt zu werden, sein Gesicht zu verlieren. Ein interkulturelles Training im Vorfeld kann hier unschätzbare Dienste leisten.

Eine Niederlassung als selbständiger Architekt oder Bauingenieur kommt in China anfangs kaum in Frage, da die bürokratischen Hürden für die Gründung ausländischer Unternehmen sehr hoch sind (so wird beispielsweise ein Startkapital von 100 000 Euro gefordert). Stattdessen sollte man sich lieber auf deutsche Unternehmen konzentrieren, die bereits in China aktiv sind. Besondere Kenntnisse in den Bereichen Nachhaltigkeit, effiziente Projektplanung und Gebäudemanagement werden stark nachgefragt und erhöhen die Chancen auf einen attraktiven Job.

Jobsuche

Erste Anlaufstelle für die Jobsuche in China ist die Zentrale Auslands- und Fachvermittlung der Bundesagentur für Arbeit www.ba-auslandsvermittlung.de.
Dort finden sich umfangreiche Informationen über den Zugang zum chinesischen Arbeitsmarkt und die administrativen Voraussetzungen für die Aufnahme eines Beschäftigungsverhältnisses. Ein guter Einstieg mit vielen Artikeln rund um das Leben und Arbeiten in China findet sich auf www.chinaseite.de.

Jobbörsen

www.cjol.com/
(in chinesischer Sprache)

www.chinajob.com
(in englischer Sprache)

www.cpjobs.com/hk/
(für Akademiker)

www.jiujik.com
(in englischer Sprache)

www.jobs.chinaweb.de

www.sinojobs.de

www.zhaopin.com
(in chinesischer Sprache)

Auch wenn persönliche Kontakte in China sehr wichtig sind, ist die Jobsuche vor Ort nicht unbedingt erfolgversprechender als von Deutschland aus, zumal für die Erteilung eines Arbeitsvisums Z ein gültiger Arbeitsvertrag vorliegen muss. Das Angebot von Jobbörsen im Internet ist groß, vom Stellenmarkt der Deutschen Außenhandelskammer in China (http://china.ahk.de unter Job Market), wo auch Stellengesuche mit Lebenslauf hinterlegt werden können, über Personalvermittlungsdienstleister wie www.eurochinajob.com, die ebenfalls mit vielen nützlichen Artikeln zum Leben und Arbeiten in China punkten, bis zu den zahllosen allgemeinen Jobportalen, die immer wieder interessante Jobangebote in China bereithalten. Regelmäßig einen Blick werfen sollte man auf die englischsprachige Webseite www.world-architects.com, wo Stellen für Architekten in der ganzen Welt ausgeschrieben werden.

Nationalstadion Peking. Foto: Ute Schroeter

Nationalstadion Peking. Foto: Ute Schroeter

Als Pendant für Bauingenieure ist www.theengineeringjob.com/ zu empfehlen. Dort lässt sich auch ganz gezielt nach Jobmöglichkeiten in China suchen. Eine chinesische Bewerbung besteht in der Regel aus einem einseitigen Anschreiben, einem zweiseitigen Lebenslauf (tabellarisch und antichronologisch) sowie einem Bewerbungsfoto. Kopien der Diplome oder Arbeitszeugnisse werden nur beigefügt, wenn dies vom Arbeitgeber ausdrücklich verlangt wird. Referenzschreiben sind dagegen üblich, z. B. von früheren Arbeitgebern, Professoren oder Ausbildern. Ob die Bewerbung in Chinesisch oder Englisch verfasst wird, hängt von dem Unternehmen ab, bei dem man sich bewirbt. Adressen für Initiativbewerbungen erhält man über die Deutsche Außenhandelskammer in China http://china.ahk.de.

Chinesische Unternehmen vertrauen oft auf den Ruf einer bestimmten Hochschule bzw. international anerkannte Rankings. Deutsche Hochschulen und der Aufbau der einzelnen Studiengänge sind ihnen allerdings nur selten bekannt, daher obliegt es dem Bewerber, seine Hochschule und die dort erworbenen Kompetenzen bestmöglich zu präsentieren und die Personalverantwortlichen dafür zu begeistern.

Printmedien

In China gibt es zahlreiche Tages- und Wochenzeitungen mit einer Extrabeilage für aktuelle Jobangebote. Zu den wichtigsten zählen:

Hinweis: Die Stellenanzeigen sind über die Internetangebote der genannten Zeitungen meist nicht zugänglich.

Beim Bewerbungsgespräch, das nicht selten telefonisch oder per Videokonferenz geführt wird, werden Höflichkeit und Zurückhaltung großgeschrieben. Hier sollte man sich vorher unbedingt mit den chinesischen Umgangsformen vertraut machen. So ist es üblich, dem Unternehmen nach dem Bewerbungsgespräch ein Dankesschreiben zukommen zu lassen, um noch einmal sein Interesse an der freien Stelle zu bekunden.

Es kann sein, dass man am Ende des Vorstellungsgesprächs bereits ein konkretes Angebot unterbreitet bekommt. Daher sollte man sich vorher genau überlegen, zu welchen Konditionen man arbeiten möchte, damit man sich davon nicht überrumpeln und auf Bedingungen einlässt, die man eigentlich nicht möchte. Generell sollte man sich darauf einstellen, dass bei chinesischen Firmen deutlich weniger gezahlt wird als bei ausländischen Firmen, die in China arbeiten.

Einreiseformalitäten

Um die Formalitäten für die Erteilung eines Arbeitsvisums Z kümmert sich üblicherweise der neue Arbeitgeber. Ohne gültigen Arbeitsvertrag wird kein entsprechendes Visum ausgestellt. Außerdem ist eine Reihe gesundheitlicher Untersuchungen Pflicht, die teils in Deutschland, teils in China durchgeführt werden müssen – darunter auch ein HIV-Test. Genaue Auskünfte erteilt die chinesische Botschaft in Berlin (www.china-botschaft.de).

Wer in China arbeiten möchte, muss sich mit der Mentalität der Menschen auseinandersetzen. Foto: Ute Schroeter

Wer in China arbeiten möchte, muss sich mit der Mentalität der Menschen auseinandersetzen.
Foto: Ute Schroeter

Der Arbeitgeber ist verpflichtet, die von ihm beschäftigten ausländischen Arbeitnehmer innerhalb von 30 Tagen nach Erhalt der Arbeitserlaubnis bei der örtlichen Sozialversicherungsbehörde anzumelden. Die Höhe der Sozialversicherungsbeiträge liegt in den einzelnen Städten und Regionen Chinas unterschiedlich hoch, in Peking beispielswiese bei 10,2 Prozent des monatlichen Bruttoeinkommens. Unter Umständen können die in China geleisteten Arbeitnehmerbeiträge zur Renten- und Krankenversicherung nach dem Ende des Beschäftigungsverhältnisses erstattet werden, wenn der Arbeitnehmer bis dahin keine Leistungen in Anspruch genommen hat.

Die Architectural Society of China (ASC) und die China Civil Engineering Society (CCES)

Die Architectural Society of China (ASC, www.chinaasc.org) wurde 1951 als „China Construction Engineering Society“ gegründet und widmet sich der wissenschaftlichen Forschung sowie dem internationalen Austausch von Know-how im Bereich der Architektur. Sie hat beratende Funktion bei nationalen städtebaulichen Projekten und versteht sich als Sprachrohr ihrer Mitglieder, zu denen auch Unternehmen und Institutionen gehören. Ihr Gegenstück für das Bauingenieurwesen ist die China Civil Engineering Society (CCES, www.cces.net.cn). Die Mitgliedschaft in diesen Organisationen ist mit einem bestimmten sozialen Status verbunden und wird meist auf Vorschlag durch ein anderes Mitglied gewährt. Eine direkte Entsprechung zu den deutschen Kammern bzw. Ingenieursvereinen gibt es in China nicht. ■

Arbeiten in Belgien

In Belgien hat die Wirtschafts- und Finanzkrise ihre Spuren hinterlassen, wenngleich der Arbeitsmarkt davon weitaus geringer in Mitleidenschaft gezogen wurde als in anderen Ländern: Die Arbeitslosenquote lag im Juni 2011 bei 7,4 Prozent. Da sich die Regionen strukturell sehr stark voneinander unterscheiden, lohnt sich ein Blick auf die regionalen Statistiken: Die Arbeitslosenquote im französischsprachigen Süden des Landes (Wallonien) lag im Juni 2011 mit 13 Prozent fast doppelt so hoch wie im flämischen Norden (6,2 Prozent) und im deutschsprachigen Teil (7,5 Prozent).
Nach einem deutlichen Einbruch im Jahr 2009 befindet sich die Bauwirtschaft wieder in einem leichten Aufschwung. Vielerorts mangelt es an qualifizierten Fachkräften und zahlreiche Stellen können nicht besetzt werden. Insofern ist Belgien für arbeitsuchende Architekten und Bauingenieure ein lohnendes Ziel. Allerdings gibt es dort nur wenige große Architekturbüros, etwa 85 Prozent werden als Ein-Mann-Betrieb geführt. Für umfangreichere Projekte ist der Zusammenschluss in einer Partnerschaftsgesellschaft üblich.

Die Nettolöhne liegen im Schnitt zwischen 20 und 30 Prozent niedriger als in Deutschland und die Belastung durch Steuern und Sozialabgaben ist eine der höchsten in Europa. Dafür wird Frauen die Berufstätigkeit durch ein breit gefächertes Angebot an staatlich subventionierten Kinderkrippen, Horten, Kindergärten und Tagespflegeangeboten leicht gemacht.
Das Zusammenleben zwischen den unterschiedlichen Sprachgemeinschaften in Belgien gestaltet sich nicht ganz so reibungslos, wie es nach außen den Anschein hat. Aufgrund der Geschichte des Landes gibt es latente Spannungen, die bis zu Separatismusbestrebungen gehen. In Flandern wird man mit Ausländern lieber auf Englisch als auf Französisch kommunizieren, in Wallonien lässt sich mit Niederländischkenntnissen nicht unbedingt punkten. Hierfür sollte man eine gewisse Sensibilität mitbringen.

Jobbörsen

www.belgievacature.be
(in flämischer und französischer Sprache)

www.careerjet.be (in flämischer Sprache)

www.jobijoba.be (in französischer Sprache)

www.jobscareer.be (in flämischer,
französischer und englischer Sprache)

Viele Unternehmen und Institutionen veröffentlichen zudem Stellenanzeigen auf ihren Websites.

Jobsuche

Vier regionale Arbeitsagenturen erleichtern in Belgien die Suche nach einem geeigneten Job: Der VDAB (Vlaamse Dienst voor Arbeidsbemiddeling en Beroepsopleiding, www.vdab.be) bietet seine Dienste in Flandern an, auf der Stellenbörse Actiris (www.actiris.be) finden sich Angebote für die Region Brüssel, Le Forem (Administration Centrale Communauté et Région wallonnes, www.leforem.be) ist für Wallonien zuständig und das Arbeitsamt der Deutschsprachigen Gemeinschaft (www.adg.be) für Arbeitsuchende im deutschsprachigen Teil.
Der Zeitarbeitsmarkt spielt in Belgien eine wesentlich größere Rolle als bei uns und wird als offizieller Sektor mit branchenspezifischen Tarifverträgen anerkannt. Zeitarbeiter werden mit festangestellten Arbeitnehmern gleichgestellt, ein Einstieg auf dem belgischen Arbeitsmarkt ist daher auch über die so genannten „Uitzendbureaus“ bzw. „Entreprises de travail intérimaire“ möglich, die im Internet zahlreich vertreten sind.

Tageszeitungen spielen eine wichtige Rolle bei der Jobsuche: Laut einer Untersuchung werden etwa 65 Prozent der offenen Stellen über Zeitungsanzeigen ausgeschrieben. Einige Zeitungen verfügen über eigene Jobbörsen im Internet oder arbeiten mit großen Online-Anbietern zusammen.

Printmedien

• Le Soir, www.references.be
(spezielles Online-Angebot, sonst Beilage
in der Samstagsausgabe)

• De Standaard, www.jobat.be
(spezielles Online-Angebot, sonst Beilage
in der Samstagsausgabe)

• Grenz-Echo, www.grenzecho.net/dlsjobs/
(spezielles Online-Angebot, sonst Beilage
in der Samstagsausgabe)

In der Dienstagsausgabe von „Le Soir“, in den Sommermonaten auch von „De Standaard“, gibt es eine Sonderbeilage mit Stellenangeboten speziell für Hochschulabsolventen.

Praktika

In Belgien sind Praktika außerhalb der Berufs- bzw. Hochschulausbildung eher unüblich. Trotzdem ist es mit entsprechender Eigeninitiative möglich, eine geeignete
Stelle zu ergattern. Wertvolle Hilfe leistet dabei das Portal www.mijnstage.be (flämisch) bzw. www.monstage.be (französisch) mit Praktikumsangeboten aus ganz Belgien und einer Menge interessanter Tipps für Praktikumssuchende.

Bewerbung

Angesichts der Dreisprachigkeit des Landes sollte man sich vor jeder Bewerbung genau erkundigen, welche der drei Landessprachen in dem anvisierten Unternehmen gesprochen wird. Häufig wird weder eine Bewerbungsmappe noch ein Foto verlangt, sondern eine Bewerbung per E-Mail. Allerdings sollte man sich dabei nicht zu einem flapsigen Ton hinreißen lassen. Es gelten die gleichen Regeln wie bei einer schriftlichen Bewerbung, das heißt ein Anschreiben von maximal einer DIN-A4-Seite Länge und ein antichronologischer, tabellarischer Lebenslauf. Mehrsprachigkeit ist in Belgien weit verbreitet, daher sind Sprachkenntnisse unbedingt zu erwähnen. Zeugnisse und Referenzen sind zunächst nicht erforderlich und zählen weniger als berufliche Erfahrung (auch Praktika, Ferienjobs usw.), allerdings dürfen gute Prüfungsergebnisse ruhig Erwähnung finden. Zum Bewerbungsgespräch sollte man dann alle Unterlagen mitführen.

In Wallonien sind Initiativbewerbungen durchaus vielversprechend. Hier helfen die belgischen „Gelben Seiten“ (www.goldenpages.be) bei der Suche nach entsprechenden Kontakten. Firmenadressen gibt es auch über die Deutsch-Belgisch-Luxemburgische Handelskammer. Viele wallonische Unternehmen legen im Übrigen großen Wert auf eine ordentliche Handschrift und graphologische Tests sind im Auswahlverfahren keine Seltenheit.

In Flandern dagegen spielen persönliche Kontakte und Empfehlungen eine große Rolle, sodass Initiativbewerbungen hier kaum fruchten. Stellengesuche sind in Belgien allgemein unüblich, das Geld für eine entsprechende Anzeige kann man sich also sparen.

Auf der Seite www.grenzpendler.nrw.de findet sich unter der Rubrik „Arbeiten in Belgien“ eine Broschüre zum Download mit vielen weiteren nützlichen Tipps und Hinweisen zum Bewerben und Vorstellen in Belgien.

Einreiseformalitäten

Bundesbürger unterliegen als Angehörige eines EU-Staates keinerlei Beschränkungen auf dem belgischen Arbeitsmarkt, eine Arbeitserlaubnis wird automatisch erteilt. Will man in Belgien auch wohnen, ist innerhalb von zehn Werktagen nach der Einreise eine Anmeldung bei der zuständigen Gemeindeverwaltung erforderlich, die in drei Schritten (mit jeweils separaten Behördengängen) erfolgt: Anwesenheitserklärung – Bescheinigung des Registrierungsantrags – Registrierungsbescheinigung. Für die Registrierung muss ein Nachweis über die Berufstätigkeit vorgelegt werden.
Arbeitnehmern in Belgien ist der Abschluss einer Krankenzusatzversicherung zu empfehlen, da alle ärztlichen Behandlungen von den Patienten vorgestreckt werden müssen und nur zu 75 Prozent erstattet werden.

Die belgische Architektenkammer

Nützliche Links

• Portal der belgischen Botschaft in Berlin,
www.diplomatie.be/berlin/

• Belgische Architektenkammer,
www.ordredesarchitectes.be bzw.
www.architect.be

• Königliche Föderation der Architektenver-
einigungen von Belgien, www.fab-arch.be

Der „Conseil National de l‘Ordre des Architectes (CNOA)“ (www.ordredesarchitectes.be) bzw. „Nationale Raad van de Orde van Architecten (NROA)“ (www.architect.be) fungiert ähnlich wie der BDA als Interessenverband der belgischen Architekten. Ausländische Architekten sind denselben Gesetzen und Regeln wie ihre belgischen Kollegen unterworfen, die Mitgliedschaft in der Kammer ist daher für eine Berufsausübung verpflichtend.
Nach dem Gesetz muss bei allen Bau-, Renovierungs- und Rekonstruktionsprojekten, die die Erteilung einer Baugenehmigung erfordern, ein Architekt zur Erarbeitung der Baupläne und zur Überwachung der Arbeiten herangezogen werden. Bauingenieure sind dazu nur berechtigt, wenn sie über eine entsprechende Qualifikation im Bereich Architektur/Hochbau verfügen.
Neben der belgischen Architektenkammer sind in der Königlichen Föderation der Architektenvereinigungen von Belgien (FAB) (www.fab-arch.be) die Architektenverbände von Flandern, Wallonien und des Großraums Brüssel zusammengeschlossen. ■

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